Sommertörn 2016 – Teil 4: Durch Guldborgsund & Fehmarnsund nach Hause

Tag 15 – Montag, 22. August 2016:

12. Etappe: 26,5sm
12. Etappe: 26,5sm

Ich purzelte früh aus der Koje, checkte die Windprognose und war etwas bedröpelt, denn der Wind hatte sehr nachgelassen. Bei den wechselnden Kursen und dem engen Fahrwasser im Guldborgsund entschied ich daher unter Motor zu fahren. Die Genua ließen wir aber fest gebändselt an der Reling, vielleicht ging ja doch noch was.

Nach dem Frühstück beeilten wir uns, denn wir wollten lieber noch den Nachmittag nutzen. Unser Ziel: Gedser . . . “obwohl, so toll soll Gedser nicht sein . . . vielleicht nach . . . Nysted? Soll hübsch sein.” Heike und ich änderten spontan unser Etappenziel. Und los ging es. Mit etwa 5kn tuckerten wir den Guldborgsund nach Süden, überquerten zum zweiten Mal auf unserer Reise eine Autobahn DSC_1594(das erste Mal war zwischen Kastrup und dem Peberholm bei Kopenhagen) und schmunzelten mal wieder über die Toppzeichen der Betonnung. Die haben aber auch eine ziemliche Ähnlichkeit mit Klobürsten.

Als wir uns dann Nykøbing näherten, griff ich erneut zum Funkgerät, denn auch hier versperrte eine Klappbrücke unseren Weg. Ein erster Anruf blieb erfolglos. Wir waren schon deutlich dichter dran, da versuchte ich es erneut. “Next opening of the Bridge will be in 20 minutes.” OH! Wir befanden uns schon in der sehr schmalen Zufahrt. Ich hielt die Rasalhague gerade so steuerungsfähig, als ein kalter Regenschauer über das Boot hinweg zog. Gerade noch so konnte ich meine Jacke anziehen, bevor ich patschnass wurde. Da kam endlich der Zug, auf den der Brückenwärter warten musste, denn die Klappbrücke ist zweiteilig: Straße und Schiene. Trotz kleinster Fahrtstufe waren wir jetzt schon unmittelbar vor der Brücke, aber das Signal stand immer noch auf “Brücke gesperrt”. Oh nee, oder? DSC_0030Ein ordentlicher Strom drückte uns immer weiter auf die Brücke zu, die sich gerade öffnete. Ich hatte bereits auf “Maschine zurück” gestellt, aber wir trieben immer noch leicht auf die Brücke zu. Uns trennten keine 10m mehr, als wir dann endlich durch konnten. Hinter der Brücke knickte das echt enge Fahrwasser nach Backbord ab, wo gerade eine größere Motoryacht langsam von Süden auf die Brücke zu hielt. Die kam aber schon zu spät, die Brücke schloss sich bereits.

kleiner und großer Seebär
kleiner und großer Seebär

Das Fahrwasser führte uns noch an der Südseite von Nykøbing entlang, bevor sich an Steuerbord hinter einer Vogelschutzinsel der Bredningen, eine weite Bucht, öffnete. Der Wind hatte deutlich zugenommen, kam aber aus Süden und war immer noch nicht geeignet um ein Stück zu segeln. Als wir dann endlich das letzte schmale Stück bei den Herringen Pladen passiert hatten, konnten wir endlich die Genua hochziehen. Mit Kurs 210° segelten wir knapp an der Untiefentonne Flinthornerev Süd vorbei, um dann mit einem Kurs um die 270° auf die Ansteuerung von Nysted zu zuhalten. Das letzte Stück legten wir dann wieder unter Motor zurück, denn auch hier war das Fahrwasser eng und die Wassertiefe nahm außerhalb der Fahrrinne schnell ab. Um die Landzunge herum ging es in eine schöne Bucht an deren Ende Nysted lag. DSC_1612Hier gab es auch extra Gastliegerplätze, eher ungewöhnlich, aber ich ahnte auch schon warum dem so war. Die inneren Liegeplätze hatten meist kaum mehr als 1m Tiefe zu verzeichnen. Der vermeintliche Luxus hatte aber deutliche Nachteile. Die Gastlieger lagen völlig ungeschützt auf die offene See ausgerichtet. Genau von da kam ein inzwischen starker Wind mit 5 Bft und schaukelte die Boote gehörig auf. Wir hatten schon beim Anlegen erhebliche Schwierigkeiten, weil der Wind uns nicht nur auf die Pier drückte, sondern das Boot auch auf das Nachbarboot querzuschlagen drohte. Mit viel Anstrengung zogen Heike und ich das Boot nochmals nach hinten, während Bjarne Lose auf die Vorleinen gab, dann überkreuzten wir die Heckleinen und ich brachte noch zur Sicherheit eine zweite Steuerbordheckleine aus.

DSC_0044Ausnahmsweise hatten wir unser Tagesziel mal zeitig erreicht, so dass wir das malerische Nysted erkunden konnten. Das passte, denn die Sonne kam wieder hervor. Auf dem Rückweg wollten wir dann zum Schloss Ålholm, aber weil das Privatbesitz ist, war der Zugang verwehrt. Grummel, hätte man ja auch im Hafenhandbuch erwähnen können, da stand nur . . . “besondere Sehenswürdigkeit”. Wir kehrten zurück und inzwischen waren noch weitere Boote angekommen. Ein frisch aus Heiligenhafen eingetroffenes Boot legte sich neben uns, aber das sah nicht sehr professionell aus. Ich bot den beiden Männern meine Hilfe an, weil die auch vom Wind mit dem Heck gefährlich auf die Rasalhague gedrückt wurden. Sie übernahmen erstaunt den Tipp mit den gekreuzten Leinen, womit mir klar war, dass die beiden nicht viel Erfahrung hatten. Später sprach mich noch ein anderer Skipper an, dass deren Anker beim Anlegemanöver eventuell Schäden an unserer Back oder dem Vorsegel verursacht haben könnte, ich solle mal nachsehen. Gott sei Dank konnte ich aber nichts feststellen. Dennoch war die Nacht äußerst unruhig, da der Wind nicht nachließ.

Tag 16 – Dienstag, 23. August 2016:

Tag 16
13. Etappe: 36,8sm

Heute stand ein langer Törn nach Fehmarn auf dem Programm. In Nysted hatte sich Bjarne über den Windpark vor Rødsand erkundigt, an dem wir dicht vorbei mussten. Gott sei Dank gab es direkt am Nordostende des Windparks eine Lücke in der langen Sandbank, sonst hätten wir über Gedser einen riesen Umweg machen müssen. Also steuerte Nils nach der Ansteuerung von Nysted mit rechtweisen Süd auf die Untiefentonne Østre Mærker zu. Als wir durch die kleine Passage hindurch gesegelt waren, fand ich in der Karte einen Vermerk für den Nysted Havmøllepark: Ein Durchfahren des Windparks zwischen DSC_0046den gekennzeichneten Windrädern ist gestattet, das wäre etwa ein Kurs von 240° gewesen. Gar nicht so schlecht für uns. Zu dumm, dass der Wind genau aus Südwest kam. Sonst hätte das uns – und vor allem Bjarne – sicher ein tolles Erlebnis beschert.

Mit Hart am Wind steuerte Nils uns weiter nach Süden. Hinter dem Windpark konnte er immerhin mit 210° uns etwas dichter an Fehmarn heran bringen. Das ging eine Weile ganz gut und vor uns kamen immer mehr große – wir zählten acht – Schiffe in Sicht, die auf dem Kiel-Ostsee-Weg durch den Fehmarnbelt unterwegs waren, wie brummis auf der Autobahn. DSC_1663Zwei Schiffe an Backbord behielt ich genauer im Auge, denn die Peilung veränderte sich nicht. Ich wollte schon auf Kanal 16 anrufen, da erkannten wir eine leichte Kurskorrektur des Frachters. Das zweite Schiff, eine der DFDS-Fähren, hatte schon nach Backbord angedreht und zog mit satten 20 kn weit achteraus vorbei. Nils stand immer noch am Ruder, schon über 4 Stunden. DSC_1661Wollte er heute seine Ankündigung wahr machen und 7 Stunden steuern? Immer wieder fragte er mich, wie langer er denn schon Ruderwache ging, aber nach 5 Stunden gab er dann doch auf. Vielleicht auch weil der Wind allmählich einschlief. Dafür kam die Sonne raus und als wir kaum 2kn Fahrt machten – Leuchturm Staberhuk an Steuerbord voraus in etwa 5sm entfernt – nahmen wir den Motor zu Hilfe und hielten mit 270° auf die Ansteuerungstonne “Burg 1″ zu. Mit der Sonne wurde es dann auch noch ziemlich warm und beim Einlaufen DSC_1679sahen wir den einladenden Sandstrand auf der Rückseite des Hafens. “Papa, lass uns nachher schwimmen gehen!” forderten die beiden Jungs. “Klar, das machen wir.” In Burgtiefe liefen wir zunächst die Tankstelle an, dann suchten wir uns aber einen freien Platz am Rundsteg. Schnell packten wir unsere Badesachen zusammen und liefen dann zum Strand. Ich glaube, es war das erste Mal dieses Jahr und hoffte, das Wasser war nicht zu kalt.DSC_1756Es war kalt, ließ ich aber aushalten. Nach dem Baden konnte ich Bjarne überreden, in den Mast hoch zu gehen um unsere Windlupe in Gang zu bringen. Also zog er sich den Klettergurt von Heike an und ließ sich von mir raufziehen. Er fumelte mit den Steckern oben am Mast rum und Nils guckte auf die Anzeige. “2,4 . . . 1,8 . . . 1,2 . . . 0″ las er vor. DSC_1810Allerdings in einer Lautstärke, dass der halbe Hafen informiert war. Ganz erfolgreich war Bjarne leider nicht, denn die Werte verschwanden wieder. Den Wackelkontakt konnte er nicht beheben. Aber immerhin bekamen wir eine Windrichtung angezeigt, die auch einigermaßen stimmte, aber kalibrieren konnte ich ja noch später auf See.

Tag 17 – Mittwoch, 24. August 2016

14. Etappe: 46,7sm
14. Etappe: 46,7sm

Der letzte Tag unserer Seereise. Und was für eine Etappe! Beinahe 50sm galt es heute zurückzulegen. Wehe, wenn der Wind wegblieb! Eine leichte Brise aus Ost ließ mich frohlocken. Na, das war ja prima, dann konnten wir ja auch gleich das Spi anschlagen. Gesagt, getan. DSC_1820Der Bergesack war bereits hochgezogen und nur mit gesetztem Großsegel ging es aus der Hafeneinfahrt raus. Bjarne legte ab und steuerte uns bis zur Fahrrinne des Sunds, dann übernahm Nils. Doch so einfach ist Spinnakersegeln eben nicht, besonders wenn der Wind nicht gerade doll weht. Sehr mühsam hielten wir das Spi aufrecht und gleichzeitig mussten wir tunlichst darauf achten, nicht aus dem Fahrwasser zu geraten. Etliche andere Segler kamen uns entgegen oder überholten uns – fast alle unter Motor – aber das war egal. Wir wollten DSC_0052mit Spi unter der Fehmarnsundbrücke durch. Mit viel Fingerspitzengefühl und ständigem Ausstellen des Spibaums glitten wir unter der Brücke durch. Geschafft! Und hier kam Wind auf . . . klar, der Düseneffekt. Gleich darauf hatten wir 4kn, dann 5kn Fahrt und der Wind nahm weiter zu.

Bei tollem Wetter rauschten wir auf direktem Kurs unserem DSC_1871Heimathafen entgegen. Ich hegte schon die Hoffnung, das Kunststück vom letzten Fehmarntörn zu wiederholen – unter Segel anzulegen-, aber noch waren es über 20sm bis Kiel. Die Sonne brannte runter und weil es auf dem Boot allmählich unerträglich warm wurde, wollte Bjarne sich die Füße kühlen gehen. “Aber schnall dich fest!” sagte ich. Also klinkte er sich in den Lifebelt und ließ die Badeleiter runter. Bei der Fahrt, inzwischen an die 6kn, wollte sie gar nicht richtig ins Wasser runterklappen. Als Bjarne dann draufstand, ratterte die Leiter wie verrückt. Ein Höllenlärm. Na, er hatte Spaß dabei!

An der Küste war im Dunst kaum etwas zuerkennen, von daher verzichteten wir auf die üblichen Positionsbestimmungen. Umso erstaunte war ich, wie schnell wir Schilksee vor uns ausmachen konnten. DSC_1874Zum Anlegen reichte der Wind aber nicht mehr. Kurz vor der Strander Bucht überholten wir noch ein anderes Segelboot, bevor wir den Bergesack über das Spi zogen, das Groß bargen und dann unter Motor in den Hafen einliefen. Wir waren zurück! Nach einem abenteuerlichen Segeltörn, der insgesamt über 442,5sm ging.

DSC_0062Ende

Sommertörn 2016 – Teil 4: Durch Guldborgsund & Fehmarnsund nach Hause

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Sommertörn 2016 – Teil 3: Lille Havfrue, Tivoli, Nachtsegeln . . . und viel Funkerei

Tag 11 – Donnerstag, 18. August 2016:

Ausschlafen! Heute war ein Tag Pause vorgesehen. Wir wollten später Kopenhagen erkunden und abends in den Tivoli. Nach dem Frühstück schmissen wir noch eine Maschine mit Wäsche an und nahmen dann die Leih-Fahrräder in Beschlag. Der Tuborg-Havn ist das Zuhause vom Kongelige Dansk Yachtclub, eine noble Adresse. Die Ausstattung des Hafens ist super, alles recht neu und inklusive. So auch die Fahrräder. Mit Getränk und Stadtplan im Gepäck radelten wir los, der Østerbrogade stadteinwärts folgend bis zum Trianglen und dann zur Festung Kastellet. DSC_1129Kurz danach waren wir an der Langelinie, besuchten die kleine MeerjungfrauDSC_1137, bei der sich busseweise Touristen um den besten Fotoplatz bemühten – ein Portugiese wollte ihr sogar ein Ronaldo-Trikot anziehen, aber DAS GING GAR NICHT -, und blickten auf den Yachthafen runter, in dem wir ursprünglich liegen wollten. Nachdem wir aber erfuhren, dass der Liegeplatz bei 690,- Kronen PRO NACHT liegt, hatten wir uns für Tuborg Havn entschieden. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte.DSC_1155

Unsere Radtour führte am Schloss Amalienborg vorbei zum Nyhavn, dann rüber nach Christianshavn zur DSC_1170For Frelser Kirke. Bjarne wollte gerne rauf, jedoch standen so viele Touristen an, dass die Wartezeit bereits eine Stunde betrug. Über die Brücke an Børsen, Christiansborg Slot und dem Storkespringvandet DSC_1175vorbei ging es zum Rundetaarn. Ähnlich hoch, tolle Sicht und Wartezeit gerade mal ein paar Minuten. DSC_1186Mit dem Rad ist man gerade in  Kopenhagen echt schnell unterwegs, denn überall gibt es sehr gute Radwege und . . . so gut wie keine Anstiege. Wenige Minuten später waren wir am Schloss Rosenborg. DSC_1196Von da ging es dann auf der Norrevoldgade entlang bis kurz vor den Hauptbahnhof. Vor dem Tivoli ketteten wir die Räder fest und schon waren wir im – wie ich finde – schönsten und nostalgischsten Freizeitpark Europas – und das mitten in der Stadt! Der Flair aus dem späten 19. Jahrhundert ist so schön erhalten und an vielen Ecken spürbar.DSC_0196

Nachdem Heike und ich uns erst einmal ein Amber Lager im Færgekrons Bryghus, einer kleinen Brauerei im Park, gönnten, suchten wir eines der vielen Restaurants mit All-you-can-eat Grillbüffet. Anschließend stiegen wir nach ein paar zögerlichen Blicken in die Rutschebåne und in die Minen.220357b602ccDa nur Samstags der Park mit einem Feuerwerk schließt, machten wir uns ohne zurück zu den Fahrrädern und radelten dann den Weg zurück zum Tuborg Havn.

 Tag 12 – Freitag, 19. August 2016:

9. Etappe: 43,8sm
9. Etappe: 43,8sm

Die Aussicht war nicht schlecht. Eine leichte Brise aus Nord sollte uns recht zügig an Kopenhagen und Dragør vorbei tragen. Ich bereitete das Spi also schon mal vor, natürlich mit der Neuerung am Bugkorb, denn mittels des Umlenkblocks ließ sich das Spi ja super leicht setzen. Aber zunächst führte uns der Kurs nach Osten, also zogen wir  hinter den Molenköpfen erstmal die Genua hoch. Das ließ sich schon nur noch schwer segeln, da der Wind zusehends wegstarb. Dann hatten wir die Reihe der Windkrafträder und die nördliche Einfahrt zum Drogden – dem westlichen Fahrwasser durch den Öresund – erreicht. Heike drehte an, während ich das Spi hochzog. Da war aber nicht mehr viel zu machen. Das Segel wollte sich gar nicht entfalten und der Wind war vollends weg. Nach einer Weile gaben wir auf und warfen den Motor an. DSC_1283Nils steuerte brav an den Tonnen entlang durch den Drogden vorbei an Kastrup und Dragør. Dabei klarte von Süden der Himmel mehr und mehr auf. Laut Vorhersage sollte der Wind drehen, nämlich auf Südost. Das DSC_1287wäre ja gar nicht schlecht, denn dann hätten wir mit Hard am Wind zügig die Koge Bugt durchquert und Rødvig noch am Abend erreicht.

Es kam aber anders. Die Genua war inzwischen wieder gesetzt, denn eine konstante, wenn auch schwache Brise setzte ein und so segelten wir notgedrungener Maßen mit 200° in die Bucht hinein. Ein südlicherer Kurs war nicht zu halten. Nach einer Weile bestimmten wir optisch unsere Position, was nicht gerade einfach war. DSC_1292Denn die in der Karte verzeichneten Objekte waren nicht so gut sichtbar. Dafür waren andere Landmarken zu sehen, die aber leider in der Karte fehlten, z.B. die Windkrafträder und das Kraftwerk auf Avedøre Holme. Die ermittelte Position überprüften wir mit der GPS-Position, denn wir waren arg weit nördlich vom geplanten Kurs. Heike ermittelte unseren Besteckversatz. “Du, der BV beträgt 310° mit 1,9sm.” Ich stutzte. SO VIEL in 45min? Mir war schon aufgefallen, dass wir immer weiter in die Bucht kamen, aber SO VIEL? Das waren über zweieinhalb Meilen in einer Stunde! In die völlig falsche Richtung! Im Begleitheft des Kartensatzes hatte ich allerdings etwas gesehen, das uns Klarheit bringen sollte. Eine Skizze erläuterte die üblichen Stromverhältnisse. Da stand: bei Nord-, Ost- und Südwind setzt ein Strom nach Norden in den Sund mit bis zu 3kn! OHA! Und ein kleingedruckter Vermerk: Die Angaben können auch eventuell stärker ausfallen. OHAUAHA!

DSC_1291Also tackten wir nach Backbord und segelten auf die nördliche Zufahrt des Verkehrstrennungsgebietes um den Leuchtturm Falsterborev zu. Doch auch auf diesem Kurs von 130° kämpften wir mit der Strömung. Mit langen Schlägen kreuzten wir also gen Süden, stundenlang. Und irgendwie hatten wir das Gefühl, kaum voran zu kommen, obwohl wir auf der Karte doch etwas Fortschritt erkennen konnten. Inzwischen hatte der Wind etwas zugenommen, aber die Strömung ließ nach. Der BV nahm ab. Uff! Mit dem nächsten Tack ging es wieder auf die Südküste der Bucht zu, aber wir mussten ja noch um die Landspitze Stevns Klint herum auf die Südseite in die Faxe Bugt. DSC_1301Die Sonne ging schon unter und wir waren noch rund zwei Stunden vom Ziel entfernt! Bjarne und Nils sahen das erstaunlich gelassen, aber je später es wurde, desto deutlicher merkte ich, das nicht nur deren Energien aufgebraucht waren. Der Mond ging auf und beleuchtete uns wenigstens etwas die Küste. An Backbord passierten wir den Kalksteinbruch bei Sigerslev. Mit den Leuchttürmen Stevns und Falsterborev ließ sich eine gute DSC_1326Kreuzpeilung vornehmen: Kein BV mehr! Dafür zog aber eine Wolkenfront von Westen auf und schob sich vor den Mond. Es wurde stockfinster und Nils war erledigt. Heike brachte das todmüde Kerlchen runter in den Salon und deckte ihn zu. Derweil suchten Bjarne und ich an Backbord nach der Hafeneinfahrt von Rødvig. Da sah ich an Steuerbord ein weißes Licht aufblitzen, etwa alle 10 Sekunden. Die Ansteuerungstonne! Aber die war rund zwei Meilen vor der Hafeneinfahrt entfernt. Wir gingen auf Nordkurs, Heike barg die Segel und dann ging es unter Motor auf die Hafenmole zu. Die Skizze vom Hafen im Hafenhandbuch war jetzt Gold wert. Ich entschied mich, am zweiten Steg mein Glück zu versuchen. Heike und Bjarne standen auf der Back bereit, während ich eine Box an Backbord ansteuern wollte. Der Wind, er hatte nochmals zugelegt, drückte das Vorschiff aber stark nach Steuerbord und so kamen wir nicht rein. Hinter uns war eine freie Box. Warum nicht rückwärts einparken? Also zog ich uns mit Maschine zurück da rein. Endlich waren wir da! Nach 43,8sm und über 13 Stunden!

Tag 13 – Samstag, 20. August 2016:

10. Etappe: 22,6sm
10. Etappe: 22,6sm

DSC_0017Natürlich schliefen wir etwas länger. Jedoch unternahm Heike morgens eine kleine Fotosafari beim Joggen, sonst hätten wir wohl gar nichts vom Ort gesehen. Die Kinder, etwas knatschig von der kurzen Nacht, wollten nicht so recht frühstücken. “Was möchtest Du denn dann?” fragte ich Nils. “Ein Fischbrötchen!” sagte er. Ach ja, da war ja noch ein Versprechen! Also gingen wir zur Imbissbude. Glücklich über seinen Backfisch war die Welt wieder in Ordnung. Naja, nur wir kamen nicht los. Gegen Mittag mussten wir uns aber dann auf den Weg machen, denn auch heute stand wieder eine längere Strecke auf dem Programm.

Unser Kurs führte uns quer durch die Faxe Bugt bis zur Ansteuerungstonne des Bøgestrøms. Der Wind war mau und wir mussten zwischendurch mal den Motor anschmeißen. Als wir die Ansteuerungstonne endlich erreicht hatten, war der Wind wieder da, und zwar nicht gerade wenig, dafür aber auch Regen. Ich versuchte noch im engen Fahrwasser gegen den Wind zu kreuzen, doch viel brachte das nicht. Nachdem der Regenschauer durchzog, war auch der Wind wieder weg. DSC_1380Heike barg die Segel und wir fuhren die gut betonnte Strecke unter Motor. Die Sicht war teilweise sehr bescheiden, unter einer halben Meile, weshalb wir Topp- und Positionslichter setzten. Nach einer Weile tauchte aus den Nebelschwaden ein Segelboot an Backbord auf. ‘Nanu? Waren die nicht etwas weit außerhalb vom Fahrwasser?’ dachte ich mir. “Ob die auf Grund aufgelaufen sind? Vielleicht brauchen die Hilfe?” meinte Heike. Naja, hätte sein können, doch wollte ich nicht das Risiko eingehen und dabei selbst auf Grund laufen, ohne das wir wirklich Hilfe hätten leisten müssen. “Dann würden sie sich doch bemerkbar machen, z.B. über Funk.” gab ich zurück, wusste aber, dass nicht jedes Boot ein Funkgerät hatte. “Vielleicht warten sie auch nur auf Wind.” Der war ja gerade richtig eingeschlafen. Und siehe da, das andere Boot bewegte sich. Na also! Wir passierten die Engstellen bei Degneholm und Kinderev und kamen nun in die Stege Bugt. Ab hier nahm der Abstand zwischen den Tonnen drastisch zu und dann konnten wir bereits die Ulvsundbrücke sehen. Unser Ziel lag unmittelbar davor: Kalvehave. Und wir hatten es noch vor sechs erreicht!DSC_1391

Tag 14 – Sonntag, 21. August 2016:

11. Etappe: 34,0sm

Der Morgen war nebelig und ich fürchtete schon eine Fahrt unter Motor. Auch heute würden wir eine lange Strecke zurücklegen müssen. Ich merkte langsam, dass unsere letzten Etappen etwas zu lang gewählt waren, aber wir hatten keine andere Wahl. Ein weiterer Zwischenstopp hätte sicher nicht geschadet, aber wir wären dann ein Tag später zurückgekehrt und die Jungs wollten ja auch noch einen Tag “zuhause” verbringen. Es half nichts, wir machten das Boot seeklar und legten ab. Gott sei Dank kam Wind auf und die Sonne löste den Nebel vollends auf. Unter der Brücke ging es noch mit Motor durch, doch setzten wir bei der leichtesten Brise Segel: Groß und Genua I. Na, das wird ja anstrengend! Obwohl für den Nachmittag wurden wieder 4-5 Bft vorhergesagt.

DSC_1455Das Stück durch den Ulvsund kam uns tatsächlich mühselig vor, aber bei dem leichten Südwest konnten wir tatsächlich die ganze Strecke segeln. Mit einem Mal quäkte das Funkgerät: “To that yellow and white motorboat: YOU FUCKING IDIOT, YOU BLOODY FUCKING IDIOT! This is shallow water . . . ” Heike und ich prusteten vor Lachen, zur völligen Unverständnis der Jungs, also erklärte ich, was es mit dem Funkspruch auf sich hatte. “Da ist wohl gerade jemand der Tee übergeschwappt.” Ich konnte aber die Wut gut verstehen. Uns waren auch schon einige Rowdies in Speedbooten begegnet, die mächtig Sog- und Wellenschlag verursachten. Wasserquirler halt!

Als wir dann bei Vordingborg den Kalvestrøm entlang fuhren, wagte sich Bjarne daran, alleine den Ort zu bestimmen. Er peilte und guckte in die Karte, peilte wieder, berücksichtigte die Missweisung und trug schließlich sein Ergebnisse in die Karte ein. Das Fehlerdreieck war zwar recht groß, aber Heike erläuterte ihm auch, woran das lag. Also nochmal. Nun suchte er sich zuerst Objekte in der Karte, guckte, ob er sie ausmachen konnte und dann peilte er auch in der richtigen Reihenfolge und kam zu einem passablen Ergebnis. Soweit war das auch gar nicht von unserer tatsächlichen Position entfernt.DSC_0023

Unter der Storstrømbrücke durch ging es wieder ins Smålandsfarvandet. Der Wind setzte zwar nochmal kurz aus, aber dann ging es wieder richtig gut bei halben Wind aus Südwest. Die Jungs setzten alleine das Vorsegel. DSC_1483Mit Kurs 300° ging es erst mal weiträumig im Norden des Dyrefod Flaks vorbei, dann mit 240° auf die Insel Femø zu, bis wir die beiden Untiefentonnen Kogrund West und Skellerev Ost ausmachen konnten. Der Wind hatte inzwischen auf 5Bft aufgefrischt und so konnten wir bei einem Kurs Hart am Wind mit 170° zwischen den beiden Tonnen durch direkt zur nächsten Untiefentonne von Vigsø Flak segeln. Hatte Bjarne anfangs der Reise noch sein eigenes Logbuch geführt, indem er unseres abschrieb, so führte er inzwischen ganz eigenständig das Logbuch. DSC_1501Ich warf schon mal einen Blick in die Beschreibung für die Passage der Guldborgsundbrücke. “Aha, mit Flagge November ankündigen und auf Kanal 16 anrufen. Wird schon klappen.” Inzwischen liefen wir die Einfahrt zum Sund direkt mit 160° an. DSC_1502Als wir noch etwa vier Meilen vor der Brücke waren, funkte ich die Brücke auf Kanal 16 an: “Guldborgsund Bridge, this Rasalhague, Delta Charlie 8973.” Warten. “This is Guldborgsund Bridge, come to channel 11.” Ich wechselte die Frequenz und meldete mich wieder “Guldborgsund Bridge, this is Rasalhague” Wieder kurz warten. “Yes, . . . this is . . . the Bridge.” Fast hätte ich lachen müssen, klang es doch beinahe so, also ob er sich nicht sicher sei. “This is Rasalhague, we are approaching the Bridge from North and like to pass. Our position is three miles out.” DSC_1526Kurzes Warten. “Yes, I will open when you are ready.” Ok, prima, das klappte ja schon mal gut. Eine Meile nördlich der Brücke drehte ich dann in den Wind und die Segel gingen runter. Der Motor sprang an und ich rief die Brücke erneut an. “Yes. come, come.” kam die Antwort. Ich guckte hoch und da öffnete sich die Klappbrücke auch schon. Uiii, jetzt aber schnell, also gab ich Gas. Ich stellte mir vor, wie viele Autofahrer jetzt ungeduldig vor der Brücke Schlange standen . . . und grinste: ‘Manchmal kann eine Meile ganz schön lang sein . . . na und?’ Wir passierten die Brücke, winkten dem Brückenwärter zu und hätten beinahe unseren Zielhafen verpasst, also ging es mit Hart DSC_1539Steuerbord in die kleine Marina von Guldborg hinein, die direkt hinter der Brücke ist. Wir hatten unser Tagesziel erreicht, wenn auch wieder spät, so doch wenigstens noch vor Sonnenuntergang.

Fortsetzung folgt . . .

Sommertörn 2016 – Teil 3: Von Lille Havfrue, Tivoli, Nachtsegeln und viel Funkerei

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