Sommertörn 2018 Teil 4 – Das dicke Ende kommt zum Schluss . . .

Tag 13: Montag, 30. Juli

DSC_1305Wir frühstücken in Ruhe, naja soweit die Wespen es zuließen. In Schweden war nicht nur eine Marienkäferplage, sondern auch wie bei uns besonders viele Wespen. Acht der angriffslustigen Insekten hatten wir gefangen, aber es kamen immer wieder welche. Schließlich half nur Abbacken und ignorieren. Da der Wind wieder gedreht hatte und nur schwach mit 2 Bft aus Süd kam, hieß es erneut das Vorsegel zu wechseln. Wir schlugen die G1 an und rechneten auch damit, das Spinnaker heute zum Einsatz zu bringen.

DSC_1319Heike machte noch eine kleine Erkundungstour und entdeckte tatsächlich etwas Besonderes: “Ales Stenar”. Auf dem Hügel oberhalb des kleinen Fischerortes waren 59 Granitbrocken mit neolithischen Gravierungen  die touristische Attraktion der Region. Das erklärte auch, warum busweise Touris angekarrt wurden. Um 600 n.Chr. wurden die Steine in Form eines Bootes aufgestellt und für einen Sonnenkalender verwendet.

Gegen Mittag liefen wir aus und machten uns auf den Weg nach Gislövs Läge. Leider hatten wir keine Seekarten von Mecklenburg-Vorpommern, sonst wäre die Heimreise dort lang gegangen. So mussten wir zwangsläufig dieselben Häfen wie auf dem Hinweg anlaufen. Trotz Spi blieb unser Tempo bei mageren 3-4kn. Der Wind nahm etwas ab und mehr Wolken zogen auf. Um sieben kamen wir an und da Bjarne unter Segel einlaufen wollte, brauchten wir den Motor so gut wie nicht, nur kurz zum Aufstoppen.DSC_1359-EFFECTS

Zum Abendessen machten wir uns zur einzigen Pizzeria im Ort auf. Gislövs Läge ist eben nur ein Vorort von Trelleborg. Auch wenn das Lokal den Eindruck eines Schnellimbisses macht, das Essen ist sehr gut!

Tag 14: Dienstag, 31. Juli

So wie wir am Vortag ankamen, so wollte Bjarne auch wieder ablegen: unter Segel. Nicht, das er eine Aversion gegen den Motor hat, aber er war eben ehrgeizig und wollte die Manöver genauso beherrschen wie ich. Früh übt sich . . . Mit gesetzter Groß zogen wir hinter und ließen uns in den Hafen driften, dann ging die G3 hoch und wir nahmen schnell Fahrt auf. Ein Skipper einer großen Yacht guckte dabei interessiert zu . . . “Vielleicht, weil bei ihm nur alles auf Knopfdruck geht,” ulkte ich. DSC_1396Wir waren gut unterwegs, da rief mit einmal Bjarne: “Da sind Schweinswale!” Tatsächlich! Uns begleiteten zwei Tiere dicht an unserem Backbordheck und ließen sich sogar dabei filmen, aber nur kurz, dann waren wir schon wieder zu langweilig für die Meeressäuger. Der Wind aus Ostsüdost hatte mit 3-4 Bft wieder etwas aufgefrischt und so brauchten wir für die 41,2sm nur wenig mehr als sechs Stunden. Gegen fünf hatten wir Klintholm erreicht.

Angespornt durch seine Erfolge wollte Bjarne auch hier wieder unter Segel anlegen und den Motor eine Pause geben. In der Hafeneinfahrt stand jedoch der Wind zu ungünstig und ich musste den Motor einschalten. Im Hafen noch einen freien Platz zu finden, war äußerst schwierig. Da keine Box mehr frei war, gingen wir am Molenkopf neben einer dänischen Yacht ins Päckchen, jedoch lagen dort alle Boote so sternförmig, dass jeder Zugang zum Steg hatte. DSC_1423Nach uns kamen immer wieder Boote an und umso unverständlicher war es für uns, wie eine große Yacht jede Anfrage zum Längsseitsgehen ablehnte. “Vielleicht wollen sie ja sehr früh los,” mutmaßte ich, “das kann ich dann schon verstehen.”

Tag 15: Mittwoch, 1. August

Als wir gegen acht ausliefen, war die große Yacht aber immer noch da. Früh wollten sie dann wohl nicht los. Vielleicht lag das auch an den Gewittern, die für heute vorhergesagt waren. Die G3 ließen wir angeschlagen, obwohl der Wind etwas schwach für das steife Segel war. Ich hoffte auch auf mehr Wind, der später am Tag kommen sollte. DSC_1432Vielleicht konnten wir das Ganze auch mit Spi-Segeln überbrücken. Tatsächlich reichte uns der Wind aus Westnordwest aber immerhin drei Stunden, bevor ich das Spi setzte. Die Gewitter zogen aller weiter östlich an uns vorbei.

Eine weitere Stunde verging und inzwischen schwächelte der Wind mehr und mehr und nach einer Stunde holte ich das Spi runter. Motor an. Grummel. Der Wind kam zum Erliegen. DSC_1438Klar, denn da kam eine Gewitterzelle genau auf uns zu. Die Ruhe vor dem Sturm. Aber glücklicherweise streifte uns das Unwetter nur und auf der Rückseite war der Wind. Die Vorhersagen hatten bisher eigentlich größtenteils gestimmt, so auch diesmal. Gegen 14:00 Uhr, nach zwei Stunden wasserquirlen, erstarb der Motor und die G3 gab uns auf Kurs 200° wieder 4,6kn Fahrt. Der Himmel hatte aufgeklart und wir waren kurz vor unserem heutigen Ziel. Nur . . . Gedser zu erreichen bei 4 Bft aus Süd bedeutete erst mal um Gedser Landrev zu kreuzen. Obwohl wir alle in den Hafen wollten, machten die ständigen Wenden eine riesen Freude, denn eine Tonne schaffte es glatt viermal ins Logbuch eingetragen zu werden:

14:08 – Kurs 200° FdW 4,6kn

14:45 – r.Tn. Gedser Landrev → 2kbl, Kurs 280° FdW 2,4kn

14:48 – r.Tn Gedser Landrev ← 30m, Kurs 200° FdW 3,1kn

14:49 – Kurs 300° FdW 4,2kn

14:50 – r.Tn Gedser Landrev ← 2m (in Spuckweite), Kurs 200° FdW 4,5kn

14:54 – Kurs 310° FdW 5,0kn

14:56 – r.Tn Gedser Landrev → 2 kbl (nicht mehr in Spuckweite)

Nach der nächsten Wende weigerte sich Heike, die Tonne nochmal zu notieren, obwohl die Jungs kicherten: “Guck mal Heike. Die Tonne ist wieder querab.”

Endlich hatten wir das Wendebecken vor dem Fährhafen erreicht und bargen die Segel. Unter Motor ging es dann in das enge Fahrwasser zum Yachthafen und um 16:13 Uhr war das Boot fest und seeklar zurück.DSC_1444

Tag 16: Donnerstag, 2. August

Die Wettervorhersage war ok, aber die Windprognose nicht. Nordwestwind mit 2-3 Bft, abnehmend. Wir schmiedeten noch am Vorabend einen Segelplan: früh raus, möglichst weit nach Westen kommen, um dann mit Spi bei schwachem Wind auf Südkurs den Belt zu queren. Das sah dann in der Praxis auch gar nicht so verkehrt aus. Morgens zogen wir gleich das Groß und den Spi-Bergesack hoch und warfen den Motor an und ließen ihn bis zu den Molenköpfen laufen, dann segelte Bjarne noch bis zum Ende des Fahrwassers, wobei er so dicht wie möglich an den Tonnen vorbei wollte.DSC_1487 So dicht, das Nils beinahe eine “gepflückt” hätte.DSC_1490 Das machte auch Sinn, denn gerade kam von Achtern die Fähre und brauchte Platz. Also raus aus dem Fahrwasser. Ab da ging es mit 270° wieder unter Motor südlich des Windparks Rødsand weiter bis zum Anfang des zweiten Windparks. Ab hier hielten wir mit gesetzter G1 und Kurs 210° auf Fehmarn zu. Ein klein wenig frischte der Wind wieder auf, aber für das Spi kam er zu weit von vorn, also packten wir das bunte Tuch wieder weg. Mit “am Wind” standen wir rund 2½ Stunden später ca. 4sm östlich von Staberhuk. Ein anderer Segler, der uns schon am Südosteck von Rødsand begegnet war, holte auf und ging Steuerbord achteraus an uns vorbei. Kurze Zeit danach gingen seine Segel runter und er lief unter Motor weiter. Nanu, Windstille? NATÜRLICH! Fehmarn will uns ja nicht. Auch wir mussten die Segel streichen und unter Motor weiter fahren.

Nach rund anderthalb Stunden, kurz vor Staberhuk, fing der Motor an zu bocken. Das klang vertraut, so wie . . . KEIN SPRIT MEHR! “Mach aus, schnell, aus!” rief ich noch. Obwohl die Tankanzeige noch Viertelvoll anzeigte, kippten wir 10 Liter nach und ich entlüftete gleich den Motor. Nach einer Weile taten mir die Fingerknöchel weh, da die Kraftstoffförderpumpe hinter den Zahnriemen zwischen Kraftstofffilter, Kühlwasserpumpe und Brennkammerblock sitzt und der Hebel nur mit verbogenen Fingern zu erreichen ist. “Versuch es mal.” sagte ich zu Heike, doch der Motor wollte nicht. Entlüften auf See ist ein Mist! Aber da die Rasalhague ja ein Segelboot ist, konnten wir wenigstens weiter segeln. Bloß . . . sehr weit kamen wir nicht . . . schließlich braucht man dafür was? Klar, WIND! Hinter Staberhuk verschluckte die Landabdeckung jeglichen Lufthauch und die Wasseroberfläche wurde spiegelglatt. Guter Rat war teuer, also holten wir die Paddel des Schlauchbootes hervor und ruderten ins nächste Windfeld, nur um mit ansehen zu müssen, wie auch hier die Flaute die See glättete und uns den Schweiß auf die Stirn trieb. Die Jungs paddelten wieder und ich entlüftete weiter.

Plötzlich ein Aufschrei! “Wind kommt auf.” Und gleich noch einer: “Das Paddel ist über Bord gegangen.” OCH NÖ! Notgedrungen musste Heike das bisschen Wind für eine Wende verwenden. Näher als 20m kamen wir nicht mehr heran. Bjarne zog sich seine Badehose an und schlüpfte in den Palstek der Heckleine, aber die war nicht mehr nötig, denn inzwischen war auch der letzte Lufthauch vorbei und wir trieben nicht mehr ab. Er stieg ins warme Wasser und schwamm los, sah aber das Paddel nicht und ließ sich von uns lotsen. Mit dem Paddel kam er dann glücklich zurück.

Uns half das Paddel aber nicht weiter, denn bis Burgtiefe waren es gut und gerne 6sm und mehr als 0,2kn bekamen wir nicht drauf. Als ein Motorboot in der Nähe vorbei brauste, winkte Heike es heran. Ich war äußerst vorsichtig, wollte ich doch keine horrenden Abschleppkosten riskieren. Es gibt ja Geschichten, die einem Bootseigner die Haare zu Berge stehen lassen und das Wasser in die Augen treiben, von wegen Bergegeld und Ansprüchen usw. Zum Glück war das Boot von der DRLG und die Hilfe “selbstverständlich”.  Ich gab eine lange Vorleine über (dreimal Wellenlänge konnte ich mir sparen bei Null Wellen), DSC_1503allerdings hatte der Bootsführer das nicht oft gemacht, denn der gab erst mal Vollgas und zog uns mit beachtlichen 5,6kn, dass die Bugwelle nur so rauschte. Der kleine 60PS Außenborder qualmte bereits kräftig und so stoppten wir auf, um die Schleppverbindung zu optimieren. Mit weniger Tempo und ohne Qualm ging es dann rein in den Hafen. Die eigentlich kritische Phase kam noch, denn unsere hilfsbereiten Retter waren keine Schleppprofis und daher wussten sie auch nicht, wie und wann die Schleppverbindung zu lösen sei. Wir trieben mit Restfahrt auf eine freie Box zu und wären beinahe von der Schleppleine herum geholt worden. Ich rief und gestikulierte, aber wegen dem Außenborder verstand man mich kaum. Gerade rechtzeitig kam die Leine los und mit Bootshaken gelang es uns die Heckleinen auf die Dalben zu legen. Auf der Pier standen genug Leute, die uns annahmen und anschließend darüber sprachen, wie bescheiden es ist, ohne Motor anlegen zu müssen. Stimmt, aber auch das sollte man können, denn jeder Motor kann ausfallen. Mit “bringt uns ein Sixpack Bier vorbei” brauste die DRLG wieder davon.

Puuh, wir waren im sicheren Hafen, das war ja noch mal gut gegangen.

Tag 17: Freitag, 3. August

Nach dem Frühstück machte ich mich ans Entlüften. Ich baute zunächst die Lichtmaschine ab, um dann den Kraftstofffilter ausbauen zu können. Mein stundenlanges Pumpen hatte den Filter gerade mal zu einem Sechstel gefüllt. Heike schüttete vorsichtig Diesel in den Filter und ich montierte die Leitungen wieder, verlor aber zwei Dichtungsringe aus Kupfer, die unter den Motor fielen. Heike flitzte zum Laden und holt mir 5 neue . . . für 8,10 €! WUCHER! Nach dem Zusammenbau lockerte ich die Entlüftungsschraube und pumpte mir dann immer noch einen halben Wolf, bis endlich Luftbläschen an der Schraube auftauchten und schließlich etwas Diesel austrat.DSC_1517 “Na also”, dann entlüftete ich noch die Zuleitung zur Brennkammer, indem ich den Dekompressionshebel drückte und manuell kurbelte. Auch hier trat nach ein paar Bläschen Kraftstoff aus. Prima! Nachdem ich alles wieder zusammengebaut und die Abdeckung vor den Motor gehängt hatte, wollte ich den Motor auch starten. Ich steckte denn Zündschlüssel rein und drehte . . . NIX! NANU? Kein Piepen? Es blieb mucksmäuschenstill. Da tat sich rein gar nichts, NULLKOMMANIX!

Oh weh! Was war denn jetzt wieder? Da weder ein Kontrolllämpchen anging, noch ein Piepsen zu hören war, vermutete ich das Problem an der Stromzufuhr. Allerdings waren alle anderen Verbraucher versorgt, wie das laufende Radio belegte. Mmmh, die Starterbatterie? Nein, die war doch neu und die Ladekontrolle zeigte auch voll an. Nachdem ich die Hundekoje freigeräumt hatte, kroch ich rein und besah mir den Kabelbaum hinter dem Motorpanel. Das sah in Ordnung aus. ‘Aber Moment! Warum ist das hier so nass?’ OH NEIN! Während ich am Motor schraubte, hatte Heike das Boot gereinigt und die Plicht abgesprüht und muss dabei so doll gespritzt haben, dass auch die neue Abdeckung nichts mehr brachte. Als alles von der Hundekoje runter war, guckte ich in den Batterieraum und dahinter. “AAAAAAAH” rief ich, denn die Bilge hinter dem Batterieraum war eine Handbreit hoch mit Wasser gefüllt. Über den Kabelkanal hatte das Wasser auch den Weg in den Batterieraum gefunden und stand da nun ein paar Zentimeter hoch unter den Batterien. MIST! Glücklicherweise waren aber alle Kabel und alle Kontakte trocken.

Im Hafen war ein Motorenservice, doch bevor ich mir einen teuren Handwerker wortwörtlich ins Boot holte, wollte ich es wenigstens mit einem kostenlosen Ratschlag von ihm probieren. “Mmmh, klingt nach der Sicherung.” AH, ja das hatte ich mir schon gedacht. Nur wo war die Sicherung? Mit der Dokumentation des Yanmar-Motors versuchte ich weiterhin das Problem zu lösen. Da hingen ja auch zwei lose Kabel rum . . . aber hingen die nicht da auch schon vorher? Dann entdeckte ich einen Kabelbaum, der über zahlreiche bunte Kabel verfügte. Ich konnte ein paar Adressen identifizieren und verfolgte ein rotes Kabel bis zur . . . SICHERUNG! Gut versteckt hinter dem Kraftstofffilter. DA, DA WAR AUCH DIE URSACHE! Eine Ader war mitsamt dem Kabelschuh abgerutscht. Da konnte der Motor ja auch gar nicht anspringen. Ich steckte den Stecker wieder drauf und probierte den Anlasser. Mit Hilfe des Startersprays rüttelte sich der Motor wach und ich hielt den Atem an. Er lief. Noch einmal Schwein gehabt! “Ok, dann trommle mal die Anderen zusammen, wir können los.” sagte ich zu Bjarne und machte den Motor wieder aus. SCHWERER FEHLER! Beim nächsten Anlassversuch ging er wieder aus. Ich entlüftete noch mal, aber da war nichts zu machen. Schlimmer noch, mit der Zange drehte ich die Entlüftungsschraube der Kraftstoffzuleitung dicht und überdrehte sie dabei. Plötzlich fiel ihr Kopf ab. OH MIST! Und der Motorladen war bereits geschlossen.

Nach 7 Stunden in den Bootseingeweiden gab ich am Abend entnervt und völlig durchgeschwitzt auf. Dann eben morgen ein Ersatzteil besorgen.

Tag 18: Samstag, 4 August

Noch vor dem Frühstück ging ich zum Motorladen und fragte den Verkäufer nach einer Hohlschraube mit Entlüftungsschraube. “Wenn, dann in unserem Laden in Burgstaaken drüben.” Aha, na super! Sollte ich 5km zu Fuß laufen? Mir fiel ein, dass eine Arbeitskollegin in Burg wohnte und lud sie spontan ein, sich bei der Gelegenheit das Boot anzuschauen und bat sie um den Gefallen, mich nach Burgstaaken zufahren. Wir frühstückten erst mal und keine 5 Minuten später stand meine Kollegin auf der Pier. In Burgstaaken bekam ich eine Hohlschraube, allerdings ohne Entlüftungsschraube.DSCPDC_0003_BURST20180804123940232_COVER Das würde auch gehen, da war ich mir sicher, denn das Entlüften ließ sich auch mit der Hohlschraube bewerkstelligen. Für die Schraube blechte ich nur 2 €, fuhr wieder zurück und versuchte die neue Hohlschraube einzusetzen. Das ging aber nicht. NANU? Ich hatte doch Gewinde und Steigung verglichen, warum passte die denn nicht? Bei genauerer Betrachtung musste ich feststellen, dass die neue Schraube einen halben Millimeter dicker war. VERFLUCHT!

Der Wind blies mit 4-5 Bft aus NW, nicht gerade die beste Windrichtung, wenn man nach Westen wollte. Aber welche Option hatten wir denn noch? KEINE! Also konnten wir auch unter Segel nach Hause fahren.

Ruckzuck war das Boot klar zum Auslaufen. Mit gesetztem Großsegel zogen wir uns in der Box hinter, während einer auf der Pier den Bug mit verlängerter Vorleine im Wind hielt. Nicht ganz leicht, aber glücklicherweise waren neben uns einige Boxen frei, so dass wir Raum für so ein Manöver hatten. Endlich waren die Heckleinen los und wir raus aus der Box. Der Bug klappte nach Backbord ab und mit raumen Wind nahm die Rasalhague etwas Fahrt auf. “Und rum!” sagte ich zu Bjarne. Er halste über Backbord und mit nicht ganz 2 kn ging es aus dem Hafen. Bevor wir in die Rinne einschwenken konnten, kam ein Segler unter Motor von Steuerbord. Ich bedeutete ihnen, sie sollten ihre Fahrt drosseln und rief “Wir können nur unter Segel raus.” Die Antwort machte mich sprachlos: “Dann fahrt doch schneller.” Natürlich machte er keine Anstalten, langsamer zu werden. Im Gegenteil: er erhöhte das Tempo, um vor uns ins Fahrwasser zu kommen. “Was ist denn das für ein . . . ?” ich sprach es nicht aus, doch Nils vervollständigte meinen Satz: “Riesenarsch.” In der Rinne zum Hauptfahrwasser konnten wir auf Backbordbug segeln, allerdings mehr schlecht als recht. Wegen dem Idioten kamen wir nicht auf die rechte Seite und verdrifteten durch den Wind dann auch noch auf die linke Seite. Genau dort war aber die Hafenmauer. “Fender raus an Backbord! Schön aufpassen!” Bjarne wollte immer wieder in den Wind gehen, um von der Mauer wegzukommen, doch verloren wir damit Fahrt. “Halte den Kurs. Schön weiter so.” Wir kamen der Mauer immer näher. Ich bereitete mich schon auf das Abfendern vor, aber dann sah Bjarne, dass das bisschen Bugwelle von der Mauer reflektiert wurde und uns auf Abstand hielt. Nicht viel mehr als ein Schuhkarton hätte dazwischen gepasst. Mit der Tiefe passte das auch gerade so. Wären wir hinter der Mauer nach Backbord aus dem Fahrwasser gegangen, hätte es geknirscht. Die letzte Tonne des abzweigenden Fahrwassers konnten wir schnibbeln, da hier die Tiefe gegeben war. Bjarne drehte über Backbord und langsam glitten wir ins  Hauptfahrwasser, wo Heike gleich das Vorsegel – die GI – setzte, damit wir mehr Fahrt aufnehmen konnten. Hinter uns rauschte der Ego-Segler von eben heran, der nicht abgekürzt hatte. Dann kam uns auch noch ein Motorboot entgegen. Der Fahrer gestikulierte wild, weil wir auf der linken Seite langkrochen, anstatt uns rechts zu halten. Aber auch nur weil uns gerade der Idiot von vorhin – jetzt mit gesetzten Segeln aber immer noch unter Motor – wieder regelwidrig an Steuerbord überholt hatte, also luvwärts und uns damit den Wind nahm. ‘Was ist denn heute nur los?’ dachte ich.

Als wir das Fahrwasser dann verlassen konnten, legte sich die Rasalhague auf Backbordbug und jagte mit 6kn zum Fehmarnsund-Fahrwasser. OH WEH! Der Wind kam genau aus Richtung Brücke, unter der wir durch mussten, und das Fahrwasser ist verdammt eng. Außerdem war eine Menge los auf dem Wasser. Alles, was schwimmen konnte, war draußen. Das machte die Kreuz nicht leichter. Eine erste Wende verlief etwas langsam, zeigte mir aber, dass die GI uns zu viel Höhe kosten würde. “So schaffen wir das nie! Die Genua muss runter. Vielleicht reicht uns das Groß.” meinte ich zu Heike. Also ging die Genua wieder runter und allein unter Großsegel, das wir mithilfe der Bullenstander extrem auf “Hart am Wind” trimmten, konnten wir uns mit zwei, drei Schlägen schon etwas an die Brücke heranpirschen. Glücklicherweise war neben dem Fahrwasser noch Platz und ausreichend Tiefe vorhanden, so konnten wir zwischen den einzelnen Wenden immer genug Fahrt aufnehmen. Ein kleinerer Segler kreuzte ebenfalls das Fahrwasser zur Brücke hoch, war uns aber bereits um zwei Schläge voraus und hatte neben Groß auch eine Genua gesetzt. Als sich der Abstand zusehends vergrößerte – der Segler war inzwischen vier Schläge voraus – und wir gerade nach einer Wende auf Backbordbug mit kaum mehr als 3kn “dahinkrochen”, wollte ich die Genua wieder dazu nehmen. Heike heißte auf und siehe da, jetzt ging es auch für uns viel besser voran. Bis zur Brücke hatten wir uns auf einen Schlag Rückstand wieder heran gekämpft, da wir gut getrimmt höher an den Wind konnten. Bjarne, Nils und Heike hatten sich prima eingespielt. DSC_1518Auf mein “Klarmachen zur Wende!” kam ein dreifaches “Klar zum” zurück. Die Wenden wurden immer besser und schneller, so dass wir kaum Fahrt verloren. Hinter der Brücke konnten wir dann endlich mit 260° einen längeren Schlag laufen und im Nu hatten wir den kleineren Segler eingeholt.

Was jetzt folgte, war aber nicht minder anstrengend. Die 30sm nach Hause wurden zu einer elenden Kreuz! Der Wind nahm zu und die Wellen auch. Während der Durchschnitt vielleicht bei einem Meter war, kamen zwischendurch immer wieder Kaventsmänner von anderthalb oder zwei Metern. “Kaventswelle” rief Nils, und das Vorschiff wurde überspült.  “Lass uns mal das Vorsegel wechseln.” meinte Heike. Es war 19.00 Uhr und der Wind frischte weiter auf. Ich drehte in den Wind, die Arbeitsfock ging hoch und die Genua wurde an die Reling gebändselt. “Jetzt krängt das Boot nicht mehr so, oder?” fragte Bjarne, dem die Schräglagen immer noch nicht geheuer waren. “Nein, das bleibt so, nur können wir höher an den Wind.” Bei einer schnell durchgeführten Wende holte das Boot kräftig über. Unten schepperte es. Heike verschwand unter Deck und als sie gerade wieder ihren Kopf herausstreckte, rief sie: “Oha, die Solarzelle!” Ich guckte hinter. Die Zelle hing nur noch mit den beiden unteren Schrauben am verbogenen Gestell. “OH, Mist!” Heike sicherte die Zelle und verstaute das Modul unter Deck. Da der Himmel bewölkt und die Sonne eh schon untergegangen war, brauchten wir sie auch nicht mehr.

Wir hatten alle bereits unsere Monturen angezogen, denn es wurde kühler und immer häufiger kamen Wellen über. DSC_1526-EFFECTSWeil das Boot auf Backbordbug mit der Back fast im Wasser war,  schleiften wir alsbald die GI im Wasser mit. Ich übergab Heike das Steuer und enterte auf das nasse Deck. Mit Gummibändern zurrte ich das Segel so fest wie möglich an die Reling. Nur eine Viertelstunde später hatte sich wieder eine Brog der GI durch Wind und überkommende Wellen gelöst. Jetzt kletterte Heike auf die Back, um das Segel zu bergen. Ich drehte leicht in den Wind, so dass weniger Druck in der Fock war und sie besser auf der Back hantieren konnte, aber Heike bedeutete mir, ruhig auf Kurs zu bleiben. Als sie fertig war, kam sie hinter und war völlig erledigt. Auch ihre Jacke war durchgeweicht, aber das Segel war geborgen.

DSC_1532In der hereinbrechenden Dunkelheit kreuzten wir uns durch die Hohwachter Bucht, vorbei an Brasilien und Kalifornien und hatten endlich die Leuchtfeuer von Kiel im Blick. Noch einen letzten Schlag nach Norden, dann konnten wir direkt mit 240° in die Strander Bucht einlaufen. Da wir unter Segel in den Hafen mussten, und der Wind immer noch mit 4-5 Bft ganz ordentlich blies, ging die Fock vor der Hafeneinfahrt runter. Hier schwächelte der Wind plötzlich und allein unter Großsegel kamen wir mit 0,3kn nicht rein, da die Abdrift größer war als der Vortrieb. “Die Fock muss nochmal hoch,” sagte ich zu Heike, “zumindest ein Stück.” Ich drehte nochmal ab. Die Fock flatterte ungetrimmt, aber das allein verschaffte uns 2 kn Fahrt. Wir fuhren in die Hauptgasse rein und krochen bis zur Promenade vor. Dort lag ein kleines Motorboot . . . QUER in der Durchfahrt! Zum Ausweichen hatte ich nicht genügend Fahrt mehr. Die Rasalhague schubste sanft das Boot beiseite und wir kamen endlich durch. Unsere Box erreichten wir jedoch mit dem lauen Lüftchen nicht mehr, die Segel gingen runter und mit Bootshaken hangelten wir uns an den Dalben bis zu unserer Box vor. Endlich waren alle Leinen über. GESCHAFFT! Es war 02:30 Uhr und wir völlig platt. Wie gut, das wir hier gleich in die Kojen fallen konnten!

Nach drei Wochen hatten wir rund 620sm dann doch nicht ganz abenteuerfrei bewältigt.

ENDE

Film zum Teil 4: Das dicke Ende kommt zum Schluss . . .

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Sommertörn 2018 Teil 3 – Bornholm und die “Erbsis”

Tag 7: Dienstag, 24. Juli

Von Christian und Andrea, die von Bornholm kamen und über Schweden wieder auf Heimatkurs waren, erfuhren wir ein paar must-have-seen. U.a. wurde der Hafen Hammerhavnen schwer empfohlen. Na, dann nichts wie hin. Der Wind kam weiterhin aus SW und hatte mit 3-4 Bft genau die richtige Stärke, damit wir zügig aber entspannt mit der G1 das Bornholmsgatt und damit das Verkehrstrennungsgebiet queren konnten. Sogar richtig vorschriftsmäßig: mit Kiel im rechtem Winkel zur allgemeinen Fahrtrichtung.

HUI! Hier war was los. Bjarne stand am Steuer und ich guckte nur DSC_0759gelegentlich hoch, ob wir da irgendeinem zu nah bzw. in Quere kamen. Aber hauptsächlich war ich damit beschäftigt, aus “Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär” vorzulesen. Als ich heiser zu werden drohte, übernahm Heike und las weiter. Nach einer Weile braucht auch Heike eine Pause, aber weil es gerade soooooo spannend war, musste ich dann wieder von Kakertratten, Lügengladiatoren und Haifischmaden vorlesen.

Gegen halb fünf standen wir vor Hammerhavnen und mussten noch einem Fischernetz vor der Hafeneinfahrt ausweichen. Segelbergen und rein in den Hafen. Drinnen war es voll und kein freier Platz in Sicht. Gerade kam ein Boot aus dem Innenhafen und rief uns zu, dass dort eine Box frei sei, aber nur mit 2,80m Breite. Okay, na das passt gerade so. Bjarne steuerte uns in den inneren Hafen und achtete auf die Wassertiefe. Ich ließ ihn das Boot ausrichten und rein ging es. Denkste! Das waren keine 2,80m! DAS WAR WENIGER! Zwischen Rumpf und den Metallschwimmern war kein Platz mehr. Der Rumpf steckte fest. Die Fender passten auf keinen Fall mehr rein, aber wir DSC_0774hatten ja Fenderkissen, die man dazwischen klemmen konnte. Ich kletterte auf den Schwimmer . . . und sank bis zu den Knien ins Wasser. Der Y-Steg rutschte unter das Boot und mit ihm auch ich. So bekam ich allerdings das Kissen dazwischen. Auf der anderen Seite war ein Fender unter den Schwimmer geraten. Als ich mich nun hinausbegab, um das Fenderkissen zwischen Rumpf und Metallarm zu klemmen, flog mit einem Mal der Sicherungssplint der oberen Reling raus und prompt sanken Bjarne und ich auf dem Schwimmer noch tiefer. Schnell das Kissen dazwischen und schon klemmte das Boot sicher und ruhig in der Box. Was nicht passt, wird passend gemacht . . .

Vor dem Abendessen liefen wir hoch zum alten Steinbruch, in dem jetzt große Seen mit imposanten Klippen vor allem Möwen als Nistplatz dienen. DSC_0810Früher wurde hier Granit abgebaut, im Mittelalter für die Burg Hammershus, später für Kopfsteinpflaster in Kopenhagen und anderen Städten.  Von da war es dann auch nicht mehr weit bis zum Leuchtturm Hammerodde, von dem man einen schönen Rundumblick hat.

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Tag 8: Mittwoch, 25. Juli

Heute war Pause angesagt, also schliefen wir aus und gingen nach dem späten Frühstück zu Fuß zur Burgruine hoch. Abseits vom Wasser und vom Wind wurde es sehr schnell brütend heiß.   DSC_0903 Der Aufstieg zur Festung tat sein übriges. Jeder Schatten war willkommen, aber schlimmer noch war der Durst! Im nahe gelegenem Foyer mit Bistro gab es erst mal eine Erfrischung.

Durch eine interessante und abwechslungsreiche Landschaft liefen wir die paar Kilometer auf die Ostseite rüber. DSC_0918In Allinge wollten wir etwas Frischkost einkaufen. Am Hafen entdeckten wir jedoch eine Fischräucherei mit großem Büffet und ließen uns gleich zum Abendessen dort nieder. Die “Nordbornholms Røgeri” können wir nur empfehlen, sehr lecker! Auch das hiesige Bier.

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Nach dem Einkauf ging es anschließend entlang der Straße nach Sandvig und die drei Kilometer zurück nach Hammerhavnen.

Tag 9: Donnerstag, 26. Juli

Das Ablegen war weniger problematisch als das Anlegen in dieser Box. Wir flutschten quasi wie ein Korken raus . . . nur nicht so schnell. Vor dem Hafen waren noch mehr Fischereizeichen, aber da es schnell tiefer wurde, waren die Netze keine Gefahr. Unser Kurs ging um die Nordspitze herum und dann mit 090° direkt auf die Ertholmene zu. Unser Tagesziel: Christiansø. Der Wind kam mäßig mit 2-3 Bft, Tendenz abnehmend aus Nordwest, also eigentlich ideal, jedoch krochen wir fast zwei Stunden mit nicht mehr als 3,5kn entlang. Gegen 13:00 Uhr zog es immer mehr zu und nur zwanzig Minuten später fiel die Sicht unter 200m: NEBEL! Der Wind kam fast vollständig zum Erliegen und wir konnten gerade noch einen anderen Segler ausmachen, der ebenfalls nach Christansø wollte. “Dann machen wir mal den Motor an.” seufzte ich. Schon wieder eine längere Strecke unter Motor, denn noch waren es rund 6sm bis zu den Erbseninseln. DSC_0954Eine halbe Stunde später lichtete sich der Nebel wieder, doch der Wind blieb mau. Also weiter unter Motor. Die “Erbsis” – wie Nils sie nannte – kamen endlich näher und kurz vor vier hieß es dann auch: “Klarmachen zum Einlaufen, Fender an Steuerbordseite, Boot geht längsseits ins Päckchen.” DSC_0959Der Hafen war bereits gut gefüllt und in Ermangelung an Boxen musste man sich mit ins Päckchen legen. Wir gingen längsseits an ein Boot aus Stockholm und waren das dritte Boot. Später kam noch ein kleines Boot aus Polen, das an uns festmachte.

Schon beim Einlaufen in den Sydhavn merkten wir die ganz besondere Stimmung auf diesen Inseln. Auf Fredriksø, der kleineren Insel, spielte eine Band in einem Biergarten. Die Musik war im ganzen Hafen zu hören, da dort alles sehr überschaulich ist. Gerade mal 78 Einwohner zählen die  felsigen Inselchen, die erst mit dem DSC_0970Festungsbau 1684 dauerhaft besiedelt wurden. Lustigerweise gehören die Inseln bis heute nicht zu Bornholm, sondern sind direkt dem Verteidigungsministerium unterstellt, obwohl die Festung 1855 aufgelöst wurde und eigentlich nur noch von Zivilisten bewohnt wird. Prompt bekam ich auch eine Rüge, als ich mit meiner Selfie-Drohne ein paar Luftaufnahmen machen wollte. Natürlich filmte ich weiter, landete aber und just als der Quadrocopter aufsetzte, sagte der Däne: “oh, they are so fantastic . . . “.

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DSC_1077Heike hatte derweil mit Bjarne die gesamte Insel erkundet, das dauerte auch nur eine halbe Stunde, aber hinterließ einen bleibenden Eindruck. Übrigens ist das Mitbringen von Haustieren nicht gestattet, da es einige endemische Tierarten gibt, die geschützt sind.

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Tag 10, Freitag, 27. Juli

DSC_1127Wir mussten Christiansø früh verlassen, denn der Kai wurde für das Versorgungsboot benötigt. An der Pier stapelten sich dementsprechend leere Bierfässer und Paletten. Der Wind hatte zugelegt und kam aus Nordost mit 4-5 Bft. Da wir mit raumen Wind segeln würden, entschied ich dennoch die G1 zu setzen. Um halb zehn waren wir bereits raus und die Segel gesetzt.

09:27 – Kurs 190°, FdW 6,5kn

09:55 – Kurs 180°, FdW 6,6kn

12:22 – G.Tn. Sandhammer Rev Ost → 20m, Kurs 200° FdW 5,9kn

12:28 – Klarmachen zum Segelbergen, G1 ↓, Kurs 240° FdW 4,9kn

12:35 – Kurs 310°, FdW 4,2kn, Ansteuerung Snogebæk Havn, Motor an

12: 38 – Kurs und Fahrt nach Weisung, GS ↓

12:43 – Boot hat Snogebæk Havn, Außenmole festgemacht, Boot seeklar zurück

             zurückgelegte Distanz: 20,3sm

Für den Hafen von Snogebæk hatten wir uns entschieden, weil die Jungs unbedingt in einen kleinen Hafen einlaufen wollten, der mitten im Wasser stand, rund 200m von Strand entfernt und nur über eine Brücke erreichbar war. Die Ansteuerung war wieder eine Deckpeilung und diesmal konnte Bjarne auch einwandfrei Ober- und Unterfeuer ausmachen. Trotz Wellenbrecher war der Liegeplatz an der Außenmole unruhig. Zunächst dachte ich daran, längsseits festzumachen, doch schnell erkannten wir, dass man da mit Bug an der Pier und achtern an einer Boje festmachen musste. Ich stoppte das Boot auf, doch durch Drift waren wir von der Boje bereits zu weit weg. Neuer Anlauf. Diesmal klappte es besser und Heike konnte unsere Heckleine durchfädeln. Das eigentliche Drama mit diesem Liegeplatz begann dann aber erst. Nach drei Stunden hatte der Wellenschlag das Boot so lange aufgeschaukelt, dass die Backbordvorleine am Eisenring ständig schamfilte und riss. Heike war gerade zugegen und sicherte danach das Boot mit dreifacher Leine. Glücklicherweise hatte ich zwei neue Leinen immer als Ersatz dabei. Außerdem waren auch noch zwei alte Leinen an Bord. Da der Wind immer weiter zunahm, wurde der Liegeplatz immer ungemütlicher und einen anderen konnten wir nicht nehmen, weil nur hier an der Außenmole genügend Tiefe vorhanden war. Mit jeder Welle ging ein Ruck durch das Boot und ließ Bjarne und mich das schlimmste für die Leinen befürchten. So viele Ruckdämpfer hatten wir nicht, was nun?

DSC_1179Vom Nachbarboot guckte sich der findige Bursche eine einfache Lösung ab. An der Pier hingen Autoreifen an Ketten. Also fädelte er die Leinen durch die Ketten anstatt durch die Ringe auf der Pier. Das Gewicht der Autoreifen wirkte wie eine Feder, die gespannt werden muss und somit ruckte das Boot nicht mehr und wir konnten später dann auch ruhig schlafen.  Vorne waren wir mit sechs Leinen gesichert, hinten reichten zwei aus.

Den Nachmittag verbrachten wir zur Freude von Nils am Strand. Das Wasser war herrlich warm. Ganz ungewöhnlich für die Ostsee.

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Der Abend sollte mit einem besonderen astronomischen Ereignis gekrönt werden, doch sah es zunächst nicht vielversprechend aus, da es ziemlich dunstig war. Ich hatte mich schon damit abgefunden, das Spektakel nicht sehen zu können, da sagte unsere Nachbarin: “Did you see the blood moon?” – “No, it’s too misty.” antwortete ich. “Sure, there he is.” Sie zeigte auf den Himmel. Tatsächlich schälte sich ein blasser orangeroter Vollmond aus dem Dunst, der sich immer mehr auflöste. Schließlich war der Mond sehr deutlich kupferfarben am Himmel zu sehen und just darunter auch rötlich leuchtend Mars, der zur selben Zeit seine größte Erdannäherung hatte. Sehr beeindruckend!

Tag 11: Samstag, 28. Juli

Am Morgen mussten wir dann feststellen, dass alle sechs Vorleinen ernste Schäden durch Schamfilung aufwiesen. Eine weitere Leine war in der Nacht durchgerieben worden. OHAUAHA! Das war nicht gut. Glücklicherweise konnte man eine Leine noch verwenden, aber ab sofort mussten die Liegeplätze um einiges ruhiger sein. Noch so eine Nacht und wir hätten keine Leinen mehr!

Gegen halb eins ging es endlich raus, den wir wollten unsere Umrundung von Bornholm fortsetzen und auf die Westküste verlegen. Da der Wind weiter auf Ost gedreht hatte und inzwischen deutlich ruhiger daher kam, konnten wir südlich der Insel das Spi setzen und vorm Wind segeln. Doch kurze Zeit nach dem Setzen verhedderte sich das Segel mal wieder am Vorstag und wickelte sich inklusive Bergeleine darum. Weder Bergen noch Ablassen war nicht möglich. Mühsam mussten Heike und ich das Segel eindrehen, damit es sich nicht mehr aufblähte. Erst jetzt ließ es sich um das Stag zurück wickeln und dann endlich konnte man es damit Bergesack runterholen. Fast eine Stunde kämpfte ich mit dem Spi auf der Back und verlor dabei meine Skipper-Cap, bevor wir es sauber klariert wieder setzen konnten. Das Handling will echt geübt sein und beim Segeln muss man tierisch auf den Trimm achten, denn wenn es sich einmal anfängt einzudrehen, dann hilft meist nur noch Bergen.

Um halb sechs standen wir vor Rønne, dem Hauptort von Bornholm. Unser Ziel lag etwas nördlich, der Yachthafen Nørrekås, der zwar zu Rønne gehört, jedoch deutlich ruhiger ist, da die anderen Möglichkeiten vom Fährverkehr beeinträchtigt sind. Erst mal verschwanden die Jungs zum Baden, DSC_1209dann gab es im “Cafekaas” direkt am Hafen ein Eis und später tapertern wir in den Ort hinein, auf der Suche nach einem dänischen Lokal und landeten im “Texas”, eine urige Bar mit gutem Essen, aber so gar nicht dänisch.

Tag 12: Sonntag, 29. Juli

Um noch etwas von Rønne zu sehen, entschieden wir uns für ein Nachtsegeln, oder besser gesagt: ein In-die-Nacht-Hineinsegeln. Nach dem späten Frühstück liefen wir bei schönstem Wetter in die Stadt und machten einen kleinen Zwischenstopp in einem Café in der Fußgängerzone. Eigentlich, so der Plan, wollten wir ins “Ishus”. Bereits am Vorabend hatten wir dort eine lange Schlange gesehen, so beliebt war die Eisdiele. Auch Hinweise aus dem Netz sprachen von einem lohnenden Besuch, aber dann gewann doch der Durst und verlockende Belgisk Wafler og Fløde.

Am frühen Nachmittag kehrten wir zum Boot zurück und bereiteten das Auslaufen vor. Der Wind hatte wieder zugenommen und kam mit 4 Bft aus West. Mmmh, das würde ein Hart am Wind mit der Fock sein. Ich schlug das Tuch an und gegen 14:00 Uhr liefen wir dann aus. Bjarne steuerte im Vorhafen so lange in den Wind, bis wir beide Segel gesetzt hatten, denn die Hafeneinfahrt war recht dicht am Strand und die Brandung nicht gerade gering. Bei den Wellen musste da keiner auf der Back rumturnen, wenn es sich vermeiden ließe.

DSC_1279Ystad ließ sich nicht direkt ansteuern, dafür kam der Wind nicht genug aus südlicher Richtung. Wir liefen mit 320° die schwedische Küste an, leider nicht ganz so vorschriftsmäßig >mit Kiel im rechten Winkel zur allgemeinen Fahrtrichtung< durch das VTG Bornholmsgatt, denn das war bei dem Wind nicht möglich. Glücklicherweise störte es auch niemand, denn der Schiffsverkehr ging glatt vor und hinter uns durch. Die Wellen wurden höher und höher und der Wind steifer. Plötzlich machte es “Plock” und ich sah noch im Augenwinkel einen Gegenstand bei den Backbordwanten über Bord gehen. OH SCHRECK! Oben im Topp war alles vorhanden! Oh nein, die Kamera! Wir hatten eine wasserdichte Actioncam mit Gelenkarm und Adapter mit dem doppelseitigem Klebepad an den Mast geheftet, aber der ständigen Vibration im Mast und dem Salzwasser hatte der Kleber nicht standgehalten. Hätte ich das mal lieber mit einer Leine zusätzlich gesichert. Naja, bei der Actioncam handelte es sich um eine Hyundai Eagle Eye, die gerade mal 20 € kostete. Das konnte ich verschmerzen. Wie gut, das ich jeden Abend die Fotos und Filme auf den Laptop zog, so gingen uns auch nicht die Aufnahmen verloren.

Gegen Abend zog es sich immer mehr zu und der Wind ließ nur wenig nach. Um sieben ließ ich wenden, damit wir uns der schwedischen Küste entlang nach Westen hangeln konnten, aber mit 180° war kaum an ein westlichen Kurs zu denken. Das kam uns aber auch recht, weil wir östlich der Untiefe vor Sandhammaren standen. Mit längeren Schlägen kreuzten wir uns nach Westen vor. DSC_1293Gegen 21:12 Uhr beobachteten wir den Sonnenuntergang und die Positionslichter gingen an. Bjarne zeigte ich die verscheidenen Methoden, den Ort zu bestimmen und er übte ein bisschen. Ystad war außer Reichweite bei dem Wind. Da wären wir die ganze Nacht am Kreuzen gewesen. Also hatten wir schon recht früh beschlossen, Käseberga anzusteuern.

Der Hafen bot bei Westwind guten Schutz, war aber nicht leicht bei Dunkelheit DSC_1302anzusteuern. Das Leuchtfeuer war erst aus etwa drei Meilen auszumachen. Die Einfahrt war schlecht beleuchtet und daher ließ ich den Scheinwerfer gleich bereitlegen. Bjarne ging vorsichtig beim Ansteuern vor und Heike und ich lotsten ihn dann zwischen den Molenköpfen durch. Dahinter befand sich ein kleines aber dennoch geräumiges Hafenbecken, in dem nur längsseits Liegen möglich war. Neben der Slipanlage war ein freier Platz und ich ließ Bjarne darauf zu halten. Der Anlauf war gut, aber mit Ruder und Maschine reagierte er etwas zu früh. Wir kamen nicht dicht genug an die Pier. Zweiter Versuch. Der war geradezu perfekt. Bjarne ließ spät das Heck rum kommen und stoppte kräftig mit der Maschine auf. Das Boot stand genau richtig. Ein Schwede war extra aufgestanden und half uns beim Leinenhandling. “Vor- und Achterspring ausbringen.” Fertig. Beim Eintrag ins Logbuch war ich dann doch überrascht. Wir hatten 51,9sm zurückgelegt, was aber mit Sicherheit an der Kreuz lag. Da der Hafenmeister um 23:00 Uhr natürlich nicht mehr anzutreffen war, suchte ich den Automaten und fand nur das Schild: “Liegeplatzgebühr bitte beim Parkplatzautomat bezahlen”. HUCH! Auch ein netter Einfall.

Fortsetzung folgt . . .

Film zum Teil 3: Bornholm und die “Erbsis”

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Sommertörn 2018 Teil 2 – Wiedersehen in Schweden

Tag 4: Samstag, 21. Juli

Klintholm ist Dreh- und Angelpunkt für alle, die an der Ostküste rauf nach Kopenhagen, Malmö und zu den Westschären wollen, aber auch für jene, die an Skåne entlang zur Ostküste Schwedens oder direkt nach Bornholm segeln wollen. Wir blieben bei Tagesetappen von rund 30 bis 40 Meilen und hatten Gislövs Läge in der Nähe von Trelleborg als Tagesziel auserkoren. Bereits vor zwei Jahren waren wir hier auf unserer Stippvisite in Schweden. Ich hoffte auf eine mittlere Brise aus Nordwest bis West, damit wir DSC_0651wieder unter Spinnaker den Schlag nach Schweden segeln konnten, doch der Wind wollte nicht so recht. Kaum 2 Bft. Um kurz nach acht legten wir ab, zogen das Spi hoch und nahmen nach einem kurzen Versuch das blaue Tuch wieder runter. Auch die G1 brachte nichts, also mussten wir den Motor anwerfen, obwohl ich mit Heike noch vor dem Törn besprochen hatte, dass der Motor nur zum Ein- und Auslaufen herangezogen werden sollte. Unnötige Vibrationen sollten vermieden werden, so lange die neuen Motorfüße nicht eingebaut waren.  Jetzt sahen wir uns gezwungen, die knapp 40sm unter Motor zu laufen. Leider rächten sich die zwei Strandtage jetzt, denn wir hatten nur noch einen Tag Puffer. DSC_0575Wir waren gerade rund anderthalb Meilen südlich von Mønsklint, da tauchte kaum 20m vor uns etwas im Wasser auf. Ich dachte zunächst an einen Schweinswal, doch das Ding blieb sichtbar und tauchte nicht ab. Ein treibender Baumstamm! OHA! “Das ist eine Sicherheitsmeldung wert.” sagte ich zu den Jungs und ging ans Funkgerät. “SECURITÉ, SECURITÉ, . . . ” Kaum das ich den Spruch abgesetzt hatte, sahen wir auch die uns folgenden Boote abdrehen.  “Ok, die scheinen den Spruch bekommen zu haben.”

Gegen die Langeweile half nur Stricken, DSC_0582Rätsel lösen oder Steuern, doch unter Motor macht das weniger Spaß. Kurz vor vier liefen wir in Gislövs Läge ein. Das waren 38 sm unter Motor . . . hoffentlich die letzten Meilen ohne Wind.

DSC_0602Später sicherten wir uns noch einen Grillplatz und spazierten am Strand entlang, der zwar schön, aber für empfindliche Nasen doch gewöhnungsbedürftig ist. Überall lag verrottendes Seegras und so bräunliche Algen rum . . . und die rochen sehr intensiv.

Tag 5: Sonntag, 22. Juli

Heute ging es an der Südküste Schwedens weiter entlang nach Osten. Nächster Halt: Ystad. Das Wetter hatte sich geändert, es war vollkommen bedeckt und der Wind kam schwach mit nur 2 Bft aus West. Besser ging es ja gar nicht. Das musste natürlich unter Spi gesegelt werden. Gesagt, getan. Zunächst hatten wir raumen Wind, weil wir mit 135° noch am LT Kullagrund vorbei mussten. Aber was war das? 0kn auf der Logge und nur 1,6kn FüG laut GPS? OH WEIA! Tatsächlich ging es nur gemächlich um den Leuchtturm. Gegen drei frischte der Wind auf und kam jetzt mit 3-4 Bft aus SW. Schon nahmen wir Fahrt auf. Auch klarte der Himmel auf. DSC_1348Gegen halb sechs hatten wir die Ansteuerung von Ystad erreicht, das Spi kam runter und kurz danach auch das Großsegel. Eine freie Box am “Gästhamn” zu finden, war nicht schwer, Strom zu bekommen jedoch sehr! Wir hatten bereits am Vortag keinen Landstrom nehmen können, da die Tallycard nicht funktionierte. In Ystad ging noch nicht einmal der Hafenticketautomat. Notgedrungen wurden sämtliche unnötigen Verbraucher abgeschaltet und auch der Kühlschrank bekam mal eine Pause. DSC_0663Der fror uns eh alles nur ein. Mit der hinteren Solarzelle konnten wir wenigstens ein bisschen Strom gewinnen, doch nicht mehr lang, da die Sonne bald unterging.

Eigentlich wollten wir die Stadt ein wenig erkunden, da Ystad recht hübsch sein soll, blieben aber gleich am Strandrestaurant hängen. Was uns sofort auffiel, hier war man auf Allergiker viel besser eingestellt, als bei uns zuhause. Ich trank sogar ein glutenfreies Bier . . . das allerdings aus Spanien kam!

Tag 6: Montag, 23. Juli

Beim Hafenmeister erfuhr ich am nächsten morgen, das jeder Hafen seine eigene Tallycard hatte und die nicht woanders funktionieren. Na toll, da nützte die Karte von Gislöv also wenig. Unsere Stromsituation wurde allmählich kritisch. Obwohl es mir gegen den Strich ging, machte ich den Motor 20min. vor dem Auslaufen an, damit die Batterie geladen werden konnte, denn die hatte nur noch 40Ah. Höchste Zeit für die Ladung.

Rein theoretisch hätten wir bereits von hier aus zum Nordzipfel von Bornholm rüber gekonnt, doch Heikes Cousine Gudrun verbrachte gerade mit ihrer Familie ihren Urlaub in Südschweden und so verabredeten wir uns auf ein Treffen in Skillinge. Von da aus war die Überfahrt nach Bornholm auch etwas kürzer. Vorbei an der Ansteuerungstonne Käseberga und den Gefahrentonnen Osaknallen und Sandhammaren ging es mit 090° bei einem mäßigen Südwestwind um 2-3 Bft. Dann öffnete sich nach Norden die weitgestreckte Hanö Bugt, die bis Karlskrona geht.  Der Wind drehte auf West und kam mit 4 Bft deutlich frischer daher. Bei DSC_0723halben Wind jagten wir förmlich an der Gefahrentonne Mälarhusen vorbei und standen nach insgesamt knapp 23sm in der Ansteuerung von Skillinge. Die beschriebene Deckpeilung war nur schwer auszumachen, weil sich die orangeroten Dreiecke echt schwer von den roten Dächern abheben. Kurz nach vier war das Boot fest und seeklar zurück. Damit hatten die Jungs noch Gelegenheit, in dem klaren Hafenwasser zu baden. Es war echt heiß.

DSC_0730Neben uns lag die Njord, ein Boot einer deutschen Familie mit zwei Kindern. Schnell kamen wir ins Gespräch und Heike fragte, woher sie denn seien. “Aus Hessen, Witzenhausen.” – “ACH! Das ist ja witzig! Meine Cousine wohnt auch dort. Die kommen uns heute Abend besuchen.” lachte Heike. Wie der Zufall es wollte, man kannte sich und so trafen Christian und Andrea von der Njord auf ihre Zahnärzte Gudrun und Tilman . . .

Wir suchten nach einem Grillplatz. Da es aber keinen gab, baute ich unseren Bordgrill am Heckkorb auf. Mit dem Grill von Magma gibt es so gut wie keinen Funkenflug. Außerdem hatten wir ablandigen Wind, also bestand keine Brandgefahr. Gegen halb sieben kamen dann unsere Gäste an Bord. Ein Novum, im Urlaub Besuch von Verwandten an Bord zu bekommen. Nils machte es sich auf dem Baum bequem, wir anderen verteilten uns in der Plicht und auf der Back und hatten einen schönen Abend zusammen.DSC_0690In Skillinge entdeckten wir auch eine interessante Einrichtung für Segler . . . oder für jedermann. Am Hafen stand eine Kommode mit einem Schild. Darauf war in schwedisch zu lesen “Bok skåp för utbyte” und auf englisch “bottom drawer: book exchange”. Hier konnte man also seine ausgelesenen Bücher gegen gebrauchte Lektüre austauschen. Wie nett.

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Fortsetzung folgt . . .

Film zum Teil 2: Wiedersehen in Schweden

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Sommertörn 2018 Teil 1 – Das fängt ja gut an . . .

Was für ein Segeltörn! Soooo schön. Zugegeben, das Wetter hat auch super mitgespielt, sowohl windtechnisch als auch sonnenscheinmäßig. Aber mal von vorn . . .

Zum letzten Mal musste ich quer durch die halbe Republik um meine Jungs abzuholen. Während wir auf See weilten, lief im Hintergrund bereits ihr Umzug zurück ans Meer. Jetzt wohnen sie fast um die Ecke, kaum eine Stunde Fahrt, das ist für uns alle eine große Erleichterung. Die Lütten sind viel öfter bei uns und ich bekomm viel mehr mit, abgesehen davon, dass die Gurkerei ein Ende hat. Vor allem aber können die Jungs jetzt auch häufiger mit uns segeln. Vor dem Törn hatten wir noch zwei Tage zuhause eingeplant, denn die Fußball-WM war noch nicht ganz rum, auch wenn Deutschland schon lange keine Rolle mehr spielte. Am Montag – Frankreich war (gegen unseren Willen) neuer Weltmeister – sollte es dann losgehen, doch neben einiger Verspätung durch Trödelei hatte der Wind scheinbar keine Lust und schon alle größte Mühe selbst den Wimpel auch nur ein kleines bisschen zu bewegen. Die Sonne knallte vom Himmel und es war warm. Bestes Strandwetter. Während Heike mit den Jungs am Strand war und ihr neues Stand-up Paddle Board testete, erledigte ich ein paar Kleinigkeiten an Bord. Zunächst musste das Schlauchboot repariert werden und in der Backskiste baute ich endlich das Trennschott fest ein, so dass die Segelsäcke nicht auf den Kompressor fallen konnten. DSC_0368In der Pantry hatte ich außerdem kurz zuvor noch einen ausziehbaren Rahmen für den Mülleimer gebaut, der noch gebeizt und installiert werden musste. Mich nervte die rumbaumelnde Plastikmülltüte, die dann die Besteckschublade blockierte.

Der geplante Auslauftermin verschob sich also um einen Tag, doch auch der nächste Tag sah windtechnisch regelrecht mau aus. Zwangsläufig blieben wir in Schilksee, badeten, paddelten und nutzten den Strand oder putzten das Boot . . . und das ging am besten vom SUB.DSC_0367 Ja, wir blieben auch gleich da und schliefen an Bord. Wenigstens waren wir besser dran, als ein Nachbarboot, das den Sommertörn mit einer defekten Kraftstoffpumpe begann. Ich war froh, dass unser Motor nun wieder einwandfrei lief, mal abgesehen von den verschlissenen Füßen.

Tag 1: Mittwoch, 18. Juli

WIND! Und das nicht zu knapp: um die 4 bis 5 Bft aus NW! Mmmh, das sah mir ganz nach einen Spi-Wetter aus. Da alles gebunkert und verstaut war, brauchten wir nicht lange und konnten endlich auslaufen. Kaum aus der Hafeneinfahrt raus, drehte Bjarne in den Wind und hoch ging das Großsegel. Nachdem auch die G3 gesetzt war, ging es mit Kurs 064° quer durchs Fahrwasser und zwischen den beiden Sperrgebieten durch in die Hohwachter Bucht. Nils führte das Logbuch. DSC_0372Zunächst versuchten wir mit Schmetterling – für Spi war es uns noch etwas zu viel – eine Weile  zu segeln, doch das Vorsegel wollte nicht so stehen bleiben, denn die Wellen brachten das Boot zum Schlingern und sehr schnell hingen die Lütten in den Seilen, weil sie den Seegang nicht mehr gewohnt waren. Ich baute das Spi auf, damit das Boot stabiler auf raumschots und vorm Wind segeln konnte, aber viel ruhiger wurde es nicht. Tatsächlich war das auch kein sanfter Sonntagnachmittag-ich-geh-mit-meinem-Schatzi-segeln-Törn, denn es frischte auf 5 Bft auf und in Böen waren da auch schon mal 6 dabei. Einmal vom Kurs DSC_0390abgekommen, bestand die Gefahr, dass das Spi in sich zusammenfiel oder schlimmer noch, dass es sich um das Vorstag wickelte. Nach knapp zwei Stunden passierte es dann auch. Das Segel hatte sich samt Bergesack derart vertüdelt, dass wir es nicht mehr frei bekamen. Weder Befreien noch Bergen ging. Zwangsweise musste das Spi wieder runter. Nur wie? Ich fierte die Schoten weit auf und Heike ließ Segel und Bergesack am Fall runter. Jetzt aber lag es wie ein Treibanker im Wasser! Erst nachdem die Schoten komplett runter waren, konnten wir das Segel an Bord holen.

Einmal wollte der Baum umschlagen, weil uns eine Welle vorm Wind drehte, doch der Bullenstander leistete hervorragend Widerstand und hielt den Baum auf, dennoch knackte es und irgendetwas weißes flog weg. Dann sah ich, dass der Schlitten, an dem der Stb-Bullenstander auf der Genuaschiene angeschlagen war, nun kein U-Bügel mehr hatte. Außerdem war eine Rolle eines älteren Blocks gebrochen. Das halbe (weiße) Rad lag im Wassergang an Backbord. Besser das als eine Schädelverletzung. Der Stander ließ sich schnell reparieren und war gleich wieder einsatzfähig.

DSCPDC_0001_BURST20180718121449165_COVERWir erreichten den Fehmarnsund gegen halb fünf und bargen die Segel noch vor dem Fahrwasser nach Burgtiefe rein. Unter Motor legten wir am Rundsteg auf der Innenseite an, allerdings mit Wind von achtern, da alle anderen Plätze belegt waren. Trotz Solarzellen legten wir das Landstromkabel aus und luden die Batterie wieder voll, denn bei der durch Krängung bedingten nicht so effektiven Sonneneinstrahlung reichte die Leistung gerade mal zur Kompensation des Stromverbrauchs vom Kühlschrank aus. Die neue Solarpanelhalterung achtern zahlte sich dabei voll aus, denn es war ganz leicht, die Zelle immer richtig auszurichten und einer achtete garantiert darauf, dass die Zelle ausgerichtet wurde.

Tag 2: Donnerstag, 19. Juli

Heute stand die Querung des Fehmarnbelts auf dem Plan. DSC_0479Mit Gedser wollten wir einen vor zwei Jahren gemiedenen Hafen anlaufen und nachsehen, ob sein Ruf wirklich so übel war. Der Wind hatte etwas abgenommen und kam weiter aus Nordwest. Dennoch setzten wir lieber die DSCPDC_0001_BURST20180720121051917_COVERFock. Mit Fahrt um die 4,5 – 5 kn ging es an Staberhuk vorbei und mit Ostkurs direkt auf die Südspitze von Falster zu. Am Nachmittag nahm der Wind immer weiter ab und um an Fahrt nicht zu verlieren, wechselten wir das Vorsegel und die G1 ging hoch. Zunächst ging es auf Schmetterlingskurs, aber die Genua fiel immer wieder ein. Also nahm ich den Spibaum und klinkte die Lee-Schot ein. Es ging, obwohl der Baum doch recht lang ist! Doch nur 20min. später wechselten wir den Kurs und kamen kurz vor sieben an der Gefahrentonne “Schønheyders Pulle” vorbei. Für die knapp 30 sm brauchten wir sechseinhalb Stunden. Die Ansteuerung von Gedser entnahmen wir dem Hafenhandbuch und beschlossen im Wendebereich der Fähre unsere Segel zu bergen. Gerade rechtzeitig, denn kaum dass wir in das enge Fahrwasser zur Marina einbogen, setzte die Fähre mit dreimal kurz zurück und wendete im Becken. Der Hafen von Gedser ist nett angelegt, daran konnte es also nicht liegen, dass er nicht so beliebt war. Auch der Fährhafen ist nicht zu laut. Wir stellten aber schnell fest, dass dort der Hund begraben ist, denn außer dem Fährverkehr ist in Gedser nichts los. Die Suche nach einem Restaurant ergab nur zwei Alternativen. Das “Najaden” direkt in der Marina, das allerdings etwas teuer war, und ein Imbiss nur 10 min. zu Fuss entfernt. Wir entschieden uns für letzteres und waren angenehm überrascht.

Tag 3: Freitag, 20 Juli

DSCPDC_0001_BURST20180720104040953_COVERWind und Wetter blieben unverändert:  Morgens war es wolkenlos bei 4Bft aus Nordwest. Um die Südspitze von Falster herum, am Gedser Rev vorbei ging es mit Kurs 037° geradewegs auf Klintholm zu. Ich hatte die Kurse auf der Karte vorbereitet und gab meine Kursempfehlung Bjarne, der nur meinte: “Weiß ich schon, ich hab das hier auf dem Plotter schon abgesteckt.” Tja, eigentlich wollte ICH mich mit dem Teil vertraut machen, aber die Jugend von heute ist eben “digital native”, da hat man als Oldie eben das Nachsehen. Mit uns gingen einige Segler auf Kurs Nordnordost und es kamen auch etliche uns entgegen. Die Verhältnisse waren geradezu ideal: Sonne pur und ein perfekter Anliegerkurs hoch am Wind. Gegen Nachmittag ließ der Wind wieder nach, aber wir hatten Klintholm fast erreicht.

DSC_0525Die meisten Anlegemanöver fuhr mein Großer, und das gar nicht mal so schlecht. Nein, um ehrlich zu sein, er machte das sogar ziemlich großartig. Allmählich brauchte ich ihm keine Hinweise mehr zu geben. Auch das Gefühl für Drift, Dreheigenschaft, Geschwindigkeit und Reaktionszeit der Maschine bekommt er bereits. Und das, obwohl er erst in drei Jahren seinen Bootsführerschein machen darf. Klintholm gehört für mich zu den schöneren Marinas, da der Hafen nett angelegt ist und die Sanitäranlagen sauber DSC_0542und ordentlich sind. Keine Großraumdusche, für die man extra zahlen muss, aber den Jungs war das Baden im Meer sowieso lieber. Den Abend ließen wir gemütlich bei Grillwurst und Bier ausklingen und dem obligatorischen und rituellen Vorlesen aus “Käpt’n Blaubär”.

Fortsetzung folgt . . .

Film zum Teil 1: Das fängt ja gut an . . .

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