Absegeln, Entmasten, Aufbocken . . . und Entschleimen

Das Segeln ist vorbei, zumindest für dieses Jahr. Nur . . . ein Boot mal eben im Hafen über den Winter liegen lassen, das ist nicht so empfehlenswert. Zumal ja einige Dinge im Winterlager angegangen werden müssen. Aber der Reihe nach: Wir planten am zweiten Oktoberwochenende mit Freunden ein letztes Mal zu segeln und anschließend den Mast zu ziehen. In der Woche davor wurde ich nervöser und aufgeregter. Glücklicherweise hatten wir noch rechtzeitig Unterstützer gefunden, denn nur zu zweit wäre das Mastkranen nicht gegangen. Am Donnerstag fühlte ich mich nicht wohl und ging zum Hausarzt. Blasenentzündung. GRUMMEL! Als ich dann abends zu Hause auf dem Sofa saß, setzten mit einem Mal heftige Schmerzen in der linken Niere ein. Ich dachte schon an Nierensteine – BITTE NICHT! – und Heike brachte mich sofort ins Krankenhaus. Steine fanden sie keine, aber dennoch behielten sie mich wegen einer Nierenbeckenentzündung gleich mal über das Wochenende da. OH NEIN! Aber wegen Fieber und gefühlten Tausend Infusionen und Blutabzapfen gab ich mich schnell geschlagen.

Jetzt lag alles in Heikes Hand. Am Samstag besuchte sie mich im Krankenhaus und wir besprachen alles durch, was wie gemacht werden müsste und in welcher Reihenfolge. Vier Zettel hat sie sich dabei voll gekritzelt. Am Sonntag wollte Heike dann gleich morgens um neun mit zwei Freunden – Fritz und Regina – raus und den guten Wind und das schöne Wetter nochmal nutzen, aber wer hatte den Bootsschlüssel? Uupps, der war in meiner Jacke . . . mit mir in der Klinik.

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wäre gerne dabei gewesen . . . sieht schneidig aus

Nachdem sie sich den Schlüssel abgeholt hatte und dann also endlich lossegeln konnte, blieb mir nichts anderes übrig als zu warten. Würde alles klappen? Oder sollte irgendeine Hiobsbotschaft eintreffen? Gelegentlich kam eine Nachricht: “Alles gut, sind jetzt vom Segeln zurück.” Mmmh, hoffentlich hatten sie beim Mast keine Schwierigkeiten.

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Wanten und Stagen sind schon in der Box abgeschlagen – ein Vorteil, wenn der Mast bis auf den Kiel durchgesteckt ist

Am späten Nachmittag dann ein Anruf: “Hier ist die Hölle los. Alle wollen jetzt ihren Mast ziehen. Da sind mindestens fünf Boote vor uns. Aber am Südhafen geht es vielleicht schneller.” Au weh. Das schöne Wetter und der bevorstehende Sliptermin hat natürlich auch andere auf die Idee gebracht, den Mast am letzten Sonntag vor dem Slippen abzubauen. Am Abend kam Heike dann nochmal vorbei. Ein wenig neidisch war ich schon, nicht dabei gewesen zu sein, aber auch dankbar, dass sie es geschafft hatte. Sie berichtete mir ausführlich auch mit Fotos, wie das Mastziehen gelaufen war. Es ging wohl dann im Nordhafen doch recht schnell und dank Henning, der schon einige Erfahrung mitbrachte, und Heikes vierseitigem Schlachtplan gab es eigentlich keine besonderen Komplikationen, außer ein paar drängelnden Bootsbesitzern, die es wohl sehr eilig hatten. Wie man im Nachhinein vernahm, rächte sich das Drängeln und die Hektik, denn die haben sich irgendetwas am Oberdeck dabei abgerissen oder verbogen. Tja! Ich jedenfalls war erleichtert, dass alles geklappt hat und auch etwas stolz auf Heike, dass sie das alles gedeichselt hat.

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Geschafft! Der Mast ist von Bord.

Als der Mast von Bord war, sollte er ins neue Mastlager, aber das war noch eine Baustelle und nicht freigegeben. Ins Mastlager musste er aber, denn auf dem Boot kann er nicht gelagert werden, da er mit über 11m deutlich länger ist als das Boot. Glücklicherweise fand er noch im alten Lager Unterschlupf. Interessanterweise tauchte beim Mastziehen ein weiteres Kabel auf. Allerdings war es jetzt defekt, da der Mastfuss draufstand. Sollte vielleicht das die Lösung für die fehlenden Werte der Windlupe sein?

Am Dienstag kam ich endlich aus der Klinik raus. Da ich krankgeschrieben war, aber nicht bettlägrig, karrten Heike und ich tagsdrauf die Einzelteile des Winterbocks auf den Parkplatz am Hafen. Den Nachmittag verbrachte ich mit dem Zusammenschrauben, wobei mir dann Dirk noch Gesellschaft und Hilfe leistete. Da der Bock aber nicht auf dem vorgesehenen Platz stand, versuchten wir ihn zu schieben. KEINE CHANCE! Der Nachteil eines soliden Bocks ist eben sein Gewicht. Naja, vielleicht zu viert. Also versuchte ich noch weitere Helfer zu organisieren. Leider Fehlanzeige, nur Dirk konnte sich für Freitag als Helferlein melden. Am Abend war ich aber echt erledigt . . . eben doch nicht wirklich fit.

DSC_0044Freitag: Wind um die 4-5 Bft und schöner norddeutscher Nieselregen. Heute sollte das Boot raus. Morgens um neun fuhren wir zum Hafen und staunten nicht schlecht über den langen Ausleger des Krans. Rund zehn Boote waren schon hoch und trocken. Da würden wir also nicht mehr lange warten müssen. Und . . . hey!. . . unser Bock stand gar nicht mehr dort, wo ich ihn aufgebaut hatte, sondern mitten auf dem Parkplatz. Wie kam denn der dahin?

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Gleich geht’s raus

An Bord bereiteten wir die letzten Sachen vor. Die Sorgleinen mussten ja auch abgebaut werden. Also zogen wir zurück und knoteten die Leinen an den Dalben auf und ließen die Tampen im Wasser schwimmend zurück. Noch waren sie ja an den Pollern auf der Pier vertäut. Ich fuhr rückwärts aus der Gasse, da der Wind ordenlich auf den Bug nach Backbord drückte. Anschließend verlegten wir die Rasalhague in den Nachbarschlengel, an dessen Ende das Ausslippen im Gange war. Wir steuerten in eine freie Box kurz davor, machten fest und schnackten dann nochmal mit dem Hafenmeister. “Seid ihr denn schon soweit bereit? Dann könnt ihr euch gleich hier vorne hinlegen.” Oh prima, nur schnell vorher noch die Sorgleinen aus dem Wasser gefischt. Natürlich erhielten wir wegen dem Bock noch einen Rüffel: “Welcher ist den euer Bock? Der blaue? Ach, der muss sich im Übrigen bewegen lassen. Den kriegen wir nur mit dem Gabelstapler bewegt.” Aha, aber was sollten wir tun? Rollschuhe drunter binden? Unter einen 350kg schweren Bock? Naja . . . Schnell waren die Gurte unter den Rumpf gezogen, in den Haken eingehängt und dann ging es schon los. Da es sehr windig war, übernahmen die Gehilfen des Hafenmeisters die Leinenführung. Ruckzuck war das Boot aus dem Wasser. DSC_0053Majestätisch schwebte Rasalhague auf ihren Bock zu. Das Unterwasserschiff sah ja wild aus! Am Ruder und am Kiel hatten sich kleinere Kolonien von Muscheln angenistet, das Echolot war komplett verwachsen und der Rumpf war überall von einer dünnen schleimigen Algenschicht bewachsen. Na toll! Was hatte der Vorbesitzer denn da für ein Antifouling verwendet? Die bereits aufgebockten Boote sahen doch gut aus . . . nein halt, da hinten war eins, das hatte mehr Muscheln dran, also nach der Menge der abgeschabten Muscheln zu urteilen. Der Bootseigner hätte fast schon eine eigene Muschelzucht aufmachen können. DSC_0058Die Rasalhague senkte sich auf ihren Bock und ich enterte auf um sie von den Gurten zu befreien. Nun hieß es Säubern. Mit einem Schrubber und einer Pütz bewaffnet gingen wir den Muscheln und dem Schleim an den Kragen. Sehr erfolgreich sah das noch nicht aus. Ein Nachbar gab uns dann seine beiden Abzieher und ein paar wertvolle Tipps. Und siehe da, in einer halben Stunde hatten wir das Boot vom Schleim und den Muscheln befreit. Danach wuschen wir noch mit Schwämen den Rumpf, auch um das Antifouling aufzufangen. Was für eine Brühe! Inzwischen lag bereits links neben uns ein Boot, das heftigen Muschelbewuchs aufzeigte. Na, so schlecht war dann das Antifouling bei uns wohl doch nicht.

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Ruder und der Skeg weisen Lackschäden auf. Das Blech vom Skeg ist auch verbogen.
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Die Verspachtelung weist Rostspuren auf. Da muss ich definitv ran!

Mit der Rasalhague hoch und trocken hatten wir jetzt auch endlich ein klares Bild über unsere Probleme am Unterwasserschiff. Am Skeg war der Muschelbewuchs recht doll und zwei Stellen waren verbeult – das erklärte das Verklemmen des Ruders. Während der Saison hatten wir festgestellt, dass bei großen Krängungen nach Steuerbord Wasser über eine rostige Stelle in der Bilge auf Backbordseite eindrang. Ich vermute ja, dass die Kielbolzen etwas Spiel hatten und dass das Gewicht des Kiels den Spalt bei Schräglagen minimal vergrößert hat. Die Rumpfkielverbindung wies rostige Spuren auf und dürfte mit Sicherheit undicht sein – das erklärte das immer wiederkehrende rostige Wasser im Salon. Mmmh, ich hatte dazu schon einiges gelesen, aber vielleicht hole ich mir doch noch mal professionellen Rat. Jetzt muss als nächstes erstmal die Plane drüber, der Motor winterfest gemacht werden und noch vieles mehr, . . .

 . . . aber am 15. oder 16. April 2016 kommt sie wieder ins Wasser!

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