Flaschenpost

Der Sommertörn war vorbei, doch nicht das Segeln! Wäre ja noch schöner, wenn dass schon das Absegeln der Saison gewesen wäre. Nein, nur der Törn war rum. Aber wir hatten etwas SEHR WICHTIGES beim Törn vergessen. Bjarne hatte die Idee, eine Flaschenpost abzuschicken. Leider ist das aber während des Törns irgendwie nicht zustande gekommen. Vielleicht hatten wir kein Papier, oder keine Flasche? Vermutlich scheiterte es am Korken. Nachdem wir nun das Boot ausgeräumt und gereinigt hatten – Himmel, was sich so in der Bilge ansammelt! – und irgendwie “platt” waren, da kam mein Sohn also mit seiner Idee wieder an und präsentierte mir seinen Entwurf für den Flaschenposttext. Was mich besonders freute, er hatte schon eine Vorstellung, wo die Flaschenpost angelandet werden würde. Da standen nämlich die beiden Jungs plötzlich mit dem Globus in der Küche und zeigten mir anhand der aufgedruckten Meeresströmungen, dass die Flaschenpost bis nach . . .  A . . . ME . . . RI . . . KA getrieben werden könnte. Ich schmunzelte. Das wäre ja mal was. Meinen leisen Einwand, die Flaschenpost müsse ja erst mal in die Nordsee, wischten sie mit einem schlagkräftigen Argument weg: “Wieso? Hier ist doch der Nord-Ostsee-Kanal. Hier rein, dort raus, so einfach ist das.” Klar, warum habe ich nicht an den alten NOK gedacht! Ich versuchte dennoch die Hoffnung zu dämpfen, die Flasche könnte tatsächlich so weit schwimmen. Aber Kinder sind für solche Einwände wenig empfänglich, ihre Begeisterungsfähigkeit ist einfach größer. Deshalb sollte ich den Text ins Englische übersetzen. Sicher ist sicher. Das machte ja auch Sinn, denn wenn die Post auch nur irgendwo in Dänemark stranden sollte, war Englisch sicherlich hilfreich. Wir übersetzten den Text, packten die Botschaft in einen wasserdichten Beutel und steckten den Beutel dann in eine alte Weinflasche. Diese verkorkten wir und schon war die Post fertig.

Unser letzter Spaziergang im gemeinsamen Sommerurlaub sollte nach Bülk gehen. Dort wollte Bjarne die Flasche dann ins Meer werfen, doch es herrschte ein kräftiger Ostwind und da wäre die Flasche ruckzuck keine 50 m von der Einwurfstelle wieder gestrandet. Heike schlug daher vor, die Flasche beim nächsten Segeln am Sonntag draußen vor Kiel-Lighthouse ins Meer zu werfen. Damit war Bjarne einverstanden und er vertraute seine Flaschenpost uns an. “Aber nicht vergessen!”

DSC_2394Sonntag war es dann soweit. Heike und ich fuhren nach Schilksee, machten die Rasalhague seeklar und schlugen die Arbeitsfock ans Vorstag. Auf das Reffen des Großsegels verzichteten wir, obwohl ein kräftiger Ostwind blies. Ich hatte bisher die Erfahrung gemacht, das wir unter mehr Tuch besser auf den Wind reagieren konnten, als mit weniger. Natürlich hatten wir die Flaschenpost dabei und so ging es dann raus. Kaum aus der Abdeckung der Hafenmole raus, schaukelte sich das Boot durch die anbrandenden Wellen kräftig auf. Noch fuhren wir ja unter Motor. Ich ging in den Wind und Heike kletterte auf die Back und zog Groß und Fock hoch. Schon lag das Boot ruhiger und wir kreuzten zum Fahrwasser raus, folgten dem Tonnenstrich bis Kleverberg Ost und querten dann das Fahrwasser. Die Wellen wurden höher und höher. Wir wollten weiter nach Osten, die Chance erhöhen, dass die Flaschenpost auf das offene Meer getragen wird. Etwas verwundert war ich ob der Sperrgebietstonnen, die am östlichen Fahrwasserrand auftauchten. Seit wann war hier ein Sperrgebiet? In der elektronischen Karte war nichts vermerkt, und die aktualisierte sich doch eigentlich ständig. Da sich aber auch andere Segler im Sperrgebiet befanden, störten wir uns auch nicht dran. Später las ich in der Zeitung, dass in dem Sperrgebiet am Tag zuvor Kampfmittel beseitigt wurde und dass das temporär eingerichte Sperrgebiet wieder aufgehoben sei.

Das Boot stampfte gegenan, wurde von einer Welle angehoben, senkte sich nach dem Kamm und bäumte sich dann wieder mit der nächsten Welle auf. Dennoch machte es immerhin 5,3 kn über Grund! So ging dass die ganze Zeit. Zwischendurch war die Wellenfrequenz aber auch mal kürzer und die Rasalhague bäumte sich eben nicht mehr rechtzeitig auf, sondern ging mit der Nase voran in die nächste Welle. Das Wasser stob dann zu allen Seiten, wurde vom Wind erfasst und ergoß sich auf den Skipper am Steuerrad. ACH, wie hatte ich das vermisst! NATÜRLICH stand ich ja nur mit T-Shirt und kurzer Hose am Steuer, schließlich schien die Sonne und es war warm. So völlig durchnässt fand ich es aber dann nicht mehr so warm.

Die Wellen machten der Rasalhague ja eigentlich nichts aus, schnitt sie doch mit ihrem eleganten Bug wie durch Butter hindurch. Aber manchmal, wenn das Boot richtig angehoben wurde, fiel sie schon recht hart auf die nächste Welle und das ganze Boot erzitterte. OH! Mit Schrecken bemerkte ich, dass sich die Rettungsinsel aus ihrer Halterung gelöst hatte und nun an Steuerbord in der Reling hing. Jetzt war schnell Handeln angesagt, wer weiß, wie lange die da so bleiben würde. Nicht, dass sich das Ding – halb am Boot hängend – noch auslöste. Heike kletterte auf die Back und versuchte die Rettungsinsel zu sichern, doch bei der Bewegung des Bootes war das ein Ding der Unmöglichkeit, zumal sich die Zurrgurte aus der Halterung gelöst hatten und bei dem Seegang ein Einfädeln der Gurte schlichtweg unmöglich war. An ein Festzurren auf der Back war also nicht zu denken. Heike wollte die Insel dann nach hinten bringen und zerrte und zog, doch der Koffer war mächtig schwer und sie hatte kaum eine Chance, ohne sich selbst dabei zu gefährden. Also wechselten wir und ich versuchte mich an der Bergung. Ich wuchtete die Insel hoch und verlor auf Grund des Gewichts der Rettungsinsel und der Bootsbewegung fast den Halt. Also steuerte Heike durch den Wind und legte das Boot auf den Backbordbug, damit ich überhaupt eine Chance hatte. So bekam ich den Koffer mit der Rettungsinsel endlich in die Plicht, bevor ich sie gleich unter Deck auf die Hundekoje verfrachtete. Was für eine mühsame Plackerei!

Schließlich hatten wir eine Position erreicht, bei der wir der Meinung waren, dass die Flaschenpost nicht unbedingt in Kiel angeschwemmt werden würde. Vielleicht würde die Strömung sie auch sonst wohin verschlagen. Heike reichte mir die Flaschenpost und filmte mich dabei. Ich wog die Flasche in der Hand und warf sie in einem hohen Bogen nach Backbord in die Wogen. Für einen kurzen Moment sah ich die Flasche noch, aber schon mit der nächsten Welle verlor ich sie aus den Augen. Vielleicht wird sie ja nie gefunden, aber wenn doch, dann hoffe ich für Bjarne, dass der Finder ihm auch schreibt.

DSC_2416Mit Hart Steuerbord halsten wir auf Heimatkurs. Nun kam der Wind raumschots von Backbord und die Wellen schoben sich von achtern unter das Boot. Unser Tempo steigerte sich auf über 6 kn. Eine große Welle rollte heran und wir ritten auf ihr in Richtung Schilksee. 6,8 . . . 7,0 . . . 7,3 . . . 7,5 kn! Wir hatten unsere Bestmarke um 0,3 kn verbessert. Die Rückfahrt war natürlich so deutlich kürzer und recht bald standen wir vor der Hafeneinfahrt. Heike barg das Vorsegel im Windschatten des Großsegels und dann drehte ich in den Wind um ihr auch das Bergen des Groß zu ermöglichen.

Das Anlegen sollte ja inzwischen keine Herausforderung mehr darstellen, hier hatten wir ja wirklich Übung drin. Die Heckleinen gingen auf die Dalben über und wie üblich ließen wir die Leinen dann außenbords fallen, da die Länge ja eingestellt war. Da der Wind von vorn kam, ließ ich den Motor noch laufen und auch die Welle drehte sich noch um uns etwas Fahrt zu bescheren. Dann ging ganz abrupt der Motor aus . . . NANU? Ein Blick auf die Backbordseite und mir schwante Übles! NEE, NICHT DOCH! Die Backbordheckleine war verdächtig straff deutlich zur Schraube gespannt. OHAUAHA! Ich startete den Motor und kuppelte auf zurück ein. Vielleicht könnte ich das Kuddelwuddel unter Wasser so wieder lösen. Sofort wurde er abgewürgt.  Jetzt hingen wir halb in der Box, noch gut 4 m nach vorn zu Pier fehlten. Achtern war das Boot gesichert, nur vorne nicht. Unsere Boxnachbarin wollte die Leinen annehmen. Heike warf die Vorleine auf die Pier. Der Wurf war gut, wurde aber nicht von unserer Boxnachbarin gefangen und daher  rutschte die Leine doch noch von der Pier ins Wasser. Jetzt musste sie die Leine aus dem Wasser fischen und konnte uns danach mit einer Leine nach vorne absichern.

Während ich mich notgedrungen auszog um die Welle von der Leine zu befreien, kümmerte Heike sich um die Rettungsinsel. Die Halterung musste repariert werden. Ich schnappte mir die Taucherbrille und machte mich über die Badeleiter am Heck ins Hafenwasser. Brrr, doch noch ganz schön kalt. Ich gewöhnte mich nur langsam an die Wassertemperatur und schwamm dann endlich zur Heckleine, holte Luft und tauchte ab. Was ich sah ließ mich fast verzweifeln. Die Heckleine hatte sich so sehr um den Propeller und die Welle gewickelt, das meine Behelfskonstruktion – der festgebändselte Faltpropeller – zu nichte gemacht war. Mit Mühe und Not gelang es mir in etlichen Versuchen die Leine wieder frei zu bekommen. Jetzt brauchte ich aber einen neuen Tampen um den Propeller festzubinden. Heike schnitt mir einen zurecht und verschmorrte die Enden, damit der auch ja nicht ausfranste.  Nach weiteren 10 min. Unterwasser-Knoten-Knüpfen war ich dann endlich fertig und stieg eilig aus dem Wasser. Ich holte noch tropfnass die Vorleinen durch und belegte das Boot wie gewohnt.  Abschließend hievte ich die Rettungsinsel wieder auf die Back und wir zurrten sie wieder richtig fest.

Jetzt noch schnell ein Einlaufbier, dann aber ab unter die Dusche.

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Sommertörn 2015 – Teil 4: Durch den Storebælt

11. TAG, Samstag, 15. August 2015:

Tag11Die Nacht war äußerst unruhig. Der Wind drückte ständig über das freie Hafenbecken auf unsere Steuerbordseite. Die Wellen hingegen unterliefen das Boot, wurden vom Steinwall reflektiert und drückten von Backbord gegen das Boot. So “eierte” das Boot trotz der doppelt ausgebrachten Heck- und Vorleinen an seinem Liegeplatz. Die Geräuschkulisse an Bord war erstaunlich. Die Leinen knarrzten, die Fender quietschten, in der Ferne donnerte ein Gewitter heran und über allem heulte der Wind. Wie sollte man da schlafen? Heike und die Kinder hatten Ohrenstöpsel, aber ich musste hören, ob da nicht irgendetwas passierte. Dann, mitten in der Nacht wich das Quietschen und ein Schlagen war zu vernehmen. Im Nu war ich wach und stand in der Unterhose auf der Back. Der obere Relingsdraht war auf der Backbordseite gerissen. Der, an dem die Fender befestigt waren. Die hingen dadurch jetzt tiefer und das Boot dotzte ungeschützt an die Pier. Ich stemmte mich gegen die Kraft von Wind und Wellen gegen die Pier und zog die Fender wieder hoch. Dann weckte ich Heike und spannte dann den Relingsdraht neu. Danach brachten wir noch Vor- und Achterspring aus. Der Rest der Nacht war dann ruhiger.

DSC_2069Am nächsten Morgen war der Wind dann endlich schwächer. Wir schlugen die Genua III ans Vorstag und machten das Boot auch sonst seeklar. Sicherheitshalber wollten wir aber hier noch mal tanken und verlegten daher das Boot an die Tankstelle. Es war kurz vor eins. Zwar hing an der Zapfsäule ein Schild dran, dass die Tankzeit zwischen 9.00 und 10.00 Uhr sei und man ansonsten warten müsste, aber Heike hatte vorher noch dem Hafenmeister gesagt, wir würden gleich zum Tanken kommen. Jetzt war er nicht da. Also rief sie den Hafenmeister an und erwischte ihn zu Hause in seiner Mittagspause. Wir sollten uns bitte bis zwei gedulden. Ach herrje! Aber er beeilte sich und kam dann halb zwei und betankte unser Boot. Als wir dann endlich ausgelaufen waren . . . war der Wind weg. Erstaunlich wie schnell das von Sturm in Flaute umschlagen kann! Wir liefen daher unter Motor die 24 Seemeilen nach DSC_2077Kerteminde. Unterwegs hatte ich das Gefühl, dass irgendetwas an der Schraube nicht stimmte, denn wir machten gerade mal 3,5 kn. Sollte hier auch eine Strömung sein? Bei Flaute? Ich wollte es wissen und ging auf Gegenkurs. Im Nu kletterte die Anzeige wieder auf 6,1 kn. DONNERLÜTTEN! Na, dann würden wir Kerteminde erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichen. Nils stand im Übrigen an dem Tag fast 4 Stunden am Stück am Ruder. Er wollte das genauso machen wie sein Papa das damals bei der Marine gemacht hatte. Und ihn störte der Regen dabei auch nicht.  Irgendwann auf der Fahrt tauchten dann wieder Schweinswale auf, aber auch hier ließen sie sich nicht auf Fotos bannen. Es war bereits nach neun, als wir unter Topp- und Positionslichtern endlich in Kerteminde einliefen. Nur noch schnell unter die Dusche und dann ab ins Bett.

12. TAG, Sonntag, 16. August 2015:

Tag13Wir starteten wieder früh, so dass wir von Kerteminde – dem Seglerzentrums Dänemarks – eigentlich nichts sahen. Der Wind aus Ostnordost wach schwach, aber es reichte um bei Groß und Genua I über 4 kn zu kommen. Am Horizont war die Storebæltbro, die Große Belt-Brücke, schon von weitem zu erkennen. “Die ist ja gar nicht so groß” sagte Bjarne. Ich lachte: “Die ist ja auch noch 13 Seemeilen entfernt!” Ich wollte den Kindern das Bauwerk von Nahem IMG_8277zeigen, wusste aber, dass man nicht unter der Brücke durchfahren durfte, da da ein Verkehrstrennungsgebiet ist und Segler dieses nicht befahren dürfen. Also wollte ich durch eins der Brückenfelder nahebei durch. Bei einer Durchfahrtshöhe weit über 20m sollte das ja kein Problem werden. Wurde es aber! Nicht wegen der Höhe, aber der Wind drehte auf Nordnordost bis Nord und wurde IMG_8278auch noch schwächer. Wir standen rund 1,5 sm nördlich der Brücke, noch abseits vom VTG und so kletterte ich auf die Back um den Spinnaker zu setzen. Irgendwas verklemmte sich, auf jeden Fall entfaltete sich das Spi nicht und dann sah ich, dass das Segel wegen der Schoten total verdreht war. Also löste ich die Steuerbordschot, klarierte die Leine und das Segel blähte sich auf . . . HALT! Noch nicht, ich hatte die Schot noch nicht wieder dran! So hing ich am Segel und staunte nicht schlecht, wie viel Kraft das Segel hatte. Beinahe hätte es mich von der Back gezogen. “In den Wind, geh in den Wind!” rief ich. Heike reagierte und ich konnte das Segel endlich richtig setzen. Jetzt segelten wir langsam – aber unter Spinnaker – unter der Brücke durch. Ein erhebender Anblick. Ich sah einen anderen Segler, der sich nicht an das Verbot hielt und zwischen den Pylonen unter der Brücke durchsegelte. Mmmh.

Hinter der Brücke wurde der Wind immer schwächer und das Spi fiel uns mehrfach zusammen. Und mit einem Mal wurde uns regelrecht schwarz vor Augen! Unzählige Insekten ergriffen von uns und dem Boot Besitz. Sie waren überall: auf dem Segel, auf den Jacken, im Haar, ja sogar in den Augen, in der Nase, in den Ohren und im Mund. Die Kinder vertrieben und zerquetschten die Käfer, die Rasalhague glich einem Ort des Massakers an Kerbtieren. Die Back war übersäht mit winzigen chitingepanzerten Leichen. WO kamen die nur her? Heike vermutete, dass die auf so einem Ballen Seetang – immer wieder trieb mal einer vorbei – gebrütet hatten und nun auf die erstbeste Gelegenheit warteten, von ihrer winzigen Welt runter zukommen.  Als wir dann am Abend Lohals erreichten, flüchteten die wenigen Überlebenden dann endgültig von Bord und wir hatten das Boot wieder für uns allein. In Lohals wollte – trotz ausgelegtem Landstromanschluss – die Batterie nicht geladen werden. Ich guckte mir den Stromkasten an und stellte fest, dass dieser mit einer Marke gefüttert werden wollte. DSC_2119Also kauften Nils und ich uns eine Marke und steckten diese rein. Nichts. Tja, Reihenfolge beachten. Also nochmal 10,- DKK investiert, erst die Nummer gewählt, dann den Polleter eingesteckt und siehe da, dann ging es.  Heike taperte dann mit Bjarne noch quer durch den Ort zum Einkaufen.

13. TAG, Montag, 17. August 2015:

Tag14Von Lohals starteten wir wieder früh, denn nun sollte ja bald der Sturm aufziehen. Wir rechneten uns aus, dass wir durch ein Auslaufen um 6.00 Uhr vor dem Sturm in Marstal ankommen sollten. In Rudkøbing wollten wir dann keinen Halt mehr einlegen. Wir liefen aus und Heike setzte Arbeitsfock und Groß – auf das Reffen verzichteten wir. Dann ging es bei starken Ostwind auch schon mit engen Halsen durch den kleinen Kanal zwischen den IMG_8341Untiefen vor Lohals. Dahinter wurde es wieder tiefer und ich steuerte nach Backbord auf Halbwind-Kurs direkt die nördliche Ansteuerung von Rudkøbing Løb an. Mit Krängungen bis zu 45° auf Steuerbordbug pflügten wir zwischen Langeland und Fyn, später dann Tåsinge hindurch nach Süden. Ursprünglich wollte ich dann aber durch das Fahrwasser unter Motor laufen, doch die Wellen und der starke Wind ermutigten mich, es unter Segel zu versuchen. Mit der gesetzten Fock war die DSC_2137Rasalhague jedoch zu luvgierig, also ließ ich Heike im Windschatten des Großsegels die Fock bergen. Nur noch mit der Groß konnte ich dann den Kurs besser halten, allerdings war die Drift im Fahrwasser beachtlich! Immer wieder musste ich deutlich nach Backbord korrigieren, damit uns der Wind nicht nach Steuerbord aus dem Fahrwasser drückt. Unter der Langelandsbro durch passierten wir dann den Hafen von Rudkøbing und steuerten geradewegs in das südliche Fahrwasser nach Marstal. Der Wind stand super günstig und hinter der Ansteuerungstonne flog die Fock auch wieder hoch. Schon bald standen wir dann vor der Ansteuerungstonne Nord von Marstal – kurz bevor die Thor Heyerdal einlief – und wieder barg Heike die Fock im Windschatten der Groß. DSC_2162Das Großsegel holten wir dann kurz vor dem Hafen durch einen kurzen Schuss in den Wind in die südliche Ansteuerung ein und fuhren dann unter Motor in den Hafen. Es war gerade mal Mittag und so fanden wir bald eine freie Box, in die wir auch leicht reinkamen. Wir gingen einkaufen, besuchten bei der Gelegenheit den freundlichen Optiker, der uns beim letzten Mal netterweise seinen USB-Adapter lieh, und beschlossen am Abend einen der Grillplätze zu benutzen. Das wurde aber dann zu einem Problem: Die Grillhütten waren alle auf den Hafen hinaus geöffnet, aber von genau dort kam der Wind, und zwar inzwischen in Sturmstärke! Wir waren nicht die einzigen, die es versuchten. Allerdings stoben die Funken und die Glut war schnell vergangen ohne das Fleisch völlig durch zu garen. So macht Grillen nicht wirklich Spaß!

14. Tag, Dienstag, 18. August 2015:

DSC_2261Sturmpause! Wir blieben in Marstal, frühstückten leckere Brötchen vom Bäcker, machten einen langen Spaziergang am Strand und besuchten am Nachmittag das sehenswerte Schifffahrtsmuseum. Die Jungs konnten sich viel auf dem Spielplatz austoben. Am Abend DSC_2288beobachteten wir dann unsere direkten Boxnachbaren – wir lagen zwischen zwei Folkebooten. Beide hatten keinen Motor und zogen sich in der Box nur mit Leinen nach achtern, ließen aber dann die Leinen auf dem Dalben. Bevor sie ganz draußen waren, nahmen sie die Heckleine vom Dalben und belegten diese auf der Bugklampe. IMGP6601Somit klappte das Boot im Wind an die Dalben und Groß und Fock wurden gleich gesetzt. Dann lösten sie die Vorleine und schon zogen beide Boote mit ordentlich Fahrt aus dem Schlengel. Interessant! Ob ich das auch mit der Rasalhague konnte? Wir wollten das am nächsten Morgen probieren.

15. TAG, Mittwoch, 19. August 2015:

Tag15Letzter Tag des Törns! Wir starteten früh bei schönstem Sonnenschein . . . auf Folkebootmanier. Wir zogen uns hinter und Heike legte dann eine Vorleine auf Slip um den Dalben, zog Groß und Genua III hoch und slipte die Vorleine. Schnell gewannen wir an Fahrt, es klappte! Wir segelten – OHNE den Motor genutzt zu haben – aus dem Hafen! In der Fahrrinne wurde es aber dann doch nötig den Motor zu starten. DSC_0097Ich hoffte, Hart am Wind laufen zu können, aber hier blies uns der Wind eher entgegen und das Fahrwasser ist einfach zu eng um dort zu kreuzen. Ich versuchte zwar so hart am Wind zu fahren wie es eben nur ging, doch wir kamen immer mehr auf die Steuerbordseite des Fahrwassers. Dann schlug das Vorsegel um und der Bug wurde unweigerlich nach Backbord gedreht. OH WEH! Dicht hinter uns folgte eine Yacht unter Motor und nun standen wir quer im Fahrwasser. Der andere Skipper wollte sich schon beschweren, aber da ich hatte schon den Motor gestartet und legte den Hebel nach vorn: Schnell weg. Erst hinter der Ansteuerung machte ich ihn wieder aus. DSC_0102Gut die Hälfte der Strecke legten wir mit 4 – 5 kn zurück, aber der Wind ließ immer mehr nach. Bjarne holte den Dannebrog, die dänische Gastlandsflagge, nieder und verstaute sie im Navtisch. Dann kam er mit der schwedischen Flagge hoch und rief: “Ikea!” Mitten auf See wechselten Heike und Bjarne das Vorsegel und schlugen die Genua I an. Damit kamen wir nur unwesentlich schneller voran . . . bis ein, zwei Meilen vor Kiel-Lighthouse. IMGP6659Hier hatte der Wind soweit gedreht und auch noch nachgelassen, das wir entweder den Motor anschmeißen oder den Kurs ändern mussten. Wir liefen mehr auf ostsüdöstlichen Kurs, also eigentlich in die falsche Richtung, aber ich hoffte darauf dann mit Spinnaker wieder Kurs auf die Kieler Förde nehmen zu können. Soweit IMG_8405funktionierte es auch, aber der Wind nahm dann immer mehr ab und ich gab schließlich auf. Es würde uns eh keiner beim Einlaufen beobachten, kein Empfangskomitee, keine Willkommen-zurück-Party. Als wir dann so unter Motor auf die Förde zuhielten – Nils hatte Ruderwache – pustete ich den roten Schwimmring auf und wollte noch ein Boje-über-Bord-Manöver fahren. Lauter Protest! “Nicht den Schwimmring, wenn ihr ihn nicht einfangen könnt?” Ich versicherte den Jungs, dass Heike und ich exzellente Bojen-Manöver fuhren und so willigten sie ein. Der Ring flog über Bord und wir fischten ihn bilderbuchmäßig. Jetzt – als der Törn sich dem Ende entgegen neigte – da waren sie dann auch restlos überzeugt, daß wir sie auch retten konnten! Und so machten wir mit schon fix und fertig gepackten Segeln um kurz nach fünf in unserer Box in Schilksee fest. Der Törn war zu Ende und in mir machte sich eine große Wehmut breit, denn wir hatten 290,4 sm zurückgelegt, davon fast 200 unter Segel, und einige davon waren wirklich abenteuerlich, aber nun war es leider unwiderruflich zu Ende.

Nicht nur den Kindern, sondern uns allen hat es sehr gefallen und nächstes Jahr . . . ja, nächstes Jahr segeln wir dann nach Ikea . . .

ENDE

Der Film zum letzten Teil:

Sommertörn Teil 4: Durch den Storebælt

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Sommertörn 2015 – Teil 3: Abenteuer auf Samsø

 8. TAG, Mittwoch, 12. August 2015:

Tag 8Ich stand früh auf, obwohl wir das gar nicht mussten, hatten wir doch unser Urlaubsziel erreicht. Allerdings wollten wir nicht in Ballen bleiben, sondern zu einem schönen Ankerplatz verlegen. Nur wo war einer? Weiter im Norden waren geschützte Buchten, da sollte es klappen. Also frühstückten wir in Ruhe und machten das Boot allmählich klar zum Auslaufen. Heike schnackte mit dem Hafenmeister, ein überaus freundlicher und hilfsbereiter Mann, der uns den schönsten Ankerplatz in ganz Dänemark verriet. DSC_1982Eine Bucht direkt vor Langør, einem kleinen Hafen im Norden, wo ich schon gute Ankerplätze vermutet hatte. Neben uns legte ein Boot ab und ich schaute mir das Manöver genau an, waren wir doch gestern nur mit Mühe und Not in die Box gekommen, da würde das Ausparken auch nicht gerade leicht werden. Es wurde fast ein Kinderspiel, nur einmal kurz korrigieren mit vor und zurück und schon waren wir aus der Box. Das Wetter war herrlich und der Wind frischte etwas auf. IMG_8088Mit Groß und Genua III segelten wir kreuzend nach Norden und standen nach ein paar Stunden vor der südlichen Ansteuerung nach Langør. Unter Motor fuhren wir ins Fahrwasser, das mit der Kardinaltonne Süd beim Lindholm Løb beginnt und dann nur an der Steuerbordseite mit zwei grünen Tonnen markiert wird. Ich hielt mich so dicht wie möglich am Tonnenstrich und behielt das Echolot im Auge. Links und rechts der Rinne wurde es sehr schnell flach. IMG_8065In der Hafenbeschreibung hatten wir gelesen, das man hier sogar mit Strom bis 4 kn rechnen musste, aber davon spürten wir nichts. Hinter der Landzunge mit der alten Schanze öffnete sich die Bucht nach Backbord, doch es wäre törricht gewesen, schon jetzt in den Hafen zu wollen, denn da direkt hindurch war es einfach zu flach. So passierten wir die Backbordfahrwassertonne südlich von Kyholm und fuhren dann mit 280° zum IMG_8098Fahrwasser der nördlichen Ansteuerung. Dann ging es endlich mit Hart Backbord rum auf Kurs 170°  auf die Hafeneinfahrt zu. Hinter der Landzunge an Steuerbord öffnete sich die Bucht mit der Reede, wo schon sechs Boote vor Anker lagen. Wir liefen einen Platz in der Mitte an, ließen den Anker fallen und ich zog ordentlich zurück, IMG_8103damit der Anker auch wirklich trägt. Während die Kinder sich im Schlauchboot austobten, spannten wir die Sonnensegel und warfen den Grill an. Kurz vor Sonnenuntergang kam das letzte Boot zum Ankern in die Bucht, inzwischen waren es zwölf. Ja, das ist wirklich ein sehr schöner Ankerplatz.

9. TAG, Donnerstag, 13. August 2015:

IMGP6134Nach einem schönen Frühstück in der Plicht lüfteten wir die Bettwäsche über den Baum. Damit sah die Rasalhague zwar wie ein Hottentotten-Boot aus, aber das gehört ja dazu. Wir wollten an Land und uns mal in dem Ort umsehen, also ruderten Bjarne und Nils uns zum Anleger des Kajakclubs rüber. Der Wind trieb uns dabei mehr und mehr ab und die Jungs mussten sich schon gehörig anstrengen. Langør selbst ist ein netter kleiner Ort, kaum mehr als zwanzig Häuser. Auch der Hafen bot kaum mehr Booten Platz. Wir spazierten durch das Dorf und waren im Nu draußen. Also weiter dem Ufer entlang zum Strand. Dabei entdeckten die Kinder noch eine fast eingeschlossene Bucht, die sie nachher IMGP6192nochmals erkunden wollten. Normalerweise darf man dort nicht lang, denn die Bucht und die Küste um Langør ist ein ausgedehntes Vogelschutzgebiet, aber das Verbot galt nur für die Brutzeit und die war vorbei. So entdeckten wir eine wilde idyllische Landschaft, die einfach einmalig ist. Den Nachmittag verbrachten Heike und ich entspannt an Bord obwohl das Boot durch den Wind schon ganz schön schwojte, während die Kinder mit dem Schlauchboot ihre Bucht entdeckten. IMGP6198Ihr Rückweg war dann scheinbar ganz schön beschwerlich, denn der Wind nahm ständig zu und sie mussten gegenan paddeln, aber sie schafften es. Als die Kinder schon in die Falle sollten, piepste dann die Batterieüberwachung und auf dem Display las ich zu meinem Entsetzen, dass die Spannung der Starterbatterie unter 12V gefallen war.IMG_8172 OHA! Sprang der Motor noch an? Ich versuchte es. NIX! Mausetot, nicht mal ein Wimmern. Was jetzt? Am nächsten Tag wollten wir Anker auf gehen und nach Kerteminde segeln, nur ob ich ohne Motor dort anlegen könnte? Einfach wagen? Ich wälzte den Ordner mit der Dokumentation und schaute, ob ich die Starterbatterie mit der Verbraucherbatterie überbrücken konnte. Nichts. Ich versuchte den Motor mit der Kurbel von Hand zu starten, aber das ging so schwer, da hätte ich auch zum Hafen rüber schwimmen können und das Boot mit einer Leine zwischen den Zähnen abschleppen. Also doch erst morgen lossegeln? Andererseits könnte man auch jetzt in den Hafen von Langør hinüber, jetzt, wo noch Tageslicht da war. Den Hafen hatte ich ja bei Tag gesehen und ich schätzte, das mir das Anlegen dort gelingen würde, allerdings hatte der Wind inzwischen auf 6 – 7 Bft zugenommen. Kurz beriet ich mit Heike und fällte dann die Entscheidung. Wir setzten das Groß und Heike versuchte dann den Anker zu lichten. Der saß aber ganz schön fest im Grund. Heike gelang es, die Kette immer etwa einen Meter zu hieven, wenn ich über den Ankerpunkt steuerte. Danach zerrte das Boot wieder an der Kette, wurde wieder rumgezogen und “wendete” somit. Heike hielt mit extremer Anstrengung dagegen. Dann war der Anker aus dem Grund und die Rasalhague nahm sofort Fahrt auf. Ich steuerte ins Fahrwasser, drehte nach Steuerbord und hatte den Wind raumschots von Backbord. Inzwischen hatte Heike den Anker aufgeklart und die Vorleinen vorbereitet. Wir näherten uns dem Hafen. AUCH DAS NOCH! In der Hafeneinfahrt lag auf Steuerbordseite ein Fischkutter, der das Ganze noch enger machte und wir hatten bereits über 4 kn Fahrt drauf! Kurz vor dem Fischkutter zog Heike das Segel runter, doch der Wind drückte von achtern genau hinein und so ging das nur langsam. OH MANN! Wir mussten die Fahrt rausnehmen, und zwar schnell! Dann sah ich einen Dalben rechtvoraus, an dem ein kleines Motorboot hing. VERDAMMT, das Hafenbecken war doch enger als gedacht. Mit Hart Backbord ging ich rum und legte den Bug in den Wind. Genau vor uns waren ein paar freie Boxen. Mit der Restfahrt wollte ich in eine davon hinein, doch der Wind kam ein wenig mehr von Backbord und so drifteten wir nach Steuerbord ab. In keine dieser Boxen würden wir reinkommen. Die nächsten fünf Boxen vor uns waren alle belegt. Unser Manöver wurde währenddessen von anderen Seglern beobachtet. IMG_8181 Man stutzte, offensichtlich stimmte bei uns was nicht, denn . . . WIESO LIEF DER MOTOR NICHT? Heike stand auf der Back und rief zu den Booten rüber: “Unser Motor ist ausgefallen, könnt ihr uns helfen?” Plötzlich herrschte auf der Pier Aufregung und einer rief: “Werft einfach eine Leine rüber, wir ziehen euch rein!” Das Boot hatte jetzt schon deutlich an Fahrt verloren, wir drifteten mehr nach Steuerbord als wir noch Restfahrt nach vorn hatten. Und somit drifteten wir auf die Dalben der Boxen zu, die quer zum Wind lagen. Ich fürchtete schon einen unsanften Aufprall, aber zur Not würden wir uns dann daran nach vorne entlang hangeln. Wir näherten uns in Wurfreichweite und endlich ging die erste Leine über. Neben dem Letzten der fünf Boote war an Steuerbord nur noch eine Box frei . . . und in die rutschten wir so gerade eben rein. Ich hatte die Steuerbordheckleine zwar über den falschen Dalben gelegt, aber wir waren drin. GESCHAFFT! Bjarne schloss uns gleich an den Landstrom an, der Stromverteiler war – als hätte ich es geplant – direkt an unserem Liegeplatz. Heike jubelte, die Kinder auch, aber mir zitterten die Knie. WAR DAS KNAPP! Als ich das Hafenticket am Automaten löste, erfuhr ich von anderen Seglern für das Manöver Anerkennung und Respekt. Na, ob ich das so noch einmal machen möchte . . . ich weiß nicht. Meine Anspannung löste sich erst allmählich bei einem Glas Wein. War das Können oder Glück? Vermutlich beides . . .

10. TAG, Freitag, 14. August 2015:

Tag 10Der starke Wind hatte über Nacht nicht nachgelassen. Gelegentlich fielen auch noch Böen mit stürmischen Wind ein. Es half aber nichts, wir mussten raus, denn die Vorhersage sprach von einem weiteren Sturm in drei Tagen, der uns sonst im Großen Belt erwischen würde. DSC_0070Am frühen Morgen – die Sonne ging gerade erst auf – schlug ich die Sturmfock ans Vorstag. Das Groß nahmen wir sicherheitshalber ins erste Reff. Das Schlauchboot zurrte ich achtern an der Badeleiter ordentlich fest, aber das sollte sich als Fehler erweisen. Wir legten ab und liefen unter Motor aus dem Hafen. DSC_2040Heike zog das Groß und gleich darauf die Sturmfock hoch. Das war das letzte Segel in unserer Segelausstattung, das ich noch nicht ausprobiert hatte. Bei halben Wind fegten wir mit 5 kn durch das Fahrwasser. Die Wellen waren schon einen Meter hoch, aber noch gab es ja eine flache Landzunge, die die großen Wellen abhielt. Ein Blick nach achtern ließ mich etwas grübeln. Das Schlauchboot wurde vom Wind erfasst und drehte sich über Kopf. Mmmh, ob das gut geht? Nur wenige Minuten später hörte ich ein dumpfes PLOCK und das Schlauchboot entfernte sich von der Rasalhague. OH NEIN! Das Festmacherseil war gerissen, oder? . . . Nein, der Haltegriff aus Gummi war abgerissen. Ich hatte das Festmacherseil immer wieder um den Griff und eine Sprosse der Badeleiter gewickelt und dann so fest verknotet, das es sich nicht lösen konnte. Aber der Wind drehte das Schlauchboot mehrfach um die Längsachse und das packte der Gummihaltegriff eben nicht mehr. Nun trieb es ab und überschlug sich ab und zu wenn es auf einer Welle vom Wind erfasst wurde. MIST! MIST! Die Segel bergen und dann unter Motor hinterher? Nicht bei dem Wind! Das Schlauchboot war verloren . . . Ich blickte auf die Seekarte und checkte die Wassertiefen an Backbord. Sollte ich es wagen? Einen Versuch hätte ich . . . “Klarmachen zur Wende! Vorschoten dichtholen! Nimm die Fock mittig und den Traveller auch, hol den Baum dicht und dann schnapp dir den Bootshaken. Ich setze uns vor das Schlauchboot und du fischst es an Backbordseite in Lee.” . . . und schon riß ich das Ruder rum. Wenn das Schlauchboot doch nur nicht immer wieder abheben und sich überschlagen würde. Ich behielt das Echolot im Auge . . . 3,50m, alles ok soweit. Wir erreichten nur wenige Minuten später das Paddelboot, doch der erste Versuch schlug fehl. Heike gelang es nicht, das Boot zu angeln und wieder überschlug es sich und wurde davon getragen. Noch ein Blick auf die Seekarte: noch war Platz und tiefes Wasser an Backbord. Wieder riß ich das Ruder rum und jagte hinter dem Schlauchboot hinterher. Diesmal wollte ich mich hinter das Schlauchboot setzen und Heike sollte es an Luv bergen. Wenn es sich überschlagen sollte, würde es auf uns drauf klatschen. Wir erreichten das Paddelboot und das Echolot zeigte noch 1,50m an . . . uiuiui! Letzte Chance, danach würde es zu gefährlich für uns werden. ES KLAPPTE! Heike konnte den Haken in der umlaufenden Schnur platzieren und zog das Schlauchboot hoch und hielt es fest. Ich legte das Ruder auf Hart Steuerbord . . . bloß weg aus dem Flachwasserbereich!

Während Heike mit Segelspannern das Schlauchboot an der Reling gesichert hatte und nun versuchte, die Luft rauszulassen, segelte ich die Rasalhague zurück ins Fahrwasser. Mit Fock und Groß in Mittschiffsstellung konnte ich wenden ohne Heikes Hilfe, jedoch ging dabei der Düseneffekt des Vorsegels flöten. Egal, das Schlauchboot sollte uns nicht noch einmal abhauen. Wir erreichten die Abzweigung des Fahrwassers nach Südosten, durch die wir vor zwei Tagen unter Motor ohne Schwierigkeiten durchkamen. Jetzt blies der Wind genau durch diesen Kanal uns entgegen und erzeugte eine ordentliche Strömung! DSC_2045Ich kreuzte immer bis zum äußersten Rand des Fahrwassers, holte dann rum und verlor dabei soviel Fahrt, das wir in einer halben Stunde gerade mal 100m in die richtige Richtung vorankamen. Die Wenden wurden immer schwieriger bei der geringen Fahrt, also warf ich den Motor an und hielt dann Kurs genau im Wind. Aber es dauerte nicht lang und eine Welle drehte uns nur leicht, da packte uns der Wind und riss das Boot rum. Also ließ ich den Motor zur Unterstützung mitlaufen und segelte durch den Kanal. Bei einer Wende gab ich dann Vollgas. Dennoch liefen wir so nicht mehr als 1,5 bis 2 kn über Grund! Da waren also die 4 kn Strömung! Als wir dann endlich die beiden Fahrwassertonnen an Backbord gelassen hatten, lief ich den nächsten Schlag nach Süden etwas länger. Inzwischen rollten die Wellen von der offenen See mit einer Höhe von anderthalb Metern heran. Heike hatte endlich das Schlauchboot in die Plicht gehievt, was für ein Kraftakt! Das Echolot zeigte 1,60 m an, dann nur noch 0,40 m und gleich darauf wieder 1,90m. OHA! Aber es war zu spät. Im nächsten Wellental setzte die Rasalhague etwas unsanft mit dem Kiel auf den sandigen Meeresboden auf. Wir machten alle große Augen! GRUNDBERÜHRUNG, AUCH DAS NOCH! Und dann rumste es nochmal . . . und nochmal. HART BACKBORD! Bloß wieder weg nach Norden. Ich steuerte das Boot jetzt weiter raus und das Echolot zeigte wieder größere Tiefen an. Der Kontrollblick in die Bilge beruhigte uns, kein Wassereinbruch. Hier draußen bäumten sich die Wellen aber noch weiter auf. Mit 2 – 3 Meter war das ganz schön viel. Und dann trafen die Wellen auch noch bei unserem Südkurs von Backbord achtern auf das Boot. Die Rasalhague fing an zu schlingern und die Kinder hingen – grün im Gesicht – über der Reling. Wenigstens liefen wir nicht mehr gegenan und sollten so endlich voran kommen. Aber besonders schnell kamen wir auch nicht voran. Trotz gutem Segeltrimm waren es selten mehr als 3,5 kn. Würden wir das bei dem Tempo nach Kerteminde schaffen? 27 sm im Süden? Nee, da wären die Kids hinüber und würden nie wieder das Boot betreten wollen. Also liefen wir nach Ballen. Gegen Mittag erreichten wir den schützenden Hafen. Just waren zwei Boote ausgelaufen, also sollte mindestens eine Box frei sein. IMG_8194Wir fanden aber keine und mussten daher an der Nordmole mit einem Liegeplatz längsseits der Pier vorlieb nehmen. Während die Kinder – wieder putz munter – am Strand spielten, ging es Heike und mir nun schlecht. Hier bewegte sich der Boden nicht!

Am Nachmittag beobachteten wir einen Kormoran, der sich eine leckere, aber große Scholle geholt hatte. Entweder war er unerfahren oder – wie ich glaube – die Scholle war einfach zu groß für ihn. Er versuchte die Scholle quer zu schlucken – ging nicht, dann versuchte er sie hochkant zu schlucken – ging auch nicht. Immer wieder versuchter er es, wir beobachteten mindestens acht Versuche. Dann ertönte ein Schrei – eine große Möwe näherte sich von hinten. Er schaute auf, protestierte, aber da hatte die Möwe die Scholle schon erbeutet, flog davon und verschluckte den Fisch in einem Haps. Armer kleiner Kerl!

Fortsetzung folgt . . .

Der Film zum Teil 3:

Sommertörn 2015 – Teil 3: Abenteuer auf Samsø

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Sommertörn 2015 – Teil 2: Durch den Lille Bælt

4. TAG, Samstag, 8. August 2015:

Tag 4Wir gingen zwar noch vor Mittag Anker auf, doch so viel früher war es auch nicht. Beim Verlassen der Dyvig hätte ich beinahe noch eine Grundberührung gehabt. Die grüne Fahrwassertonne musste jetzt an Backbord bleiben, ich torfte, wollte sie an Steuerbord lassen und schreckte beim Blick auf die rapide abnehmende Wassertiefe hoch. “Hart Steuerbord!” Bjarne blieb ruhig und steuerte zurück ins Fahrwasser . . . puuuh! Jetzt war ich wach! Kurz vor der Zufahrt setzten wir dann bei Wind um die 12 bis 17 kn erst Groß, dann Genua III und segelten mit dem Schlauchboot im Schlepp zügig aus der Bucht in den Abenraafjord. Hier hatte derDSC_0247_6 Wind auf Nordnordost gedreht, so dass wir kreuzen mussten. Mit einem Generalkurs um die 050° liefen wir dann am Wind aus dem Fjord in Richtung kleinen Belt. Das Warngebiet um Holstbanke mieden wir und der Wind nahm immer weiter ab. Nach einer Weile dümpelten nur noch dahin. Die Sonne kam raus und der Wind schlief fast ganz ein. Inzwischen hatten wir die Nordspitze von Als passiert, rund 3,5 sm südlich von uns. Der kaum merkliche Wind drehte weiter und kam jetzt mehr aus Südsüdost. Ab hier mussten wir auf Raumschots-Kurs nach Norden segeln, aber mit nur 1,5 kn machte das so keinen Sinn mehr. Wieder setzten wir das Spi und fuhren so mal 3,2 kn, mal auch nur noch 1,3 kn. Den Jungs war das egal, durften 1439040087197sie doch bei der dümpligen Fahrt mit Badehose und Schwimmweste ins Schlauchboot – das wir nicht mal zwei Meter hinter uns herzogen – und Quallenforscher spielen. Später holten wir das Spi ein, starteten den Jockel und liefen dann in den kleinen Hafen von Bagø unter Motor ein. Im Internet hatte ich gelesen, dass die Insel am Wochenende ein beliebtes Ziel für Segler aus Assens sei. Und so war es auch. Der Hafen war propenvoll und am Stegkopf lagen schon Boote im Päckchen. Vor dem Hafen lagen auch schon ein halbes Dutzend auf Reede. Bei einer größeren finnischen DSC_1795Yacht am Ende des Steges wollten wir dann unser Glück versuchen und uns ins Päckchen legen. Eine junge Dame erklärte in gebrochenem Englisch mit russischem Akzent, wir könnten ruhig längsseits festmachen, denn sie würden nicht so früh losmachen. Allerdings wüßte sie nichts von Booten und wußte daher nicht so recht, wie sie uns annehmen sollte. Also dirigierten wir sie mit unseren Leinen auf ihrem Boot zu den geeigneten Klampen, ließen sie auf Slip legen und belegten die Leinen auf unserem Boot. Bjarne kümmerte sich wie stets um den Landstromanschluss und auch der Stromkasten war hier voll belegt. Nur eine der sechs Dosen wurde auch tatsächlich von nur einem Boot genutzt. Da wir auch so eine Tochterdose am Kabel haben, verfolgte ich das einsame Kabel zu dem dazugehörigen Boot und fragte freundlich, ob wir uns dazwischen stöpseln könnten. “Klar, kein Problem!” Mit Nils ging ich dann zum Hafenmeisterbüro, das hier nur aus einem DSC_1791Automaten neben einem Kiosk bestand. Nach einer halben Stunde war der Skipper der finnischen Yacht zurück und ich fragte, wann er denn am nächsten Morgen ablegen wollte. “Oh, very early! 6.30!” Ich schluckte, das würde meiner Crew nicht gefallen. DSC_1754Dann erfuhr ich, dass sie schon vier Wochen unterwegs waren und am nächsten Morgen nach Kappeln zurück mussten. Eine finnische Yacht mit russischer Besatzung aus Deutschland, bunter geht es kaum. Während ich das Abendessen machte, knipste Heike bei einem Strandspaziergang einige tolle Fotos dieser kleinen und trotz großem Segleransturm so ruhigen Insel.

5. TAG, Sonntag, 9. August 2015:

Tag 5Der Wecker klingelte erbarmungslos um 05.30 Uhr. Auf leisen Sohlen machten wir die Rasalhague klar zum Auslaufen, damit die Jungs in der Vorpiek wenigstens noch ein bißchen pennen konnten. Leider musste ich auf das Nachbarboot um auf die Pier zu gelangen, damit ich die Landstromverbindung kappen konnte. Naja, die wollten ja so früh los, dann dürfte sie das Getrappel auch nicht stören. Der Motor lief und Heike und ich waren schon dabei, die Leinen einzuholen, da kam der Skipper des Nachbarboots auf das Oberdeck, kratzte sich und startete den Motor. Ein Blick 11920513_10207685537281549_485334276_nauf die Uhr, es war 6.30 Uhr, aber da hatten wir auch schon abgelegt. Das frühe Auslaufen hatte unverhoffte Vorteile: Frühstücken konnten wir auch unterwegs, aber wer bis neun in den Federn liegt, der würde niemals sehen, was wir gesehen haben. Die Sonne stand noch recht niedrig über dem Horizont und die Wasseroberfläche war spiegelglatt. Die ganze Szenerie wirkte völlig verschlafen, aber unglaublich schön, vielleicht weil alles so friedlich war. DSC_0047Nur das Tuckern des Motors störte diese harmonische Stille. Wir liefen ein Stück nach Süden – um die Untiefe Bagøflak auf der Steuerbordseite zu umgehen – dann ins Fahrwasser westlich von Bagø und schließlich mit Kurs 340°, später mit 360° östlich an Brandsø vorbei nach Norden. Überwiegend steuerte Heike und berichtete, sie könne den Kurs nur mit Mühe halten, so heftig sei die Querströmung. Tatsächlich traten immer häufiger Gegen- und Querströmung auf, je schmaler der Eingang zum Belt wurde. Segeln konnten wir nur wenig, da der Wind viel zu schwach war. Die Richtfeuer durch den Belt sind im Übrigen schwer zu erkennen, denn man muss schon gewillt sein, auch in einem Haus einen Leuchtturm zu erkennen. Insbesondere das Ober- und Unterfeuer von Skærbæk war trotz Fernglas nicht auszumachen. Erst auf den gezoomten Fotos erkannten wir die orangefarbenen Dreiecke. IMGP6047Wir kürzten etwas ab und liefen zwischen Fænø und Fænø Kalv hindurch und schließlich um die Landzunge von Middelfart rum, unterquerten die Eisenbahnbrücke und legten gegen Mittag im Nyhavn in Middelfart an. Das war der zweite wesentliche Vorteil des frühen Ablegens: man kommt früh an, kann sich in Ruhe eine der freien Boxen aussuchen und hat den Nachmittag Zeit um mal was zu erkunden. Auf der Suche nach DSC_1844einer passenden Box sahen wir dann etwas entsetzt zwei völlig verkohlte Wracks. Die Frau, die unsere Leinen annahm, erzählte auch gleich, was passiert war. Das Feuer war zwei Nächte zuvor ausgebrochen, Ursache unbekannt. Jegliche Hilfe kam zu spät DSC_0056und die Boote sanken noch in der Box. Opfer gab es wohl keine. Mir graust ja vor der Vorstellung, sowas könnte der Rasalhague widerfahren. Natürlich ist unser Boot versichert, aber es ist eben nicht nur ein Boot, es hängt ja auch unser Herz daran. Und dann der Schock. Nun ja, wir wischten die trüben Gedanken fort und machten uns auf zu DSC_1898einem Spaziergang durch Middelfart. Gegen meine Erwartung war dieses Städtchen so bezaubernd wie die meisten anderen dänischen Städte.

6. TAG, Montag, 10. August 2015:

Tag 6Da Heike und ich von den Vorteilen des frühen Auslaufens überzeugt waren, starteten wir wieder früh. Um 07.00 Uhr liefen wir aus und tuckerten mit Motor unter der Lillebæltsbro, der kleinen Belt-Brücke, durch. Beim Passieren der Landzunge von Strib mit dem schönen Leuchtturm darauf tauchte neben uns ein DSC_1909Schweinswal auf, aber für ein Foto war das Tier dann doch zu scheu. Als wir dann den kleinen Belt hinter uns ließen, frischte Wind auf und wir segelten DSC_0064schließlich mit Kurs um die 060° am Vejlefjord vorbei und schließlich dann mit 360° auf die Bucht von Juelsminde zu. Die Untiefe südöstlich der Marina umfuhren wir dabei mit großem Abstand. Inzwischen hatte der Wind deutlich zugenommen und auch die Wellen rollten bereits mit Höhen von einem Meter heran. Heike barg die Segel und wir liefen in die große Marina ein. Gleich die erste Box war frei, doch ich sah auch, dass es die mit dem längsten Weg war. Also DSC_1931suchten wir weiter. Schließlich wählte ich eine recht breite Box aus. Ich rief das Nachbarboot an, ob sie uns freundlicherweise die Leinen annehmen könnten. Nur widerwillig begab sich einer auf die Pier. Der Skipper der Yacht aus Hamburg meinte, so eine große Box solle man doch für größere Boote freihalten. Ich stutzte, wo steht denn SOWAS? Außerdem waren die Boxen in Juelsminde im Østerhavn alle gleich lang –  so stand es auch im Guide drin. Also entgegnete ich, weiter vorne waren auch noch Boxen frei für große Boote. Damit war das erledigt. Gut, zugegeben, in dieser BoDSC_1943x hätte neben der Rasalhague noch ein Boot Platz gehabt, aber es waren ja noch Boxen frei! Vielleicht fühlte sich der Skipper des Nachbarboots ja in seiner Ehre gekränkt, eine Nacht neben einem kleineren Boot liegen zu müssen. Über sowas muss man sich nicht ärgern, da hilft nur Kopfschütteln.

Die Kinder spielten dann bald mit Anderen im Hafen, wahrscheinlich Krebseangeln oder sowas. Nach einer Weile kam Bjarne tropfnass an Bord und berichtete, er sei auf einem glitschigen Stein ausgerutscht und ins Wasser gefallen, aber die Anderen hätten ihn gleich aus dem Wasser gezogen. Noch einmal gut gegangen. Juelsminde wirkte – entgegen meiner Erwartung –  recht verschlafen. Wir machten einen Spaziergang und entdeckten zwar eine interessante Fitnessanlage, aber die Jungs ließen sich auch nicht von der Krabbenrennbahn begeistern, obwohl es die längste war, die ich auf der Tour gesehen hatte. Vielleicht lag es auch am Wetter, denn es regnet ab und zu leicht.

7. TAG, Dienstag, 11. August 2015:

Tag 7Am nächsten Morgen ging es dann endlich zum Hauptziel der Reise: nach Samsø. Der Wind hatte aber über Nacht wieder nach gelassen und so fuhren wir die meiste Zeit unter Motor. Auch der Spinnaker half uns nicht wirklich, denn die See blieb glatt und die Luft stand. Erst als wir die Südseite von Samsø passiert hatten und in den Samsø Bælt einliefen, kam Wind auf. IMG_8011Am frühen Nachmittag liefen wir dann in den Hafen von Ballen. Zuerst sah es so aus, als ob alle Plätze belegt wären, also überlegte ich schon, mich an der Nordmole an ein anderes Boot ins Päckchen zu legen, doch ein letzter Blick in die letzte Gasse offenbarte noch eine freie Box. Nur wie da rein kommen? DSC_1963Die Rasalhague war länger als die Gasse breit. Vielleicht war das auch der Grund, warum die Box noch frei war, denn die meisten Tourensegler haben mindestens gleich große oder eher größere Boote als wir. Mit vor und zurück und Ziehen und Schieben an den Dalben glitten wir dann doch in die Box. Das war eine richtig gute Leistung, und zwar von allen, denn Bjarne und Nils halfen beim Anlegen ohne großartige Anweisungen. Nachdem das Boot seeklar zurück war – dabei zeigte ich Nils, wie man das lose Ende der Vorleine zu einer schönen Schnecke legt – spielten die Kinder im Schlauchboot. DSC_0044Mit der Pütz, einer Leine und einem vom Strand erbeutetem “Ankerstein” demonstrierten sie uns ein passables Ankermanöver. Allerdings trug der Anker nicht, da DSC_1971war der Stein wohl zu klein gewählt. Ich schmunzelte, gaben die beiden doch inzwischen gute Seemänner ab.

Fortsetzung folgt . . .

Der Film zum Teil 2:

Sommertörn 2015 – Teil2: Durch den Lille Bælt

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Sommertörn 2015 – Teil 1: Es geht los

Unser Sommertörn liegt jetzt bereits zwei Wochen zurück und wir sind immer noch dabei, alle Eindrücke und alles Erlebte zu verarbeiten. Kurz gesagt, es war ein toller Törn, doch das ist eben ZU KURZ gesagt. Ich habe lange überlegt, wie ich vom Sommertörn berichten will. Jeden Tag einzeln als eigenen Blog? Mmmh, das hätte ich wohl dann schon unterwegs niederschreiben müssen. Jetzt bekomme ich bestimmt nicht mehr alles so detailliert zusammen. Wie gut, das wir viele Fotos und auch Videos gemacht haben, denn ich wollte auch einen Film für meine Jungs erstellen, zur Erinnerung. Der ist schon fertig und kommt mir jetzt als Gedächtnisstütze gerade recht. Den Törn in nur einem Blog zusammenfassen? Mmmh, dann würde das wohl auch zu kurz geraten . . . oder der Blog zu lang. Dann also ein Mehrteiler . . . mal gucken wie viele Abschnitte ich schreiben werde . . .

Aber mal von vorne angefangen: Die Kids kamen am ersten Samstag im August und waren natürlich bester Laune. Sie freuten sich auf den Urlaub am Meer. Ich versuchte die Erwartungshaltung noch dezent zu korrigieren . . . Urlaub AUF dem Meer, nicht AM . . . aber das verhallte natürlich ungehört. Nein, sie wußten natürlich, das wir Segeln wollten. Nur wussten sie nicht, wie sich das anfühlt. Und keiner wusste, ob die Jungs auch seefest sind. Ich bin da ja der Meinung, wer nie seekrank war, der war auch nie auf See. Aber diese Meinung fördert nicht unbedingt das Vertrauen zweier Landratten. Also trafen wir die Entscheidung, einmal vorweg “Probe” zu segeln. Gefiel den Jungs das Segeln, würden wir den Törn unternehmen.

Montag fuhren wir also nach Schilksee und machten die Rasalhague seeklar. Der Wind war nicht zu stark, aber eben auch nicht nur ein laues Lüftchen. Beim Segelsetzen verhakten sich die beiden neuen Mastrutscher des Großsegels. MIST! Ich enterte auf die Back um mir das Dilemma selbst anzusehen. Da war nix zu machen, das Segel ließ sich nicht setzen. Wie Heike richtig erkannte, waren die Mastrutscher zu klein und verkanteten. Also ließen wir das Groß unten und segelten nur mit der Fock. Leichter gesagt als getan, denn die Wenden wollten uns bei der Arbeitsfock erst ab 3,5 kn Fahrt gelingen. So kreuzten wir eher mühevoll bis zur Tonne Kleverberg Ost und kehrten dann heim. Beim Segelmacher holte ich mir zwei größere Mastrutscher und nähte diese dann auch gleich an das Segel. Zu Hause angelangt, stellten wir dann die entscheidende Frage: War es schön? Wollt ihr auf einen Segeltörn nach Dänemark starten? Die Antwort war deutlich: JA! Tagsdarauf ging ich mit Bjarne den Großeinkauf erledigen und wir beluden das Boot, während Heike und Nils zuhause etliche Dinge vorbereiteten. Bis in den späten Abend hinein fuhr ich immer wieder Sachen an Bord und fiel dann rechtschaffen müde in die Falle.

1. TAG, Mittwoch, 5. August 2015:

Tag1Auch am nächsten Morgen wurde noch verladen und verstaut. Aber dann um 13.00 Uhr hieß es endlich: “Leinen los!” Das Rot-Grünschild hatten wir bis zum 19. August auf “frei” gestellt, also 15 Tage auf See. Oh, wie freute ich mich schon darauf! Unter Motor verlegten wir kurz nach Strande und bunkerten noch etwas Diesel, aber dann endlich, endlich ging es los. Mit Arbeitsfock und Groß – die größeren Mastrutscher klemmten nicht, wie schön! – kreuzten wir die Strander Bucht raus zur Stollergrundrinne. Der Wind drehte und ließ nach. So würden wir am ersten Tag aber nur bis Damp kommen, das eigentliche Ziel Sønderborg wäre so nicht mehr zu erreichen. Also entschlossen wir uns den Spinnaker zu setzen und machten damit dann tatsächlich wieder 4,5 bis 5 kn Fahrt. Kurz vor 17.00 Uhr fiel daher die Entscheidung, bis nach Maasholm weiter zu segeln. Wir blieben östlich des Sperrgebietes Schönhagen und steuerten dann nördlich davon die Schleimündung an. Kurz vorher ging ich noch einmal in den Wind, damit Heike die Segel bergen konnte. Die Kinder wechselten sich immer wieder am Ruder ab und nun war es Nils, der am Ruder stand und uns sehrDSC_2322 schön durch das Fahrwasser steuerte. Zwar wurde aus “Backbord 5″ und “Steuerbord 10″ schnell “Rot 5″ bzw. “Grün 10″, doch es klappte und die farbliche Markierung am Steuerrad erfüllte gleich doppelt ihren Zweck. Ich konnte bereits kleinste Ruderlage sehen und die Kinder wussten, wieviel Ruder sie legen sollten. Im Hafen sah es allerdings schon ziemlich gedrängt aus. Ob wir noch einen freien Platz bekommen würden? Nach etwas Suche fanden wir dann doch noch eine freie Box. Für ein Fischbrötchen war es aber leider schon zu spät, so musste Nils dann doch mit Papas Spaghetti Vorlieb nehmen.

2. TAG, Donnerstag, 6. August:

Tag2Mit Frühstück, waschen und allen anderen Vorbereitungen wurde es Mittag, bis wir ablegen konnten. Irgendwie hatte ich bisher immer die Vorstellung, wir würden stets spätestens um 10.00 Uhr los kommen. Die Fischbude hatte schon offen und Nils hätte ein Backfischbrötchen auch schon zum Frühstück verputzt, aber wir wollten ja endlich los. Bjarne steuerte uns hinaus ins Fahrwasser der Schlei wo ein reges Gedränge war. Etliche Segler kamen von See rein, einige wie wir wollten raus. Da der Wind aus Ostsüdost kam, setzte Heike bereits das Groß im Fahrwasser. Kurz vor dem Leuchturm Schleimünde knickt das Fahrwasser leicht nach Süden ab und damit war der Kurs perfekt um auch die Genua III hochzuziehen. Sicherheitshalber ließ ich den Motor aber noch an. Kaum raus aus der Schlei, ging ich auf Kurs Ostnordost. Die Rasalhague neigte sich schön mit 30 bis 40° auf den Backbordbug und zog mit satten 5,8 kn durch die Wellen. Das Echolot warnte zwar vor geringer Wassertiefe, doch reichten uns die 2,60m locker aus. Bei halben Wind fuhren wir rechtweisend Nord. Die Kinder jubelten ob der rasanten Fahrt bei 6,6 kn über Grund, aber nur kurz. Gegen späten Nachmittag ließ der Wind nach und drehte weiter auf Südost. Auch die See rollte mit Wellen von DSC_0159_4einem Meter mehr und mehr aus Südost heran. Wir steuerten auf die Ansteuerung der Flensburger Förde zu und das Boot begann auf den von achtern anrollenden Wellen zu schlingern. Die Drehbewegung um die Hochachse mochte Bjarne gar nicht, aber er hielt durch. Den Track hatte ich westlich um die Untiefe Mittelgrund geplant, konnte aber geradezu weitersegeln und ging somit östlich dran vorbei, direkt auf die Marina Sønderborg zu. Just als wir in den Hafen wollten, kam ein Boot raus und rief uns noch zu wo der freie Liegeplatz sei. Wir fanden die Box und machten das Boot fest. Für die Kinder wurde jeder Hafen ein Abenteuer: wo war der Hafenmeister, wo der Spielplatz und wo die Krabbenrennbahn? Sønderborg hatte eine, und Nils bestaunte ein anderes Kind, wie es mit einer kleinen Angel, einer Wäscheklammer und einer Miesmuschel eine Krabbe aus dem HafenbeckenDSC_0170_5 zog und diese dann auf einer abschüssigen Holzbahn mit einer anderen Krabbe um die Wette in die Freiheit lief. Ich war mir sicher, bei uns wären sofort militante Tierschützer dagegen gewesen! Aber wir hatten ja Dänemark erreicht und hier ist vieles anders, manches auch viel entspannter!

 3. TAG, Freitag, 7. August 2015:

Tag 3Auch in Sønderborg schafften wir es nicht, vor Mittag abzulegen. Bjarne und ich gingen noch schnell einkaufen. Schnell war der falsche Ausdruck. Da wir den Campingkiosk vermieden, taperten wir eine halbe Stunde nach Sønderborg hinein. Zurück an Bord, drängte ich aber dann auf das Auslaufen. Wir wollten den Alssund hoch, dann durch den Alsfjord und ursprünglich in den Abenraafjord. Aber Heike und ich hatten bereits über die erste Abweichung von der geplanten Route gesprochen. Wir würden Abenraa auslassen und dafür die Dyvig anlaufen. Ein Bekannter hatte uns diese Bucht als tollen Ankerplatz empfohlen. Unter Motor ging es dann endlich los. Nils steuerte uns in den Innenhafen, da war dann auch schon die Klappbrücke und die Digitaluhr deutete an, dass die Brücke erst in zwanzig Minuten öffnen würde. So drehten wir ein paar Vollkreise und DSC_0185_5Nils übte dabei Ruderkommandos umzusetzen. Dann fiel ein imaginärer Startschuss und die Boote im Hafen reihten sich langsam alle vor der Brücke auf. Wir waren das erste Boot, das von Süden nacDSC_0176_5h Norden durch die Brücke wollte. Ich ließ Nils mit “Maschine stopp” und “Maschine zurück” gerade soviel Fahrt rausnehmen, das wir gerade noch auf Kurs bleiben konnten. Die Brücke hatte sich noch nicht ganz geöffnet, da waren wir schon drunter durch. Den Sund fuhren wir noch ein Stück unter Motor hoch, doch der Wind nahm alDSC_0208_7lmählich zu und so setzten wir die Segel. Kurz vor dem Ausgang in den Fjord mussten wir den Motor wieder dazu nehmen, passierten die Einzelgefahrenstelle und segelten dann bei aufkommender Brise entspannt in den Alsfjord. Hier hatte der Wind von West auf Nordwest gedreht und wir kreuzten den Fjord raus. Kurz hinter der Fähre Ballerbro ließ er dann doch nach und wir fuhren das letzte Stück unter Motor. Die Einfahrt zur Dyvig ist alleine schon die Fahrt dahin wert, doch der Hinweis auf den Ankerplatz in dieser schönen malerischen Landschaft war Gold wert. Wir warfen Anker, pumpten das Schlauchboot auf, spannten Sonnensegel über der Plicht, badeten und zogen Heike am Spi-Fall den Mast hoch. Was man halt so üblicherweise beim Ankern macht. DSC_0221_6Da wir es bis dato nicht geschafft hatten, Windlupe und Ankerlicht zu richten, musste das jetzt gemacht werden. Es war ruhig und Heike hatte einen Klettergurt dabei, damit konnte ich sie deutlich höher ziehen. Das Ergebnis war aber unverändert enttäuschend. Beides blieb defekt. Das bedeutete, im Winterlager wird eine neue Windlupe eingebaut und auch ein neues Kabel für das Ankerlicht verlegt. Klar können wir auch nur mit DSC_0233_6 dem Verklickerer fahren, tun wir ja jetzt auch, aber schöner wäre es, auch zu wissen wie stark der scheinbare und der wahre Wind ist. Wie sich aber dann raustellte, setzten gerademal zwei der zehn ankernden Boote ihr Ankerlicht. Na denn machte das ja auch nicht so viel aus. Den Abend beschlossen wir mit Grillen, dem obligatorischen Vorlesen und ein Gläschen Wein. Es war inzwischen stockfinster und über uns wachte deutlich, unter den vielen funkelnden Sternen auszumachen, Rasalhagues Pate.

Fortsetzung folgt . . .

Der Film zum ersten Teil:

Sommertörn 2015 – Teil 1: Es geht los

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