Das Drama mit dem Motor . . .

. . . geht in die zweite Runde. Nachdem die Techniker von der Werft den Krümmer, die Gewindemuffe und den Zylinderkopf ausgebaut hatten und ich die Versicherung informiert hatte, hieß es warten. Warten auf die Teile und warten auf den Gutachter. Simon gab mir dann Bescheid, dass die Teile Donnerstag eingebaut werden können. Also rief ich bei der Versicherung an und bekam die Nummer vom Gutachter, der auch prompt mittags die ausgebauten Teile besichtigen konnte. Schnell kam er zum Schluss, dass der Schaden nicht mutwillig herbeigeführt wurde, sondern tatsächlich durch Alter und Korrosion verursacht wurde. “Der hat mal länger gestanden, nicht war?” fragte er. Ich überlegte. “Vielleicht beim Vorbesitzer, aber das liegt jetzt auch schon vier Jahre zurück.” Bei dem Zylinderkopf kam die Frage auf, ob der Motor erneuert werden sollte oder nicht. “Neu? Wieso?” Simon zeigte mir weitere Korrosionsspuren am Einlass und den Ventilsitzen. “So können wir nichts gewährleisten. Er wird aber sicher laufen.” Auch der Gutachter meinte: “Die Motoren sind robust, das bisschen Korrosion macht dem nichts aus, aber ein Fachbetrieb gibt ihnen da keine Gewährleistung drauf.” Ich hatte die Optionen, die Ersatzteile einbauen zu lassen und auf die Gewährleistung zu verzichten oder das Boot wieder aus dem Wasser zu nehmen und den Motor komplett überholen zu lassen, was mindestens einen Monat dauern würde. Die dritte Option wäre ein neuer Motor, aber auch der wäre nicht morgen eingebaut. Also entschied ich mich für die schnelle Lösung, in der Hoffnung, der Motor wäre so robust wie der Gutachter ihn beschrieb.

Gegen halb acht rief mich Simon schließlich an, der Einbau wäre fertig und ich sollte rüber kommen für eine Testfahrt. Das tat ich dann auch. Leider sprang er erstmal gar nicht an. Die Leitung enthielten wohl noch zu viel Luft. Mit Vakuumpumpe, Startspray und viel Geduld gelang dann ein Starten. Aber er ging immer wieder aus. Ein Stunde später bekam Simon ihn dann endlich zum Laufen. Heike kam dazu um beim Verlegen dabei zu sein. Das Wummern des Motors klang schon nicht mehr so hart, doch quickte da irgendetwas. “Vielleicht ist der Keilriemen für die Kühlwasserpumpe zu straff.” meinte ich. Simon schraubte das Impellergehäuse etwas locker. Das Quieken blieb, aber wir versuchten doch eine Probefahrt.

Wir legten ab und fuhren zur alten Schleuse rüber, damit wir dem Schleusenverkehr aus dem Weg waren. Ich drehte gerade an, da ertönte das grässliche Warnpiepen und die Kontrollleuchte für das Kühlwasser ging an. Tatsächlich kam hinten auch kein Kühlwasser mehr raus. “Mach aus, mach aus!” rief Simon. Die Rasalhague trieb Richtung Fähranleger auf der Holtenauer Seite. “Wir können da beim Kransteg vom Yachtclub anlegen.” meinte ich zu Heike. Ohne Motor ging es aber nicht, also warf ich ihn nochmal an. Ich brauchte ja nur einen kleinen Pull. Ein älterer Mann kam angeschlurft und nahm uns an, guckte auf die ganzen Werkzeugkisten in der Plicht und meinte nur: “Das sieht nach Reparatur aus.” – “Motorschaden.” gab ich etwas niedergeschlagen zurück. Während Heike kurz nach Hause flitzte, guckte ich Simon über die Schulter, der gerade die Kühlwasserpumpe zerlegte und den Impeller kontrollierte. “Alles ok.” Beim Zusammenbau rutschte der Keilriemen runter und ich meinte, dass der ja auch eben zu locker gewesen sein könnte. “Vielleicht hab ich die Schrauben nicht richtig festgezogen und durch das Rütteln hat sich die Spannung weiter reduziert.” mutmaßte Simon. Auf jeden Fall starteten wir erneut und der Motor lief wieder. Kühlwasser kam hinten satt raus und die Leuchte blieb aus. “Sieht gut aus. Kein Quieken, kein Piepen, so soll es sein!”

Auf der anderen Kanalseite entluden wir dann das Werftmaterial und wollten dann endlich durch die Schleuse. Inzwischen wurde es dunkel. Wir verabschiedeten uns von Simon, der noch sagte: “Meldet euch, wenn ihr durch die Schleuse seid, so lange warten wir dann hier.” Dann machen wir los und legten am Sportbootanleger wieder an und warten auf das Schleusensignal. Ein Weile verging. “Ob die uns überhaupt sehen?” fragte Heike. “Ruf mal an, dann erfahren wir, ob wir überhaupt noch geschleust werden.” Gesagt, getan. Heike rief an und erfuhr: Eine Stunde Wartezeit. Erst 23:45 Uhr. Puuuh. Wir warteten brav weiter. “Und wenn wir hier bis morgen liegen bleiben?” Also rief Heike nochmal an und hakte nach. “Nee, sie dürfen da gar nicht an Land und müssten morgen bei Sonnenaufgang schleusen.” kam als Antwort. Kurz danach kam über die Gegensprechanlage die Ankündigung, das wir eine Soloschleusung nach der nächsten Ausfahrt bekommen. WOW! Unsere kleine Rasalhague ganz alleine in der zweitgrößten Schleusenkammer der Welt! Wie genial ist das denn? Also warteten wir auf den Frachter, der gerade aus der Nordkammer kam und fuhren dann ein. Beim Anlegen wäre beinahe noch ein Malheur durch ein unorthodoxes Anlegemanöver passiert, denn der Wind klappte uns unfreiwillig um und wir lagen damit verkehrt herum in der Kammer, aber bei der Größe juckt das niemand. Nur lagen wir jetzt jenseits der gelben Linie viel dichter am Tor als zulässig. Auch das juckte niemand. Das Tor ging auf und wir drehten raus. In der Förde sah ich die Lichter eines einlaufenden Frachters und gab daher Gas, schließlich sollten wir uns beeilen. Der Motor heulte auf – das klang schon nicht normal, viel zu hoch, also drosselte ich etwas – und lief vielleicht 10, 15 Sekunden bevor er sich wieder einigermaßen normal anhörte um dann abrupt auszugehen. HEEE? ‘Verflucht, was war denn jetzt wieder?’ Ich startete erneut, aber er ging immer wieder aus. “Oh nein!” ich sah den Frachter auf die Schleuse zu kommen. Wir mussten DRINGENDS weg! Mit Restfahrt trieben wir aus dem Zufahrtsbereich der Schleuse heraus und an der Schleuseninsel vorbei. Puuh! Wir waren aus dem Gefahrenbereich . . . aber noch nicht fest. Wir trieben weiter und hatten noch rund 200m bis zum Tiessenkai. Aber inzwischen sorgte der Westwind für mehr Querdrift als für Fahrt voraus. Ich ließ Heike ans Steuer und brachte die Fender alle an Steuerbord aus. Um mehr Fahrt, vor allem Manövrierfähigkeit zu bekommen, zog ich die Persenning runter und das Großsegel ein Stück hoch. Es wirkte. Heike konnte wieder mehr nach Backbord gehen und fünf Meter vor dem Traditionssegler Jan Huygen holte ich das Segel runter und Heike legte butterweich längsseits an. Der Skipper kam aus der Kajüte und guckte etwas komisch. “Eigentlich ist das kein Liegeplatz für Yachten.” ACH NEE! Wir beschnackten mit ihm kurz was los war und er willigte ein. Als letzte Aktion schrieb ich Simon noch eine SMS, es war halb eins. Sein Kommentar: “So ein Mist!”

Am nächsten Morgen eilte er zum Boot und besah sich das Dilemma. Nach Entlüften der Treibstoffleitung sprang der Motor prompt wieder an. Hatte sich die Entlüftungsschraube bei hoher Fahrtstufe locker gerüttelt und der Motor dadurch Luft gezogen? Ich fuhr zum Boot und wir machten eine kurze Probefahrt. So weit war alles ok, aber . . . “sag mal, ist das normal, dass die Lichtmaschine so extrem heiß wird?” fragte Simon. Uuuuh! Sicherheitshalber baute er sie aus und nahm sie zum Ausmessen mal mit. Hoffentlich kommt da nicht auch noch eine Hiobsbotschaft. Die blieb dann auch Gottseidank aus.

Ehrlich gesagt, langsam bekomme ich den Eindruck, das Universum hat was gegen uns! Allmählich nervt mich diese Odyssee mit dem Motor. WIR WOLLEN DOCH NUR SEGELN!

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2 Gedanken zu „Das Drama mit dem Motor . . .“

  1. Mion, das gleiche Problem mit dem Wasserschlag hatten wir letztes Jahr auch mitten auf der Schlei kurz vor Maasholm und haben zum Glück mit Rest Schub u. Rückkenwind eine rettende Box im Hafen erreicht.Die Reperatur des Yanmar YSM 12, hat mich ca. 400,- Euro gekostet. Ich spiele mit dem Gedanken mir einen stärkeren Motor mit 20-30 Ps einzubauen. In der Hoffnung auch mal gezielt Rückwerts fahren zu können. Aber die Kosten für einen neuen Motor schrecken mich noch ab.
    Das Deck sieht super aus………
    Gruß Michael

    1. Moin Michael, viele Motoren gibt es ja nicht zur Auswahl, da die Boström einen liegend eingebaut braucht. Ich würde mir (wenn ich wieder genügend Asche dafür hätte) einen 4-Zylinder holen, wegen der Laufruhe und dem Lärmpegel. Der Yanmar ist zwar robust und hält lange, aber er wummert gewaltig. Ich muss jetzt die Motorfüsse austauschen. Durchgerüttelt. Quietscht schon ziemlich bei hoher Fahrt.

      Vielen Dank für den Kommentar zum Deck. Das hat sich echt gelohnt! Wertet das Schiff gewaltig auf.

      Wart ihr Samstag auch dabei?

      Gruß Tobias

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