Angrillen auf See

Heute war der zweite Segeltag mit Becci, Mareike und Marcel. Und es stand auch unser Angrillen auf See auf dem Plan. Die Wettervorhersage sprach von gelegentlichem Sonnenschein. Als ich morgens um 7 Uhr aus dem Fenster guckte, sah ich aber nur strahlend blauen Himmel. Die Windfinder-App gab obendrein noch Auskunft über die zu erwartenden Windstärken: 10 bis 12 kn. Etwas weniger als gestern, also . . . HERRLICHSTES SEGELWETTER. Um Viertel vor zehn hatten wir dann alles an Bord verstaut und die Genua III am Vorstag angeschlagen. “Klarmachen zum Ablegen!” Ein kräftiges Abstoßen mit dem Fuß, dann kuppelte ich die Maschine auf voraus ein und schon machte die Rasalhague Fahrt voraus. Wir fuhren raus aus dem Schleusenbereich von Holtenau und drehten um die Segel zu setzen. Heute hatte Mareike darum gebeten, ans Ruder zu dürfen. Ich setzte mich hinten auf dem Heckkorb und gab ihr dann Anweisungen, wie sie fahren musste. Das Groß war gesetzt, jedoch näherten wir uns der Schleuseninsel und so ließ ich sie nochmal abdrehen um etwas Abstand zum Land zu gewinnen, bevor das Vorsegel gesetzt wurde.

Mareike am Ruder, der Skipper gleich über Bord?
Mareike am Ruder, der Skipper gleich über Bord?

Mit raumen Wind ging es dann nur gemächlich voran. Im Fahrwasser scherten wir in das Kielwasser eines vorausfahrenden Seglers ein und fuhren bei halben Wind – ohne irgendetwas an den Segeln zu ändern – durch die Enge bei Friedrichsort. Mareike steuerte weiter entlang des Tonnenstrichs bis wir Laboe passiert hatten um dann nach Backbord in die Strander Bucht einzudrehen. Heike übernahm das Ruder und bei Hart am Wind neigte sich die Rasalhague schon mal bis 30° oder 35° auf die Seite, nicht ganz so stark wie gestern, aber es waren ja auch zwei, drei Knoten weniger Wind.

Heike am Ruder, der Skipper hängt bei Hart am Wind am Achterstag
Heike am Ruder, der Skipper hängt bei Hart am Wind am Achterstag

Nur die Böen waren heftig und so fuhr auch Heike mal bei starken Krängungen. Dennoch blieben wir heute mit der Fahrt unter 6 kn, aber immerhin wurden es 5,7 kn. Ich hatte mir eine Stelle in der Nähe der Surferbucht bei Strande ausgesucht um dort zu ankern. Der Weg dorthin führte uns aber durch die Schilkseer Regattabahn, in der immer noch Rennen der Kieler Woche ausgetragen wurden. Also bargen wir die Segel und setzten dann unter Motor an Backbord vorbei und steuerten dahinter den Ankerplatz an. Zunächst erläuterte ich Heike und Marcel den Ablauf und gab Mareike und Becci Peilkompanten und jedem eine Quermarke, die sie anpeilen sollten. Aus der Seekarte hatte ich mir die Peilung rausgenommen, und fuhr dann auf mein Anhaltspunkt mit langsamer Fahrt gegen den Wind. Als die beiden Quermarkenpeilung erreicht waren, kuppelte ich die Maschine aus und schaltete auf langsame Fahrt zurück. “Fallen Anker!” Heike wuchtete den Anker mit Ankerkette über Bord und gab nur wenig Leine, da wir ja nur 2,60m Wassertiefe hatten. Die Leine belegte sie auf der Steuerbordbugklampe und meldete dann “Anker trägt”. Motor aus und noch schnell den Ankerball mit dem Spi-Fall halb hochgezogen. Wir ankerten! Besser haben wir das damals auf den Grauschiffen auch nicht gemacht. Dann erklärte ich, wie man mittels Kontrollpeilung immer wieder überprüft, ob man nicht davon driftet, denn es soll ja schon mal Fälle gegeben haben, bei denen sich die Ankerleine vom Kettenvorlauf gelöst hat.

Das ist mal ein Bordgrill!
Das ist mal ein Bordgrill!
vielleicht springt ja auch gleich noch ein Fisch drauf . . .
vielleicht springt ja auch gleich noch ein Fisch drauf . . .

Jetzt kam das Highlight des Tages, das non-plus-ultra in der Ausstattung der Rasalhague, das absolute Mega-Teil: der RELINGGRILL. Ich hatte mir vor einigen Wochen den Luxus geleistet und in Holland einen Grill bestellt, bei dem alles miteinander festverbunden und alles aus hochwertigem Niro-Stahl verarbeitet ist. Mit dem Aussteller befestigte ich den Grill an den Heckkorb, so dass dieser freischwebend über dem Wasser war. Die Haube war gleichzeitig der Windfang. Als ich fertig war, holte ich die Kohle und musste für den vergessenen Grillanzünder Ersatz finden. Natürlich Papier . . . aber hatten wir welches an Bord? Ich suchte und fand NUR EINEN FITZEL. Also nahm ich etwas vom Karton des Grills dazu, schüttete Kohle darüber und zündete einen Streifen Papier an . . . hoffentlich funktionierte das. Ich wollte mir die Pleite und die Häme gar nicht vorstellen, wenn das nicht anging. HA! Von wegen, die Lüftungsschlitze an der Unterseite sind nämlich der Clou, denn natürlich kommt dort etwas Wind an und im Nu hatten wir eine perfekte Glut. WIE GENIAL IST DAS DENN? Das Grillen auf See ist . . . tja, mir will einfach kein anderes Wort einfallen . . . dekadent, aber SENSATIONELL. Als wir so dort vor Anker nett in der Sonne grillten, kamen die Regattateilnehmer von den äußeren Regattabahnen zurück. Manche davon kamen sehr dicht und ich fürchte schon um Würstchenraub, doch viele staunten nicht schlecht über den Relinggrill. Sowas sieht man wohl nicht alle Tage.

Berliner auf grosser Fahrt - ok, ok, heute nur bis Strande
Berliner auf grosser Fahrt – ok, ok, heute nur bis Strande

Gegen drei gingen wir mit prallen Bäuchen – beim Grillen isst man ja irgendwie immer zu viel – Anker auf und setzten, nachdem die Back mit dem Ankermanöver fertig war, das Groß und gleich darauf die Genua. Der Wind hatte nachgelassen und so segelten wir mit 3,5 kn quer durch die Strander Bucht zum Leuchturm Friedrichsort. Mmmh, so schaffen wir das nie bis 5 Uhr nach Holtenau. Ich rechnete schon damit, hinter der Enge den Motor anzuschmeißen um dann schneller an den Steg zu kommen. Nach einer Weile kamen immer wieder Böen und so steigerte sich unser Tempo auf 4,5 bis 5,5 kn. Zum ersten Mal bekamen wir den “Feierabendverkehr” auf der Außenförde zu spüren, denn sehr viele wollten natürlich jetzt zu ihrem Liegeplatz in der Innenförde. Wir, als Liegeplatzinhaber in Schilksee, waren bisher immer froh, dann nicht durch die Enge zurück zu müssen. Jetzt segelten etliche Yachten dicht an dicht auf die Enge zu, unter anderem ein 12er mit gesetztem Innenklüver. Bei dem Bild geht jedem Segler das Herz auf.

da kann einem schon anders werden, wenn das Boot 45° krängt
da kann einem schon anders werden, wenn das Boot 45° krängt
in Windeseile war das Vorsegel gepackt
in Windeseile war das Vorsegel gepackt

Marcel hatte inzwischen das Ruder übernommen und steuerte meinen Anweisung getreu das Boot durch die Holtenauer Reede auf die Schleusenzufahrt zu. Ab da galt es zu kreuzen. Wir folgten einer Naiad 370, der Marie-Ann – unserem Liegeplatznachbarn in Schilksee. Der hatte uns kurz vor der Enge noch an Steuerbord überholt und lag jetzt auf einem Am-Wind-Kurs gut 4 Kabel an Backbord voraus. Ich ließ Marcel selbstständig Hart-am-Wind steuern, was nicht so leicht war, da immer wieder kräftige Böen einfielen oder der Wind abrupt nachließ. Die Marie-Ann wendete, wir holten auf und gingen ebenfalls an der selben Stelle auf den Steuerbordbug. Während die Marie-Ann aber bis kurz vor den Tonnenhof segelte, wendeten wir nochmals und hielten wieder auf die Schleusenzufahrt zu. Da allerdings gerade Verkehr aus der Schleuse kam, musste Marcel nochmals wenden. Der nächste Tack wurde aber nur kurz und wir wendeten erneut auf die Schleuse zu. Jetzt war der Weg frei und als wir schon fast mittig vor der großen Schleuse waren, holten wir rum und segelten auf geraden Kurs zu den Gastliegerstegen vor der alten Schleuse. Ich übernahm und gab das Kommando: “Klarmachen zum Segelbergen!” Heike und Marcel hatten sich hier schon eingespielt und schnell war das Vor- und das Großsegel unten. Unter Motor schipperten wir die letzten Meter rein und legten auf einen gerade freigewordenen Platz an. Ich guckte auf die Uhr: es war exakt 5 Uhr. Kurz danach legte die Mari-Ann im Päckchen an ein anderes Boot an.

Für ein Einlaufbier blieb aber keine Zeit und wir beeilten uns Mareike, Becci und Marcel zu verabschieden, denn die drei mussten ja noch zurück nach Berlin. Neben ihrer Erschöpfung – vermutlich zuviel Sonne 😉 – sah man Ihnen aber vor allem ihre Begeisterung an. Ich glaube, denen hat das Segelwochenende sehr gefallen. Kommt gut heim und kommt gerne wieder . . .

DENN IHR SEID UNS ALS CREW IMMER HERZLICH WILLKOMMEN!

Der Skipper ist sichtlich zufrieden mit seiner Crew
Der Skipper ist sichtlich zufrieden mit seiner Crew
sogar Sonnenbaden war drin
sogar Sonnenbaden war drin
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Segeln ist nicht nur Sport, auch Entspannung war garantiert

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Mitten in der Windjammerparade der Kieler Woche

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noch etwas unschlüssig . . .
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aber dann ging die Groß hoch

Heute war früh aufstehen angesagt, denn es galt um 9 Uhr die Leinen los zu machen und in die Innenförde zu verlegen. Wir hatten drei Gäste an Bord, Mareike, Becci und Marcel. Nichte und Neffe von Heike und dessen Freundin aus Berlin. Wir kamen in Wellingdorf an und bereiteten die Rasalhague zum Auslaufen vor. Die Vorhersage sprach von Windstärke 4 in Böen 5. Also entschloss ich mich für die Genua III. Das Segel war schnell angeschlagen und der Motor startete zuverlässig, auch wenn es etwas dauerte, bis er ansprang. “Vorleinen los!” Mit den Heckleinen zogen wir uns zurück und dann waren wir draußen, Kurs Innenförde. Heike und Marcel standen klar zum Heißen des Großsegels. “Und hoch damit.” Ich versuchte nicht nur in Seglerlatein zu reden, es fiel mir aber echt schwer. Ein Tampen ist eben ein Tampen und keine Schnur. Natürlich hakte es anfangs etwas, aber schnell wurden die drei immer besser und spielten sich ein. Das Vorsegel war auch schnell gesetzt. Eigentlich wollte ich den Motor noch laufen lassen, quasi zur Sicherheit, allerdings war der Wind so gut, dass ich dann doch noch den Motor abstellte.

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nicht jeder hatte das Vergnügen, bei der Parade auf See zu sein

Wir segelten so mit 4 bis 5 kn einmal quer auf die andere Seite. Ursprünglich wollten wir unsere Freunde mit dem Wasserquirl auf See treffen und dann irgendwie gemeinsam raussegeln – also zumindest wir. Vor Holtenau angelangt, riefen wir sie an. “Ja, sind schon draußen vor Mönkeberg.” Also gehalst, und mit Schmetterling nach Möltenort, wo wir sie treffen wollten. Der Wind frischte etwas auf und so segelten wir vorm Wind mit 5 kn. Am Uboot-Ehrenmal sammelten sich schon ganz viele Zuschauer, denn das Wetter war dieses Jahr zwar nicht super sonnig, aber dafür mit ausreichend Wind und es blieb erstmal trocken. Also kreuzten wir vor Möltenort auf und ab und warteten auf die Finnbreeze, die jedoch nicht auftauchte.

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da kommt das Feld
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Die Genua zu winschen kann etwas mühsam sein
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schon eine Weile her, dass ich da drauf gefahren bin
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Hol die Vorschot!

Gerade kreuzten wir fördeeinwarts, als eine weiße Signalkugel geschossen wurde: der STARTSCHUSS! Natürlich wollten viele Boote so dicht wie möglich am Führungsschiff, der Gorch Fock mitsegeln. Da es vor dem Leuchtturm Friedrichsort recht eng ist, wollte ich auf Höhe des vorwegfahrenden Tonnenlegers auf der Steuerbordseite mitlaufen. Allerdings waren wir mit 5,8kn einfach schneller als das Feld. Noch vor der Enge wendeten wir und segelten auf das Feld zu . . . hunderte Boote, ach was . . . UNZÄHLIGE! Ich wollte es nicht auf die Spitze treiben und wendete noch vor dem Führungsschiff, das mit 4 kn durch die Enge wollte. “Fier auf die Vorschot,  fier auf die Großschot!” Mit weniger Druck auf den Segeln machten wir auch etwas weniger Fahrt. Einige Yachten segelten an uns vorbei, aber es gab auch noch einige, die uns entgegenkamen und direkt in das Feld hinein segelten. Wir blieben davon unbeirrt etwas vor der Gorch Fock und näherten uns Laboe. Hinter dem Yachthafen von Laboe ist ja bekanntlich eine sehr schnell flach werdende Stelle. Um da nicht in Schererein zu kommen, beschloss ich vor dem Bug der Gorch Fock mit genügend Abstand durchzugehen. Zwei Boote der Wasserschutzpolizei scheuchten zu dreiste Segler von dem Großsegler weg, aber uns betraf das nicht. Mit einer sehr zügig durchgeführten Wende setzten wir uns auf die Backbordseite des Führungsschiffes, das jetzt etwas Fahrt aufnahm und wir fielen langsam ab. Ein sensationelles Gefühl mit soviel Schiffen und Booten zu segeln!

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zwischen den Tall Ships drohte man immer wieder in den Windschatten zu geraten

Hinter der Gorch Fock folgten zwei Traditionssegler, auf die wir mit der nächsten Wende zuhielten. Kurz davor halsten wir auf Parallelkurs und standen eigentlich recht gut, hatten aber durch die Halse soviel Fahrt verloren, dass die Mercedes auf unserer Backbordseite soweit rankam, das wir in ihren Windschatten fielen. Von Steuerbord Achtern näherte sich eine größere Yacht und es wurde für uns nun ziemlich eng. Viel fehlte nicht mehr, denn hätten wir echte Schwierigkeiten bekommen. Kurzerhand startete ich den Motor und legte den Hebel nach vorn. Mit 5 kn “sprinteten” wir ein Stück voraus und gingen härter an den Wind. Danach durfte der Motor sich wieder ausruhen. Jetzt lichtete sich das Feld und so konnten wir von einem Tall Ship zum Nächsten durch das Feld segeln.

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Sea Cloud II

Ein Bekannter von Heike machte die Auslaufparade auf einem Traditionssegler mit, der Nobile. Die sollte auf der Backbordseite zwischen der Sedov und der Sea Cloud II mitsegeln. Tatsächlich fanden wir das Schiff als wir auf den letzten Großsegler zu hielten. Mit einer eleganten Wende kreuzten wir mit nur einer Bootslänge Abstand das Kielwasser der Nobile und gingen dann in Rufweite auf Parallelkurs. Peter sah uns und machte die ersten Fotos der Rasalhague auf Fahrt von einem anderen Boot aus. Ich bin gespannt!

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Marcel als Rudergänger

Der Weg zurück war etwas angenehmer, da wir Hart am Wind fahren konnten. Die Rasalhague legte sich zunehmend auf die Seite . . . 30°, 35° . . . bei Böen sogar 40°. Der Wind frischte merklich auf. Ich fragte, ob jemand mal ans Ruder wollte und so übernahm Marcel. Ich gab ihm weiter Anweisungen, wie er durch die Enge bei Friedrichsort steuern sollte. Hinter der Enge frischte der Wind noch stärker auf. Wir machten bei 45°-Krängung glatte 6,2kn! Bisheriger Rekord.

Nach fast sechseinhalb Stunden auf dem Wasser legten wir dann in Holtenau vor der Schleusen an, quasi vor unserer Haustür. Zu “Besanschot an” gönnte ich mir und der Crew ein kühles Alster. Morgen werden wir dann auch früh rausfahren, denn es soll zum Wind auch noch etwas mehr Sonne geben. Mit einer eingespielten Mannschaft macht das auch richtig Spaß! Das war heute nicht leicht, darum . . .

DANKE MAREIKE, BECCI UND MARCEL!

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Die Tücken des Landanschlusses . . . und ein goldener Knopf

Letzten Sonntag hatten wir ja schon Startprobleme. Da wollte der Motor nur mit einigem Gut-zu-reden – ach, bleiben wir doch bei der Wahrheit – nach einigen Verfluchungen seinen Dienst aufnehmen. Wie wir dann festgestellt hatten, machte nicht der Motor die Mätzchen, dafür war die Batterie etwas schwach auf der Brust. Mit Landanschluss ließ sich der Motor ja letztlich doch starten. Als Konsequenz daraus beschlossen wir, jetzt stets das Landanschlusskabel auszulegen und die Batterie wieder schön zu laden. So verließen wir das Boot auch, das Kabel war gelegt und die Batterie sollte sich ruhig wieder vollsaugen.

Die Woche hatte ich mich mit einem alten Freund zum Segeln verabredet. Also bin ich nach der Arbeit nach Wellingdorf gefahren, öffnete das Seeventil und startete den Motor . . . KEIN MUCKS! Nur dieses Wimmern! Auch nach drei weiteren Startversuchen stellte sich kein beruhigendes Wummern ein. Naja, weil mein Freund und auch Heike aber auf mich warteten, bin ich dann notgedrungen wieder mit dem Auto gefahren.

eigentlich idiotisch...aber nötig!
eigentlich idiotisch…aber nötig!

So ganz hat mich das aber natürlich nicht losgelassen. Was war denn nur mit der Batterie nicht in Ordnung? Ich stöberte in der Bedienungsanleitung der Batterieüberwachung rum und stieß dabei auf einen wichtigen Hinweis: “Leuchtet die Kontrolllampe rot, dann sind die Pole vertauscht.” Pole vertauscht? Das Landanschlusskabel hatte doch wie ein Verlängerungskabel eine Schukosteckdose, die auf den Stecker in der Plicht aufgesteckt wurde. Jetzt holte mich so allmählich mein Wissen aus dem Physikunterricht wieder ein. Eine Batterie liefert Gleichstrom mit einer Nominalspannung um die 12,5V. Also muss sie auch mit Gleichstrom geladen werden. Dann kann es auch nicht egal sein, wie rum der Stecker aufgesteckt wird. Also fuhr ich nach der Arbeit wieder zum Boot und checkte die Kontrollleuchte und den Stecker des Landanschlusskabels. Tatsächlich: die Lampe leuchtete rot und der Stecker war verkehrt aufgesteckt. Vermutlich hat sich dadurch die Batterie dann erst recht entladen. Jedenfalls drehte ich den Stecker um und markierte die Verbindung mit Tape. Jetzt leuchtete die Kontrollleuchte auch grün und die Anzeige bestätigte, die Batterie wird geladen.

sollte eine neue Starterbatterie fällig sein?
sollte eine neue Starterbatterie fällig sein?

Einen weiteren Startversuch unternahm ich beim nächsten Besuch an Bord. Die Batterie sollte genügend geladen sein. Ich öffnete wieder das Seeventil für den Kühlwassereintritt und startete den Motor . . . IMMER NOCH NIX! Allmählich verließ mich die Hoffnung, am Samstag bei der Auslaufparade mitzusegeln. War die Batterie doch leer? Mit dem Phasenprüfer ging ich ans Werk und maß die Ruhespannung an der Starterbatterie . . . 13,1 Volt. Mmmmh, zum Vergleich maß ich auch die Spannung an der Verbraucherbatterie, auch 13,1 Volt. Soweit so gut. Beide Batterien besitzen auch ein kleines Kontrollfenster, das grün, schwarz oder weiß schimmert, je nach Zustand der Batterie. Ich erkannte bei beiden eine grüne Färbung. Nun war ich endgültig mit meinem Latein am Ende. Ich holte die Dokumentation für den Motor hervor und las mich ein. Beim Starter angekommen, stieß ich auf einen Hinweis, dass bei längerem Drücken des Startknopfes der Anlasser kaputt gehen könnte. OH WEH!

Ich suchte die Telefonnummer von einem Mechaniker raus, der Bootsmotoren repariert. Denn bevor ich den Starter selbst ausbaue und irgendein Ersatzteil bestelle, will ich Gewissheit. Nach meiner Schilderung kam der “Herr der Motoren” aber auch zum Schluss, dass es sehr wahrscheinlich der Anlasser ist. Wir verabredeten uns für den folgenden Tag. Er meinte zwar noch, wenn es der Anlasser ist, dann könne er nur wenig ausrichten – nur ausbauen und einschicken – aber das könne er auch nur mit Gewissheit sagen, wenn er das Teil gesehen hat. Ersatzteile seien außerdem schwer zu bekommen . . . nur aus Übersee. OH HAUA HA!

Am darauf folgenden Tag trafen wir uns am Boot. Er überprüfte den Anlasser, überbrückte die Stromzufuhr und der Jockel ruckelte sich wach. “Der Anlasser ist noch in Ordnung. Wird wohl an der Zündung liegen.” Und tatsächlich, nachdem er auch den Starterknopf überbrückte, sprang der Motor auch an. Also baute er das Teil aus, verschwand damit in seinen Werkstattwagen und kehrte erst nach einer Weile mit dem Ersatzteil zurück. Das war schnell eingebaut und beim ersten Versuch startete der Motor zu meiner Beruhigung. Die sollte allerdings nur kurz anhalten. Als er mir die Reparaturkosten nannte, blieb mir die Luft weg . . . Ich hatte damit gerechnet, das es teuer wird, so lange es sich um den Anlasser handelte. Aber so ein oller Knopf? War der aus Gold oder konnte dadurch mein Boot plötzlich fliegen? Na egal, ich war an dem Punkt angelangt, wo Begeisterung in Frustration umschlägt, aber das Rütteln des Motors, das ich die letzten Tage vermisst hatte, ließ meine Begeisterung wieder aufleben. Da konnte auch eine teure Rechnung nichts mehr dran ändern. Ich werde mir jedoch überlegen, ob ich nicht einen weißen Handschuh anziehe, bevor ich den “goldenen Knopf” drücke. Aber erstmal sind wir morgen dabei, . . .

nicht aus Gold, aber der Wert wird locker mit Gold aufgewogen!
nicht aus Gold, aber der Wert wird locker mit Gold aufgewogen!

BEI DER AUSLAUFPARADE!

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Kieler Woche Segeln

Es ist soweit, die KiWo hat gestern begonnen und natürlich wollen wir mit der Rasalhague dabei sein. Gegen Mittag sind wir nach Wellingdorf um das Boot klar zum Auslaufen zu machen. Alles lief wie am Schnürchen, die Genua I war schnell angeschlagen, die Seeventile geöffnet, die Großpersenning vom Baum . . . Heike stand auf der Pier und war klar zum Lösen der Vorleinen. Ich startete den Motor, d.h. ich versuchte es . . . DAS KLANG GAR NICHT GUT! Ein klägliches Wimmern. Was war denn nun schon wieder? Ich versuchte es noch zwei, drei mal, aber der Motor wollte nicht anspringen. Heike und ich steckten die Köpfe zusammen um raus zu bekommen, warum der Jockel heute streikte. Die wahrscheinlichste Erklärung war kein Diesel mehr im Tank. Die Tankuhr ging ja nicht so zuverlässig. Die Batterie schloss ich aus, zumal ich am Donnerstag ja anderthalb Stunden unter Motor gefahren bin und somit die Batterie ein Stückchen aufgeladen hatte. Ich versuchte den Motor mit der Handnotkurbel anzuschmeißen. Ohne jeden Erfolg. Er blieb stumm wie ein Goldfisch.

Es half nichts, frustriert klarten wir alles wieder auf. Auch wenn ich die Batterie ausschloss, zur Sicherheit legten wir das Landanschlusskabel und steckten die Rasalhague ans Netz an. Wir wollten schon fast wieder gehen, als uns die Idee kam, den Kühlwasserfilter zu checken. Also die Backskisten geöffnet und erstmal vier Segelsäcke rausgeholt. Dann konnten wir die Trennwand zum Motorraum rausnehmen und blickten dann von oben auf den Kühlwasserfilter. Verstopft sah der nicht aus. “Starte doch mal, mal sehen ob der überhaupt Wasser zieht.” Ah ja, ich dachte schon an einen defekten Impeller, aber deswegen würde doch der Motor trotzdem angehen . . . na egal, ich startete den Motor und das klägliche Wimmern wurde mit kräftigem Husten zum beruhigenden und gewohnten Wummern.  ER LIEF! Doch die Batterie! Also beschlossen wir grundsätzlich nach einem auch noch so kurzen Törn das Landanschlusskabel zu legen.

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Ob die Astor aus der Förde überhaupt noch rauskommt?

Schneller als zuvor war die Genua wieder angeschlagen, die Schoten ausgelegt, die Seeventile geöffnet und die Persenning vom Baum. Als Letztes, bevor die Vorleinen eingeholt wurden, nahmen wir die Rasalhague von der Stromversorgung. Dann hieß es “Leinen los” und wir zogen aus der Box raus. Spielend leicht war das Manövrieren, jetzt, wo der Propeller nicht mehr zickt. Unter Motor, aber mit gesetzter Groß, näherten wir uns erstmal der Hörn, da hier einiges los war.

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Auch auf der Kiellinie war viel los
Alles was Segel hat, war auf dem Wasser
Alles was Segel hat, war auf dem Wasser
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4,5kn dank Schmetterling

Dann ging die Genua hoch und wir machten tatsächlich drei bis vier Knoten Fahrt bei dem lauen Wind, als der Motor aus war. Nach dem kurzen Abstecher in den Hafen wollten wir zumindest bis zum Tirpitzhafen und dann wieder zurück. Reichte der Wind für einen Schmetterling? Mit weit nach Backbord gefiertem Baum ging es. Und es reichte sogar für 4,5 Knoten! Aber einfach war es nicht, denn auf Wegerecht als Segler bei der Kieler Woche zu pochen, das kann man getrost vergessen. Da kreuzt jeder Hinz und Kunz in jedem nur erdenklichen Zustand den Weg. So wurden wir Zeugen, wie unmittelbar in unserer Nähe ein Motorboot von der Wasserschutzpolizei angehalten wurde und der Skipper ins Röhrchen pusten musste.

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12er Treffen vor Wik

Vorm Marinestützpunkt dümpelten mehrere 12er. Ich hatte Heike mal erzählt, dass die Marine mit der Ostwind und der Westwind auch zwei besaß, die aber inzwischen verkauft hatte. Das waren schöne Schiffe, jedoch sehr teuer im Unterhalt. Jetzt dümpelten vier davon um uns herum . . . denn hier hatte der Wind soweit nachgelassen, dass ein Segelsetzen nur dem eigenen Ego diente und man sich vehement und klar von den Wasserquirlern abgrenzt. Tatsächlich kamen wir mit dem Segel ausstellen nicht hinterher. Der Wind kam mal von Backbord, mal von achten und schon im nächsten Moment kam er von vorne. Als uns ein Motorboot recht dicht passierte und uns dessen Heckwelle aufschaukelte, da kam der Wind von allen Seiten, zumindest rotiert die Windex da oben im Mast nicht schlecht.

Also holte ich die Segel ein, klarte die Back auf und dann standen wir auch schon vor unserer neuen Box, also unserem Ausweichdomizil während der Kieler Woche. Das Anlegen ging auch ohne Führungsleine leicht und nachdem die Rasalhague seeklar zurück war, genossen wir ein Einlaufbier in der Plicht im Sonnenschein.

Anschließend tarperten wir doch noch etwas über die Kiellinie und kamen am Sportboothafen Blücherbrücke vorbei . . . Mmmh, das wäre natürlich ein toller Liegeplatz . . . direkt an der Meile.

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Er zickt nicht mehr . . .

Die Kieler Woche steht vor der Tür und uns setzt der Sportboothafen, vor dieselbe. Naja, das ist ja nicht neu und wurde ja auch angekündigt. Für mich war es aber Grund genug, gestern – egal wie das Wetter war – doch tauchen zu gehen um den verflixten Faltpropeller seine Mätzchen auszutreiben. Nach der Arbeit fuhr ich nach Hause und holte meine Badesachen. Die Wettervorhersage sah starke Schauer vor . . . mmmh,  na wird schon nicht stören, wenigstens sollte die Ostsee schon 15 Grad “warm” sein.

Also stieg ich ins Hafenwasser, das ausnahmsweise mal recht sauber war. Puuuh, war das kalt. Stoßweise atmend sammelte ich Mut und tauchte ab. Das Bändsel hatte ich noch nicht mal richtig rumgewickelt, da überkam mich ein beklemmendes Gefühl. Ich stieg unverrichteter Dinge aus dem Wasser und überlegte. Ein Rundtörn mit zwei halben Schlägen würde mir bei der Kälte nicht gelingen. Notgedrungen knotete ich einen Palstek und stieg nochmal ins Wasser. Diesmal ließ ich mir mehr Zeit und aklimatisierte mich . . . naja, soweit es eben ging. Ich tauchte ab, stülpte das Auge des Palstek über einen Propellerflügel und zog dran, so dass der Propeller aufklappte. Nachdem ich kurz Luft geholt hatte, band ich das Bändsel zweimal um die Welle und schlang eine Schlaufe über den zweiten Flügel. Nach einer weiteren Atempause verknotete ich das Ganze und versuchte den Propeller zusammen zu klappen. Der Tampen hielt die Propellerblätter tatsächlich in aufgeklappter Stellung.

Ich stieg aus dem Wasser, trocknete mich ab und startete den Motor. Mal sehen, ob es funktionierte. Ich kuppelte die Maschine auf zurück ein und spürte, wie die Rasalhague leicht zurück zog. Also kuppelte ich aus und gab einen Pull voraus. Die Heckleinen kamen sofort unter Zug, als das Boot nach vorne drängte. JA! Das klappte also.

Anfang der Woche hatte mir der Hafenmeister mitgeteilt, dass im Yachthafen Wellingdorf an der Schwentinemündung ein Liegeplatz während der Kieler Woche frei wäre. Heute – nachdem ich gestern dem Propeller seine Flausen ausgetrieben hatte – wollte ich mit Heike die Rasalhague in die Innenförde verlegen. Leider erging es ihr aber diese Woche gar nicht gut und so beschloss ich die Fahrt alleine durchzuführen. Ein bißchen war mir schon mulmig, aber irgendwann musste auch ein Solotrip getestet werden.

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In der Außenförde war es noch trocken . . .

Nach der Arbeit fuhr ich also nach Schilksee und machte die Rasalhague klar zum Auslaufen. Der Motor lief bereits, als ich die Vorleinen einholte und dann schnell an Bord kletterte. Der Wind drückte das Boot nach Steuerbord, doch die Sorgleinen hielten das Boot schön in der Mitte der Box. Ich zog mich hinter, holte die Heckleinen vom Dalben und zog mit der Maschine leicht zurück, aber die Führungsleine ließ ich an der Box zurück. Langsam fuhr ich aus dem Hafen. Die Fender holte ich nur auf das Oberdeck, denn nachher musste alles schnell gehen. Mit 6 Knoten Fahrt hielt ich auf die Enge beim Friedrichsorter Leuchtturm zu, als das Echolot nur noch 2,8m unterm Kiel anzeigte. Also musste ich weiter nördlich ins Fahrwasser.

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Hinter Fiddelort sieht es ziemlich düster aus

Kaum hatte ich den Leuchtturm passiert, kam eine starke Bö und brachte die Rasalhague zum Krängen. Dabei hatte ich gar kein Segel oben. Dann kam der Schauer und ich war froh, dass ich mein Schlechtwetterzeug angezogen hatte.

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Auf der Kiellinie ist schon alles aufgebaut

Nach eineinhalb Stunden hatte ich endlich die Mündung der Schwentine erreicht. Ich kletterte auf die Back und hängte die Fender aussenbords und tuckerte langsam in den Yachthafen. Auf dem Liegeplatz lag jedoch schon ein anderes Boot. HEEE . . .  mmmh, das war zu befürchten. Während der Kieler Woche sind Liegeplätze nun mal Mangelware und da findet man auch schon zwei Boote in einer Box. WAS JETZT? Ich suchte nach einer anderen freien Box, doch zweimal prangte ein rotes “Belegt”-Schild an der Pier. Ich war schon fast auf dem Weg raus, da erblickte ich ein Boot von Sailaway . . . und daneben eine Lücke. Langsam dümpelte die Rasalhague dorthin . . . KEIN SCHILD! Was für ein Glücksfall. Da die Paula etwas größer als die Rasalhague ist, sollte ich doch da rein passen. Langsam fuhr ich in die Box, stoppte auf und legte die Heckleinen über die Poller. Alleine ist Anlegen nicht ganz leicht, aber es klappte. Beim abschließenden Blick auf das Echolot blieb mir kurz die Luft weg: 0,1m . . . Uiiii! Um Viertel vor sieben war das Boot seeklar zurück und ich echt groggy.

Rasalhague in ihrer neuen Box
Rasalhague in ihrer neuen Box
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Errungenschaften

Heute wollten wir endlich unter den Kran und die Windex und das Ankerlicht im Topp inspizieren. Zuerst schäkelte ich die oberen Relingsdrähte ab und spannte diese schräg nach unten auf die Mittelpütting. Mich störte schon die ganze Zeit die Tatsache, dass das Unterliek der Genua I gekniffen wurde. Ich hoffte durch die Diagonialspannung der Reling der Genua genügend Raum zu bieten, so dass sich das Unterliek sauber und straff spannen ließ.

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Rasalhague an der (Führungs-)leine
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Sorgleine und Führungskarabiner

Die zweite Neuerung sollten die Sorgleinen werden. Heike maß zweimal rund 18m des guten schwarzen Tauwerks ab. Das sollte für die 15m-Box reichen. In der Ersatzteilschublade hatte ich mehrere Karabiner gesehen. Ich nahm drei und knotete diese an die Führungsleine. Diese klinkten wir dann mit dem Mittelkarabiner an den Bugkorb. Die anderen beiden klinkten wir auf die Sorgleinen, die von den Pollern aus an Backbord und Steuerbord entlang bis zu den Dalben geführt wurden. Ich startete den Motor, Heike warf die Bugleinen auf die Pier und ich zog uns an den Heckleinen langsam zurück bis wir bei den Dalben waren. Dort zog ich dann die Sorgleinen fest und verknotete sie ordentlich. Danach zog ich das Boot mit einem kurzen Pull zurück und Heike klinkte den Karabiner am Bugkorb aus.

Mit leichter Fahrt wollten wir zum Kranplatz, doch unterm Kran lagen mehrere Boote und wir entschlossen uns daher dann doch etwas raus zu fahren und zu segeln. Beim Drehen klappte der Propeller wiedermal nicht auf, es ist wirklich zum Verzweifeln. Doch bevor ich mit dem Heck mittig in der Steuerbordseite der Bellatrix festmachte, klappte er dann doch auf. Meine Badehose und die neue Taucherbrille hatte ich ja schon an Bord. Vielleicht sollte ich das heute auch noch gleich erledigen.

straffes Unterliek dank abgeschlagener Reling
straffes Unterliek dank abgeschlagener Reling

Draußen vor dem Hafen setzte Heike das Groß, bevor ich mich mit dem Genua auf die Back machte. Eigentlich war ja gar kein Segeln geplant, deswegen war kein Vorsegel angeschlagen. Der Wind reichte noch nicht mal für 2 Knoten Fahrt aus, doch als ich die Genua hochgewinscht hatte, nahm die Rasalhague Fahrt auf und wir glitten mit fast 4 Knoten aus der Bucht. Die Genua stand deutlich besser und das Unterliek war schön frei. So erkannten wir auch, dass der Holepunkt zu weit vorne war.

Wir segelten mit Kurs 120 auf Laboe zu. Steuerbord achteraus kam ein anderer Segler auf und blieb etwa in einem Abstand von einer halbe Kabellänge an unserer Steuerbordseite. Er hatte eine Selbstwende- oder eine Arbeitsfock als Vorsegel angeschlagen. Da das Boot etwa gleich groß war, hatte er es entweder besser getrimmt oder die Rumpfform war weniger bauchig. Je höher wir an den Wind gingen, desto eher konnten wir mithalten. So entstand ein kleines Kopf-an-kopf-Rennen, das aber durch eine notwendige Wende beendet wurde. Wir segelten weiter den Tonnenstrich entlang aus der Förde raus. Inzwischen hatte der andere Segler wieder aufgeholt und folgte uns 20m achteraus im Kielwasser. Als Kurshalter fuhr ich gerade weiter, aber der Aufkommer kam immer näher ran. Heike und ich wurden etwas nervös. Der Skipper der anderen Yacht sah uns durch seine Segel nicht. Ich entschloss mich zum Manöver des letzten Augenblicks und fiel vom Wind ab. Im Abstand von gerade mal fünf Meter passierte die andere Yacht an Backbord. Ich rief sie an und bat darum, sie mögen etwas mehr an den Wind gehen. Innerlich fluchte ich aber wie ein Rohrspatz “unseemännisch . . . Sonntagssegler . . . ” Gleichzeitig stellte sich mir die Frage, ob der überhaupt einen Sportbootschein hatte. Da tauchte der Skipper aus der Kabine auf, guckte und gab energisch Anweisungen. AHA! Naja . . . es ist ja nichts passiert.

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Auslaufen zur Nachtregatta
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da müssen wir durch…

Auf dem Weg zurück schafften wir kaum mehr als 2,3 Knoten. Aber die reichten aus, uns in eine echte Bredouille zu bringen. Mit einem Mal kamen rund 50 Segler aus Schilksee und liefen alle Kurs Kiel Lighthouse – uns also entgegen. Ich fühlte mich etwas wie ein Geistersegler, der nicht mitbekommt, dass er in die falsche Richtung segelt. Einer, der dicht an unserem Heck passierte – und es waren wieder nur ein paar Meter – sagte uns dann, sie würden alle zur Nachtregatta raus segeln. OHA! Nachtsegeln . . . das klingt sehr aufregend. Aber wir waren auf dem Heimweg und bargen kurz darauf die Segel um mit dem Motor die letzten Meter zu machen.

In der Gasse unserer Box anglangt, kuppelte ich die Maschine aus und mit Restfahrt glitten wir auf die Box zu. Ohne Schraubenstrom war die Ruderwirkung auch bei Hart Steuerbord nicht so groß und so dengelte ich mit dem Bugkorb gegen den Dalben. Heike versuchte noch uns wegzudrücken, bekam aber ihren Fuß dazwischen, was sehr schmerzhaft war, Gottseidank aber nichts ernsthaftes. Dann klinkte sie uns in den Mittelkarabiner und wir legten die Heckleinen über die Dalben. Das Boot blieb schön mittig in der Box.

SO MACHT ANLEGEN SPASS!

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Feierabendsegeln

Gestern wollten wir eigentlich nur ein bißchen was am Boot machen. Sachen an Bord bringen, was nachgucken und dann eigentlich nur im Cockpit chillen. Aber kaum waren wir an Bord, meinte Heike: “. . . und wenn wir erst rausfahren und später . . . ?” Na, mich muss man nicht lange beknien. Ruckzuck war das DSC_0261Landanschlusskabel abgeschlagen und verstaut, die Genua I am Vorstag angeschlagen, die Seeventile geöffnet, die Persenning vom Großbaum abgezogen, die Vorschoten angeschäkelt und schon waren wir klar zum Auslaufen. “Vorleinen los!” Ich zog uns mit den Heckleinen an den Dalben. Unser Nachbar, die teure Motoryacht, hatte unsere Heckleine zwar um den Dalben gelassen, allerdings lag sie im Wasser und nicht auf dem Haken. Heike bekam kaum die Nachbarleine vom Dalben, so fest war sie darum gezogen . . . kein großes feststehendes Auge! Das war mehr eine Lassoschlaufe. Aber dann waren wir frei und raus aus der Box. Der Bug driftete in die Mitte der Gasse und ich wollte auf dem Teller drehen. Natürlich – wie kann es auch anders sein – klappte der Propeller nicht auf. Bei Maschine zurück ist er meist gleich da, doch bei Vorausfahrt nicht. Ich behielt Ruhe und wartete geduldig und . . . klack . . . da war er!

Costa Pacifica
Costa Pacifica

Draußen vor der Hafeneinfahrt war wenig, aber ausreichend Wind. “Heiss das Groß, heiss die Genua!” und schon segelten wir mit vier Knoten in Richtung Fahrwasser der Kieler Förde. Gerade hatte ein großes Kreuzfahrtschiff die Außenförde erreicht. Da Bjarne mich gebeten hatte, alle Kreuzfahrtschiffe, die Kiel anlaufen, zu fotografieren, fuhren wir dichter ran. Kaum war das an uns vorbeigerauscht, da ertönte schon das Typhon des Nächsten.

AIDALuna
AIDALuna

Und schon schälte sich die AIDAluna hinter der Landabdeckung am Friedrichsorter Leuchturm vorbei. Laut GPS machten wir 4,8 Knoten Fahrt über Grund bei 15 Grad Krängung und Wind von Steuerbord aus 30 Grad. Zurück ging es dann aber gemächlicher mit gerade mal 2,8 Knoten. Schade, das wäre jetzt ideal für den Spinnaker gewesen, aber damit wollten wir uns vorher mal intensiver beschäftigen.

einfach nur herrlich...
einfach nur herrlich…

Vor Schilksee angelangt, barg ich die Genua, schlug die Schoten ab und packte das Großsegel. Dann liefen wir ein und fuhren langsam auf unsere Box zu. Die Heckleinen bekam Heike nicht gleich rüber und nahm den Bootshaken zur Hilfe. Damit war die Fahrt dann aus dem Boot. Ich kuppelte die Maschine ein und gab einen kurzen Pull voraus. “Noch zwei Meter, noch anderthalb, einen Meter.” Heike sprang auf die Pier während ich mit Fahrt zurück das Boot aufstoppte. Brauchte ich aber gar nicht. Die Heckleinen, die gerade noch lang genug sind, standen schon unter Zug und zogen das Boot wieder nach achtern und so schnell hatte Heike die Festmacher von der Pier nicht auf der Klampe. Also kuppelte ich die Maschine auf voraus ein. Jetzt versagte der Propeller ganz und ich manövrierte das Boot nur mit Leinen und Bootshaken vor und zurück und zur Seite, verlängerte dann die Steuerbordheckleine und fiel schon fast ins Wasser, als Heike endlich eine Vorleine über hatte. Puuh! Also stand mein Entschluss, demnächst dann doch tauchen zu gehen. Dem Faltpropeller werde ich seine Spirenzchen jetzt endgültig austreiben. Auch eine andere wichtige Verbesserung sollte nicht lange auf sich warten lassen. Zur Schiffstaufe hatten wir eine große Trommel gutes Tauwerk bekommen. Damit werde ich mir Sorgleinen bauen, an denen eine Querleine entlangrutschen kann, mit der wir uns dann schön mittig in der Box halten werden. Diese Eierei in der Box muss endlich aufhören.

Nachdem die Rasalhague seeklar zurück war, genehmigten wir uns noch ein Einlaufbier und stellten fest, so nach dem Feierabend noch mal drei Stunden raus zu können, . . .

DAS HAT WAS!

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Die Taufe

Wie kommt man eigentlich auf einen Schiffsnamen? Auf DEN Schiffsnamen? . . . Wenn man so durch die Yachthäfen geht und auf die Boote guckt, da begegnen einem schon viele mit schönen und etliche mit liebevollen, manche mit lustigen und einige mit komischen, ein paar mit ausgefallenen, aber eher wenige mit klangvollen Namen und wahrscheinlich nur selten welche mit einer besonderen Geschichte. Nun, ich möchte euch erzählen, wie dieses Boot zu seinem Namen kommt:

Am Anfang war ein Traum, d.h. nein – eigentlich waren es zwei Träume, oder besser gesagt, derselbe Traum, nur von zwei unterschiedlichen Personen geträumt. Heikes Traum und meiner – Ich will segeln!

Doch das Leben nimmt viele Umwege und hält immer wieder spannende Herausforderungen bereit, die es zu meistern gilt. Man durchlebt Höhen und Tiefen – das Leben gleicht einem ewigen Ringen – einem ewigen Kampf mit Schicksalsschlägen, gefolgt von schönen Momenten, die man nie vergessen will und man sich bald darauf sagt: Das möchte ich noch einmal erleben! So erging es mir mit dem Segeln. Ich war schon ziemlich dicht dran, an meinem Traum, bin zur See gefahren und habe raus in die weite Welt geschnuppert . . . und doch hat es mich dann weit weg verschlagen – weg vom Meer, weg von meinem Traum. Vor zwei Jahren kam dann der Entschluss: Ich muss zurück – ich will wieder an die Ostsee und . . . ich will segeln!

Heikes Weg war ein Anderer. Stetig und beharrlich hat sie sich langsam – aber unaufhaltsam – von Tübingen nach Hamburg vorgekämpft. Manche sagen, in Hamburg bist du schon am Meer, aber sie wollte noch weiter, nämlich richtig ans Meer, denn auch Heike sagte sich . . . Ich will segeln! Vor drei Jahren ergriff sie dann die Gelegenheit und zog nach Kiel. Hier schließlich kreuzten sich unsere Wege und unsere Träume verschmolzen zu Einem . . . Wir wollen segeln!

Wenn wir da jetzt rausfahren – mit dem Wind in den Segeln und der Gischt im Gesicht, dann erinnert uns das an das ewige Ringen im Leben, doch wir ringen nicht mit dem Schicksal, sondern mit den Elementen. Hier gilt es Wind und Wellen zu bändigen – eigentlich eine hoffnungslose Sache, denn das Meer lässt sich nicht zähmen . . . es ist nur manchmal sanft und lässt uns darauf segeln. Und wenn man dann nach einem schönen Törn nachts hochguckt zu den Sternen, dann kann man ein Sternenbild sehen, das uns eine Geschichte vom Ringen erzählt. Und sie ist schon sehr alt, denn die alten Griechen haben diese Geschichte schon erzählt, und sie geht so:

Apollon, der Gott des Lichts, hatte eine Geliebte: Koronis. Leider war diese ihm nicht treu und Apollon furchtbar zornig. In seiner Eifersucht ließ er Koronis töten, die ihm noch im Sterben beichtete, sie trüge ein Kind von ihm unter ihrem Herzen. Apollon bereute und rettete das ungeborene Kind, nannte seinen Sohn Asklepios und gab ihn in die Obhut von Chairon, dem Zentauren, einem bekannten und weisen Heiler. Asklepios (oder lat. Äskulap) wurde selbst ein großer Heiler und Wohltäter der Menschheit. Eines Tages wurde Asklepios zu Minos, dem König von Kreta gerufen, der ihn beauftragte, seinen Sohn Glaukos zu finden. Glaukos war beim Spielen in ein Gefäß mit Honig gefallen und erstickte darin. Asklepios fand schließlich den Jungen und berichtete dem König von der Tragödie. Minos befahl darauf, Asklepios mit dem toten Glaukos einzusperren, bis der Heiler ihn wieder zum Leben erweckt hätte. Asklepios wusste sich nicht zu helfen, da kam eine Schlange und Asklepios erschlug diese mit seinem Stab. Nun kam eine zweite Schlange, sah die tote Artgenossin und verschwand, nur um kurz darauf mit Kräutern im Maul zurückzukehren. Die Schlange legte die Kräuter auf die tote Artgenossin, die wieder zum Leben erwachte. Asklepios folgte dem Beispiel und legte die Kräuter auf den Leichnam von Glaukos, der daraufhin auch wieder lebendig wurde. Jedoch wagte Asklepios damit zu viel, denn nun beschwerte sich Hades, der Hüter der Unterwelt, bei seinem Bruder Zeus, dem Göttervater. Und auch Zeus war sehr erzürnt, denn er hatte Angst, er könne keinen Menschen mehr mit dem Tod bestrafen und deshalb erschlug er Asklepios mit einem Blitz – nun, in der griechischen Mythologie enden Geschichten ja meist tragisch.

Als der Astronom Ptolemäus vor rund 2000 Jahren die Sterne in 48 Bilder der antiken Mythologie ordnete, erhielt Asklepios sein eigenes Bild: Es zeigt ihn als Träger einer ungezähmten Schlange. Sein Ringen mit der Schlange soll uns Symbol sein für das Ringen mit dem Meer. Der Schlangenträger oder lat. Ophiuchus ist eigentlich das dreizehnte Tierkreiszeichen, aber das Schicksal war Ophiuchus nicht gewogen und er blieb unberücksichtigt, denn das ursprüngliche Sternenbild war damals kleiner als heute und keiner seiner Sterne lag südlich des Himmelsäquators. Die Sterne, die heute die Beine von Ophiuchus bilden und südlich der Ekliptik zu sehen sind, gehörten damals noch zum Sternenbild Skorpion. Ein kleines bisschen wollen wir Ophiuchus heute gerecht werden, denn sein hellster Stern steht Pate für unser Schiff. Als im 8. und 9. Jahrhundert die Werke von Ptolemäus von arabischen Astronomen übernommen wurden, gaben diese etlichen Sternen eigene Namen, und so wurde aus Alpha Ophiuchi das „Haupt des Schlangenträgers“.

Möge dein schnittiger Bug jede Welle teilen und möge stets noch eine Handbreit Wasser unter deinem Kiel sein. Mögen die Stagen deinen Mast halten und deine Schoten nie brechen. Mögen der Wind und die See dir stets gewogen und Poseidon dir gnädig sein und mögest du uns immer wieder sicher heimbringen. Möge das Glück dir holt sein und mögen dich nun alle kennen. Denn wer deinen Namen liest, schaut hoffentlich hoch, wie unzählige Generationen von Seefahrern es vor uns taten. Er schaut hoch und findet dich im Sommer zwischen Altair im Adler und Arcturus im Bärenhüter, zwischen Antares im Skorpion und Vega in der Leier. Dein Pate leuchte hell und weise uns den Weg. Befahre fortan die sieben Weltmeere unter seinem Namen, der nun auch deiner sei:

Rasalhague

 Kiel, 06. Juni 2015

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Vorbereitungen . . .

Die Ostsee wurde am letzten Maiwochenende nicht wärmer! Also ließ ich das Tauchen sein. Auch Heike konnte ihren Ausflug in den Mast noch nicht durchführen, denn es kommt ja immer alles anders, als man denkt und vor allem kommt immer was dazwischen. In diesem Fall war es Schlafmangel nach einer schönen Familienfeier.

Die letzte Woche stand dann schon ganz im Zeichen der Vorbereitungen für die Schiffstaufe. Am Dienstag holte ich meine Jungs ab, die sich schon sehr auf uns und auch auf das Boot gefreut hatten. Mit Begeisterung zogen sie ihre neuen Segelschuhe, die Segeljacken und auch die T-Shirts an, die ich für uns anfertigen ließ. Am nächsten Morgen ging es für sie dann erstmalig an Bord. Hui, war das eine Aufregung! Als Erstes gab ich ihnen die Rettungswesten zum Anziehen und schärfte ihnen ein, dass diese auf dem Oberdeck immer zu tragen seien. Allerdings brauchte ich das gar nicht, denn Rettungswestetragen ist ja sowas von cool.

eine schmucke Alternative, oder nicht?
eine schmucke Alternative, oder nicht?

Da mir das große Flaggenalphabet fehlt und ich auch nicht unbedingt eines kaufen wollte – die nötigen Signalflaggen hab ich ja -, musste eine andere Dekoration her. Heike schlug vor Papierwimpel zu basteln. Nach einigen Überlegungen fand ich die Idee sogar recht gut und tatsächlich sah die Kette dann auch schick aus.

Was ich natürlich nicht bedacht hatte, war der Arbeitsaufwand! Ein, zwei Wimpel waren schnell gebastelt, nur . . . zwei Wimpel sehen ja nach nichts aus. Also rechnete ich aus: über den Topp geflaggt bräuchte ich rund 100 Stück. Das erforderte ja schon fast eine industrielle Produktion! Wie gut, dass ich zwei bastelfreudige Kinder habe. Die Freude hielt zwar nicht alle 100 Wimpel durch, aber sie haben geholfen! Ich wollte zwei Leinen anfertigen, die ich dann am Spinnakerfall und am Grossfall hochziehen konnte. Der Wind hatte allerdings schon die Belastungsgrenze der Wimpelbefestigung erreicht. Notgedrungen tackerten wir die Wimpel an der Leine fest. Als die erste Leine schon zu zwei Drittel fertig war, wollten wir sehen, wie viel Meter wir noch brauchten. Nicht, dass am Ende 100 Wimpel doch zu wenig waren. Wir zogen die Kette hoch und rund zwei Meter unter der Mastspitze wurde die Leine unkontrollierbar. Der Pelikanhaken des Falls schlug wie wild gegen das Vorstag und mit Müh’ und Not liessen sich noch ein paar Wimpel an die Leine tackern. Nein, so ging das nicht. Es half nichts, sie musste wieder runter.

Am nächsten Tag holten wir vom Floristen die Girlande für den Bugkorb ab. Ein wichtiger Punkt auf der ToDo-Liste für diesen Tag war, das Boot zu drehen. Noch lagen wir mit dem Heck an der Pier. Weil aber die Liegeplatz-Kontrolleure die Plakette am Mast so nicht sehen konnten und vor allem, weil man so den Bug schlecht taufen konnte, musste das Boot gedreht werden. Nun stand ich da alleine mit zwei Leichtmatrosen auf der Back, denn Heike war zuhause und kümmerte sich um die Vorbereitung für das Catering. Also erklärte ich den Jungs, wie das Manöver ablaufen würde. Glücklicherweise sah ich dann zwei von einem Nachbarboot, die uns wenigstens wieder festmachen sollten. Ich schmiss den Motor an, warf die Heckleinen auf die Pier und dümpelte langsam vor. Diesmal zickte der Propeller auch nicht. Mit Hilfe des Bootshakens holte Bjarne die Vorleinen vom Dalben, während Nils die Leinen aus dem Wasser zog. Das klappte recht gut und wir waren schnell raus aus der Box. Da ich das Ruder nun wieder Hart Backbord legen konnte, sollte das Drehen auf der Stelle kein Problem sein. ES WAR ABER EINS! Der Wind drückte uns ruckzuck auf die andere Seite der Gasse und hielt uns an den Dalben fest. Ich zog zurück, hoffte auf den Radeffekt und dass wir so mit dem Heck in die Mitte kommen würden. Beim zweiten Versuch klappte es. Mit kleiner Fahrt voraus und Ruder Hart Backbord drehte der Bug gegen den Wind endlich auf unsere Box zu. Ich scherte mir zwar dabei einen Splint von der Reling am Heckkorb ab, weil wir nur zwei Handbreit vor dem Bug einer anderen Yacht entlang drehten und den Dalben von ihrer Box touchierten, aber das war vertretbar, denn dafür habe ich ja Ersatzsplinte. Bjarne bekam die Heckleinen auch gleich über den Dalben gelegt, eine großartige Leistung! Nils hatte inzwischen die Vorleinen im Ankerkasten verstaut und die beiden Bootsnachbarn übergaben dann die Leinen, die auf dem Steg lagen und machten uns fest. WOW! Ich war begeistert und erleichtert. Trotz der relativen Dichte zum Steinwall ist auflandiger Wind eine echte Herausforderung beim Drehen in der Gasse! Meine Bemerkungen über die Sinnhaftigkeit eines Bugstrahlruders ziehe ich hiermit für immer zurück!

so sollte es aussehen!
so sollte es aussehen!

Jetzt – wo das Boot endlich richtig rum lag – machten wir uns wieder an die Dekoration. Da der Wind aber nochmals zugenommen hatte und irgendwie ein Fünftel der Wimpel verschwunden war, entschloss ich mich kurzerhand nicht über den Topp zu flaggen, sondern die Wimpelkette nur bis zur Saling hoch zu ziehen. Also verknotete ich die beiden Wimpelleinen miteinander und zog sie mit dem Toppnanten des Spinnakerbaums hoch. Ein Höllenlärm von 80 flatternden Wimpeln kündigte nun der Umgebung die bevorstehende Taufe an. Danach brachten wir die Girlande am Bugkorb an und klarten das Schiff auf. Fertig!

DSC_0009Doch mit einem Mal wurde es vernehmlich stiller. DIE WIMPELKETTE WAR GERISSEN! Die hatte bei dem starken Wind nur eine halbe Stunde gehalten.

 

Nils im Mast - ich will oben bleiben!
Nils im Mast – ich will oben bleiben!

Am nächsten Morgen – dem Tag der Taufe – wollte ich die Kette reparieren und nochmal hochziehen, in der Hoffnung, sie würde wenigstens die Taufe durchhalten. Doch der Spinnakertoppnant hing jetzt oben unterhalb der Saling und kam von alleine nicht runter. Die Wahl fiel auf Nils, meinen Jüngsten. Ganz mutig setzte er sich in den Bootsmannsstuhl und ich zurrte ihn fest. Dann ging es hoch, zwar nur fünf, sechs Meter, aber das reichte ja auch. Er fand den Ausflug so toll, ja er wollte gar nicht mehr runter. Mit dem Toppnanten kam er dann aber wieder runter. Die Wimpelkette ließ sich leider jedoch nicht mehr verwenden. Da hätte ich auch ein halbgerupftes Huhn hissen können, das wäre genauso schön gewesen. Grummel, dann also ohne!

Um zehn kam Heike und kümmerte sich um Getränke und um das Büffet und schon kurz danach tauchten die ersten Gäste auf . . .

UND DANN WAR ES SOWEIT!

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