Das Theater mit der Windmessanlage – letzter Akt?

Fleißigen Lesern ist das Theater mit der Windmessanlage an Bord der Rasalhague mit Sicherheit nicht entgangen. Da sich dieses Drama nun schon über zwei Jahre zieht, rekapituliere ich (auch für die Gelegenheitsleser) mal ganz kurz, was los ist.

Was bisher geschah . . .

  • Bootskauf im Mai 2015: Verkäufer versichert, alle Instrumente gehen einwandfrei.
  • Mai 2015: beim Mastsetzen wird das Kabel der Autohelm Windmessanlage vom Mastfuss abgequetscht. Fehler bleibt erst mal unentdeckt. Windmessanlage bleibt die Saison über defekt.
  • Oktober 2015: Mastziehen vor dem Aufslippen. Erst jetzt wird der Schaden entdeckt. Austausch der Windmessanlage wird für kommende Saison beschlossen, da das Kabel jetzt zu kurz ist und nicht verlängert werden kann.
  • April 2016: Abbau des alten Windgebers. Neues KabelDSC_0010 für die Windmessanlage Nasa Clipper Wind durch den Mast gezogen und Geber am Mast installiert. Stecker wirkt allerdings sehr wackelig.
  • April 2016: auf dem Display tauchen keine Werte auf. Vermutung: Wackelkontakt der Steckverbindung am Mast.
  • Saison 2016: nach vier Ausflügen in den Mast (Tobi, DSC_1810Rostja, 2x Bjarne), die alle keine Besserung brachten, reift der Entschluss: im Winter kommt ein neuer Stecker rauf.
  • April 2017: Mastsetzen. Doch erneuter Versuch mit altem Stecker, bringt aber kein Ergebnis. Konsequenz: neuen Stecker bestellt.
  • eine Woche später: Mast wird wieder gezogen, neuer Stecker angelötet. Test bringt kein Ergebnis. Dann festgestellt, dass eine Ader im Stecker in der Bilge lose war. Zum ersten Mal: WINDWERTE! Danach Mast gesetzt.
  • Ansegeln 2017: keine Werte, doch, Halt! . . . aber nur bei raumen Wind ?!

Als ich neulich bei AWN in Kiel war, hab ich die Gelegenheit genutzt und einen Fachmann gefragt, was denn mit meiner Clipper Wind nicht stimmt. Er riet mir das Gerät abzubauen und einzuschicken. Allerdings könne ich auch mal bei Mörer nachfragen, die seien Alleinimporteur für Nasa in Deutschland und haben sicher Ahnung. Also schrieb ich dem Kundendienst von Mörer eine Email und schilderte so genau wie möglich mein Problem. Prompt bekam ich eine Antwort. Alles deute auf einen weiteren Wackelkontakt hin. Mmmmh, das hatte ich inzwischen auch vermutet und daher schon vor der Antwort beschlossen, ALLE STECKVERBINDUNGEN am Mast zu erneuern, also auch Topp- und Ankerlicht. Keine Lüsterklemmen oder alte Stecker mehr. Ich bestellte also die nötigen Stecker, bei denen die Kabel mit den Pins verlötet und die Stecker verschraubt werden. Außerdem sind die wasserdicht, also . . . für den Fall einer Leckage.

Als die Stecker ein paar Tage später eintrafen, baute ich mir ein Steckerbrett, auf das ich die Buchsen montierte. DSC_0137Ich beschriftete das auch noch fein säuberlich und baute das Brett in ein Gehäuse ein, in dem der Kabelsalat der Bilge verschwand. Ab jetzt herrscht Klarheit am Mastfuss und das Anschließen geht jetzt auch ruckzuck. Als letzte Verbindung musste  der Anschluss am Mastfuss gelötet werden. DA! Da war ja der Übertäter. Hier war nicht die Abschirmung raus, sondern eine andere Ader gebrochen. GRUMPF! ‘Na, dann wollen wir mal sehen.’ Leicht angespannt schaltete ich die Windmessanlage am Schalterpaneel ein . . . und erhielt eine PERFEKTE Anzeige.DSC_0138 “Na, wer sagt’s denn!” Die Windrichtung stimmte zwar nicht, aber die musste ja dann auch erst mal kalibriert werden. Dafür schien mir die Windgeschwindigkeit plausibel. Sollte es das gewesen sein? “JAAAAAAAAAAAAAA!” Ich schreite vor Freude auf. Horst steckte seinen Kopf aus seinem Boot und fragte verwundert: “Notarzt?” “Nein, nein, nur meine Windmessanlage geht endlich . . . nach ZWEI JAHREN!”

WIR HABEN ENDLICH EINE WINDANZEIGE! Was für eine schwere Geburt! Ich kann allen Interessenten einer Nasa Clipper Wind nur empfehlen, die Steckverbindung gegen schraubbare Steckverbindung mit Lötpfannen für die Adern auszutauschen!

Bald ist die Rasalhague wirklich vollständig einsatzbereit, ein Boot, so wie ich es mir vorstelle!

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Rasalhague goes Solar

Die Solarzelle war endlich eingetroffen. Für mich sind Neuanschaffungen ja wie Weihnachten. Gut, dieses “Geschenk” habe ich mir selbst gekauft, dennoch freue ich mich immer bei so was wie damals als Kind vor der Bescherung. Vor allem freue ich mich – und natürlich auch Heike – dass unsere Rasalhague noch besser und schöner wird.

LeinenManche Sachen müssen ja von Zeit zu Zeit ersetzt werden. So haben wir uns gerade neue Festmacherleinen besorgt. Blaue 14mm FSE Robline “Dockline” ersetzen die alten schwarzweißen Rio-Leinen, die zum einen zu schwach bemessen waren (12mm), und zum anderen zeigten die alten Leinen bereits Anzeichen von Schamfilung.

das neue Bordgeschirr, schlicht und doch stilvoll
das neue Bordgeschirr, schlicht und doch stilvoll

Im Innenbereich trennten wir uns nun endgültig von der Einrichtung, die wir vom Vorbesitzer übernommen hatten, aber aus Zeit- und Geldmangel nicht sofort ersetzen konnten. In den letzten zwei Jahren hatten wir auch andere Prioritäten gesetzt. Mit großer Sicherheit waren die Einrichtungsgegenstände sogar noch vom Vorvorbesitzer. Das Geschirr erinnerte mich ganz gruselig an die altbackenen Zeiten der 80er. Aber dafür hatten wir ja schon Ersatz zu Hause stehen. Beim Anbringen der Folie auf die Teller musste ich unwillkürlich an das Bordgeschirr der RMS Titanic denken. Ok, soooo nobel ist unseres dann auch wieder nicht. Obwohl, . . . stilvoll wird es langsam. images9OUEFIRCDie olle Wetterstation, die eh nicht funktionierte, hat uns den nötigen Platz freigegeben für neue Dekoration, und da hängt jetzt das Brett mit dem Bootsnamen, das Nils angefertigt hatte und unsere neue Schiffsglocke. Na, mal sehen, ob ich das nicht bereue, denn als ich den Jungs davon erzählte, freuten sie sich schon riesig . . . meine armen Ohren, oder ich bring ihnen noch das Glasen bei. Hihi, Heike hatte ich das schon gezeigt . . . drei Doppelschläge und ein halber: “Halb vier? Oder halb acht? Oder halb zwölf? Woher weiß man denn das?” – “Am Stand der Sonne . . .” ich sehe schon, ich werde wohl Heike und die Jungs auch noch im Gebrauch des Sextanten ausbilden müssen. Oh ja, dann auch gleich Astro-Nav mit Sterneschießen (für den Laien: gemeint ist nicht Signalleuchtkugelschießen, sondern “Höhe oder Breite der Sterne mit dem Sextanten messen”). Ein Sternenbild kennen sie ja schon und Nils findet tatsächlich auch unseren Stern.

Alles hat Platz und ist ordentlich untergebracht
Alles hat Platz und ist ordentlich untergebracht

Das Besteck war ein reines Sammelsurium aus verschiedenen Sets und es war eher eine Sache des Glücks, dass jeder Messer, Gabel und Löffel hatte . . . zumindest bei vier Seglern, darüber hinaus hätte man nur in Schichten “Backen und Banken” können. Also hatten wir ein neues Set bestellt, sogar mit Besteckkasten, der in die Schublade passte . . . also nach einem kleinen Umbau der Schublade. Noch Teaköl und Klarlack dran, schon sieht das gar nicht so übel aus.

Bei den Gläsern sah das mit der Verfügbarkeit ähnlich problematisch aus, zumal uns inzwischen auch zwei Weingläser zerbrochen sind, allerdings aus mangelnder Vorsicht und nicht – wie anzunehmen – wegen “schwerem” Seegang, was ja bei unseren Segeltouren und der Vorliebe für viel Wind nicht ausgeschlossen war. Also hatten Heike und ich uns neue Gläser besorgt. Hübsch, . . . aber auch ziemlich groß! ZU GROSS! Aber schon war da eine Lösung parat. Die neuen Gläser bleiben zu Hause und etwas kleinere Weinpokale und kleinere Trinkgläser gehen an Bord. Perfekt! Bisher werden die Gläser im imagesQT5DVIPSSalontisch gelagert, aber für sechs Weingläser würde das nicht mehr reichen. Im Gründl-Katalog hatten wir Weinglashalter aus Teakholz gesehen, allerdings nur für zwei oder vier und nicht für sechs Gläser. imagesWRCE7LD7Mmmh, ein zweier und ein vierer Halter würden in das Fach an Backbord reinpassen, aber sah das dann gut aus? Dann sah ich bei AWN einen Halter für sechs Gläser, jedoch zu breit. Daher entschloss ich mich, selbst tätig zu werden. Mit dem Weinglashalter und dem Becherhalter aus der Do-it-yourself-Abteilung der eigenen Garage entstanden zwei doch ganz ansehnliche Werkstücke.

Becherimages4MS7Y295

Und dann kommt demnächst noch der Kühlschrank, denn auch den will ich noch vor dem Sommertörn angehen. Den Kompressor habe ich schon bestellt. Ich werde wirklich noch Bob, der Baumeister . . .

Aber zurück zur Solarzelle. Als ich an Bord war, da packte ich erst mal das Paket aus. Mich interessierte vor allem die Rückseite des Panels von Phaesun und die Anschlüsse. Irgendwie musste ich ja Zurrgurte daran festmachen können. Heike maß schon mal die benötigte Länge der Ripsbänder ab und zeichnete die Stellen an, an denen ich in den Alurahmen der Solarzelle Löcher bohren sollte. Das Festzurren auf der Rettungsinsel war ja eigentlich ganz einfach! In die Ripsbänder presste Heike Ösen ein. imagesDadurch konnten wir die Bänder an den Rahmen fest schrauben. An den Enden der Ripsbänder nähte Heike jeweils einen Streifen mit Kletthaken. An den Zurrgurten der Rettungsinsel wurden dann die passenden flauschigen Gegenstücke genäht. Und zur Absicherung montierte ich noch zwei Haltebügel links und rechts neben die Rettungsinsel, die Heike vorher in Ripsbandschlaufen einnähte. Mit Schnellspannern war die Querverspannung der Solarzelle an den kurzen Stücken befestigt. Das verhindert ein Verrutschen sowohl der Solarzelle, als auch der Rettungsinsel und im Notfall kann die Zelle auch schnell entfernt werden.

Mit dem Modul kletterte ich auf die Back und stellte fest, dass Abmessen so eine Sache ist. SolarDas Modul überlappte ringsum um mehr als nur 1 bis 2cm. WIESO DAS DENN? Ich hatte doch die Maße im Katalog verglichen: Rettungsinsel 730x480x300mm versus Solarmodul 734x535x35mm. In der Länge hätte es doch fast passen müssen.  Mmmh, ich hatte die Rundung der Rettungsinsel wohl geringer eingeschätzt. Egal, denn bei genauerer Betrachtung war es gar nicht schlimm, weil es ganz erheblich das Festzurren und auch die Kabelführung erleichterte. Das Anschlusskabel wollte ich durch das Kabinendach und dann hinter der Verschalung entlang führen. Hierfür musste ich mir dann noch eine zu verschraubende und wasserdichte Steckverbindung bestellen, allerdings wusste ich noch nicht, ob der Stecker zwei oder doch drei Pins brauchte. Der Laderegler hat nur zwei Buchsen, also zwei . . . nein, doch DREI Pins, weil das Modul ja geerdet werden muss! Der Laderegler SunSaverDuo war kleiner als gedacht und auch die Ausführung war bescheidener was die Anschlüsse betraf. Simple Schraubklemmen für die Anschlüsse der beiden Batterien und der Solarzelle, aber auf der Vorderseite! Ich erwog bereits eine Montage IN statt AN der Hundekoje, denn eigentlich wollte ich nicht, dass da viele Kabel offen im Fußraum der Nav-Ecke waren. Auch hier gab es eine einfache Lösung. Unmittelbar neben der Bordaußenwand gab es bereits eine Kabeldurchführung im Kojenunterbau. DSC_0135Der Laderegler passte geradeso da drüber. Jetzt verschwanden die Kabel sofort in den Batterieraum, bzw. hinter den Navtisch und man kommt trotzdem noch einigermaßen bequem an die Einstellung zu Ladeverteilung. Ich vertagte mangels Stecker und mangels der Sicherung für die Batterien, welche ich aber umgehend bestellte.

DSC_0112Dann tauschte ich noch den Schalter des Ankerlichtes aus, denn neulich hatte ich schon den Sicherungsautomaten getauscht und bei einer Querverkabelung mit dem Schalter des Topplichtes ging das Ankerlicht! So fand ich raus, dass nur der Schalter defekt war und nicht der Sicherungsautomat. Ein Bauteil für nur 3 statt 22 Euro! Aber erst mal auf die Idee kommen, na egal, jetzt leuchtet es ja wieder.

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nur die Belegung musste ich mir jetzt noch merken . . .

Einige Zeit später traf das restliche Material endlich ein, nun konnte die Installation endlich losgehen. Ursprünglich wollte ich die Arbeit durch einen Elektriker erledigen lassen, doch nach etwas Lektüre in diversen Foren und der Montageanleitung des Ladereglers traute ich mir den Anschluss an die Batterie selber zu. Ich hatte mir ein zweiadriges Kabel für die Verbindung vom Anschluss der Zelle zum Laderegler und ein einadriges Kabel für die Erdung geholt und machte mich an den Abbau der Deckenverschalung. Das war nicht so leicht wie ich dachte. Als nächstes lötete ich die beiden Kabel an die Einbaubuchse und isolierte das Ganze mit Schrumpfschlauch ab.

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schon wieder ein Loch ins Boot

Mit dem Akkuschrauber bewaffnet, bohrte ich dann ein Loch in das Kabinendach. Dann fieselte ich das Kabel durch das Loch und kittete das Ganze mit Pantera ab. DSC_0131Eigentlich wollte ich das Erdungskabel über die Steuerbordseite in die Mastbilge ziehen, aber dafür hätte ich innen ALLES abbauen müssen. Also zog ich es zusammen mit dem Anschlusskabel quer durch die Salondecke bis über den Navtisch. Dort angelangt, pfriemelte ich mich runter bis zum Fussraum und schloss das Erdungskabel an die Erdung der Batterie und das Anschlusskabel an den Laderegler an. Jetzt kam der knifflige Teil, bei dem mir auch etwas mulmig war. Schließlich sind Batterien ja auch eine Stromquelle. Mit Anschlussklemmen verband ich die Batterien mit dem Laderegler, wobei jeweils bei der roten Ader eine Flachsicherung mit 30 Ampère eingesetzt wurde. Fertig! Testen! Hoffentlich reichte die Lichteinstrahlung  . . . jetzt wurde es spannend. Ja, da war Ladestrom! Der Batteriemonitor zeigte bei laufendem Radio -0,4A statt -0,48 Ampère an. Aber es war ja auch schon spät und die Sonne stand tief. JUHUUU! Ich konnte förmlich die vielen kleinen Solar-Ampèrchens in die Akkus kriechen sehen. Endlich mal wieder eine Installation, die auf Anhieb funktionierte.

DSC_0147Die Montage auf der Rettungsinsel ist eine einfache (Übergangs-)Lösung, da ich noch keine (teure) Installation am Heckkorb vornehmen wollte. Hier lasse ich mir später mal was vom Metallbauer anfertigen. Aber erst mal sind die Zeiten der sofortigen Landstromaufnahme vorbei! Endlich können wir auch mal mehr als nur einen Tag vor Anker liegen. Ein kleiner Schritt für einen Elektriker, aber ein großer Schritt in Richtung Autarkie. Jetzt kann ich nur auf einen sonnigen Sommer hoffen.

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Eine neue Gasanlage . . .

Die Pantry der Rasalhague hat einen Gasherd. Das haben viele Yachten, ist also so gesehen keine Besonderheit, aber viele – insbesondere kleinere – Yachten sind auch selbst ausgebaut worden. Waren das denn ALLES Gasfachleute? Mit Sicherheit nicht! In einschlägigen Foren hatte ich die Diskussion Gasanlage versus Spirituskocher gelesen. Meine eigene Erfahrung mit Spirituskochern hatte mich schon beim Kauf des Bootes entschieden gegen derartige Kochgelegenheiten votieren lassen. Ich durfte mal bei einem Segelausbildungstörn auf einer Nadine 28 mit einem Spirituskocher Bekanntschaft machen. Das war so ein Teil mit zwei Kochflammen unter denen die flache, offene Wanne mit Spiritus war. Mitten beim Kochen war natürlich der Spiritus aufgebraucht. Wir “betankten” die Wanne, aber natürlich kleckerte auch was daneben, nämlich auf die heiße Oberfläche. Der Brennstoff entzündete sich nicht sofort, sondern verbreitete sich dampfartig im Boot und als die Flamme wieder angezündet wurde, dauerte es auch nur wenige Sekunden, bis eine Stichflamme empor schoss und die halbe Pantry in Flammen stand, weil sich der verdampfte Spiritus an den Oberflächen abgesetzt hatte. Das Feuer wurde mit Handtüchern schnell gelöscht, nur um Minuten später wieder von Neuem entfacht zu werden, als beißender Rauch aus den Schapps kam. Auch die in den Schapps gelagerten Handtücher hatten sich mit Spiritus getränkt und entzündeten sich selbst. Passiert ist damals nicht viel. Wir kamen mit einem Schreck davon und die Inneneinrichtung hatte nur ein paar Brandflecken. Aber die Erinnerung daran ist mir bis heute wahrlich lebhaft ins Gedächtnis “eingebrannt” worden. Die Brandgefahr durch Spiritus ist mit zu hoch und es kursieren Geschichten über Boote, die bis zur Wasserlinie abgefackelt sind. Klar, auch Gas ist gefährlich. Falsch installiert, konnte einem schon mal was in die Luft fliegen. Aber weitaus gefährlicher ist der unsichtbare Tod durch Ersticken, der bei einem Gasleck lauert, insbesondere wenn die Gasbuddel IM INNEREN des Bootes angeschlossen ist. Und das ist bei uns noch immer der Fall.

Schon letztes Jahr hatte ich einen Installateur an Bord wegen der Gasanlage. Aber meine Idee lehnte er ab und ich dafür seinen Vorschlag, denn freiwillig wollte ich kein Loch im Rumpf. Ich startete einen erneuten Versuch, denn inzwischen hatte ich eine für mich akzeptable Lösung gefunden. Hatte ich letztes Jahr noch auf einem Gasflaschencontainer in der Backbordbackskiste rumgedacht und den Einbau in der hinteren Backskiste verworfen, weil da kein Platz wäre, so erschien mir die Lösung heute sinniger und praktikabler denn je. Warum? images1KBSWK6PNun, weil mir ein Flaschenbehälter ins Auge gefallen war, der nach der Entrümpelung in der hinteren Backskiste leicht zu verstauen bzw. zu montieren war und vor allem, weil dort eine Entlüftung knapp oberhalb der Wasserlinie viel leichter zu realisieren war und mich nicht stören würde. Zwar musste dafür ebenfalls ein Borddurchlass geschaffen werden, aber der wäre backbords unterhalb des Heckspiegels, also im Prinzip gespiegelt zum Abgas- und Kühlwasseraustritt auf der Steuerbordseite.

Als erstes holte ich ALLES aus den Backskisten raus. Ein paar Sachen konnte ich auch gleich entsorgen, andere erstaunten mich. WOW! DSC_0106Die Sicherheitsausstattung des Bootes war umfangreicher als gedacht. In der hintersten Ecke der Backskiste stieß ich auf eine Markierungsboje. Falls nachts einer über Bord gehen würde, konnte man die Stelle damit besser markieren. Die Boje band ich gleich mal an die Reling, denn im Notfall sollte keiner in der Backskiste kramen müssen. Auch die Talje ist gut, denn der obere Umlenkblock hat eine Bremse. Unten musste nur noch ein Schäkel und ein Karabiner angebaut werden, fertig wäre die Bergungstalje. Mir schwebte schon eine Erprobung mit Heike bei wärmeren Wassertemperaturen vor. Bei der Gelegenheit erneuerte ich gleich mal die Schwimmleine des Rettungskragens und montierte noch eine Rapp-Rolle am Heckkorb. DSC_0105Das Ausräumen der achteren Backskiste gelang mir, aber reinklettern konnte ich nicht. Mit dem Brustkorb blieb ich stecken. Mmmmh, dann musste Heike es mal versuchen und die Arbeiten übernehmen.

Gascontainer
Platz hat er genug, aber reinkommen war knapp

Ich rief den Fachmann an, schilderte ihm meine Idee und vereinbarte erst mal ein Termin an Bord. Glücklicherweise war er dieses Mal mit meinen Vorstellungen einverstanden. Allerdings hatte sein geschultes Auge sofort ein Hindernis ausgemacht. “Den Gascontainer kriegst du da aber nicht hinein! Oder du musst das hier oben ein büschen aufsägen.” VERDAMMT! Es stimmte, die Öffnung war drei Zentimeter zu knapp bemessen, oder der Container drei Zentimeter zu groß. Ok, das ließ sich beheben. Also sägte ich mit der Stichsäge die Öffnung der Backskiste etwas weiter auf und nun passte der Container auch durch. Ich fragte nach dem Material, ob ich oder er es besorgen sollte . . .  schon gab er mir gleich 5m Kupferrohr so in die Hand und instruierte mich für die Verlegung der Rohrleitung. In die Backskiste würde er mit seiner Körpergröße nicht reinkommen und daher wollte er lediglich die Anschlüsse am Herd und an der Buddel selbst machen und alles andere mir überlassen. Kommt auch billiger. Ok, so lange es abgenommen wird! Bei der Gelegenheit fragte ich ihn gleich, ob denn auch der Kompressor für den Kühlschrank da ebenfalls installiert werden könnte. “Lieber in der anderen Backskiste. Da muss Luft ran und außerdem ist die mitgelieferte Leitung nicht so lang. Aber nimm bloß nicht denn da!” er zeigte im aufgeschlagenen Katalog auf just den Kompressor, den ich bestellt hatte. “Ich hab mal für die Firma gearbeitet. Die Kupplung ist bei 50% der Geräte nach etwa zwei Wochen undicht. Wenn du den bestellst, schließe ich dir ihn nicht an!” AHA! Na, das war mal eine Aussage! Ok, das ließ sich ja noch ändern, auch wenn ich dadurch wieder Zeit verlieren würde. Umgehend schickte ich den Kompressor zurück und bestellte den anderen, den er mir empfohlen hatte, der obendrein auch noch günstiger war!

In der Backbordbackskiste verbaute ich kleine Holme aus Holz, die ich festklemmte und dann mit Glasfaser und Epoxy ans GFK zementierte. An die Holme brachte ich die Schellen für die Gas- und die Kühlmittelleitung an. RohrZu meinem Glück war lediglich durch das achtere Schott ein Loch zu bohren, denn das Schott zur Pantry hatte bereits eines, das ich auch nutzen konnte. Ich zog das Kupferrohr von der Backskiste nach vorne in die Pantry und durch die Öffnung nach achtern. Währenddessen verlegte Heike auf der Steuerbordseite das Kabel für das Fernschaltventil.

Auf das hintere Ende des Kupferrohres montierte eine Schneidringkupplung, die am Behälter angeschlossen wurde. Der Behälter musste glücklicherweise nicht vorgezogen werden, obwohl ich zunächst befürchtete, dass das beim Flaschentausch nötig wäre. Heike verleimte drei Holzklötze auf die Bodenplatten, quasi als Podest für den Behälter, damit der Drainageschlauch ein Gefälle aufweist. Außerdem ist er mit dem Zurrgurt an einen Balken an der Innenseite der vorderen Backskistenwand geschraubt. Den Holzbalken dafür haben wir mit Glasfaser und Epoxy zementiert. Jetzt musste Heike nur noch den HeikeEntlüftungsschlauch mit dem neuen Borddurchlass einbauen. Dazu zwängte Heike sich schlangenmenschengleich in die Backskiste hinein, aber zu meiner Überraschung fand sie es dann gar nicht unbequem, da sie viel Platz hatte. Also bohrte sie ein kleines Loch in die Außenhaut unterhalb des Heckspiegels.

Gasloch
Heike hat ein Loch in mein Boot gemacht!

Ich hielt die Luft an, ‘Jetzt bloß kein Wellenschlag, sonst wird es nass.’ Heike wechselte den Aufsatz und fräste das Loch auf. Ich hatte derweil den Fitting mit Pantera eingeschmiert und Heike kletterte über die Badeleiter nach außen und steckte den Borddurchlass von außen rein. Mmmh, jetzt musste ich den von innen festhalten, also beugte ich mich kopfüber in die Backskiste, rutschte mit dem Oberkörper rein, konnte von innen abkitten und konterte dann mit der Mutter. Fertig, aber jetzt kam ich nicht mehr raus . . . OH GOTT, ICH STECKE FEST. Irgendwie kam ich wieder frei (mit ein paar Schrammen an den Rippen), also stieg Heike wieder in die Backskiste. Den Fitting umwickelte sie mit Teflonband und schraubte dann ein 90°-Rohr auf, an das eine Schlauchtülle montiert wurde. Ich saß derweil in der Backbordbackskiste Gasentlüftungund führte neben der Gasleitung auch den neuen Bilgenschlauch nach achtern, Heike stülpte als letztes den Gasdrainageschlauch auf den Borddurchlass und zog die Schlauchschellen so fest sie konnte. Unser Bootsnachbar Horst sah Heikes Kopf aus der Backskiste gucken und meinte nur: “Na, nicht ein bisschen eng da drin?” – “Och nö!” Jetzt kam ich aus der andere Kiste. Horst war jetzt total verwundert: “Sagt mal, ist euch das Boot zu klein oder wohnt ihr etwa in euren Backskisten?”

Zwischendurch hatten wir noch die Eingebung, die Ersatzgasflasche in den Container einzusetzen und mal zu schauen, wie wir die Flasche austauschen können OHNE den Gascontainer vorzuziehen oder auszubauen. Aber die Flasche passte gar nicht . . . NEEEEE, ODER? DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN! Ich fluchte, haderte, griff zum Katalog und las noch mal . . . “Für Flaschen bis 3kg. Unsere hat aber nur 2,75kg. Warum passt das dann nicht?” Ich griff zum Handy und wollte mich beschweren, aber Heike beruhigte mich. Tatsächlich war der Container nicht wie angepriesen 27cm im Durchmesser, sondern nur 26,5cm. Die Öffnung war dementsprechend auch nicht 21cm, sondern 20,5cm breit. EIN HALBER ZENTIMETER. Lag es an der Flasche? Nee! Die sind genormt. Und die Campingaz-Flaschen sind die mit der größten Verbreitung. Heike raspelte zuhause einfach den Wulst ab und schon passte die Flasche rein . . . oder doch nicht? Jetzt waren die Führungsduchten zu eng. OH MANN! Also schliffen wir die auch noch an. Nach ewigem Raspeln – das Plastik wurde immer durchsichtiger – passte allmählich die Flasche.

Der Installateur kam ein paar Tage später und begutachtete die Leitung. Alles war zu seiner Zufriedenheit, also führte er seine Prüfung durch. Jetzt kam der spannende Moment . . . DICHT! Der Druck entwich nicht. Nachdem er die Gasbuddel dann angeschlossen hatte, führte er auch noch die Feuerprobe durch. Auch alles bestens. Das genügt den Vorschriften allemal und vor allem das Fernschaltventil dient auch unserem Wohlbefinden. Bisher kontrollierten Heike und ich eher einmal zu viel als zu wenig, ob wir das Ventil der Gasflasche auch wieder zugedreht hatten. Jetzt musste ich nur einen neuen Druckregler besorgen, denn das neue Fernschaltventil passte sonst nicht in den Container. Ich bekam die PrüfplaketteDSC_0108 . . . “aber auch nur, wenn du mir versprichst einen neuen Druckregler mit Manometer zu besorgen.” – “Geht klar.” Also fuhr ich stehenden Fußes zu AWN, quälte mich durch die Kieler Rushhour und kaufte das nötige Teil. Zurück an Bord baute ich es auch gleich ein . . . d.h. ich versuchte es. KEINE CHANCE! Mit der Flasche im Container bekam ich den Regler nicht annähernd ans Flaschenventil. Holte ich die Flasche raus und schloss den Regler außerhalb an, passte die Flasche danach nicht rein. ZU GROSS! Und zwar ziemlich genau um das Stückchen, was das Manometer ausmachte. Ich rief meinen Gasmeister an und fragte, ob ich auch eins ohne Manometer nehmen könnte. “Das passt garantiert rein. Ich hab doch erst neulich zwei Installationen in solchen Containern vorgenommen.” Tja, aber nicht bei unserem Murks-Schrumpf-Teil. “Joaaa, wenn’s nicht anders geht, dann soll mir das auch recht sein.” Schön! Also setzte ich mich wieder ins Auto, fuhr zu AWN . . . und stand wieder in der Rushhour. Mit dem Regler OHNE MANOMETER passte es doch jetzt, oder? NEEE! Jetzt scheiterte ich beinahe am Fernschaltventil! “Das ist doch zum Mäusemelken!” Gottseidank ist das Plastik etwas flexibel, aber so richtig passte es noch nicht rein. Ich war mir sicher, die richtige Variante gefunden zu haben, aber noch immer klemmte das Ventil in der Containeröffnung. Ganz vorsichtig stellte ich mich drauf, aber die Flasche rutschte nicht tiefer. Ich sah, dass das Metall der Schlauchkupplung sich im Plastik verhakte und zog die Flasche wieder raus, setzte neu an, achtete auf die Schlauchkupplung, dehnte das Plastik, damit das Fernschaltventil reinpasste und . . . FLUMP. DSC_0110HURRA! Drin! Hoffentlich hat die Flasche eine LEBENSLANGE Füllung, denn der Flaschentausch wird garantiert ein Gequäle. Das weiß ich jetzt schon!  Murphy’s Law: Was leicht aussieht, ist nahezu unlösbar schwer!

Jetzt bohrte ich noch eine Durchführung für das Kabel in die Containerwand und schloss das Fernschaltventil an einen Wippschalter in der Schalttafel an. Jetzt können wir anhand der kleinen Leuchtdiode sehen, ob das Ventil noch offen ist. imagesRT2C8R12‘Mmmmh, die ist aber sehr klein. Ok, dann doch mit meinem Wippschalter kombinieren!’ Gesagt, getan. Viel besser! Und funktioniert es? JAAAAA, wie wunderbar!DSC_0132 Keine Unsicherheiten mehr und vor allem . . . keine Erstickungsgefahr mehr!

Ich kann meinen Gasmeister nur empfehlen, den Container aber . . . VERFLUCHE ICH!

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Zum Eisessen nach Eckernförde . . . und einen Höllentrip in den Mai

Am letzten Aprilwochenende sollte richtig tolles Wetter auf uns warten. Die ersten Prognosen sprachen von 4 – 5 Bft. Genau richtig zum Ansegeln. Heike hatte sich jedoch lang aufgeschobenen Papierkram vorgenommen und so bin ich dann nur mit Rostja raus. Ich holte ihn zuhause ab und fuhr dann gleich nach Schilksee. Wir machten das Boot seeklar und legten etwa viertel vor elf ab.

vor Bülk trainierten jede Menge J80 für eine Regatta

Vor der Hafeneinfahrt war das Wasser schon deutlich unruhiger, aber alles noch im harmlosen Bereich. Rostja setzte Groß und Fock und dann hielten wir auf die Landzunge von Bülk zu. Als Ziel hatte ich Eckernförde gewählt, denn bei dem Ostwind würde zumindest die Hinfahrt recht zügig verlaufen. So war es dann in etwa auch. Laut GPS liefen wir um die 5kn, die Logge zeigte nichts an. Das war mir schon beim Testen mit den Jungs an Ostern aufgefallen. Vermutlich war zu viel Fett dran. Ich erwartete, dass sich die Anzeigewerte nach einer gewissen Weile einstellen würden. Was mich jedoch viel missmutiger stimmte, war die Windlupe, denn wir bekamen wieder keine Werte. Warum denn nur schon wieder nicht? Mir fiel zwar auf, dass der Richtungsanzeiger zuckte, aber er blieb dennoch auf 0.

DSC_0077Inzwischen hatten wir Bülk umrundet und steuerten die Stollergrundrinne nach Nordwesten. Der Wind war ordentlich und wir dementsprechend auch schön schnell. Kurze Zeit später hatten wir den ersten Campingplatz am Nordufer der Eckernförder Bucht erreicht. Wir gingen auf einen Kurs von 250° und fuhren vorm Wind. Auf den Spinnaker verzichtete ich, denn der Wind war mir zu stark für das Spi. Also mit Schmetterling. Nach einer kleinen Weile zeigte dann die Logge ihre ersten Werte an. Noch nicht konstant, aber zumindest kamen schon mal Werte. Wiederum eine kleine Weile später kamen die Werte konstant und . . . oh HOPPLA . . . auch die Windlupe zeigte plötzlich was an. Mit einer scheinbaren Windgeschwindigkeit um die 6,5m/sec war das sogar realistisch. Allerdings schwankten die Werte dann doch arg. Nur wenn wir mal etwas mehr in den Wind drehten, “verstummte” die Anzeige. Merkwürdig, warum denn nur bei raumen Wind? ein Wackelkontakt konnten wir eigentlich ausschließen. Es mussten aller Adern verbunden sein, sonst wären überhaupt keine Daten zu sehen. Konnte die Lage der Windlupe die Lösung sein. In der Installationsanleitung stand drin, dass der Halter gerade und in Kielrichtung zu montieren ist. Mmmh, aber die Lage des Bootes dürfte doch nicht relevant sein, denn schließlich segelt man meist nicht auf ebenen Kiel, sondern mit Krängung und die Wellenbewegungen würden ein Stampfen auch noch bewirken. Nun gut, wir hatten die Windlupe auch noch nicht kalibriert, vielleicht würde sich dann das Problem schnell lösen.

In Eckernförde angekommen, zeigten sich die Lazy Jacks als echte Erleichterung. Zwar rutschte das Segel hinten etwas vom Baum, aber im Wesentlichen ging es um das selbstständige Falten des Segels am Mast . . . und das klappte vorzüglich. Wir suchten uns eine freie Box und dann holten wir uns ein Eis gleich beim Eisstand gegenüber. Rostja hatte Kaffee mitgebracht, denn wir an Bord tranken. Ich rief Heike an und kündigte unsere Rückkehr für etwa 20.00 Uhr an. Dann könnten wir ja noch auf dem Balkon grillen.

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Wir blieben nicht lang in Eckernförde, denn raus mussten wir kreuzen. Ich hoffte mit etwas Glück in 4 Schlägen aus der Bucht zu sein. Eckernförde – Aschau – Karlsminde – Noer – Waabs und dann rum. DSC_0076Der Wind hatte aber nochmals zugelegt. Wir setzten vor dem Hafen die Segel und dann ging es auf die Südseite der Bucht rüber. Schon der erste Schlag endete deutlich weiter westlich von Aschau als gehofft. Mit dem zweiten Tack hatten wir den Marinestützpunkt gerade mal hinter uns gelassen. Beim dritten Schlag wendeten wir schließlich an den Markierungsbojen der Unterwasserhorchstation von Aschau. Immer wieder kamen Wellen von etwa 1 bis 1,5m auf, die uns dann auch bald nass werden ließen, als der Bug die Wellen teilte. Noch weiter draußen – ich guckte auf die Uhr und staunte nicht schlecht, denn es war schon 19.00 Uhr – bäumten sich die Wellen steiler und steiler auf . . . und sie wurden höher.  Wir passierten die Untiefentonne Mittelgrund-Nord und ich erläuterte Rostja, warum die Untiefen höhere Wellen erzeugen können. Teilweise war der Hack so stark, dass das Boot nach einer Welle gleich von der nächsten erfasst wurde. Das knallte natürlich wahnsinnig. imagesH46BYLXKRostja stand am Steuer und ich fühlte mich plötzlich unwohl. Der Hack setzte meinem Magen zu. Beinahe ohne Vorwarnung musste ich dann in Lee Fische füttern. Danach ging es mir aber sofort wieder gut. Na sowas! Aber das war auch extrem. Als wir dann Stollergrund erreichten, hörte der Spass auf. Hier drückte die Grundsee hoch und die durch Windsee entstandenen Wellen wurden höher und steiler. Gerade noch auf dem Kamm einer Welle, schon ging es steil abwärts ins Wellental, das vorher kaum zu sehen gewesen war. So einen Hack hatte ich mit dem Boot noch nicht erlebt!

Die Sonne wollte schon verschwinden, also setzten wir Positionslichter und kämpften uns immer noch an der Steilküste vor Bülk entlang. Die wollte und wollte nicht enden! Auf der Logge waren immerhin Werte zwischen 4 bis 6kn abzulesen, aber auf dem GPS waren es höchstens 3,8kn. Puuuh, dann konnte es ja ewig dauern. Ich entschloss mich den Motor zu Hilfe zu nehmen, denn an Steuerbord kamen jetzt die flachen Stellen und ich wollte vermeiden, dass wir durch die Winddrift da hin abgedrängt wurden. Kaum waren wir um Bülk herum, da kletterte die Logge wieder auf über 7kn. Aus den 4 Schlägen waren 16 geworden! Ich stellte den Motor wieder ab. Eine Weile hielt ich noch mit Südkurs auf die Förde zu, denn ich wollte Abstand zu den Untiefen bekommen. Als wir dann Kurs auf Schilksee nahmen, unterlief uns eine Welle und wir surften auf ihr dahin . . . 9,2kn! Neuer Rekord. Na gut, die Geschwindigkeit hielt zwar nur wenige Sekunden, aber immerhin.

Im Dunkeln tastete ich mich an den Hafen heran, drehte in den Wind und Rostja barg die Segel. Das Anlegen war dann auch wieder eine Herausforderung, denn der Wind vertrieb die Rasalhague zunächst und auch der zweite Anlauf war nicht besser. Wir hingen dann vor den Dalben und zogen uns per Hand vor. Mit Hart Steuerbord klappte das Boot endlich in die Box. Es war 22.20 Uhr. Zwanzig Minuten später war das Boot seeklar zurück und wir . . . völlig fertig! Was für eine Fahrt!

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