Unspektakuläre Windjammerparade, dafür beinahe havariert in Bagenkop

Ich war fertig, es war 2.30 Uhr am Samstagmorgen. Die letzten Handgriffe am Boot waren erledigt und alles war aufgeräumt und sauber. Jetzt konnten wir pünktlich zur Auslaufparade endlich wieder Segeln gehen. Das traf sich gut, denn Heikes Schwester Ute, ihre Nichte Mareike und deren Freund Ricardo waren extra zum Mitsegeln bei der Windjammerparade aus Berlin angereist. Mareike – vor zwei Jahren war sie schon mit von der Partie – hatte die anderen zu einem Segeltörn überredet, mal eben nach der Parade nach Dänemark. Ok, warum nicht? Leider musste Heike passen, denn kurz nach einer Kiefer-OP war ihr mehr nach Ruhe.

2017-06-24 (4)

Um kurz nach neun war Auslaufen in Stickenhörn angesagt, denn dahin war ich während der Kieler Woche ausgewichen. Den Kühlschrank hatte ich in der Nacht bereits angestellt und die frischen Lebensmittel waren schnell darin verstaut. Tatsächlich war er bereits eiskalt. Sehr gut! Das bedeutete nämlich, dass der Kompressor selten nachkühlen musste und das wiederum hieß weniger Stromverbrauch.  Das Großsegel hatte ich am Vortag noch abgeholt und eingezogen, jetzt sollte es eingeweiht werden. Welcher Anlass wäre dafür würdiger, als die Windjammerparade bei der KiWo? Wir steuerten die lange Hauptgasse runter bis zur Hafenausfahrt. Vor uns zog ein größeres Segelboot (natürlich vom Kieler Yachtclub) aus der Box und rief uns mit “Hey, hey!” an. Wie bitte? Vielleicht mache ich das demnächst auch mal. Funktioniert bestimmt auch beim Auto, einfach rückwärts aus der Parklücke fahren ohne Rücksicht auf Verkehr und “Hey, hey!” rufen. Ich will mit Sicherheit nicht besserwisserisch klingen oder mich als Regelfetischist outen, ABER mich ärgert immer wieder die Mentalität, dass teure Autos und teure Yachten ein scheinbar serienmäßig eingebautes Vorfahrtsrecht haben. DEM IST ABER NICHT SO, VERFLUCHT NOCH EINS!

Mit großer Geduld und wenig Seglerlatein erläuterte ich jeden einzelnen Handgriff und so war Ablegen und Segelsetzen keine Schwierigkeit. Auch das Richten der untersten Latte, die aus der Halterung am Mast gerutscht war, klappte wirklich gut. Wie fuhren bei etwa 4 Bft – die Windmessanlage war komplett ausgefallen, vermutlich Stromversorgung unterbrochen – auf die andere Seite der Förde und kreuzten vor dem Ostufer auf und ab. Dabei erklärte ich die Abläufe bei Wende und Halse und teilte jedem eine feste Aufgabe zu.

Hey, ein Schwesterschiff der Rasalhague
Hey, ein Schwesterschiff der Rasalhague

An Backbord kam uns einige Segler entgegen und ich stutze, denn da war doch . . . DA WAR DOCH . . . eines dabei, das sah so aus . . . WIE UNSERE RASALHAGUE. Ich halste und folgte dem Boot. Da wir neben Groß auch die Arbeitsfock gesetzt hatten und das andere Boot nur mit Rollfock unterwegs war, holten wir schnell auf. Eindeutig eine Boström! Der Bauch, die Holzzierleiste, das Rigg, und als wir noch näher herankamen, konnte man auch auf dem Süll “Boström B31″ lesen. Der Name . . . den danske pige! ‘Oh, nicht sehr schmeichelhaft!’ dachte ich, weil ich “pige” vom englischen pig ableitete – mein Dänisch ist noch sehr verbesserungsbedürftig -, bis ich mir die Übersetzung ansah: Das dänische Mädchen. Oooops, ok, DAS war völlig akzeptabel!

Kurz vor elf sollten sich die Tall ships vor der Wik sammeln, . . . aber wo waren sie denn? Dass die Gorch Fock noch in der Werft war und deshalb die Thor Heyerdahl die Parade anführen sollte, das wusste ich bereits, aber das kein einziger Windjammer dabei sein sollte, DAS WAR ENTTÄUSCHEND! 2017-06-24 (18)Als zweites Schiff folgte die Mercedes und dann kam die Artemis – beides alte Bekannte. Das restliche Feld riss aber ab und kam auch nicht über Friedrichsort hinaus. 2017-06-24 (39)Auf der Innenförde riegelte die Wasserschutzpolizei die Traditionssegler rigoros ab. Ein Motorboot, das mir schon zweimal vor den Bug rumtuckerte, wurde von einem WaPo-Schlauchboot abgedrängt und kreuzte mir wieder VOR DEN BUG und wollte auch noch langsamer werden. Ich bin ja für ein Motorbootverbot bei der Windjammerparade. Schließlich geht es ums Segeln und nicht ums Wasserquirlen. Wenn ich darüber nachdenke, dann kann man das zwistige und angespannte Verhältnis von Motorbootfahrern zu Seglern mit dem zwischen Auto- und Motorradfahrern vergleichen. Verkehrsregeln scheinen auch nur für die eine Sorte zu gelten.

Schlechtes Material oder schlechte Verarbeitung? Der Segelmacher wird es mir erklären müssen.
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Nur die Thor Heyerdahl, die Mercedes und die Artemis segelten in die Außenförde

Hinter der Friedrichsorter Enge lief ich mit Nordkurs Richtung Kiel-Leuchtturm. Von da aus sollte es mir 030° nach Bagenkop gehen. Noch bevor wir die Innenförde verlassen hatten, entdeckte ich schockiert einen Riß an meinem nagelneuen Großsegel! Das Unterliek löste sich vom Segel ab! WIE KONNTE DENN DAS PASSIEREN? Ich meine, das war noch nicht viel Wind, denn der sollte erst draußen kommen. Später, bei genauerer Betrachtung im Hafen erkannte ich, dass der Druck auf dem Segel nicht wie bei meinem alten Großsegel auf einem Rutscher lastete, sondern nur auf dem Unterliek. Als ich dann vom Törn zurück war, rief ich in Flensburg beim Segelmacher an und erklärte, was meiner Meinung nach fehlte. Glücklicherweise zeigte sich die Werkstatt schnell bereit, mir den Schaden zu reparieren.

2017-06-24 (49)Der eigentliche Hammer – das Abenteuer – sollte aber erst noch kommen. Die Überfahrt ging für meine Mitseglern nicht sonderlich bekömmlich vonstatten, was aber an 1,5m hohen Wellen und Wind um die 6 Bft lag. Die Fische bekamen zumindest ihren Anteil. Da es zwischenzeitlich heftig regnete, waren die Mädels völlig durchnässt. Heikes Warnung wurde sträflich in den Wind geschlagen. Ohne Karte und Tablet hatte ich mich auf meine Seekarte im Kopf verlassen. 2017-06-24 (41)Bei einem Kurs von 360° bis 010° bekamen wir etwas westlich von Marstal die Südküste Ærøs in Sicht. Der üblich Kurs mit 030° ließ sich nicht halten, denn die Wellen von schräg achtern brachten das Boot dann zum Schlingern und unfreiwillig Halsen wollte ich auch nicht. Jetzt aber hielt ich mit 090° auf Langeland zu und bald konnte ich die ersten schemenhaften Umrisse ausmachen.  Ein dichtes Regenband zog durch und nahm uns jegliche Sicht nach Osten. Während wir mit 7kn auf Bagenkop zuhielten, hoffte ich inständig, dass die Küste wenigstens zwei, drei Kabel vorher wieder sichtbar wurde. Da gibt es ein paar Untiefen und die Steilküste ist auch nicht gerade einladend. Aber alles verlief gut, denn wir kamen unmittelbar vor Bagenkop an. Vor dem Hafen ging ich in den Wind und ließ Mareike die Fock bergen. Dann wollte ich den Motor starten, aber die Batterie war tot, nein BEIDE Batterien waren tot! MAUSETOT! Au weia! Aufschießer mit ungeübten Seglern fahren? Konnte ich den anderen das zu trauen? War das hier im Hafen gut machbar? Ich wagte es – hatte ich denn eine andere Wahl? – und erläuterte das Manöver. Unter Großsegel ging es in den Vorhafen. Ich lief mit Wind von achtern in das Hafenbecken und holte etwa 10m vor der Kaimauer rum. Leider ließ ich das Groß zu früh bergen, denn schwupps war die Fahrt weg und der Wind drückte sofort den Bug rum. WIR GERIETEN IN LEGERWALL. Das Boot trieb auf die Pier zu. Ich rief einem anderen Segler zu, wir bräuchten Hilfe, zu erst in deutsch und als er mich nicht verstand auf englisch. “Fender raus. Vorleine über!” Etwas unsanft, aber abgefendert traf zu erst der Bug und dann der Bauch auf die ROSTIGSTE Pier, die ich je gesehen hab. Schnell band ich die Achterleine um eine Metall- . . . um eine Roststange und versuchte das Boot zu sichern. Die anderen Segler im Hafen kamen mit Kugelfendern und einem Brett angerannt und fenderten uns noch besser ab. Glücklicherweise passierte nicht viel. Ein Relingspfosten war verbogen, die Außenhaut hatte ein paar leichte Schrammen und etliche schwarze Schlieren von den Traktorreifen der Pier und die Überzüge der Fender waren teilweise zerfetzt, zumindest aber schwarz geworden. Großartig, aber hier konnten wir UNMÖGLICH bleiben, denn die Wellen kamen von der Seite und hoben und senkten das Boot an der Pier rauf und runter. Die Leinen wurden wieder gelöst und das Boot von drei Leuten auf der Pier mit den Leinen vorgezogen. Die Pier knickte dann um etwa 80° nach rechts ab und das Boot wurde rumgezogen. Jetzt lagen wir mit der Nase im Wind und ich war deutlich erleichtert. Beim nächsten Stromautomaten machten wir fest und ich lud gleich die Batterie wieder auf. Jedoch war der Ladestrom nicht besonders üppig. Nach einer halben Stunde versuchte ich zu starten, NIX. Nach einer weiteren Stunde ein erneuter Versuch. WIEDER NIX. Ok, dann eben über Nacht vollladen und dann erneut versuchen.2017-06-25 (14)

Der Hafenmeister kam vorbei und empfahl mir, auf die andere Seite der Mole zu gehen. Da wären die Wellen schwächer. Das hatte ich auch vor, allerdings zunächst unter Motor. Mit den anderen Seglern, dessen Hilfsbereitschaft wirklich bemerkenswert war, zogen wir das Boot um die Spitze der Mole auf die andere Seite. Einer schlug vor, so gleich festzumachen, doch ich wollte nicht die Nacht mit dem Heck im Wind liegenbleiben. “Nein, wir ziehen das Boot rum, dann drücken wir das Heck von der Pier ab und lassen den Wind den Rest machen. Es klappt rum und die Nase liegt wieder im Wind. Dann schaukelt es nachts auch nicht.” gab ich zurück. Gesagt, getan und es klappte auch vorzüglich. 2017-06-25 (1)So, fest vertäut mit Vor- und Achterleine, Vor- und Achterspring, angeschlossen an den Stromautomaten, konnten wir die Nacht über bleiben. Freie Boxen waren genug da, aber kaum eine hatte eine ruhige Lage. Deshalb war die Pier hier genauso gut oder schlecht wie die anderen Liegeplätze.

Für das Abendessen hatte ich Spaghetti Bolognese gedacht, öffnete den Kühlschrank und stellte erstaunt fest, wie kalt die Sachen waren, obwohl ich die Verbraucher Stunden vorher abgeschaltet hatte. Der Kühlschrank isoliert also wirklich sehr gut . . . und Stufe 1 reicht völlig aus, denn mit dem Thermostat auf Stufe 7 würde alles gefrieren. Jetzt kam der kritische Punkt, denn wenn die Batterie keinen Saft mehr liefern würde, dann würde der Gasherd auch kein Gas mehr bekommen, da das Fernschaltventil nur elektrisch öffnet. Es reichte aus und auch die 6V zum “Auflassen” des Ventils  lieferte die Batterie während des Kochens. Ich improvisierte etwas beim kochen, da noch nicht alles an Bord war und weihte dann unser neues Geschirr ein. Herrlich! Als ich mich dann eingehend mit dem Batteriestatus auseinander setzte, stolperte ich über eine interessante Sache. Der Batteriemonitor gab schon wieder an, die Verbraucherbatterie hätte 105Ah. Die Fernanzeige der Solarzelle hat aber ein Untermenü, das mir glaubhaftere Werte anzeigte. Nämlich nur 29Ah, die Starterbatterie sogar nur 7,4Ah. OHAUA HAUA HA! Auch die Spannung ließ sich besser ablesen. So lange die Sonne noch schien, lud die Solarzelle die Batterie besser auf, als der Landstromanschluss! Und das auch bei wolkenverhangenem Himmel! Für mich war schnell klar, das zumindest die Starterbatterie ersetzt werden musste. Aber auch die Verbraucherbatterie entlud sich für mein Verständnis inzwischen zu schnell. Da der Wind am nächsten Tag bis 7Bft zunehmen sollte, band ich das Groß vorsichtshalber ins 1. Reff und wechselte mit Ricardo das Vorsegel von Arbeitsfock auf Sturmfock. Das Reff im Groß würde auch das Unterliek entlasten, damit der Riss nicht größer wurde.2017-06-24 (51)

Die Nacht verlief unerwartet ruhig. Der Wind ließ zum Morgen hin nach und es regnete mal wieder. Ich stand um etwa 08:00 Uhr auf und ging dann zum Havne Bageren, besorgte Rundstykker und – auch hier gab es den Schoko-Marzipan-Nusskuchen – eine Torte! So besonders lecker wie die aus Flensburg war die hier nicht, aber es war eine Schoko-Marzipan-Nusstorte! Die Torte sollte am Nachmittag nach dem Einlaufen verzehrt werden. Wir frühstückten und anschließend wagte ich es, den Motor zu starten. Wenn er nicht anspringen würde, dann wollte ich unter Segel nur mit Groß raus. Der Motor wummerte sich wach und mir fiel ein Stein vom Herzen. GOTT SEI DANK! Sicherheitshalber ließ ich aber alle unnötigen elektrischen Verbraucher aus.

Wir liefen aus und beim Gasgeben fiel mir auf, das der Propeller nicht sofort griff. War etwa meine Konstruktion am Klapppropeller sich am Auflösen? Kurze Zeit später, Bagenkop war gerade mal eine halbe Meile hinter uns, machte es “Platsch”. Ich guckte in den Mast hoch und vermisste meine Windex! OCH NEE! Auch das noch! Die Windmessanlage war ja schon ein Tag vorher ausgefallen, jetzt war auch noch die Windex weg. Ab hier ging es nur nach Gefühl. Da der Wind nicht gedreht hatte – er kam immer noch aus West – und wir mit der Sturmfock jedoch keine Chance hatten, einen Kurs von 210° direkt nach Kiel zu fahren, steuerten wir einfach erst mal Südkurs. Mit 180°, manchmal sogar 190°, ging es auf die Küste der Hohwachter Bucht zu. 2017-06-25 (36)Die Überfahrt dorthin war gelinde gesagt feucht, denn die Rasalhague teilte die eine oder andere Welle so kräftig, sodass die Gischt hochstob und dann mit Wucht auf uns im Cockpit niederging. Trocken blieb nur, wer eine Schlechtwetterkleidung hatte. Mareike und Ute hatten erneut mit Übelkeit zu kämpfen, hielten sich aber wacker. Ricardo fühlte sich am Steuer deutlich wohler. Mitten auf See klingelte mein Handy: Migges Danish Bakery aus Flensburg! Ich könne am Montag zwei Torten abholen. UIIIIH! Wie gut, das ich mir bereits vorgenommen hatte, das Segel zurück zu bringen.

Vor uns lagen die Häuser von Kalifornien und Brasilien, also echt weit östlich von der Kieler Förde. Ich wendete und der neue Kurs war erschreckender Weise um die 320°! Das waren 130° zwischen den beiden Schlägen! So viel zur Sturmfock. Etwas später konnten wir die Color Line auslaufend erkennen, d.h. es war etwa drei Uhr. Auf die Frage, wann wir denn einlaufen würden, verkündete ich optimistisch: “Gegen 17.00 Uhr sind wir drin.” Wir kreuzten auf Stein zu, dann wieder auf Kiel-Leuchtturm und als wir endlich ins Fahrwasser einschwenken konnten, da kam uns die Stena Line entgegen. Nanu? Die läuft doch im Sommer um 18.00 Uhr aus, also musste es jetzt etwa 19.00 Uhr sein? TATSÄCHLICH! Wo war die Zeit geblieben? Hätte nicht gedacht, dass das Kreuzen so lange dauern würde.

Gegen halb neun war das Boot seeklar zurück in Stickenhörn. Ein abenteuerlicher Trip mit Schäden, die ich gerne vermieden hätte. Aber besser jetzt, als während des Sommertörns. Meine Mitsegler gingen mit dem Worten “Nie wieder segeln” von Bord. Mmmh, zu anstrengend? “Ja, und zu viel Wind und Wellen . . .” – “Tja, das gehört eben dazu . . . ” Später war aber die Freude und die Begeisterung wieder da, schließlich war der Törn ein echtes Abenteuer gewesen.  Beim Zusammenpacken unserer Sachen guckte Mareike auf die mitgebrachte Torte und sagte: “Die sieht ja ganz anders aus, als Heike sie mir beschrieben hat! Das ist ja eine Rolle.” – “Nein, sie ist rund.” – “Eh, nein, es ist eine Rolle.” Ich guckte nach und . . . das war tatsächlich eine MARZIPANBISKUITROLLE! VERDAMMT, die hatte mir die FALSCHE Torte eingepackt. Später meinte Mareike: “Wenn die richtige Torte genauso gut schmeckt, wie diese Biskuitrolle hier, dann ist sie echt gut.” – “Da liegen immer noch Welten . . . WELTEN dazwischen!” gab ich zurück.

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Normal ist das bei einem neuen Segel nicht, das gab auch der Geschäftsführer zu und versprach mir eine sofortige Reparatur und Verstärkung.

Ein paar wichtige Erkenntnisse konnte ich sammeln. Der Status der Batterien war erbarmungswürdig! Gott sei Dank konnte ich ja noch Ersatz besorgen, auch für die verlorene Windex. Das Großsegel zog ich ab und dabei fiel mir auf, das sich die rautenfömigen Verstärkungen an den Reffaugen bereits ablösten. Der Kleber hielt nicht und die Naht ging auf. Ich fuhr am Montag gleich zum Segelmacher nach Flensburg, zeigte dem Geschäftsführer die Schäden und der versprach mir umgehend eine Reparatur und auch er stimmte mir zu, das ein Schotrutscher das Unterliek deutlich verstärken und entlasten würde. Zusätzlich wolle er mir ein Zeising zum Festzurren des Schothorns geben. Ich konnte in seinem Gesicht ablesen, dass er wohl ein ernstes Gespräch mit seinen Mitarbeitern führen wollte. Ich hingegen war jetzt etwas entspannter und fuhr in Windes Eile zu Migges. Kurz vor sechs, kurz vor Ladenschluss bekam ich nun endlich, endlich die BESTE TORTE DER WELT!

wenn sie nur etwas größer wäre, würde ich ein Kopfsprung reinmachen
Wenn sie nur etwas größer wäre, würde ich ein Kopfsprung reinmachen

Den Ausfall der Windmessanlage und auch der Bilgenpumpe konnte ich schnell klären und den Fehler beheben. Es waren wieder einmal die Kabel aus den Kabelschuhen gerutscht. Diese Klemmtechnik mag ja nett sein, aber bei mir an Bord taugt sie nicht viel. Ich heizte meinen Lötkolben an und verlötete die Kabel mit ihren Steckern, damit da nichts mehr rausrutscht. Und schon zeigte das Display wieder Windwerte an und auch die Bilgenpumpe sprang wieder an. Die Fenderbezüge konnten gewaschen, die Risse genäht werden. Die verbogene Relingsstütze störte erst mal nicht, außer vielleicht optisch. Und mit Schwamm und Reiniger konnte ich schon einige schwarze Schlieren vom Rumpf abwaschen. Alles nicht so schlimm. Die Kratzer im Gelcoat störten mich auch nicht, denn ich hatte ja eh vor, im Herbst zu polieren. Außerdem waren sie nicht tief, das konnte ich auch fühlen. Das neue Großsegel sollte noch vor dem Sommertörn wieder fertig sein, aber sicherheitshalber nehmen wir das alte als Ersatz mit. Glücklicherweise hatte Heike doch noch nicht mit dem Zerschneiden des Tuches begonnen.

JETZT WIRD ALLES GUT!

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Feinschliff für’s feine Schiff . . . oder das Ende des Umbau-Wahns

“Na, warst Du schon segeln?” fragte mich neulich ein Kollege in der Mittagspause. Tja, wenn ich auf unser Meilenkonto in diesem Jahr gucke, dann könnte man meinen, es sei April und das erste Wochenende nach dem Slippen und nicht bereits JUNI und schon KIELER WOCHE! Gerade mal 50sm! Das ist NICHTS! Weniger als nichts! Das ist . . . eine SÜNDE! “Och nee, nur drei mal, nicht viel.” Das erstaunte meinen Kollegen doch sehr, kannte er mich bisher als absolut segelbegeisterten alten Seebären, der nur zwangsweise auf dem ungeliebten Festland rumläuft, weil er irgendwie ja auch Geld verdienen muss. Das stimmt ja auch, denn wenn ich könnte, dann . . . aber bis zum Blue-Water-Törn wird noch einige Zeit vergehen. “Und warum denn nicht?” hakte er nach. Ja, warum denn nicht?

Weil wir UNGLAUBLICH viel gewuppt haben. Oder wie unser Nachbar Horst von der Nyx zu seiner Tochter neulich sagte: “Die machen in einem Jahr dass, was ich in zehn gemacht habe.” Na, mal sehen was da alles war (nach dem Slippen):

    • neue Kissenbezüge genäht
    • Vorhänge genäht und aufgehängt
    • Tischsets gehäkelt
    • Nils’ Holztafel mit Schiffsnamen montiert
    • Schiffsglocke eingebaut
    • Weinglashalter gebaut und montiert
    • Teppichmanschette für Mast und Teppichstücke bestellt
    • Becherhalter gebaut und montiert
    • Gasanlage umgebaut und Prüfung bestanden
    • Kühlschrank selbst gebaut und in Betrieb genommen
    • Windmessanlage instandgesetzt
    • Ankerlicht instandgesetzt
    • Solarzelle installiert
    • Zurrbänder für Solarzelle genäht
    • Bilgenlenzanlage eingebaut
    • 3x 12V Steckdose ausgebaut und in eigene Steckdosenleiste eingebaut
    • Gasfernschalter eingebaut und angeschlossen
    • Kühlschrank angeschlossen
    • 2x USB Steckdose eingebaut und angeschlossen
    • Radio neu abgesichert und auf Wippschalter gelegt
    • alten Frischwasserpumpenschalter ausgebaut
    • Frischwasserpumpe auf Wippschalter gelegt und neu abgesichert
    • Schwimmleine mit Rapp-Rolle installiert
    • UV-Schutz für Schwimmleine genäht
    • Frischwasseranlage überholt und neue Schläuche eingezogen
    • Absperrhahn eingebaut
    • Fusspumpe ausgebaut und zweite Frischwasserpumpe eingebaut
    • Scharnier vom Toilettendeckel ausgetauscht
    • Lüftungsgitter unter den Kojen im Salon eingebaut
    • Lazy Jacks installiert
    • Reling gekürzt und Sicherheitsleine eingesetzt
    • Halterung für Ersatzgasflasche montiert
    • Halterung für Lifelines und Rettungstalje installiert
    • Markierungsboje an Reling montiert
    • alte Leuchtstoffröhre in Pantry entfernt
    • neue LED-Lampen mit Bewegungssensor in Pantry montiert
    • neues Großsegel bestellt und eingezogen
    • Nav-Schapp verkleinert und Instrumententafel erweitert
    • Nasa MeteoMan installiert
    • SunSaver Fernanzeige installiert
    • Bilgenschotts eingebaut
    • neue Wasserarmatur in der Nasszelle eingebaut
    • Segelabweiser montiert
    • Wantenspanner-Schoner aufgezogen
    • Bug- und Heckwappen und Schriftzug gemalt
    • Steuerrad gereinigt
    • Landanschlussdose ausgebaut und neue eingebaut
    • Flaschenhalter aus altem Segeltuch für Steuersäule genäht
    • Kühlwasserpumpe abgedichtet
    • Bowdenzug für die Fahrtstufenregelung ausgetauscht

Und das ist mit Sicherheit nicht alles, aber für’s Erste langt das. Wenn ich das von Handwerkern hätte machen lassen . . . nun, dann würde mit Sicherheit allein für die Arbeitsstunden eine Zahlen mit einigen Nullen vor dem Komma auf der Rechnung stehen . . . und ich arm wie eine Kirchenmaus sein.

Beim Einbau der Solarzelle hatte ich lediglich auf den Laderegler geachtet, da ich annahm, mein Batteriemonitor würde mir genug Auskunft geben. Schnell wurde mir aber klar, dass dem nicht so seien würde. Ärgerlich, aber letztlich bestellte ich die Fernanzeige nach und schon wuchs ein weiteres Umbauprojekt daraus. Frei nach dem Motto: Hast Du ein Boot, hast du immer was zu tun! Ich erinnere mich mit Schmunzeln an unseren Segellehrer, der von einem Verhältnis von 100 Stunden Arbeit zu 1 Stunde Segeln gesprochen hatte. Dieses Jahr stimmte das auf jeden Fall.

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so sah es vorher aus: die großen Schapps lassen viel Platz vermuten, das täuscht aber

Als Erstes baute ich die Schiebetüren aus und kürzte sie. Hinter den Türen waren bisher zwei Fächer, wobei das obere davon eigentlich nicht genutzt werden konnte, da dort Kabel lang liefen und es eh sehr schmal war. Daher hatte ich die Idee, vor das obere Fach ein Brett für Anzeigen zu setzen. Darunter klebte ich eine Leiste, in die ein Tischler an der unteren Kante zwei Führungsnuten für die Schiebetüren gefräst hatte.

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wie man sieht, das obere Fach ist eigentlich ein großer Kabelkanal

Erst mal montierte ich an dem neuen Anzeigenbrett zunächst das Display des SunSaver und verlegte anschließend das Kabel runter zum Laderegler. Später färbte ich das Holz ordentlich mit Teakbeize, damit es die rotbraune Färbung bekam.

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kleinere Schapps unten, dafür viel Platz für neue Anzeigen oben,

Das untere Fach verkleidete ich von innen mit Sperrholz und beizte das Holz mit Teakbeize. Jetzt sah das schon viel besser als. Nicht mehr dieses komische PVC oder was auch immer das war. Der Handscheinwerfer erhielt ein eigenes Fach und auch einen neuen Stecker.

. . . wie z.B. das SunSaverDuo RM1. Man sieht sofort: die Solarzelle liefert gerade 0,26A

Weil ich schon mal dabei war, baute ich gleich noch die Unterteilung der Schublade und des Nav-Tisches. Bisher konnte da drin alles umher rutschen. Im Navtisch entstand so ein großes Fach für die Seekarten und kleine Fächer für DSC_0179Bleistifte, Spitzer, Radierer und dergleichen und noch ein längliches für die Signal- und Gastlandsflaggen. HA! Was für ein Glück wir hatten! Die abgesägten Stücke der Schapptüren waren EXAKT in der Höhe des Nav-Tischfaches und zwei Abschnitte hintereinander waren genauso lang wie die Seekarten. PERFEKT! In der Schublade unter dem Nav-Tisch entstanden mehrere kleinere, zwei mittlere und ein großes Fach. Was da genau rein sollte, das würde sich noch zeigen, wahrscheinlich einige Segelutensilien, wie Ersatzblöcke, Schäkel usw. DSC_0181Auf jeden Fall “Die Kiste für Rasalhague“, die Nils uns geschenkt hatte, und in der jetzt das Segelnähzeug Platz gefunden hatte.

Beim Aufräumen nervte mich mal wieder der Cockpittisch. Ständig war er im Weg. Der Voreigner hatte ihn in der Backkiste gelagert, aber ich befand den Dorn zum Einhaken in die Öse an der Kompasssäule als zu gefährlich für die Segel und außerdem war das Rauskramen auch sehr bescheiden: Alle Segelsäcke raus, Tisch raus, Segelsäcke wieder rein . . . NEE, zu umständlich! Deshalb verfrachteten wir den Tisch bisher in die Hundekoje. Letztlich wollte ich aber auch die Hundekoje nutzbar machen und da inzwischen die Kühlbox von Bord gegangen war (die stand auch auf der Hundekoje und sicherte den Tisch), musste jetzt etwas her, um den Tisch zu sichern. Kurzerhand schnitt ich zwei Ripsbänder ab, die ich an die Tischunterseite schraubte und schob dann die beiden Tischbeine rein. Das war Nummer eins. DSC_0190Nummer zwei war der Tisch selbst. An die Decke der Hundekoje schraubte ich ein Führungsholz. Unten konstruierte ich ein passendes Gegenstück. Prima. Der Tisch kann leicht raus und rein geschoben werden, nimmt jetzt wenig Platz ein und ist seefest verstaut. WARUM nur bin ich NICHT SCHON FRÜHER auf die Idee gekommen?

Was auch UNBEDINGT und ganz dringend noch vor dem Sommertörn fertig werden musste, war die Verlegung eines Mini-USB-Ladekabels zum Tablet. Bisher ging uns regelmäßig nach 3-5 Stunden die “elektronische Navigation” aus. Schlecht, wenn man insbesondere vor unbekannten Hafeneinfahrten oder in schlecht bzw. spärlich  betonnten Seegebieten es dann DRINGEND brauchte. Was spricht dagegen, ein Kabel dahin zu verlegen? Beim Einbau des Kühlschrankkompressors habe ich die Rasalhague wieder einmal etwas besser kennen gelernt. Eigentlich ganz schön peinlich, nach zwei Jahren, aber diesmal entdeckte ich den Tankraum, den ich mir noch gar nicht angesehen hatte. Warum auch? Wir verloren ja auch kein Kraftstoff und Dieselpest hatten wir auch keine. Ein Blick in den Tankraum und mir fiel sofort auf, wie leicht es wäre, dadurch ein Kabel zu verlegen.

ein Blich hinter das Funkgerät offenbart ein weiteres Kabelgewirr
ein Blick hinter das Funkgerät: Kabelziehen nur mit Bootshaken möglich

Ich bohrte also in den Haltebügel an der Tablethalterung ein Loch und zog ein langes Kabel hindurch. Den Fuß hatte ich abgebaut und bohrte durch das Holz und das GFK noch ein Loch, fädelte das Kabel dadurch und kletterte in die Hundekoje. Nachdem ich hier die Seitenwand des Tankraums abgeschraubt hatte, sollte diese doch zu entfernen sein. NEEEE, aus irgendeinem Grund verklemmte sich das Holz, aber ich kam mit dem Arm dennoch rein und fischte mir das Kabel. Von hieraus verlegte ich es in die Decke der Hundekoje und zog es – wieder mit Heike’s Bootshaken-Trick – vor bis zum Funkgerät. Ein neues Loch im oberen Fach des Nav-Schapps war schnell gebohrt. Im “Mega-Kabelkanal” installierte ich DSC_0177eine USB-Steckdose und schloss sie über eine fliegende Sicherung mit 7,5 Ampère an einen Wippschalter in der Schalttafel an. Das war natürlich zu viel, aber die 3A-Sicherung befand sich noch im Zulauf.  Auf das Ende des verlegten Kabels kam ein USB-Stecker und an das andere Ende am Haltebügel wurde der Mini-USB-Stecker gelötet. Da ich auch nur Strom und keine Daten wollte, brauchte ich nur die rote und schwarze Ader zu verlöten, grün und weiß kappte ich einfach. Wichtig dabei war, dass die Verlängerung einen größeren Querschnitt hat, damit der Strom überhaupt ankommt. USB-Kabel haben ja hauchdünne Adern. Ich nahm einfach das zweiadrige Kabel mit je 1,5mm². Damit war der Stromverlust durch die Leitung verhindert. Fertig! Mit dem Phasenprüfer testete ich und maß um die 4,75 Volt an der Steuersäule. Sehr gut!

JA, die Installation der Solarzelle war absolut notwendig gewesen, denn ab jetzt wollen Dauerverbraucher wie Kühlschrank, Bilgenlenzpumpe, Radio, Funkgerät, und Tablet versorgt werden. Das hätte sonst die Batterie ganz schön belastet. Und bei Sonnenschein liefert die Solarzelle im Idealfall 3,75 Ampère, also ungefähr doppelt so viel, wie durchschnittlich an Strom bei Tag verbraucht wird.

Vor ein paar Tagen war ich spontan mit einem Kollegen abends segeln, weil es brütend heiß war und wir etwas Abkühlung suchten. Viel Wind war jedoch nicht, deshalb gibt es hier auch im Grunde nichts zu davon zu berichten, ABER etwas muss dennoch erwähnt werden: Beim Anlegen bekam ich einen gehörigen Schrecken, denn als ich in der Gasse auf dem Teller drehen wollte und einen kräftigen Pull zurück gab, . . . PASSIERTE NICHTS! Nur ein wenig Schraubenstrom und Verwirbelung konnte ich auf dem Wasser sehen. Das reichte nicht zum rechtzeitigen Aufstoppen! Schnell das Ruder auf Hart Steuerbord gelegt, damit wir nicht auf ein anderes Boot aufliefen. Mit Geduld und Fingerspitzengefühl konnten wir auf kleinster Fahrtstufe das Anlegemanöver abschließen. WAS, UM HIMMELS WILLEN, WAR DENN NUN SCHON WIEDER? Als ich dann tags drauf das Problem analysierte, kam ich zum Schluss, dass der Bowdenzug, der die Fahrtstufe regelt – also den Treibstoffhahn aufzieht und schließt – defekt war. Zumindest lag die Ursache an der Übertragung vom Gashebel zum Motor, denn von Hand konnte ich die Fahrtstufe am Motor direkt verändern. Tags drauf konnte ich mit Heike den Fehler weiter einkreisen: Es war der Bowdenzug, vermutlich gerissen, denn es tat sich am Motor gar nichts, wenn Heike auf “Volle Kraft voraus” ging. Beim anderen Bowdenzug spürte man das Kabel im Mantel sich bewegen, aber der für die Fahrtstufe muckste nicht mal. So etwas MUSSTE ja unbedingt zur Kieler Woche, vor allem aber unmittelbar VOR UNSEREM SOMMERTÖRN passieren. So schlimm wie Robert Redford in “All is lost” erging es uns auf jeden Fall NOCH nicht, denn: Erstens waren wir IM Hafen und lagen gut vertäut am Steg. . . . Zweitens: Ich konnte mir schon gleich ein Ersatzteil besorgen. . . . und Drittens: Wir konnten immerhin noch segeln. Außerdem besser jetzt, als WÄHREND des Törns. Nicht auszudenken, und dann noch Flaute . . . PUUUH!

Der Yanmar SM12: Robustes Teil, der auch von Laien wie mir noch gewartet werden kann.
Der Yanmar YSM12: Robustes Teil, der auch von Laien wie mir noch gewartet werden kann. Die Ursache lokalisierte ich auf der linken Seite beim Bowdenzug der Fahrtstufe. Diagnose: Gerissen oder gebrochen.
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Das Corpus delicti: der Bowdenzug war direkt an der Verbindung Draht – Steuerstück gebrochen, ich denke mal Materialermüdung nach über 30 Jahren

Ich kaufte mir also bei AWN einen 7 Fuß langen Bowdenzug, das sollte lang genug sein. An Bord musste ich erst mal den alten Bowdenzug abbauen. Der Mitnehmer und das Gabelstück waren schnell entfernt, jetzt konnte ich den Draht raus ziehen. Ich zog und zog  und zog . . . ‘Mmmh, der ist deutlich länger als 7 Fuß!’ Ich befürchtete schon, dass ich ein längeres Steuerungsseil besorgen müsste. Das Ende kam in Sicht und sah für mich erst mal nicht verdächtig aus. ‘Vielleicht ist der Draht ja nur rausgerutscht. Kann ich das noch reparieren?’ Aber als ich am Schaltkasten das andere Ende des Bowdenzuges abmontierte, war dann klar: NEEEE, das Teil war gebrochen. Also musste das alte Steuerungsseil raus. Der Mantel des Bowdenzuges war mit einer Schelle an einer Halterung am Motorblock befestigt um den idealen Winkel für den Zug zu garantieren. Da ich nicht an die Schrauben der Schelle ran kam, versuchte ich die Halterung abzuschrauben. Für die zwei Bolzen benötigte ich fast EINE STUNDE! Wie kann man nur die Schrauben so ungünstig anbringen? DSC_0194Ich hab ja nun wirklich keine dicken Hände, aber nur mit Müh’ und Not bekam ich den Maulschlüssel in Position und konnte die Bolzen entfernen. Endlich war der Zug frei und konnte rausgezogen werden. Ich wollte dabei gleich den neuen Bowdenzug durchziehen und verband daher die beiden mit Tape. Dann kroch ich hinter in die Hundekoje und versuchte den alten Bowdenzug rauszuziehen. NICHT EIN MILLIMETER bewegte sich das Teil. MIST! Nachdem ich die Abdeckung gelöst hatte, erkannte ich warum: Der Zug war mit einer Schelle an der Rückwand des Tankraumes befestigt und die klemmte den Zug schön fest. Dummerweise konnte ich die Verkleidung nur lösen, aber nicht entfernen und damit blieb die Schelle außerhalb meiner Reichweite. Eine andere Lösung musste her. Ich ertastete die Kabelöffnung an der vorderen Schottwand des Tankraumes: Hier war noch Platz. Also schob ich den Bowdenzug da durch und konnte dann dass Ende von der Hundekoje aus hinter der Abdeckung fischen. Jetzt würde sich zeigen, ob der Zug zu kurz war. Ich zog ihn weiter durch und schraubte ihn am Schaltkasten an, kroch aus der Hundekoje raus und suchte im Motorraum nach dem anderen Ende. ES WAR WEG! ‘Mist, doch zu kurz!’ Ich tastete im Dunkel hinter dem Motor und konnte den Bowdenzug fassen. Er hatte sich nur anders hingelegt . . . und passte HAARGENAU. Nicht ein MILLIMETER zu kurz! DSC_0195Puuh, was für ein Glück! Jetzt musste ich nur noch die Halterung wieder an den Motorblock ran schrauben. Das dauerte zwar wieder sehr lang, aber letztendlich war der Bowdenzug an seinem Platz. Funktioniert es denn? Ich startete den Motor und gespannt gab ich Gas. DA! Es ließ sich schon bedeutend schwerer schalten und . . . JAAAA, das Boot zog an den Leinen. WOW! Heike meinte später: “Du kannst stolz auf dich sein, denn du hattest gleich eine Vermutung, hast das Problem sehr schnell richtig erkannt und du konntest es ALLEINE beheben. Hut ab!” Mmmh, stimmt schon, ein Mechaniker hätte schon für das “Guten Tag” wahrscheinlich 200 Flocken genommen, aber einen Mechaniker ersetzen werde ich deshalb noch immer nicht.

OP am offenen Herzen: die abgebrochene Schraube musste aufgebohrt werden
OP am offenen Herzen: die abgebrochene Schraube musste aufgebohrt werden

Bei der Gelegenheit ging ich aber gleich mal die Reparatur der Kühlwasserpumpe an, denn die leckte seit geraumer Zeit etwas. Mir war beim Impellerwechsel letztes oder vorletztes Jahr eine Schraube abgebrochen, konnte aber dennoch den Deckel wieder dicht ziehen. Leider war der Dichtungsring aus Papier inzwischen an der Stelle durchgerottet und daher tropfte es halt. Ich hatte noch Ersatz und tauschte dabei auch gleich alle Schrauben aus, denn die sahen alle nicht mehr besonders langlebig aus.

Patient hat überlebt: Dank der neuen Schrauben ist das Impellergehäuse wieder dicht
Patient hat überlebt: Dank der neuen Schrauben ist das Impellergehäuse wieder dicht

Da die neuen Schrauben aber länger sind, hab ich je eine Mutter und drei Unterlegscheiben als Druckverteiler und Abstandhalter eingesetzt. Mmmh, eigentlich clever, denn sollte der Schraubenkopf mal “vergriesnagelt” sein (wie meine Mom das zu nennen pflegte), hatte ich mit der Mutter und einem Maulschlüssel eine höhere Chance, die Schraube wieder gängig zu bekommen.

Auch Heike hatte noch so Einiges erledigt. So entstanden Taschen für die hintere Backskiste, in den z.B. die Wasserschläuche gelagert werden. Für den Salon hatte sie graue Tischsets gehäkelt,IMG-20170525-WA0005 passend zu unseren Kissen und Vorhängen, die sie selbstverständlich auch genäht hatte. IMG-20170525-WA0002Dann nähte sie eine Gardine für die Vorpiekluke, einen Vorhang für das Steckschott und passte auch noch einen Schonbezug und ein Spannbettlaken für die Vorpiek an. Überhaupt, es ist inzwischen sehr stilvoll an Bord geworden.

Mit Sehnsucht hatte ich bereits auf die Mail von meinem Segelmacher aus Flensburg gewartet, denn ich wollte das Segel selbst abholen und bei der Gelegenheit gleich bei Migges Danish Bakery eine dieser unbeschreiblich leckeren Marzipan-Schoko-Nusstorten holen. Am ersten Freitag der Kieler Woche traf die Mail ein, ich könne das Segel am Nachmittag abholen. Sicherheitshalber rief ich bei Migges an und wollte eine vorbestellen . . . und dann die KATASTROPHE! “Heute leider nicht im Angebot.” WAAAAAS? Wie konnte denn das passieren? Dennoch machten Heike und ich den Ausflug, allerdings mit dem Auto. Wieder keine Meilen auf der Logge! Aber wir hatten auch keine vier Tage Zeit um mit der Rasalhague nach Flensburg und zurück zu segeln. Schick sieht es aus, das neue Großsegel.

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Das neue Großsegel, nur noch die Latten einziehen und fertig

Am Samstag wollte ich es dann auch gleich aufziehen, aber . . . WAS WAR DAS? Die Mastrutscher sahen mir schon sehr verdächtig breit aus. Ob die passen? NEIN! NATÜRLICH NICHT! VERFLIXT! Einen Rutscher konnte ich mit Müh’ und Not in die Mastnut einfädeln, aber der Steg war zu breit um dann hoch geschoben zu werden. Wenigstens passen die Rutgerson-Schlitten der Segellatten problemlos in die Mastnut. Die Segelmacherei versprach mir das umgehend zu ändern. “Bei mir passen auf jeden Fall die Allen-Rutscher 458, denn das sind die jetzigen.” gab ich sicherheitshalber noch mit. Mmmh, ich rief dann gleich mal bei Migges an und wollte ZWEI Kuchen bestellen, einen für den ersten Versuch und einen zweiten, weil . . . er einfach klasse schmeckt. Ich fahr doch nicht nochmal ohne Chance auf Kuchen nach Flensburg! Aber hier spielte dann die Konditorei nicht mit. DANN HALT NICHT! Freitag vor der Parade waren die Mastrutscher getauscht und das Segel konnte endlich aufgezogen werden. Aus dem Tuch des alten Großsegels will Heike dann auch gleich mal zwei Flaschenhalter nähen, die an den Haltebügel geklettet werden können. Das wird auch sehr schick, da bin ich mir sicher!

Ich schaute mich um . . . nirgends war eine Baustelle. Waren wir wirklich fertig? Irgendwie konnte ich es nicht glauben, aber wir waren mit den Verbesserungen und Umbauten tatsächlich durch. Die Rasalhague war wirklich, wirklich fertig! War ja auch höchste Zeit, denn der Sommertörn steht unmittelbar vor der Tür.

Jetzt, . . . ja JETZT . . . ist sie ECHT KLASSE!

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Eine neue Frischwasseranlage . . . diesmal aber richtig

Vor zwei Jahren hatte ich das Projekt Frischwasseranlage ja bereits in Angriff genommen (siehe Eine neue Frischwasseranlage . . . ) und dachte, damit den Stein der Weisen gefunden zu haben. Aber so richtig war es nicht der goldene Wurf. Die Idee mit dem Wasserzähler war an und für sich nicht schlecht, wurde aber in der Praxis nicht genutzt, da ich den Wasserzähler nicht ideal einbauen konnte. Außerdem hatte der neue Tank jetzt mehr Druck drauf und nach der zweiten Saison gab das Plastik des Wasserzählers der Belastung nach und brach. Ich konnte das zwar notdürftig reparieren, jedoch leckte die gesamt Anlage weiterhin, in erster Linie, weil die bisherigen alten Schläuche nicht druckbeständig waren.  Und ein weiteres unschönes Phänomen war, dass ab 90 Liter im Tank der Druck ausreichte um das Wasser an der Fußpumpe vorbei aus dem Auslaufhahn zu befördern. Effektiv konnte man also nur etwa 80 Liter bunkern, darüber hinaus hatten wir sofort “fließend Wasser” im Bad. TOLL! . . . wohl eher nicht.

Kein Seeventil, aber verhindert auch Wasser in der Bilge
Kein Seeventil, aber verhindert auch Wasser in der Bilge

Die erste Maßnahme, die ich dieses Jahr ergriff, war der Einbau eines Absperrventils, damit die Pumpen nicht ständig unter Druck standen. Tatsächlich zahlte sich der Absperrhahn schon bald aus, da die alten Schläuche immer noch leckten und ich damit erst mal ein weiteres Auslaufen verhindern konnte. Den Schlauch vom Tank bis zum Absperrventil ersetzte ich dabei gleich mit einem 13mm PVC-Gewebeschlauch: druckbeständig und sauber!

dürftige Skizze: man erkennt aber dennoch, aus wie vielen Teilen die Zuleitungen bestehen
dürftige Skizze: man erkennt aber dennoch, aus wie vielen Teilen die Zuleitungen bestehen

Als Nächstes beschäftigte ich mich mit dem Wassereinfüllstützen auf der Backbordseite. Der endete ja offen bzw. blind und war eigentlich unnötig. Aber weil er nun mal schon da war, warum sollte man ihn den nicht auch seiner Bestimmung zuführen? Mein Entschluss war schnell gefällt, der Frischwassertank erhält eine zweite Zuleitung. Manchmal lagen wir ja auch längsseits an der Pier oder mit dem Heck voraus in der Box und für den Fall war der Schlauch nicht immer lang genug. Eigentlich kein großer Akt, denn mit Y-Verbindern und einem Schlauch wäre das ja schnell erledigt, wenn da nicht mein grübelndes Hirn gewarnt hätte. Bisher war es beim Auffüllen doch immer so abgelaufen: Man hängt den Schlauch rein und wartet bis es rausspritzt, weil wenn der Tank voll war, schoss das Wasser im Einfüllschlauch nach oben. Aber wenn nun dort ein Abzweig nach hinten führt, dann würde das Wasser auch in den abzweigenden Schlauch schießen und stehen bleiben. Das wäre nicht so schön – Stichwort Algenbildung –  und das wollte ich unbedingt vermeiden. Mit Rückschlagventilen hatte ich bereits die Schlauchleitung vom Tank zu den Verbrauchern abgesichert. Warum nicht auch hier? Bei einem Fachhandel für Schlauchzubehör fand ich Rückschlagventile in allen Größen, denn die Anschlussstutzen haben einen Durchmesser von 38mm oder 1 1/2 Zoll. Allerdings war ein 1 1/2 Zoll Ventil auch fast doppelt so teuer wie ein 1 Zoll Ventil und ich brauchte ja zwei! Auch ein 38mm-Schlauch war entsprechend fast doppelt so teuer wie ein 25mm-Schlauch (1 Zoll). Mit Schlauchtüllen, Reduzierstücken und den 1 Zoll Ventilen kam mich eine Lösung mit dem zölligen Spiralschlauch deutlich billiger. (Hihi, das erinnert mich an den Werner-Film: “Nanu, seh’ mal hier Eckhart! ‘n zölligen Schieber. Du Eckhart, wo kommt der denn her?” – “Den haben wir neulich ausgebaut.” – “Sach mol Eckhart, der sieht ja noch gut aus. Geht der nich’ noch? Du Eckhart, der geht ja noch. Tut das Not, dass der hier so rum oxidiert? Werner, nimm du mal eine Drahtbürste un’ mach’ mal hier den Schieber blank, un’ denn lechst du ihn auf Lager.” – “Jooa, Meister!”) Ich bestellte und kaufte das benötigte Material und ein paar Tage später ging es dann los.

vorher: nur ein Schlauch vom Bugeinfüllstutzen direkt zum Tank
vorher: nur ein Schlauch vom Bugeinfüllstutzen direkt zum Tank
Neu: Y-Stück und Rückschlagventil (Messing) und Zuleitung vom Backbord-Stutzen
Neu: Y-Stück, Rückschlagventile und Zuleitung vom Bb-Einfüllstutzen

Die Löcher waren eigentlich schnell gebohrt, doch an die Stellen heranzukommen war alles andere als leicht. Etwas nachträglich einzubauen ist eben ziemlich umständlich, weshalb mir immer wieder die Frage in den Sinn kam, WARUM hat man überhaupt den Einfüllstutzen an Backbord eingebaut, wenn dann kein Schlauch zum Tank führt? Vermutlich war die ursprüngliche Idee, die Pantry über einen separaten Wassertank in der Backskiste zu versorgen. Vielleicht gab es ja auch mal einen zweiten Tank und er wurde später ausgebaut. Na, wer weiß. Ich, jedenfalls, mühte mich nun damit ab, die Schlauchleitung durch das Boot nach achtern zu ziehen.DSC_0188 ETLICHE STUNDEN SPÄTER, mit wunden Knien, Schrammen und blauen Flecken an Armen und Händen und völlig entnervt .  . . ABER glücklich, hatte  ich den Schlauch endlich in der Backbordbackskiste. Ich schob den Schlauch auf das Reduzierstück auf und zog die letzte Schlauchschelle fest. GESCHAFFT! Jetzt kann man auch nicht versehentlich die Backskiste fluten. Wieder etwas abgehakt. Ich holte den Schlauch von der Pier und wollte auf Dichtigkeit testen. Das Wasser lief in den Schlauch – wie schön! – aber es plätscherte auch IN die Backskiste. HEEEE! Hatte ich die Schlauchschelle nicht fest genug gezogen? Ich prüfte und fand just unter dem Stutzen ein Loch in der Schlauchwand. MIST! Also kürzte ich den Schlauch um 5cm, bekam aber anschließend den Schlauch nicht mehr auf den Stutzen rauf. Auch Seife half nicht. Erst nach Demontage des Reduzierstückes konnte der Schlauch auf den Stutzen geschoben werden. Und jetzt war die Zuleitung auch wirklich dicht.

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Neue Pumpe, Schläuche sauber verlegt und sieht aufgeräumt aus. Und da alles dicht ist, haben wir ein neues Staufach gewonnen

Als zweite wesentliche Neuerung wollte ich die Sache mit dem Waschbecken angehen. Dass der Wassertank seinen Inhalt durch Überdruck über den Auslaufhahn einfach entleeren konnte, war nicht im Sinne des Erfinders und schon gar nicht tolerabel, schließlich wollte ich einen VOLLEN Tank und nicht einen, der sich danach selbst auf 3/4 wieder entleert. Also musste der Auslaufhahn ausgetauscht werden. Zunächst überlegte ich noch über einen weiteren Absperrhahn am Waschbecken, kam aber bald auf die Idee, dass die Fußpumpe ja eigentlich nervig war und eine zweite Pumpe nicht die Welt kostet. Da die bisherige Pumpe auch etwas laut war, beschlossen Heike und ich eine neue leisere Pumpe in der Vorpiek einzusetzen und die alte unter der Pantry zu installieren. Zunächst löste ich die 25 Schellen, entsorgte die inzwischen schwarzen Schläuche (Uäääh, wie ekelig!) und baute die Reduzierstücke und Rückschlagventile aus. Dann schnitt ich kleine Stücke des 9mm PVC-Gewebeschlauches ab und baute den Verteiler wieder auf. Obwohl die Durchmesser unterschiedlich waren (alt: 10 bzw. 12mm, neu: 9 bzw. 13mm), passten die Gewebeschläuche deutlich besser auf die Tüllen, also zog ich die 25 Schellen wieder fest, RICHTIG fest!

DSC_0191Ein Schlauch führt jetzt vom Verteiler anstatt zur Fußpumpe zur neuen Flojet Triplex Membranpumpe und von da zum Waschbecken, das einen neuen Wasserhahn erhalten hat. Der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen und der Fehler liegt im Detail. Den Wasserhahn einfach auszutauschen wäre ja auch VIEL zu EINFACH gewesen. Nein, das ging natürlich nicht, denn das Loch im Waschtisch konnte ich nicht nutzen, weil der neue Wasserhahn dann direkt an die Waschbeckenkante stößt und so nicht geschwenkt werden kann. Außerdem wäre er so dicht am Waschbecken dran, dass der Hebel sich nicht mehr in Nullstellung bringen lässt. NA TOLL! Damit würde hier die Pumpe ständig laufen. Aber die Lösung lag schnell auf der Hand. Ein Dreieck aus Holz, so breit wie das Waschbecken, deckte das alte Loch ab und setzte den neuen Wasserhahn gleichzeitig höher. Damit kann der Wasserhahn auch wieder ausgeschaltet werden.  Rostja kam abends noch vorbei und unterstützte mich. Während ich mich in der Backskiste um den Schlauch kümmerte, sägte und beizte er das Dreieck zurecht. Gemeinsam gingen wir anschließend ans Testen. Es tat sich NICHTS. . . tja, warum überrascht mich das nicht? WEIL ES DOCH IMMER SO LÄUFT!

Also gingen wir mit dem Phasenprüfer auf Fehlersuche. An der Pumpe kam schon mal kein Saft an, denn die Messung an der letzten Lüsterklemme vor der Pumpe zeigte keine Spannung. Aha, d.h. Pumpe ist ok, aber kein Strom da. Also ging es an der Schalttafel weiter. Am Schalter hatten wir noch 12,4V gemessen. 20cm dahinter war wieder eine Lüsterklemme und hier ging schon nichts mehr durch. Mmmh, ich ruckelte an den Steckern auf der Rückseite des Schalters und plötzlich sprotzte Wasser ins Waschbecken. HA! Wie fies! Der Schalter hat auf der Rückseite drei Pins. Einen für den ankommenden Pluspol, einen für den abgehenden Pluspol und einen für den Minuspol für das Lichtchen im Wippschalter. Da der Schalter leuchtete und ich Spannung gemessen hatte, dachte ich, alles wäre ok, aber der Stecker vom abgehenden Pluspol hatte einen Wackler, da sich das Kabel aus den blöden Kabelschuhen löste, was man nur nicht von außen sehen konnte. Gut, dann musste ich das eben löten. Sicherheitshalber verlötete ich auch noch andere Wackelkandidaten.

Kfz-Kabelschuhe . . . scheinbar keine Technik, die auf Booten besonders praktikabel ist. Da ist mir mein Lötkolben dann doch sicherer!
Kfz-Kabelschuhe . . . scheinbar keine Technik, die auf Booten besonders praktikabel ist. Da ist mir mein Lötkolben dann doch sicherer!

Die zweite Frischwasserleitung führt durch die Backbordkoje unter dem Kühlschrank hindurch zur Spüle in der Pantry. Der alte Schlauch, der jetzt mal in seiner ganzen Länge zum Vorschein kam, war innen stellenweise schwarz geworden und bestand aus mehreren Abschnitten. Ich zog vom Verteiler aus einen durchgehenden, sauberen Schlauch zur Pantry und schloss unterhalb des Kühlschranks die alte Shurflo Pumpe an. Der kürzere Weg zwischen Pumpe und Spüle sollte die Reaktionszeit erhöhen. Bisher wartete man ein paar Sekunden, bis das Wasser vom Bug nach achtern gefördert wurde. Zwar hatte die Pumpe jetzt eine längere Saugstrecke, aber durch den im Tank herrschenden Druck wird das Wasser von alleine in die Leitung bis zur Pumpe gepresst. Zwecks Lärmisolierung legte ich noch eine Gummimatte unter die Pumpe. Jetzt musste nur noch ein zweites Kabel von der Schalttafel bis zur Pantry gezogen werden. Ich entfernte die Deckenteile und zog das Kabel bis in die Backskiste. Das Anschließen war jetzt kein Problem mehr, es dauerte halt nur. Die Pumpe sprang auch gleich an und durch die Gummimatte war es sogar recht annehmbar leise.

Jetzt bin mal gespannt, wann ich die Schläuche wieder wechseln darf. Hoffentlich nicht so schnell! Das wichtigste aber ist: Das System ist dicht, funktioniert und es ist viel bequemer als zu “steppen”.

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“Bob” und “Wendy” bauen einen Kühlschrank

Mit dem erfolgten Umbau der Gasanlage hatten wir vor allem wieder etwas Platz in der Pantry gewonnen. Das neue Geschirr nimmt zwar nicht viel mehr Platz weg als das alte, aber es sollte ja noch die zweite Spüle rausfliegen und auch das Flaschenfach sollte weichen, denn hier wollte ich nun endlich einen Kühlschrank einbauen. Auch die Staumöglichkeiten unterhalb der Spüle werden dadurch beträchtlich kleiner ausfallen. Dafür gewannen wir das Schränkchen unter dem Herd zurück. Hier hatten wir vor, einen Mülleimer einzubauen, denn die bisherige Lösung – Mülltüte am Küchentuchhalter – war auf Dauer nervig.

Unter der vorderen Klappe bleibt die Spüle erhalten. Die Spüle in der Mitte und das Getränkefach dahinter fliegen dafür raus.
Unter der vorderen Klappe bleibt die Spüle erhalten. Die Spüle in der Mitte und das Getränkefach dahinter fliegen dafür raus.
5 Minuten später ist die zweite Spüle raus,...
5 Minuten später ist die zweite Spüle raus,…
und der Boden da drunter musste auch noch weichen
und der Boden da drunter musste auch noch weichen
Während ich die Spüle ausbaute, schrubbte Heike bei sommerlichen 26°C mit Gallseife das Steuerrad bis es wieder schön weiß war.
Während ich die Spüle ausbaute, schrubbte Heike bei sommerlichen 26°C mit Gallseife das Steuerrad bis es wieder schön weiß war.

Kaum dass die Gasanlage fertig war, ging es also mit dem Kühlschrankbau los. Die Sperrholz- und die Styroporplatten besorgte ich mir im Baumarkt. Ich baute die zweite Spüle und das Flaschendepot aus. So eng wie befürchtet war es gottseidank nicht. Im Unterschrank waren drei Dinge, die es zu erhalten galt: Der Bordverschluss der Abwasserleitung, die Zuleitung der Spüle und der Heizungsschlauch. Ich hatte vor, den Boden der Kühlbox leicht schräg verlaufen zu lassen, damit sich das Kondenswasser in einer Ecke sammeln und über eine Drainage ablaufen konnte. Also wurde alles im Spülenunterschrank entfernt. Beim Abbau der Abflussleitung kam der blitzschnelle Entschluss, die auch gleich gegen “neu” auszutauschen, weil “alt” echt gammelig und eben für zwei Spülen ausgelegt war.

Erst Styropor an die vorhandenen Wände . . .
Erst Styropor an die vorhandenen Wände . . .

Ein Problem beschäftigte mich schon seit Wochen, nämlich wie wir die Kiste einbauen konnten. Letztlich entschied ich mich dafür, gar keine Kiste vorweg zu bauen, sondern die Teile einzeln mit Heißkleber auf die Styroporplatten zu kleben und sie anschließend von innen zu verleimen. Für den schiefen Boden konnten wir den alten Boden verwenden, allerdings mühte sich Heike dann damit ab, auch den hinteren Bereich des Styropors mit Holz zu stützen, weil ich da nicht mehr ran kam. OH, wie Heike fluchte! Aber letztlich war der Boden komplett abgestützt. Dadurch, dass wir von innen Schicht für Schicht bauten, konnte der Stauraum größer als der spätere Deckel ausfallen, aber insgesamt würde die Kühlbox nicht mehr so einfach abzubauen sein. Egal, wir hatten auch nicht vor, den Kühlschrank wieder zu entfernen. Die Wände und den Boden beklebte ich mit Styropor in zwei Lagen (um Kältebrücken bei den Fugen zu unterbinden) zwecks Isolierung. Dabei stellte sich Heißkleber auf Styropor als denkbar unglückliche Idee heraus. Natürlich “schmolz” sich der Heißkleber durch die Schaumplatte. Ok, aber auf dem Holz klappte es, da der Kleber hier etwas abkühlte und das Styropor jetzt ohne zu schmelzen festklebte.

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. . . dann kam die Holzverkleidung rein . . .
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. . . und auch die Abflussleitung für Kondenswasser wurde noch eingesetzt.

Später sägte ich mir die Holzplatten zurecht und setzte zuerst die Bodenplatte und dann die Wände ein, die lediglich miteinander  verleimt wurden. Ich hatte in einem Forum gelesen, dass das Styropor innen montiert werden sollte, aber unser Gasinstallateur gab mir den Rat es lieber außen dran zu kleben, denn innen würde es nicht genug Stabilität bieten und aufweichen oder brüchig werden. Das leuchtete ein. Eine Holzplatte verteilte den Druck einer schweren Flasche sicherlich besser als das Styropor. Jetzt bohrte ich noch ein Abflussloch in die tiefste Ecke und steckte einen Durchlass rein. Rostja sägte derweil die obere Abdeckplatte aus. Nach ewigem Schleifen passte die Platte endlich oben auf.

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Nachdem auch die Abdeckplatte endlich passte, . . .

 

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. . . konnte dann die erste Schicht Flüssigkunststoff aufgetragen werden.

Als nächstes strich ich die Kühlbox mit Flüssigkunststoff aus. UHHH, WIE DAS STANK! Ganz unschädlich waren die Dämpfe sicherlich auch nicht, also mal gut lüften. Glücklicherweise ging gleich ein ordentlicher Wind zur Luke rein. Das wäre natürlich einfacher gewesen, wenn die Kiste an Land gestanden hätte. Das Streichen musste ich in mehreren Arbeitsgängen machen, damit der Flüssigkunststoff auch wirklich dicht abschließt und eine glatte Oberfläche bekommt. Als der Kunststoff Tage später richtig ausgehärtet war, lackierte ich die Innenfläche mit weißem Acryllack zwecks Lebensmittelechtheit. Als auch der Lack getrocknet war, schraubte ich den Verdampfer in der Box fest. Der GE80 war für Boxen bis 80 Liter ausgelegt. Mit den Innenmaßen der Box kam ich auf etwa 55 Liter, also war noch reichlich “Luft” nach oben. Die Kühlmittelleitung hatte ich bereits verlegt und an den Kompressor angeschlossen, der in der Backskiste schon seinen Platz gefunden hatte.

Es fehlte noch der Deckel. Hier hatten wir eine dünnere Sperrholzplatte vorgesehen, doch Heike meinte, wir könnten die alten Deckel wiederverwenden. Die Unterteilung wäre doch auch nicht schlecht. Ich machte mir noch ein paar Gedanken wegen der Fuge zwischen den Deckeln, aber versuchen konnten wir es ja mal damit. An die Unterseite klebte ich ein fast passgenaues Stück Styropor und pinselte den Rand mit dem Flüssigkunststoff ein. OH WEH! Die Lösungsmittel im Flüssigkunststoff lösten das Styropor auf! So geht das nicht! War denn hier der Kunststoff nötig? Naja, zumindest würde das Styropor darunter gegen Stöße geschützt. ‘Mmmh, vielleicht zu erst mit Acryllack und dann mit dem Flüssigkunststoff?’ Der Buntlack griff das Styropor nicht an, und nachdem der ausgehärtet war, kam hier noch zwei Schichten drauf. Der Kunststoff war nicht mehr nötig. Ein erster Einpassversuch war erfolgreich. Die Deckel schlossen hörbar dicht ab. Als Letztes bohrte ich ein kleines Loch in die Rückwand der Kühlbox und schob von der Backskiste aus den Temperaturfühler durch. Abdichten und fertig! PERFEKT!

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Ein guter Einbauort. Luftzufuhr von unten und den Seiten, sowie Platz nach oben für die warme Abluft. Nur nach vorne muss noch ein Trennschott rein, damit die Segelsäcke nicht rüber rutschen können.

Für den Einbau des Kompressors musste zu erst die Backbordbackskiste ausgeräumt werden. Nachdem alle Segelsäcke raus waren, kletterte ich rein und begutachtete zunächst mal den Einbauort. Mit dem Kompressor war eine Halterung mitgeliefert worden, die eine Montage an der Schottwand erlaubte. Nur zum dumm, dass an dem Querschott bereits Schläuche und elektrische Leitungen lang geführt wurden. Sollte ich mir doch einen anderen Ort suchen? Und wie sieht es mit dem Längsschott zum Tankraum aus? Hier passte der Isotherm BD35F ohne Mühe hin.

Kupfer = Gasleitung, weiß = Kühlmittelleitung. Hier zog ich noch Iso-Rohre auf, damit wir auch keinen Kälteverlust an der Zuleitung hatten.

Die Kühlmittelleitung führte ich nun parallel zur Gasleitung in die Backskiste und montierte die Leitung an die Holme. Die Kupplung schaute ich mir etwas genauer an. Ob Teflonband hilft? Schaden wird es jedenfalls nicht. Unser Liegeplatznachbar Horst hat mir vom Einbau seines Danfoss-Kompressors berichtet, der auch erst undicht war und dann ein Monteur ankam: “Wenn man das richtig festknallt, dann hält die Kupplung auf jeden Fall dicht.” Also zog ich die Kupplung fest, noch fester, es knarzte . . . Puuuh, geschafft. Damit die Segelsäcke oder andere Sachen nicht auf oder an den Kompressor kommen würden, beschlossen wir hier noch ein Schott einzubauen. Aus dem Spannholzrest des Vorpieksumbau vom letzten Jahr sägte ich ein passendes “Schott” aus und setzte es ein. Etwas klemmte es, doch es hielt bereits so. OK, Einbau fertig! Schade nur, dass so viel Platz jetzt ungenutzt bleiben sollte.

Beim “Strippenziehen”, also die Verlegung der Stromleitung des Kompressors übernahm ich Heikes erfolgreich erprobtes Verfahren, das Kabel mit dem Bootshaken zu führen. Was mich sehr freute, im Lieferumfang war zwar nicht ausreichend Kabel enthalten, dafür aber eine Stecksicherung. Also schloss ich das Ganze an den Wippschalter an. Das Thermostat hatte ich bereits oberhalb der Spüle montiert und die Kabel zum Kompressor verlegt. Auch der Temperaturfühler war installiert. Funktioniert es denn auch? Ich legte den Wippschalter um und dreht das Thermostat auf 7 . . . nichts kündigte das Anlaufen des Kompressors an, weil der Kompressor echt leise ist und . . . WEIL ER AUCH GAR NICHT ANSPRANG! Ich überprüfte alles, dann bemerkte ich, dass die Kabel am Kompressor falsch verpolt waren. Schnell behoben und erneut probiert. Da, ein leises Surren, aber durch die Segelsäcke war kaum ein Ton zu vernehmen. Nach einer Weile prüften wir die Temperatur im Kühlschrank. Tatsächlich, es gluckerte und wurde kühler!

Ganz waren wir aber noch nicht fertig. Ich hatte mir dickeren Draht besorgt und werde daraus mehrere Gitter bauen, wobei ich die Drahtkreuzungen verlöte und die Formen abschließend ebenfalls mit Flüssigkunststoff und Acryllack überziehen werde. Die Gittergebilde werden dann auf den Boden der Box gestellt, so das etwas Luft zwischen Gitter und Boden bleibt. So kann bei Seegang im Kühlschrank nichts “umherfliegen” und das Kondenswasser kann sich darunter sammeln und abfließen. Der Durchlass im Boden der Box führt das Kondenswasser über einen Schlauch jetzt direkt in die Bilge, wo parallel zum Kühlschrankbau auch eine neue Bilgenlenzanlage entstanden ist.

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so eine gewisse Ähnlichkeit kann man doch erkennen, oder?

HA! Also, wenn ich Bob, der Baumeister bin, dann ist Heike ab sofort Wendy, seine Freundin. WIR HABEN EINEN KÜHLSCHRANK GEBAUT!

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Im Keller passt jetzt der Osculati auf

Es gibt zwei Elemente, die jeder Seemann an Bord fürchtet: Feuer und Wasser. Ich hatte während meiner Ausbildung in der Marine das Glück, in Neustadt in Holstein am AZS (Ausbildungszentrum für Schiffsicherheit) sowohl Brand- als auch Leckabwehr im Hulk der alten Köln zu üben. KEIN SPASS! Flammen in beengten Räumen können echt beängstigend sein. Noch schlimmer aber sind Wassereinbrüche. Wenn man in nur wenigen Minuten bis zur Brust in eiskaltem Ostseewasser steht und verzweifelt versucht, das Leck abzudichten, da überlegt man sich dann schon noch mal, ob man wirklich zur See fahren will und nicht lieber zuhause im Trockenen sitzt. Gut, so schlimm wird es bei uns hoffentlich nie kommen, aber ein paar Ereignisse machten mir doch zu schaffen. Auf der einen Seite war da die Kielrumpfverbindung, die insbesondere bei großen Krängungen nach Steuerbord zu kleineren Leckagen führte und schon mal 5 bis 7 Liter in der Bilge ausmachte. Ok, die hatte ich von außen und innen abgedichtet und das sollte damit behoben sein. Zum anderen war da der Frischwassertank. Auch wenn diese 120 Liter bereits an Bord waren, so mussten sie ja nicht in die Bilge gelangen, was aber schon mal der Fall gewesen war, weil Schlauchverbindungen undicht waren.

klein aber fein: die Rule 360. Fördert knapp 1400 l/h.

Ich hatte schon vor einiger Zeit mit Heike zusammen beschlossen, ganz auf Nummer sicher zu gehen. Die Reparatur der Kielrumpfverbindung konnte ja irgendwann während der Saison doch wieder aufbrechen. Ich glaube es zwar nicht, aber ich geh lieber vom Super-GAU aus. Also besorgte ich eine Bilgenpumpe, eine Rule 360, die ich am tiefsten Punkt im Boot in der Zentralbilge im Salon platzierte. Bisher verteilte sich das Wasser insbesondere bei Schräglagen von einer Bilge in die nächste, weil die Unterteilung der Bilge nicht bis unter die Bodenplatten reichte. Das hatte bei diversen Leckagen – ob Kielrumpfverbindung oder Frischwassertank – dazu geführt, dass nahezu alle Bilgenkammern entsprechend voll waren. Das musste sich dringend ändern, zumal ich nicht in jede Bilgenkammer eine Pumpe stellen wollte. Das Wasser soll sich bei der Pumpe sammeln, aber nicht zurücklaufen können. Ich dachte lange darüber nach, wie ich es am einfachsten und effektivsten bauen könnte. Letztlich entschloss ich mich für ein ausgefeiltes System mit Drainagen, die ein Rücklauf reduzieren sollten.

Als Erstes verlegten wir den Lenzschlauch der Bilgenpumpe, der in der Hecksbackskiste endete, und mit einem Abfluss am Heckspiegel verbunden werden sollte. An dem war aber schon die Handbilgenpumpe vom Motorraum angeschlossen. Also setzte ich schnell ein Y-Stück dazwischen und schloss imagesSL6VPI60beide Schläuche an. VON WEGEN SCHNELL! Die Schläuche gingen kaum auf die Verbindungsstücke rauf. Aber mit Seife klappte es dann doch. Heike kletterte in die Heckbackskiste (auch nicht ganz ohne Schrammen und Prellungen) und setzte das Konstrukt ein. Da die Förderhöhe der neuen Bilgenpumpe 2m beträgt, war der Anschluss am Lenzausgang am Heckspiegel überhaupt kein Problem.

Zunächst zog ich den 19mm PVC-Schlauch von der hinteren Backskiste durch die Backbordbackskiste bis in die Pantry. Ein paar Schotts mussten dabei durchbohrt werden, aber schließlich kam ich im Salon an. Hier sollte es einfacher werden, da die Bilgenkammern ja nicht bis oben hin abschließen. Also steckte ich den Schlauch durch den Spalt. Weil er aber knickte, musste ich ihn wieder zurückziehen . . . und wunderte mich, warum er tropfnass war. WAS ZUM GEIER? Mir schwante Übles. Ich hob die Bodenplatten eine nach der anderen an. Die erste Bilgenkammer war voll. Die zweite . . . RANDVOLL! Auch die dritte . . . bis zur OBERKANTE VOLL! “ACH DU LIEBER HIMMEL!” Da war der SUPER-GAU! Allerdings war das Wasser klar und roch auch nicht. Mir dämmerte, dass die Frischwasseranlage die Ursache sein musste.  Na schön . . . erst mal lenzen, d.h. noch musste ich ja schöpfen. Nach einer Stunde und 7 1/2 Eimern hatte ich alles wieder trocken. ‘Und ich wollte doch eigentlich nur ein bisschen was einbauen!’ Als ich Heike später davon berichtete, sagte sie: “Aber ich hab doch nur etwa 70 Liter in den Frischwassertank gefüllt!?” – “Na, ungefähr so viel habe ich vorhin auch aus der Bilge wieder raus geholt!”

Die geplante Bilgenlenzanlage hätte sich hier schon ausgezahlt. Schade aber auch! Aber auf jeden Fall ist es sinnvoll, wie man sieht. Offensichtlich musste ich auch nochmal die Frischwasseranlage untersuchen. Kurz entschlossen tauschte ich die ersten Schläuche gleich mal aus. Die alten waren schon gammelig und so kamen neue PVC-Gewebeschläuche zum Einsatz, die auch dem Druck besser standhalten können. Außerdem baute ich einen Absperrhahn als zusätzliche Sicherheit zwischen Tank und Frischwasserpumpe ein. Dann steht da auch nicht ständig Druck auf der Anlage.

Kein Seeventil, aber verhindert auch Wasser in der Bilge

Denn wenn der Frischwassertank gefüllt war, dann reichte der Druck aus, um das Wasser an der Fusspumpe vorbei aus dem Ablaufhahn am Waschbecken zu befördern.  Mmmh, also beschlossen wir, den Ablaufhahn bald auszutauschen, nämlich gegen eine normale Armatur mit Ventilfunktion. Da hatten wir auch schon etwas passendes im Katalog von AWN gesehen. Zunächst aber ersetzte ich den Wasserzähler mit dem Absperrhahn, für den ich ein Loch in die Wand bohrte, damit der Hebel einfach zugänglich ist. Der Wasserzähler flog raus, obwohl die Idee mit der Verbrauchsanzeige eigentlich gut war, aber wir hatten den Verbrauch bisher nie kontrolliert. Egal wie viel Frischwasser wir noch an Bord hatten, nach Möglichkeit füllten wir in jedem Hafen immer auf. Schadete ja auch nicht.

DSC_0124Zur Sicherheit schloss ich die Bilgenkammern nach obenhin mit Glasfasermatte und Epoxy ab – was für eine Batzlerei! Den Hohlraum füllte ich später mit Bauschaum aus. Jetzt waren die Kammern tatsächlich von einander getrennt. Den bisherigen Überlauf wollte ich nicht mehr. Dafür hatte ich die “Bilgenschotts” am jeweils tiefsten Punkt durchbohrt, kurze Drainageschläuche durchgesteckt und mit Pantera abgedichtet. Zwar läuft das Wasser so dennoch durch jede Kammer, aber wenigstens laufen die Abteilungen nicht mehr voll, sondern immer in die nächst tiefere ab, bis zur Pumpe hin. Die Stromzufuhr der Pumpe ist durch unseren neuen Bilgenwächter, einen Osculati Automatikschalter unterbrochen. Wenn ich jetzt den Wippschalter in der Instrumententafel betätige, springt die Pumpe erst an, wenn Wasser den Sensor berührt hat. Außerdem schaltet sie sich auch sofort wieder ab, wenn der Sensor trocken fällt. Klar, ich hätte auch eine Pumpe mit integriertem Schwimmschalter nehmen können, aber eine Automatikpumpe erfordert einen Zweiwegeschalter in der Schalttafel, für den ich kein Platz hatte, und obendrein sind die meisten Automatikpumpen sehr klobig. Vor allem aber aktiviert der Schwimmschalter die Pumpe erst, wenn das Wasser bereits 5cm hoch in der Bilge steht. Und das ist mir ZU VIEL!

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links: der Osculati, unser Bilgenwächter rechts: die Rule 360, sein durstiger Freund

Der Osculati hingegen kann in variabler Höhe eingebaut werden und seine Sensoren sind an der Unterkante (bei dem Modell von Whale sind sie senkrecht übereinander angeordnet und daher schlägt der auch erst bei 5cm an). Auf diese Weise fängt die Pumpe schon bei etwa 1-2cm an zu lenzen und die Bilge muss nicht mehr von Hand geschöpft werden. Ein erster Test mit einer Pütz Wasser war erfolgreich, ich seufzte vor Erleichterung . . . IST DAS GUT! Allerdings trat dabei ein neues Problem auf. Die Pumpe beförderte das Wasser schnell aus der Bilge, der Osculati fiel trocken und schaltete die Pumpe verzögert aus. Kaum war die Pumpe aus, schoss ein Schwall Wasser aus dem Schlauch durch das Gefälle wieder zurück in die Bilge. Der Wasserstand stieg und der Osculati kam wieder in Kontakt mit Wasser. Also sprang die Pumpe wieder an und pumpte die Bilge leer. Der Osculati fiel trocken und schaltete die Pumpe wieder ab, worauf das Wasser im Schlauch wieder zurückfloss. DAS GING DANN STÄNDIG HIN UND HER! Zuerst lachte ich, dann grübelte ich . . . und schaltete am Ende entnervt die ganze Anlage aus. Hier musste ein Rückschlagventil rein!

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hilft das Rückschlagventil gegen den Pendeleffekt?

Wie gut, das gerade an der Frischwasseranlage eines in passender Größe frei geworden war. Zwar steht in der Bedienungsanleitung der Pumpe, das kein Rückschlagventil eingebaut werden soll, doch öffnete das Ventil schon bei geringem Druck und die Pumpe hat eine ordentliche Leistung. Das sollte also klappen. Also setzt ich das Ventil kurz nach der Pumpe im Lenzschlauch ein.

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In der Zentralbilge entstanden zwei schmale Kammern, eine Sammel- (oben) und eine Lenzkammer (unten), wie sich später zeigte, waren sie jedoch zu eng dimensioniert

Um ein möglichst frühes Einschalten der Pumpe zu erreichen, zog ich zusätzlich weitere Längsschotts in der Zentralbilge ein, damit die Bilgenlenzkammer möglichst klein ausfiel und der Wasserstand schneller steigen würde. Der Einbauort war mir  durch die Kielbolzen bereits vorgegeben – entweder oberhalb der Bolzen, was Verlust an Stauraum bedeutete, oder darunter. Ich entschied mich für unterhalb. Der Einbau war wieder eine riesige Sauerei. Ich mixte Epoxy an und schmierte das auf die zurechtgesägten Holzbrettchen. Dann wickelte ich Glasfasermatte darum und laminierte es mit einer weiteren Schicht Epoxy. Das Einsetzen der Brettchen in die Bilge war leichter gesagt als getan, denn sowie ich das Brettchen loslassen wollte, klebte alles an den Handschuhen. Ich war kurz davor, die Handschuhe mit zu laminieren. Mit etwas mehr Geduld – nicht meine beste Tugend – erhielt ich endlich ein halbwegs vernünftiges Ergebnis. Die Längsschotts sollen zusammen mit den nach oben gebogenen Drainageschläuchen bewirken, dass das Wasser in der Lenzkammer schneller ansteigt und nicht wieder zurück oder hin- und herschwappt. Das wiederum sorgt dafür, dass die Pumpe anspringt und erst wieder ausgeschaltet wird, wenn die Kammer tatsächlich “leer” ist. Neben der Lenzkammer baute ich in der vorderen Hälfte der Zentralbilge eine Sammelkammer, die ebenfalls das Hin- und Herschwappen unterbinden soll und das Wasser weiter in die Lenzkammer leitet. So bleiben die Sachen, die auf langen Törns in der Bilge gelagert werden, trocken. Hierzu musste ich den vorhandenen Querträger durchbohren, was erst mal KEINE GUTE IDEE war. Trotz Abdichtung mit Pantera bildete sich schon bald ein Pfütze in der Bilge. ‘Mmmh, VERFLIXT, ich Dussel! Am Querträger war ja vorher die innere Schwachstelle der Kielrumpfverbindung-Leckage. Das muss ich wohl mit Stay Afloat und Epoxy machen.’ Ich bohrte die beiden Drainagen mit einem großen Aufsatz auf, schmierte ordentlich von dem Notfallharz in den Querträger und nahm zwei neue Schlauchstücke, die ich vorher mit Stay Afloat ummantelte. Dann bettete ich sie in die Bohrungen und kittete das erst mal richtig ab. Nach ein paar Tagen Beobachtung konnte ich getrost konstatieren, dass das jetzt dicht war. Anschließend laminierte ich mehrere Lagen Glasfaser und Epoxy drüber. Fertig!

Beim Bau des Kühlschranks hatten wir die Frischwasseranlage im Betrieb. Und damit lief leider wieder Wasser in die Bilge. IMMER NOCH NICHT DICHT! Na da, werde ich mal jetzt wirklich ALLE Schläuche austauschen. Erfreulicherweise funktionierte die Drainage. Das Wasser sammelte sich am tiefsten Punkt. Wir schalteten die Bilgenpumpe ein, sie lief an . . . aber warum wurde kein Wasser angesaugt? War das Rückschlagventil doch zu stark? Ich baute es aus. Schon spotzte das Wasser auch wieder hinten raus. Mmmh, aber das Rücklaufen des Wassers wollte ich ja nicht. Die Idee der Längsschotts half, aber so kam man nicht mehr an die Pumpe und den Osculati. Heike schlug vor, die Längsschotts weiter außen zu platzieren. “Aber verlieren wir nicht dadurch zu viel Stauraum?” – “Nö, man kann dann hier auch was zum Kühlen reinlegen, Flaschen zum Beispiel.” Mmmh, das klang einleuchtend. Also stemmte Heike mein Konstrukt wieder raus. Später schliff ich den Epoxy-Krempel so glatt es ging. Ich erinnerte mich an die 7 P’s (Precise perfect planning prevents piss poor performance) und ärgerte mich über meine Ungeduld. Unterm Strich: Gute Idee, miserable Ausführung.

Als ich ein paar Tage später Rostja dann die Lenzanlage vorführte, traf mich mal wieder ein Blitz der Erkenntnis. “Die Pumpe baut mit Sicherheit genug Druck auf, um das Rückschlagventil zu überwinden. Mit leichtem Fingerdruck lässt sich das Ventil ja schon öffnen, aber nur, wenn auf der Rückseite keine Wassersäule steht!” überlegte ich mit ihm laut. Ich hatte übersehen, dass das Wasser im Schlauch locker um die 5 Liter ausmachen würde und die kamen ja zum Federdruck dazu. “Wenn ich das Rückschlagventil am Heck einbaue, kurz vor dem Auslass, dann steht auf der Rückseite des Ventils keine nennenswerte Wassersäule, eigentlich überhaupt keine, wenn das Ventil über dem Auslass angebracht ist, weil das Restwasser dann abläuft.” “Ok, aber dann läuft dir das Wasser vor dem Ventil wegen dem Gefälle trotzdem in die Bilge.” entgegnete Rostja. “Nicht unbedingt. Das Ventil macht ja nicht nur für Wasser dicht, sondern auch für Luft, d.h. es kann vom Heck keine Luft mehr in die Leitung einströmen. Wenn das Wasser zwischen Pumpe und Ventil wieder zur Pumpe zurücklauft, bildet sich deswegen am Ventil ein Vakuum, ein Unterdruck, und der hält das Wasser im Schlauch.” Schnell war das Ventil am Schlauchende in der achteren Backskiste eingebaut. Ich goss wieder einen Eimer Wasser in die Bilge und wir warteten ab. Die Pumpe sprang an und ich sah schon mal erfreut, das Wasser durch den transparenten Lenzschlauch nach achtern schoss. “Wasser kommt.” rief Rostja. Wir guckten gespannt zu, bis die Rule das Wasser aus der Bilge abgepumpt hatte. Sie schaltete ab und . . . der Rückfluss blieb aus. HA! “So geht’s!” jubelten wir. SEHR GUT!

Lenzanlage
Der zweite Versuch war schon viel besser. Naja, die Bilge muss noch gepönt werden.

Jetzt fehlte nur noch der  Einbau der Längsschotts. Im Baumarkt kauften wir Polystyrol-Platten, die mit Sicherheit auch leichter einzukleben waren. Nachdem ich die Platten mit Cutter und Stichsäge in Form an den Einbauort angepasst hatte, rührte ich wieder Epoxy an und schnitt mir vorher ein paar Streifen Glasfaser zurecht. Mit neuer Technik und anderem Harz gelang mir ein viel sauberes und besseres Verarbeiten. Die Schotts schließen bündig nach oben ab und die Sammel- und Lenzkammer können jetzt mit zur Lagerung genutzt werden. Vor allem kann man jetzt den Osculati und die Pumpe erreichen, warten und sauber machen. VIEL BESSER! Jetzt kann ich in Ruhe die Bilge erneut lackieren.

Endlich gehörte die Bilge nicht mehr zu unseren Sorgenkindern. Vor allem waren wir jetzt hoffentlich vor bösen Überraschungen sicher. Die Bilge ist ab sofort unter Kontrolle: Osculati passt auf, dass nicht zu viel Wasser in der Bilge steht und Rule befördert es außenbords!

Die Rasalhague wird noch ein richtig gutes Boot!

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