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Sommertörn 2017 – Teil 4: Die Seebären kehren heim

Tag 14 – Samstag, 15. Juli:

Es war Zeit, uns auf den Rückweg zu machen. Kiel lag ziemlich genau 150 sm südlich. Wir hatten die Wahl, die selbe Strecke zurück zu segeln oder andere Häfen anzulaufen. Nach Grenå wollten wir nicht, Øer war zwar schön und Ballen auch, aber die Häfen kannten wir ja schon. Heike hatte mir noch vor dem Törn eine alternative Route vorgeschlagen: über Sejerø statt über Samsø. Ich hatte eigentlich die Idee verworfen, weil das mehr als 50sm waren. Meine Jungs waren aber genauso Abenteurer wie ich und wollten auch mal bei Nacht segeln. Also koppelte ich die Strecke aus und zeichnete die Route ein: es waren 63,2sm. OHA!

Der Wind war nicht berauschend. Nur eine schwache Brise aus Süd, die selbst der G1 nicht ausreichte. Notgedrungen liefen wir bis zur Südostecke des Windparks unter Motor. DSC_0392Ab hier konnten wir segeln. Die Kinder erfanden Geschichten und schrieben sie auf. Das Steuern überließen sie dankend mir. Lange Kurse sind ihnen zu langweilig. Bei Hart am Wind ging es um die 210° direkt bis vor die Hafeneinfahrt von Grenå. DSC_0399Nach der Wende mussten wir uns mit 130° begnügen. So kamen wir dem Weg A wieder näher, an dem wir uns entlang nach Süden hangeln wollten, doch wir kamen nur mühsam voran. DSC_0400Bjarne holte das Vorsegel wieder runter, ich startete den Motor und fuhr anderthalb Stunden mit 180° unserem Etappenziel entgegen. Kurz vor der Insel Hjelm spürte ich mehr Wind und auch, das er am Drehen war. Der Große setzte das Vorsegel und wir kreuzten zuerst mit 150° und 240° weiter nach Süden, doch schon hinter der Insel kam der Wind mehr aus Westsüdwest und wir konnten mit 150° auf den Leuchtturm Yder Flak zu halten, der nördlich des Verkehrstrennungsgebietes Samsø Bælt mitten im Wasser steht.

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Die Sonne ging gegen 22.00 Uhr unter. Noch bevor es richtig dunkel wurde, holte ich die Segel ein und der Motor nahm wieder sein Dienst auf.  Da mehr und mehr Wolken aufzogen, wurde es richtig dunkel. Ich machte inzwischen einige Seezeichen aus, erkannte mehrere Schiffe auf dem Tiefwasserweg und fragte meinen Ältesten nach der Kennung vom Leuchtturm Sejerø. “Weißes Blitzfeuer der Gruppe 2 mit einer Wiederkehr von 10 Sekunden.” las er mir aus der Karte vor. Ich konnte ein weißes Feuer ausmachen, doch kam mir das eher wie ein Blink vor. Gruppe 2 und Wiederkehr sowie die ungefähre Richtung passten aber. Mit “das muss er sein” hielt ich darauf zu. Interessiert sahen die Jungs die vielen Seezeichen und Schiffe. Wir passierten das Leuchtfeuer Sjællands Odde Rev in einigem Abstand und verließen den roten Sektor. “Papa, das war doch gerade noch rot, oder?” fragte der Lütte. “Ja, jetzt kommt erst ein schmaler weißer Sektor, dann folgt grün. Das ist ein Leitfeuer für die Fahrzeuge, die aus dem VTG kommen und dem Fahrwasser nach Norden folgen.” antworte ich, “Das Fahrwasser müssen wir jetzt kreuzen und dann noch ein Stück, schätze mal 8-10 Meilen noch.”

Tag 15 – Sonntag, 16. Juli:

Wir brauchten trotzdem noch ziemlich lange. Der Kleine legte sich hin, während mein Ältester mit mir Wache hielt. Ich konnte inzwischen auch die Kardinaltonne westlich von Sejerø ausmachen: “Neun Funkel alle 5 Sekunden, siehst du?” Er gab mir die Karte und ich sah, das ich auch zwischen Untiefe und Insel durch konnte: alles tiefer als 3m.  “Wir müssen da durch.” – “Halt dich aber mindestens 3 Kabel von der Insel fern, da ist eine Untiefe.” riet er mir. “Geht klar.” Ich schätze unseren Abstand auf etwa 3 Kabel. Es war rabenschwarze Nacht und ich konnte die Insel nur schemenhaft in der Dunkelheit ausmachen. Der Leuchtturm blendete zudem, wenn sein Blitzfeuer einsetzte. Als wir dann weiter mit 180° daran vorbei waren, konnte ich die Insel besser erkennen und ging auf 135° um an der Südseite der Insel entlang zum Hafen zu fahren. Das Echolot zeigte konstant Werte um die 5m an. Wir waren herum. “Ich freue mich gleich auf’s Bett.” sagte ich zu ihm, “War eine lange Fahrt.” Er nickte, auch er war todmüde. Plötzlich stieg der Meeresboden wieder an: 3,2m . . . 2,4m . . . 1,6m. “Das wird mir zu eng.” sagte ich noch, riss das Steuer auf Hart Steuerbord rum – weg von der Insel – und sah weiter auf das Echolot: 0,8m . . . 0,2m . . . EIN LAUTES KNALLEN! Und noch eins. Mit heftigem metallischen Knallen setzten wir zweimal kurz hinter einander auf. VERFLUCHT, das war genau die falsche Richtung! Es gab nur eine keine Stelle, die ich hier meiden musste, und ausgerechnet die traf ich! Nils schreckte hoch und schaute fragend auf: “Was war DAS?” – “Wir hatten eine Grundberührung.” ich versuchte Ruhe auszustrahlen, was mir aber nicht wirklich gelang, “schalt gleich die Bilgenpumpe ein und schau mal bitte unter die Bodenplatten, ob Wasser eindringt.” Mein jüngster Sohn betätigte den Schalter und der ältere sah in der Bilge nach. “Etwas Wasser, aber die Pumpe springt auch nicht an, weil es zu wenig ist.” – “Das bisschen war schon vorher da. Ist ja immer etwas drin. Ok, wir beobachten das.” Ich war jetzt hellwach und hatte Horrorszenarien von einströmendem Wasser im Kopf, war aber dann etwas beruhigt, als sich tatsächlich nichts änderte. Der Motor klang unverändert, kein schleifendes oder schlagendes Geräusch von einer verbogenen Welle. Das Ruder reagierte auch einwandfrei. Hatten wir Glück im Unglück? “Der Tisch ist etwas locker.” kam von unten. Ok, . . . DAS konnte ich verschmerzen.

Eine Stunde später liefen wir in den Hafen von Sejerø, es war 02.30 Uhr. Eine freie Box konnten wir finden, aber der Wind war inzwischen recht steif und wir hatten äußerste Schwierigkeiten, in die Box zu kommen. Die Heckleinen waren über, doch der Bug driftete stark nach Backbord. Ich zog nochmal zurück und versuchte es erneut, doch der Wind trieb die Nase immer wieder kräftig ab und stieß beinahe gegen das dort vertäute Hausboot. Da hatte der Große die Idee, mit der Leine über das Hausboot zu klettern und uns dann ranzuziehen. “Ok, aber pass’ bitte auf.” Er kletterte über den Bugkorb auf den schmalen Sims und schob sich dann – immer mit dem Rücken an der Wand – bis zu Ecke vor. Im nächsten Moment rannte er über die Pier und schlang die Vorleine um einen Poller und zog uns immer dichter an den Steg. Geschafft! “Großartig, das hast du prima gemacht!” Ich inspizierte die Bilge. Kein Riss, kein Loch, kein einströmendes Wasser. Die Kielbolzen waren dicht und fest. Lediglich der Tisch wackelte. PUUUUH, das war mir eine Lehre! Hätte ich mich mal lieber an den geplanten Kurs gehalten, dann wären wir weiter draußen geblieben.

In der Nacht nahm der Wind stetig zu und als ich am Morgen aufstand, da regnete es in Strömen und der Wind heulte fürchterlich. Ok, Sturmpause. So ganz passte uns das aber nicht in den Kram. Zumal sich die Untätigkeit auf die Stimmung legte . . . eine Art Lagerkoller. DSC_0408Gegen Nachmittag klarte es auf und der Wind hatte auch abgenommen. Nur noch 4-5 Bft aus West. Wir machten das Boot gegen 15.00 Uhr seeklar und liefen aus. Noch im Hafenvorbecken setzten wir die Segel, denn draußen war ein gehöriger Wellengang. Der Große hatte die Back aufgeklart und das Großsegel war oben. Wir tauschten und ich zog dann vor dem Hafen die Fock hoch. So günstig war der Wind nicht, zuerst hielten wir mit 230° auf die Landspitze bei Rosnæs Puller zu, aber kamen nur sehr langsam voran. Gerade mal 3,5kn über Grund! Nach einer ersten Wende liefen wir mit 4,1kn nicht fiel schneller und obendrein auch noch mit 320° in die falsche Richtung, aber höher an den Wind konnten wir einfach nicht gehen. Mit langen Schlägen näherten wir uns der Landspitze. Als wir gerade auf Backbordbug mit 320° bei etwa 6kn FüG (Fahrt über Grund) unterwegs waren, stieg der Meeresboden rapide an und das Echolot zeigte eine Wassertiefe unter 2 m an! “KLARMACHEN ZUR WENDE!” rief ich und warte gar nicht erst das “Klar zum” ab, sondern holte stark nach Backbord rum. Schon stiegen die Werte wieder auf 3 bis 6m. Das war knapp! In der Seekarte war hier aber keine Untiefe verzeichnet. Na, lieber einmal zu viel DSC_0409wenden. Eine Grundberührung am Tag reichte mir!

Um halb neun hatten wir den Leuchtturm Rosnæs Puller an Backbord querab, konnten aber  bei einem Kurs von 190° und gesetzter Genua 1 den konstanten Westwind optimal ausnutzen und legten die Strecke bis zur Insel Romsø in zwei Stunden zurück. Der Wellengang hob und senkte das hochgebundene Schlauchboot, das dabei ständig an der Badeleiter scheuerte. Irgendwann hörte auch das Scheuern auf und die äußere Kammer wurde schlaff. Egal, lieber ein Loch, als es nochmal zu verlieren. Wir steuerten die Fahrrinne zwischen Fünen und Romsø an, allerdings verwechselten wir beinahe eine Festmacherboje mit der gesuchten Kardinaltonne. Im letzten Moment entdeckte ich die Tonne und schnell fuhren wir eine Wende. Uiuiuiuih! DSC_0411Hinter der Durchfahrt öffnete sich die Kerteminde Bugt und der Lütte übernahm eine zeitlang das Steuer. Gegen 23.00 Uhr ließ ich die Segel bergen. Unter Motor ging es noch eine halbe Stunde bis zum Hafen. Das Einlaufen übernahm der Große und er steuerte uns zur südlichen Einfahrt. “Gleich sind wir an der Tonne vorbei und dann nach Steuerbord.” meinte er und passierte dabei die unbefeuerte Stb-Fahrwassertonne des Fischereihafens. “Was?” fragte ich, “Welche Tonne? Wo?” Ich hatte sie in der Dunkelheit partout nicht gesehen. Wie gut, das er sie gesehen hat. Er steuerte uns sicher ins Hafenbecken und ich fragte ihn: “Willst du anlegen? Dann mach ich die Back.” -“Ok.” Ich musste ihm kaum was sagen, so sauber glitten wir in die Box und machten ganz entspannt fest. Es war sein erster Nachtanleger!

Tag 16 – Montag, 17. Juli:

Obwohl wir früh los wollten, brauchten wir doch den ganzen Vormittag zur Vorbereitung. Das Schlauchboot musste endlich aus dem Wasser und auf dem Oberdeck gezurrt werden.

 Aus dem Logbuch:

Boot liegt in Kerteminde, Steg 5, LP 553. Tagesziel: Omø, Tagesbefehl: GS, AF, Wetter: 6/8, Wind: W mit 4-5 Bft.

 1235 – Klarmachen zum Auslaufen.

1300 – Kurs und Fahrt nach Weisung.DSC_0416

1307 – Klarmachen zum Segelsetzen, GS ↑ ,AF ↑, Motor aus.

1315 – Kurs 125°, Fahrt 5,8kn FüG.

1430 – Kurs 150°, Fahrt 6,2kn FüG.

1455 – Anst.Tn. Vesterbroen N 1/2 kbl Bb querab.

1507 – Passieren VesterbroenDSC_0418

Hinter der Brücke ging es mit 125° und 5,6kn schön auf raumschots Kurs weiter Richtung Tiefwasserweg. Gegen halb fünf erreichten wir den Leuchtturm Vengeancegrund und zwanzig Minuten später passierten wir mit 1 Kbl Abstand den Leuchtturm Agersø Flak. Das Fahrwasser lag jetzt hinter uns. Da der eine einlaufen wollte, der andere aber dran war, entstand eine hitzige Diskussion. Schließlich verzichtete einer von beiden freiwillig auf weiteres Ein- und Auslaufen, wenn er jetzt in Omø einlaufen durfte. Fortan hing ein Zettel in der Sprayhood, der dem anderen das Ein- und Auslaufen von Omø bis Kiel garantierte. Na, wenigstens hatten sie ihren Streit selbst geklärt. Um 17.15 Uhr standen wir eine halbe Meile vor der Hafeneinfahrt. Die Segel kamen runter, der Motor ging an und wir steuerten auf die Einfahrt zu. Wir kamen hinter die Abdeckung der Steinmole und schnell banden wir die Fender fest und schubsten sie raus, dann bereitete ich die Festmacherleinen vor. Eine schwedische Yacht, die vor uns eingelaufen war, drehte im Hafenbecken und lief dann rückwärts ein, aber mein Großer reagierte gelassen und steuerte daran vorbei. In der hinteren Gasse fand er eine Box und legte an. Ich rief “Noch einen Meter!” und sprang auf die Pier. Leicht touchierte das Boot die Pier, weil er etwas zu spät die Fahrt abbremste. Die Box war zu KLEIN! Was nun? Am Mittelsteg war auch keine größere Box mehr frei. Unser Heck ragte gut einen Meter hinten raus und damit auch die Klampen. So konnten wir das Boot nicht davon abhalten, immer wieder gegen die Pier zu stoßen. Mein großer Sohn hatte sich aber inzwischen viel bei anderen Seglern abgeguckt und fädelte unsere Heckleinen durch die Blöcke auf der Genuaschiene und legte sie dann auf die Winsch. So zog er das Boot wieder nach hinten. CLEVER!

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Es war warm und daher wollten wir grillen, hatten aber kein Fleisch mehr. “Dann schnell zum Supermarkt.” sagte ich und rannte los. Am Hafen war aber keiner, nur ein Kiosk. Also da rein und die nette Frau erklärte uns: “Der macht aber um 18.00 Uhr zu und ist im Ort, rund einen Kilometer weg!” – “Dann haben wir ja noch 10 Minuten.” entgegnete ich. “Nehmt die Fahrräder, die sind zum Ausleihen, kostet auch nichts.” Wir düsten los. Mein Fahrrad war zu klein und hatte fast einen Platten, das vom Großen war ok und der Lütte fand keins, bei dem er noch an die Pedale kam. Also joggte er hinterher. Wir erreichten den Ort und fanden den Supermarkt, es war 17.59 Uhr! ‘Bitte sei noch offen.’ flehte ich innerlich. Na, klar, denn in Dänemark ist man ja sooo entspannt. Wir kauften Hack und Hähnchen sowie Brötchen und was zum Trinken. Gerade als wir zurück fahren wollten, kam uns der Kleine entgegen, völlig aus der Puste. Gemütlich radelten wir zurück und während ich dann an Bord das Hähnchen schnell marinierte und die Frikadellen zurecht machte, kümmerte sich der eine um den Grill, während der andere sich um Getränke und Geschirr kümmerte. Als ich mich dann dazu setzte, wurde mir ein Burger und ein Bier serviert . . . so lässt es sich aushalten!

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Am Nachbartisch saß eine Deutsch-dänische Familie, mit der ich ins Gespräch kam. Wir schnackten übers Segeln und das Leben in Dänemark. Ich muss zugeben, ich wurde neidisch: Vier Wochen Segeln . . .

Tag 17 – Dienstag, 18. Juli:

Unsere Etappe sollte uns am vorletzten Tag bis Bagenkop führen. Aber schon am Morgen war klar, der Wind würde dafür nicht reichen. Der Ältere schnappte sich nochmals ein Fahrrad und holte Toast. Noch vor dem Frühstück warf ich eine Maschine mit Wäsche an. Später kam sie direkt in den Trockner, aber so richtig war sie nicht trocken. Gegen viertel nach eins liefen wir dann aus, der Salon war ein einziger Wäscheständer geworden. DSC_0430Weil wir aber erst so spät los kamen, änderten wir unser Tagesziel auf Spodsbjerg. Von da aus sollten wir die Strecke nach Kiel auch in einem Rutsch schaffen. Als wir losfuhren, winkte uns die Familie vom Vortag zum Abschied. Nachdem die Fähre angelegt hatte, steuerte mein Jüngster uns die Rinne raus und ich zog Groß und Fock hoch. Mit 200° und 4,8kn ging es Richtung Langeland. DSC_0432Im Großen Belt war wieder einmal viel Schiffsverkehr und eine alte Bekannte, die wir fast täglich sahen, ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Mit hoher Fahrt rauschte die Color Line DSC_0434an uns vorüber, da waren wir aber schon aus dem Tiefwasserweg wieder raus. Gegen fünf standen wir nicht mehr weit von Spodsbjerg weg und wir holten die Segel runter. Wir fuhren die letzten Meter mit Maschine, als sich ein anderer Segler an Backbord ebenfalls unter Motor anschickte, noch vor uns in den Hafen einzulaufen. Eigentlich war die Sache klar und er hätte uns ausweichen müssen, DSC_0437aber ich hab schon häufig bemerkt, dass kurz vorm Hafen die Fahrregeln in Vergessenheit geraten, nur weil man befürchtet, der letzte Liegeplatz könne einem entgehen. Der Lütte hat ja auch schon die Regeln der KVR gelernt und meinte nur: “Wir haben doch Vorrang! Den sag ich aber mal Bescheid! Darf ich den anhupen?” – “Lass’ mal,” sagte ich ruhig, “da sind nicht viele Boote im Hafen, siehst du? Nur ganz wenige Masten. Lohnt nicht, jetzt auf Regelkunde zu pochen.”

Tag 18 – Mittwoch, 19. Juli:

Finaltag! Heute ging es nach Hause. Wir standen früh auf, sollte doch laut Prognose der Wind deutlich schwächer werden. In Anbetracht der Vorhersage und der kürzlich entstandenen Risse am Achterliek der Genua 1 schlug ich die Genua 3 an. Die war nicht ganz so groß, aber wenigstens waren wir damit besser auf Raumschots- oder Vorm Wind-Kurs unterwegs, als mit der Fock. Nach dem Frühstück dauerte es auch nicht mehr lang und gegen halb zehn legten wir mit dem kleinen Filius am Steuer ab. DSC_0447Der Wind wehte tatsächlich nur noch mit 2-3 Bft und hatte auf Ost gedreht, sollte aber gerade an der Südspitze von Langeland auf 5 Bft auffrischen. Zunächst sichteten wir ein dänisches Fregattengeschwader im Belt. Mit einigen anderen Seglern um uns herum ging auf 180°, immer der Küste entlang bis zum Leuchtturm Keldsnor. Hier hörten wir bereits den Funkverkehr mit. In der Hohwachter Bucht war ein Übungsschießen und einige Sportbootfahrer hatten die NfS und BfS nicht gelesen. Einer hatte Motorschaden und trieb ins Warngebiet, eine anderer ignorierte einfach die Signale und Vorposten und segelte einfach hinein. “Wissen die Segler denn nicht Bescheid?” – “Eigentlich schon.” – “Na, dann werden es bald ein paar weniger sein.” Uups, na wie gut,  dass wir noch weit genug nördlich davon waren.

Der Wind nahm zu und mit Fahrt um die 7kn konnten wir dann auf 220° gehen, direkter Kurs auf Kiel! DSC_0449Ich schrieb Heike eine Nachricht, das wir noch etwa vier Stunden brauchen und uns über einen (gebührendem) Empfang freuen würden. Noch hatte ich ja Empfang, so dachte ich wenigstens.

Die Überfahrt war entspannt, die Sonne knallte nicht so kräftig vom Himmel und daher war es auch nicht so diesig wie sonst. Gegen vier hatten wir dann den Leuchtturm Kiel an Backbord eine halbe Meile querab. Ich zückte mein Handy, schrieb Heike: “noch eine Stunde” und bemerkte, dass die Nachricht davor erst jetzt zugestellt wurde.

Um 17.10 Uhr sprang der Motor ein letztes Mal auf diesem Törn an, die Segel wurden ein letztes Mal eingeholt und Nils steuerte uns in den Hafen von Schilksee. Heike stand alleine auf der Pier und winkte uns bereits zu. Ich hatte das Boot hinten noch nicht festgemacht, da flog die Besatzung ihr bereits um den Hals. Wir waren wieder daheim!

ENDE

Rückblickend muss ich sagen, ich bin unglaublich stolz auf die Leistung meiner beiden Jungs, die beide über sich hinausgewachsen sind. Auch wenn es materiell gesehen eine verlustreiche Fahrt war (Rapprolle gesplittert, Flaggenstock gebrochen, Spi gerissen, Genau 1 gerissen, Barberholer über Bord gegangen, Bootshaken verloren, Schlauchboot leck, Tisch aus der Verankerung gerissen), ich würde sie jederzeit mit den beiden genau SO wieder machen . . . weil wir das Abenteuer und die Herausforderung lieben!

Der Film zu Teil 4: Die Seebären kehren heim

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Ein Gedanke zu „Sommertörn 2017 – Teil 4: Die Seebären kehren heim“

  1. Tobi, Du schreibst so klasse! Das möchte ich nochmal deutlich für alle Welt lesbar hier hinterlassen!
    Gleichwohl Du mir den Block schon vorgelesen hast, habe ich eben fast mit angehalten Atem nochmal Eure Abenteuer gelesen. Spannend!

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