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Sommertörn 2018 Teil 1 – Das fängt ja gut an . . .

Was für ein Segeltörn! Soooo schön. Zugegeben, das Wetter hat auch super mitgespielt, sowohl windtechnisch als auch sonnenscheinmäßig. Aber mal von vorn . . .

Zum letzten Mal musste ich quer durch die halbe Republik um meine Jungs abzuholen. Während wir auf See weilten, lief im Hintergrund bereits ihr Umzug zurück ans Meer. Jetzt wohnen sie fast um die Ecke, kaum eine Stunde Fahrt, das ist für uns alle eine große Erleichterung. Die Lütten sind viel öfter bei uns und ich bekomm viel mehr mit, abgesehen davon, dass die Gurkerei ein Ende hat. Vor allem aber können die Jungs jetzt auch häufiger mit uns segeln. Vor dem Törn hatten wir noch zwei Tage zuhause eingeplant, denn die Fußball-WM war noch nicht ganz rum, auch wenn Deutschland schon lange keine Rolle mehr spielte. Am Montag – Frankreich war (gegen unseren Willen) neuer Weltmeister – sollte es dann losgehen, doch neben einiger Verspätung durch Trödelei hatte der Wind scheinbar keine Lust und schon alle größte Mühe selbst den Wimpel auch nur ein kleines bisschen zu bewegen. Die Sonne knallte vom Himmel und es war warm. Bestes Strandwetter. Während Heike mit den Jungs am Strand war und ihr neues Stand-up Paddle Board testete, erledigte ich ein paar Kleinigkeiten an Bord. Zunächst musste das Schlauchboot repariert werden und in der Backskiste baute ich endlich das Trennschott fest ein, so dass die Segelsäcke nicht auf den Kompressor fallen konnten. DSC_0368In der Pantry hatte ich außerdem kurz zuvor noch einen ausziehbaren Rahmen für den Mülleimer gebaut, der noch gebeizt und installiert werden musste. Mich nervte die rumbaumelnde Plastikmülltüte, die dann die Besteckschublade blockierte.

Der geplante Auslauftermin verschob sich also um einen Tag, doch auch der nächste Tag sah windtechnisch regelrecht mau aus. Zwangsläufig blieben wir in Schilksee, badeten, paddelten und nutzten den Strand oder putzten das Boot . . . und das ging am besten vom SUB.DSC_0367 Ja, wir blieben auch gleich da und schliefen an Bord. Wenigstens waren wir besser dran, als ein Nachbarboot, das den Sommertörn mit einer defekten Kraftstoffpumpe begann. Ich war froh, dass unser Motor nun wieder einwandfrei lief, mal abgesehen von den verschlissenen Füßen.

Tag 1: Mittwoch, 18. Juli

WIND! Und das nicht zu knapp: um die 4 bis 5 Bft aus NW! Mmmh, das sah mir ganz nach einen Spi-Wetter aus. Da alles gebunkert und verstaut war, brauchten wir nicht lange und konnten endlich auslaufen. Kaum aus der Hafeneinfahrt raus, drehte Bjarne in den Wind und hoch ging das Großsegel. Nachdem auch die G3 gesetzt war, ging es mit Kurs 064° quer durchs Fahrwasser und zwischen den beiden Sperrgebieten durch in die Hohwachter Bucht. Nils führte das Logbuch. DSC_0372Zunächst versuchten wir mit Schmetterling – für Spi war es uns noch etwas zu viel – eine Weile  zu segeln, doch das Vorsegel wollte nicht so stehen bleiben, denn die Wellen brachten das Boot zum Schlingern und sehr schnell hingen die Lütten in den Seilen, weil sie den Seegang nicht mehr gewohnt waren. Ich baute das Spi auf, damit das Boot stabiler auf raumschots und vorm Wind segeln konnte, aber viel ruhiger wurde es nicht. Tatsächlich war das auch kein sanfter Sonntagnachmittag-ich-geh-mit-meinem-Schatzi-segeln-Törn, denn es frischte auf 5 Bft auf und in Böen waren da auch schon mal 6 dabei. Einmal vom Kurs DSC_0390abgekommen, bestand die Gefahr, dass das Spi in sich zusammenfiel oder schlimmer noch, dass es sich um das Vorstag wickelte. Nach knapp zwei Stunden passierte es dann auch. Das Segel hatte sich samt Bergesack derart vertüdelt, dass wir es nicht mehr frei bekamen. Weder Befreien noch Bergen ging. Zwangsweise musste das Spi wieder runter. Nur wie? Ich fierte die Schoten weit auf und Heike ließ Segel und Bergesack am Fall runter. Jetzt aber lag es wie ein Treibanker im Wasser! Erst nachdem die Schoten komplett runter waren, konnten wir das Segel an Bord holen.

Einmal wollte der Baum umschlagen, weil uns eine Welle vorm Wind drehte, doch der Bullenstander leistete hervorragend Widerstand und hielt den Baum auf, dennoch knackte es und irgendetwas weißes flog weg. Dann sah ich, dass der Schlitten, an dem der Stb-Bullenstander auf der Genuaschiene angeschlagen war, nun kein U-Bügel mehr hatte. Außerdem war eine Rolle eines älteren Blocks gebrochen. Das halbe (weiße) Rad lag im Wassergang an Backbord. Besser das als eine Schädelverletzung. Der Stander ließ sich schnell reparieren und war gleich wieder einsatzfähig.

DSCPDC_0001_BURST20180718121449165_COVERWir erreichten den Fehmarnsund gegen halb fünf und bargen die Segel noch vor dem Fahrwasser nach Burgtiefe rein. Unter Motor legten wir am Rundsteg auf der Innenseite an, allerdings mit Wind von achtern, da alle anderen Plätze belegt waren. Trotz Solarzellen legten wir das Landstromkabel aus und luden die Batterie wieder voll, denn bei der durch Krängung bedingten nicht so effektiven Sonneneinstrahlung reichte die Leistung gerade mal zur Kompensation des Stromverbrauchs vom Kühlschrank aus. Die neue Solarpanelhalterung achtern zahlte sich dabei voll aus, denn es war ganz leicht, die Zelle immer richtig auszurichten und einer achtete garantiert darauf, dass die Zelle ausgerichtet wurde.

Tag 2: Donnerstag, 19. Juli

Heute stand die Querung des Fehmarnbelts auf dem Plan. DSC_0479Mit Gedser wollten wir einen vor zwei Jahren gemiedenen Hafen anlaufen und nachsehen, ob sein Ruf wirklich so übel war. Der Wind hatte etwas abgenommen und kam weiter aus Nordwest. Dennoch setzten wir lieber die DSCPDC_0001_BURST20180720121051917_COVERFock. Mit Fahrt um die 4,5 – 5 kn ging es an Staberhuk vorbei und mit Ostkurs direkt auf die Südspitze von Falster zu. Am Nachmittag nahm der Wind immer weiter ab und um an Fahrt nicht zu verlieren, wechselten wir das Vorsegel und die G1 ging hoch. Zunächst ging es auf Schmetterlingskurs, aber die Genua fiel immer wieder ein. Also nahm ich den Spibaum und klinkte die Lee-Schot ein. Es ging, obwohl der Baum doch recht lang ist! Doch nur 20min. später wechselten wir den Kurs und kamen kurz vor sieben an der Gefahrentonne “Schønheyders Pulle” vorbei. Für die knapp 30 sm brauchten wir sechseinhalb Stunden. Die Ansteuerung von Gedser entnahmen wir dem Hafenhandbuch und beschlossen im Wendebereich der Fähre unsere Segel zu bergen. Gerade rechtzeitig, denn kaum dass wir in das enge Fahrwasser zur Marina einbogen, setzte die Fähre mit dreimal kurz zurück und wendete im Becken. Der Hafen von Gedser ist nett angelegt, daran konnte es also nicht liegen, dass er nicht so beliebt war. Auch der Fährhafen ist nicht zu laut. Wir stellten aber schnell fest, dass dort der Hund begraben ist, denn außer dem Fährverkehr ist in Gedser nichts los. Die Suche nach einem Restaurant ergab nur zwei Alternativen. Das “Najaden” direkt in der Marina, das allerdings etwas teuer war, und ein Imbiss nur 10 min. zu Fuss entfernt. Wir entschieden uns für letzteres und waren angenehm überrascht.

Tag 3: Freitag, 20 Juli

DSCPDC_0001_BURST20180720104040953_COVERWind und Wetter blieben unverändert:  Morgens war es wolkenlos bei 4Bft aus Nordwest. Um die Südspitze von Falster herum, am Gedser Rev vorbei ging es mit Kurs 037° geradewegs auf Klintholm zu. Ich hatte die Kurse auf der Karte vorbereitet und gab meine Kursempfehlung Bjarne, der nur meinte: “Weiß ich schon, ich hab das hier auf dem Plotter schon abgesteckt.” Tja, eigentlich wollte ICH mich mit dem Teil vertraut machen, aber die Jugend von heute ist eben “digital native”, da hat man als Oldie eben das Nachsehen. Mit uns gingen einige Segler auf Kurs Nordnordost und es kamen auch etliche uns entgegen. Die Verhältnisse waren geradezu ideal: Sonne pur und ein perfekter Anliegerkurs hoch am Wind. Gegen Nachmittag ließ der Wind wieder nach, aber wir hatten Klintholm fast erreicht.

DSC_0525Die meisten Anlegemanöver fuhr mein Großer, und das gar nicht mal so schlecht. Nein, um ehrlich zu sein, er machte das sogar ziemlich großartig. Allmählich brauchte ich ihm keine Hinweise mehr zu geben. Auch das Gefühl für Drift, Dreheigenschaft, Geschwindigkeit und Reaktionszeit der Maschine bekommt er bereits. Und das, obwohl er erst in drei Jahren seinen Bootsführerschein machen darf. Klintholm gehört für mich zu den schöneren Marinas, da der Hafen nett angelegt ist und die Sanitäranlagen sauber DSC_0542und ordentlich sind. Keine Großraumdusche, für die man extra zahlen muss, aber den Jungs war das Baden im Meer sowieso lieber. Den Abend ließen wir gemütlich bei Grillwurst und Bier ausklingen und dem obligatorischen und rituellen Vorlesen aus “Käpt’n Blaubär”.

Fortsetzung folgt . . .

Film zum Teil 1: Das fängt ja gut an . . .

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