Vi sejler til Danmark!

Das Wochenende war rum und der Arm tat noch weh vom Abschiedswinken. Nun waren sie fort, die ehemaligen Landratten aus Franken. Aber sie haben sich redlich eine Beförderung zu Leichtmatrosen verdient. Alle samt! Wie es dazu kam? Durch einen sehr schönen Törn nach Sønderborg. Meine Grundidee, Fåborg, Alssund, Sønderborg und zurück zu segeln, wurde auf Sønderborg und zurück gekürzt. Aber nicht aus Angst, nein, die war verflogen, sondern weil die Windprognose für Samstag eher mau war. Gerade mal 1 Bft aus Süd bis Südost.

Foto 26.08.17, 13 28 09Nach einem schnellen Einpacken und Einkaufen ging es am Samstag noch vor Mittag an Bord. Ich glaubte der Prognose und ließ daher schon mal das Spi anschlagen. Der Bergesack wurde am Spinnakerfall hochgezogen und los ging es. Die Kommandos waren noch bekannt und mit “VORLEINEN LOS!” ging Ines an Werk.

Schon vor der Hafeneinfahrt war klar, die Vorhersage war gelogen. Uns wehte ein nicht schlechter Ostwind mit 3 Bft genau entgegen. Nix für’s Spi! Das Großsegel war gleich hinterm Hafen hochgeflogen. Da hatte man wohl aus meinem letzten Blog eine leichte “Kritik” herausgelesen. Hatte ich zwar nicht so gemeint, aber freuen tat es mich jetzt schon, dass das Segel zügig im Wind stand. Ich ließ aber den Motor noch eine Weile an, da ich mit Spi nicht aus der Bucht raus kreuzen konnte. Das Groß allein hätte auch nicht gereicht. Also schlugen Michel und Pierre die kleine Genua an und so kamen wir schon kurz vor Bülk nur mit Groß und G3 auf etwas über 5 kn Fahrt bei halben Wind. “Na, dann knacken wir mit Sicherheit unter Spi die 7kn!” meinte ich. Michels Augen blitzten auf, das war doch mal eine Ansage.IMG_9889

Carmen und später auch Ines führten das Logbuch, d.h. sie schrieben nieder, was ich vorsagte. Jedoch waren da eine Menge Abkürzungen, die erst mal er- oder geklärt werden mussten (G.Tn = Gefahrentonne, Kbl = Kabel, Stb  = Steuerbord, usw.) Um Bülk herum hatten wir ordentlich Wind, doch dann schwächelte er, wie so oft an der Ecke. Die G3 musste etwas bauchiger gefahren wurden. “Fier’ auf die Bb-Schot.” Etwas unsicher kam zurück: “Diese hier? Und was soll ich damit machen?” “Mama, du sollst Lose geben. Lösen.” sagte Ines. “Ach so, und warum vier?” hakte Carmen nach. “Kommt von Auffieren.” sagte ich und wir mussten unwillkürlich lachen. “Und ich hab immer gerätselt, was das mit der vier auf sich hat.” lachte Carmen herzlich. Das war mir selber noch gar nicht aufgefallen, das man >Fier'< mit >vier< verwechseln konnte. In meinen Blutbahnen ist wohl einfach zu viel Salzwasser.

Lange taugte uns die G3 nicht auf dem Kurs, weshalb ich dann das Vorsegel bergen ließ und der Spinnaker sein Dienst aufnehmen sollte. Mit Pierre stand ich auf der Back – Michel am Steuer – und auf einmal krängte das Boot nach Steuerbord, ich verlor das Gleichgewicht und wäre beinahe über Bord gegangen, konnte mich aber gerade noch so am Bergesack festhalten. ‘Das war knapp!’ dachte ich. Pierre mühte sich ab, den Bergesack zu heißen, aber das Segel kam nicht raus, also hielt ich das Segel fest und zog es raus und da ging es dann endlich. Der Schlauch verschwand im Topp und ich ließ das Segel los. So richtig wollte es noch nicht. “Ein büschen mehr nach Backbord!” DA! Der Wind blähte das Segel auf und da stand das Spi in alter Pracht. Ok, . . . sooooo prächtig wiederum auch nicht, da es ja ein paar Flicken mehr hat. Egal, es stand auf jeden Fall!

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gemütliches Spi-Segeln

Ich ließ Michel am Steuer zunächst mit 340° die Eckernförder Bucht passieren und dabei etwas Erfahrung mit dem Spi sammeln. Heike hatte noch vorgeschlagen, dass sie jemanden abholen könnte, wenn es nicht mehr behagen würde. Die erste Ausstiegschance, Damp, kam gerade Backbord querab. Aber natürlich wollte keiner von Bord. Die See war angenehm ruhig und unter Spi hatten wir auch genug Fahrt. Schon standen wir südlich des Sperrgebietes Schönhagen. Ich suchte die erste Tonne und machte eine recht weit voraus aus. “Halt dich steuerbords von der Tonne. In das Sperrgebiet dürfen wir nicht rein.” – “Geht klar.” meinte Michel. Eine kleine Weile später sah ich an Steuerbord voraus mit großer Überraschung die Tonne Schönhagen 4 in etwa 3 Kabeln Abstand. “OHA!” sagte ich, “die hier musst du auch an Backbord lassen.” Hatte ich die doch glatt übersehen. Wir standen etwas zu weit westlich an der Südkante des Sperrgebietes. “Okay.” Michel drehte an und ging auf Halbwind-Kurs . . . mit SPI! Das geht, ist aber nicht leicht. Ich fierte die Steuerbordschot weit auf, ließ Ines die Bb-Schot dichtholen und Michel versuchte sich daran, die Tonne auf der richtigen Seite zu passieren. “Wie ist denn das mit dem Vorhalt?” wollte er wissen. “Wär’ nicht schlecht, da uns sonst der Wind ganz schön verdriften lässt.” antwortete ich. Mit einem 64m² großen bauchigen Segel auf der Seite ist das so, als ob man für jeden Meter, den man voraus macht, auch einen halben Meter zur Seite gezogen wird. Da Michel immer wieder etwas vorhalten musste und der Wind nicht so konstant war, fiel das Segel dann und wann ein. Also mussten wir abfallen um das Segel wieder zu füllen, verloren dabei Fahrt und vor allem HÖHE! Die Tonne war unmöglich an ihrer Steuerbordseite zu passieren. “Ist nicht so wild, wenn wir ein Stückchen schnibbeln.” gab ich beruhigend bekannt. “Aber was könnte denn passieren? Sind denn da Minen?” – “Nein, das ist nur ein Übungsgebiet für die Minensucher. Allerdings darf man hier auf keinen Fall ankern, denn falls Munition am Boden liegt, . . . naja kommt nicht SOOOO gut. Aber selbst wenn hier noch Minen wären, mir ist keine Mine bekannt, die auf ein Segelboot reagiert (Ankertauminen werden ja nicht mehr verwendet). Hier fahren oft genug Segler quer durch, obwohl man es nicht darf.” Wir passierten die Tonne mit etwa 1 kbl Abstand. “Na gut, aber die nächste Tonne lassen wir dann bitte an Backbord.” Rund 10 min. später musste Michel erneut kapitulieren. “Das ist ja echt unglaublich, wie sehr wir abtreiben.” Diesmal war es wenigstens nur 1/2 Kabel. “Du hast noch zwei weitere Versuche. Da vorne kommt die 2.” sagte ich. Und Schönhagen 2 blieb dann auch endlich auf Backbordseite, allerdings so knapp, das ich noch meinte: “Halt bitte etwas mehr nach Steuerbord, damit wir die Tonne nicht mit dem Segel mitnehmen oder die uns sogar das Tuch aufschlitzt.” Mit etwa 20m Abstand kämpften wir uns bei etwa nur 3,5 kn FüG daran vorbei. “Das ist doch mal eine Feier wert, dass wir die regelkonform passiert haben.” lachte Michel.  Auch die letzte Tonne ließen wir an Backbord, aber wieder nur in 20m Entfernung.

Endlich konnten wir wieder auf Kurs 340° gehen. Das Spi wurde wieder mehr nach vorne gefiert und hoch ging die Fahrt. Bis Falshöft war es ein entspanntes Spi-Segeln, doch dann ließ der Wind zusehends nach. Wir steuerten noch fast bis Höhe des Leuchtturms Kalkgrund mit raumschots auf Nordkurs, weil uns da das Spi tatsächlich ein wenig Fahrt verschaffte, aber direkt vorm Wind war fast nichts zu holen. Die Fahrt ging runter und ich wollte schon den Motor anschmeißen, da meldete sich Carmen: “Was war das? Ist da einer im Wasser?” Auch ich hatte das Spotzen gehört und schaute mich um. “DA!” rief ich aus, “ein Schweinswal!” Tatsächlich tauchte immer wieder einer ganz dicht um uns herum und prustete beim Auftauchen. Was für Aufregung jetzt folgte, aber ich vergaß, das die Erlanger noch nie einen Schweinswal aus nächster Nähe gesehen hatten. Die Handys wurden gezückt und Carmen gelang es tatsächlich, den flinken Meeressäuger in zwei kurzen Videoclips festzuhalten. Pierre versuchte mit der GoPro am Stick Aufnahmen unter Wasser zu machen, aber da hatte der Bursche genug um uns herum erkundet und verschwand.

Die letzten Meilen mussten wir tatsächlich unter Motor zurücklegen, denn der Wind hatte nahezu komplett nachgelassen. Ich kletterte mit Schraubenzieher und Messer auf die Back, denn die Positionslichter waren defekt. Schnell hatte ich die gebrochene Ader wieder isoliert und in der Fassung festgeklemmt. Ein Test verlief negativ. “Die Kontrollleuchte ist auch aus, obwohl der Schalter an ist.” rief Michel mir nach vorne. “Ja, drück mal links daneben auf den roten Knopf, das ist die Sicherung.” gab ich zurück. TADA, da war das Licht auch schon an! Hinten in der Plicht wieder angelangt, zeigte ich Michel die Seekarte und machte auf die Seezeichen und Sektoren aufmerksam, die wir gleich nach Sonnenuntergang zu Gesicht bekommen würden. Pierre steuerte auf die Ansteuerung der Flensburger Förde zu. “Da muss ein weißes Gleichtaktfeuer gleich auftauchen.” Tatsächlich passierten wir die Tonne, bevor ihre Kennung zu sehen war, aber anhand der Seekarte und der Sektoren von den Leuchttürmen Kalkgrund und Kægnes hatten wir schon so eine ziemlich genaue Position bestimmt. “An Backbord müssen wir gleich die Gefahrentonne Middelgrund Ost lassen. Die ist unbefeuert, also gut aufpassen.” Unser Kurs war gut, Pierre musste nur wenig nach Steuerbord korrigieren und die Tonne ging 50m an Backbord vorbei. Bei der Gelegenheit erklärte ich Ines und Pierre, woran man die Kardinalrichtung der Gefahrentonne erkennen konnte. Die Dunkelheit setzte nun vollends ein und wir machten vor uns eine rote Kennung aus. “2 rote Blitze, die alle 8 Sekunden wiederholt werden.” Ich deutete auf die Karte: “Hier Fl. (2) R. 8s.  Das ist die hier. Weiter an Backbord seht ihr ein schnelleres Licht blinken.” Michel zählte neun mal. “Das ist eine Gefahrentonne West. Wie auf einer analogen Armbanduhr: 9 Uhr ist links und auf dem Kompass ist links eben Westen.” Mit der Seekarte im Kopf und gelegentlichem Nachschlagen auf der echten Seekarte, fuhren wir zuerst an der Marina, dann am Schloss vorbei in den Stadthafen. Ich drosselte die Fahrt auf 4kn und ließ Pierre entlang der Kaimauer steuern, während wir einen freien Liegeplatz suchten. Ganz hinten beim Havnekontor lag ein kleiner Traditionssegler, vor dem noch eine Lücke auszumachen war. “Da ist gut, da legen wir an. FENDER raus. Klarmachen zum Anlegen mit Steuerbordseite!” Michel war im Leinenhandling beim Längsseitsgehen noch ungeübt und so gab ich Anweisung: “Eine Leine geht von der Steuerbordklampe nach vorne auf die Pier, das ist die Vorleine. Eine zweite Leine geht von der Klampe nach achtern auf die Pier, das ist die Vorspring.” Pierre hatte ich das Anlegemanöver erläutert. “Aber du bleibst hier und sagst nochmal an?” Er war etwas nervös, gerade mal 2 Tage Segelerfahrung und schon sein erster Anleger, und das bei Nacht! Aber ich weiß, wann ich wem was zutrauen kann.  In einem spitzen Winkel lief er die Mitte der Lücke an und Ines passte mit einem Fender auf, dass wir nicht mit dem Bug an der Pier entlang scheuerten. “Maschine zurück.” Ich bediente den Hebel selbst und stoppte das Boot auf. Durch den Schraubeneffekt drehte das Boot achtern zur Pier, kam aber zu dicht an einem Folkeboot vorbei. “Fender dazwischen!” Carmen reagierte blitzschnell und fenderte uns gerade so noch ab. Ich legte schnell die Heckleine über einen dicken Poller und schaute nach vorne. Michel stand mit den Leinen auf der Back, etwas ratlos, da auf der Pier kein weiterer Poller war. Also lief ich vor und fädelte zuerst die Vorleine durch eine Öse am Holzbalken unterhalb der Kaimauer. Anschließend machte ich das selbe mit der Vorspring. Dann ließ ich Pierre die Backbordheckleine auf die Mittelklampe an der Steuerbord-Genuaschiene legen und fädelte auch diese durch eine Öse auf dem Holzbalken. “So, wir sind fest.” sagte ich. Eine Frau guckte etwas komisch und zeigte auf das Folkeboot. “Beim Festmachen sind wir dran gestoßen.” meinte Carmen. Ich guckte, konnte aber nichts erkennen. “Vielleicht nur etwas Lack, das ist nicht wild.” sagte am nächsten Morgen der Skipper.

Wir hatten Sønderborg erreicht und während ich mich um das Hafenticket kümmerte, betätigte Michel sich als neuer Smutje. Kurz wies ich ihn in den Gebrauch der Gasanlage ein und schon lief die Sache von allein. Später legte ich die Stromleitung und musste feststellen, dass der Liegeplatz der von der Stromquelle bisher am weitesten entfernte war, den wir in drei Jahren Segeln hatten. Das Kabel war gerade lang genug. Michel kochte vorzügliche Spaghetti Bolognese. Gut gesättigt, aber auch einigermaßen müde verkrochen sich Ines und Nora in die Vorpiek. Beim Zähneputzen kam kein Wasser mehr. Der Frischwassertank war leer. Schnell waren die Schläuche ausgelegt, doch das Gewinde des Anschlussstückes passte nicht auf den Wasserhahn. “Nanu? Scheint so, als hätten die Dänen ein anderes Maß oder eine andere Norm. Zumindest ist das kein 3/4 Zoll.” Also betanke Pierre den Frischewassertank mit dem 10l Kanister und nach dreimal hatten wir wieder genug. Ich half Carmen beim Kojenbau der Backbordsalonkoje und trank dann mit Michel und Pierre noch ein gezapftes Absackerbier. “Auf den schönen Segeltag.” – “Auf deinen ersten Anleger, Pierre!” Nach dem Bier meldete ich mich mit den Worten “jetzt geh ich nochmal die Vorpiek lenzen” ab und wurde bei der Rückkehr Zeuge eines kleinen Malheurs. Ein Däne war auf seinem Boot gerade dabei, über die Reling zu pinkeln. Wäre ja nicht schlimm gewesen, wenn da nicht EIN BOOT IM PÄCKCHEN gelegen hätte! Arme Shangri-La!

Foto 27.08.17, 09 19 19Gegen neun waren wir alle munter und ich lief mit Michel, Carmen und Nora in die Stadt auf der Suche nach einem Bäcker. Da der kleine Supermarkt in der Stadt auch am Sonntag offen hatte, holten wir dort Softbrød aus Ermangelung an Rundstykker. Durch eine Gasse alter dänischer Stadthäuser gingen wir wieder zum Hafen zurück, kamen aber wegen Carmen nur langsam dran vorbei, da sie die vielen Stock- und Kletterrosen beschnuppern musste. An Bord hatten wir ja noch den Toaster und genossen sodann ein schönes Frühstück in der Plicht bei herrlichem Sonnenschein und strahlend blauem Himmel. Na, wenigstens für heute schien die Vorhersage zu stimmen. Nora hatte eine Segelfibel von mir bekommen und lernte fleißig seemännische Begriffe. Jetzt ließ sie sich von Pierre abfragen. “Ausrauschen?” – “Wenn eine Leine unkontrolliert Lose bekommt.” – “Anluven?” – “Härter an den Wind gehen.” – “Abfallen?” – “Vom Wind wegdrehen.” Vokabeltest BESTANDEN! “Tobi, da fehlen aber noch Begriffe, zum Beispiel ‘auffieren'” sagte Nora zu mir. “Mag sein, dass da noch einige fehlen. Zum Beispiel fehlt auch ‘abbacken’.” sagte ich. “Was ist das?” – “Tisch abräumen!” schmunzelte ich mit Blick auf den Frühstückstisch, der noch nicht fertig abgeräumt war.

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Nora legte ab. Ich löste die Heckleine, Pierre die Achterspring. “Michel, Vorleine los, Vorspring unter Zug halten. Wenn ich ‘schrick die Spring’ sag, dann gib ein kurzes Stück lose rein.” Ich hab keine Ahnung, wie marsianisch ich auf Laien wirken muss, aber wie schon beim letzten Blog erwähnt, man verstand mich oder man hakte nach. “Okay!” – “Gut Nora, dann wollen wir mal. Hart Steuerbord. Maschine voraus kleinste.” Nora legte das Ruder und gab prompt zurück “Ruder liegt Hart Steuerbord” -“Schön abfendern, Ines!” Ich gab einen kleinen Pull voraus und das Boot klappte ab, während Ines wieder einen Fender zwischen Bug und Pier hielt. “Maschine Stopp. Mittschiffs, Hart Backbord. Maschine zurück große.” Ich kuppelte die Maschine aus und gleich auf zurück ein, während  Nora brav zurückmeldete: “Ruder liegt Hart Backbord.” – “Ja.” ich fühlte mich fast wie in meinen Zeiten als Wachoffizier auf einem Uboot.  Die Rasalhague zog zurück. “Vorspring ein.” Wir waren raus. “Das war das Ablegemanöver ‘Eindampfen in die Vorspring’. Habt ihr gut gemacht.” verkündigte ich sehr zufrieden. “Hä, Eindampfen? Wieso wird die Vorspring eingedampft?” – “Unter Motor in die gespannte Festmacherleine fahren.” antwortete ich. “Ich weiß, was in seinem Blog stehen wird, “rief Nora, “>Verflixt, schon wieder.<” Ich lachte. Ja, das hatte ich mir in der Tat gedacht, aber ich stellte auch erfreut fest, inzwischen tauchten immer weniger Fragezeichen über ihren Köpfen auf.

Foto 27.08.17, 11 33 41Wir verlegten unter Motor vom Stadthafen in die nahegelegene Marina, denn Heike und ich hatten ja von den Krabbenrennbahnen in Dänemark erzählt und das wollte man mit eigenen Augen sehen. Das Anlegemanöver brauchte ganze drei Versuche, da der Wind uns den Bug wegdrückte, aber letztlich steuerte Nora in die Box. Sicherheitshalber hatten wir einen Kescher dabei, aber eine Krabbenangel fehlte. Kurzerhand nahm ich eine Wäscheklammer und eine dünne Leine und damit ging es an die Krabbenrennbahn. Es dauerte eine Weile, bis sich die ersten Fangerfolge einstellten. Pierre, Ines und Nora hatten bestimmt schon 10 Minuten damit verbracht, ein Renntier zu angeln, da kam ein kleiner Däne mit einer Krabbelangel, hielt den Köder (Muschelfleisch) nur kurz rein und holte ein wahres Prachtexemplar heraus. Carmen und ich staunten nicht schlecht, irgendetwas mussten die drei da noch verkehrt machen. Aber dann jubelte auch Pierre: “Ich hab eine, schnell!” Er holte eine Minikrabbe mit dem Kescher raus. Aber jetzt kam die Frage, wohin damit. Ines wollte sie nicht anfassen und beförderte die Krabbe in die Rennbahn. Aber wie gesagt, die Krabbe war eigentlich zu klein für Rennen, denn sie schlüpfte unter der Klappe ihrer Startbox durch und lief in die Freiheit. “NEIIIIN, du hast meine Krabbe entkommen lassen!” protestierte Pierre. Aber es dauerte nicht lange, da hatte auch Ines Erfolg. Und was für einen Kaventsmann von Krabbe sie rausholte! Carmen machte schnell ein paar Fotos vom Renntier, dann griff ich in den Kescher und freute mich an den schrillen Ausrufen der Mädchen: “WAAAS? Du willst die doch nicht etwa ANFASSEN?” – “Guck, hier am Panzer kann man sie anfassen, ohne das sie einen zwickt.” Ich setzte die Krabbe in die erste Bahn. Wo war der nächste Teilnehmer? Der ließ nicht lange auf sich warten, eine andere deutsche Familie hatte gerade einen ähnlich kapitalen Burschen gefangen und setzte ihn direkt in die benachbarte Bahn. “Ihr müsst eurer Krabbe noch einen Namen geben.” scherzte ich. “Ähm . . . Ole.” sagte Ines, im Glauben hier würde es sowieso keinen Ole geben. Zumindest war der Name für sie ziemlich abwegig. “Neee, neee, DAS GEHT nicht.” protestierte eine ältere Frau, und zeigte lachend auf ihren Enkel. “DAS ist Ole!” – “Ok, dann . . . Krabbi!” Nora stand am Hebel der Startklappen. Ich zählte: “3 . . . 2 . . . 1, LOS!” Nora drückte den Hebel hoch und mit “Krabbi, Krabbi, Krabbi”-Rufen ging das Rennen los. Aber Krabbi war nicht in Rennstimmung, zwischendurch machte er schlapp und schien einzuschlafen. Der Konkurrent gewann mit einer beeindruckenden Zeit. Die Strecke von 1m legte er in nicht mal 20 Sekunden zurück.  “Ihr habt wohl ein bisschen eure Krabbe mit Salami überfüttert.” sagte der Trainer der Siegerkrabbe, alias der Vater vom Lütten, der die Krabben geangelt hatte. Irgendjemand verriet dann Pierre den Trick mit der Wasserspur, der die Krabbe einfach folgen würde, wobei ich schon den Verdacht hatte, dass die Krabbe eher “runtergespült” wurde. Weitere 10 Minuten später hatte auch Nora eine ansehnliche Krabbe aus dem Wasser geholt. Die kam zuerst mal ins Trainingsbecken – einem alten Spielschiff, in dem das Wasser vielleicht 10cm hoch drin stand. Kurze Zeit später gab es eine Herausforderung: “Großes Krabbenrennen!” Aus einem Eimer tauchten so viele Krabben auf, das Noras Krabbe als einziger ‘fremde’ Teilnehmer eine Bahn bekam, ansonsten kamen alle Renntierchen aus besagtem Eimer, ja in einer Bahn waren sogar ZWEI drin! Michel hatte sich mit seinem iPhone so hingestellt, dass er das Rennen aus der Vogelperspektive filmen konnte. Der Startschuss fiel und in einem atemberaubendem Tempo war die erste Krabbe im Ziel und purzelte ins Wasser. Ein wahrer Usain Bolt unter den Schalentieren. Fragwürdig war jedoch, ob er wirklich so fit war oder nur die Flucht vor der anderen Krabbe in seiner Bahn ergriff. Unser Athlet wurde immerhin zweiter. Bevor allerdings Nora wegen unerlaubter Krabbenanzahl auf der Siegerbahn noch Protest einlegen konnte, verkündigte ich, das wir jetzt auslaufen müssten, schließlich hatten wir noch knapp 30sm vor uns.

“Steuerbordvorleine los, Backbordvorleine unter Zug mitführen!” rief ich vor. Michel verstand und verhinderte damit, dass der leicht seitlich einfallende Wind den Bug nach Steuerbord drückte. Achtern waren wir los und mit Maschine zurück zog ich hinter. “Vorleine los.” Keine 5 Minuten später waren wir aus dem Hafen und Michel und Carmen saßen auf der Back und genossen den Moment. Leider musste ich stören: “KLARMACHEN ZUM SETZEN DES GROSSSEGELS! KLAR BEI GROSSFALL!” Nicht, das ich irgend jemand schikanieren wollte, nein, nein, aber in mir kam wieder die Zeit auf der Gorch Fock lebhaft in Erinnerung und . . . naja, sooo ein kleines büschen, wollte ich meinem Bruder einen Eindruck davon vermitteln. Foto 27.08.17, 11 36 50Sofort sprang Pierre nach vorne und quittierte mit “Klar zum” obwohl noch nicht ein Segelspannhaken vom Groß runter war. Hauptsache mit Eifer dabei! Dann kam auch von Michel und Carmen ein “Klar zum” und mit “HEISS AUF DAS GROSS!” schoss das Segel hoch, verklemmte sich leider an den Lazy Jacks, musste nochmal gelockert werden und dann ging es aber endlich und Pierre zog wie ein Weltmeister das Segel hoch. “BELEG SO. KLARMACHEN ZUM SETZEN DER FOCK, KLAR BEI FOCKFALL” – “Klar zum.” – “HEISS AUF DIE FOCK!” Die G1 – ich hatte am Morgen noch mit Pierre und Ines das Segel gewechselt – ging hoch und mit Schmetterling ging es auf Ostsüdost-Kurs, eigentlich war das schon mehr ein >Südost bei Ost, ein Viertel Strich Ost<, aber damit hätte ich nun wahrlich jeden überfordert. Wir kreuzten den Bug eines Seglers auf Steuerbordbug, der nur mit gesetzter Genua auf Südostkurs unterwegs war. Dahinter halsten wir ebenfalls auf 150° und fuhren raumschots an den Kiel-Flensburg-Weg heran. Hier erfolgte IMG_9949nochmals eine halbe Halse und wir gingen bei einem Kurs um die 120° wieder mit Schmetterling auf Vormwind. Immer wieder erschlaffte die Genua und die Fahrt nahm ab. Mit der Öffnung der Flensburger Förde hin zur Ostsee nahm der Düseneffekt durch das Land ab und nur mühsam ließen sich Geschwindigkeiten über 4kn halten. “Also gut, wollt ihr das Spinnaker setzen?” fragte ich Michel. “Einen Versuch ist es wert.” Ohne weitere Anweisungen enterten Pierre und Michel auf die Back und bauten das Spi MUSTERGÜLTIG auf. Als sie nach dem Segelsetzen wieder hinter kamen, sagte ich “BRAVO ZULU!” – “Und das heißt?” – “Das ist der Code für: Gut gemacht!”

Die Rasalhague nahm wieder Fahrt auf. Geschwindigkeit war keine Hexerei mehr. Im Nu hatten wir konstant mehr als 6kn. Wir zogen an einigen anderen Heimkehrern vorbei, die entweder kein Spi oder keine Lust auf Spinnakersegeln hatten. Wir machten aber in Spitze 7,4kn FüG. Bis Schleimünde hatten wir bereits 10 Boote, auch größere, eingeholt und abgehängt, zuletzt ein Folkeboot mit stabilisiertem Schmetterling, sprich: er hatte seine Fock mit dem Spibaum ausgestellt. “Kannst du das nicht auch machen?” wollte Michel wissen. “Theoretisch ja, aber mein Spibaum ist etwas lang, ich befürchte zu lang.” Vielleicht teste ich das mal aus, wer weiß. Ich bin ja schon zu einigen Verbesserungen gekommen, nur durch Beobachten der anderen Segler.

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Diesmal segelten wir auf der Innenseite des Sperrgebietes Schönhagen vorbei und hatten auch deutlich weniger Schwierigkeiten, die Höhe zu halten. Ab Damp wurde der Wind merkwürdigerweise immer schwächer, so dass Pierre etwas enttäuscht war, wollte er doch auch noch die 7kn knacken. Wir standen vor der Eckernförder Bucht und ich erwartete, dass der Wind doch nochmal zunehmen würde. Immer wieder fiel das Spi zusammen. Nanu? Sollten mich meine Kenntnisse trügen? Wo war der Wind denn abgeblieben? Eigentlich hätte ich wetten können, dass der Wind nach Damp wieder zunimmt. “Klarmachen zum Bergen des Spi.” Ich gab auf. Ein Blick auf die Uhr und ich entschied die Segel komplett zu streichen, denn ich hatte noch anderthalb Stunden Zeit bis zum Skypen mit Nils. Michel und Pierre hatten gerade damit begonnen, das Spi runterzuholen, doch die Bergeleine klemmte. “Fang das Segel ein und dann lasst ihr das Spi am Fall runter.” rief ich vor. Michel klinkte die Steuerbordschot aus dem Spibaum und schnappte sich das Unterliek des Segels, doch das Segel füllte sich gerade ordentlich und tatsächlich kam wieder gut Wind auf. ‘Ha, da ist er ja!’ dachte ich gerade noch und sah in dem Moment, wie Michel verzweifelt das Spi festhielt, war er doch noch auf dem Stand, das wir das Segel bergen wollten. Viel fehlte nicht, und es hätte ihn über Bord gezogen. “Lass los! Wir segeln weiter!” rief ich. Die Rasalhague legte sich auf die Backbordseite und pflügte mit 6kn durch das Wasser Richtung Stollergrundrinne. “Versuch mal die Schot wieder in den Baum zu legen!” rief ich Michel zu. Die Fahrt fiel nicht mehr unter 5kn und so zogen wir zügig mit Spi auf Raumschotskurs am Schwedeneck vorbei und hatten bald Bülk querab. Da der Wind um die Landzunge dreht, versuchte ich mein Glück mit dem Segel bis auf Halbwind zu gehen. Foto 27.08.17, 19 03 07Die Krängung war mit 20 bis 30° ganz nett und Ines und Nora gesellten sich zu Pierre und Michel auf die Back und alle ließen die Beine auf der Steuerbordseite unter der Reling durch nach außen baumeln. Jetzt kam der Wind mehr aus der Strander Bucht und schon luvte die Rasalhague an. Ich hatte schwer zu kämpfen, trotz Hart Backbord zog das Boot nach Steuerbord. ‘Oh NEIN, bitte, bitte, kein Sonnenschuss!’ flehte ich innerlich. Auf der Back war das Jauchzen groß. Bei Krängungen um 40 bis 50° – die Lauffläche an Backbord stand gelegentlich unter Wasser – ließ sich Michel nach hinten fallen und hing kopfüber mit den Händen im Wasser. Allerdings nur kurz, weil Nora es etwas mit der Angst um ihren Papi zu tun bekam. “Tobi sieht gerade nicht so entspannt aus.” ulkte Pierre. ACH? WARUM WOHL? Ich musste mehrfach das Boot vom Sonnenschuss abhalten. Und das gelang mir nur mit Müh’ und Not.

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Letztlich ging ich vor den Wind und ließ das Spi bergen. Ines übernahm das Steuer und während in Windeseile das Groß runterkam und die Persenning aufgezogen wurde, bewältigten wir unter Motor die letzte Meile nach Schilksee. Auch Genua und Spi waren schnell verstaut. Ich gab Ines ein paar letzte Anweisungen, dann hatte das Boot auch schon im Hafen festgemacht. Mit fünf Mitseglern war das Boot in nur wenigen Minuten seeklar zurück und wir unterwegs nach Hause.

Ich hatte an diesem Wochenende eine tolle Crew, die super mitgearbeitet hat, viel Spaß hatte und viel gelernt hat. Ich glaube sogar, dass sich da zwei oder drei vorstellen können, eines Tages einen Sportbootführerschein See zu machen. Zumindest war die Begeisterung und das Interesse spürbar.

Vielen Dank, Michel, Carmen, Pierre, Ines und Nora, dass ich euch “meine Welt” näher bringen durfte. Ich hoffe, es hat euch gefallen und ich kann euch versichern, ihr seid mehr als nur willkommen. Ich freue mich schon auf das nächste Segeln mit euch! Jetzt könnt ihr auch getrost sagen: Vi har sejlet til Danmark! (Wir sind nach Dänemark gesegelt!)

Euer Skipper

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Aus Landratten werden Segelfans . . . oder ein Seebär lernt Deutsch

Der Sommer . . . nein, dieses Jahr scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Also, damit das klar ist, unser Patenstern ist nicht schuld. Man sagt zwar Rasalhague negative Eigenschaften nach, aber dazu muss man a.) abergläubisch sein . . . b.) trifft es in erster Linie auf Frauen zu (er soll durch Frauen Unglück bringen). . . c.) haben die Scharlatane, pardon, die Astrologen noch nicht mal gewusst, das Rasalhague ein Doppelstern ist, und so lange sie mir nicht sagen können, welcher von beiden der Gemeine ist, halte ich das alles für ausgemachten HUMBUG.

Gut, das ist aber eine andere Geschichte. Zurück zu uns: Heikes diesjährigen Segelstunden lassen sich an einer Hand abzählen. Und da wird dieses Jahr nichts mehr dazu kommen, so wie es aussieht. Nach ihrer Kiefer-OP hat meine geliebte Vorschoterin nun einen gequetschten Halswirbel und muss sehr wahrscheinlich operiert werden. OCH MANNO!

Wie gut, dass sich da im August mein Bruder Michel spontan samt Familie zum Sommerurlaub im Norden entschlossen hat. Da so kurzfristig alles ausgebucht war, haben wir die fünf aus Franken einfach bei uns einquartiert. Sie wollten einen 2-Tage-Kitesurf-Schnupperkurs belegen und, wenn es sich machen lässt, auch mal ein Fuss auf die Rasalhague setzen. Mir schwebte natürlich gleich ein Wochenendtörn nach Fåborg mit Rückweg über den Alssund vor. Aber ich muss mich da selbst etwas bremsen. Schnell vergesse ich nämlich, das es sich bei Michel, Carmen, Pierre, Ines und Nora um richtige LANDRATTEN handelt, die von Seefahrt nur Bilder gesehen, aber keine Vorstellung haben. Da merke ich dann immer, wie sehr unterschiedlich unsere Wege verlaufen sind. Während Michel in der Informatik zuhause ist, sind mir Begriffe wie abfallen, anluven, aufkommen, beibändseln, heissen, zurren, schricken, belegen, slippen, schiften, hieven, anschlagen, takeln, wenden, halsen, glasen, riggen, fieren, holen, back stellen usw., vor allem aber Formulierungen wie >von 22,5° achterlicher als querab backbord über rechtvoraus bis 22,5° achterlicher als querab steuerbord< in Fleisch und Blut übergegangen. Dementsprechend war ihre Reaktion auf mein Vorschlag verhalten bis . . . SEHR SKEPTISCH. Allerdings war bei allen die größte Sorge: ‘Werde ich seekrank?’ Meine Meinung dazu ist ja, da muss man durch! Kommt bloß nicht so gut an. Also schlug ich ein gemütliches Ansegeln nach Feierabend vor. Das war doch mal eine gute Idee!

Mittwoch nach der Arbeit düste ich zum Baumarkt, holte für den Bordgrill FSC-zertifizierte Holzkohle (wir hatten am Abend davor im Fernsehen einen Grillkohletest gesehen, bei dem erschreckender Weise herauskam, das viel Holzkohle von tropischen Bäumen stammt, sehr wahrscheinlich Raubbau!), denn Segeln ließ sich ja prima mit Grillen verbinden und die Windprognose war bei 2-3 Bft eigentlich ideal. Anschließend schaute ich noch bei meinem Segelmacher im Hafen vorbei und besorgte mir zwei einscheibige Blöcke, einen mit und einen ohne Unterbügel, sowie zwei Schäkel. Schon am Vortag hatte ich mit Reserveblöcken auf der Backbordseite eine Bullentalje installiert. DSC_0459 DSC_0460Zuerst wollte ich die mit einem Karabiner an den Ösenschlitten auf der Genuaschiene anschlagen und bei Bedarf von Backbord nach Steuerbord schiften, aber ich befand, dass die Bullentalje gar nicht so sehr stört. Na, dann wollte ich lieber gleich festinstallierte Taljen auf beiden Seiten. Es funktioniert prima. Jetzt kann mir der Baum auf raumschots oder vorm Wind nicht mehr umschlagen. Das ist uns ja häufig genug gerade bei Schlingerkurs und etwas mehr Seegang passiert. Das Material wird geschont und vor allem kann man nun auf die Back entern, ohne befürchten zu müssen, das einem der Baum vor den Latz oder an den Kopf knallt.

Gegen halb sechs standen die fünf dann auf der Pier. “Wow! Sehr schön!” Michel meinte später, man kann sich nur schwer 9m Länge vorstellen, bis man es sieht und fühlt. Nach der obligatorischen Sicherheitseinweisung in die Rettungswesten und einem Knotenschnellkursus zeigte ich noch schnell, wie Leinen richtig aufgeschossen werden. “Ach, er meint aufwickeln!” übersetzte Carmen. DA, VERFLIXT! Schon wieder fiel mir nur der seemännische Begriff ein. Aber: entweder verstand man mich, oder man hakte nach. “Alle Manöver werden mit >Klarmachen zum< eingeleitet.” fuhr ich fort, “Dann begibt sich jeder auf die ihm oder ihr zugewiesene Position und wenn er oder sie bereit ist, quittiert man mit >Klar zum<.” – “Das gefällt mir,” meinte Carmen, “kurze, klare und unmissverständliche Anweisungen. Ich werde das zuhause auch einführen: >Klarmachen zum Spülmaschine ausräumen<.” SEHR GUT!

Foto 23.08.17, 17 50 44Das Ablegen verlief ohne Schwierigkeiten, und schon nach wenigen Metern ließ ich die jüngste, Nora, ans Ruder.  Vor der Hafeneinfahrt war ziemlich was los, denn das Wetter war klasse und der Wind auch. “Klarmachen zum Segelsetzen, Klarmachen zum Setzen des Großsegels, Klar bei Großfall.” kam mein Kommando. Leicht irritiert gingen Michel und Carmen an die Sache heran, aber fanden sich dann doch zurecht. “Klar zum.” kam es etwas zögerlich. “HEISS AUF DAS GROSS!” ich zelebriere dieses Kommando, da bestimmte Kommandos eher ausgesungen als ausgerufen werden – gelernt ist eben gelernt. Mit Heike und meinen beiden Lütten bin  ich es gewohnt, dass dann das Groß richtig hochfliegt, . . . aber Carmen und Michel hatten wie gesagt noch keine große Berührung mit einem Segelboot und daher kroch das Segel langsam in seiner Nut den Mast hoch, bis es stand. Während mein Bruder noch das Fall aufschoss, bereitete Carmen das Fockfall vor. Dann ging auch die Genua mit “HEISS AUF DAS VORSEGEL!” hoch. Nachdem auch das Fockfall aufgeschossen wurde, ließ ich die Back räumen und hinten wurde es langsam ziemlich eng. Noch nie hatte ich fünf überwiegend erwachsene Gäste an Bord. Jetzt sah ich, dass die Fallen und Festmacher zwar aufgeschossen waren, aber auf der Back lagen. ‘AH, wieder etwas, was mir selbstverständlich ist, aber anderen, die nie auf See waren, natürlich nicht.’ dachte ich mir, da aber der Wind mit 3 Bft nicht so doll war und die Krängung sich auch bei 20° auch nicht wirklich auswirkte, konnte ich es dabei belassen, machte mir aber innerlich eine Notiz, dass ich das nochmal zeigen sollte.

In der Strander Bucht lag das Minenjagdboot Homburg vor Anker, hinter dem wir durchgingen und dann die erste Wende machen mussten. Ich erläuterte den Ablauf, verwendete neben Begriffen wie Baumniederholer auch >die gelbe Leine< und übersetzte holen und fieren ins Deutsche. “Klarmachen zur Wende!” Ines ging an die Backbordwinsch, Pierre an den Traveller und Carmen an die Steuerbordwinsch. “Klar zum” kam es schon nicht mehr so zögerlich zurück. “Hart Steuerbord” gab ich leise an Nora weiter. “Ree” sagte sie . . . auch sehr leise. “Das darfst du ruhig lauter und langgezogen sagen, damit man dich hört.” Das Boot drehte, die Genua killte (ich übersetzte das mit flattern), “HOL ÜBER DIE FOCK!” gab ich das nächste Kommando. Ines fuhr die Schot aus der Hand und gab Lose, Pierre schiftete den Traveller und Carmen kurbelte an der Steuerbordwinsch – so wie ich ihr auftrug – wie eine Weltmeisterin, während Michel die Leine einholte. “Was heißt eigentlich >Holperdi Fock<?” fragte Nora. ERWISCHT! Schon wieder!

Foto 23.08.17, 18 26 09Nora machte das Steuern ziemlich gut, vertat sich aber später doch bei Steuerbord und Backbord, obwohl ich den Eindruck hatte, sie wüsste das. “Wenn Rot Backbord ist, dann muss ich doch nach rechts steuern, oder?” – “Nein nach links.” – “Hä? aber der rote Faden ist doch rechts auf dem Steuerrad!” AH! Wieder eine Falle! Ich erklärte die Funktion der Fäden genauer: “Die Farben auf dem Steuerrad sind vertauscht, weil ich dann mit einem Blick auf das Steuerrad sehen kann, wie das Ruder liegt. Es ist quasi ein Ruderlagenanzeiger.” – “ACHSO!” schon vertat sie sich nicht mehr.

Irgendwann meldete sich Pierre, weil er mal müsste. Also erklärte ich ihm, wie die Bordtoilette funktionierte. Als er fertig war, sah Ines ihn besorgt an: “Hast du gekotzt?” Er verneinte, erklärte ihr seinerseits das Bordklo, weil auch sie mal musste. Als Ines dann wieder im Niedergang erschien, fragte Nora: “Hast du gekotzt?”

Bis zum Fahrwasser brauchten wir nicht so lange und konnten immerhin 5kn Fahrt über Grund machen. Meine Logge zuckte nur kurz und entschied sich wieder zu streiken. ‘GR#%?§XR&!’ (ihr wisst schon, was ich meine).  Nach einer Patentwende (Michel: ” . . . eine misslungene Wende?” Ich: “unfreiwillig”) und einer gewollten Wende hielten wir auf die äußere Regattatonne bei Bülk zu und wollten dann vor Strande vor Anker gehen und grillen. “Was bedeuten die roten Fäden im Segel?” fragte Michel. “Das sind Telltales. Die verraten einem, ob das Segel richtig ausgestellt ist oder ob das Profil bauchiger oder flacher gefahren werden muss.” Aus Platznot nahm ich meinen Lieblingsplatz auf dem Süll stehend ein, mit einer Hand am Achterstag. Das ist Freiheit! Just, als wir die Regattatonne erreicht hatten, kam ein großer Pulk Segler von Strande genau auf uns zu. Die erste Yacht rauschte an uns vorbei, dann noch eine und ich erkannte, dass da wohl eine Clubregatta gefahren wurde. Ich ließ Nora bei Bedarf schön ausweichen, aber ein Regattateilnehmer war wohl zu dicht unter Land gegangen und wendete um eine Grundberührung zu vermeiden. Im Nu drohte eine Kollision. Er hatte den Wind von Backbord und wir standen höher am Wind auf seiner Backbordseite, fuhren aber mit Schmetterling. “Wir fahren eine Regatta!” hörte ich den Ruf. “Schön! Und?” Dennoch ließ ich Nora nach Steuerbord ausweichen. Kein ‘Dankeschön’, kein ‘Sorry’. Als ich Heike später von der Situation erzählte, meinte sie auch nur . . . “Idioten”. Ich hab nichts gegen solche Regatten, im Gegenteil! Nur, wenn man ein solches Rennen fährt, dann doch bitte nicht unmittelbar vor der Hafeneinfahrt, wo GARANTIERT viel Verkehr ist.

Wir halsten mit “Fier auf für raumschots” nach Backbord und nährten uns der Homburg wieder an. Achteraus nahte inzwischen bereits das Feld, jetzt komplett unter Spi. Herrlich! Allerdings kam es unserem anvisierten Ankerplatz auch deutlich näher. Ich ließ Michel unter Motor in den Wind gehen und barg mit Pierre die Segel. Zwischen den führenden Seglern der Regatta mogelten wir uns schnell durch und waren dann auf der Strander Seite. Mein Blick fiel auf den Meeresboden, wo ich bereits Sand und Seegras erkennen konnte. OHHH! Schnell warf ich ein Blick auf das Echolot. OHA! 0,2m! “Hart Backbord! Kurs auf den Yachthafen.” Michel drehte, ich kletterte auf die Back, holte den Anker hervor, ließ ihn stoppen und der Anker ging außenbords. Aus der Hand fuhr ich die Ankerleine, während mein Bruder zurückzog. “Anker trägt, Maschine stopp, Motor aus.” Ich belegte die Ankerleine auf der Bugklampe, setzte den Ankerball, hob die Rettungswestenpflicht auf und montierte den Grill an der Reling. Ein gezapftes Ankerbier war natürlich auch drin. Pierre versuchte noch, seine Drohne von der Back aus zu starten, aber der Wellengang war wohl doch recht störend.

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Ich beobachtete die Crew aufmerksam, denn sowie die Fahrt weg war, schaukelte das Boot stärker, insbesondere wenn das Lotsenboot vorbeifuhr und eine Hecksee erzeugte, die sich richtig Zeit ließ, aber uns gehörig aufschaukelte. Dann wurde nach dem Schuldigen geguckt “Wie? Das Lotsenboot, das dahinten ist?” – “Jupp. Eben dieses.” Und tatsächlich . . . die Schaukelei bekam nicht allen. ‘Ein erstes Unwohlsein,’  dachte ich mir, ‘so lange keiner sterben will, ist auch noch keiner seekrank.’ Aber mit meiner Meinung und Erfahrung stoße ich bei Landratten nicht auf viel Gegenliebe, daher äußerte ich mich dazu lieber nicht. Später – wir waren wieder zuhause – fragte mich Pierre, was man denn dagegen tun kann. Also erklärte ich, das Seekrankheit eine Überreizung des Gleichgewichtszentrums ist, zumal das Gefühlte nicht in Einklang mit dem Gesehenen zu bringen ist. Da hilft nur ein ‘Reset’. Also raus damit!

Als die Sonne weg war, ließ ich das Ankerlicht anschalten. Wir grillten bis das Dämmerlicht schwand und es dunkel wurde. Schnell wurde alles verstaut und dann ließ ich Ines ans Steuer. Nachdem ich ihnen den Ablauf erklärte hatte, enterten Michel und Pierre auf die Back um den Anker zu hieven.IMG_9843 “Anker kommt frei.” – “Ja! Maschine voraus. Steuerbord 20. Kurs auf das grüne Feuer am Yachthafen.” – “Du meinst das grüne Licht?” fragte Ines. “Äh, ja.” gab ich etwas schmunzelnd zurück. ‘Himmel, ist das so schwer? Kann ich etwa kein Deutsch mehr?’ Ich erinnerte mich an Heikes Lektüre (Lesley Black: “Himmel, muss ich denn schon wieder segeln?”). Da schilderte eine Irin ihre Segelerfahrung und dabei auch ihre Erfahrung mit ihrem Mann, der mit Betreten des Bootes zum Seebären mutierte und für sie nur noch unverständliche Vokabeln von sich gab.

Wir kamen in den Hafen zurück, Ines noch immer am Steuer, da sagte Carmen zu Michel: “Irre, hat noch nicht mal ein Führerschein und steuert uns hier in den Hafen!” Wir hatten Steg 6 Steuerbord querab, also gab ich Anweisung “Maschine stopp!” – “Wo ist der Unterschied zwischen Maschine stopp und Maschine aus?” hakte Carmen nach. “Und wir fahren doch noch, oder?” – “Ähm, der Motor wird nur ausgekuppelt, läuft aber weiter. Wir gleiten auf Grund der Trägheit noch eine Weile. Bei Motor aus ist er auch wirklich aus.” versuchte ich mich an einer Erklärung. Gegen 22.30 Uhr waren wir wieder in der Box und schnell ging es ans Seeklar zurück. Ein paar Handgriffe musste ich noch erklären, dann war das Boot fertig. Während die anderen schon nach Hause fuhren, blieb Michel mit mir noch an Bord und spülte schnell ab. Zuhause wagte ich dann die Frage: “Hat es euch gefallen? Könnt ihr euch ein Törn vorstellen?” Die Antwort war ein fünffaches JA, . . . auch wenn es noch vorsichtig klang. Die Vorstellung auf das offene Meer zu segeln, das scheint noch einer Mutprobe zu gleichen.

Ich glaube aber, das Segeln hat neue Freunde gewonnen.

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Sommertörn 2017 – Teil 4: Die Seebären kehren heim

Tag 14 – Samstag, 15. Juli:

Es war Zeit, uns auf den Rückweg zu machen. Kiel lag ziemlich genau 150 sm südlich. Wir hatten die Wahl, die selbe Strecke zurück zu segeln oder andere Häfen anzulaufen. Nach Grenå wollten wir nicht, Øer war zwar schön und Ballen auch, aber die Häfen kannten wir ja schon. Heike hatte mir noch vor dem Törn eine alternative Route vorgeschlagen: über Sejerø statt über Samsø. Ich hatte eigentlich die Idee verworfen, weil das mehr als 50sm waren. Meine Jungs waren aber genauso Abenteurer wie ich und wollten auch mal bei Nacht segeln. Also koppelte ich die Strecke aus und zeichnete die Route ein: es waren 63,2sm. OHA!

Der Wind war nicht berauschend. Nur eine schwache Brise aus Süd, die selbst der G1 nicht ausreichte. Notgedrungen liefen wir bis zur Südostecke des Windparks unter Motor. DSC_0392Ab hier konnten wir segeln. Die Kinder erfanden Geschichten und schrieben sie auf. Das Steuern überließen sie dankend mir. Lange Kurse sind ihnen zu langweilig. Bei Hart am Wind ging es um die 210° direkt bis vor die Hafeneinfahrt von Grenå. DSC_0399Nach der Wende mussten wir uns mit 130° begnügen. So kamen wir dem Weg A wieder näher, an dem wir uns entlang nach Süden hangeln wollten, doch wir kamen nur mühsam voran. DSC_0400Bjarne holte das Vorsegel wieder runter, ich startete den Motor und fuhr anderthalb Stunden mit 180° unserem Etappenziel entgegen. Kurz vor der Insel Hjelm spürte ich mehr Wind und auch, das er am Drehen war. Der Große setzte das Vorsegel und wir kreuzten zuerst mit 150° und 240° weiter nach Süden, doch schon hinter der Insel kam der Wind mehr aus Westsüdwest und wir konnten mit 150° auf den Leuchtturm Yder Flak zu halten, der nördlich des Verkehrstrennungsgebietes Samsø Bælt mitten im Wasser steht.

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Die Sonne ging gegen 22.00 Uhr unter. Noch bevor es richtig dunkel wurde, holte ich die Segel ein und der Motor nahm wieder sein Dienst auf.  Da mehr und mehr Wolken aufzogen, wurde es richtig dunkel. Ich machte inzwischen einige Seezeichen aus, erkannte mehrere Schiffe auf dem Tiefwasserweg und fragte meinen Ältesten nach der Kennung vom Leuchtturm Sejerø. “Weißes Blitzfeuer der Gruppe 2 mit einer Wiederkehr von 10 Sekunden.” las er mir aus der Karte vor. Ich konnte ein weißes Feuer ausmachen, doch kam mir das eher wie ein Blink vor. Gruppe 2 und Wiederkehr sowie die ungefähre Richtung passten aber. Mit “das muss er sein” hielt ich darauf zu. Interessiert sahen die Jungs die vielen Seezeichen und Schiffe. Wir passierten das Leuchtfeuer Sjællands Odde Rev in einigem Abstand und verließen den roten Sektor. “Papa, das war doch gerade noch rot, oder?” fragte der Lütte. “Ja, jetzt kommt erst ein schmaler weißer Sektor, dann folgt grün. Das ist ein Leitfeuer für die Fahrzeuge, die aus dem VTG kommen und dem Fahrwasser nach Norden folgen.” antworte ich, “Das Fahrwasser müssen wir jetzt kreuzen und dann noch ein Stück, schätze mal 8-10 Meilen noch.”

Tag 15 – Sonntag, 16. Juli:

Wir brauchten trotzdem noch ziemlich lange. Der Kleine legte sich hin, während mein Ältester mit mir Wache hielt. Ich konnte inzwischen auch die Kardinaltonne westlich von Sejerø ausmachen: “Neun Funkel alle 5 Sekunden, siehst du?” Er gab mir die Karte und ich sah, das ich auch zwischen Untiefe und Insel durch konnte: alles tiefer als 3m.  “Wir müssen da durch.” – “Halt dich aber mindestens 3 Kabel von der Insel fern, da ist eine Untiefe.” riet er mir. “Geht klar.” Ich schätze unseren Abstand auf etwa 3 Kabel. Es war rabenschwarze Nacht und ich konnte die Insel nur schemenhaft in der Dunkelheit ausmachen. Der Leuchtturm blendete zudem, wenn sein Blitzfeuer einsetzte. Als wir dann weiter mit 180° daran vorbei waren, konnte ich die Insel besser erkennen und ging auf 135° um an der Südseite der Insel entlang zum Hafen zu fahren. Das Echolot zeigte konstant Werte um die 5m an. Wir waren herum. “Ich freue mich gleich auf’s Bett.” sagte ich zu ihm, “War eine lange Fahrt.” Er nickte, auch er war todmüde. Plötzlich stieg der Meeresboden wieder an: 3,2m . . . 2,4m . . . 1,6m. “Das wird mir zu eng.” sagte ich noch, riss das Steuer auf Hart Steuerbord rum – weg von der Insel – und sah weiter auf das Echolot: 0,8m . . . 0,2m . . . EIN LAUTES KNALLEN! Und noch eins. Mit heftigem metallischen Knallen setzten wir zweimal kurz hinter einander auf. VERFLUCHT, das war genau die falsche Richtung! Es gab nur eine keine Stelle, die ich hier meiden musste, und ausgerechnet die traf ich! Nils schreckte hoch und schaute fragend auf: “Was war DAS?” – “Wir hatten eine Grundberührung.” ich versuchte Ruhe auszustrahlen, was mir aber nicht wirklich gelang, “schalt gleich die Bilgenpumpe ein und schau mal bitte unter die Bodenplatten, ob Wasser eindringt.” Mein jüngster Sohn betätigte den Schalter und der ältere sah in der Bilge nach. “Etwas Wasser, aber die Pumpe springt auch nicht an, weil es zu wenig ist.” – “Das bisschen war schon vorher da. Ist ja immer etwas drin. Ok, wir beobachten das.” Ich war jetzt hellwach und hatte Horrorszenarien von einströmendem Wasser im Kopf, war aber dann etwas beruhigt, als sich tatsächlich nichts änderte. Der Motor klang unverändert, kein schleifendes oder schlagendes Geräusch von einer verbogenen Welle. Das Ruder reagierte auch einwandfrei. Hatten wir Glück im Unglück? “Der Tisch ist etwas locker.” kam von unten. Ok, . . . DAS konnte ich verschmerzen.

Eine Stunde später liefen wir in den Hafen von Sejerø, es war 02.30 Uhr. Eine freie Box konnten wir finden, aber der Wind war inzwischen recht steif und wir hatten äußerste Schwierigkeiten, in die Box zu kommen. Die Heckleinen waren über, doch der Bug driftete stark nach Backbord. Ich zog nochmal zurück und versuchte es erneut, doch der Wind trieb die Nase immer wieder kräftig ab und stieß beinahe gegen das dort vertäute Hausboot. Da hatte der Große die Idee, mit der Leine über das Hausboot zu klettern und uns dann ranzuziehen. “Ok, aber pass’ bitte auf.” Er kletterte über den Bugkorb auf den schmalen Sims und schob sich dann – immer mit dem Rücken an der Wand – bis zu Ecke vor. Im nächsten Moment rannte er über die Pier und schlang die Vorleine um einen Poller und zog uns immer dichter an den Steg. Geschafft! “Großartig, das hast du prima gemacht!” Ich inspizierte die Bilge. Kein Riss, kein Loch, kein einströmendes Wasser. Die Kielbolzen waren dicht und fest. Lediglich der Tisch wackelte. PUUUUH, das war mir eine Lehre! Hätte ich mich mal lieber an den geplanten Kurs gehalten, dann wären wir weiter draußen geblieben.

In der Nacht nahm der Wind stetig zu und als ich am Morgen aufstand, da regnete es in Strömen und der Wind heulte fürchterlich. Ok, Sturmpause. So ganz passte uns das aber nicht in den Kram. Zumal sich die Untätigkeit auf die Stimmung legte . . . eine Art Lagerkoller. DSC_0408Gegen Nachmittag klarte es auf und der Wind hatte auch abgenommen. Nur noch 4-5 Bft aus West. Wir machten das Boot gegen 15.00 Uhr seeklar und liefen aus. Noch im Hafenvorbecken setzten wir die Segel, denn draußen war ein gehöriger Wellengang. Der Große hatte die Back aufgeklart und das Großsegel war oben. Wir tauschten und ich zog dann vor dem Hafen die Fock hoch. So günstig war der Wind nicht, zuerst hielten wir mit 230° auf die Landspitze bei Rosnæs Puller zu, aber kamen nur sehr langsam voran. Gerade mal 3,5kn über Grund! Nach einer ersten Wende liefen wir mit 4,1kn nicht fiel schneller und obendrein auch noch mit 320° in die falsche Richtung, aber höher an den Wind konnten wir einfach nicht gehen. Mit langen Schlägen näherten wir uns der Landspitze. Als wir gerade auf Backbordbug mit 320° bei etwa 6kn FüG (Fahrt über Grund) unterwegs waren, stieg der Meeresboden rapide an und das Echolot zeigte eine Wassertiefe unter 2 m an! “KLARMACHEN ZUR WENDE!” rief ich und warte gar nicht erst das “Klar zum” ab, sondern holte stark nach Backbord rum. Schon stiegen die Werte wieder auf 3 bis 6m. Das war knapp! In der Seekarte war hier aber keine Untiefe verzeichnet. Na, lieber einmal zu viel DSC_0409wenden. Eine Grundberührung am Tag reichte mir!

Um halb neun hatten wir den Leuchtturm Rosnæs Puller an Backbord querab, konnten aber  bei einem Kurs von 190° und gesetzter Genua 1 den konstanten Westwind optimal ausnutzen und legten die Strecke bis zur Insel Romsø in zwei Stunden zurück. Der Wellengang hob und senkte das hochgebundene Schlauchboot, das dabei ständig an der Badeleiter scheuerte. Irgendwann hörte auch das Scheuern auf und die äußere Kammer wurde schlaff. Egal, lieber ein Loch, als es nochmal zu verlieren. Wir steuerten die Fahrrinne zwischen Fünen und Romsø an, allerdings verwechselten wir beinahe eine Festmacherboje mit der gesuchten Kardinaltonne. Im letzten Moment entdeckte ich die Tonne und schnell fuhren wir eine Wende. Uiuiuiuih! DSC_0411Hinter der Durchfahrt öffnete sich die Kerteminde Bugt und der Lütte übernahm eine zeitlang das Steuer. Gegen 23.00 Uhr ließ ich die Segel bergen. Unter Motor ging es noch eine halbe Stunde bis zum Hafen. Das Einlaufen übernahm der Große und er steuerte uns zur südlichen Einfahrt. “Gleich sind wir an der Tonne vorbei und dann nach Steuerbord.” meinte er und passierte dabei die unbefeuerte Stb-Fahrwassertonne des Fischereihafens. “Was?” fragte ich, “Welche Tonne? Wo?” Ich hatte sie in der Dunkelheit partout nicht gesehen. Wie gut, das er sie gesehen hat. Er steuerte uns sicher ins Hafenbecken und ich fragte ihn: “Willst du anlegen? Dann mach ich die Back.” -“Ok.” Ich musste ihm kaum was sagen, so sauber glitten wir in die Box und machten ganz entspannt fest. Es war sein erster Nachtanleger!

Tag 16 – Montag, 17. Juli:

Obwohl wir früh los wollten, brauchten wir doch den ganzen Vormittag zur Vorbereitung. Das Schlauchboot musste endlich aus dem Wasser und auf dem Oberdeck gezurrt werden.

 Aus dem Logbuch:

Boot liegt in Kerteminde, Steg 5, LP 553. Tagesziel: Omø, Tagesbefehl: GS, AF, Wetter: 6/8, Wind: W mit 4-5 Bft.

 1235 – Klarmachen zum Auslaufen.

1300 – Kurs und Fahrt nach Weisung.DSC_0416

1307 – Klarmachen zum Segelsetzen, GS ↑ ,AF ↑, Motor aus.

1315 – Kurs 125°, Fahrt 5,8kn FüG.

1430 – Kurs 150°, Fahrt 6,2kn FüG.

1455 – Anst.Tn. Vesterbroen N 1/2 kbl Bb querab.

1507 – Passieren VesterbroenDSC_0418

Hinter der Brücke ging es mit 125° und 5,6kn schön auf raumschots Kurs weiter Richtung Tiefwasserweg. Gegen halb fünf erreichten wir den Leuchtturm Vengeancegrund und zwanzig Minuten später passierten wir mit 1 Kbl Abstand den Leuchtturm Agersø Flak. Das Fahrwasser lag jetzt hinter uns. Da der eine einlaufen wollte, der andere aber dran war, entstand eine hitzige Diskussion. Schließlich verzichtete einer von beiden freiwillig auf weiteres Ein- und Auslaufen, wenn er jetzt in Omø einlaufen durfte. Fortan hing ein Zettel in der Sprayhood, der dem anderen das Ein- und Auslaufen von Omø bis Kiel garantierte. Na, wenigstens hatten sie ihren Streit selbst geklärt. Um 17.15 Uhr standen wir eine halbe Meile vor der Hafeneinfahrt. Die Segel kamen runter, der Motor ging an und wir steuerten auf die Einfahrt zu. Wir kamen hinter die Abdeckung der Steinmole und schnell banden wir die Fender fest und schubsten sie raus, dann bereitete ich die Festmacherleinen vor. Eine schwedische Yacht, die vor uns eingelaufen war, drehte im Hafenbecken und lief dann rückwärts ein, aber mein Großer reagierte gelassen und steuerte daran vorbei. In der hinteren Gasse fand er eine Box und legte an. Ich rief “Noch einen Meter!” und sprang auf die Pier. Leicht touchierte das Boot die Pier, weil er etwas zu spät die Fahrt abbremste. Die Box war zu KLEIN! Was nun? Am Mittelsteg war auch keine größere Box mehr frei. Unser Heck ragte gut einen Meter hinten raus und damit auch die Klampen. So konnten wir das Boot nicht davon abhalten, immer wieder gegen die Pier zu stoßen. Mein großer Sohn hatte sich aber inzwischen viel bei anderen Seglern abgeguckt und fädelte unsere Heckleinen durch die Blöcke auf der Genuaschiene und legte sie dann auf die Winsch. So zog er das Boot wieder nach hinten. CLEVER!

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Es war warm und daher wollten wir grillen, hatten aber kein Fleisch mehr. “Dann schnell zum Supermarkt.” sagte ich und rannte los. Am Hafen war aber keiner, nur ein Kiosk. Also da rein und die nette Frau erklärte uns: “Der macht aber um 18.00 Uhr zu und ist im Ort, rund einen Kilometer weg!” – “Dann haben wir ja noch 10 Minuten.” entgegnete ich. “Nehmt die Fahrräder, die sind zum Ausleihen, kostet auch nichts.” Wir düsten los. Mein Fahrrad war zu klein und hatte fast einen Platten, das vom Großen war ok und der Lütte fand keins, bei dem er noch an die Pedale kam. Also joggte er hinterher. Wir erreichten den Ort und fanden den Supermarkt, es war 17.59 Uhr! ‘Bitte sei noch offen.’ flehte ich innerlich. Na, klar, denn in Dänemark ist man ja sooo entspannt. Wir kauften Hack und Hähnchen sowie Brötchen und was zum Trinken. Gerade als wir zurück fahren wollten, kam uns der Kleine entgegen, völlig aus der Puste. Gemütlich radelten wir zurück und während ich dann an Bord das Hähnchen schnell marinierte und die Frikadellen zurecht machte, kümmerte sich der eine um den Grill, während der andere sich um Getränke und Geschirr kümmerte. Als ich mich dann dazu setzte, wurde mir ein Burger und ein Bier serviert . . . so lässt es sich aushalten!

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Am Nachbartisch saß eine Deutsch-dänische Familie, mit der ich ins Gespräch kam. Wir schnackten übers Segeln und das Leben in Dänemark. Ich muss zugeben, ich wurde neidisch: Vier Wochen Segeln . . .

Tag 17 – Dienstag, 18. Juli:

Unsere Etappe sollte uns am vorletzten Tag bis Bagenkop führen. Aber schon am Morgen war klar, der Wind würde dafür nicht reichen. Der Ältere schnappte sich nochmals ein Fahrrad und holte Toast. Noch vor dem Frühstück warf ich eine Maschine mit Wäsche an. Später kam sie direkt in den Trockner, aber so richtig war sie nicht trocken. Gegen viertel nach eins liefen wir dann aus, der Salon war ein einziger Wäscheständer geworden. DSC_0430Weil wir aber erst so spät los kamen, änderten wir unser Tagesziel auf Spodsbjerg. Von da aus sollten wir die Strecke nach Kiel auch in einem Rutsch schaffen. Als wir losfuhren, winkte uns die Familie vom Vortag zum Abschied. Nachdem die Fähre angelegt hatte, steuerte mein Jüngster uns die Rinne raus und ich zog Groß und Fock hoch. Mit 200° und 4,8kn ging es Richtung Langeland. DSC_0432Im Großen Belt war wieder einmal viel Schiffsverkehr und eine alte Bekannte, die wir fast täglich sahen, ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Mit hoher Fahrt rauschte die Color Line DSC_0434an uns vorüber, da waren wir aber schon aus dem Tiefwasserweg wieder raus. Gegen fünf standen wir nicht mehr weit von Spodsbjerg weg und wir holten die Segel runter. Wir fuhren die letzten Meter mit Maschine, als sich ein anderer Segler an Backbord ebenfalls unter Motor anschickte, noch vor uns in den Hafen einzulaufen. Eigentlich war die Sache klar und er hätte uns ausweichen müssen, DSC_0437aber ich hab schon häufig bemerkt, dass kurz vorm Hafen die Fahrregeln in Vergessenheit geraten, nur weil man befürchtet, der letzte Liegeplatz könne einem entgehen. Der Lütte hat ja auch schon die Regeln der KVR gelernt und meinte nur: “Wir haben doch Vorrang! Den sag ich aber mal Bescheid! Darf ich den anhupen?” – “Lass’ mal,” sagte ich ruhig, “da sind nicht viele Boote im Hafen, siehst du? Nur ganz wenige Masten. Lohnt nicht, jetzt auf Regelkunde zu pochen.”

Tag 18 – Mittwoch, 19. Juli:

Finaltag! Heute ging es nach Hause. Wir standen früh auf, sollte doch laut Prognose der Wind deutlich schwächer werden. In Anbetracht der Vorhersage und der kürzlich entstandenen Risse am Achterliek der Genua 1 schlug ich die Genua 3 an. Die war nicht ganz so groß, aber wenigstens waren wir damit besser auf Raumschots- oder Vorm Wind-Kurs unterwegs, als mit der Fock. Nach dem Frühstück dauerte es auch nicht mehr lang und gegen halb zehn legten wir mit dem kleinen Filius am Steuer ab. DSC_0447Der Wind wehte tatsächlich nur noch mit 2-3 Bft und hatte auf Ost gedreht, sollte aber gerade an der Südspitze von Langeland auf 5 Bft auffrischen. Zunächst sichteten wir ein dänisches Fregattengeschwader im Belt. Mit einigen anderen Seglern um uns herum ging auf 180°, immer der Küste entlang bis zum Leuchtturm Keldsnor. Hier hörten wir bereits den Funkverkehr mit. In der Hohwachter Bucht war ein Übungsschießen und einige Sportbootfahrer hatten die NfS und BfS nicht gelesen. Einer hatte Motorschaden und trieb ins Warngebiet, eine anderer ignorierte einfach die Signale und Vorposten und segelte einfach hinein. “Wissen die Segler denn nicht Bescheid?” – “Eigentlich schon.” – “Na, dann werden es bald ein paar weniger sein.” Uups, na wie gut,  dass wir noch weit genug nördlich davon waren.

Der Wind nahm zu und mit Fahrt um die 7kn konnten wir dann auf 220° gehen, direkter Kurs auf Kiel! DSC_0449Ich schrieb Heike eine Nachricht, das wir noch etwa vier Stunden brauchen und uns über einen (gebührendem) Empfang freuen würden. Noch hatte ich ja Empfang, so dachte ich wenigstens.

Die Überfahrt war entspannt, die Sonne knallte nicht so kräftig vom Himmel und daher war es auch nicht so diesig wie sonst. Gegen vier hatten wir dann den Leuchtturm Kiel an Backbord eine halbe Meile querab. Ich zückte mein Handy, schrieb Heike: “noch eine Stunde” und bemerkte, dass die Nachricht davor erst jetzt zugestellt wurde.

Um 17.10 Uhr sprang der Motor ein letztes Mal auf diesem Törn an, die Segel wurden ein letztes Mal eingeholt und Nils steuerte uns in den Hafen von Schilksee. Heike stand alleine auf der Pier und winkte uns bereits zu. Ich hatte das Boot hinten noch nicht festgemacht, da flog die Besatzung ihr bereits um den Hals. Wir waren wieder daheim!

ENDE

Rückblickend muss ich sagen, ich bin unglaublich stolz auf die Leistung meiner beiden Jungs, die beide über sich hinausgewachsen sind. Auch wenn es materiell gesehen eine verlustreiche Fahrt war (Rapprolle gesplittert, Flaggenstock gebrochen, Spi gerissen, Genau 1 gerissen, Barberholer über Bord gegangen, Bootshaken verloren, Schlauchboot leck, Tisch aus der Verankerung gerissen), ich würde sie jederzeit mit den beiden genau SO wieder machen . . . weil wir das Abenteuer und die Herausforderung lieben!

Der Film zu Teil 4: Die Seebären kehren heim

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Sommertörn 2017 – Teil 3: Anholt . . . die Perle im Kattegat

Wir erreichten Anholt noch vor Sonnenuntergang und auch nicht als letztes Boot: Nach uns kamen noch drei weitere Neuankömmling an. Die Hafeneinfahrt konnte ich zwar schon ausmachen, glaubte aber für die Ansteuerung  weiter nach Norden zu müssen. Ich guckte nochmals ins Hafenhandbuch und wir erkannten, dass wir eigentlich schon die innere Mole sehen müssten. Im nächsten Moment erkannte ich die Fähre und den alten Leuchtturm. Wir standen goldrichtig.  Im Hafenhandbuch fiel mir allerdings auch folgender Hinweis auf: Festgemacht wiDSC_0328rd am Steg Bug voraus und nach achtern mit Heckanker gesichert. OH! Na, dann sollten wir mal den Anker vorbereiten. Kurz danach steuerte Bjarne uns durch die Molenköpfe. Ich hatte den Reserveanker herausgeholt, aber noch nicht aufgeklappt, da waren wir schon im Hafenbecken drin. PROPPENVOLL! Schon am Ende des Steges lagen die Boote dicht gepackt im Päckchen. Dennoch fuhren wir – wenn auch mit wenig Zuversicht – in die erste Gasse und suchten nach einer freien Box. An Backbord endeckten wir noch eine Lücke, die gerade breit genug für uns war (oder die Rasalhague schmal genug für die Lücke). “Hier können wir rein.”  Inzwischen hatte ich das Steuer übernommen, da ich zu meinem Unbehagen Dalben UNTER WASSER entdeckt hatte! Was war das denn? Wie sollte ich denn hier festmachen? Doch mit Anker?

“Ganz hinten ist noch einer frei!” rief mir einer zu. Ja, nur zu dumm, dass in der Karte dort nur 1,50m Wassertiefe eingetragen waren. “Nicht tief genug!” rief ich zurück, “Wir quetschen uns hier rein, machen fest und kümmern uns dann anschließend mit dem Schlauchboot um die Heckleinen.” Von beiden Nachbarbooten erhielten wir sofort Hilfe. Bjarne stand vorne auf der Back und kümmerte sich um die Leinen, während ich die Fahrt mit Zurück abbremste. Vorne waren wir fest, da meinte der Nachbar zur Linken: “Hast du eine Heckleine? Ich zieh’ sie dir durch den Dalben.” -” Ja gut,” ich gab ihm meine Backbordleine und fluchte innerlich, weil die Leine mal wieder total verdreht war. “Hast du auch eine längere Leine? Oder einen Haken? Die reicht nur hin.” meinte der freundliche Nachbar. “Moment, ich kann sie verlängern.” Schnell holte ich eine weitere Festmacherleine und knotete die beiden Leinen zusammen. Und wieder war die Leine ein einziges Knäuel, obwohl ich sie stets sauber aufschoss. Hinter mir hörte ich schon alle lachen. “Was ist das denn?” – “So was hab ich ja noch nicht gesehen.” Vorgebeugt stand ich in der Plicht über dem Leinenwirrwarr und dachte: ‘NA TOLL, jetzt sind wir auf Anholt und als erstes werde ich ausgelacht, weil ich die Leinen nicht klar hab!’ Ich ärgerte mich. Endlich hatte ich die Leine fertig, richtete mich auf . . . und stutzte. ‘Hatte der nicht eben noch etwas AN?’ schoss es mir durch den Kopf. Nur einen Meter vor mir stand der freundliche Bootsnachbar VÖLLIG NACKT. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen und reichte ihm die Leine an. Er machte einen Köpper ins Wasser, schwamm zum Dalben, fädelte meine Leine durch und brachte mir das Ende, das ich auf meiner Heckklampe belegen konnte. Mit Erleichterung wurde mir klar, dass das Gelächter nicht mir galt, sondern dem Adonis-Imitat. “Zumindest sieht man, das er ÜBERALL gleich braungebrannt ist.” meinte ein anderer lachend. Ich grinste und blickte in die fragenden Gesichter der Kinder. Nach der Erklärung mussten auch sie kichern. DSC_0384Auf dem Steg kam eine Frau mit Kinderwagen an: “Hab ich was verpasst? Ich hab nur das Gelächter gehört.” – “Nur einen nackten Arsch!” entgegnete ihr eine andere Frau. “Ach, hat mein Mann schon wieder blank gezogen? Na, das kenn’ ich ja schon.”

Schnell machten wir Seeklar zurück. Gemeinsam liefen wir drei zum Hafenmeister, holten Stromkarte und Hafenticket und kehrten zum Boot zurück. Nils war stehend K.O., also legte ich ihn hin und machte für Bjarne und mich noch schnell ein Abendbrot, na eigentlich schon eher ein Mittelwächter, denn es war kurz vor zwölf.

Tag 9 – Montag, 10. Juli:

DSC_0330Wir schliefen aus, denn wir hatten unser Ziel erreicht: Wir waren auf Anholt angekommen. Die Kinder entließ ich nach einem späten Frühstück und der obligatorische Sonnencreme an den Strand, der unmittelbar neben dem Hafen begann. Zwar war der Himmel bedeckt, doch gelegentlich kam die Sonne durch. Jetzt wollten sie unbedingt Schnorcheln. Ich kam nach und musste dann die beiden erst einmal suchen, da sie sich hinter einer Düne vor dem Wind versteckt hatten. Die Landschaft war ganz nach meiner Vorstellung, herrlich! Wilde Dünen, feiner Sandstrand und Meer soweit der Blick reichte.

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In einer Kuhle zwischen den Dünen richteten wir unser Lager ein. Nils wollte mit mir Fußball und Volleyball spielen, Bjarne faulenzte in der Sonne oder spielte im Sand. Ins Wasser trauten wir uns zwar, denn das Wasser war nicht so kalt, aber nicht besonders lang.

Tag 10 – Dienstag, 11. Juli:

DSC_0336Wir begannen den Tag mit einem Ausflug in den Mast. Mmmh, wie in jedem Jahr, wie mir scheint. Allerdings diesmal, weil ich es bisher nicht geschafft hatte, die neue Windex zu installieren. Bjarne versuchte sein Glück, kam aber nach einer Weile zum Ergebnis, dass auch die Halterung ausgetauscht werden musste. Dafür hatte ich aber nicht das richtige Werkzeug an Bord. Dann halt zuhause in Schilksee. DSC_0337Anschließend suchten wir die Wäscherei auf und verwandelten die Rasalhague in eine schwimmende Wäscheleine oder ein Hottentotten-Boot, wie Heike das zu nennen pflegte.

Gegen Nachmittag bereiteten wir uns auf das Auslaufen vor, denn wir wollten einmal um die Insel herum, dabei vor Anker gehen und grillen. Der Wind wehte immer noch recht stark mit 5 Bft aus westlichen Richtungen, aber inzwischen eben mehr aus Südwest. Damit wären wir auf der Nordseite gut geschützt. Ich checkte die Windprognose. Vor morgen würde sich daran nichts ändern. Erst dann sollte der Wind auf Nordwest drehen. Prima, dann wäre unser Plan, im Uhrzeigersinn um die Insel herum zu segeln, genau richtig. Wir liefen mit dem Schlauchboot im Schlepp aus und bekamen gleich ordentlich Wellengang ab.  Bjarne steuerte brav in den Wind, während ich auf der Back die Segel setzte. Dann ging es unter Segel zunächst mit 280° nach Westen, damit wir die Untiefen des Vesterrevs weit genug im Nordwesten umgehen konnten. Im Osten tauchte der Leuchtturm Anholt auf. Mit dem Leuchtturm und dem Radarturm konnten wir unsere Position gut bestimmen und drehten daraufhin mit 045° nach Nordosten ab. Jetzt hieß es auf die Wassertiefe zu achten. “Sowie das Echolot weniger als 2m anzeigt, drehen wir ab.” beruhigte ich Bjarne, der besorgt auf das Display guckte. Mit Argusaugen wachte er sodann auf die Anzeige. In der Seekarte war dicht an der Insel eine freiliegende lange Sandbank eingezeichnet, die wir aber nicht ausmachen konnten. Möglicherweise hatte der anhaltende Westwind für “Land unter” gesorgt. DSC_0338Wir überquerten das Riff bei einer minimalen Wassertiefe von 2,4m und hielten anschließend mit 090° auf den Leuchtturm am Ostende der Insel zu. An Steuerbord erstreckte sich eine kilometerlange wilde Dünenlandschaft, herrliche Strände mit weißem Sand und alles schien so unberührt. “Ok, wir gehen jetzt mit 160° dichter unter Land und dann versuchen wir dort zu ankern. Ich hoffe, dass der Grund nicht nur sandig ist, sonst trägt der Anker nicht.” erklärte ich den Lütten. In der Seekarte war in der Nähe zu unserem Standort zweimal mS (medium Sand) vermerkt. Nicht gerade ideal. Wir tasteten uns unter Motor näher und näher ans Ufer heran. Etwa bei einer halben Meile Abstand stieg der Meeresboden wieder auf 5m an und ich ließ Bjarne mit der Fahrt runter gehen. Nils gab laufend die Wassertiefen durch, “3,2m . . . 2,8m”, während ich den Anker vorbereitete. “1,8m! Papa, das wird zu flach!” rief Bjarne. “Weiter, halt den Kurs und reduzier’ die Fahrt! Da vorne kommt nochmal eine tiefe Stelle.” gab ich zurück. Das Wasser war ganz türkisgrün, also ein sicheres Zeichen für Flachwasser mit sandigem Grund, aber dennoch klar und ich konnte den Meeresboden von der Back aus erkennen. Vor allem erkannte ich, das er nicht weiter anstieg. Vor uns war ein breites Stück dunkles, tieferes Wasser. Langsam kamen wir dem Strand immer näher. Wie erwartet nahm die Wassertiefe wieder zu. In 200m Entfernung zum Strand stieg der Boden wieder an und Nils rief: “1,4m . . . 1,2m!” – “In den Wind gehen, Klarmachen zum Ankern!” ich rief die Kommandos hinter. “Noch 80 Zentimeter!” brüllte Nils zu mir vor. “Maschine stopp! Maschine zurück!” antwortete ich. Bjarne reagierte blitzschnell und das Boot stand.DSC_0339 “Fallen Anker” rief ich . . . mir eher selber zu. Der Anker ging mit Kette über Bord und ich ließ etwa drei Kettenlängen Leine ins Wasser, bevor ich die Leine auf der Bugklampe belegte. Bjarne gab weiterhin Vollgas zurück. “Anker trägt! Motor aus!” Wir warfen den Heckanker achtern aus und holten dann zwei Kettenlängen aus der Bugankerleine wieder raus. “Das müsste uns stabilisieren. Wir ankern!” Und das vor einer herrlichen Kulisse. DSC_0340Nils zog noch schnell den Ankerball hoch. Dann suchte ich uns zwei markante Stellen als Peilobjekte – Leucht- und Radarturm lagen sich gegenüber und kamen daher nicht in Frage – und Bjarne nahm die Kontrollpeilungen: “089° die hohe Düne und 190° der Hohlweg.” – “Gut, wir überprüfen jede Stunde die Peilungen, dann können wir sicher sein, dass der Anker auch weiterhin trägt.”

“Juhuu, jetzt grillen wir!” rief Nils. Schnell war der Grill aufgebaut und angeheizt. Mit dem Sonnensegel bauten wir noch etwas Windschutz auf und dann schnibbelte Bjarne Zwiebeln, Gurken und Tomaten zurecht, während ich Hackfleisch anmachte und zu Frikadellen formte und Nils den Tisch in der Plicht aufbaute. Im Hafensupermarkt hatten wir auch Buns besorgt. Es wurde eine super Anker-Hamburger-Grillparty! Bjarne grillte neben den Frikadellen auch Speck und Zwiebeln und röstete die Brötchen an und Nils baute sich den leckersten “Double Cheese & Baconburger” der Welt!

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” ift daf legger”
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Bordgrillmeister bei der Arbeit

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Schade, dass der Wind zu stark gewesen war, um an Land zu paddeln. Ich hätte gerne die Kinder an den Strand gelassen, doch wären sie hoffnungslos abgetrieben. Nach und nach wurde es ruhiger und wir schaukelten kaum mehr. Kurz vor 22 Uhr war Sonnenuntergang, das Ankerlicht wurde gesetzt und ich genoss bei Portwein noch etwas die Abendstimmung, überprüfte die Kontrollpeilungen und legte mich dann auch hin.  Ich döste nur und achtete auf die Bewegungen und Geräusche des Bootes. ‘Mmmh, das fühlt sich anders an, ruckartiger. Hat der Wind gedreht?’ Ich machte die Lucke auf und prüfte nochmals die Peilungen im Mondlicht, alles ok. Inzwischen hatte der Wind wieder aufgefrischt und das Boot schaukelte wieder stärker.

Tag 11 – Mittwoch, 12. Juli:

“Papa . . . ich kann so nicht schlafen.” Bjarne klang etwas ängstlich. Das lag aber auch daran, dass die Fallen im Mast ganz schön Radau machten. Das Boot schaukelte immer mehr. Ich ging hinter in die Plicht und überprüfte den Heckanker.  Der bot auf Grund von weniger Gewicht und fehlender Kette nicht so viel Halt und verhinderte daher nur geringfügig das Schwojen. “Können wir nicht zurück in den Hafen?” Bjarne war besorgt. Der Wind hatte viel früher auf Nordwest gedreht als vorhergesagt. Wir lagen auf dem Präsentierteller, dem Wind und den Wellen völlig frei ausgesetzt. SO EIN MIST! “Ok, ich schaffe das auch alleine, brauchst mir nicht zu helfen.” beruhigte ich meinen Großen. Ich guckte auf mein Handy, es war bereits 02.30 Uhr, zog mich an, holte den Heckanker hoch und kletterte auf die Back um den Anker zu hieven. Das Boot zog tierisch an der Ankerleine und beinahe hätte ich mir die Hand eingequetscht. Es ging nur mit Motor, also startete ich die Maschine und kuppelte auf kleinste Fahrt ein. So zog das Boot vor, ich bekam die Leine hoch, aber schon schoss das Boot über die Ankerposition hinaus und schon hatte ich wieder Zug auf der Leine. Bjarne sprang mir zu Hilfe und kuppelte die Maschine aus. Fünf Minuten später hatte ich den Anker oben und verstaut und Bjarne ging auf Kurs 340°. Ich zog das Schlauchboot an der Badeleiter hoch, konnte es aber nicht so gut hochbinden, da inzwischen auch die Öse für die umlaufende Leine am Bug des Schlauchboot gebrochen war. ‘Hoffentlich hält das.’ Auch Nils war durch den Motor wach geworden und wir pflügten durch die Wellen nach Westen, voll gegen an. Die Rasalhague knallte regelrecht auf die kurz aufeinander folgenden Wellen und die Gischt nebelte mich ganz schön ein. Gerne hätte ich jetzt das Tablet mit der Seekarte am Steuer gehabt, aber ohne Schutzhülle wollte ich das bei dem Spray nicht riskieren. Also nach Gefühl . . . UND DAS WAR GERADE GAR NICHT GUT! Der Wind hatte auch Wolken hergetrieben, so dass es jetzt recht dunkel war. Durch den stärkeren Wellengang hatte sich der Tampen, mit dem ich das Paddelboot gesichert hatte, gelockert und wir zogen das Schlauchboot jetzt an straffer Leine hinter uns her. ‘Wird schon gut gehen.’ dachte ich, nachdem ich erfolglos versuchte hatte, das Schlauchboot erneut hochzubinden. Ich hielt weiter Kurs nach Westnordwest und achtete sehr genau auf die Wassertiefe. Wir hatten die lange Sandbank des Vesterrevs erreicht, denn das Echolot pendelte mit den Werten zwischen 2 und 4m. In der Seekarte hatte ich zwei einzelne Stellen mit weniger als 1,8m gesehen, die durfte ich jetzt auf keinen Fall treffen! Blöd aber auch, dass die Untiefen nicht betonnt waren. Ich schätzte unseren Abstand zur Insel mit 1,5sm, aber in der Dunkelheit konnte die Schätzung auch mal gut daneben liegen. Das Echolot blieb stets bei Werten über 2,1m. PUUUUH, ich war sehr erleichtert.

Das Schlauchboot hatte inzwischen einiges an Spritzwasser aufgenommen und lag an langer Leine schwerer im Wasser. Die Wellen kamen nun von achtern und wir hielten mit ordentlich Fahrt auf die Hafenbefeuerung zu. Wir hatten die Einfahrt schon fast erreicht, noch 150m, da merkte ich einen kleinen Ruck durchs Boot gehen. DAS SCHLAUCHBOOT!  Es hatte sich losgerissen und trieb ab. ‘Soll ich es retten?’ Nein, eine Rettungsaktion war ausgeschlossen. Wir hatten keinen Bootshaken mehr und wir waren so dicht vor dem Steinwall, das ich ohne Gefahr für Boot und Besatzung ein derartiges Manöver unmöglich durchführen konnte. “Es ist verloren, das können wir nicht mehr bergen.” rief ich den Jungs zu, die jetzt ganz dringend in den sicheren Hafen wollten. Keiner von beiden traute sich bei dem Seegang an Bord aufs Klo zu gehen. Um 05.20 Uhr hatten wir in einer Box an Pier und Nachbarboot festgemacht: Müde, erledigt, aber erleichtert.

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Die Hafeneinfahrt

Gegen 10 Uhr wurde es unruhig und zu warm. Der Nachbar wollte los und wir mussten unsere Heckleine von seiner Klampe nehmen. Die Jungs liefen zum Steinwall und wollten nach dem Schlauchboot gucken. “Macht euch nicht zu viel Hoffnung. Wenn es da ist, dann sind bestimmt Löcher drin!” rief ich ihnen nach. Nils kam 20 Minuten später zurück: “Papa, du glaubst es nicht. Die gute Nachricht: Es ist heile geblieben. Die schlechte: wir kommen nicht ran.” Also lief ich mit Ihnen hin und schaute mir die Lage an. Das Schlauchboot war intakt, hing aber nur rund zwei Meter von den anbrandenden Wellen zwischen den Steinen. “Ok, ich versuch es.” Vorsichtig kletterte ich über die teils glitschigen Steine hin und kam auch an die Ventile heran. DSC_0349Nach dem Ablassen der Luft konnte ich das Paddelboot herausziehen und bergen, wurde aber ganz schön nass. Nach der Aktion entdeckte ich auf dem Rückweg eine sehr schöne Strandbar. Schade, das Heike nicht mehr dabei war. Hier einen Sundowner trinken . . . oh, das wäre schön gewesen.

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Das Hafenbüro und die Hauptverkehrsmittel auf Anholt

Am Nachmittag machten wir dann eine Rundtour zu Fuß, obwohl man sich überall Fahrräder hätte ausleihen können, aber Anholt ist ja nicht so groß. Zunächst folgten wir der einzigen Straße auf der Insel zum Hauptort und tauchten in einen schönen Kiefer- und Birkenwald ein. Mittendrin entdeckten wir bereits vereinzelt Ferienhäuser. Als wir dann den Ort erreichten, hatte ich das Gefühl, dass dieser einem der Kinderbücher von Astrid Lindgren entsprungen wäre. Wir kletterten auf den Bybakken, dem mit 48m größten Hügel auf Anholt und hatten einen traumhaften Blick: ringsrum nur Meer. Zurück ging es dann am Radarturm vorbei über Waldwanderwege und Treppen runter zum Hafen.

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Tag 12 & 13 – Donnerstag & Freitag, 13. & 14. Juli:

DSC_0387Nach so vielen Abenteuern ließen wir die letzten zwei Tage auf Anholt ruhig angehen. Sonne, Strand und Meer, was will man mehr? Pølser grillen vielleicht. Also sicherten wir uns rechtzeitig einen Tisch und staunten nicht schlecht, denn auf Anholt gibt es einen Grillservice. Einer der Hafenmeistergehilfen säuberte die großen Grillplätze, schüttete Kohle nach und fachte die Glut mit einem Gasbrenner an. Man brauchte selbst nur Geschirr und Grillgut mitbringen. Allerdings sollte man auch schön auf das Fleisch Acht geben, denn man war nicht allein. Eine Schwedin legte ihre Sachen auf den Rost, drehte sich um und deckte dann den Tisch. Prompt setzte sich eine Möwe auf den Rand des Betonringes und bediente sich vom Rost. Sogar im Vorbeiflug versuchten die frechen Vögel ihr Glück! Nils war mit Wurstwenden und Vogelabwehren vollauf beschäftigt.

Auf dem Rückweg sahen wir einen schillernden Film auf dem Wasser. Es roch auch stark nach Benzin. Der Hafenmeister fuhr gerade mit seinem Schlauchboot hinter unserem Boot entlang, also gab ich ihm Bescheid. Ja, wüssten sie bereits, jedoch sei es zu wenig um etwas zu unternehmen. Später wurde daraus dann doch noch ein Einsatz für Feuerwehr und Polizei. Bjarne und Nils wollten natürlich dicht dabei sein und berichteten schließlich, dass der Schuldige ausfindig gemacht wurde und die Polizei dann einen lachenden Motorbootbesitzer abführte. Na, so lustig war das nicht! Der ganze Hafen war mit einem Schaumteppich überzogen.

Fortsetzung folgt . . .

Der Film zu Teil 3: Die Perle im Kattegat . . . Anholt

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Sommertörn 2017 – Teil 2: Drei Männer und ein Boot . . .

Tag 5 – Donnerstag, 6. Juli:

Es blieb bei Heikes Entscheidung. Ihre Schmerzen waren einfach zu groß und es wäre auch nicht vernünftig gewesen. Ich wusste, dass sie immer etwas über ihre Grenzen hinausging und war eigentlich froh, das sie jetzt einmal die Reißleine zog. Dennoch brachten wir Heike mit blutendem Herzen zum Busbahnhof und setzten sie in den nächsten Bus nach Odense. Von dort wollte sie mit dem Zug dann zurück nach Kiel fahren. Die einzige Frage, die ich mit den Jungs jetzt klären musste, fahren wir weiter oder kehren wir um? Wir hatten Urlaub und es war die längste Papa-Söhne-Zeit im Jahr und wir wollten einen Abenteuer. Heute sollte ein Tag Pause sein, aber morgen, so entschieden wir gemeinsam, wollten wir dann weiter nach Anholt segeln. Und nur so viel sei schon verraten: Wir bekamen mehr davon, als uns lieb war.

Ich besorgte im Seglerladen am Hafen ein paar Schrauben, denn beide Rückenlehnen im Salon hatten sich inzwischen gelöst. Die Schrauben waren eindeutig zu schwach dimensioniert. Das war schnell ausgewechselt und jetzt hielt das auch. Was fingen wir jetzt mit dem angefangenen Tag an? In Kerteminde ist ein Aquarium, das wollten wir jetzt besuchen. Weit mussten wir nicht laufen, denn das ist gleich gegenüber vom Fischereihafen. klein, aber sehr schön gemacht mit vielen anschaulichen Erklärungen (in 3 Sprachen) und einem schönen Außenbereich. Hier waren zwei große Becken für Robben und Schweinswale. Auch eine Krabbenrennbahn ist dort angebracht. DSC_0233Dutzende und aberdutzende Krabben waren in den Becken und warteten quasi darauf von einem Kind als Rennkrabbe mit den bloßen Händen herausgefischt zu werden. Ich zeigte Nils und Bjarne, wie sie die Krabbe am besten anpacken konnten ohne gezwickt zu werden und ohne der Krabbe weh zu tun. DSC_0257Dann wurde die Klappe geöffnet und die beiden Kontrahenten liefen seitwärts los. Nils feuerte seine Krabbe an: “Los Nummer 6!” Auch Bjarne spornte sein Renntier mit “Vorwärts Nummer 7!” an. Es sah ganz nach einem Start-Ziel-Sieg für die Nummer 7 aus, doch dann, kurz vor dem kühlen Nass . . .  “VORWÄRTS! Nicht rückwärts!” DSC_0259Bjarnes Krabbe hatte mittendrin die Orientierung verloren und krabbelte wieder bergauf. Wir lachten und Nils Krabbe gewann ganz gemütlich das Rennen. Oben auf dem Dach des Museums fielen mir die dutzenden und aberdutzenden Möwen auf, die da saßen und gierig guckten . . . ‘MEINS! MEINS!’

DSC_0246Dann waren wir bei der Fütterung der Kegelrobben dabei und lachten nicht schlecht über eine kecke Möwe, die sich aus dem Fischeimer selbst bedienen wollte. Auch die Schweinswale wurden nochmals gefüttert und dabei für eine Forschungsarbeit Untersuchungen angestellt. Allerdings sind die Tiere auch im DSC_0240Bassin echt schwer zu fotografieren. Ganz nett war auch der Tunnel zwischen den Becken, von den man aus in beide Bassins hineingucken konnte, doch die Schweinswale sind viel zu schnell an den Fenstern vorbeigeschwommen, als das ein brauchbares Foto dabei gemacht werden konnte.

Tag 6 – Freitag, 7. Juli:

Wir frühstückten, machten seeklar und los ging es. Vor der Hafeneinfahrt fuhr Nils in den Wind zum Segelsetzen. Ich hatte mit den Jungs ausgemacht, dass keiner ungesichert auf die Back geht, auch ich nicht. Und bei mehr als 5 Bft würden wir im Hafen bleiben. Natürlich kamen Fragen auf, was sie denn machen müssten, wenn ich über Bord gehen würde oder bewusstlos wäre. Bjarne meinte ganz einfach: “Dann ruf ich Heike an!” Sicherheitshalber zeigte und erklärte ich ihm das Funkgerät und auch die Karte mit den Notrufen. Letztlich wäre es aber völlig egal, denn MRCC Bremen oder Lyngby Radio würden mit Sicherheit auch so helfen können. Das zeigte uns der alltägliche Funkverkehr, der nicht immer nach Schema F gemäß GMDSS ablief.

DSC_0264Der Wind hatte kaum Kraft um uns voranzutreiben, aber ich übte erst mal Wende und Halse mit den beiden. Bisher hatten hauptsächlich Heike und ich die Segelmanöver durchgeführt, aber jetzt spleißte sich Nils auch mit ein. Letztlich holten wir noch vor Romsø die Segel ein und gingen unter Motor auf die Etappe nach Ballen. DSC_0269Es regnete und die Flaute erinnerte mich daran, dass wir vor zwei Jahren auch bei Regen und Flaute die umgekehrte Strecke zurückgelegt hatten. Ich hatte am Vorabend noch die Strecke vorgekoppelt und die Kurse entsprechend im Kopf. Gegen die Langeweile half nur Ablenkung. Nils beschäftigte sich Kreuzworträtseln, Bjarne spielte mit seinem Handy und ich hielt im leichten Regen unseren Kurs. Die Strecke nach Ballen wurde so gefühlt sehr lang.

Endlich war Samsø erreicht. Backbord voraus war der Leuchtturm Lyshage an der Südostecke. Kurz darauf standen wir vor Ballen. Nils lief ein, während Bjarne und ich die Fender anbrachten und die Vorleinen vorbereiteten. Schnell hinter und noch die Heckleinen klarieren, da kam auch schon die Hafenmole Backbord querab. Der Hafen war voll, deutlich zu erkennen an den Dreierpäckchen. Aber wir hatten Glück, denn die Rasalhague ist klein genug um auch in die letzte Gasse zu kommen und hier war ein Platz frei. Es war zufälligerweise der gleiche Platz, den wir auch vor zwei Jahren in Ballen hatten. Wir packten die Persenning über das Groß und machten auch den Rest des Bootes seeklar zurück. Nils und Bjarne besetzten das Schlauchboot und paddelten rum, während ich mich um das Abendessen kümmerte.

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Abendstimmung in Ballen

Tag 7 – Samstag, 8. Juli:

Karte 7Ich hatte unsere Etappen in etwa gleich groß gehalten, alle so um die 25-30 sm, aber die Jungs hofften auf mehr Zeit auf Anholt, schließlich hatten wir bereits zwei Tage verloren. Heute wollten wir nach Ebeltoft, bzw. in den Yachthafen beim Fähranleger weiter südlich, denn Ebeltoft selbst war eigentlich für die Tour nach Anholt ungünstig in einer Bucht gelegen. Im Hafenhandbuch fand ich aber nur Ebeltoft und nicht Ebeltoft Færgehavn. Dann entdeckte ich in der Seekarte die Bezeichnung Ørne und guckte danach. Tatsächlich wurde ich mit Øer fündig. Huiii, der sah ja cool aus. DSC_0301Eine alte aufgelassene Kiesgrube, die zu einer Feriensiedlung auf dem Wasser mit Bootsanleger für jedes Haus umgebaut war. Zugang nur über eine Schleuse. Bjarne und Nils waren begeistert. Damit war klar, Øer wurde angelaufen und Grenå ausgelassen.

Mit Groß und Genua 1 ging es auf Schmetterlingskurs mit 035° zur Fahrrinne zwischen Rumpen und Vejrø . “Vejrø? Das ist doch die kleine Insel, wo wir letztes Jahr waren. Papa, das kann ja gar nicht sein! Vejrø ist doch viel weiter im Süden.” – “Tja, es gibt wohl mehr als nur ein Vejrø.” gab ich zurück. “Können wir nicht Spinnakersegeln?” Ich wägte ab, DSC_0282viel Fahrt machten wir trotz der großen Genua nicht gerade. Und die Windprognose blieb mit 4-5 aus SW etwa gleich. “Also gut.” Ich kletterte auf die Back und hatte als bald alles vorbereitet. Beim Setzen gab es zwar noch ein paar Probleme, weil das Segel sich um das Fockfall wickelte und dadurch klemmte, doch nach einer Weile stand es und auch die Barberholer waren ausgebracht. Schon stieg unsere Fahrt rasch an. Nur wenig später hatten wir die betonnte Fahrrinne erreicht und drehten auf 340° an.

Das Funkgerät quäkte: “SECURITÉ, SECURITÉ, SECURITÉ. All ships, all ships, all ships. This is Lyngby Radio. Gale warning for Kattegat region in force.” Oh, Sturmwarnung! Nur Minuten später war eine schwarze Wolke über uns und entlud sich mit einem sintflutartigen Schauer. Der Wind nahm immens zu. Ich hatte keine Chance das Spi rechtzeitig zu bergen. “Das müssen wir abwettern! Leint euch an!” rief ich den Jungs zu. Ihre Augen wurden größer, weil sie instinktiv wussten, dass das Spi jetzt eine Gefahr darstellte. Die erste heftige Böe mit bis zu 7 Bft zog durch. Ich war in Sekundenschnelle durchnässt und hielt das Boot so gut es ging im Wind. Dennoch bekamen wir wegen dem Spi eine äußerst heftige Krängung nach Steuerbord. Die Back kam seitlich unter Wasser, es fehlte nicht viel und das Wasser wäre ÜBER das Süll ins Cockpit gelaufen. Der Steuerbord-Barberholer riß sich los und die Schot schlug wild umher. “Pass auf!” schrie Bjarne. Ich bekam die Schot zu fassen, aber der Block knallte mir auf die Hand. AU, VERDAMMT! Dennoch gelang es mir den Block zu sichern. Der Wind ließ nach, das Boot richtete sich wieder auf und ich sah meine Chance. ‘Jetzt oder nie!’ dachte ich noch und schon kletterte ich gesichert mit einer Lifeline auf die Back. “Bleibt im Schutz der Sprayhood.” rief ich den Jungs zu und versuchte dann den Bergesack über das Spi zu ziehen. Mit all meiner Kraft gelang es mir nicht. KEINE CHANCE! Das Segel wurde immer wieder aufgebläht. “Schmeißt die Schoten los! Werft sie los!” brüllte ich nach achtern. Der Druck kam aus dem Segel und es fing heftig an zu flattern. Ich entdeckte bereits einen kleinen Riss am Stb-Schothorn des Segels. MIST! Ich hörte Nils irgend etwas mir zurufen, doch wegen dem rabiaten Krach, den das Spi jetzt machte, verstand ich kein Wort. Ein Blick nach achtern zeigte mir, das hinten alles in Ordnung war, also versuchte ich jetzt den Bergesack erneut runter zu ziehen. DA, ES GING! Als ich den Sack komplett unten hatte, sah ich, dass das Spi jetzt einen Riss in T-Form von etwa einem Meter Länge hatte. VERFLUCHT! 20 Minuten später hatte ich die Back fertig und kam erschöpft ins Cockpit zurück. Die Gefahr war gebannt. DAS WAR GANZ SCHÖN BRENZLIG!  “Das Spi ist gerissen.” teilte ich den Kindern mit. “Und der Bootshaken ist weg!” Nils zeigte auf das Achterstag. Die Halterung war leer. Die wildschlagende Spi-Schot hatte den Bootshaken touchiert, worauf der aus der Halterung rutschte und über Bord ging. “Wo ist er jetzt?” Ich wusste, dass der Haken schwimmt, also guckte ich nach achtern, aber bei dem Wellengang hatten wir nicht den Hauch einer Chance den Haken noch zu sehen. Außerdem fehlte uns jetzt ein Bootshaken zum Bergen des Bootshakens. Also schrieb ich ihn ab.

Die Sturmböe war durch, ich guckte nach weiteren unheilvollen Regenwolken, aber der Himmel klarte weiter auf. Ok, jetzt lieber auf Nummer sicher gehen. Aber allein mit dem Groß konnten wir der Winddrift nicht viel entgegen setzen. Konnte ich die Genua hochziehen? “Wir brauchen jetzt ein Vorsegel, sonst verdriften wir auf die Untiefen im Osten.” erklärte ich den Jungs. Also zogen wir die G1 hoch und fuhren dann wieder unter normalen Verhältnissen weiter nach Norden. Am Horizont sahen wir eine Katamaranfähre, vor denen auch die Seekarte warnte. Im Nu war sie heran und auch schon vorbei. Der Wind hatte in der Århus-Bucht auf NW gedreht und wir wurden zum Kreuzen gezwungen.

Die Ansteuerungstonne von Øer konnten wir schon recht früh ausmachen, brauchten aber noch eine Weile, bis wir dann endlich vor der Ansteuerungen standen. Bjarne startete den Motor und ich barg die Segel. Er hatte etwas Mühe das Boot im Wind zu halten, weil er zu wenig Fahrt hatte und die Genua noch nicht unten war. “Gib Gas!” Der Motor heulte auf und das Boot zog wieder in den Wind. Jetzt bekam ich das Vorsegel auch runter. Die Rasalhague stampfte schwer gegen die Wellen an, tauchte hart in eine Welle ein und ich stand mit den Füssen im Wasser. OAAH! Und das macht Heike so einen Spaß? Mein lieber Scholli! Die Segel waren endlich unten und gesichert. Jetzt ging es in die ausgebaggerte 700m lange, aber nur 20m breite Rinne. DSC_0288Zwei Steinwälle boten nach einer Weile Schutz vor den Wellen, dennoch musste Bjarne tierisch aufpassen, denn durch den Wind drifteten wir auf den Steuerbordrand des Fahrwassers zu. “Halt dich mehr nach Backbord, uns kommt eh keiner entgegen.” Am Ende der Rinne kam die Schleuse. Wir wurden gleich reingewinkt. Hinter uns kam auch noch ein Boot an. Auch deren Gesichter spiegelten die Erleichterung wider, den Wellen da draußen entkommen zu sein. Ich bekam einen Bon, eine Beschreibung und eine Stromkarte. Kein Hafenticket? Nein, denn Abhauen ohne zu zahlen, das ging hier nicht. Jedes Boot musste auch durch die Schleuse wieder raus.

DSC_0290Das Schleusen war für die Jungs aufregend. DSC_0283 DSC_0294Wir wurden fast 2m angehoben und konnten dann in den künstlichen See einlaufen. Wir hatten bezüglich des Liegeplatzes freie Auswahl. Bjarne steuerte gleich die erst beste Box an, ich wollte noch Einspruch erheben, ließ ihn aber dennoch gewähren.  Die Steuerbord-Heckleine bekamen DSC_0299wir über den Dalben, auch die Backbordleine, aber nach vorne war ewig viel Platz. Der Wind trieb uns auf das Nachbarboot an Steuerbord. Jetzt wünschte ich mir ein Querstrahlruder oder Sorgleinen . . . oder wenigstens den BOOTSHAKEN zurück. Über den Bugkorb kletterte ich auf das Nachbarboot und zog uns mit der Vorleine in die Box. Aber der Bug blieb mehr als 2m von der Pier entfernt. Verdammt, die Leinen waren zu KURZ! Also zurück an Bord und wieder raus aus der Box. DSC_0297Wir fuhren weiter ins innere der Anlage und entschieden uns für einen Liegeplatz in der Mitte, etwas windgeschützter und vor allem kleiner. Neben der dänischen Yacht, die mit uns geschleust wurde, machten wir fest. Geschafft! Beim Seeklar zurück ging dann obendrein der Steuerbord-Barberholer auf Tiefe. NA TOLL! Ich wollte mir zwar eh Snatchblöcke besorgen, doch den bisher eingesetzten Violinblock wollte ich eigentlich behalten. Wir wählten die Mitte aus, weil wir hier Duschen und Klos vermutet hatten. Tja, das stimmte wohl auch mal, doch leider war das kleine Schwimmbad mit samt Duschen und Toiletten abgerissen worden. Die anderen Sanitärgebäude waren einen guten Fußweg entfernt, da war man ja mit dem Paddelboot schneller!

Auch wenn es so aussah, dass die Anlage wohl ihre beste Zeit hinter sich hatte, die Ferienhäuser waren alle sehr gepflegt! Bei einem Spaziergang zu einer Insel, “auf der garantiert ein Schatz vergraben ist” (wie Nils meinte), sahen wir, dass davon auch einige DSC_0304wenige zum Verkauf standen. Wir guckten in eine Ferienwohnung hinein und staunten nicht schlecht. Typisch skandinavisch, die Inneneinrichtung, sehr schick.  Der Weg zum Sandhaufen (die Schatzinsel) führte über Brücken an den verschiedenen Becken vorbei. Alle waren mit Kanälen verbunden. ‘Ein büschen wie Venedig.’ dachte ich. Für den Rückweg rannte Bjarne vor und holte uns mit dem Schlauchboot ab. Na, das war mal gemütlich! Allerdings musste er sich dann über die große Weite ganz schön gegen den Wind ins Zeug legen.

Tag 8 – Sonntag, 9. Juli:

DSC_0302Wir standen auf, weil es brütend warm im Boot wurde. Die Sonne knallte vom strahlend blauen Himmel und der Wind hatte deutlich nachgelassen und kam jetzt aus Südwest. Das war gut, denn heute wollten wir 42 sm nach Anholt zurücklegen. Schade nur, dass wir das Spi nicht mehr einsetzen konnten, denn der Kurs war geradezu ideal.

DSC_0307Um kurz nach 10.00 Uhr waren wir an der Schleuse, bezahlten und ich staunte nicht schlecht, denn der Hafen war keinen Deut teurer als andere. Im Gegenteil! Hinter der Schleuse war gleich eine Tankstelle. Sicherheitshalber bunkerten wir noch etwas Kraftstoff und dann ging es durch den Kanal wieder raus auf das offene Meer. Mit Groß und Genua 1 halsten wir uns mit 070-130° auf die Insel Hjelm zu, dann ging es auf 030° am Wind wieder Richtung Norden durch die Meerenge hindurch. DSC_0310Viele Segler waren bei dem schönen Wetter unterwegs und ich befürchtete, alle würden Anholt ansteuern, doch die meisten von denen blieben dicht an der Küste und hielten auf Grenå zu. Das konnten wir inzwischen ausmachen und ich war über unsere Entscheidung, diesen Hafen auszulassen, echt froh, denn der Hafen sah nach einem großen Industriegebiet aus. Wir konnten auch ein riesiges Schiff erkennen, das einen Ölplattform ähnelte. Bjarne meinte, das sei bestimmt für den Aufbau der Windparks. Tatsächlich war der nördliche Horizont ziemlich voll von Windrädern. Auf der Seekarte war gerade mal das südliche Windrad vom Anholt Windmølenpark verzeichnet. Die Sonne brannte runter wie nichts Gutes. Da die Jungs keine Mützen aufsetzen wollten, hDSC_0326olte ich das Sonnensegel raus und ließ es Bjarne quer über die Plicht spannen. Ich konnte darüber hinweg gucken, während die Jungs im Schatten dösen konnten. Beiden ging es nicht so gut. Nils meinte, er hätte zu viel Butter gegessen und Bjarne hatte Kopfschmerzen, aber im Schatten ging es beiden bald besser.

Obwohl wir zwischenzeitlich 6 Knoten über Grund machten (die Logge hatte sich schon seit Tagen nur sporadisch zur Anzeige bequemen lassen), zog sich die Strecke ins Unermessliche. Ich steuerte die ganze Zeit einen Kurs um die 040 – 060° um einen unangenehmen Schlingerkurs zu vermeiden. Anholt konnte keiner von uns ausmachen. Oder doch? DA! Das musste der hohe Radarturm im Westen der Insel sein. Ich hielt darauf zu, doch schon bald entpuppte sich der Turm als ein Entgegenkommer unter Segel. Grummel, wenigsten stimmte der Kurs, denn der Segler musste ja von Anholt kommen. Dann aber konnten wir im Dunst doch etwas ausmachen. “LAND IN SICHT!” Sofort waren die Kinder auf den Beinen und guckten. “Das ist ja noch weit weg!” Nils klang enttäuscht, aber er war ja auch noch nicht wieder fit. Es dauerte Ewigkeiten, bis wir das südliche Windrad backbord querab hatten. Und nochmals dauerte es Stunden, bis wir auch am östlichen endlich vorbei waren. Da wir mit 025° mehr nach Norden mussten, konnte ich den Schlingerkurs nicht mehr vermeiden. Ich versuchte durch Schmetterling das Boot zu stabilisieren, aber die Dünung war stark und so halste ich zwischen 360 und 040° hin und her. Beide Jungs hingen dann über der Reling, arme Kerle!

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“LAND IN SICHT” – Das Ziel unserer Reise: Anholt

Wir hatten noch rund 6 – 7 sm vor uns, da sah ich, das vier andere Boote immer schneller Richtung Anholt fuhren. “Die schummeln, die haben den Motor angeworfen.” Da Anholt im Sommer sehr beliebt ist, konnte man schon mal keinen Platz mehr bekommen. Also holten auch wir die Segel ein und “jagten” mit 6,5 kn hinterher. Die Anderen hatten schon einen beträchtlichen Vorsprung. Da kamen noch weitere Boote in Sicht. Aus allen Richtung kamen sie. Ich sah uns vor meinem geistigen Auge bereits vor Anker gehen, weil der Hafen aus allen Nähten platzte.

Fortsetzung folgt . . .

Der Film zu Teil 2: Drei Männer und ein Boot

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Sommertörn 2017 – Teil 1: Ab nach Norden

Unser diesjähriger Sommertörn liegt bereits anderthalb Wochen zurück und ich hab mich inzwischen einigermaßen erholt. ‘WIE BITTE?’ höre ich schon den einen oder anderen sich wundern, ‘Vom Segeln ERHOLT???’ JAAA, ganz recht! Der Törn ging mir ganz schön in die Knochen. ‘Warum DAS denn?’ Tja, was soll ich sagen . . . es war ein großes Abenteuer, aber eher so eines von der anstrengenden Sorte. Am besten ich berichte ganz von vorn:

Heike hatte sich von ihrer Kiefer-OP etwas erholt und durfte mit, sogar mit ausdrücklicher Empfehlung. Das war schon mal eine gute Nachricht. Rechtzeitig bekam ich auch das neue Großsegel vom Segelmacher zurück und konnte es noch aufziehen. Jetzt hat es einen Schotrutscher als Verstärkung des Unterlieks und auch die Risse waren repariert und verstärkt. Das war die entscheidende Nachricht. Dieses Jahr starteten wir zu unserem Sommertörn einen Monat früher, was an den Schulferien meiner Jungs lag. Schon am ersten Ferientag holte ich Bjarne und Nils ab. Eigentlich bin ich ja froh, dass wir im Sommer immer mit dem Boot von der Haustür aus starten können und nicht wie so viele andere Kilometer für Kilometer im Stau stehen müssen, doch durch das Abholen der Jungs stehe ich dann auch durch die halbe Republik im Stau. Grumpf! Naja, bald können sie mit dem Zug fahren. Als wir dann abends endlich in Kiel ankamen, fuhren wir nur kurz zuhause vorbei um Heike abzuholen und dann ging es gleich zum Hafen. Wir starteten den Törn mit einer Übernachtung an Bord.

Tag 1 – Sonntag, 02. Juli:

DSC_0006Nach Frühstück und letzten Vorbereitungen legten wir gegen 12 Uhr in Schilksee ab. Vor lauter Aufregung vergaßen wir glatt unser Liegeplatzschildchen umzudrehen. Wie im letzten Jahr ging der erste Schlag quer über die Kieler Bucht nach Bagenkop. Die Windprognose war gut, d.h. mehr als 5 Bft sollten es nicht werden. Na gut, in Böen vielleicht mal 6 Bft. DSC_0036_5DSC_0037_5Vorsichtshalber hatte ich das Groß ins 1. Reff genommen und auch nur die Arbeitsfock angeschlagen.  Wir verließen Kiel bei grauem Wetter und mageren 17°C. Gott sei Dank hatte wenigstens der Dauerregen aufgehört. Endlich ging es raus aufs Meer, auch die Jungs freuten sich sehr auf das SegelnDSC_0051_4 . . . wenn da nicht die Seekrankheit wäre, aber sie wussten ja inzwischen, dass man da einmal durch muss. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich die ersten Male seekrank war und am liebsten sterben wollte. Inzwischen muss es schon ein ziemlicher Hack sein, bevor mir übel wird.

Mit Heike hatte ich schon öfter eine Diskussion wegen ihrer eigenen Absicherung auf der Back bei Seegang gehabt. Lifeline und Lifebelt sind ja schön und gut, aber leider ist die Lifeline bei Segelsetzen oder -bergen auf der Back auch hinderlich. Das sehe ich ja ein, so wie Heike auch einsieht, dass ein Mann-über-Bord-DSC_0053_4Manöver (ich weigere mich weiterhin es Mensch-über-Bord zu nennen) bei einer Wellenhöhe von 1,5m kein Kinderspiel ist, geschweige das Bergen. Kurzerhand hatte ich vor dem Törn noch ein rotes Gurtband von 15m Länge und drei Karabiner gekauft. Schnell waren die Karabiner festgeknotet und an Mittelpütting und Reling angeschlagen, fertig waren die Strecktaue oder “Leichenfänger”, wie wir sie auf der Gorch Fock auch nannten. Jetzt pickt man sich mit dem Karabiner in das Strecktau auf der Luvseite ein und ist trotz hoher Bewegungsfreiheit gut gesichert.

Endlich wieder auf See . . . das galt auch für Bjarne
Endlich wieder auf See . . . das galt auch für Bjarne

Je näher wir Dänemark kamen, desto besser wurde das Wetter. So musste das sein! Allerdings hatte der Wind auch nicht schlecht zugenommen. Eine Woche zuvor hatte ich ja noch die Notsituation in Bagenkop erlebt, als der Motor wegen platter Batterie nicht mehr anspringen DSC_0030_7wollte. Dieses Risiko wollte ich auf dem Törn gar nicht erst eingehen, daher hatte ich vorher eine neue Starter- und eine neue Verbraucherbatterie besorgt und eingebaut. Den Einbau der neuen Windex musste ich auf einen Tag mit wenig Wind verschieben.

Der Motor sprang ohne Schwierigkeiten an und Heike turnte beim Segelbergen jetzt angeleint auf der Back rum, sehr zu meiner Beruhigung. Das Anlegen in Bagenkop sollte doch eigentlich unspektakulär verlaufen, doch es kam mal wieder anders.

Ins Hafenvorbecken rollte wie eine Woche zuvor ganz schön der Wellengang rein
Ins Hafenvorbecken rollte wie eine Woche zuvor ganz schön der Wellengang rein

Ich machte eine windgeschützte Box aus, musste aber zuerst wenden, bevor wir dort festmachen konnten. Die Gasse war breit genug, also wollte ich das Boot auf dem Teller drehen. Da der Wind aber von hinten kam, trieb die Rasalhague schnell ab. Wäre ja nicht schlimm gewesen, wenn nicht unmittelbar ein paar Boxen weiter ein Schwede halb in der Gasse, halb in der Box zwischen zwei Dalben hing und unbedingt römisch-katholisch anlegen wollte, DSC_0064_4also mit dem Heck zur Pier. Schnell drehte ich nach Backbord in eine Box, gab etwas Gas und wollte somit einen Dalben als Widerlager verwenden. Tja, das hätte ich meiner Crew auch mitteilen müssen. Schwupps, schon  ging eine Vorleine über und ein hilfsbereiter Segler zog uns rein. Dabei zerlegten wir uns den Flaggenstock, der aber noch in der Halterung hing. Jetzt waren wir aus der Gasse raus, dafür belegten wir jetzt DREI Boxen, weil wir quer lagen. So konnten wir unmöglich festmachen und außerdem wollte ich ja eigentlich in die ruhigere Box weiter vorne. Etwas ruppig rief ich dem Helfer auf der Pier zu, er solle meine Leine wieder freigeben und zog dann vorwärts aus der Box raus. Kaum war die Nase aus dem Windschatten des Nachbarbootes, da drückte der Wind uns sofort nach Backbord. Ich drehte nach Steuerbord um weniger Angriffsfläche zu bieten, das Heck war aber noch nicht aus der Box  raus und wir rumpelten leicht gegen den Dalben an Backbord, was eigentlich nicht weiter störte. Plötzlich knackte und krachte es, ich erschrak und sah die Plastikteller der neuen Rapprolle zersplittern. ACH SO’N MIST! Egal, das konnte ich ersetzen. Jetzt aber ab in die richtige Box. Wie erwartet lagen wir hier schön ruhig. Als erstes ging ich zu dem Helfer und entschuldigte mich für den rauen Tonfall, der meinte aber nur: “Ach schon gut, wir haben heute auch den schlechtesten Anleger in diesem Jahr hingelegt und dabei auch leichte Schäden kassiert.”

DSC_0067_4Die Sonne kam raus, aber der Wind pfiff weiter ordentlich, wie die Jungs oben auf dem Aussichtsturm feststellen mussten. Bei Westwind habe ich in Bagenkop so meine lieben Schwierigkeiten. Viermal war ich schon hier, dreimal bei Westwind und immer dann ging etwas zu Bruch. GRUMMEL!

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Tag 2 – Montag, 3. Juli:

IMG-20170703-WA0001In der Nacht hatte es geregnet und auch der Wind hatte nochmals zugenommen. Deswegen standen wir nicht gleich früh auf. Beim Hafenbäcker wollten wir frische Rundstykker holen, kamen aber kurz vor elf zu spät, da er nur bis 10.30 geöffnet hat. Aber wir hatten ja genug Toast und sogar den Toaster dabei. Nach einem guten Frühstück ging es dann ans “Klarmachen zum Auslaufen”. Kurz nach Mittag  legten wir ab, das Aus- und Einlaufen hatten die Jungs unter sich fair aufgeteilt. Bjarne war dran und steuerte uns prima aus der Box und dem Hafen und wir setzten noch im Hafenvorbecken Groß- und Vorsegel.

Draußen ging es heftig zur Sache, denn der Westwind hatte kaum an Stärke nachgelassen. Immer noch brandeten Wellen bis 1,5m Höhe heran. Auf Südkurs konnten wir so früh nicht gehen, da wir uns von den Untiefen vor Dovns Klint freihalten mussten. Mit 310° gewannen wir etwas Abstand vom Land, jedoch knallte der Bug der Rasalhague ganz schön heftig in die anrollenden Wellen. Nils hatte schon angekündigt, das er mit mir die Navigation machen wollte und blieb daher unter Deck. SCHWERER FEHLER! Obwohl wir ihn immer wieder aufforderten, hoch zu kommen, blieb er unter Deck. Inzwischen hatte er den Zeitpunkt verpasst, wo er sich noch bewegen konnte. Er verkrampfte und übergab sich dann. Jetzt rächte sich das reichhaltige Frühstück. OHJEEE! Heike und Bjarne wurde ebenfalls übel, also ging ich runter, zog ihm die Sachen aus und schickte Nils dann erst mal hoch. Leichenblass und frierend saß er da wie ein Häufchen Elend. Das gröbste Unheil beseitigte ich noch auf See. NATÜRLICH roch es fürchterlich und es hätte mich nicht gewundert, wenn auch mir übel geworden wäre. Doch erstaunlicherweise machte mir das gar nicht so viel aus. OK, schön war es nicht, aber ich wusste, dass ich der letzte an Bord war, dem es noch gut ging und deswegen jetzt nicht ausfallen durfte. Da auch Heike  mit Seekrankheit zu kämpfen hatte (bestimmt wegen der Schmerzmittel, sonst macht ihr das nichts aus), Bjarne auch schon sehr grün aussah und Nils völlig geschwächt und willenlos war, entschloss ich mich vernünftigerweise zur Umkehr. Um Dovns Klint und Keldsnor herum hätte es mindestens noch ein bis zwei Stunden gedauert, das konnte ich unmöglich der Besatzung zumuten. Außerdem hatten wir den Seeraum, den wir mit 310° mühsam gutgemacht hatten, ganz schnell wieder verloren. Anstatt hart am Wind zu bleiben, steuerten Bjarne und Heike lieber einen magenfreundlicheren Kurs. Als ich endlich wieder hochkam standen wir unmittelbar vor Bagenkop. Heike konnte sich trotz Übelkeit soweit zusammen reißen und die Segel bergen. Rasch waren wir im Hafen und das Anlegen lief diesmal ohne weitere Schwierigkeiten ab. PUUUH!

DSC_0002_17Jetzt war erst mal Boot säubern, Wäschewaschen und Lüften angesagt. Später kam Nils und entschuldigte sich. “Wofür denn?” fragte ich. “Weil ich nicht auf euch gehört hab und unten geblieben bin.” sagte er recht bedrückt. “Naja, jetzt weißt du, dass man dafür schon ziemlich seefest sein muss. Außerdem”, fügte ich leise hinzu, “wäre mir das heute da unten bestimmt auch passiert, Seebär hin oder her.” Bis zum Abend war das Boot wieder sauber und es roch auch (fast) nicht mehr nach dem Unheil.

Tag 3 – Dienstag, 4. Juli:

Noch einmal wollten wir nicht ohne Brötchen ausgehen, daher schliefen wir nicht so lange aus und taperten die paar Meter vom Boot zum Bäcker. Die Rundstykker sind hier nämlich wirklich lecker. Nach dem Frühstück beurteilten Heike und ich die Lage. Endlich hatte der Wind etwas nachgelassen und wir konnten auch früher los. Die nächste Etappe ging nach Omø, eine kleine Insel auf der Ostseite des Langelandbelts am nördlich Eingang vom Smålandfarvandet. Eine Strecke von rund 42sm. Wenn man erst einmal um die Südspitze  Langelands herum war, dann würde der Rest der Strecke bei dem anhaltenden DSC_0035_6Westwind ganz angenehm sein.

DSC_0030_8Tatsächlich kam es auch so. Zunächst kämpften wir uns um die Landspitze herum, was ohne die hohen Wellen und den starken Wind kein wirkliches Problem war. Und schlecht wurde auch keinem mehr. DSC_0038Auf der Ostseite Langelands ging es dann endlich wieder auf Nordkurs, stetig immer unserem Ziel, der Perle im Kattegat entgegen. Es wurde eine entspannende und angenehme Fahrt. DSC_0040_6Auf der Höhe von Spodsbjerg  kam erstmals das Etappenziel in Sicht. Der Wind nahm weiter ab, so das ich das Reff aus dem Groß nahm. Etwas südlich des Leuchtturms Bøstrup E konnten wir die Tiefwasserfahrrinne und den Weg H ungestört kreuzen, denn hier gingen die großen Pötte durch: Tanker, Containerfrachter und natürlich die Color-Line. Dank der Strecktaue konnte ich jetzt auch ohne Bedenken die Kinder auf die Back lassen, DSC_0050_5selbst bei etwas Seegang. Diese neue Freiheit genossen die Jungs sichtlich. Der Leuchtturm Omø an der Südwestspitze der Insel blieb an Steuerbord liegen,  die Hafeneinfahrt befindet sich weiter nördlich. Laut Hafenbeschreibung mussten wir eine 100m lange, völlig unmarkierte DSC_0032_7Rinne treffen, die mit 160° auf die Außenmole zuführte. SCHÖN, nur das die Außenmole echt schwer zu erkennen war, aber Adlerauge Nils hatte sie ausgemacht. Er machte seine Sache als Steuermann echt gut und steuerte das Boot nach dem Segelbergen sehr sauber auf die Einfahrt zu. Kurz vor dem Hafen übernahm ich jedoch, da es mir mit der Drift durch die Wellen von Steuerbord etwas zu knifflig wurde. Nach 8 Stunden machten wir endlich an der mittleren Pier fest. Omø entpuppte sich als ein schöner Hafen, alles sehr gepflegt und recht neu.

DSC_0058DSC_0063Den Kindern hatte ich für den Urlaub auf Anholt je ein Schnorchel-Set besorgt. Die Flossen mussten natürlich vorher getestet werden. Nils wagte sich noch am Abend ins kalte Wasser, schwamm schnell bis zum Dalben und wieder zurück. Da kam Bjarne und wollte ebenfalls seine Flossen ausprobieren, aber Nils rief ihm zu: “Bjarne, willst Du auch rein? Mach es nicht! Es ist SAUKALT!”

Herrlicher Sonnenuntergang auf Omø
Herrlicher Sonnenuntergang auf Omø

Tag 4 – Mittwoch, 5. Juli:

Bjarne wagte sich dann doch noch ins Wasser, zugegeben erst am nächsten DSC_0069Tag und es war auch schon wieder wärmer, denn die Sonne schien ja bereits. Aber schließlich mussten auch seine Flossen noch erprobt werden. Bei der Gelegenheit pumpten wir dann gleich das Schlauchboot auf. Der Wind hatte deutlich nachgelassen und obendrein hatte er auf Ost gedreht. Und Ostwind heißt ja bei uns meist schönes Wetter.

Unter Motor ging es raus vor die Hafeneinfahrt. Ich hatte mit Nils noch am DSC_0078_5Morgen das Vorsegel gewechselt, aber die Genua 3 erwies sich als etwas zu klein, denn der Wind schwächelte. Mit dem Schlauchboot im Schlepp segelten wir auf das Fahrwasser der Storebæltbro zu. Der Wind nahm weiter ab und schließlich reichte es nicht mehr. Heike kletterte auf die Back und barg die Segel, während ich den Motor an warf. Als sie nach hinten kam, hielt sie sich den Arm und hatte eine Schramme am Bein. “Was ist denn passiert?” – “Ich hab die offene Luke übersehen und bin halb reingestürzt.” AUTSCH!

DSC_0097Nils und Bjarne waren derweil im Schlauchboot und hatten mit ihren Spritzpumpen Spaß. Noch am Morgen hatten wir vor Omø ein kleines Motorboot gesehen, das ein Schlauchring hinter sich herzog und herumschleuderte. Ich erinnerte mich an das Ringo-Fahren in der Türkei und an den Riesenspaß, den eine Funtube macht. Also versuchten wir das auch mal. Aber mit nur 6kn und einem recht schweren Schlauchboot kommt auch bei nur 15m Wendekreis keine nennenswerte Fliehkraft auf. Schade! DSC_0072_5Nach einer Weile war etwas Wasser in ihrem Beiboot und dann hörten wir sie rufen: “Wir haben auch eine Bilgenlenzpumpe!” Sie zogen ihre Spritzen im Schlauchboot auf und beförderten mit einem weiten Strahl das Wasser aus dem Boot.

DSC_0090_3Wir hielten uns am Rand des Verkehrstrennungsgebietes, weil wir auch mal unter der großen Brücke durch wollten. Einfach beeindruckend, so ein Bauwerk. Hinter der Brücke kreuzte ich dann das VTG “mit dem Kiel im rechten Winkel zur Fahrtrichtung”, ganz regelkonform. DSC_0107Ein Frachter nährte sich von Norden und ging gerade hinter uns durch, als wir das Fahrwasser wieder verlassen hatten. DSC_0076Nach dem Windpark nördlich von Sprogø kam wieder Wind auf und die Segel gingen wieder hoch. Da der Wind aber auf Nordwest gedreht hatte, hieß es für uns kreuzen. Mit langen Schlägen segelten wir zwischen 3 und 5 kn in die Bucht von Kerteminde hinein. Bjarne und Nils hatten inzwischen das Beiboot verlassen und einen neuen Spielplatz an Bord entdeckt: die Back.  Allerdings mussten sie gelegentlich die Back “räumen”, wenn wir eine Wende fuhren. Eine alte finnische Yacht zog steuerbords an uns vorbei, ich meine, es war ein 12er – eines der alten Holzregattaboote aus den 30er Jahren. Sehr elegant und schön anzusehen.DSC_0116_3

Als wir dann in Kerteminde festgemacht hatten, sicherten wir uns eine der Grillnischen im Hafen und bruzzelten lecker Würstchen, Merguez und Hähnchen- und Putensteaks. Dazu zapfte uns Nils (wir durften ja nicht selbst) frisches Bier vom Fass. Eine nette Sache sind die Blumenkästen um die Nischen, denn da stand auch ein Schild “Krydderi urter til grillen” (Grillkräuter). Heike gab uns abends zu verstehen, dass der Törn für sie hier enden würde. Sie hatte mit Schmerzen zu kämpfen, denn die Schmerzmittel hatte sie abgesetzt nachdem ihr davon immer schlecht wurde. Sie hatte also nur die Wahl zwischen Übelkeit oder Schmerzen. NA TOLL! Zweimal war ihr auch schwarz vor Augen geworden und dabei  ist sie dann auch in die offene Luke gestürzt. Ich sagte betrübt, aber verständnisvoll: “Lass uns mal eine Nacht darüber schlafen, dann entscheide morgen.”

War Anholt gestorben? Mussten wir umkehren? Oder sollte ich das alleine mit Bjarne und Nils wagen?

Fortsetzung folgt . . .

Der Film zu Teil 1: Sommertörn 2017 Teil 1

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