Sommertörn 2016 – Teil 2: Von der Kreidezeit bis Pipi Langstrumpf

Tag 5 – Freitag, 12. August 2016:

5. Etappe: 34,8 sm
5. Etappe: 34,8 sm

In Vordingborg hätten wir uns gerne mehr umgesehen, doch ein zu reparierendes Segel hatte Vorrang. Wir wägten noch ab, ob wir jetzt  zum Segelmacher fahren sollten oder darauf hoffen, dass es einen in Klintholm – unserem nächsten Stop – geben würde. Wir entschieden uns, noch mit der Groß im 2. Reff weiter zu segeln bis Klintholm. Wenn es hier keinen Segelmacher geben würde, dann in Malmö oder noch später. Irgendwo würde es schon einen Segelmacher geben. Also legten wir allerdings erst um 11:25 Uhr ab und kreuzten wieder den Kalvestrøm – diesmal nach Süden bis zur Einzelgefahrenstelle und gingen dann auf Kurs 135° unter der DSC_0632Falster-Farø-Brücke hindurch in den Grønsund. Die Wolken wurden dichter, die Sicht verschlechterte sich etwas. Dennoch gab es hin und wieder Momente, wo die Sonne durch eine Lücke brach. Während wir so dahinsegelten, malten die Jungs Fantasiefische . . . “Green Hunter”, “Colorful Box” oder “Blue Spray” waren nur einige dieser überaus gefährlichen Kreaturen, denen ich weder in der Fantasie noch im realen Leben begegnen wollte.  DSC_0636

In der Karte war angegeben, dass einige Leuchtfeuer hier in Häusern zu suchen seien. Gegen 13:40 kamen wir an Stubbekøbing vorbei. Auf der Nordseite kam der Steinwall zwischen Bogø und Møn. Voraus sah ich bereits den kleinen Hafen Hårbølle. Rechterhand kam die Landzunge mit dem Ober- und Unterfeuer Grønsund in Sicht. Allerdings sahen wir die Rückseite, denn die Markierung diente dem Fahrwasser Hestehoved Dyb auf der Rückseite der Landspitze Skansepynt. Wir konnten bei Hart am Wind bis zur Ansteuerung des Nyt Løb segeln, danach wurde es aber mühseliger. Heike drehte auf Kurs 200° an und lag beinahe im Wind. Uns kamen einige Segler entgegen und im engen Fahrwasser war es nun schwierig, DSC_0650auf der richtigen Seite zu bleiben. Wir erreichten schließlich die südliche Ansteuerung des Hestehoved Dyb und gingen auf Backbordbug mit Kurs 080° geradewegs auf die Kardinaltonne “Tolkebarren Süd” zu.

DSC_0656Unser nächster Kurs führte uns mit 050° über das offene Meer . . . also quer über die Hjelmbugt bis nach Klintholm. Der Wind und die Wellenhöhe nahmen zu und Bjarne hatte reichlich zu tun um den Kurs zu halten. Vor Klintholm galt es dann die Segel zu bergen. Heike turnte schon wieder auf der Back umher, dennoch wird mir immer ganz mulmig, wenn ich ihr dabei auch nur zusehe. Das Vorschiff hebt und senkt sich gegen die Welle schon ziemlich heftig. Unter Motor schlingerten wir dann Richtung Hafeneinfahrt, wo die Wellen an die Mole brandeten. Erst als wir im zweiten Hafenbecken waren, wurde es ruhiger. Eine freie Box zu finden, war schon schwieriger, denn es war kurz vor sechs und bei dem Wind hatten einige Schwedenfahrer sicherlich eine Pause eingelegt. Wir fanden eine freie Box an Steuerbord. Ich drehte mit Hartruder an und hantierte mit den Fahrtstufen. Der Wind drückte uns stark nach Backbord rüber. Heike hatte die Steuerbordheckleine gerade um den Dalben legen wollen, verpasste ihn aber und warf dann die Leine über. “Nicht werfen!” sagte ich noch, aber schon klatscht die Leine ins Wasser . . . DANEBEN. Es dauerte auch nur wenige Sekunden und schon war der Motor aus. OCH NÖ! Nicht schon wieder! Die Leine hatte sich um die Welle gewickelt. Ach verflixt! Ich brachte schnell eine Ersatzleine aus und wir verholten das Boot mit den Leinen weiter in die Box. Na gut, heute würde ich aber nicht mehr tauchen gehen. Nein, das machte Heike, die sich schon ihren Neopren angezogen hatte. Ihr Tauchgang blieb aber leider erfolglos. Die Leine hatte sich an einer Opferanode verhakt. Wir legten die Leinenende auf die Winschen und versuchten sie so frei zu bekommen, doch es rührte sich nichts. Das Problem vertagte ich auf später.

DSC_0675Beim Hafenmeister erfuhr ich, dass in der Nähe ein Segelmacher wäre, der das Segel abholen würde. Also riefen wir ihn an und er meinte, über Nacht wäre das Segel fertig. WOW! Das war mal eine Nachricht! “Ist das Segel trocken?” fragte er in gutem Deutsch. “Ähm nein, es hat vorm Einlaufen ziemlich geregnet.” sagte ich. “Oh, dann muss es erst mal trocknen und ich müsste auch mal die Stelle des Risses sehen. Vielleicht erst Samstagnachmittag.” Mir war das jetzt egal, denn mit dem Riß weiterzufahren war keine wirkliche Option. Der Wind würde weiter abnehmen und dann? Der Segelmacher kam noch am Abend vorbei und begutachtete das Segel. “Ich weiß nicht, ob ich noch so viele von diesen Mastrutschern habe. Kann sein, dass die Reparatur nicht klappt, weil der Riss direkt an einem Reffauge liegt. Ich werde mich melden. Spätestens Sonntagnachmittag bekommen sie das Segel wieder.” Ok, dann hatte ich ja auch Zeit, mich um die Leine zu kümmern. Den einen Tag Pause konnten wir hervorragend für einen Ausflug zu Møns Klint verwenden.

Tag 6 – Samstag, 13. August 2016:

Noch vor dem Frühstück zog ich mit Badehose und Taucherbrille aus, um die Leine von der Welle zu bekommen. Das Wasser war kalt. Leider passt mir Heikes Neopren nicht . . . also vielleicht einmal schon, aber danach würde er keinem mehr nützen. Ich tauchte ab und konnte erkennen, was Heike mir am Vorabend berichtete. Die Leine hatte sich zwischen die Anode und den Wellentunnel geklemmt. Ich ließ mir von Heike das eine Ende geben, tauchte auf die andere Seite und holte das Ende durch. Mit den Füßen stemmte ich mich gegen den Rumpf und beim zweiten Versuch gab es einen Ruck und die Leine war frei. HURRA!

DSC_0714Gegen Mittag packten wir ein paar Sachen und ich schulterte den Rucksack. Bis zu den Kreidefelsen waren es vielleicht 5 km, also anderthalb Stunden zu Fuss. So marschierten wir los. Bei einem Altenheim in Klintholm mussten wir uns dann kurz unter das Vordach stellen, weil es zu regnen anfing. Plötzlich ging nehmen uns ein Fenster auf und eine nette Frau gab den Jungs Gummibärchen. Ein Haribo-Walk-in! DSC_0722Wir wanderten weiter, den Schildern nach Møns Klint folgend. Die Straße führte dann in einen Wald und weiter aufwärts. Zuerst kam ein Parkplatz und dann das Geocenter. “Das gucken wir uns nachher an, lasst uns erstmal zu den Klippen.” verkündeten Heike und ich unisono. Vom Aussichtspunkt hatte man nur wenig Einblick auf die Klippen, also machten wir uns auf den Weg runter. Außerdem sollte man unten am Strand auch noch echte Fossilien finden können. Wir stiegen die Stufen runter . . . es waren viele . . . und mir dämmerte, dass dies auch der Weg wieder rauf sein müsste. Na, etwas Bewegung schadet ja nicht. Unten angekommen, machten sich Nils und Bjarne sofort auf die Suche nach den Fossilien. DSC_0755Tja, aber da lagen natürlich keine einfach so rum. “Die sind in der Kreide” sagte ich zu Nils. Also fing er an, kleine Brocken aus der Wand zu schlagen (was übrigens erlaubt ist) und guckte wieder enttäuscht. Aber nach ein paar Fehlschlägen spaltete er einen Stein und . . . tatsächlich, eine Muschelschale war zu erkennen. Die Kinder fanden noch ein paar Abdrücke von anderen Schalentieren in der Kreide. Unter den Felsen war der Strand gesäumt von Feuersteinen. Ich guckte so vor mich hin und entdeckte einen merkwürdigen Stein: “Nils, heb doch mal diesen da auf.” Er kam mit einer versteinerten Schnecke zurück. Und da die Kreidefelsen ja aus der Kreidezeit stammen, ist sein Fossil mindestens 65 mio. Jahre alt. Toller Fund!

Um den Aufstieg zu überstehen und sich vielleicht selbst dabei zu motivieren, zählten wir die Stufen. Oben angekommen hatten wir aber drei verschiedene Ergebnisse. Mmh? Wir einigten uns auf “über 500″. Es war inzwischen Viertel vor fünf und das Geocenter schloss bereits um fünf. Bjarne zog eine Schnute. “Hey, wisst ihr was, nächstes oder übernächstes Jahr geht unser Sommertörn nach Bornholm, da kommen wir hier vorbei und schauen uns dann das Geocenter an.” schlug ich vor. Das war zähneknirschend akzeptabel. Na gut, zurück wollten wir dann den Bus nehmen, der kurz nach fünf auch fahren sollte. Tja, aber er kam nicht. Wenigstens fuhr der letzte Bus um sechs dann noch. In Kintholm verputzen wir dann noch ein paar Pølser. Das gehört natürlich auch zu jedem Dänemarkurlaub dazu.

Tag 7 – Sonntag, 14. August 2016:

Den Tag verbrachten wir mit Wäsche waschen und anderen Dingen, vor allem aber warten auf den Anruf vom Segelmacher. Es kam aber kein Anruf. Ich wurde allmählich unruhig. “Kommt das Segel bis zwei zurück, segeln wir nach Schweden in die Nacht hinein. Später als zwei und wir bleiben hier.” gab ich bekannt. Das Segel kam am späten Nachmittag. DSC_0049Der Segelmacher, ein sympathischer immigrierter Holländer, sagte aber noch: “Es hat seine beste Zeit hinter sich, lange macht es nicht mehr. Hat auch eine lange Zeit gehalten.” Ja, ich hatte mich bereits zur Neuanschaffung eines Großsegels im Winterlager entschlossen. Ich zog es wieder ein und machte das Boot soweit seeklar, damit wir am folgenden Tag gleich nach dem Frühstück ablegen konnten.

Tag 8 – Montag, 15. August 2016:

6. Etappe: 40sm
6. Etappe: 40sm

Früh aufstehen, schnell frühstücken und . . . huch! Es war erst 09:10 Uhr! Wir legten ab, denn heute stand der lange Schlag nach Schweden auf dem Programm. Würden wir es schaffen? War der Wind günstig? Der Wind hatte auf West bis Nordwest gedreht und deutlich nachgelassen. Gleich hinter der Hafenmole konnten wir nicht auf Ostkurs gehen, denn da waren noch etliche Fanggeräte ausgebracht. Mit mehr als einer Meile Abstand zum Land krochen wir um das Kap herum. Der Wind nahm immer weiter ab. Die imposanten Kreidefelsen hatten wir an Backbord. DSC_2519Die hohen Klippen (ca. 130m) verwirbelten den Wind und erzeugten lange Windschatten. Da steckten wir mitten drin. Immer wieder kam etwas Wind auf, so entgingen wir der Schmach, den Motor anzuwerfen. Eigentlich stand der Wind günstig für uns.

Ich holte das Spi aus der Backskiste. Vorher holte ich aber noch einen Block aus dem Reserve-Vorrat und montierte diesen mit einem Schäkel am Bugkorb. DSC_0881Jetzt friemelte ich die Bergesackleine da durch und band sie ans untere Ende des Bergesacks. Das andere Ende war bereits mit dem oberen Ende verbunden. Mal sehen, ob ich so endlich das Spi leichter setzen konnte. Und tatsächlich, ohne Probleme ging der Sack hoch, das Segel kam schön frei und entfaltete sich nur leicht hinter der Genua. Na gut, dann halt die Genua noch runter. Und schon ging die Post ab . . .

Mit halben Wind rauschte die Rasalhague unter Spinnaker über das offene Meer, immer Kurs 050° auf die Südküste Schwedens zu. Hinter uns wurden die Klippen von Møn langsam kleiner. Vor uns war aber immer noch kein Land zu sehen. Oder doch? Am Horizont waren ein paar Segler, die auch auf Nordostkurs nach Südschweden oder Bornholm unterwegs waren. In einigem Abstand konnten wir zwei größere Fähren ausmachen. Das mussten bestimmt welche sein, die Trelleborg anliefen. Da Trelleborg aber keine nennenswerte Marina hat und wir nicht zwischen den Fähren liegen wollten (ich hatte ein Bericht gelesen, der von unruhigen Nächten auf Grund des Fährbetriebs sprach), lag unser Tagesziel ein bisschen weiter östlich. Das kleine Fischerdorf Gislövs Läge. Inzwischen konnten wir die Küste gut ausmachen und steuerten auf die Ansteuerung zu. Allerdings war das nur ein Punkt auf der Karte, denn eine Ansteuerungstonne gibt es nicht. Im Hafenbuch stand aber, man solle sich möglichst genau an die Rinne halten, denn es gäbe größere Steine abseits von der Ansteuerung. DSC_0921Endlich konnten wir das erste Tonnenpärchen ausmachen. Während ich weiter auf die Hafeneinfahrt zu hielt, ließ ich Heike das Spi bergen. Nur mit Groß ging es in den Hafen. Im Hafenbecken kam dann auch die Groß runter und als wir auf einen Steg zu hielten, rief uns schon eine Frau an, hier wäre alles voll. Mist, denn hier waren nicht alle Liegeplätze tief genug. Also zum nächsten Steg. Gerade voraus an der Außenmole lagen ein paar größere Boote, da sollte es mit unserem Tiefgang kein Problem geben. Aber mit der Box gab es dann Probleme, denn Dalben suchten wir hier vergeblich. Hier ragten nur dünne Metallstege von der Pier ins Wasser, die am Ende auf Plastikschwimmern lagerten und nur eine Öse für die Heckleine anboten. Das überraschte unsere eingespielte Crew. “Vergiss die Heckleinen! Erst den Bug festmachen!” rief ich Heike zu.  Der Wind drückte so kräftig von achtern in die Sprayhood, dass das Boot mit der Nase die Pier berührte. Klar, jetzt fehlten ja auch die Heckleinen, die uns gebremst hätten. DSC_0910Das Boot war vorne fest, jetzt balancierten Heike und Bjarne auf dem Metallträger mit der Heckleine bis zum Schwimmer und machten uns fest. Neben uns lag eine recht neue Dehler 35, deren Skipper zwei Monate in der Ostsee unterwegs war. “Seid froh, denn bei den Boxen mit Dalben da drüben habe ich mir letztes Jahr schön den Gelcoat aufgerissen.” Ich guckte rüber und sah dünne Metallrohre, die ins Hafenbecken gerammt waren und nur einen alten Reifen als Schutz hatten. OH HA! Egal, wir waren jedenfalls am Ziel . . . wir waren in Schweden!DSC_0953

Tag 9 – Dienstag, 16. August 2016:

7. Etappe: 26,4sm
7. Etappe: 26,4sm

Das Wetter blieb schön, vorerst. Bis wir ablegten war es schon wieder gegen elf. Der Himmel hatte sich im Norden bereits zugezogen und als wir dann mit Kurs 240° an Trelleborg vorbei fuhren, fing es an zu regnen.DSC_0975

Wir kreuzten in die Kämpingebukten auf die südliche Ansteuerung des Falsterbokanals zu. Der Wind kam aus Nordnordwest, so dass wir mit Motor die letzten zwei Meilen zurücklegen mussten, sonst hätten wir kreuzen müssen und die Bucht ist nicht gerade tief. Inzwischen hatte ich mich auf Kanal 11 bei Falsterbokanal gemeldet und erfuhr, dass die Brücke in 25 Minuten öffnete. Uff, das wird knapp. Mit Vollgas kämpfte sich die Rasalhague durch die Wellen, aber ab den Molenköpfen durfte man nur noch mit 3kn weiter fahren. Aussichtslos, DSC_0075wir sahen die Brücke – am Nordende des Kanals noch etwa eine Meile von uns entfernt – wie sie sich gerade öffnete. Vor der Brücke und der Schleuse war ein Anleger, ganz am Rand. Ob die Böschung schnell genug abfiel? Die Boote, die dort lagen, hatten alle so wenig Tiefgang. Also rief ich Falsterbokanal nochmals an. “Should be enough.” bekam ich zur Antwort. Na, mal sehen ob wir in die Box reinkommen. Bjarne blieb am Steuer und ich fragte: “Willst du anlegen?” Er strahlte, “Ja, aber du bleibst in meiner Nähe, ok?” Bjarne legte wieder in so eine Box ohne Dalben an. Sein erstes Anlegen, und das unter erschwerten Umständen!

DSC_0078Eine halbe Stunde später standen wir wieder im Kanal vor der Brücke, die sich gerade öffnete. Hinter uns kamen noch drei andere Boote. Hinter der Brücke erwartete uns strahlender Sonnenschein und guter Wind aus Nord. Heike übernahm das Steuer und wir kreuzten aus der Höllvikenbukten auf den Windpark zu. Dann ging es wieder auf Steuerbordbug zurück zur schwedischen Küste. Der nächste Schlag ging am LT Höllviken vorbei bis in die Flintrännen, dem Fahrwasser unter der Öresundbrücke durch. DSC_1019Nils übernahm und bei Hart am Wind kämpfte er gegen die Strömung von Backbord an, damit er im Fahrwasser bleiben konnte. Glücklicherweise war kein größeres DSC_1005Fahrzeug in der Nähe. Es ist immer ein erhebender Augenblick unter so einer großen Brücke durchzufahren. Wir folgten der Flintrännen noch zwei Meilen nach Nordosten und hielten dann auf die Ansteuerung von Malmö zu. Der LT Malmö war spät auszumachen, was aber am Licht lag. Der Steinwall dorthin sollte zwar in 5m Tiefe sein, aber ich sah dort die Wellen brechen, weshalb wir unbedingt den Leuchtturm an Steuerbord lassen mussten. Hinter der Mole drehte ich kurz in den Wind, so dass Bjarne und Heike das Segel bergen konnten. Dann ging es in die schmale Einfahrt des neuen Yachthafens Malmö Dockan, einem ehemaligen Trockendock. DSC_0089Links und rechts säumten moderne Wohn- und Geschäftsgebäude den Hafen. Da wir möglichst nicht auf der falschen Seite anlegen wollten, hangelten wir uns bis fast nach ganz hinten, wo die Liegeplätze für die extra großen Yachten war. Die Box war wieder eine “anständige”, also mit Dalben. Bis wir das Boot seeklar zurück hatten, war die Sonne bereits verschwunden und zum Kochen war es schon zu spät, also suchten wir noch was zu essen. Eine kleine Pizzeria direkt am Hafen lud ein und die Pizza war echt gut.

Tag 10 – Mittwoch, 17. August 2016:

8. Etappe: 19sm
8. Etappe: 19sm

Bevor wir uns auf den relativ kurzen Trip über den Öresund machten, wollten wir noch was von Malmö sehen. Also standen wir recht früh auf und tigerten dann mit Frühstück vom Bäcker in die Stadt. Bei herrlichem Sonnenschein und netten 25°C taperten wir zur alten Festung “Malmöhus” und dann in die Altstadt,DSC_0117DSC_0120_2 die ihren DSC_0124mittelalterlichen Charme gut bewahrt hat. Überall in der Stadt wurden Buden und Fahrgeschäfte aufgebaut.

Auf dem Rückweg zum Boot machten wir dann noch einen Abstecher DSC_1062 zum “Turning Torso”, einem 190m hohen Hochhaus, das in sich um 90° verdreht ist. Sehr interessante Architektur! Zum Mittagessen bruzzelten wir dann Kötbullar, dabei muss ich unwillkürlich weniger an IKEA denken als an Astrid Lindgren’s “Karlson vom Dach”, der sich am Küchenfenster vorbeifliegend, die Kötbullar aus der Pfanne stibizte. Nach dem Essen machten wir das Boot klar zum Auslaufen und machten uns dann auf den kurzen Törn rüber nach Kopenhagen. Der Wind kam weiterhin aus Nord ließ aber gegen Abend stark nach. Nachdem wir noch zügig am Flakfort vorbeisegelten, reichte es am Middelgrundfort gerade noch so. Um die neue Aufschüttung herum brauchten wir dann schon den Motor. Dahinter ging es dann mit dem letzten Sonnenlicht in den Tuborg Havn zwischen zwei Bierflaschen durch, die eine mit rotem Deckel, die andere mit grünem. DSC_1099DSC_1118

DSC_1122Fortsetzung folgt . . .

 Sommertörn 2016 – Teil 2: Von der Kreidezeit bis Pipi Langstrumpf

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Ausbildungstörn Rund Fehmarn mit Hindernissen

Ich hatte schon länger die Idee, mal eine Ausbildungsfahrt für Interessierte anzubieten. Gerd war der ideale Kandidat. Er hatte Lust, von mir ausgebildet zu werden und irgendwann im Herbst seinen SBF See zu machen. Ich konnte Heike für die Idee gewinnen und beschloss eine Ausbildungsfahrt für beide zu machen. Nicht das Heike das gebraucht hätte, aber sie war für eine Auffrischung und Vertiefung dankbar. Nun standen uns drei Alternativen zur Auswahl: Maasholm, Rund Aerø oder Rund Fehmarn. Der Wetterbericht sprach von mittleren Winden aus Süd bis Südost. Das begünstigte Fehmarn.

Freitag, 22.07.16:

Um 17:00 Uhr legten wir ab. Die Sicht war gut und ich gab Heike die Aufgabe, den ersten Ort – jede Stunde sollte ein Ort optisch genommen werden – nicht mittels Kreuzpeilung zu nehmen, sondern eine Peilung zu versegeln. “Eine Peilung was?” Heike guckte mich fragend an, denn das kannte sie natürlich noch nicht. Ich gab ihr die Mappe und ließ sie die Ortsbestimmung mit Versegelungspeilung nachlesen. Damit machte sie sich ans Werk und peilte den Leuchtturm Heidkate. Eine halbe Stunde später nahm sie nochmals eine Peilung und verschob mit unserem Kurs von 070° um den Standort zu ermitteln. “Das funktioniert nicht. Der Standort muss weit nördlich davon sein. Das stimmt hinten und vorne nicht.” gab sie irritiert auf meine Frage zurück, wo wir denn stünden. Ich hatte auf der Tochteranzeige des GPS einen gemittelten Kurs von 040° gesehen, welcher sich aus den letzten GPS-Positionen ergab. Also fragte ich Gerd, welchen Kurs er steuerte. “Die ganze Zeit 040°.” Uuups, naja, 040 und 070 klingt ja auch ähnlich. Pech! Ich sah das gelassen, denn besser lernt man ja nicht, wie sich Navigationsfehler auswirken. “Na, dann ist es auch kein Wunder, dass die Versegelungspeilung nicht funktioniert.” Heike wiederholte das Ganze mit 040° und siehe da, jetzt stimmte es auch und sie erhielt eine vernünftige Position. DSC_0053Mit dem Kurs 040° blieben wir deutlich dichter am Kiel-Ostsee-Weg, auf dem gerade die Stena-Line auf ihrem Weg nach Göteborg an uns vorbeizog.

Der Wind ließ nach, aber wir liefen dennoch um die 5kn. Jedoch drehte er mehr auf Südost bis Ost und nun begann das Kreuzen gegenan. Über der Kimm tauchte im Osten ein Leuchtfeuer auf. Das musste der Leuchtturm Flügge sein. Jetzt hätte man hervorragend eine Ortsbestimmung mittels “Feuer in der Kimm” machen können, nur leider steht in den Sportbootseekarten nicht die Feuerhöhe. ‘Mmmh, wäre vielleicht doch nicht verkehrt, ein Leuchtfeuerverzeichnis zu haben’, dachte ich mir. Die Dunkelheit war diesmal durch die vielen Wolken beinahe schwarz, nicht so wie auf unserem Faaborg-Törn. DSC_0064Der Mond ging auf und verschwand dann hinter den Wolken.

Samstag, 23.07.16:

Ich konnte Heike und Gerd anhand von ein paar Beispielen zeigen, wie die Lichterführung bei Nacht aussah. “Grün über weiß – Trawler-Schei . . .” ein Trawler, mehrere Segler und ein Manövrierbehinderter ohne Fahrt durchs Wasser.  Wir konnten anhand der Kennung die Tonnen ausmachen und steuerten endlich Richtung Heiligenhafen. Inzwischen hatte der Wind auch weiter gedreht und nachgelassen. Um vier Uhr, der Morgen dämmerte bereits wieder, gab ich schließlich auf – wir machten keine 2kn mehr – und ich ließ den Motor an. Über die Ansteuerung ging es dann in das Fahrwassers des Fehmarnsund und dann in die Ansteuerung nach Heiligenhafen. Der Motor hatte wie am Vortag merkwürdige Aussetzer und die Leistung nahm schnell ab. Da er sich aber wieder fing, machte ich mir keinen großen Kopf. Möglicherweise hatte sich irgendwas vor den Kühlwassereintritt gelegt. Aber wahrscheinlicher war, dass der schon ziemlich leere Tank beim Seegang so ungünstig lag, das kein Kraftstoff mehr in die Leitung floss. Wie gesagt, er fing sich ja wieder. Wir liefen bei Sonnenaufgang in die lange Einfahrt von Heiligenhafen ein, den beiden Deckungspeilungen folgend. DSC_0068Eine freie Box fanden wir auch sehr schnell und legten gleich den Landstromanschluss aus. Die Batterie hatte unterwegs auch wieder über geringe Kapazität gemeckert. Naja, nach 13 Stunden, kein Wunder! Da das Hafenmeisterbüro noch nicht besetzt war, machten wir uns gleich in die Falle und holten etwas Schlaf nach.

Gegen Mittag wurde es zu warm. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Außerdem wollten wir heute einmal um Fehmarn rum und in Burgstaaken anlegen. Wir machten die Rasalhague klar zum Auslaufen und liefen dann unter Motor aus dem langen Schlauch. Wir hatten die Tonne “Heiligenhafen 1″ gerade passiert und wollten Groß und Genua I setzen, als der Motor ausging und auch nicht mehr anspringen wollte. Was war denn nun wieder los? War der Sprit jetzt endgültig alle? Egal, “Klarmachen zum Segelsetzen!” Unter GS und GI  ging es dann mit 030° bis zur Kardinaltonne “Heiligenhafen Ost”. Hier überholte uns ein kleiner Zweimaster auf Backbordseite. ‘Will der schnibbeln? Das sieht aber super flach an der Tonne aus.’ dachte ich mir. Schon verlor er an Fahrt und steckte fest. AUFGELAUFEN! Oh man, das war mit Ansage! Ein Blick in die Seekarte hätte davor gewarnt, aber nun gut, vielleicht hatten die auch keine aktuelle Karte und an der Stelle treten mit Sicherheit durch Versandung schnell Änderungen ein. Ohne uns selbst zu gefährden konnte ich keine Hilfe sein. Es kamen aber auch schon einige Motoryachten und boten ihre Hilfe an. Wir beobachteten das Geschehen um den Grundsitzer noch eine Weile, konnten aber nicht erkennen, ob die Hilfe erfolgreich war.

Uns verließ zunehmend der Wind, es wurde brütend warm und die Luft stand. Um der Flaute zu entgehend, wollte ich den Motor wieder starten, doch der rührte sich nicht mehr. TREIBSTOFF ALLE! Ok, nicht so schlimm, dann legen wir eben unter Segel an und tanken halt. In der Hafenbeschreibung von Heiligenhafen wurde der Service hochgelobt. Die Servicezeit der Tankstelle war jedoch nur bis 16.00 Uhr und es war bereits fünf. Wir riefen den Hafenmeister an und teilten ihm mit, das wir dringend Kraftstoff bräuchten und bald reinkommen würden, Flauten halten ja nicht ewig.

“Ja, morgen wieder um 12:00 Uhr.” war seine Antwort.

 “Eh, das ist mir zu spät, da wir noch nach Kiel zurück müssen.” entgegnete ich.

” Ja, morgen um 12:00 Uhr. Vorher nicht!” – SO VIEL ZUM GUTEN SERVICE!

Wie lagen immer noch vor Madagas . . . vor Fehmarn. Allerdings dümpelte eine andere Segelyacht auf uns zu. Das war jetzt nicht so lustig, wenn man nicht ausweichen kann. Ich beobachtete die Oberfläche und sah ein Windfeld nahen. Und kaum hatte uns das erreicht, ging es mit rauschender Fahrt wieder nach Heiligenhafen rein. DSC_0128Inzwischen hatten wir uns ein Plan zurecht gelegt. Da wir ohne Kraftstoff vermutlich nicht in Kiel ankommen würden, wollten wir vor der Hafeneinfahrt ankern, grillen und am nächsten Morgen mit dem Schlauchboot übersetzen und uns mit einem Reservekanister etwas DSC_0141Bootsdiesel holen. Mmmh, beim Grillen kamen wir letztlich zum Schluss, dass wir genauso gut in Schilksee den Anleger unter Segel fahren können, denn der Wind hatte jetzt auf Ost gedreht. Mit Spinnaker sollten wir schnell zurück sein. Also segelten wir bis zur Tonne “Heiligenhafen 1″. Heike barg das Vorsegel und wir drehten nach Backbord zum Ankergrund in den Wind. Der Anker fiel und anschließend wurde das Großsegel geborgen. Perfekt.! Ich nahm noch schnell zwei Kontrollpeilungen vom LT Heiligenhafen und zur Tonne 1, denn der Wind hatte wieder deutlich zugenommen. Dann grillten wir in Ruhe und ließen den Abend bei Portwein ausklingen. Nur wenige Boote blieben auf der Reede übrig, die anderen kehrten alle in den Hafen zurück.DSC_0154

Sonntag, 23.07.16:

Sonntagmorgen sah es bereits deutlich besser aus. Eine frische Brise aus Ost sollte uns tatsächlich schnell wieder nach Kiel bringen. Möglicherweise würde sogar beim “vorm Wind”-Kurs das Anlegen durchführbar sein. DSC_0157Nach dem Frühstück zogen wir die Segel hoch, Groß und Genua I. Bis wir das Fahrwasser Fehmarnsund erreichten, hatten wir dann auch den SpiDSC_0176nnaker vorbereitet. Das Vorsegel kam wieder runter und mit Spi kletterte die Fahrt auch wieder über 5kn. Für Gerd war es das erste Mal unter Spi und so konnte er viel “Kurshalten unter Spi” üben. Wir näherten uns dem Westende der Hohwachter Bucht. Eine erneute Versegelungspeilung von Heidkate war diesmal kein Problem. Erst kurz vor Schilksee holten wir das Spi runter. Nur mit Großsegel sollte es gleich in den Hafen gehen. Die Leinen waren vorbereitet, die Fender hingen an der Reling. Ich ließ Heike das Groß etwas auffieren, damit wir mit möglichst viel Wind auf Halbwind-Kurs in den Hafen kamen. Die Hauptgasse kam an Backbord in Sicht. Der Baum flog auf die Steuerbordseite und wurde ganz weit aufgefiert. Wir hatten etwa 3kn drauf, zu viel Tempo! “Hol dicht die Groß!” Heike holte das Segel dicht. Die Fahrt reduzierte sich schnell . . . 2,1kn. Dann kam die Einfahrt in unseren Schlängel. “Groß ganz dichtholen und klarmachen zum Bergen!” Mit der Restfahrt glitten wir in unsere Box. Die Heckleinen gingen über die Dalben und die Vorleinen auf der Pier lagen schon wieder über die Klampen. WOW! So einfach war Anlegen ohne Motor! Das gefiel mir. So hatte ich auch noch etwas von der Ausbildung.

Aber im Wesentlichen ging es ja um Gerd, der viel mitgenommen hat von diesem Wochenendtörn. . . und auf den Geschmack gekommen . . .

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Sommertörn 2016 – Teil 1: Auftakt mit Paukenschlag

Endlich Sommerurlaub! Endlich auf’s Wasser! Am Samstag hatte ich noch Bjarne und Nils abgeholt, die meisten Vorräte waren besorgt und verstaut, nur noch die frischen Sachen mussten noch in der Früh eingekauft und eingestaut werden, dann konnte es endlich, endlich losgehen. Dieses Jahr wollten wir ja nach IKEA . . . also nach SCHWEDEN segeln, . . . also zu mindestens mal in Schweden an Land gehen . . . d.h. ganz im Süden. Eine anspruchsvolle Reise . . . 360sm in 16 Tagen. Dabei stand der Törn noch bis kurz vor Start auf der Kippe. Um ein Haar hätte Heike nicht mit gekonnt, aber mit viel Einsatz hat sie eine außerordentliche Ausnahmegenehmigung bekommen. Sie durfte doch mit . . . puuh!

Tag 1 – Montag, 8. August 2016:

 

Tag 1
1. Etappe: 28,6 sm

Tatsächlich war diesmal das Auslaufen um 10:00 Uhr realistisch. Die Vorhersage war jedoch . . . gelinde gesagt GRENZWERTIG. Bei West bis Südwest mit 6-7 Bft erwartete uns gleich ein herausfordernder Auftakt bis Bagenkop. Dort sollte die Wellenhöhe im Durchschnitt bei 1,5m liegen. Puuh . . . was wohl die Jungs dazu sagen würden? Deswegen nahmen wir das Großsegel gleich mal ins 1. Reff und auf das Vorsegel wollte ich vielleicht ganz verzichten, oder später die Arbeitsfock hochziehen? . . . Mal sehen.

hier ging es ihnen noch gut . . .
hier ging es ihnen noch gut . . .

Wir legten ab und es ging schon gut los. Kaum aus dem Hafen, schwenkte der Baum über und Bjarne konnte nicht schnell genug ausweichen. Gott sei Dank war der Schwung nicht so groß, dennoch trug Bjarne Kopfschmerzen und eine Beule davon. Aber am Abend konnte er schon wieder lachen und alles war gut. Glück gehabt! Nils hatte die Ambition, dieses Jahr 7 Stunden (!) am Steuer zu stehen. Ich lächelte und dachte, ‘aber nicht bei solchen Seegangs- und Windverhältnissen’. Es dauerte nicht lang, da wurde es ihm auch zu anstrengend, denn die Rasalhague gierte stets nach Luv und forderte vom Rudergänger alles ab, um das Schlingern so gering wie möglich zu halten. Auch mir gelang das natürlich nicht ständig und die Jungs sahen schon reichlich grün im Gesicht aus. Als die Wellen dann zwei Meter erreichten, gab ihr Magen auf. Arme Kerlchen.DSC_0207

Und dann kam das nächste Unheil. Ich knickte trotz Gummistiefel mit dem rechten Fuß um und konnte mich kaum mehr halten. Mir wurde vom Schmerz ganz übel und schwarz vor Augen. Verdammt! Heike übernahm und steuerte uns wacker durch eine aufgewühlte See. Die Wellen nahmen nochmals an Größe zu und die Fahrt glich einem Ritt mit einer Achterbahn. Die Logge zeigte konstant über 7 kn an, jedoch rollten dann schon mal Brecher von achtern heran und schoben uns an . . . 7,9 . . . 8,2 . . . 8,5 kn!

DSC_0237Gegen halb drei war Bagenkop erreicht. Nur wie bei dem Seegang einlaufen? Inzwischen ging es uns allen wieder gut und ich konnte auch wieder auftreten. Im Windschatten der Groß holte Heike die Fock runter, jedoch schoben die Wellen das Boot ganz schön schnell, aber schlingernd in die Bucht hinein. Die Rettungsinsel war aus der Verankerung gerutscht und Heike sicherte sie provisorisch an den Wanten. Gerade lagen wir auf Steuerbordbug, als uns eine Welle von Steuerbord achtern erwischte und das Heck herum drückte. Mit einem Krachen schlug der Baum nach Backbord. Ich starrte auf das gereffte Großsegel. OH NEIN! Da klaffte ein 50cm langer Riß! Sollte der Törn hier bereits enden? DSC_0240Erst mal in den sicheren Hafen! Hinter dem äußeren Steinwall drehte ich in den Wind und Heike holte das Großsegel runter, was aber nicht leicht war, denn zum Riß im Segel kamen noch drei gebrochene Mastrutscher, deren Reste jetzt blockierten. Das Hafenbecken bot dann schon etwas mehr Schutz und ich steuerte das Boot endlich in die Sicherheit einer freien Box.

Vom Nachbarboot sprach mich gleich eine Frau an: “Sie waren heute da draußen? War das nicht viel zu riskant?” Mmmh, in Anbetracht der Schäden . . . vielleicht . . . aber in erster Linie geht es um das eigene Können, und ob die Besatzung weiß, was sie tut. Von uns hatte keiner Angst, auch die Jungs nicht. Und ein Baum schlägt schnell mal um, auch bei schwachen Wind. Dass das Segel riss, lag wohl auch daran, das es bereits 35 Jahre alt ist und Windstärke 7 eben nicht mehr gut ab kann. Zu riskant? Nein! Aber das war eben nichts für Schönwettersegler.

Nun hieß es erst mal die Schäden zu beheben. Das Segel musste umgehend repariert werden . . . oder? Der Riß ging senkrecht an der 1. Reffreihe vorbei. Die 2. Reffreihe war intakt, also band ich das Segel weiter runter. Gut . . . das sollte gehen. Die Mastrutscher waren nicht zu ersetzen, denn der nächste Segelmacher war erst in Rudkøbing zu finden. Glücklicherweise war die Vorhersage für die nächsten Tage vielversprechend. Der Wind sollte abnehmen und außerdem würden wir am folgenden Tag auf der Ostseite von Langelland mit Landabdeckung segeln können. Da war also das Risiko mit drei Mastrutschern weniger zu segeln vertretbar. Die Rettungsinsel war das geringste Problem, denn sie ließ sich leicht in ihre Halterung wuchten und anschließend nähte ich die Enden der Zurrbänder zu Schlaufen fest, damit sich der Koffer nicht nochmal davon machen konnte.

DSC_0291Nach dem Essen erkundeten wir ein bisschen den Ort und spazierten noch zu einer Klippe am Rand, bevor wir uns vor dem Regen in Sicherheit brachten.

Tag 2 – Dienstag, 9. August 2016:

Tag 2
2. Etappe: 24,3 sm

Der Wind hatte nicht nachgelassen, auch die Wellen waren nicht kleiner. Im Außenhafen lag ein Nachbau einer Kogge. Die hatte sich während der Nacht ganz schön aufgeschaukelt. Am Morgen war ihre Rah auf dem Oberdeck und das Schiff war zur anderen Außenpier verholt worden. ‘Die müssen eine unruhige Nacht gehabt haben’ dachte ich mir, als ich beim Hafenbäcker frische Brötchen holte.

Wir machten nach dem Frühstück das Boot klar zum Auslaufen. Die nächste Etappe sollte um das Kap von Keldsnor herum bis nach Spodsbjerg führen. Kaum aus der Hafeneinfahrt raus, bäumte sich das Vorschiff gegen die anrollenden Wellen auf. Heike mag so was ja, und es dauerte nicht lange, bis Groß und Fock gesetzt waren. DSC_0348Bjarne steuerte parallel zur Küste, aber DSC_0358Wind und Welle drückten uns gefährlich auf die Küste zu. Ich ließ ihn höher an den Wind gehen und bald darauf waren wir auch schon um die Landzunge rum. Jetzt wurde es tatsächlich ruhiger. Die Wellenhöhe nahm ab, der Wind blieb aber immer noch kräftig. Die Bewölkung riss auf und die Sonne kam raus. Zwischen dem Tiefwasserweg des Großen Belts und Langeland segelten wir der Küste entlang nach Norden.

1142 – Position φ54° 43,5’N λ 010° 44,8’E – Ob, gepeilt wurde Windrad bei Øbjerg 350° (353°), Keldsnor LT 300° (303°) und Tn DW 59 050°(053°)

1145 – Kurs 020° Fahrt 5,3 kn FdW

1350 – LT Højbjerg 50m Stb querab, Kurs 020° Fahrt 6,4 kn FdW

1435 – Klarmachen zum Segelbergen, AF und GS geborgen, Motor an, Kurs und Fahrt nach Weisung

DSC_0401Um halb drei hatten wir Spodsbjerg erreicht, doch bevor wir in den Hafen einliefen, erwischte uns ein kalter Regenschauer. Das Festmachen war kein großes Thema: Bjarne, Nils und Heike spielten sich schnell auf einander ein. Jeder wusste, was zu tun war. DSC_0403Nils hängte die Fender raus, Bjarne und Heike kümmerten sich um die Leinen. Am Abend sicherten wir uns eine der windgeschützten Grillhütten und Bjarne freute sich bereits auf seine Rolle als Grillmeister.

Tag 3 – Mittwoch, 10. August 2016:

3. Etappe: 29 sm
3. Etappe: 29 sm

Das Wetter besserte sich. Der Wind hatte zwar kaum nachgelassen, doch die See war durch die Landabdeckung ruhiger und es sah nicht mehr nach Regen aus. Zu mindestens ein Stück würden wir davon profitieren können. Wir legten ab und liefen noch ein Stück nach Norden, parallel zum Tiefwasserweg, bis wir an Backbord den alten Leuchtturm von Betofte-Sandhage ausmachen konnten. Von hier aus setzten wir einen Kurs auf die Kardinaltonne “Omø-Stålgrund-Süd” ab. Bei halben Wind kreuzten wir den Tiefwasserweg und den Weg H. Die Wellen nahmen wieder zu.DSC_0508

Endlich war die Ansteuerungstonne “Ståldyb” in Sicht. Ab hier hieß es nach den Gefahrentonnen um die Untiefen vor Vejrø Ausschau zu halten. Adlerauge Bjarne entdeckte die eine und andere, doch bei den Lichtverhältnissen und dem Seegang waren die kleinen Spierentonnen echt schlecht auszumachen. Endlich hatten wir die letzte Gefahrentonne “Vallegrund-Süd” ausgemacht und konnten auf 030° andrehen, mit direktem Kurs zum kleinen Hafen. DSC_0495Eigentlich war unser Plan südlich vom Hafen vor Anker zu gehen, doch die Wellen drehten sich im Südwesten um die Insel, so dass diese Ankerposition nicht ratsam war. Gut, dann eben auf der Nordseite. DSC_0513Heike steuerte uns so dich wie möglich an die nördliche Hafenmole heran, so dass wir möglichst ruhiges Wasser haben konnten. Ich stand auf der Back und bereitete den Anker vor, als der Himmel sich schlagartig verdunkelte und zuerst heftiger Regen einsetzte und dann auch noch Hagel. Der Anker fiel, ich schlüpfte aus den nassen Klamotten und nahm vorsorglich zwei Kontrollpeilungen. Das Boot schaukelte wieder doller, drehte der Wind? Ich sah, dass wir nun mehr Wellen aus Nordwest abbekamen. Nanu? Lagen wir nicht näher am Hafen? Ich überprüfte die Kontrollpeilungen, obwohl ich bereits ahnte, dass der Anker nicht mehr trug. Auf der Back sah ich es auch deutlich. Der Anker schleifte auf dem Grund. Also Motor an und Anker auf. Heike steuerte jetzt auf die Südseite. Ich ließ sie so dicht unter Land gehen, wie es nur vertretbar war. Die Wassertiefe nahm ab, wir hatten kaum einen Meter unterm Kiel. Ich warf erneut den Anker und gab etwas mehr Leine, aber ich merkte schon nach kurzer Zeit, dass auch hier der Anker nicht trug. Der Boden war sandig und der Anker griff nicht bei dem Wind und der Strömung. “Ok, was soll’s! Wir gehen in den Hafen!” rief ich Heike zu. Eigentlich wollte ich hier nicht in den Hafen, denn Vejrø ist eine Privatinsel und der Hafen ist dementsprechend doppelt so teuer, aber dafür findet man immer freie Plätze.

Der Anker war verstaut, die Fender ausgebracht und wir steuerten gerade zwischen den Molenköpfen hindurch, da fragte mich Nils, was passieren würde, wenn sein Knoten sich lösen würde. Er hatte das Ende noch in der Hand, da löste sich auch schon der Knoten und der Fender ging über Bord. Ich versuchte noch mit einer Wende den Fender wieder einzufangen, aber er trieb schon zu dicht auf den Steinwall zu. “Gut, dann lauft ihr nachher auf den Wall und fischt ihn so!” Kaum war das Boot festgemacht, liefen sie auch schon los . . . und angelten den Fender.DSC_0539Vejrø war eine schöne Insel und der Preis ist gerechtfertigt, denn alles war inklusive, Strom, Wasser, Waschmaschine, Fahrräder, sogar Feuerholz und die Grillkohle! Und das Waschhaus war Hotelstandard. Wir grillten am Abend mit dem Bordgrill, da der Wind von vorn kam und neben uns keine anderen Boote lagen.

 Tag 4 – Donnerstag, 11.08.2016:

Tag 4
4. Etappe: 30 sm

Endlich besserte sich das Wetter. Der Wind hatte etwas abgenommen und der Seegang war auch ruhiger. Am Himmel waren nur noch wenige Wolken. Wir legten ab und hielten mit 050° auf die Ostseite der Untiefe “Venegrund” nördlich von Vejrø zu. Laut Karte sollte hier ein Wrack sein, das noch aus dem Wasser guckt. Aber das suchten wir vergeblich. DSC_0601DSC_0600 Wir segelten von hier aus mit DSC_0610Kurs 105° vorbei an den untiefen Mellemgrund und der Landzunge Knudskov direkt auf die Ansteuerung des Masnedsunds. DSC_0616Der Wind hatte wieder an Stärke zugelegt und wir steuerten durch das enger werdende Fahrwasser in den Hafenbereich. Hinter der Masnedsund-Klappbrücke liegt auf dem Südufer ein Yachtausrüster mit einem Segelmacher. Gerade kam uns eine Yacht entgegen, die die ganze Zeit vor uns in den Masnedsund segelte. “The Bridge is closed.” riefen sie uns zu. Tatsächlich, am Brückenträger stand auch ein Schild, “Bro lukked”. Wie wir später erfuhren, hatte die Brücke 5 Tage zuvor ihre letzte Öffnung erlebt. Na toll, also außen rum um Masnedø. Würden wir dann noch rechtzeitig beim Segelmacher ankommen?

Vordingborg Nordhafen
Vordingborg Norderhavn

Nur unter Motor kamen wir gegen den starken Wind im engen Fahrwasser an. Wir kreuzten raus und segelten dann rasch um die Insel herum zwischen Masnedø und Masnedø Kalv auf die Storstrøm-Brücke zu. Die nördliche Durchfahrt schien ausreichend hoch zu sein, dummerweise gab es aber für diese Durchfahrt keine Angabe in der Seekarte. Wir waren noch eine Bootslänge vor der Brücke. Waren das jetzt 15m oder nicht? Das war zu riskant! “Hart Backbord! Motor an!” rief ich. Wir drehten ab und benutzten die Hauptdurchfahrt. Einen abgeknickten Mast wollte ich mir lieber nicht einhandeln, der Riss im Großsegel war schon genug. Der Seekarte entnahmen wir, dass das Masnedø-E-Flak in der Saison ausgetonnt war.  Ja, stimmte, aber auch der Kalvestrøm. Hier wünschte ich mir mehr Genauigkeit von der Karte, denn es fehlten etliche Angaben zu Tonnen. Um den Trøllegrund ging es dann endlich in die Einfahrt nach Vordingborg zum Nordhafen. Es war schon deutlich nach acht, deswegen hatten wir den Abstecher zum Segelmacher abgehakt. Und weil es schon so spät war, waren auch alle Liegeplätze mit ausreichender Tiefe vergeben. Nach einer Weile entdeckten wir eine Box, in der ein recht kleines Boot lag. Die Steuerbord-Heckleine war nicht ausgebracht, da das Boot mit der Backbordseite längsseits an der Pier lag und da ausreichend vertäut war. Ich befand: Die Box reichte für uns beide. Also gab ich Anweisung, dass beide Heckleinen auf den Dalben an Steuerbord gelegt werden sollten. Kaum hatten wir das Boot festgemacht, ging auf dem kleinen Boot nebenan die Luke auf und unser Nachbar zeigte sich: “Velkommen”.

Während wir kochten, pusteten die Jungs noch das Schlauchboot auf und paddelten dann im Hafen umher.

Fortsetzung folgt . . .

Der Film zum ersten Teil des Sommertörns 2016

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Nach Fehmarn Fische füttern oder Fischbrötchen in Maasholm?

Freitag, 17.06.16, 15.00 Uhr: Das Wetter war ja bescheiden. Der Wind sollte erst spät auffrischen und vor allem sollte es bis dahin immer wieder regnen. Heike und ich steckten die Köpfe zusammen und koppelten die Strecke von Kiel nach Heiligenhafen ab. 35sm, mmmh. Da würden wir wahrscheinlich nicht vor Mitternacht da sein. Lieber einmal rund um Fehmarn in nur zwei Tagen? Könnten wir schaffen. Die Windprognose war auch deutlich besser. Bis 17kn und Sonnenschein. Also vertagten wir das Auslaufen. Und es würde ja auch alles fix gehen, denn seit Donnerstag lagen wir in Holtenau am Gastliegersteg, denn die Kieler Woche hatte ja dieses Wochenende begonnen.

Samstag, 18.06.16, 08.30 Uhr: Früh aufstehen, schnell frühstücken und ab ans Boot, das war unser Plan. Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir dann an Bord und machten uns ans Verstauen und Seeklarmachen. Hier wartete schon die erste Überraschung auf uns: Die Verbraucherbatterie war über Nacht von der Kühlbox leer geluscht worden. Mmmh, das war jetzt schlecht für das Grillfleisch. Aber mit Motor sollte die Batterie wieder aufgeladen werden können. Auf Grund der Windvorhersage schlug ich die Genua III an. Nach Möglichkeit wollten wir die Schräglagen kleiner halten.

Nun kam die größte Herausforderung. Wir lagen mit dem Bug voran ganz vorn als erstes Boot am inneren Steg. Hinter uns war ein Platz frei, dann lagen da etliche andere Yachten, die meisten größer und breiter. Am äußeren Steg lagen außen ein paar Traditionsschiffe, aber innen hatten auch drei oder vier Yachten festgemacht. Auch alle größer und breiter. Uns blieb also nur eine schmale Gasse zum Auslaufen. Und da sollten wir rückwärts raus? Mit dem Radeffekt nach Steuerbord? NEE! Zum Drehen war es schon deutlich enger. Erst mal zogen wir die Rasalhague mit den Leinen hinter. Schon kam eine Frau ganz aufgeregt und ängstlich auf Heike zu und fragte, ob wir denn ablegen wollten und dass wir bitte schön aufpassen sollten. Tss, wir ließen uns nicht beeindrucken oder beirren. Eigentlich hätten wir ohne Probleme auf dem Teller drehen können, doch da der Klapppropeller gelegentlich zickte, wollte ich das Ablegen mit den Leinen unterstützen. Die Achterleine war los, die Vorleine auch, nur die Vorspring war noch fest. Jetzt begann der indische Seiltrick. Mit kleiner Fahrt “dampfte” ich in die Vorspring ein. Das Ruder lag auf Hart Backbord. Schon klappte das Heck ab. Maschine stopp, Ruder mittschiffs, Ruder Hart Steuerbord, Maschine zurück. Die Drehbewegung nahm zu – auch dank des Radeffektes – und Heike konnte schnell die Vorspring um einen Poller verschiften. Dadurch holte sie den Bug auch weiter rum. Mir wurde bewusst, wie viele andere Segler aufmerksam und interessiert zuguckten. Naja, sollten sie ruhig, dann konnten sie vielleicht was lernen. Mit Maschine voraus und Hart Backbord klappte die Rasalhague jetzt mit dem Heck an die Pier, nicht ganz – war auch nicht nötig, aber unser Wendemanöver hatte einwandfrei funktioniert. Heike hüpfte an Bord und nahm die Vorspring vom Poller. Ich zog leicht zurück, stoppte auf und fuhr dann ganz gemütlich durch die schmale Gasse raus.

Vor der Schleuse setzte Heike dann die Segel und mit Schmetterling ging es rüber nach Möltenort. Der Verkehr hielt sich in Grenzen, aber es waren schon ein paar Segler auf dem Weg ins Wochenende. Wir hatten inzwischen auf Raumschotskurs den Leuchtturm Friedrichsort passiert und fuhren am östlichen Tonnenstrich fördeauswärts. Heike hatte den Kurs auf der Karte abgesteckt und gab mir jetzt die Beratung, ab der Tonne 2 mit Kurs 071° zwischen den beiden Sperrgebieten hindurch zu fahren. Wir passierten die Tonne 6 des Fahrwassers, die Glockentonne, hinter der es sehr schnell sehr flach wurde. An Steuerbord achteraus kam ein Segler wieder auf, den ich schon überholt hatte. Und er kam immer dichter. Gerade mal eine Bootslänge trennte uns noch, da drehte er endlich ab und entfernte sich wieder.

Dann kam die Tonne 4, die wir 1 Kabel an Backbord ließen. Laut Heikes Anweisungen sollte ich die Tonne 2 mit 2 Kabel Abstand passieren. Der Kurs war ok, ich lief weiterhin mit 060° auf die Tonne zu. Hinter uns kamen etliche Segel in Sicht. Allen voran eine schnittige Rennyacht mit Gennaker, Fock und Großsegel. Wir hatten ja schon 6,5kn drauf, aber die zog so rasch an uns vorbei, die hatten bestimmt über 10kn. Dann folgte noch eine größere Yacht und zwei Trimarane. Die Dreirumpfboote lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dummerweise waren wir dem einen aber im Weg. Der Skipper schrie und gestikulierte: “AUS DEM WEG! DREH AB!” Ich war geneigt, mein Wegerecht zu beanspruchen, schließlich hatte er genug Zeit um zu erkennen, das er mir ausweichpflichtig war. Aber als ich sah, das er NICHTS unternahm, drehte ich ab und ging in den Wind. Kein “Danke schön” . . . kein Winken. Regatta hin oder her, gutes Benehmen wird damit nicht ausgesetzt. Als ich den Bootsnamen las, erinnerte ich mich sofort: ‘Ach der! Das war doch auch der, der uns in der Gasse schon mal den Weg versperrt hatte und nichts gesagt hatte.’ Grummel! Solche Leute hab ich ja besonders gern. Unentspannt und offensichtlich egoistisch. Uns kamen noch weitere Segler in die Quere, alles größere und schnellere Yachten. Eine weitere kreuzte unseren Kurs, die Tutima mit einer Crew nur aus Frauen. Die war mir schon letztes Jahr aufgefallen. Wir hatten den Wind von Steuerbord, die von Backbord. Eigentlich eine klare Sache. Sie riefen uns an und baten uns auszuweichen. Gerne, denn der Ton macht die Musik. Außerdem hätten sie beim Ausweichen ihr Spi bergen müssen, und das ist unnötiger Zeitverlust. Wir gingen knapp hinter ihrem Heck durch und sie dankten uns. Die Regattastrecke führte offensichtlich um die Tonne 2 als Wendeboje rüber nach Damp, denn hier drehten sie alle an.

DSC_0792Wir waren hingegen auf Ostkurs, zwischen den Sperrgebieten durch und gerade auf dem Weg in den Fehmarnbelt. Vor uns lag das Warngebiet Todendorf, in das nun zwei Minensucher einbogen. ‘Nein, nicht doch,’ dachte ich, ‘Nicht auch noch ein Seezielschießen.’ Das hätte mich auch gewundert. Ich hatte mir mit dem Abo von www.elwis.de doch die NfS und die BfS per Mail gezogen. So ersparten wir uns das Nachlesen am Aushang. Und außer einer Ankündigung der Regattabetonung und Störung der Schifffahrt durch die Regatta, sowie die Eintragung von drei neu vermessenen Untiefen hatte ich keine für uns entscheidende Nachricht gelesen. Der eine Minensucher kam näher und wir erkannten einen Haufen Zivilisten an Bord. “Sieht aus wie eine Open-Ship-Fahrt.” meinte Heike. ‘Na klar, ist ja Kieler Woche!’ wie konnte ich das nur so schnell vergessen?

Es piepte, die Batterie war wieder leer, nun war guter Rat teuer. Wir starteten den Motor und ließen ihn eine Weile im Leerlauf mitlaufen, nur zum Laden. Brachte nicht viel, aber 4 Ah waren besser als nichts. Inzwischen kämpften wir beide mit Kopfschmerzen, Müdigkeit und . . . Übelkeit? HEEE, MOMENT MAL! Wir waren doch nicht etwa . . . seekrank? DOCH! Aber das war irgendwie kein Wunder, den mit Wind von Achtern um die 5 Bft und den steilen, kurz aufeinander folgenden Wellen, die bereits 1,5m erreichten, schlingerte und rollte das Boot wild umher und es war anstrengend, die Segel in Stellung zu halten und es machte schon lang keinen Spaß mehr. Heike war sichtlich blass und ich überlegte gerade, ob wir das wohl noch  5 Stunden aushalten würden. “Und wenn wir nach Maasholm fahren?” Heike guckte mich unsicher an. Ich nickte, mir war zwar nicht wirklich schlecht, aber das würde nur eine Frage der Zeit sein. Schließlich würde der Wind nicht nachlassen und die Wellen würden nur noch höher werden. Außerdem ließ sich der Schmetterling bei dem Schlingern, Rollen und Stampfen nur schlecht halten. Das Spi konnten wir ja nicht setzen, denn der neue Baum war noch nicht geliefert worden.

1466249760328Um 11.30 Uhr drehte ich dann auf Kurs 310° an. Mit Hart am Wind ungefähr in die Richtung Maasholm. Ich hatte den Kurs nur wegen dem VTG beim LT Kiel so gewählt, doch wie sich zeigte, führte er uns direkt zur Ansteuerung der Schlei. Das Schlingern und Stampfen hörte nicht auf, es nahm nur ab. Wenigstens blieb das Rollen aus. Mit jeder Welle wurde die Rasalhague rumgerissen, wenn man nicht schon vorher andrehte. Ich ließ Heike eine Weile steuern, denn am Steuer waren die Bewegungen am harmlosesten.

DSC_0786Gegen 13.45 Uhr hatten wir die Ansteuerungstonne “Schlei” erreicht. Ein bisschen mussten wir kreuzen um in die Einfahrt zu kommen. Heike steuerte mit Hart am Wind rein, die Winddrift war nicht übel und ich gab ihr den Rat, zur Not den Motor dazu zu nehmen. So ging es das enge Fahrwasser rein, aber ich musste dann auch schon die Segel bergen, denn Maasholm war nicht mehr weit. Heike drehte nach Steuerbord an und lief in den Hafen, dann gleich nach Steuerbord zum Gastliegerbereich. Wir wollten aber eine Box zwecks Landstrom, also gleich wieder Hart Backbord in den ersten Schlengel. Ein kleines Motorboot mit Jugendlichen kam uns entgegen . . . MITTEN in der Einfahrt. Da keiner guckte, wurden sie uns auch erst spät Gewahr und ulkten dann rum. Nicht einer trug eine Rettungsweste . . .

DSC_07951Heike legte in einer größeren Box an mit Wind von achtern, aber wir konnten nur wählen zwischen Sonne oder Windstille in der Plicht. Nach dem Aufklaren ging es an Land zum Hafenmeister und zum Imbiss . . . Fischbrötchen! VIEL BESSER als Fische füttern! Nach einem Spaziergang durch dieses schöne Fischerdorf gab es noch ein Eis, dann Tee und Kuchen an Bord und zu guter Letzt montierte ich den Relinggrill und wir grillten abends noch. Das war in der Box diesmal kein Problem, da keine Boote neben uns lagen und ich schön den Deckel immer wieder zuklappte, damit der Funkenflug unterbunden wurde. Außerdem hatte der Wind deutlich abgenommen.

Sonntag, 19.06.16, 08.30 Uhr: Rüde wurden wir vom Hafenmeister geweckt. Uns war das Bändchen vom Wind abgerissen worden und er wollte nochmal kassieren, aber ich hatte ja noch die Quittung. Na gut, dann aufstehen. Für die Rückfahrt schlug ich die Arbeitsfock an, obwohl nur 4-5 Bft angesagt wurden, aber das war am Vortag auch der Fall und da waren Böen mit 6 Bft dabei. Nach nur einer Stunde mit Vorbereitungen, Frühstück und Waschen liefen wir aus. Gleich außerhalb des Hafens drehte ich in den Wind und Heike zog das Großsegel hoch. Wir scherten ins Fahrwasser ein, als das Tablet klingelte. Es war 10.00 Uhr und das war der sonntäglich Skype-Termin mit meinen Jungs. Den hatte ich nicht vergessen, aber wir wollten probieren, ob es auch beim Segeln klappt. Resümee: Die Spritzwasserschutzhülle ist großer Mist! Selbst bei wolkenverhangenem Himmel erkennt man so gut wie gar nichts. Der Große hatte dementsprechend bald keine Lust mehr, aber der Lütte wollte gleich mit segeln.

Die Fahrt verlief unspektakulär (mal was ganz Neues!). Vor Kiel wurde es dann aber nochmal spannend. Gleichzeitig waren wegen dem guten Wind vier Regatten in der Außenförde und zwei in der Innenförde zugange. Heike schob sich mit 6,5kn durch zwei Bahnen hindurch, dazu kamen ja noch etliche Schaulustige. Von Traditionssegler über findige Privatpersonen bis hin zu alten Kohledampfern waren hunderte Boote auf dem Wasser, die ganz dicht bei den Wettfahrten sein wollten. Selbst auf kleinen Booten saßen und standen etliche Leute, alle ohne Rettungsweste wohlgemerkt. Selbst die Stena Germanica fuhr durch dieses Gewusel und legte sich dann auf die Holtenauer Reede, über beide Toppen geflaggt und . . . Schaulustige an Bord. Nun ja, wir kehrten aber ohne Probleme an den Gastliegersteg in Holtenau zurück, der inzwischen deutlich leerer war. Das Anlegen überließ Heike mir, da wir ein Stück rückwärts ziehen mussten um dann hinter der Karina von Sailaway festzumachen.

Gegen 15.30 Uhr ploppte dann endlich das verdiente Einlaufbier auf und wir stießen auf unseren misslungenen Fehmarntörn an. Anschließend brachten wir unsere Sachen die paar Meter nach Hause. Hat schon was, wenn man so dicht am Wasser wohnt!

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