Rasalhague in der Werft

Der Winter war bisher bootstechnisch ereignislos. Naja, zumindest wurde nichts am Boot gemacht . . . bisher. Seit November stand die Rasalhague ja in der Halle und ich hätte eigentlich einiges vorbereiten können, doch wie jeden Winter überfiel mich auch dieses Jahr wieder einmal eine große Lähmung . . . und außerdem schob ich mein Winterhobby als Ausrede vor. Bis auf Demontage der Reling und dem Abkleben unter Deck habe ich nichts unternommen. Eigentlich jammerschade, aber der Sliptermin hat sich ja auch um fast zwei Monate nach hinten verschoben. Ich hatte nämlich den Bootsbauer der Werft befragt, was ich am besten mit meiner Kiel-Rumpfverbindung machen könnte. Als er das begutachtet hatte, sagte er: “So kann ich sie nicht guten Gewissens Slippen lassen. Am Mastfuss ist ein Haarriss, der schwächt auf Dauer das Laminat und Sie möchten ja auch ein trockenes Boot haben, nicht wahr?” – “UNBEDINGT!” – “Also muss der Kiel runter.” – WAAAAS?????

Also meldete ich den Schaden der Versicherung. Zwar verspätet, weil die Grundberührung schon vier Monate zuvor statt fand, jedoch hatte ich den Schaden von außen erst im November selbst sehen können. Ich schrieb einen detaillierten Unfallbericht, kopierte Seekarten und Logbuch und reichte die Unterlagen zusammen mit dem Kostenvoranschlag für die Reparatur ein. Wochen später bekam ich dann endlich ein Brief, bei dem ich mich zunächst auf den Fußboden setzte. Auf Grund der verspäteten Einreichung stünden die Chancen für die Versicherung sehr gut, überhaupt nicht zahlen zu müssen. SCHOCK! Dennoch schlugen sie mir ein Vergleich vor und boten mit rund 2/3 der veranschlagten Kosten an  um einen langwierigen Rechtsstreit zu vermeiden. Nach reiflicher Überlegung nahm ich an, schließlich konnte ich nicht ganz von der Hand weisen, dass der Schaden gänzlich ohne mein Verschulden entstanden war, hatte ich doch damals um etwas schneller in der Nacht in Sejerø zu sein die westliche Gefahrentonne östlich umfahren. Somit kamen wir dichter unter Land und eine Drift durch Seegang ließ sich zwar bei der Dunkelheit nicht feststellen, aber bei dem zunehmenden Seegang hätte ich damit rechnen müssen. Vermutlich sind wir wegen der wahrscheinlichen Drift noch dichter unter Land gekommen, als uns lieb war. So dicht, das wir dann auf den vorgelagerten Unterwasserfelsen in der Abwärtsbewegung einer Welle aufsetzten.

Als Konsequenz daraus werde ich die Stromversorgung für das Tablet überarbeiten. Oder ein richtigen Kartenplotter einbauen. Jedenfalls ohne elektronische Seekarte fahre ich nachts nicht mehr!

Als ich der Werft den Auftrag – inzwischen war Mitte Februar – erteilte, kam die zweite Ernüchterung: Der Sliptermin am 17. März war auf keinen Fall zu halten. Die Reparatur könnte nicht vor April beginnen. OH JEE! Tatsächlich ist unser neuer Sliptermin erst am 9. Mai! So spät war ich bisher nur im ersten Jahr im Wasser.

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noch ist der Kiel dran, aber nicht mehr lang

Anfang April wurde dann endlich die Rasalhague in die Schiffsbauhalle verlegt. Nach dem ersten Wochenende stattete ich ihr ein Besuch ab und staunte nicht schlecht. Der Tisch und die Steuerbordkoje waren bereits ausgebaut. Und das Oberdeck war auch bereits abgeschliffen. Es geht also voran. IMG-20180415-WA0013Langsam musste ich auch mal tätig werden. Also machte ich mich vergangenes Wochenende daran und schliff den Rumpf IMG-20180415-WA0002mit 800er Körnung nass per Hand ab. Jetzt hatte ich endlich wieder einen weißen Rumpf, keine Schmutzschlieren, keine Kratzer . . . ok, ein paar kleine muss ich noch ausbessern. Auch der Heckspiegel wird wieder schön glänzen. Als nächstes gehe ich mit der Maschine und 1200er Papier drüber, bevor ein finaler Gang mit 2000 kommt. Anschließend wird nur noch mit Watte poliert und dann muss ich etwas rot und grau nachpinseln, denn vom Heckwappen habe ich etwas weggeschliffen.

Sowie der Kiel wieder dran ist, werden wir noch das Antifouling auftragen. Dann muss ich noch das Antennenkabel für das AIS in den Mast ziehen und die Antenne montieren. Auch die Kabelverlegung im Boot muss ich noch vornehmen, so lange alles ausgebaut ist. Außerdem werde ich noch die zwei zusätzlichen Solarpanele montieren, aber vielleicht auch erst nach dem Slippen.

Viel zu tun, aber ich freu mich schon auf das Ergebnis!

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