Segelmacher gesucht . . .

DSC_0001
ohoh . . . da löst sich das Achterliek ab

Heute war ich nur kurz an Bord der Rasalhague, denn wir hatten beim letzten Segelbergen einen Riss am Achterliek des Grosssegels bemerkt. Das war nicht weiter schlimm und das Segel ist auch nicht mehr neu, von daher war das zu erwarten. Allerdings würde er beim Packen des Segels immer größer werden. Also machte ich die Persenning ab und zog das Groß vom Baum. Jetzt zeigte sich Schilksee als die glückliche Wahl, denn hier ist ein Segelmacher direkt vor Ort. Ich kramte in der Backskiste nach dem Segelsack des Grosssegels – natürlich war er ganz unten – und entdeckte zu meiner völligen Überraschung etwas, das ich als sehr sinnvoll beim Spinnakersegeln betrachte und ich wollte sowas schon fast kaufen: Einen Spinnaker-Bergeschlauch! Das Boot hält so manche Überraschung bereit, auch mal positive. Ich schleppte also den Segelsack zum Laden und wir schnackten noch über den Umfang der Reparatur. Da wir mit Sicherheit keine Regatta- und auch keine Sturmsegler sind, war also die Wahrscheinlichkeit einer sehr hohen Last auf dem Achterliek gering. Eine einfache Patsche würde also genügen. Mittwoch sollte das Segel fertig sein. Prima, dann stand ja dem ersten Segeln mit meinen Jungs nichts mehr im Weg. Und Dank des Bergeschlauchs wird auch unser erstes Spinnakersegeln wohl nicht mehr all zu fern sein.

Schick, griffig .... Klasse
Schick, griffig …. Klasse

Ein paar Verschönerung erledigte ich noch, insbesondere ist das Steuerrad jetzt fertig eingebunden. Und ich finde es sieht wirklich gut aus! Nur der Ring vom Autopilot stört noch den weißen Glanz. Aber das ist auch nicht so wild.

Als ich dann zuhause ankam, klingelte mein Handy: Der Segelladen! Na? Bitte keine Hiopsbotschaft, dachte ich mir. Ich befürchtete schon so eine Aussage wie: “Kaufen Sie sich lieber ein neues Grosssegel.”, schließlich ist das wohl noch das erste Grosssegel! Aber die freundliche junge Dame am Telefon meinte nur, ich könne das Segel abholen, es sei fertig.

DAS GING JA FIX!

Teilen & Liken:

Dritter Reparaturtag

Nachdem ich vorgestern bei weitem nicht alles geschafft hatte, was ich mir so vorgenommen hatte, musste ich gestern also nochmal zum Boot. Nicht, dass es mir was ausgemacht hätte, aber am Abend wollte ich ja noch das Relegationspiel sehen. Okay, okay . . . bevor jetzt eine Diskussion über die Ligatauglichkeit des Dinos im Blog der Rasalhague entsteht, ich hab’ die Raute im Herzen aber mehr noch die Boström! Auf dem Weg von der Arbeit zum Hafen schaute ich kurz in den Baumarkt und besorgte mir einen Phasenprüfer, eine Isolierzange und einen Lötkolben. Damit ausgestattet wollte ich dem elektrischen Irrgarten an Bord zu Leibe rücken und mir vor allem etwas mehr Klarheit verschaffen. Es gab noch Dutzende unbeschriftete oder unleserlich beschriftete Kabel. Das musste sich ändern.

nur 11,13 Volt . . . mmmh
nur 11,13 Volt . . . mmmh

Ich maß die Spannung an dem Anschlusskabel in der Trockenbilge. Als Referenz maß ich auch noch die Spannung des funktionierenden Dampferlichtes. AH, Spannung war drauf, auch wenn das Ankerlicht mit etwas weniger Spannung versorgt wurde. Also verkabelte ich das Ankerlicht jetzt richtig und testete das Licht . . . es blieb aus. Gut, damit war klar, die LED-Lampe hatte meinen ersten Anschlussversuch wohl nicht überlebt. Die Fehlersuche musste also oben am Mast fortgesetzt werden.

Einmal dabei, prüfte ich gleich auch noch die Stromversorgung der elektrischen Frischwasserpumpe. Da das Kabel auch durch den Kasten unterhalb des Sofas im Salon führt, maß ich dort die Spannung . . . kein Saft drauf! Der Schalter der Bilgenpumpe – der ja als Schalter für die Tauchpumpe im Wassertank missbraucht wurde – flackerte gelegentlich grün. Ich drückte und drehte und stellte fest, dass da wohl ein Wackelkontakt ist. Mein Entschluss, eine neue Frischwasseranlage einzubauen, wurde gerade um den Einbau eines neuen Schalters im Schalterpaneel ergänzt. Den launischen Bilgenpumpenschalter werde ich zwar nochmal überprüfen, aber der wäre dann für eine neue  elektrische Bilgenpumpe frei. Nur per Hand zu lenzen? . . . naja. Für mich ist da eben immer der Redundanz-Aspekt. Wenn die Technik ausfällt, dann geht immer noch was von Hand.

leider kein loses Kabel dabei ....
leider kein loses Kabel dabei ….

Als nächstes schraubte ich das Instrumentenpaneel über dem Niedergang ab und wollte mir die Anschlüsse der Windlupe näher ansehen. Spannung hatte sie ja, nur zeigte sie keine Werte an. Daher vermutete ich, dass das Signal vom Mast zur Anzeige unterbrochen war. Nachdem ich alle neun Schrauben des Paneels entfernt hatte, konnte ich endlich dahinter gucken. Wieder eine ENTTÄUSCHUNG! Alles war sauber verkabelt und nichts wackelte. Mir blieb als Fehlerquelle wiederum nur der Mast übrig. Puuuh! Mit Heike hatte ich bereits besprochen, dass wir unter den Mastkran gehen wollten. Das Wagnis, sie über die Mastwinsch hochzukurbeln, war mir dann doch etwas zu groß. Der Kranmast hat wenigstens eine Sicherung.

Danach düste ich los und zitterte bis zur 73. Minute. Montag wird nochmal richtig spannend.

Teilen & Liken:

Zweiter Reparaturtag

Heute stand neben der Einbindung des Steuerrades vor allem die elektrische Frischwasserpumpe, die Windex, das Ankerlicht und das Schloss im Steckschott auf der ToDo-Liste. Das Ankerlicht sollte nach Aussage des Verkäufers gehen, schließlich hatte er eine neue LED-Lampe eingebaut. Ich hoffte inständig, dass der Fehler hier diesmal nicht an der Fassung zu finden sei, denn dann hätte ich Heike den 11m-hohen Mast im Bootsmannstuhl hochwinschen müssen. Das Ankerlicht ist nämlich ganz oben am Topp. Allerdings glaube ich fast, dass sie sich doch insgeheim auf einen Ausflug in den Mast freut.

Im Mast verlaufen drei Kabel: eines für die Windex, eines für das Dampferlicht und eines für das Ankerlicht. Am Mastfuss kommen auch tatsächlich drei Kabel raus, jedoch lagen nur zwei Anschlüsse in der Trockenbilge bereit. Ich stand vor einem Rätsel. WO WAR DAS DRITTE KABEL? Das Kabel für die Windex war einfach zu identifizieren, da das einen fünfpoligen Stecker hat. Das andere Kabel, das da bereit lag, hatte Beschriftungsfähnchen an zwei der drei Adern. AHA, da steht es ja . . . MOMENT MAL, Topplicht und Ankerlicht? Na ok. Wie gesagt, das Dampferlicht geht, die Ankerlaterne nicht. Aber die vorherige Aktion mit der Zweifarbenlaterne brachte mich der Lösung einen Schritt näher. Die anderen Lichter werden alle durch zweiadrige Kabeln mit Strom versorgt. Warum aber war dann ausgerechnet der Anschluss vom Ankerlicht dreipolig? Mich beschlich ein Verdacht. Lief die Phase des Ankerlichtes etwa über die Erdungsader des dreipoligen Kabels? Wer auch immer das verbrochen hatte, er machte mir das Leben nicht besonders leicht. Als Kind hatte ich mit meinem Vater eine elektrische Modelleisenbahn gebaut. Schon damals hatte ich gelernt, das man für jeden Verbraucher eine eigene Leitung legt. Nun gut, zwei Lampen à 12 Volt – und davon war eine auch noch eine energiesparende LED-Lampe – sollte dieses Kabel schon verkraften. Ein neues Kabel zu verlegen wäre ein immenser Aufwand. Das wollte ich mir doch sparen. Ein Blick hinter das Sicherungs- und Schaltpaneel brachte auch nicht die Erkenntnis. ACH HERRJE!

Hier sieht es noch ordentlich aus ...
Hier sieht es noch ordentlich aus …

Nur rote Kabel? Nein, dahinter war noch ein Verteiler, aber da kamen nur schwarze Kabel an, wo war das weißummantelte dreipolige Kabel? Also verfolgte ich das Kabel vom Mastfuß durch die Backbordkoje und die Schapps in der Pantry in die Backbordbackskiste. Nachdem ich zwei Segel da rausgenommen hatte, kletterte ich ganz rein . . . etwas eng, aber durchaus gemütlich! Mich traf fast der Schlag! Nein, das stand nicht unter Strom, aber das gesuchte Kabel endete in einer Verteilerdose. Bis hier konnte ich einwandfrei die Erdungsader identifizieren. Aber nach der Lüsterklemme gingen nicht eine, sondern ganze ACHT schwarze Adern ab! Ich konnte unmöglich herausfinden, welches der acht schwarzen Adern mein Ankerlicht versorgen würde, denn der Kabelstrang endete hinter dem Sicherungspaneel in einem ziemlichen chaotischen Gewirr. An der Stelle empfahl sich mir doch die Anschaffung eines Phasenprüfers. Denn ich hatte natürlich die Lampe im Topp schon unter Strom gesetzt. Es stand zu befürchten, dass ich damit die Sicherung und im schlimmsten Fall das Leuchtmittel zerstört habe. Und so war es . . . MIST! Tja, . . . damit hatte ich für Heike einen Ausflug in den Mast gebucht. Hey, das wird ein lustiges Wochenende: ich geh tauchen und Heike baumelt im Mast!

... aber hier wird es unübersichtlich
… aber hier wird es unübersichtlich

Als nächstes tauschte ich dann das Schloss des Steckschotts aus. Wie gut, dass niemand wusste, das wir unsere Yacht bisher nicht abschließen konnten. Naja, ehrlich gesagt . . . ich bin mir ziemlich sicher, das ein Langfinger lieber eines der Nachbarboote ausgesucht hätte. Das soll aber nicht heissen, dass die Rasalhague schäbig ist: Nein, nein, im Gegenteil! Erst gestern hat sie noch Komplimente eingeheimst: Für ihr Alter sähe sie sehr gut aus . . . oder war das etwa nur höflich ausgedrücktes Mitleid? NEIN! Das Boot ist Klasse! Da lassen wir nix drüber kommen! Natürlich hätte ich noch gerne vor der Taufe die Zierleiste angelaugt, abgezogen und gescheuert, doch das ist im Hafen aus Umweltschutzgründen eben nicht drin. Egal, dann eben im kommenden Winterlager!

Als drittes stand auf meiner ToDo-Liste die Frischwasseranlage. Wir haben bisher nur ein 60 Liter Tank, der unter der Doppelkoje im Vorschiff eingebaut ist. Für den Sommertörn mit zwei Erwachsenen und zwei pritschelnden oder zumindest nicht ganz so achtsamen Kindern ist das ein bisschen dürftig. Und wir wollten nicht jeden Tag irgendwo einlaufen um Frischwasser zu übernehmen. Im Internet hatte ich einen flexiblen Frischwassertank in Dreiecksform gesehen. Die Maße hatte ich mir notiert und nun wollte ich sehen, ob ich den in die Rasalhague einbauen konnte. Dann wären es 120 Liter. Zwei weitere Aspekte sollten aber noch bezüglich der Frischwasseranlage sichergestellt sein: Wie viel Wasser wurde verbraucht? Und wie viel Wasser war beim Tanken schon gebunkert worden? Die Lösung fand ich in der Gartenabteilung des Baumarktes. Dort sah ich einen digitalen Durchgangszähler, der dazu noch fast geschenkt war, also preislich gesehen. Davon wollte ich mir dann zwei holen. Einen, den wir zwischen Wasserlandanschluss und Schlauch koppeln – damit wir in Zukunft wissen, wie viel Liter schon in den Frischwassertank geflossen sind – und einen für den Verbrauch, den ich im Waschraum installieren werde. Hier müsste ich nur ein Loch in das Schott zwischen Vorpiek und Waschraum sägen, damit die Anzeige schön sichtbar ist. Aber das hat Zeit, bis der neue Tank kommt.

Viel dringender war die Tatsache, dass die elektrische Frischwasserpumpe nicht reagierte. Laut Verkäufer war die Frischwasserpumpe auf den Schalter der Bilgenpumpe angeschlossen, denn die Bilgenpumpe wäre nur manuell zu bedienen. Mmmmh. Sehr komisch! Die Anzeige am Schalter dafür flackerte kurz grün auf und ging dann wieder aus. Was das wohl zu bedeuten hatte? Ich machte mich also in der Pantry auf die Suche nach der Frischwasserpumpe, die hatte ich bisher nicht entdeckt. Nichts. In der Trockenbilge war mir beim Verkabeln des Mastes ein anderes Kabel aufgefallen, da stand auf einem Fähnchen Frischwasserpumpe. AHA! Ich folgte dem Kabel in die Vorpiek und sah es im Frischwassertank enden. Nanu? Normalerweise harmonieren Strom und Wasser ja nicht so gut. Ich schraubte den Deckel auf und fand ein Gerät, das einer Pumpe ähneln könnte. Aber sehr schlau war das nicht installiert. Während die Fußpumpe für das Waschbecken ihr Wasser durch einen Ablauf auf der Unterseite des Wassertanks bekam, holte sich die elektrische Wasserpumpe für das Spülbecken in der Pantry das Wasser von OBEN. Die Pumpe hing also nach einer Weile im Trockenen. Möglicherweise hat sie deswegen auch den Geist aufgegeben. Ich wollte es testen. Dazu musste ich aber erst den Wassertank wieder befüllen. Die Rasalhague hat zwei Einfüllstutzen, einem am Bug und einen auf Backbordseite neben dem Cockpit. Damit konnte man Wasser übernehmen, egal ob man vorwärts oder rückwärts in der Box lag. Ich schraubte den hintern Außenbordverschluss auf und wollte schon den Schlauch reinstecken und das Wasser aufdrehen. Inzwischen hatte ich aber so meine Zweifel und ich guckte lieber nochmal nach, wo der Schlauch innenbords denn überhaupt lang geführt wird. Ich kletterte erneut in die Backskiste und hielt den Atem an. OH MEIN GOTT! Durch den geöffneten Verschluss sah ich ein Stück blauen Himmels! Um ein Haar hätte ich die Backskiste geflutet und damit dann die Elektrik geschrottet! Wasserbunkern fiel also aus, da der Schlauch von der Pier nicht bis zum Buganschluss reicht.

Zum Abschluss machte ich mich erneut an die Verschönerung des Steuerrades. Auch heute war das eine mühselige und zeitraubende Tüftelei. Aber es sieht einfach Klasse aus.

 PEU À PEU WIRD ES EIN RICHTIG GROSSARTIGES BOOT!

Teilen & Liken:

Erster Reparaturtag

Den ganzen Tag über zerbrach ich mir den Kopf, wie wir die Manövrierfähigkeit der Rasalhague zurückgewinnen können. Das erste Problem war das Ruder, das sich nicht mehr nach Backbord legen ließ. Ein echtes K.O.-Kriterium. Auslaufen war bis auf weiteres unmöglich. Allerdings war ich zuversichtlich, dass ich die Reparatur alleine bewerkstelligen konnte.

Das zweite – und schon länger nervende – Sorgenkind, war der Faltpropeller. Mein Entschluss stand fest, im Winterlager kommt ein neuer Propeller drauf. Wohlgemerkt, ein feststehender Propeller. So toll der Vorteil mit dem besseren hydrodynamischen Verhalten in Segelstellung klingt, auf den halben Knoten – wenn es überhaupt mal so viel ist – kommt es mir nun wirklich nicht an. Da ist mir die Zuverlässigkeit wichtiger.

Ich erzählte einem Arbeitskollegen von den Wochenenderfahrungen. Beim Faltpropeller angekommen, gab er mir den Denkanstoss “. . . und wenn Du ihn festklemmst?” Ich dachte kurz nach. DAS IST ES! Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon in die kalte Ostsee abtauchen um den vermaledeiten Faltpropeller in Fahrtposition zu arretieren. Irgendetwas, das sich nicht im Seewasser auflöst und das dem Druck oder wahrscheinlicher der Rotation standhalten würde. Mit einer Schnur festbinden? Mmmh, riskiere ich damit unschöne Verwirbelungen und Strömungsabriss? Aber letztlich ist der Jockel nicht unser Hauptantrieb und ich denke, es kommt auf einen Versuch an. Dann hätte ich für die restliche Saison quasi einen feststehenden Propeller und wir wären unsere Sorgen beim Einparken in die Box erstmal los.

Ja, natürlich sind das Probleme, die man vor dem Kauf und dem Zuwasserlassen des Bootes lösen sollte, aber wir hatten ja nicht wirklich viel Zeit übrig und dann war das Boot ja auch noch in Holland. Aber ich sehe das sportlich und denke mir, das sind Erfahrungen, aus denen wir immens lernen können. So lernen wir unser Boot schon recht früh von der Mechaniker- oder in diesem Fall von der Taucherseite kennen. Na, hoffentlich ist die Ostsee nächstes Wochenende nicht mehr so kalt . . .

Das neue Travellerzugsystem
Das neue Travellerzugsystem

Nach der Arbeit fuhr ich also in den Baumarkt, der ein schöne große Nautikabteilung hat, und kaufte mir zwei Doppelblöcke – der Traveller war ja noch nicht fertig optimiert – und weiteren Bootsbedarf. Anschließend fuhr ich in den Hafen und machte mich an die Arbeit. Irgendwie kommt mir das zurzeit als die “eigentliche” Arbeit vor, aber das liegt wohl an der hohen Motivation für die Arbeit am Boot. Als Erstes montierte ich die Blöcke am Traveller. Und es funktioniert super!

Als Zweites tauschte ich den Schnapper von einer Klappe eines Schapps aus. Bei Seegang ging die nämlich immer auf. Danach machte ich mich an die Positionslaterne. Ich hatte eine LED-Lampe besorgt und tauschte zunächst die Birne aus. Mmmh, die alte sah noch gut aus. Egal, LED ist heller und besser sichtbar. Dann begab ich mich notgedrungen auf Fehlersuche. Da die Sicherung die gleiche wie die der Hecklampe ist, fing ich am anderen Ende der Leitung an zu suchen, also an der Fassung. Ich demontierte die Fassung wobei meine Füsse über den Bug hinaus baumelten. Ich ließ mir Zeit, da ich auf keinen Fall irgendetwas – schon gar nicht die neue LED-Lampe – im Hafenwasser abtauchen sehen wollte. Und tatsächlich, ich wurde fündig. Kabelbruch an der Phase. Kurzerhand kürzte ich die Ader und schloss es wieder an. Nachdem ich die Sicherung einschaltete, leuchtete es auch! Ok, ich baute alles wieder zusammen, aber sicher ist sicher, also nochmal eingeschaltet und geguckt . . . es war AUS! Also wieder alles auseinander genommen. Die Phase war nun kürzer als der Nullleiter, weshalb scheinbar eine Hebelwirkung entstand und die Phase wieder aus der Fassung zog. Daher kürzte ich auch den Nullleiter und nun ging es endlich.

Die Mechanik sieht noch gut aus
Die Mechanik sieht noch gut aus

Nun aber an das Hauptproblem, die Ruderanlage. Ich legte das Ruder soweit Mittschiffs wie es ging und guckte über die Reling. HERRJE! Es lag weit nach Steuerbord gedreht. Das war ja noch schlimmer als gestern. Na gut, ich schraubte den Kompass von der Steuersäule ab und hob ihn vorsichtig ab. Ganz konnte ich ihn nicht wegnehmen, da noch das Stromkabel der Kompassbeleuchtung daran hing. Musste ich auch gar nicht. Der Blick in die Steuersäule war enttäuschend. Hier sah alles bestens aus. Die Kette saß fest auf dem Ritzel, das auch keine Abnutzungserscheinung zeigte. Auch war alles gut gefettet. Ich setzte den Kompass wieder an seinen angestammten Platz und überlegte. Tauchen gehen? NEEEE, nicht in der Hafenbrühe . . . bei nur 11 Grad. Ich drehte das Steuerrad soweit es ging nach Backbord. Der Widerstand war spürbar, aber nicht mechanisch, sondern etwas weicher. Es federte etwas. Ich drehte vorsichtig mit mehr Kraft nach Backbord. Ein dumpfes FUMP . . . und das Ruder war frei. Ich guckte wieder über die Reling und sah das Ruder auf HART BACKBORD! Und ich sah ein Büschel Tang dahindümpeln . . . AHA! Du warst das also! Na, den werden wir uns durch die Hin- und Herkuppelei mit der Maschine dann am Ruder wahrscheinlich eingeklemmt haben. Ich seufzte vor Erleichterung. Doch nicht ein gravierendes Problem technischer Natur.

tüftelige Geduldsarbeit - aber es lohnt sich
tüftelige Geduldsarbeit – aber es lohnt sich

Zur Entspannung setzte ich mich hinter das Steuerrad und fing mit der Verschönerung an, die ich hier vor hatte. 20m Leine sollten doch reichen, oder? Mit einem Palstek um die erste Speiche begann ich das Steuerrad mit der weißen Leine zu umwickeln. Ca. ein Sechstel des Steuerrades war schon weiß  eingebunden, aber auch die Hälfte der Leine war bereits verbraucht. Mmmh, da muss ich wohl noch mehr Leine besorgen. Da ich beim Sommertörn auch die Kinder an das Steuer lassen will und wir kein Ruderlagenanzeiger haben, ich aber auf einen Blick sehen muss, wie das Ruder liegt, kam mir die Idee farbliche Markierungen einzubinden. Also legte ich das Ruder auf Backbord 10. Das war eine 60-Grad Drehung des Steuerrades. Also bändselte ich dort einen roten Faden an das Steuerrad. Die nächste Markierung – zwei rote Fäden – folgte bei einer 120-Grad Drehung. Das musste also etwa Backbord 20 entsprechen. Kurz nachgerechnet kam ich zum Schluss, dass es wohl stimmt, denn den maximalen Ruderausschlag haben wir nach einer Dreiviertel-Drehung des Steuerrades. Das wäre also eine Ruderstellung von 45°. Eine höhere Ruderlage würde ja auch nur bremsen. Da mir aber die Leine ausging, beendete ich meine Arbeit, guckte auf die Uhr und staunte nicht schlecht, es war halb zehn. Auf dem Boot vergeht die Zeit nicht nur auf See wie im Fluge!

DSC 0043Schlaf gut Rasalhague, bis morgen!

Teilen & Liken:

Pleiten und Pannen . . .

Der Tag fing grau in grau an – das Wetter war nicht besonders – und er endete rabenschwarz, naja, zumindest für uns. Heute morgen noch war ich guter Dinge, weil ich bereits kleine Verbesserungen durchführen konnte. Auf der Deckelunterseite der Backbordbackskiste befestigte ich einen Spanngurt, an dem wir die Zeisinge und Segelspanner aufhängen können. Sieht ordentlich aus und die Zeisinge “fliegen” nicht irgendwo rum. Als nächstes machte ich mich an den Traveller. Der quietschte immer fürcherlich und so fettete ich die Schiene mal ordentlich ein. Was mich bisher beim Handling gestört hat, war die Tatsache, dass immer jemand auf die Back musste um den Traveller in Luvstellung zu bringen. Bei schnell aufeinander folgenden Wenden ist das schon fast Hochleistungssport – erst die Vorschot winschen, dann auf die Back springen und den Traveller neu einstellen, dann wieder in die Plicht um den Baumniederholer – welcher gleichzeitig unsere Großschot ist – dichtzuholen. Das hält fit! In Gedanken an unseren geplanten Sommertörn mit meinen Jungs ging das natürlich nicht. Vor allem bei etwas mehr Seegang, die fliegen mir glatt von Bord.

Beim Probesegeln einer anderen Boström hatte ich ein Zugsystem für den Traveller gesehen. Das war die Lösung! Da wir an Backbord eh eine freie Durchführung in der Spayhood und eine freie Seilklemme haben, ließ sich das doch schnell realisieren. Ich nahm einen langen Zeising und führte diesen durch Schäkel an den Traveller, in der Hoffnung, es würde auch ohne Blöcke gehen. NEEE, natürlich ging es nicht ohne Umlenkrollen. Also muss ich mir zwei Doppelblöcke besorgen, dann sollte es funktionieren.

Als nächstes schrubbte ich das Oberdeck um den Grauschleier loszuwerden. Na, ein Tick heller ist es jetzt, aber einige schadhafte Stellen im Antirutschbelag lassen mich schon an einen Austausch im kommenden Winter denken. Dann wusch ich den Heckspiegel, denn die Aufkleber am Heck mussten ja auch noch angebracht werden. Das Anbringen klappte wenigstens ohne Probleme. Sieht gut aus.

Dann machte ich mich an die defekte Zweifarbenlaterne am Bugkorb. Glücklicherweise war eine Ersatzlampe im Fundus. Ich tauschte die Birne aus und . . . NICHTS, es blieb dunkel. Es ging wieder nicht. Merkwürdig, in Stavoren hatte ich die Positionslichter noch getestet und da ging es einwandfrei. Na gut, so lange wir nur bei Tag und nur bei guter Sicht unterwegs sind, ist es nicht weiter schlimm, aber in den nächsten Tagen werde ich wohl die Kabelleitung prüfen müssen. Die Sicherung kann es nicht sein, denn das Hecklicht geht ja und hängt am selben Stromkreis.

20150525-2
wat für’n Schiet-Flunsch

Gegen drei wollten wir dann noch für ein paar Stunden raus, aber das hätten wir uns mal lieber gespart. Heike wollte heute Auslaufskipper sein und so machte ich mich auf die Back. Alles klappte wie es sollte. Wir tuckerten raus und ich hisste das Großsegel, korrigierte die untere Segellatte und winschte dann das Segel den letzten Meter hoch. Danach das Vorsegel, die Genua III, die ich schon morgens angeschlagen hatte. Wegen der Wettervorhersage waren wir beide in Schlechtwettergarnitur eingepackt und das rächte sich. Ich zerlief förmlich, als ich die Genua hochkurbelte. Tja und dann . . . hatten wir FLAUTE! Wat für’n Schiet war das denn? Gestern hieß es noch, es soll auffrischen . . . Also merke, stündlich den Wind kontrollieren. Zwei weitere Segelboote in der Nähe dümpelten wie wir rum, gaben aber dann bald auf und kehrten in den Hafen zurück.

Lustlos baumelt das Tuch am Mast
Lustlos baumelt das Tuch am Mast
Vielleicht hilft Pusten?
Vielleicht hilft Pusten?
Sieht toll aus, war aber echt mies
Sieht toll aus, war aber echt mies
2150525-05Ententeich auf der Ostsee
2150525-05Ententeich auf der Ostsee

Ach was soll es, so kommt der Motor wenigstens zu ein paar Betriebsminuten. Wir fuhren eine halbe Meile und Heike machte sich an die Frischwasseranlage, die hatten wir auch noch nicht in Betrieb genommen. Der Tank war jetzt entkeimt, musste aber entleert werden. Also schaltete Heike Strom für die Pantry ein und die Tochteranzeige des GPS ging an. NANU? Tatsächlich, das Stromkabel der Tochteranzeige war mit dem falschen Stromkreis verbunden. Mmmmh, vielleicht sollte ich mal eine Leselampe im Salon einschalten, damit die Positionlampe leuchtet, wer weiß? Die elektrische Frischwasserpumpe ging dann auch nicht, was uns schon nicht mehr wunderte. Also muss ich nicht nur das Kabel der Positionlaterne überprüfen, sondern das “elektrische Puzzle” der Rasalhague lösen. Heike pumpte dann manuell den Tank leer.

Wir machten uns auf den Rückweg und ich ließ Heike wieder ans Ruder. Sie wollte auch das Anlegen in der Box üben, schließlich sind wir ja beide Skipper, . . . also abwechselnd, nicht gleichzeitig. Wir fuhren langsam an der Box vorbei und beabsichtigten die Vorleine am Poller festzumachen, weil wir uns wieder rückwärts reinziehen wollten. Das Boot driftete ab und ich bekam das Auge der Vorleine nicht gleich über den Dalben gelegt, stolperte dabei über die Vorschot und fiel rückwärts ins Cockpit. Ich rappelte mich schnell wieder auf und legte dann das Auge endlich drüber. Aber aus irgendeinem Grund klappte das Boot nicht in die Box. Auch nach drei oder vier weiteren Versuchen erwies sich das Boot als nicht manövrierbar. Heike bat mich es zu versuchen und so tauschten wir. Ich legte das Ruder hart Backbord und gab einen kurzen Pull nach vorne. Der Propeller klappte mal wieder nicht auf, doch inzwischen wusste ich ja, Geduld. Beim zweiten Versuch klappte er auf. Das Ruder lag Hart Backbord, trotzdem zog der Bug nach Steuerbord. Ich beugte mich über die Reling und sah das Ruderblatt. ES STAND MITTSCHIFFS, obwohl ich Hart Backbord gelegt hatte! Kein Wunder, dass Heike nicht in die Box kam. Also mit Leinen rein. Die zweite Vorleine lag schnell über den anderen Dalben und wir zogen uns langsam zurück. Einer von einem Nachbarboot nahm dann die Heckleinen an und wir waren wieder festgemacht. Jetzt überprüfte ich nochmal das Ruder, es ließ sich nur von Hart Steuerbord bis Mittschiffs legen. Verklemmt war es also nicht. Scheinbar ist die Kette auf dem Zahnrad der Steuerradnabe verrutscht. Möglicherweise sind die Ritzel abgenutzt und verschlissen. Naja, morgen werde ich den Kompass ausbauen und die Radsteuerung genauer unter die Lupe nehmen.

So allmählich zeigen sich die Schattenseiten des “tollen Bootes”, aber es ist ja auch gebraucht, wer erwartet da ein perfektes Boot. Und auf die Bastelei, die das Boot mit sich bringt, war ich ja schon vorbereitet. Ich brauch mich nur an das eine Boot zu erinnern, das wir uns angesehen hatten. Fliegende Leitungen unter der Decke, selbst gebastelte Bilgenpumpe usw. Ich hoffe nur, dass die Reparaturliste nicht so lang wird wie die Gästeliste zur Bootstaufe.

DENN ES IST UND BLEIBT EIN TOLLES BOOT!

Teilen & Liken:

Wie am Schnürchen . . .

Heute war also Tag 2 der Erprobung. Wir besprachen im Vorfeld alle Manöver, vor allem wie wir ohne Hektik und Not aus der Box kommen sollten. Dass uns der Wind gestern auf das Nachbarboot gedrückt hat, ließ mich im Schlaf nicht los und so hatte ich im Traum die Eingebung. Ich legte noch vor Ablegen die Heckleinen über den Heckkorb. Damit hingen die schon mal nicht im Wasser, wenn ich Fahrt zurück machte. Vor allem kam ich aber ganz leicht ran ohne das Ruder und die Maschine zu vernachlässigen. Zuvor füllten wir den Wassertank und taten auch noch Entkeimer dazu, denn wir wussten ja nicht, wie lange das Boot schon mit abgestandenen Wasser da stand.

Dann war es soweit.  Um Viertel nach drei gab ich das Kommando “Auf Manöverstation!” Heike warf die Steuerbordvorleine los und fuhr dann die Backbordvorleine auf Slip. Ich gab das Kommando “Vorleine unter Zug mitführen!” Mit kleiner Fahrt zurück zog die Rasalhague nach achtern, aber auch wieder nach Steuerbord. Diesmal fing ich es rechtzeitig mit der Backbordheckleine ab, kuppelte den Motor aus und zog uns raus. “Vorleine los!” Heike quittierte: “Vorleine ist los und ein.” Dann kam sie nach achtern und half mir die Heckleinen über die Poller zu bekommen, während ich das Boot rumbugsierte. Wir waren frei und raus aus der Box. In der Gasse war mit einem Mal richtig Verkehr. Ein anderes Boot wollte rein. Also drehten wir auf dem Teller. Ich kuppelte die Maschine auf voraus ein und . . . wir bleiben stehen. OH MANN! Dieser verflixte Propeller. Ein zweites Mal und es klackte und kurz darauf waren wir auf dem Weg raus. In der Hafeneinfahrt begneten wir dann unserem Kursleiter von Sailaway. Er war sichtlich begeistert, dass seine “Schützlinge” unverzagt Segeln gingen.

Hart am Wind mit 4-5 kn
Hart am Wind mit 4-5 kn

Da uns gestern die Genua etwas zu viel Tuch war, insbesondere bei “Hart am Wind”-Kursen und weil das Segel nur schwer an den Wanten vorbei zu ziehen ist, entschieden wir uns heute für die Selbstwendefock. Heike hatte das bereits noch in der Box angeschlagen, diesmal richtig, denn wir lernten ja von gestern,  und so wurde das Segelsetzen problemlos. DENKSTE! Was gestern für die Schoten am Genua bezüglich der Reling galt, gilt eben nicht für die Selbstwendefock. Da das Segel deutlich kleiner ist, können und müssen die Schoten innerhalb der Reling verlaufen. Also enterte ich auf die Back und schlug die Luvschot ab, klarierte die Leine und schlug sie wieder an das Schothorn an. Heike leitete eine Wende ein und ich konnte die andere Schot korrigieren. Uns fielen die Handgriffe so leicht, als ob wir schon seit Kindheitstagen segelten. Mit Wind aus Nordnordost kreuzten wir entlang aber außerhalb des Fahrwassers der Kieler Förde, passierten die Gefahrentonne Kleverberg Ost und näherten uns dann Kiel Lighthouse, unserem Tagesziel.

Heike überglücklich
Heike überglücklich

Für den Rückweg stand der Wind nicht so günstig und wir verloren deutlich an Fahrt. Nun erwies sich das kleine Vorsegel als unzweckmäßig. Ich versuchte noch bei “vorm Wind”-Kurs einen “Schmetterling” zu fahren. Das Vorsegel fierten wir nach Backbord auf, das Großsegel nach Steuerbord. Allerdings war der Wind zu schwach und die Selbstwendefock fiel uns immer wieder ein und schlug Back. Kurzerhand entschlossen wir uns zu einem Segelwechsel. Die See war ruhig und der Wind ließ das auch zu. Heike drehte das Boot in den Wind und ich barg die Fock. Als nächstes holte ich die Genua I raus und schlug es an das Vorstag. Die Schoten legte ich vorher unter der Reling durch nach außen und führte sie dann über die Reling ans Schothorn. Gelernt ist gelernt. Und hoch flog das Vorsegel. Der letzte halbe Meter ist echt anstrengend, aber schließlich stand die Genua perfekt. Rasalhague bedankte sich und nahm Fahrt auf. Wir kamen wieder vom Fleck weg.

Young European Sailing Regatta
Young European Sailing Regatta

Inzwischen waren wir deutlich dem Regattafeld nähergekommen, da kam auch schon ein Schlauchboot und bat uns härter an den Wind zu gehen. Schade, denn es war ein sehr schöner Anblick. Nach der nächsten Halse segelten wir wieder entlang des Tonnenstrichs Förde einwärts. So kamen wir dem Regattafeld nicht näher, aber auch nicht unserem Hafen. Nach einer Weile – wir hatten inzwischen freie Fahrt nach Steuerbord – entschloss ich mich erneut zum Schmetterlingsegeln.

Schmetterlingsegeln
Schmetterlingsegeln

Die Genua wurde auf der Steuerbordseite weit aufgefiert, das Groß hingegen auf der Backbordseite . . . und der Schmetterling öffnete seine Flügel. Ein tolles Bild! Leider brachte er uns nicht soviel Fahrt ein, so dass ich nach einer Viertelstunde nach Backbord andrehte und den Großbaum herumkommen ließ.

Kurs auf Schilksee
Kurs auf Schilksee

Ein Stückchen vor Schilksee drehte ich dann ganz in den Wind und Heike barg die Segel. Ich wollte den Motor starten, doch es tat sich nichts. OH SCHRECK! Zweiter Versuch . . . NICHTS. Oh bitte! Dritter Versuch . . . da endlich rüttelte sich der Motor wach. Puuh! Das war . . . unnötiger Stress! Wir tuckerten zunächst rein und als Heike fertig war, legte ich den “Hebel on the table”: Volle Fahrt voraus! Satte 6 Knoten. Das Heck zog sich richtig ins Wasser runter.

Klar zum Einlaufbier
Klar zum Einlaufbier
Rasalhague im Abendlicht
Rasalhague im Abendlicht

Vor der Hafeneinfahrt drosselte ich die Fahrt und gab einer Jolle auf der Kreuz genügend Raum. Dann standen wir auch schon vor unserer Box. Diesmal wollte ich rückwärts rein. Mal gucken, ob das nicht besser klappt. Den Dalben auf der Steuerbordseite hatten wir schon sehr dicht, so dass die Vorleine ganz schnell drüber war. Mit Radeffekt klappte das Boot an den anderen Dalben und die zweite Vorleine war gelegt. Jetzt begann aber die Schwierigkeit, denn der Wind hatte soweit nachgelassen, das mich nichts mehr auf die teuere Motoryacht an Backbord drückte. Der Radeffekt war einfach zu stark. Mit Hart Backbord ging es dann aber. Der Skipper vom Nachbarboot nahm dann auch unsere Leinen an und machte uns an den Pollern fest. Motor aus. Ich guckte auf die Uhr: halb neun. Hui! Noch schnell das Boot seeklar zurück und dann gönnten wir uns das Einlaufbier und resümierten. Morgen werde ich wohl etwas am Traveller basteln und dann schlagen wir die Genua III an, denn es soll auffrischen.

Klar zum Sundowner!
Klar zum Sundowner!

Jetzt kämpfen wir beide mit dem schwankenden Boden, denn . . .

WIR SIND LANDKRANK!

Teilen & Liken:

Ansegeln!

Nach monatelanger Vorbereitung, wochenlangen Warten, stundenlangem Schrubben, minutenlangen Bangen und nur (gefühlten) sekundenlangen Atempausen war es endlich soweit. Gegen Mittag kamen wir zum Boot und machten es seeklar. Wir wollten zu erst die Selbstwendefock anschlagen, aber dann bekamen wir unerwartet Besuch von unseren Freunden, die sich schon vor ein paar Monaten auch ein Boot gekauft haben. Wir sprachen über den Wind und da die Vorhersage von 3-5 Bft ausging, wagte ich mich doch an die Genua I, obwohl wir eigentlich mit einem kleineren Vorsegel anfangen wollten. Also schlugen Heike und ich das große Tuch an und dann kamen die Schoten dran. Und fertig waren wir. Noch schnell die Seeventile geöffnet und langsam erwachte der Motor wummernd zum Leben. Ich besprach mit Heike noch die bevorstehenden Manöver, quasi unser erstes Auslauf-Briefing, aber irgendwie war das noch nicht gut koordiniert. Kaum waren die Vorleinen gelöst, da drückte der Wind uns schon Richtung Nachbarbox, in der eine ziemlich beeindruckende Motoryacht lag – bestimmt auch ziemlich teuer. Der Radeffekt des Faltpropellers zog uns dann auch noch nach Steuerbord und machte die Situation dadurch noch brenzliger. Es ging aber noch gut. Die Rasalhague glitt aus ihrer Box. Wir hatten den Eindruck, dass auch das Boot endlich raus wollte. Maschine stopp, Maschine voraus kleine Fahrt . . . der Motor wurde lauter, aber das Boot rührte sich nicht. OHA! Mir fielen die Worte des Werftmeisters zum Faltpropeller siedend heiss ein: “Der ist nix. Der tut es nicht mehr.” Bitte, bitte . . .  ich schickte innerlich drei, vier Stoßgebete gen Himmel und erhöhte die Fahrtstufe. Dann, mit einem vernehmlich lauten Klacken klappte der Propeller auf und wir nahmen Fahrt auf. Raus in die Hafenausfahrt. Ja, nächstes Jahr wird ein neuer Propeller fällig!

Wir fuhren ein Stückchen unter Motor in die Strander Bucht raus, aber da heute weiter draußen eine Regatta statt fand, beschlossen wir nur zwischen Schilksee und Laboe hin- und her zu kreuzen. Also drehte ich das Boot in den Wind und Heike kletterte auf die Back. Das Grossfall lag schon auf der Backbordmastwinsch und da wir gestern schon etwas damit geübt hatten, klappte das Großsetzen schon ganz gut. Ich stellte den Motor ab . . . Stille! Nur der Wind war noch zu hören . . . wir segelten!

Sanft legte sich das Boot auf den Steuerbordbug, vielleicht 5 oder 10 Grad. Heute ging es ja darum, das Handling zu üben. Das Fockfall, das gestern noch hinter der Saling herunterkam aber dank dem gefüllten Einkaufsbeutel jetzt davor lag, hatten wir bereits auf der Steuerbordmastwinsch vorbereitet. Ich hielt den Kurs während Heike die Genua setzte . . . zu mindestens ein Drittel des Weges. “Halt, aufhören zu winschen. Die Schoten liegen nicht sauber!” Ich hatte erst jetzt bemerkt, dass die Schoten nicht außerhalb der Wanten verliefen . . . Anfängerfehler, oder in meinem Fall: aus der Übung. Der Fehler ließ sich aber noch leicht beheben ohne das wir die Genua wieder runterholen mussten. Heike heißte weiter das Vorsegel, kam aber nur bis zwei Drittel des Weges, dann fehlte ihr die Kraft. Kein Wunder, denn der Wind hatte schon immensen Druck auf die Genua I aufgebaut. Wir wechselten, Heike ging ans Steuer während ich versuchte, das Segel die restliche Strecke hochzuziehen. Mir gelang es zwar, aber es war wirklich nicht leicht. Mir war mit einem Mal klar, meine Jungs würden das so schnell nicht schaffen. Als Toppsgasten wären sie nicht geeignet. Die Schoten verliefen zwar außerhalb der Wanten aber leider noch innerhalb der Reling, so dass sich das Unterliek des Vorsegels nicht frei entfalten konnte. Das ging natürlich auch nicht. Mit einem Zeising entlastete ich die Leeschot und klarierte die Leine. Dann die Backbordseite. Endlich stand das Segel so, wie es sich gehörte. Ein erhebender Anblick.

Wir fuhren bis zum Fahrwasser der Kieler Förde, wendeten und wechselten uns immer wieder mal ab mit Steuern oder Schotführen. Weiter draußen in der Förde zeigte sich die Genua als zu gewagt, denn das Boot reagierte insbesondere bei “Hart am Wind”-Kursen sehr luvgierig und ließ sich mehrmals nicht auf Kurs halten. So fabrizierten wir ein paar Patentwenden, also unfreiwillig. Nun, das gehört auch mal dazu. Das Boot ließ sich “am Wind” gut halten, auch wenn wir dabei 30 Grad Schlagseite nach Backbord bekamen. Aber das Boot machte richtig Fahrt.

Gegen sechs beschlossen wir dann wieder einzulaufen, also barg Heike die Segel, erst die Genua, dann das Groß. Unter Motor liefen wir Richtung Hafen als gerade der ganz große Pulk der Regattateilnehmer in den Hafen wollte. Also drehten wir nochmal einen Vollkreis und liefen dahinter ein. Der Weg in unsere Boxengasse war aber immer noch mit Jollen verstopft, da die in der Enge des Fahrwassers auch noch kreuzen mussten, die hatten ja keinen Motor. Ich steuerte die Rasalhague in die Gasse geradezu und drehte das Schiff. Hui, das ging einfach. Mit Ruder Hart Backbord brauchen wir nur noch vor und zurück und schon ist das Boot Dank des Radeffektes gedreht. Das Anlegen in unserer Box war dann auch wieder eine Herausforderung, denn der Wind drückte uns wieder auf die benachbarte Motoryacht. Sie hat aber nichts abbekommen . . . naja, vielleicht einen Fußabruck von Heike, als sie uns wieder weggedrückt hat. Aber schließlich war das Boot festgemacht und wieder “seeklar” zurück. Unser erstes Einlaufbier genehmigten wir uns ein wenig erleichtert, etwas erschöpft aber vor allem völlig begeistert in der Plicht, denn wir wir wußten, . . .

UNSER TRAUM HAT SICH ERFÜLLT.

 

 

Teilen & Liken:

Ein Boot hängt am Haken . . .

Heute also war der große Tag. Der Tag, an dem unser Boot endlich in Kiel ankam und dann auch noch endlich, endlich zu Wasser kam. Die lange Wartezeit hatte also ihr Ende. Bis zur Vertragsunterzeichnung vor einer Woche war ich unruhig, weil ich selbst recht wenig unternehmen konnte. Ich hatte keine “Kontrolle”. Die letzte Woche war ich innerlich unruhig, weil wir immer noch nichts bewegen konnten. Wir hatten zwar schon die Kontrolle, aber deswegen konnte die Spedition es auch nicht schneller liefern. Gott sei Dank konnte ich mir die Zeit damit vertreiben, notwendiges Equipment zu bestellen.

Heute morgen, ich saß noch halb verschlafen beim Frühstück, bekam ich eine SMS vom Fahrer: “Euer Boot ist in Schilksee” . . . wieder eineinhalb Stunden zu früh! Wir beeilten uns und düsten zum Hafen rüber. Da stand dann auch schon der Laster mit unserer Boström.

Vor uns war noch ein anderes Boot am Mastkranen, aber wir sollten erstmal das Boot mit festgezurrten Mast direkt ins Wasser setzen. Da wir genug Helfer hatten, wollte Heike eigentlich Fotos machen, doch kurz vorher fiel mir noch ein, dass die Unterseite des Kiels noch kein Antifouling abbekommen hatte. Da stand das Boot ja vorher drauf. Also wuselte Heike mit der Farbrolle umher während ich und ein Helfer das Boot mit der Vor- und Achterleine ausgerichtet hielten.

Und dann sollte es ins Wasser. Mein Herz klopfte wie wild vor Aufregung. War alles gut gegangen? Oder hatte das Schiff beim Transport irgendwelche Schäden abbekommen? Vielleicht Haarrisse durch Erschütterungen? Was hätte ich jetzt auch noch dagegen tun können? NICHTS! Wird schon gut gegangen sein, dachte ich mir, nur keine Panik. Und nur Minuten später wurde unser Boot in sein Element gesetzt. Noch hingen die Schlaufen unterm Boot und ich kontrollierte alle Seeventile. In dem Moment fiel mir der Kommentar meiner Schwester wieder ein: “Gluckgluckgluck . . . ” NICHTS DA! Sie schwimmt wie eine Eins. Alles dicht, also haben wir das Boot unter den Mastkran gezogen. Auf der Kaimauer lag der Mast aufgebockt und wurde vorbereitet, d.h. die Wanten und Stagen wurden in den Mast eingehakt, die Fallen klariert, die Salinge montiert und noch schnell der neue Radarreflektor am Achterstag festgebändselt. Die Frage, ob ein klassischer oder ein Röhrenreflektor besser ist, wurde sehr eindeutig beantwortet: “Ach, der gleiche Scheiss. . . Taugt beides nichts. Beruhigt nur das Gewissen.” Aha . . . nun denn, dann beruhigt er eben meines.

Während ich am Mast zugange war, hatte Heike das Seeventil am Kühlwassereintritt geöffnet und startete den Motor. Vor Spannung hielt ich die Luft an, würde er anspringen? Es ruckelte und mit einem beruhigenden Wummern nahm der Jockel seinen Dienst auf. Allerdings zog der Filter Luft. Die Ursache war schnell gefunden: der Dichtungsring fehlte. Wir bekamen schnell Ersatz und schon kam ein viel satterer Schwall aus dem Kühlwasseraustritt.

Dann begann das Mastsetzen. Wenn der Motor in ein Schiff eingebaut wird, dann nennt man das Hochzeit. Wie nennt man dann das beim Mastsetzen? Das Ausrichten dauerte etwas länger, aber letztlich stand er . . . KERZENGERADE. Schnell die Wanten und Stagen gespannt, dann schmissen wir den Jockel erneut an. Ablegen. Wir verlegten in unsere Box. Gar nicht so einfach. Beim ersten Anlauf verpasste ich den Andrehpunkt, also zurückgesetzt. Jetzt hatte ich schon ein Gefühl für die Ruderwirkung und auch für die Fahrtstufe bekommen. Der zweite Anlauf war deutlich besser. Der Bug drehte in die Box, die eigentlich für unser Boot zu groß ist. Ich stoppte das Boot auf, damit die Achterleinen über die Poller gelegt werden konnten. Nach vorne waren aber noch gut vier Meter. Noch ein Stückchen vor und dann war das Boot auch schon festgemacht.

Den Nachmittag verbrachten wir mit der Rigg und der Takelung. Ich stellte entsetzt fest, das sowohl das Fock- als auch das Spi-Fall HINTER den Salingen herunterkam. Neee, nicht doch. . . ich hatte von einigen gehört und gelesen, die nach dem Mastsetzen sich im Bootsmannsstuhl hochziehen lassen mussten um irgendetwas zu klarieren. Ich wollte Heike schon hoch ziehen, da kam mir die geniale Idee einen Baumwolleinkaufsbeutel mit drei vollen PET-Flaschen hochzuziehen. Das Gewicht müsste ausreichen um das Fall wieder runterzuziehen. Es funktionierte! Heike kam also um ihren ersten Ausflug in den Mast herum. Schade eigentlich . . .

Bis um fünf hatten wir dann noch die Sprayhood montiert, das Groß aufgezogen, die Latten eingeführt und dann das Großsegel geborgen, gefaltet und anschließend noch die Persenning drüber gezogen. Eine halbe Stunde später kamen die ersten Besucher, die sich gleich recht wohl fühlten.

Morgen muss ich noch die Elektrik des Mastes anschliessen, denn den richtigen Schraubenzieher hatte ich natürlich nicht dabei. Aber dann, dann ist es soweit . . .

DANN SIND WIR KLAR ZUM AUSLAUFEN!

Teilen & Liken:

Ein Boot geht auf Reisen . . .

Trotz Schlafmangels und nervlicher Dauerbelastung haben wir uns wieder und nun zum letzten Mal auf nach Holland gemacht. Heute, so war unser Plan, wollten wir unsere Boström reisefertig machen. Ich sag’ das schon die ganze Zeit so, aber jetzt erst ist ja wirklich “unsere”. Ein bisschen aufhübschen und alles festzurren. Und . . . es sollte endlich seinen neuen Namen bekommen, allerdings noch nicht offiziell. Da es morgen in Kiel zu Wasser gelassen werden soll, musste der Name also schonmal ran.

Wir hatten alles minutiös geplant, aber schon am Abend davor stand fest, das nicht alles klappen würde. Der bestellte Hochdruckreiniger kam nicht. Na egal, wir nahmen also Reinigungsmittel, Öl und Werkzeug mit. Neben den leicht sichtbaren “Regenstreifen” war ja noch der alte Name am Süll und auf dem Heckspiegel. Heike machte sich also mit Spachtel und Nagellackentferner an die Farvel-Aufkleber, während ich die Sprayhood und den Baum verstaute und dann das Boot einseifte. Der Schmutz ging runter, ein paar unschöne Schlieren und Kratzer blieben. Na, hatte da einer Anlegen ohne Fender geübt? Aber es ist ja kein neues Boot und wer wird denn da wegen einer Schliere meckern wollen, wir jedenfalls nicht. Heike hatte die mühseligere Aufgabe, die alten und halbwegs verblichenen Farvel-Kleber zu lösen. Es ging, jedoch war der Gelcoat darunter nicht mehr weiß. Er hatte die ursprungliche Farbe der Aufkleber angenommen. Mmmh, also doch nochmal Malern? Vielleicht später, mal sehen . . .

Ich hatte gerade den Steuerbordbug beschriftet, also den neuen Aufkleber angebracht, da rief der Fahrer an, er wäre in einer halben Stunde schon da . . . zwei Stunden zu früh!! Oh, Oooohkay . . .  Also schnell umdisponieren. Ich sagte dem Werftmeister Bescheid, der auch schon anfing, alles für das Kranen vorzubereiten. Heike wirbelte am Backbordbug rum und war anschließend genauso nass wie das Boot. Derweil war auch der zweite Bugaufkleber angebracht.

Mit einem Trecker wurde das Boot unter den Kran gezogen. Der Mast wurde hochgehievt, den ich schonmal festbändselte. Dann kam auch schon der Laster und im Nu war das Boot drauf. Wir machten dabei Fotos und Videos, weil mein Ältester das natürlich alles haarklein sehen wollte. Im letzten Moment fiel mir ein, das ich den Faltpropeller noch einfetten wollte. Ich war schon zugange, da sagte der Werftmeister so beifällig: “Der is nix. Der tut es nicht mehr.” WIE BITTE? Ich stutze, ja, der Gutachter sagte auch, der Verschleiss mache ein neuen Propeller in EIN – ZWEI Jahren notwendig, aber doch nicht JETZT! Wo sollte ich auch so schnell einen neuen Faltpropeller herkriegen? Ich erzählte ihm vom Gutachten und hakte nach. Darauf meinte er, der Verkäufer hätte Probleme gehabt, dass der Probeller sich nicht immer aufklappt. Na das wussten wir ja selbst schon vom Verkäufer. Dann sah der Werftmeister, was ich da eigentlich machte und sagte: “Ah ja, mit Fett könnte es noch gehen.” . . . tja, weshalb machte ich es wohl? Ohne Fett schlackerten die Propellerflügel und die Zahnräder konnten sich verkeilen. Außerdem konnten sich bei längerer Liegezeit im Wasser dort schnell Muscheln annisten und der zermahlene Muschelgries machte sich auf Dauer auch nicht gut in den Zahnrädern. Mit Fett schlackerte nichts mehr und es hakte auch nicht. Wir werden sehen, allerdings verunsicherte er mich ja doch etwas.

Eine Lastminute-Aktion ging jetzt auch nicht mehr, denn der Schlepper wollte los. Wir folgten dem Laster und staunten nicht schlecht, wie schnell der durch die friesischen Dörfer heizte. 30 galt wohl nicht für Schwerlasttransporter mit einer Yacht drauf. So blieben wir im Convoy bis kurz vor Groningen, denn wir wollten uns gar nicht so recht vom Boot trennen. Jetzt, nach insgesamt 1.000 gefahrenen Kilometern oder 11 Stunden Autofahrt und fünf Stunden Schrubben und Putzen, sind wir schon mal da, rechtschaffen müde zwar, aber voller Vorfreude, denn . . .

MORGEN KOMMT SIE ENDLICH.

Teilen & Liken:

Übergabe perfekt

Jetzt hatte ich eigentlich alle Termine geplant. Was noch fehlte, war den Kaufvertrag zu unterschreiben. Mit dem Verkäufer waren wir uns ja einig, allerdings plagten uns schon einige Bedenken. Waren wir eventuell dabei ein Boot bloß im Vertrauen auf die Aussagen des Verkäufers zu kaufen? Klar, es sah toll aus und machte auf uns einen guten Eindruck, aber war ich etwa Segelbootsachverständiger? Hatte ich Osmose oder Haarrisse entdeckt? Je länger ich darüber nachdachte, desto unwohler wurde mir. Der Skipper, der mit uns die Überführung machen wollte, fragte nach dem Zustand der Kielbolzen. OHA! Hatte ich die gesehen? Nein, was nun? Was, wenn uns beim Kranen der Kiel abfallen würde? Ich sah schon die Szene aus “das Boot” vor meinem geistigen Auge, die am Schluss, als das Boot von einer Bombe getroffen – vor den Augen von Jürgen Prochnow (dem Alten) – im Hafen sank.

Es half nichts, um uns zu beruhigen und um für die kommenden Jahre Gewissheit zu haben, erkundigte ich mich nach einem Gutachter. In einem Internetforum erfuhr ich über gleichartige Erfahrungen deutscher Segler, die sich in Holland ein Boot kaufen wollten oder gekauft haben. Unter anderem wurde mehrfach ein Gutachter aus Eenkhuizen empfohlen. Ich schrieb ihm eine Mail und schnell wurde ein Termin vereinbart. Er sollte am selben Tag kommen, an dem ich den Vertrag unterschreiben und das Boot abnehmen wollte. Ursprünglich sollte das Boot sogar direkt danach auf den Schwerlasttransporter und dann ab nach Kiel. Aber da spielte die Spedition nicht mit.

Völlig aufgeregt fuhr ich dann mit Heike meine Eltern besuchen, schließlich war ja auch Vatertag. Allerdings meinte mein Vater, dass er seinen letzten Vatertag feierte, als er noch gar kein Vater war, aber das ist eine andere Geschichte. Der Besuch bei meinen Eltern lenkte uns von der inneren Anspannung ab. Dennoch, in unseren Alpträumen zog der Verkäufer sein Angebot zurück. Mir wurde ganz flau im Magen. Ich wollte endlich Klarheit und sehnte mich nach Holland, naja nicht wirklich nach Holland . . . aber zum Boot.

Heute war es also soweit. Wir sind wieder nach Holland gefahren, um die Ex-Farvel zu übernehmen. Zuvor war noch der Gutachter da. Er wartete schon auf uns. Wir gingen ein paar Kleinigkeiten durch, aber nichts davon war gravierend. Keine Beanstandungen. Im Gegenteil, ich hätte jeden Kratzer knutschen können, nur weil es ein Kratzer war und kein abgefallener Kiel. “Een heel mooie en echt goede Boot.” sagte er. Mir war, als schwebte ich, so stark war die Erleichterung. Dann kam der Verkäufer und auch er war erleichtert, hatte ich doch den Kaufpreis schon genug gedrückt. In der Kajüte gingen wir die Ausrüstungsliste noch Punkt für Punkt durch und dann endlich unterschrieben wir den Vertrag.

JETZT GEHÖRT SIE UNS!!!!!

Teilen & Liken: