Nachtsegeln . . . und ein Unglück kommt selten allein

Eigentlich wollten wir ja schon letztes Wochenende nach Fåborg, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und die Windprognose war für das Wochenende mal wieder hervorragend. Zwar sah es für Freitag ziemlich mau aus, doch in der Nacht sollte der Wind auffrischen und damit war die Entscheidung schnell gefällt, der Nachttörn würde stattfinden. Im Grunde war dies eine Ausbildungsfahrt, denn Heike war noch nie nachts draußen und die Navigation ist dann etwas anspruchsvoller. Ich hatte Fåborg bewusst gewählt, denn dort würde uns ein anspruchsvolles Einlaufen erwarten mit Richt- und Quermarkenfeuer, Deckpeilungen und weil es mitten durch vier unbefeuerte Untiefen geht.

Den Schriftzug nähe ich dann selber aus Leder auf
Den Schriftzug nähe ich dann selber aus Leder auf

Den Törn hatte ich am Anfang der Woche auf dem Tablet abgesteckt. Die Einlaufberatung wollte Heike auf der Karte dann selber planen. Am Mittwoch kam ein Installateur an Bord und ging mit mir Frischwasseranlage und Umbau der Gasanlage durch. Ganz wollte er meinem Plan nicht zustimmen, aber ich denke, wir haben einen Kompromiss erzielt, mit dem ich leben kann. Zu meiner Überraschung fand ich im Cockpit den fertigen Steuersäulenüberzug. Sehr schön! Fehlt nur noch “Rasalhague”  aus weißem Leder, aber das kriege ich gerade noch selber hin.

Dann kam am Donnerstag der Termin mit dem Werftmenschen. Ich war ziemlich nervös, weil ich befürchtete, er würde dem Boot sofort den Kiel abnehmen wollen. Und ich sah schon vor meinem geistigen Auge sämtliche Ausflüge und auch die Kieler Woche den Bach runter gehen. Aber so schlimm war es dann doch nicht. Der Kiel muss wohl nicht ab. Allerdings war er auch ziemlich ratlos, denn sich die Stirn kratzend sagte er: “So was hab ich noch nicht gesehen. Normalerweise ist der Kiel nur mit 4 oder 5 Bolzen festgemacht, das sind die in der Mitte. Aber was sollen die seitlichen?” Tatsächlich ist Rasalhagues Kiel mit 23 Kielbolzen festgeschraubt. 5 große Bolzen in Kiellinie und je 9 kleinere (12er) auf jeder Seite. Die Kielbolzen sind intakt, denn sonst würde da das rostige Wasser ins Boot dringen, und strukturelle Schäden konnte er auch keine erkennen, denn sonst wäre in der Bilge der Topcoat irgendwo gerissen. Warum also diese eine Stelle? Auch er war ratlos. Wenigstens gab er mir einen Tipp, wie ich das richtig von innen abdichten könnte. Erst einmal sollte ich große Krängungen vermeiden und vielleicht mal die Bb-Kielbolzen nachziehen, wenn ich gerade auf Backbordbug segelte. Daran hatte ich auch schon gedacht, jedoch war meist ich am Steuer, wenn die Rasalhague gerade mal wieder arg krängte. Aber der kommende Törn bot sich dafür ja an. Dürfte zwar schwer sein, aber eine Chance wäre es.

Freitag, 27.50.16:

Nach der Arbeit ging ich Einkaufen und belud das Boot, holte die reparierte Genua vom Segelmacher ab und baute den Traveller um. Ich hatte mir eine neue (rote) Bb-Travellerleine und auch einen neuen (gelben) Baumniederholer geholt. Die alte (grüne) Leine des Baumniederholers wollte ich als Stb-Travellerleine einsetzen. Ich bereitete das Boot soweit es ging vor, schlug die Genua mit Schoten an und dann holte ich Heike ab. Punkt 18.00 Uhr war dann Auslaufen. DSC_0045_10Mit müden 3-4kn ging es die ersten vier Stunden um Bülk herum und über den Stollergrund. Etwas wollten wir noch erledigen, dass uns das Herz schwer werden ließ. Vor einem halben Jahr verstarb meine Mutter nach schwerem Krebsleiden. Nach ihrer Einäscherung hatte meine Familie ihre Asche an den Orten ausgestreut, an denen sie gerne war – in der Bretagne, in den Bergen, usw. Meine Schwester hatte mir ein kleines Döschen in Herzform mit etwas von ihrer Asche mitgegeben und Heike und ich wollten die Asche beim Segeln ausstreuen, denn einer der letzten Wünsche meiner Mom war es, mit uns Segeln zu gehen. Letztes Jahr nahm sie noch den beschwerlichen Weg auf sich, um die Rasalhague zu taufen, da fand ich es nur richtig, dass ein kleiner Teil ihrer Asche jetzt in unserem Segelrevier sein sollte. Es half mir jedenfalls bei der Trauerbewältigung.

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Sonnenuntergang und Schwärme von Wildgänsen auf ihrem Weg nach Aero

Der Wind frischte tatsächlich etwas auf, früher als angekündigt. Wir hatten schon die Alternative in Betracht gezogen, Maasholm anzulaufen. Aber nachdem die Fahrt nicht mehr unter 5kn fiel, entschieden wir: Durchhalten. Mit dem Kurs um 360° herum ging es weiter in den Lille Belt hinein. Die Sonne ging um 21:37 Uhr mit einen wunderschönen Abendrot unter und rund eine Stunde später war es dann auch etwas dunkel, in erster Linie, weil sich eine Wolke über uns schob. Im Nordwesten blieb es jedoch hell, hier war stets etwas Abendrot zu sehen. DSC_0115_3Jetzt begann der Ausbildungsteil für Heike: Lichterführung und anhand der Kennungen die richtigen Leuchtfeuer zu erkennen. Gar nicht so einfach. Immer wieder guckte sie in die Karte und kam dann hoch, um nach dem gesuchten Leuchtfeuer zu suchen. Eines fiel ihr aber tatsächlich leichter. Die Ortsbestimmung war jetzt einfacher, denn bei Tageslicht sieht man aus der Distanz die Leuchttürme an Land nicht besonders gut. Sie sind zu niedrig oder Bäume verdecken sie halbwegs. Bei Nacht sieht man sie eindeutig, nur das man die Kennung auszählen muss.

DSC_0093_6Wir hatten das Sperrgebiet Schönhagen ein paar Meilen östlich passiert und standen schon ungefähr auf der Höhe vom alten Leuchtturm Falshöft. Mit ein paar Kabel Abstand passierten wir ein Schiff, dass auf Backbordseite dümpelte. An diesem Beispiel konnte Heike gut erkennen, wie sich die Lichterführung verändert, wenn Bug und Lage wechseln. Zu erst hatte es den Bug rechts mit einer Lage von etwa 40 (Grad). Also sahen wir das weiße Topplicht und die grüne Steuerbordlaterne. Als wir vor dem Bug durchgingen, kam auch die rote Backbordlaterne zum Vorschein und zeigte für einen kurzen Moment beide Positionslichter, bevor die Steuerbordlaterne verschwand. Dann entdeckte ich an Steuerbord schemenhaft ein Segel . . . OHNE BELEUCHTUNG! OHA, wer torfte denn da so dermaßen? Ich überlegte noch, eine Wende einzuleiten, um den anderen Skipper anzurufen, aber er ging sicher hinter uns mit 3 Kabel Abstand durch und setzte seine Lichter, als er an dem dümpelnden Schiff vorbeikam. PUUH, das wäre ja was gewesen! Eine Kollision in der Nacht . . . ich wollte gar nicht daran denken.

TachoSüdöstlich vom Leuchtturm Gammel Pøl auf Als stand eine  unbefeuerte Kardinaltonne direkt auf unserem Kurs. Weil unser Handscheinwerfer wegen der defekten 12V-Steckdose nicht eingesetzt werden konnte, wendeten wir und hielten mit Ostkurs auf die südliche Warngebietstonne zu, die war wenigstens befeuert. Heike fand es ja schon bei Tag schwierig, die richtige Entfernung abzuschätzen, doch bei Nacht? Eine echte Herausforderung! Umso wichtiger war es, jetzt stündlich einen Ort zu nehmen, und bei Bedarf eben zusätzlich. Eine halbe Meile vor der Tonne wendeten wir erneut und gingen wieder auf Backbordbug zurück auf Nordkurs. Inzwischen war es kurz nach Mitternacht und der Himmel im Norden war immer noch leicht vom Abendrot erhellt, hinter uns dagegen breite sich eine rabenschwarze Nacht aus, was aber nur an der Wolke lag. Wir passierten ein paar Fischer, die an der Lichterführung (grün über weiß) gut zu erkennen waren, also Schleppnetzfischer. Da in der nächsten Zeit nichts passieren würde, das Seegebiet war frei, sollte Heike wenigstens ein paar Stunden Schlaf bekommen. Allerdings war das kaum möglich, da sie sich in der Vorpiek ganz schön verkeilen musste und die Wellen auch ziemlich geräuschvoll waren. Ich blieb also alleine auf und hielt Wache. DSC_0109_6Um drei kam sie wieder hervorgekrochen, nachdem ich eine ruppige Wende einhändig fuhr. Mit Kurs um die 100° hielten wir auf die Nordwestspitze von Ærø mit dem Leuchturm Skjoldnæs zu, der uns schon lange die Richtung wies. Als wir nur noch eine halbe Meile davor waren, drehte Heike nach Backbord an und mit der Wende gingen wir wieder auf Nordkurs. Vor uns war das dauernde Funkelfeuer der Gefahrentonne “Skrams Flak Nord” auszumachen. Das Abendrot war weiter nach Nordosten gewandert – dort waren auch die Lichter von Fåborg zu sehen – und wurde jetzt merklich heller, also war es schon das Morgenrot. Schon irgendwie komisch, dass wir die Auswirkung der Mitternachtssonne soweit südlich vom Polarkreis sehen können. Aber dadurch hat man eine gute Vorstellung von der Rotation der Erde.

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Sonnenaufgang über Faaborg

Heike steuerte nach der Gefahrentonne das Richtfeuer auf Bjornø an, doch da der Wind aus Nordost kam, bedeutete das Kreuzen. Um 04:54 Uhr ging dann die Sonne auf und wir löschten die Positionslichter. Kurz danach hatten wir die befeuerte Backbordfahrwasser passiert und wendeten auf Nordkurs. Perfekt, denn vor uns war das Richtfeuer von Sisserodde. Von Steuerbord kam eine größere Yacht unter Spinnaker auf uns zu, musste etwas abfallen und passierte dicht hinter uns. Die Crew guckte etwas angepestet und grüßte nur widerwillig. Mir fiel auf, das an Steuerbord ein ganzes Feld unter Spinnaker auf dem selben Kurs unterwegs war. UUUPS, eine Regatta? Na, die Yacht hat ja kaum Fahrt verloren und musste auch nur unmerklich den Kurs ändern, wird schon den Vorsprung halten können. Das Fahrwasser wurde etwas enger, aber vor allem musste man drin bleiben, denn an Backbord war der Knaste Grund und an Steuerbordseite die Insel Björnø mit einer vorgelagerten Untiefe. Wegen dem Wind musste sich Heike jedoch am linken Rand halten und wir fuhren damit im roten Sektor des Richtfeuers. Hinter Björnø ging es dann wieder nach Steuerbord. Das Richtfeuer am südlichen Stadtrand von Fåborg war bereits aus, aber wir konnten ja die Fahrwassertonnen sehen. Auf dem letzten Stück war es noch notwendig, zu kreuzen, denn neben der letzten Fahrwassertonne ist eine Untiefe von nur 1,2m. Heike übergab mir das Steuer, barg die Segel und machte die Back klar zum Einlaufen. Um 06:24 Uhr, nach zwölfeinhalb Stunden machten wir in Fåborg im Inderhavn fest . . . erledigt und übermüdet. Der Tripzähler zeigte 51,6sm, im Schnitt etwas über 4kn. PUUH, ich hatte mit rund achteinhalb Stunden mit 5-6kn im Schnitt für die 43sm gerechnet. Aber der Wind war anfangs recht schwach und wir mussten auch am Schluss viel kreuzen.

. . . ist da nicht direkt vor uns eine . . .?

Ich guckte mich um, denn ich hoffe ja immer, noch eine andere Boström zu sehen. Und da . . . genau vor uns ein Steg weiter, lag da nicht eine? Doch ganz sicher, der Bauch war unverkennbar. Mast und Rigg und auch das Süll stimmten überein. Nach der B31 Mk II in Sønderborg (Cardialis II) war dies nun die zweite, die ich sah. Bei nähere Betrachtung hatte sie im Unterschied zur Rasalhague aber eine Rollfock und Lazy Jacks. Außerdem war der DSC_0144_4Baumniederholer noch anders konfiguriert. Aber schön sah sie aus, gepflegt. Leider war kein Name zu sehen. Während Heike vom Hafenmeister begrüßt wurde und sich das Ticket zog, verkrümmelte ich mich bereits todmüde in die Vorpiek und schlief sofort ein.

Nordertor zur Altstadt von Faaborg
Nordertor zur Altstadt von Faaborg

DSC_0160_3Gegen elf krochen wir aus den Federn, etwas gerädert, aber es wurde auch unangenehm warm in der Vorpiek. Nach einem mittäglichen Frühstück DSC_0155_4in der Plicht begaben wir uns auf einen ausgedehnten Spaziergang zur anderen Marina und durch die schöne Altstadt.
Im Supermarkt holten wir uns eine Packung Marzipaneis, da es gefühlt 25°C hatte. Das Eis schlabberten wir – zurück auf dem Boot – dann auch mit einem Mal weg. Lecker! Anschließend faullenzten wir in der Sonne.

Ich betone, ich habe nur EIN Eis gegessen!
Ich betone, ich habe nur EIN Eis gegessen!
unscheinbar, aber sehr gut
unscheinbar, aber sehr gut

Gegen sechs gingen wir rüber ins Restaurant “Det hvide Pakhus” auf der anderen Seite vom Hafen. Wir suchten uns einen schönen Tisch auf der Terasse in der Sonne, aber da kam der Kellner und bat uns zu warten, bis er uns an den Tisch führen kann. Uiiii, wie nobel! Die Speisekarte war sehr übersichtlich, was wohl dem Umstand einer großen Gesellschaft im Inneren des Restaurants geschuldet war. Heike bestellte als Vorspeise Spargel in einer Sauce Mousseline und anschließend eine Scholle. Ich wollte mit einem gebratenem Rotbarsch in Sauce Nage (Sahne mit Weißwein, Kräutern und Paprika) starten und bestellte anschließend ein Steak mit Kartoffelgratin als Hauptgang. Soweit so gut. Es dauerte etwas, dann kam zweimal Spargel. Ich bedauerte und gab zu verstehen, das ich Fisch bestellt hatte. Der Kellner nahm beide Teller wieder mit. Dann kam er wieder eine Weile später mit zweimal Fisch an. Jetzt bedauerte Heike und der Kellner war sichtlich genervt. Als wir dann beide unser richtiges Essen hatten, staunten wir nicht schlecht, denn es war sehr, sehr gut. Der Rotbarsch war klasse und das Steak zart und sehr aromatisch mit frischem Rosmarin und angeschwitzter Frühlingszwiebel garniert. Auch Heike genoss ihr Essen, die Scholle zerging ihr auf der Zunge, ganz saftig und sehr schmackhaft. Nach dem Essen verkrochen wir uns dann bald in die Federn, denn Sonntag wollten wir früh los.

Sonntag, 29.05.2016:

Aus Um-06:00-Uhr-Aufstehen wurde nichts. Erst kurz nach sieben war daran zu denken. Dann ging es aber schnell. Waschen, Frühstücken und Seeklarmachen.

0845 – Klarmachen zum Auslaufen! Kurs und Fahrt nach Weisung.

0855 – Klarmachen zum Segelsetzen! GS und GI gesetzt. Motor aus. Kurs 160°, Fahrt 6kn.

DSC_0168_3Wir überholten einige Piraten (Jollen), die alle auf dem Weg zu einer Regatta waren. Dann bogen wir dem Fahrwasser folgend ab und hielten uns mit Schmetterling auf Kurs, bevor wir mit 210° auf fast direktem Kurs nördlich am Knaste Grund vorbei die Nordwestspitze von Ærø umrunden konnten. Weil der Wind aus Nordost kam und zu schwächeln begann, bereitete ich das Spi vor. Ich wollte schon die Genua bergen, als ich bemerkte, das wir wieder an Fahrt zunahmen. Also ließ ich den Bergesack am Mast hängen und machte ihn mit einem Segelspanner fest. Die Spi-Schoten klinkte ich in Bugkorb und ließ sie ausgelegt, nur den Spi-Baum steckte ich in seine Halterung auf dem Oberdeck zurück.

1003 – Kurs 190°, Fahrt 3,7kn. Das Ausstellen der Segel bringt nicht viel mehr Fahrt. Werden auf südsüdöstlichen Kurs gehen um höher an den Wind zu gehen. Später dann mit Spinnaker bei Raumschotskurs wieder Richtung Track.

1145 – Kurs 140, Fahrt 6 kn. Wetter: Bedeckung 8/8, Sicht < 5sm, Peilungen nur noch wenn möglich. Der Himmel ist vollständig bedeckt, nur noch grauer Dunst.

1230- Kurs 160°, Fahrt 6,3kn. Wind lässt nach. GI geborgen, Spi gesetzt.

DSC_0181_31249- Kurs 190°, Fahrt 5,1kn. Mit Spi auf Halbwindkurs.

1302 – Warn-G.Tn. 1036 Stb querab 6-7 Kbl, Kurs 180°, Fahrt 6,0kn.

An Backbord war ein Spotzen und schnaufen zu hören. Ich drehte mich schnell um und konnte gerade noch  einen Schweinswal abtauchen sehen. Dann kam einer an Steuerbord hoch und noch einer hinter uns. Immer wieder tauchten sie unter dem Boot durch und schwammen auf unserer Bugwelle mit. Eine ganze Weile folgten sie uns, aber es gelang Heike nicht, sie beim Auftauchen zu fotografieren.

1345 – Kurs 160°, Fahrt 6,4kn. Der Wind nimmt zu, auch die Wellenhöhe.

1535 – Kurs 180°, Fahrt 6,8kn. Stehen auf Höhe der Eckernförder Bucht, Wellenhöhe jetzt bei etwa 1m. Boot rollt zunehmend schwerer in der See.

1540 – Kurs 160°, Fahrt 7,1kn.

1545 – Kurs 170°, Fahrt 7,4kn. Spi-Baum gebrochen!

die Überreste des gebrochenen Spi-Baums
die Überreste des gebrochenen Spi-Baums

KNACK! Mit einem vernehmlichen Laut brach der Spi-Baum genau in der Mitte. Einer der Vorbesitzer hat den Baum wohl selbst gebaut und hatte einen Augbolzen für den Toppnanten und den Niederholer in der Mitte des Alu-Rohres durchgebohrt. Normalerweise werden die am Endbeschlag eingehakt. Bei der starken Belastung war das jetzt wie eine Sollbruchstelle. MIST! Dennoch stand das Spi noch, zwar höher, aber es war noch prall gefüllt. Das Boot neigte sich sehr stark auf Steuerbordseite – die Back lag schon im Wasser – und ich konnte das Boot gerade noch so von einer Wende abhalten. Heike war im Augenblick des Unglücks auf der Back zum Filmen. Zum Glück befand sie sich bei den Steuerbordwanten. Jetzt begann sie das Spi zu bergen. Einfacher gesagt als getan. Ich ließ das Boot in den Wind gehen, damit der Spinnaker zusammenfiel. Das hieß aber, dass die hohen Wellen nun von vorn kamen und das Boot schaukelte sich auf. Im Moment des Unglücks setzte gerade eine 38-Fuß-Yacht zum Überholen an, auch unter Spi. Sie zogen vorbei, erblickten unser Dilemma und bargen dann nur wenig später ihr Spi. Heike wollte im Anschluss an die Bergeaktion die Genua setzen, aber jetzt war ich lieber vorsichtig. Ich guckte auf die Wellen und erblickte einige weiße Schaumkronen. Das waren jetzt min. 4 Bft, in Böen wahrscheinlich sogar 5 Bft. Als Heike dann endlich das Spi geborgen hatte und wir aber noch rund 9 Meilen vor uns hatten, wägten wir ab, ob die Genua III nicht besser sei. Letztendlich blickten wir nochmal auf die Wellen. Die Schaumkronen waren nur vereinzelt, also wagten wir es mit der GI. Wieder tauchten Schweinswale auf und begleiteten uns eine Viertelstunde lang. Wir zählten 4 vielleicht 5 Tiere.

1625 – Kurs 120, Fahrt 5,8kn. GI gesetzt.

1638 – GTn Stollergrund Nord Bb querab 2 Kbl.

1650 – Pos φ 54°31,5’N λ 010°11,9’E, Ob, gepeilt wurde Kiel LT 120°, Bülk LT 180°, Kurs 160, Fahrt 5,7kn.

DSC_0192_21736 – Kurs 210, Fahrt 6kn.

1755 – Klarmachen zum Einlaufen, Großsegel lässt sich nicht mehr ausstellen! Schäkel am Traveller Stb-Seite defekt! Klarmachen zum Segelbergen, GI und GS geborgen, Kurs und Fahrt nach Weisung.

DSC_0191_2AUCH DAS NOCH! Das letzte Stück durch die Strander Bucht war Heike unter Schmetterling gesegelt. Da die Wellen aber von achtern heranrollten, schlingerte das Boot und der Großbaum schlug mehrmals um. Durch diese ruckartigen Bewegungen musste sich der Sicherungsbolzen des Schäkels auf der Stb-Seite des Travellers gelöst haben und war über Bord gegangen. So ließ sich das Großsegel nur noch nach Backbord vernünftig ausstellen, aber wir standen ja eh vor dem Hafen. Heike machte den Einlaufskipper und legte mit dem Boot fast routiniert in unserer Box an – fast, weil der Propeller wieder mal zickte.DSC_0193_2

1815 – Boot hat in Kiel-Schilksee, LP 523 festgemacht. Zurückgelegte Distanz: 47,2sm. Gesamtdistanz: 98,7sm.

SCHADE! Ich dachte, wir kämen auf über 100sm. Aber dennoch war es ein anspruchsvoller und ereignisreicher Trip!

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Am Sonntag will mein Papi mit mir segeln gehen . . .

Aus eigener Erfahrung weiß ich ja, dass Kinder Spaß beim Segeln haben, vor allem wenn man ihnen das Abenteuer näher bringt. Diesmal waren es nicht meine Jungs, sondern Rostjas Töchter, die auf den Geschmack gebracht wurden. Schon letzten Dienstag hatte ich das angeboten, aber da Nahla, Rostja jüngste, sich noch nicht traute, bin ich schließlich mit Gerd alleine draußen gewesen. Jelva war natürlich traurig, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und so kam Heike und mir bereits der Gedanke, nachdem wir unseren Faborg-Törn auf nächstes Wochenende verschoben hatten, am Sonntag mit Rostja zu segeln . . . und zu grillen.

Aber der Reihe nach. Freitag Nachmittag wollte ich mit Rostja zusammen endlich die Windmessanlage in Betrieb nehmen. Nachdem der Elektriker die Kabel durchgemessen hatte, kamen wir zum Schluss, der Fehler muss wohl oben im Topp am Stecker liegen. Wir waren gerade damit beschäftigt, das Boot seeklar zu machen, als einer der Segelmacher vorbeikam und die Schablone für den Steuersäulenüberzug anfertigte. Das ging recht schnell. Also schlüpfte ich in den Bootsmannsstuhl und bewaffnete mich mit Tape und Cutter. Angeschlagen ans Großfall, versuchte ich Rostja die Arbeit zu erleichtern, aber es ist eben nicht leicht, sich am glatten Mast hochzustemmen. Und noch weniger war es leicht, einen Brocken von 78kg da hoch zu winschen. Anfangs fand ich es auch ganz unbedenklich, aber nachdem ich oberhalb der Saling war und die Wanten immer dichter an den Mast kamen, da war mir dann klar, dass ich in den Pelikanhaken und das Fall ganz schön Vertrauen hatte. Oben angelangt machte ich mich an die Arbeit. Tatsächlich war der Stecker etwas locker. Also tapte ich ihn fester zusammen und klebte das Kabel sicherheitshalber auch am Mast fest, damit der Wind nicht so stark daran zerren konnte. Bevor Rostja mich wieder runterließ, testeten wir die Anzeige, doch es blieb unverändert bei dem Bild. NIX. Na toll! Da mir auch keine Lösung einfallen wollte, brachen wir das ab und ich kam wieder runter.

Nach dem Ablegen, segelten wir mit besetztem Groß und G III in der Bucht umher, wenigstens wollten wir ein bisschen den guten Wind nutzen. Erst mal mussten wir uns an den Optimisten vorbeikämpfen, denn es waren wieder irgendwelche Wettkämpfe. So schön das ist, aber es nervt ein bisschen, denn die Gasse ist dann so verstopft, und ob die Lütten immer richtig reagieren? Nun ja, wir waren dann bald draußen am Fahrwasser und ich erzählte ein wenig, was für die Prüfung relevant wäre, da Rostja Interesse hatte, den SBF See zu machen und segeln zu lernen. Beim Boje-über-Bord-Manöver fiel mir dann ein, dass ich selbst das unter Segel praktisch noch nicht gemacht hatte. Also nahmen wir einen der alten Fender und banden den Tampen auch am unteren Ende fest. Und schon war die Boje über Bord. Der erste Anlauf war gut, aber mit dem Bootshaken war es schwer die Boje aufzunehmen, weil der Tampen etwas eng am Fender war. Also noch einen. Der Anlauf begann und mit einem mal kamen aber gerade dort, wo die Boje dümpelte, rund 10 Optimisten entlang. Durch die ständige Kurskorrektur “im Wind” verloren wir so viel Fahrt, dass der Anlauf scheiterte. Der dritte Versuch klappte dann aber . . . mustergültig. Wir wechselten und wieder flog die Boje ins Wasser. Rostjas Anlauf war gut und ich stand mit Bootshaken auf der Back. Dann, beim Versuch, die Boje aufzunehmen, hantierte ich mit dem Bootshaken und griff plötzlich ins Leere. OH NEIN, jetzt war der Haken auch über Bord. Ich hatte vergessen, die Stange richtig auszuziehen und dachte aber, der Stab wäre länger. BLÖD. Geistesgegenwärtig beugte sich Rostja über die Reling, kam aber nicht ran. Die Reling war im Weg, also zwischen den Relingsdrähten durch. Er bekam ihn zu fassen und plötzlich zischte es und seine Rettungsweste pustete sich auf. Ich musste unwillkürlich lachen. Irgendwo war er mit der manuellen Auslösung der Weste hängengeblieben. Naja, egal, wir hatten ja noch weitere Westen an Bord. Das dritte Boje-über-Bord-Manöver glückte uns dann aber auf Anhieb und ohne Zwischenfälle. Anschließend segelten wir rüber nach Laboe auf einen Kaffee, bevor wir dann uns auf den Weg zurück machten. In Laboe fragte Rostja mich dann, ob wir am Sonntag Jelva mitnehmen könnten. “Na klar.” Später war dann auch Nahla zu begeistern und so war es ausgemacht.

DSC_0113Am Sonntag verlegten wir dann kurz nach halb zwölf mit ungerefftem Großsegel und Genua I bei warmen, aber etwas diesigem Wetter erst mal nach Laboe rüber und nahmen die beiden Mädels auf. Von Skepsis oder Zurückhaltung war nichts zu spüren. Die Rettungswesten waren schnell angezogen und vorsorglich erklärte ich: “Das Boot kann sich stark auf die Seite legen, aber es wird nicht kippen. Unten hängt ein Kiel aus Eisen dran, der 1300kg schwer ist. Der richtet das Boot immer wieder auf.” Wie bei meinen Jungs hatte ich das Gefühl, dass Jelva und auch Nahla gar nicht auf die Idee kamen, dass eine große Krängung eine Gefahr für das Boot darstellen könnte. DSC_0094Jelva stellte mir lediglich später die Frage, was denn passiert, wenn Wasser ins Cockpit kommt. Ich zeigte ihr den Ablauf unter der Gräting und sagte, dass das von alleine wieder abläuft. Das war für sie völlig ausreichend, weil sie nur Minuten später mit dem Brustton der Überzeugung ihrem Vater sagte, uns könne ja nichts passieren. Ich staune immer wieder über Kinder . . . oder über uns Erwachsene, weil uns Vertrauen manchmal so schwer fällt.

Nach ein, zwei Schlägen im Fahrwasser segelten wir am Südufer der Strander Bucht entlang, denn dort wollten wir ankern und grillen. DSC_0081Die Mädchen hatten einen riesen Spaß, konnten sie bei größere Krängung ihre Hände auf Leeseite ins kühle Wasser halten. DSC_0084Dann entdeckten sie, das es noch mehr Spaß machte, auf der Luvseite hoch über dem Wasser an der Reling zu sitzen. Davon konnten sie gar nicht genug bekommen. Das Ankermanöver verlief diesmal ohne große Vorbereitung. Da der Wind von SO auf S drehen sollte, ging ich davon aus, dass uns die Steilküste genug Windschatten bereiten würde. DSC_0082Tatsächlich blieb es windig, war aber ok. Das Grillen war dennoch herrlich . . . und soooo “cool”. Über die Badeleiter trauten sich dann die Mädels, ihre Beine ins kalte Wasser zu halten. Als dann eine der Strandschaufeln zum Vorschein kam, dachte ich mir noch: ‘Hoffentlich bleibt die an Bord’. Wir waren gerade dabei alles nach dem Grillen aufzuklaren, als ich das Erahnte hörte: “Oh, die Schaufel ist im Wasser . . . die schwimmt ja.” ‘Na Gott sei Dank! Wenigstens geht sie nicht auf Grund.’ dachte ich mir und blieb gelassen. Die Schaufel trieb ab, jedoch war da das Wasser noch tief genug. Also schmissen wir den Motor an und ich manövrierte das Boot zum Aufnahmen der Schaufel erst mal in den Wind. Heike gelang es nicht, die Schaufel zu bergen. Die Schaufel rutschte immer wieder vom Bootshaken. Wir tauschten, während Rostja noch dabei war den Anker zu verstauen. Heikes Anlauf war bilderbuchmäßig und auch mir rutschte die Schaufel mehrmals vom Haken. Rostja war jetzt fertig und beugte sich weit über die Reling. Gerade so konnte er mit den Fingerspitzen die Schaufel erreichen. Gerettet. Die Mädels freuten sich und ich schmunzelte . . . was wir schon alles aus dem Wasser geholt hatten . . . Schwimmring, Fender, Paddelboot, Bootshaken und jetzt noch eine Schaufel.

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Zeit, die Genua I zu bergen

Der Wind frischte jetzt deutlich auf und erreichte in Böen Windstärke 6. Das war für die Genua I zu viel. Das Boot krängte sehr stark nach Backbord und das Vorschiff wurde bereits überspült. Ich fiel ab vom Wind, aber so würden wir nicht nach Laboe zurück kommen. Heike schlug vor, ohne Vorsegel weiter zu fahren. Ja, das müsste gehen, also holten Rostja und Heike die Genua ein und sicherten das Segel an der Reling. Dabei fiel Rostja ein neuer Riss am Achterliek auf, gut 50cm lang. Na, das war ja zu erwarten, wenn das Segel starkem Wind ausgesetzt wurde. Allerdings kamen wir mit der Groß alleine nicht besonders schnell voran. Gerade mal 3kn. Also schlug Heike und Rostja die Arbeitsfock an. Schon ging es wieder vorwärts mit 5,8kn. Ich ließ Jelva ans Steuer und gab ihr Anweisung, auf den Funkturm bei Schilksee zu steuern. Erstaunlicherweise fiel ihr aber das Steuern nach Kompass deutlich einfacher und so ließ ich sie Kurs 210° steuern. Mit drei Wenden standen wir kurz nach fünf vor Laboe und holten die Segel ein. Jelva steuerte das Boot bis in die Gasse und zum Anlegen in der Box übernahm ich das Ruder wieder. Wir verabschiedeten Rostja und seine Mädels und machten uns auf dem Rückweg. Da hörte Heike noch die Frage: “Wann segeln wir wieder?” Die kleine Nahla grinste, von ihrer Angst war nichts zu sehen.

Als wir dann – jetzt nur noch zu zweit – aus der Hafeneinfahrt raus waren, hatte sich der Wind gelegt und dunkle Gewitterwolken zogen auf. Also beschlossen wir unter Motor nach Schilksee rüber zu fahren und Heike packte die Segel und klarte das Oberdeck auf, so das wir nur noch unsere Sachen von Bord nehmen mussten.

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Bordelektrik und Bordelektriker

Schon letztes Jahr hatte ich bei der Fehlersuche wegen des nicht funktionierenden Ankerlichtes und der fehlenden Anzeige auf der Windlupe die Elektrik an Bord aufs Korn genommen. Im Kabelgewirr angekommen, musste ich mir ernüchtert eingestehen, dass ich das alleine nicht hinbekommen würde.

Nun habe ich mir zwei Meinungen von Yachtelektrikern eingeholt . . . und staune nicht schlecht, wie unterschiedlich die Aussagen ausfallen. Der erste Fachmann ließ mich kaum ausreden und ging sofort daran seine Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Die Installation, also Kabelziehen und -verlegen sollte ich vorbereiten – wohlgemerkt aus Kostengründen, denn ich könne mir seinen Stundenlohn ja kaum leisten. ‘Ach ja? Wie hoch mag der denn sein?’ dachte ich und hätte mich fast vor Lachen schütteln müssen, als er ihn mir nannte. ÄHM, aber . . . war das mit den Strippenziehen nicht der Grund, weshalb ich überhaupt ein Fachmann wollte? Natürlich kann ich alle Geräte selbst anschließen, aber damit wäre das Kabelgewirr und die merkwürdigen Schaltungen noch nicht beseitigt. Beispielsweise wollte ich endlich GPS und Beleuchtung der Pantry trennen. Sein Vorschlag lautete, alle drei Anzeigen (GPS-Tochter, LOG/Echolot, Windmessanzeige) über dem Niedergang über EINE Stromversorgung zu bedienen. Klasse, damit ich beim nächsten Ausfall wieder eine langwierige Fehlersuche vornehmen kann. Mir dämmerte, dass der gute Mann mehr Interesse an dem Verkauf von Geräten hatte, als an der Arbeit selbst. Zur Batterie meinte er, ich sollte lieber Gel- oder AGM-Akkumulatoren einbauen. Flüssigbatterien dürfen so nicht betrieben werden. OH! Außerdem müsse ein völlig anderer Landanschluss verwendet werden. OHA! Zu meiner Idee, mein Schaltpaneel im Prinzip zu erhalten und nur ein paar Schalter zusätzlich einzubauen, kam dann ein geringschätziges: “Das Brettchen haben sie ja ganz nett vorbereitet, aber das vergessen wir mal.” WIE BITTE? “Sie haben überall schöne LED-Lampen, da wollen sie doch nicht solche Stromfresser einbauen. Außerdem sind die nicht für 12V ausgelegt.” – “Äh, doch, ich hab extra welche für 12V bestellt.” entgegnete ich. “Na schön, aber in den Wippschaltern sind doch Glühlämpchen drin, oder? Jede davon frisst bestimmt 0,1 Ampère. Tauschen sie die gegen Schalter mit LEDs oder besser noch, wir machen das hier ganz anders.” schon fummelte er am Paneel rum und setzte das untere davon schräg ein um etwas Platz zu gewinnen. “Ich baue ihnen ein doppelt so großes Sicherungsschaltpaneel ein, dann brauchen Sie ihre Schalter nicht.” MMMH . . . aber dann wären alle Kontrolllämpchen grün . . . ich hatte mir ja eigentlich was mit den unterschiedlichen Farben der Wippschalter gedacht. Einen erneuten Versuch, das bereits angefertigte Paneel zu verwenden, wehrte er entschieden ab: “An den Wippschaltern sind keine Sicherungsautomaten dran . . .”, deswegen hatte ich ihn ja auch her gebeten, ging es mir doch auch um die Absicherung der neuen Schalter, “. . . und Schmelz- oder thermische Sicherungen an Bord eines Bootes sind wegen der Brandgefahr nicht zulässig.” AHA, jedoch kam mir das reichlich komisch vor, denn genau solche Sicherungen werden in einem Katalog eines bekannten Bootsausrüsters angeboten.

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Linke Seite: Glas-, Schmelz und Stecksicherungen. Rechte Seite: . . . oh, die Wippschalter, wie lustig . . .

Als er dann gegangen war, rechnete ich mit drei neuen Batterien (2 Verbraucher- und eine Starterbatterie je 100Ah ), einem neuen Landstromsystem, einem neuen Sicherungsschaltpaneel und einem neuen (gebrauchten) Batteriemonitor, denn bei meinem ginge ja eine Taste nicht, und und und . . . aber die Kabel hätte ich alle selber verlegen sollen? Mmmh, lieber mal eine zweite Meinung einholen.

Der zweite Fachmann kam letzten Donnerstag. Ich erläuterte erst mal meine Vorhaben und Ideen und machte mich dann innerlich auf eine Wiederholung gefasst. Kurzes Schweigen, dann sagte er: “Kein Problem. Wann soll es gemacht werden?” Ich stutze, . . . ‘WIE? Kein “Das geht ja gar nicht, überhaupt nicht zulässig!”, kein “OH GOTT,  was wurde denn hier verbrochen?”. Ich sollte lediglich für die Verkabelung die Verschalung der Decke entfernen. OK! Dann kamen wir zur Batterie . . . und oh Wunder, mit der war alles bestens. Er maß sowohl Starter- als auch Verbraucherbatterie durch und begutachte den Shunt, die Trenndiode und den Hauptschalter. Alles prima! Beim Wahlschalter stellte er mir dann eine entscheidende Frage: “Steht der Schalter immer auf 1 & 2?” – “Ähm, ja.” sagte ich. Seine Erklärung war so einleuchtend: “Dann erklärt das, warum du letztes Jahr auf dem Törn den Motor nicht starten konntest. Dein Verbraucherstrom wurde auch von der Starterbatterie gezogen. Und die ist eben schneller leer gelutscht. Die Batterien sind vollkommen in Ordnung und mit denen kannst du noch lange weiterfahren.” Ich lachte. Hatte ich mir doch gerade ein paar Tausender durch die vermiedene Anschaffung neuer Akkus gespart. “Was ist mir der Landverbindung? Ist die so zulässig?” hakte ich nach. “Klar, so lange beim Kabel kein Schukostecker, sondern die Kupplung drauf ist. Denn beim Stecker kann man ja böse eine gewischt kriegen.” SIEH AN! Der nette Mann kontrollierte sogar meine Windmessanlage und bestätigte dann, der Fehler müsse wohl oben am Stecker liegen. Zum Schluss hakte ich noch einmal nach: “Also, das funktioniert so, wie ich mir das hier vorstelle?” – “Ja klar, am besten, du besorgst die Sachen und wir bauen dir das fachmännisch ein. Dann hast du auch die Garantie, das alles funktioniert.” HA! . . . und nochmal HA!

Nun, damit war die Sache für mich geklärt und kurz darauf baute ich mein neues Paneel ein. Sieht gut aus, oder?

DSC_0048
neues Layout

In einem Punkt hatte der erste Elektriker jedoch recht: Seinen Stundenlohn hätte ich mir nicht leisten können . . . zu mindestens nicht NACH Begleichung der Anschaffungsliste, die er mir auf das Auge drücken wollte.

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Himmelfahrtskommando zur Rumregatta

Donnerstag war Vatertag, da meine Jungs aber nicht bei uns waren, beschloss ich Heike von einem Segeltörn über das lange Wochenende nach Flensburg zu überzeugen. Zwei Tage hin, zwei Tage zurück, so gesehen, ein Segelkurzurlaub. Andere brauchen mit dem Auto eine Stunde, aber sie würden auch nicht das erleben, was wir erlebt hatten. Und dabei war das nicht einmal geplant. Ich wollte eigentlich Heike nur die wirklich schöne Stadt zeigen, in der ich mal knapp zwei Jahre war. Aber es kam noch viel besser . . .

Der Törn diente jedoch nicht nur der Erholung, sondern auch ein wenig der Ausbildung. Heike will ja auch Erfahrung als Skipper sammeln. Ein wenig zu kurz kam mir bisher das Logbuch, denn bei kurzen (Tages-)Ausflügen führten wir es nicht. Da ich viel Erfahrung mit dem Führen von Logbüchern hatte und die freie Form gegenüber der Tabellenform bevorzuge, nahm ich ein schwarzeingebundenes Notizbuch, das mir mal ein Geschäftskontakt geschenkt hatte. 050516-0010-LogbuchFür diesen Zweck war es genau richtig. Eine Kopfzeile mit Datum und Seegebiet, eine Spalte für die Uhrzeit und eine große Spalte für alle nötigen Eintragungen, fertig. Und hier ein Auszug daraus:

Donnerstag, 05.05.2016:

1230 – Klarmachen zum Auslaufen! Auslaufskipper: Heike, Kurs und Fahrt nach Weisung. Wetter: Bedeckung 0/8, Wind aus Ost, 3-4 Bft.

1245 – Skipperwechsel, Klarmachen zum Segelsetzen! GS (Großsegel) und GI (Genua I) gesetzt.

1254 – Kurs 030, Fahrt 5kn.

1315 – Kurs 340, Fahrt 6kn. Position φ 54°31,7’N  λ 010°12,3’E; Ob (beobachteter Ort); gepeilt wurde Damp Hochhäuser 315, Kiel LT 050 und Bülk LT 190.

 

Heike führte das Logbuch
Heike führte das Logbuch

1343 – Gefahrentonne “Stollergrund Süd” 0,5 Kabel Backbord querab.

1435 – Kurs 335, Fahrt 5,4kn; Position φ 54°36,0’N  λ 010°07,0’E; Ob; gepeilt wurde Sperr-G.Tn “Schönhagen 4″ mit 340, Windrad nördl. von Brodersby mit 305.

1455 – Kurs 360, Fahrt 5,2 kn, Sperr-G.Tn. “Schönhagen 4″ in 0,5 Kbl Bb querab.

1457 – Kurs 340, Fahrt 6kn. Wind dreht auf Ostnordost, werden daher durch das Sperrgebiet segeln.

1502 – Sperr-G.Tn. “Schönhagen 3″ 1,5 Kbl Stb querab.

050516 0042 Fischkutter
fangfrischer Fisch für die Fischbrötchen in Maasholm? Vielleicht doch ein Zwischenstopp einlegen . . .

1515 – Sperr-G.Tn. “Schönhagen 2″ 3 Kbl Stb querab.

1530 – Sperr-G.Tn. “Schönhagen 1″ 6 Kbl Stb querab.

1630 – Kurs 320, Fahrt 4,3 kn, Position φ 54°43,7’N  λ 010°02,8’E; Ob; gepeilt wurde Falshöft LT 300 und G.Tn. Breitgrund Süd 010.

Ob diesmal alles glatt geht? Beim Spi hatte ich ja sonst meine Probleme . . .
Ob diesmal alles glatt geht? Beim Spi hatte ich ja sonst meine Probleme . . .

1700 – Kurs 020, Fahrt 4,6 kn, bleiben Hart am Wind um dann mit Spinnaker in die Bucht von Sønderborg zu laufen.

1735 – GI (Genua I) geborgen, Spi (Spinnaker) gesetzt, Kurs 300, Fahrt 4 kn.

050516 0097 Spinnakersetzen
. . . doch diesmal lief es glatt. Das Spi stand.

1830 – Kurs 300, Fahrt 4,6 kn; Position φ 54°50,0’N λ 009°58,3’E; Ob; gepeilt wurde Falshöft LT 183, Kalkgrund LT 257 und Kegnæs LT 028.

2000 – Klarmachen zum Segelbergen, Spi und GS geborgen, Motor an, Kurs und Fahrt nach Weisung.

2020 – Boot hat in Sønderborg Marina, Steg E, Liegeplatz 28 festgemacht, zurückgelegte Tagesstrecke: 40,2sm.

070516-0026-Sonderborg-e1462875057388Nach rund acht Stunden, in den ich mich zwei mal umgezogen hatte – von kurzer Hose und T-Shirt zu langer Hose und Windjacke und schließlich zu voller Schlechtwettermontur -, denn es war nach einer Weile ganz schön kalt im Wind, hatten wir unser Tagesziel erreicht. Die Überfahrt war im Grunde gar nicht so anstrengend. Die Wellenhöhe betrug allerhöchstens 0,75m. Sehr imposant war dabei, dass sich noch gegen Mittag am Ausgang der Kieler Förde eine Armada von Segelbooten befand, die sich aber dann alsbald in alle Richtungen, also Eckernförde, Damp, Schleimünde, Sønderborg, Einfahrt zum Lille Bælt, Marstal, Bagenkop und Fehmarn verlor. Mit uns waren noch zwei andere Segelboote unterwegs, die aber nach Hørup Havn abbogen. In Sønderborg angekommen, kontrollierte ich die Bilge . . . trocken. Dann war das Anziehen der Kielbolzen und das Abdichten der rostigen Stelle in der Bilge mit Pantera wenigstens erfolgreich. Obwohl . . . große Schräglagen hatten wir nicht, vor allem nicht auf Steuerbordbug, also abwarten. Erst einmal gab es ein Einlaufbier, dann vor dem Abendessen noch ein Gläschen Port. Mmmmh. Obwohl wir stehend k.o. waren, kochten wir uns noch Spaghetti und krochen dann kurz nach Mitternacht endlich in die Koje.

Freitag, 06.05.16:

Wir standen erst um neun auf, frühstückten in der Plicht und besprachen das Auslaufen. Wind und Wetter waren unverändert, immer noch Ostwind bei strahlendem Sonnenschein. Jedoch hatte der Wind etwas zugenommen. Während wir da noch an unserem Müsli mümmelten, versammelte sich vor der Marina eine größere Zahl alter Segelschiffe. Dutzende . . . wenn nicht sogar noch mehr. Und alle nahmen Kurs auf die Flensburger Förde. 060516 0150 Helts BankeDa fiel mir ein Fernsehbericht über eine Regatta in Flensburg ein, an der nur Traditionsschiffe teilnahmen. Ich kam bloß nicht mehr auf den Namen. Heike googlte, während ich meine grauen Zellen anstrengte. Heike war schneller: “Am 07. Mai ist die 37. Rumregatta in der Flensburger Förde. 120 Traditionssegler werden erwartet.” Toll! Aber . . . dann bestand vielleicht Gefahr, keinen Liegeplatz mehr zu bekommen. Egal. Das war ja . . . als ob ich es geplant hatte. Ein schöneres Highlight kann man sich zum Segeln nicht vorstellen, als bei einer Regatta dieser alten Schiffe hautnah dabei zu sein. Also starteten wir kurz später, um das Feld wieder einzuholen. Kurz nach elf ging es raus, von den Traditionsseglern waren nur noch die Nachzügler zu sehen. Auf Grund des stärker werdenden Windes, beschlossen wir nur mit Genua III und Großsegel zu segeln. LogbuchBei Helts Banke hatte ich dann auch schon das letzte Schiff der Teilnehmer erreicht. Der Wind stand eigentlich gut für einen zügiges Durchsegeln durch die Förde. Wir passierten die Tonne 1 und drehten ins Fahrwasser. Heike führte weiter fleißig das Logbuch. Mit Schmetterling waren wir an ein, zwei Teilnehmern vorbei und bogen hinter der Tn 3 nach Stb auf einen Hart-am-Wind-Kurs. Mit dem Kurs um die 360° konnten wir recht dicht an der Tonne 6 vorbeifahren und segelten danach auf raumschots-Kurs zur Enge von Holnis.

meine alte Alma Mater . . . das rote Schloss am Meer, oder kurz "die Burg", die Marineoffiziersschule Mürwik
meine alte Alma Mater . . . das rote Schloss am Meer, oder kurz “die Burg”, die Marineoffiziersschule Mürwik

Hier wurde es in der Tat nochmal eng, da insbesondere die größeren Traditionssegler lieber im Fahrwasser bleiben wollten. Also scherten wir aus und hielten uns links davon. Tief genug war die Förde ja hier. Inzwischen hatten wir rund ein Drittel des Feldes eingeholt und näherten uns der Linie Glücksburg – Ochseninsel. Schloss Glücksburg kannte Heike, aber leider kann man es von der Förde aus nicht sehen. Gelegentlich fiel der Wind anders ein, aber im Schnitt blieben wir bei 6 kn Fahrt. Heike machte viele Fotos, denn überall um uns herum gab es schöne Segler zu sehen. Dann sagte ich fast beiläufig: “An Backbord kommt jetzt die Burg.” – “Welche Burg?” –  “Na, die Offiziersschule.”

es wird voller auf der Förde
es wird voller auf der Förde

Kurz darauf waren wir bereits im Hafenbereich und hier wurde es zunehmend voller und enger. Ein paar Boote kamen uns entgegen, aber die meisten strömten rein auf der Suche nach einem Liegeplatz. Am Museumshafen legten die Traditionssegler an, teilweise als siebtes Boot im Päckchen! Wir wollten in die Marina gegenüber von der Altstadt. Und da wir noch sehr flott unterwegs waren, ging plötzlich alles sehr schnell . . . “Klarmachen zum Segelbergen! Fender raus! Vorleinen klarmachen! Klarmachen zum Anlegen!” Schon standen wir vor einer freien Box, aber für Heike war ich diesmal viel zu schnell. Also nochmal unter Motor zurück, festgestellt, dass der Propeller gelegentlich doch noch Mätzchen macht und dann langsam in die Box rein. “Boot hat in Flensburg ‘Im Jaich’, Steg F, Liegeplatz 23 festgemacht.” Wir erledigten die üblichen Arbeiten nach dem Anlegen: Vorsegel abschlagen, Persennig über den Baum und zum Abschluss das Einlaufbier. Beim Hafenmeister wollten wir dann Brötchen für das Frühstück bestellen, aber den Service gibt es nicht mehr. Dafür verriet er uns einen guten Bäcker.

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bei so vielen Masten hatte man Mühe, die Traditionssegler noch auseinander zu halten

Am Nachmittag bummelten wir etwas durch die Altstadt, bevor wir im “Kritz” am Nordermarkt Essen gingen. Sehr lecker und ausgesprochen preisgünstig. Danach bummelten wir an der Hafenkante noch bis zum Museumshafen und bewunderten in der Museumsweft die handwerklichen Fertigkeiten der Bootsbauer von früher. Leider machte die Werft aber just dann zu. So schlenderten wir noch etwas rum und trafen auf eine alte Bekannte: die Activ. Letztes Jahr lag sie im Hafen von Ballen auf Samsø, als wir bei unserem Sommertörn dort anlegten. Vorbei an “Hansen’s Brauerei” ging es zu “Papas Imbiss”. Hier gibt es die besten Pitas weit und breit. Eigentlich waren wir ja satt, aber irgendwie musste das noch mitgenommen werden. Danach machten wir uns dann auf den Rückweg zum Boot und genossen noch einen Port als Absacker.

Samstag, 07.05.16:

Das Porticus von 1740. Oben drin ist ein Kleinsttheater für Kabarett, leider nur für Abonnenten.
Das Porticus von 1740. Oben drin ist ein Kleinsttheater für Kabarett, leider nur für Abonnenten.
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Flensburg

Um halb neuen standen wir auf und gingen nach dem Waschen zu dem Bäcker, den uns der Hafenmeister empfohlen hatte. “Migge’s Danish Bakery” in der Breiten Straße, nicht weit vom Porticus, ist der GEIHEIMTIPP schlecht hin. Die Rundstykke und Vollkornboller sind echt lecker, aber die Schokozimtschnecke . . . ein Gedicht! Und weil da ein paar sehr lecker aussehende Kuchen in der Auslage waren, nahmen wir uns noch eine Marzipannusstorte für später mit. Mit den Brötchen und der Torte ging es zurück auf das Ostufer der Förde. Im JaichDer Yachthafen liegt malerisch eingebunden an der Stelle des alten Fischerhafens.

Beim Frühstück sahen wir dann die Traditionssegler ablegen. Um 11 Uhr war Regattastart. Auch wir wollten um 11.00 los und so beeilten wir uns mit Seeklarmachen und Abwasch.

1110 – Klarmachen zum Auslaufen! Motor an.

1120 – Klarmachen zum Segelsetzen! GS und G III gesetzt. Motor aus.

1135 – Kurs 030, Fahrt 6 kn.

1149 – Tn 13 Bb querab 20m.

Die Rumregatta auf der Kreuz von Wassersleben bis Holnis Enge und zurück
Die Rumregatta auf der Kreuz von Wassersleben bis Holnis Enge und zurück

Wir hatten das Feld recht schnell erreicht. Die letzten Nachzügler segelten aus der Kupfermühler Bucht Richtung Glücksburg rüber. Zwar hatte ich mit Wind von Steuerbord eigentlich Vorrang, aber ich war ja kein Regatta-Teilnehmer und wollte das Rennen nicht beeinflussen, also wich ich aus, wenn es eng wurde. Manchmal jedoch kam ich den Booten sehr nahe, näher als es dem einen oder anderen lieb war. Aber da wir sehr schnell unterwegs waren, 6 – 7kn, und die Rasalhague sehr wendig ist, wusste ich, wie dicht ich gehen durfte.

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meist betrug der Abstand 50-100m, wenn es mal “eng” wurde . . .

Dann kam uns außerhalb des Fahrwassers an Backbord ein altes Motorboot entgegen, vielleicht noch 4 oder 5 Kabel weg. Ich hatte den Wind von Backbord und das Segel fing an zu killen, weil der Wind hier auf der Glücksburger Seite verwirbelt wurde und schwächer war. “Klarmachen zur Wende.” Mit Heike gelang die Wende wieder super schnell und unsere Fahrt fiel nicht unter 3 kn. Kaum hatte ich den neuen Kurs angelegt, kletterte die Anzeige auf der Logge wieder hoch, 4,5 . . . 5,3kn. Soweit war alles gut. Nur . . . das Motorboot kam jetzt von Steuerbord querab näher und näher und änderte nicht den Kurs. Noch war es eine stehende Peilung, aber ich wurde ja auch noch schneller. Die Logge zeigte schon wieder 6,3 kn an. Ich guckte sehr aufmerksam zum Motorboot rüber und wollte schon fast zur Tröte greifen, da sah ich, dass der Skipper des Motorbootes die ganze Zeit nach Steuerbord geguckt hatte und erst 20 oder 30m von uns entfernt die Rasalhague gewahr wurde. Sofort gab er ein Warnsignal und schoss aus seinem Steuerstand hervor. “Mann, du bist doch Kurshalter! Was soll denn das? Lern doch erst mal Segeln!” schimpfte er rüber. Beinahe musste ich lachen! Aber mir ist das schon häufiger aufgefallen, dass manche Leute von ihren eigenen Fehler mit Angriffen und Beschuldigungen ablenkten. Vermutlich bezog er sich auf die Regel 14 der KVR, übersah dabei aber offensichtlich, dass diese nur für zwei Maschinenfahrzeuge in Fahrt auf entgegengesetzten Kursen gilt. Ich jedoch war unter Segeln unterwegs und konnte mich daher auf Regel 18a Nummer 4 berufen: “Ein Maschinenfahrzeug in Fahrt muss einem Segelfahrzeug ausweichen.” Und da ich nun mal den Wind brauchte, um manövrierfähig zu bleiben, war mein Manöver völlig korrekt. Aber diese Ignoranz war dennoch ärgerlich. Gott sei Dank blieb mir aber kaum Zeit mich über den Vorfall weiter zu ärgern, denn schon hatte ich die nächste Situation zu meistern.

mit Zuversicht an der "Zuversicht" vorbei
mit Zuversicht an der “Zuversicht” vorbei

Ein Traditionssegler kam mir von Steuerbord mit Wind von Steuerbord in die Quere. Hier war ich eindeutig ausweichpflichtig und drehte an. Die Genua killte, da ich schon hart am Wind fuhr und durch das Andrehen beinahe eine Wende einleitete, doch ich hatte Zuversicht, dass der andere Segler schnell vor mir durch ging, so dass ich wieder hart an den Wind gehen konnte. So war es dann auch. Mit einem Abstand von nur 20m passierte ich durch sein Kielwasser. Der Skipper der Zuversicht hatte nichts zu meckern. Segler sind halt entspannter! Aber ein paar freche Jungs an Bord nahmen uns unter Beschuss und warfen Wasserbomben nach uns. Die Würfe gerieten jedoch alle zu kurz.

Als wir an der Ochseninsel vorbei waren, lichtete sich das Feld und der Wind wurde stärker. Heike übernahm das Steuer und kreuzte weiter die Förde raus. Inzwischen hatten wir die Activ überholt und vor Holnis Enge war dann auch die Spitze des Feldes erreicht und wir verließen damit die Regatta. Ich löste Heike am Steuer ab und kreuzte durch die Enge, während Heike durch Peilungen unseren Ort bestimmte. Nicht, das wir dem GPS nicht trauten, doch alleine darauf soll man sich ja auch nicht verlassen. Und Peilen muss auch geschult werden. Unsere beobachteten Orte waren alle ziemlich dicht an der GPS-Position. Also waren unsere Peilungen gut und das GPS mal ausnahmsweise genau. Der letzte Schlag aus der Enge heraus sollte an Tonne 6 vorbeiführen, jedoch schob uns die Winddrift und der etwas schwächer werdende Wind mehr nach Steuerbord. So würde ich die Tonne auf der Backbordseite lassen. Ich wusste, dass dort eine flache Bank ist. Heike kontrollierte die Wassertiefen . . . “1,20m” – “MIST, also Klarmachen zur Wende!” Mit zwei schnell hinter einander ausgeführten Wenden kamen wir dann backbords der Tonne 6 vorbei. Oh ja, da schillerte das Wasser ganz helltürkis. Immer ein Zeichen für flaches Wasser. Die restliche Fahrt des Tages wurde dann von einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem  ähnlich großen Boot bestimmt. Zwar konnte das andere Boot höher an den Wind gehen, dafür waren wir aber mit 7,3kn schneller. 070516-0390-OchseninselSeinen Vorsprung durch die Höhe mussten wir bei der nächsten Wende doch schnell wettmachen. Also wendeten wir und gingen ein Kabel hinter ihm durch. Als er seinen Wendepunkt erreicht hatte, freute ich mich still, denn seine Wende sah nicht besonders gut aus. Das Segel killte und . . . wurde eingeholt, och Mann! Spielverderber!

ein kleines bisschen wie Urlaub, aber mit ganz viel Erholung!
ein kleines bisschen wie Urlaub, aber mit ganz viel Erholung!

Um halb fünf legten wir wieder in Sønderborg an. Einlaufbier und . . . MARZIPANNUSSTORTE. Was für eine Geschmacksexplosion! Eine bessere Torte habe ich in meinem ganzen Leben nicht gegessen! Allein die Torte war den Törn nach Flensburg wert. Die Torte war so lecker, das wir es gar nicht geschafft haben, davon ein Bild zu machen. Müssen wohl noch mal hin . . .

Anschließend machten wir noch einen Spaziergang und genossen die Abendstimmung in der Marina. Schon letztes Jahr fiel mir auf, dass dieser Yachthafen sehr schön angelegt wurde. Erstaunlich fand ich jedoch, das immer noch rund 20 – 30 Boote im Winterlager standen und erst noch geslippt werden mussten.

die Palmen täuschen, es ist Sonderborg und nicht St. Tropez
die Palmen täuschen, es ist Sonderborg und nicht St. Tropez
Sundowner oder Absacker? . . . auf jeden Fall zum Schluss noch ein Port!
Sundowner oder Absacker? . . . auf jeden Fall zum Schluss noch ein Port!

 

 

 

 

 

Sonntag, 08.05.16:

Heike genoss den Törn sichtlich
Heike genoss den Törn sichtlich
080516 0452 Schleimünde
Schleimünde

Der letzte Tag unseres Törns. Und vor uns lagen wieder an die acht Stunden Segeln. Gegen halb neun legten wir ab und kreuzten dann aus der Bucht von Sønderborg. Bis wir Kalkgrund Leuchtturm passiert hatten, waren bereits zwei Stunden vergangen. Der Wind kam konstant mit 5 Bft aus Ostsüdost. Die Wellen nahmen zu und erreichten schon eine durchschnittliche Höhe von 1m. Gelegentlich waren es auch mal 1,5m. Gegen Mittag standen wir dann vor Schleimünde und überlegten, ob wir nicht doch auf ein Fischbrötchen nach Maasholm sollten, aber da erstens sehr viele Segler da rein wollten und uns zweitens der Abstecher locker zwei Stunden kosten würde, verzichteten wir drauf. Also ging es weiter mit Kurs 150 und Fahrt um die 7 kn.

Unser Kurs führte uns westlich am Sperrgebiet Schönhagen und auch westlich vom Stollergrund entlang. Deutlich konnten wir Laboe und auch den LT Bülk ausmachen. Laboe war rechts hinter Bülk zu sehen und da wir den Kurs mit 120 weiter nach Osten absetzen mussten, ergab sich die Gelegenheit, Bülk und Laboe in Deckung zu bringen und mit der Peilung von Kiel LT die richtige Entfernung zu ermitteln. Ich peilte Bülk und Laboe in 167° und Kiel LT in 070°. Die Positionsermittlung ergab, das wir mit 4 Kabeln dichter ans Ufer kamen als gewollt, aber da die Tiefe noch etwa 5m betrug, war alles gut.

Die letzten Eintragungen aus dem Logbuch:

1610 – Kurs und Fahrt nach Weisung, Klarmachen zum Segelbergen, GS und GIII geborgen, Motor an, Klarmachen zum Anlegen.

Einlaufen in den Heimathafen
Einlaufen in den Heimathafen

1620 – Boot hat in Schilksee, Promenadensteg, Liegeplatz 523 festgemacht, Boot Seeklar zurück, zurückgelegte Tagesstrecke: 48,1sm.

Insgesamt hatten wir somit 138,5sm in den vier Tagen bewältigt und das komplett unter Segel.

BESSER GEHT ES DOCH GAR NICHT!

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Erstes Segeln mit Freunden

Vor ein paar Wochen halfen mir zwei Freunde beim Mastsetzen, Gerd und Rostja. Natürlich dachte ich schon daran, sie mal mit segeln zu lassen, ist ja schließlich das Mindeste. Mir kam aber auch die Idee, das regelmäßig zu machen. Wir verabredeten jeden Dienstag nach getaner Arbeit noch ein wenig segeln zu gehen. Aber schon der erste Termin fiel wegen SCHNEEFALL aus! Ja, der April hatte sich für den Schluss noch etwas Winter aufgehoben. Na gut, also dann nächstes Mal.

Am Sonntag werkelte ich mit Heike noch ein wenig rum, obwohl das Wetter zum Segeln einlud – es war zumindest sonnig – war uns nicht danach. Mich nervten allmählich die Baustellen an Bord. Ich wollte endlich die Logge anschließen. Mit etwas Geduld und Tüftelei hatte ich dann das Koaxialkabel verlängert, denn das war tatsächlich 20cm zu kurz. Nun galt es den Traveller abzubauen, die Dacklukengarage zu entfernen und das Anzeigengehäuse abzuschrauben. Die Schrauben waren schnell gelöst, aber Dachlukengarage und Anzeigengehäuse waren mit Dichtungsmasse schön verklebt. Dann kam uns der Gedanke, das genauso zu machen wie beim Mast. Also klebten wir einen dünnen Tampen mit Gewebeband an das Datenkabel der Windmessanlage, welches vorher ein Stück herausgezogen wurde. Anschließend zog ich das Kabel wieder durch die Bohrung im Anzeigegehäuse und im Kajütdach zurück, während  Heike Kabel und Tampen von oben durch die schmale Bohrung nachführte. Das klappte auch ohne Probleme. Damit hatten wir parallel zu den bereits vorhandenen zwei Datenkabeln jetzt auch den Tampen gelegt, mit dem wir das Datenkabel der Logge dann durchziehen wollten. Im nächsten Schritt verbanden wir den Tampen mit dem Datenkabel der Logge und zogen nun am Tampen. Keine Chance. Das Kabel passte nicht mehr durch die Bohrung und schon bei etwas mehr Zug rutschte der Tampen aus der Verbindung raus. Also bohrte ich das Dach an der Stelle etwas weiter auf und nun klappte auch das Durchziehen des Kabels. Nachdem ich die Verkleidung des Kajütdachs wieder montiert hatte, wollte ich wenigstens die Logge testen. “Klarmachen zum Auslaufen!” Heike sprang auf die Back und ruckzuck waren wir fertig. Langsam zog ich raus aus der Box . . . keine Anzeige auf der Logge. Dann kuppelte ich auf voraus und mit Schwung drehten wir nach Backbord raus aus dem Schlengel . . . DA, es tat sich was . . . 2,4kn . . . HURRA! Endlich mal eine Installation, die erfolgreich verlief!

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Einen “Steuerbordgroßobermarsmittelgording” sucht man hier vergeblich

Am Montag sollte schönes Wetter sein, aber wenig Wind. Das wollte ich ausnutzen. Also schrieb ich meine Kumpels an und Gerd fand auch Zeit um Segeln zu gehen. Am Nachmittag trafen wir uns also am Boot und ich zeigte ihm Schritt für Schritt, wie das Boot ‘Klar zum Auslaufen’ gemacht wurde. Sicherlich waren die ganzen Fachbegriffe etwas viel, aber ich erinnerte mich an meine Zeit auf der Gorch Fock, wo wir in kürzester Zeit die 180 Belegnägel richtig benennen können mussten – und jeder davon hat einen sehr eigenwilligen Namen . . . “Vorstengestagniederholer” oder “Steuerbordgroßobermarsmittelgording” sind nur ein paar davon. Oh Mann! Mir fällt auf, dass ich das alles noch nach 20 Jahren weiß. Puuuh! Vielleicht erklärt das auch die genaue Bezeichnung des “Backbordbackskistendeckels”. Ok, ok. Ich sehe ein, die Rasalhague ist nicht die Gorch Fock und ich will es nicht übertreiben. Nachher segelt niemand mehr mit, weil das Vokabular zu schwer wird. Ich bleib aber dennoch bei “Steuerbordvorschot” und sag nicht “die gelbe Schnur da rechts”.  Das geht einfach gegen meine Seemannsehre!

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sehr entspannt der Abendsonne entgegen

Aber zurück zu Gerd. Ruhig erläuterte ich ihm alle Schritte, zeigte ihm die wichtigsten Knoten und so legten wir sehr entspannt und bilderbuchmäßig ab. Draußen war es etwas, wenn auch nur wenig windig. Gerd enterte auf die Back und zog Groß und Genua I hoch. Wir segelten bei Ostwind mit 3 bis 5kn Richtung Fahrwasser. Auf der Logge war tatsächlich der Wert um bis zu 0,6kn größer. Es war erstaunlich wenig los. Aber vermutlich mussten Etliche noch arbeiten oder es war ihnen noch nicht warm genug. Na, für T-Shirt reichte es aber schon! Ein Stückchen ging es raus, dann verließ uns der Wind. DSC_0006Ich suchte zwar noch nach Windfeldern, aber viel tat sich nicht. Dann drehte der Wind wieder einmal auf Südost bis Süd und frischte rasch auf. Mit gut 5kn ging es wieder zurück in den Hafen. Schnell noch das Segel ordentlich gepackt und das Boot ‘Seeklar zurück’ gemacht, dann gab es auch das verdiente Einlaufbier!

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links das GPS mit 6,1kn (links oben) und in der Mitte (oben) die Logge mit 7,3kn.

Gestern, also Dienstag, sollte der Wind weiter auffrischen. Für den späten Nachmittag waren um die 4 Bft vorhergesagt. Ich holte Rostja nach einem nervigen Termin beim Optiker in der Stadt ab und wir fuhren raus nach Schilksee, machten das Boot ‘Klar zum Auslaufen’ und schon ging es raus. Ja, der Wind war schon deutlich kräftiger als tags zuvor. Schon als das Groß gesetzt war, neigte sich die Rasalhague auf die Steuerbordseite. Diesmal kam der Wind aus Westen und so halsten wir ein wenig in der Strander Bucht hin und her, bevor ich mit Schmetterling zum Fahrwasser ‘vorm Wind’ segelte. Dabei zeigte uns das Display Werte um die 5 bis 6,5kn an . . . die neue Logge gefällt mir. DSC_0008 Weiter draußen nahmen wir dann bei halben Wind von Backbord Kurs auf den Leuchtturm Kiel und jetzt kamen erstaunliche 7,7kn zustande. Das GPS dagegen zeigte gerade mal 6,3kn an. Ich erläuterte Rostja den Unterschied zwischen Fahrt über Grund (FüG) und Fahrt durchs Wasser (FdW). Jedoch konnte ich mir dabei selbst nicht erklären, warum die Logge bei Wind von achtern einen höheren Wert anzeigte als das GPS. Eigentlich müsste es der gleiche Wert sein und unter Annahme von Windstrom dürfte allenfalls das GPS den höheren Wert anzeigen. Wir grübelten . . . ach egal, wir nehmen den höheren Wert! Sieht geiler aus und hört sich besser an! Kaum um Bülk herum, kam die Windsee aus der Eckernförder Bucht. DSC_0013Jetzt lag die Rasalhague schon mit 45° auf der Steuerbordseite. Herrlich! Allerdings dachte ich auch an meine Kielrumpfverbindung und war zuversichtlich, dass kein Wasser mehr eindringen würde. Ich ließ Rostja steuern und dann wendeten wir mit der Kabeltonne als Wendeboje. Zurück ging es bei halben Wind, später hart am Wind und wir brauchten für die Strecke nicht ganz eine Stunde. Immer wieder krängte das Boot, jetzt nach Backbord, und siehe da . . . Rostja meldete Wasser auf den Bodenplatten im Salon. OHHHH NEIN! Noch hatte ich die Hoffnung, dass das Wasser vom Frischwasserbunkern stammte, aber im Hafen sah ich dann . . . leicht rostig . . .  und es schmeckte salzig. MIST! Zugegeben, wir haben viel Krängung gehabt, aber nach drei Stunden schon rund 1 Liter? VERFLUCHTER MIST! Ich werde nochmal versuchen, die Kielbolzen festzuziehen, vielleicht hilft das. Na, auf jeden Fall zischten wir anschließend noch ein Einlaufbier.

Nächste Woche geht’s wieder raus, selber Ort, selbe Zeit!

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