Die Werftliegezeit beginnt

Noch letzte Woche lag sie in Schilksee, während die meisten anderen Boote schon bereits hoch und trocken im Winterlager standen, aber nun ist es auch für uns soweit: Die Rasalhague geht erstmals in die Werft zu Dick direkt hinter der Kanalschleuse auf der Wik. Ich hab mich entschlossen, einige Dinge professionell machen zu lassen – auch wenn es finanziell etwas weh tut -, da ich ja noch lange was vom Boot haben möchte und mein Latein und meine Möglichkeiten nun eben mal begrenzt sind.DSC_0006DSC_0004Für die Überführung musste ich früh los, denn der Krantermin war für 13:15 Uhr angesetzt und in der Mail wurde ich vor 1-4 Stunden Wartezeit an der Schleuse gewarnt. Also legte ich mich dann in Holtenau erst mal an den Gastanleger, gerade so, dass ich noch das Schleusenlicht sehen konnte. Anfunken bringt ja nichts, wie wir schon öfter mitbekommen haben. “Warten sie auf das weiße Licht.” kommt dann die Standardantwort. Da einige Frachter in die Schleuse wollten, fing ich schon mal damit an, den Baum abzuschlagen. Ich hatte das Großsegel auf der Back noch nicht zusammen gelegt und gerade den Baum aus dem Lümmelbeschlag genommen, da sah ich mehr als 10 andere Boote auf die Schleuse zu halten. DA! Die Schleusenampel zeigte unterbrochenes weißes Feuer. DSC_0007 Ich schmiss den Motor an und düste los. In der Schleuse angekommen, hatte ich dann wenig Hoffnung, denn ein großes Durcheinander herrschte da, als eine große Yacht quer lag. Egal, dann beim nächsten Mal. Ich hatte ja noch Zeit. Also verlegte ich zurück an den Gastanleger und montierte noch Solarzelle und Rettungsinsel ab, bevor ich dann alle Stagen und Wanten löste. Gerade wollte Heike dazu stoßen, als die Schleuse wieder für Sportboote geöffnet wurde. Ich sah sie die Kanalstraße entlang laufen und winkte. Im nächsten Moment zog ich schon zurück und hielt auf die Schleusenkammer zu. Als letztes Boot kamen wir rein und machten im Päckchen an einer anderen Yacht fest. Hinter uns schloss sich das Schleusentor und dann ging es . . . RUNTER? Ja! Normalerweise wird man ja in den Kanal etwa um 30cm hochgeschleust, doch DSC_0008wir hatten in der Ostsee Hochwasser und so ging es einen halben Meter runter. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete das innere Schleusentor und die Frachter vor uns gingen raus. Dann löste sich der Pulk der Sportboote von der Kammerwand und wir strömten in den Kanal. Nahezu alle wollten zu Dick zum Auskranen. Da das Slippen minutiös geplant war, legte ich mich erst mal wieder an den Gastanleger und wartete . . . und wartete. Gegen 15:00 Uhr klingelte dann endlich mein Handy.

DSC_0010Ich machte los und tuckerte über den Kanal rüber auf die Wiker Seite. Da mein Mast nur noch auf dem Kiel stand und so raus konnte, durfte ich mich gerade noch dazwischen mogeln. Kaum fest, fielen sie wie die Ameisen über die Rasalhague her. Unter anderem kam Hauke (der Meister des Mastlagers)an Bord und staunte: “Der ist ja schon fix und fertig!” Und im Nu war der Mast draußen und oben auf der Kaimauer. Helmut (der Chef persönlich) und Hauke zogen das Boot vor und nur Sekunden später turnten schon vier andere aufs Boot und zogen die Schlingen der Tragegurte unterm Boot durch. Kaum das ich von Bord war, schwebte das Boot auch schon aus dem Wasser und ich konnte endlich einen Blick auf den Kiel werfen. ‘So schlimm sieht er ja gar nicht aus.’ dachte ich noch, doch oben konnte ich dann mehr erkennen. Aber zunächst wurde die Rasalhague mit dem Hochdruckstrahler ordentlich abgespritzt. DSC_0012Die Kielrumpfverbindung hatte leider nicht überall dicht gehalten, was mich aber nach der Grundberührung im Sommer auch nicht verwundert hatte. Am Kiel war eine Delle zu erkennen, aber das war nicht weiter wild. Jetzt ist das Boot ja in fachkundigen Händen.

Dieses Jahr gab mir der Motor etwas zu denken. Immer wieder war in der Motorbilge ungewöhnlich viel Öl. Eine Inspektion tut da sicher Not. Auch die Stopfbuchse braucht eine genauere Untersuchung, denn ich habe den Verdacht, dass das Gros des Wassers in der Motorbilge nicht vom Impellergehäuse kam. Neben meinem Dauersorgenkind, der Kiel-Rumpfverbindung, gibt es noch zwei kleinere undichte Stellen, die nur bei Regen Feuchtigkeit ins Boot dringen lassen. Einmal kommt Wasser über die Püttinge der Steuerbordwanten in den Salon, zum anderen ist der Kasten der Motorkontrolle nicht dicht und es tropft darüber auf die Hundekoje. Hier werde ich aber selber ran gehen, da lediglich abgedichtet werden muss und eine neue Plexiglass-Abdeckung davor soll.

so in etwa soll es aussehen
so in etwa soll das Laufdeck nächstes Jahr aussehen

Aber in erster Linie gebe ich die Rasalhague nicht deshalb in die Werft. Meine primäre Absicht ist es nämlich, das Laufdeck neu machen zu lassen. Der Antirutschbelag ist inzwischen an mehreren Stellen aufgeplatzt und sieht partout nicht mehr schön aus. Mit ein büschen Antirutschfarbe ist es schon lange nicht mehr getan. Schon recht früh hatte ich daher die Vorstellung, dass hier ein Stabdeck aus Teak verlegt werden soll. Ganz einfach deshalb, weil der Ankerkasten und die Plicht mit Teak ausgestattet ist. Klar, Teak ist teuer und inzwischen gibt es mit Flexiteek nette Alternativen in Holzoptik, aber ich finde, dass das eben nicht wirklich an das teak-vs-Flexiteek[1]selbe Ergebnis rankommt. Flexiteek graut nicht aus und wenn das Cockpit aber während der Saison ausgraut, dann sieht das doch komisch aus. Und da die Teakholzbereiche immer wieder geölt werden müssen, bringt mir auch der ausgegraute Farbton des Flexiteeks nichts.

Da das Boot für die Arbeiten auf dem Oberdeck in der Halle steht, werde ich diesen Winter viel machen können, wenn es draußen zu kalt ist. So will ich den Rumpf richtig aufpolieren, diesmal aber mit dem richtigen Papier. Auch will ich das Oberdeck aufhellen. So richtig weiß ist das GFK da nicht mehr.

aus dieser Serie ein 41Wp Modul und ein weiteres 35Wp von Apolloflex, so der Plan

Mit dem Einbau der neuen maßgeschneiderten Halterung für die Solarzelle am Heckkorb ist die Rettungsinsel endlich frei für eine kleine flexible Solarmatte. Dazu kommt dann noch ein begehbare Zelle auf der Dachlukengarage. Dafür muss ich dann auch noch Kabel verlegen und Sperrdioden einbauen. Alles in allem werde ich etwa 136 Watt Leistung durch Sonnenenergie an Bord haben. Ich musste nämlich feststellen, dass der Kühlschrank mit 4,2A mehr Strom frisst, als die bisherige Zelle mit ihren 3,75A maximal liefern könnte. Allerdings konnten wir den Kühlschrank auch jeden zweiten Tag ausschalten, da er so gut isoliert ist, dass er die Kälte einen Tag halten konnte.

VTronix 150mm UKW-Antenne
VTronix 150mm UKW-Antenne

Auch am Mast werde ich einige Veränderungen vornehmen. Am Antennenausleger habe ich bereits den Seilzug für die Fisheye-Kamera montiert. Für das AIS-Radar benötige ich eine zweite UKW-Antenne. Ich hatte zwar zunächst die Idee, das über einen Splitter zu machen, aber das ist unverhältnismäßig teuer. Also eine zweite Antenne. Hat nebenbei auch den Vorteil, das ich eine redundante Lösung für einen Antennenausfall habe. Allerdings muss ich erst mal prüfen, ob ich die zweite Antenne überhaupt in der Mastspitze unterbringen kann. Ich habe mir bereits eine kleinere Notantenne ausgesucht. Ich muss nur das Antennenkabel durch den Mast verlegt bekommen.

Im Boot gibt es natürlich auch Neuerungen, die eingebaut werden müssen. Unser Polsterer wird uns noch Teppich in hellerem Grau liefern, den ich dann auf den PVC-Belag auf der Rumpfinnenseite kleben werde. Damit ist die Vorpiek endlich schön ausgekleidet und genauso werde ich die Seitenwände im Salon und die der Hundekoje verkleiden. Außerdem bekommt auch der Mast endlich seine Teppichmanschette. Zum Einen verspreche ich mir ein angenehmeres Wohnklima, gerade was die Isolierung betrifft, zum Anderen wird die Lichtdurchlässigkeit des GFKs in der Vorpiek dadurch aufgehoben.

Vielleicht bestelle ich mir auch noch eine neue Sprayhood, denn die alte hat dieses Jahr bereits zwei Risse bekommen. Kein Wunder, nach mehr als 30 Jahren ist auch das Material spröde. Und in den ganz dunklen Winterstunden werde ich mir vielleicht aus den Segelresten oder dem Stoff der Sprayhood Relingstaschen nähen, die nur im Hafen an den Bugkorb kommen. Da können dann Schuhe und Schuhbürste deponiert werden, damit mir keiner mehr mit Straßenschuhen an Bord kommt oder mit Segelschuhen im Schmutz rumrennt. OHA! Jetzt kling ich schon wie der Liegeplatznachbar an Steuerbord. Einer, der sich dieses Jahr ein Motorboot gekauft hat. Wegen Straßenschuhen hatte er seine Freundin vom Boot gejagt, hat sie dann aber barfuß doch an Bord gelassen.

Viel zu tun, mal sehen, ob ich alles schaffe . . .

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