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Herztransplantation im Winterschlaf

Sicherlich haben sich einige gefragt: “Warum schreibt er nicht mehr?” oder “Gibt es denn nichts Neues von der Rasalhague?”

Doch, doch, das gibt es. Doch waren die Neuigkeiten sooooo niederschmetternd, das ich es bisher nicht fertigbrachte, auch noch darüber zu berichten. Zunächst die weniger erfreulichen Nachrichten: Der Sommertörn nach Bornholm war der letzte Ausflug, den die Rasalhague lebend gemacht hat. Danach ging nichts mehr. Warum? . . . Weil der Motor sein letztes bisschen Leben ausgehaucht hatte. Ich bat meinen Mechaniker Simon sich des Motors anzunehmen. Das tat er auch und prüfte gleich mal den Kompressionsdruck, mit dem traurigen Ergebnis, dass die Kompression bei gerade mal 16 bar lag. Der Diesel springt aber erst bei 21 bar an. BLÖD! Der Wasserschlag im letzten Juni hatte Spuren in der Brennkammer hinterlassen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: kleine Rillen, die sich während des Törns vertieften. Durch diese Rillen konnte der Gasdruck also teilweise entweichen und deshalb baute sich der Kompressionsdruck auch nicht mehr ausreichend auf. “Und das bedeutet?” fragte ich Simon. “Nichts Gutes . . . EXITUS.” war seine Antwort. “Man kann zwar die Brennkammer mit dem Kolben ausbauen und ersetzen, aber das wird fast so teuer, wie ein neuer Motor.” Ich musste mich setzen.

AUCH DAS NOCH! Unsere Rasalhague hatte ein todkrankes Herz! Mmmh, das passte mir natürlich gar nicht. Aber ehrlich gesagt, irgendwann musste das so kommen. (Segel-)Bootsmotoren führen ein undankbares Leben. Sie werden nicht permanent genutzt, was Treibstoff, Öl, Kühlwasser und Schmierfett eigentlich nicht mögen. Sie verdicken, klumpen, flocken aus usw. Und vor allem sind die Motoren meistens dem aggressiven Seewasser ausgesetzt, sofern sie keinen separaten Kühlkreislauf haben. So solide und robust der Yanmar YSM12 auch gebaut war, nach 35 Jahren war jetzt Schluss. Ein neuer Motor musste her. Ich bat Simon, nach geeigneten Motoren zu gucken, vor allem weil in der Boström nicht soviel Platz war. Der alte Motor war ja auch eine Besonderheit: ein liegend eingebauter Einzylinder!

Von einem befreundeten Blogger wusste ich, dass Solé einen passenden Motor für die Boström hatte, aber davon rieten mir einige Bekannte und meine innere Stimme ab. “Mehr Ärger als nötig.” Yanmar wollte ich nicht mehr, weil die Ersatzteile nur von einem Importeur angeboten wurden und sehr teuer waren, da sie sonst eben aus Japan angeliefert werden müssen. Ich hatte viel Gutes über BUHK gehört. “Ja, das ist schon was feines, aber eben auch sehr teuer.” Stimmt. Für den Preis hätte ich auch ein neues Boot haben können. Nein, nein, so leicht gebe ich nicht auf. Also was blieb noch? “Volvo Penta mit 20 – 30 PS ist sehr gut, aber für die kleinen Boote überdimensioniert.” sagte mir ein Bekannter. Jetzt kam Simon aber mit einem echt guten Angebot um die Ecke: “Bei A+B Marine Industrietechnik gibt es den Volvo Penta D1-13 für sechseinhalb.” Das lag im Bereich des Erschwinglichen . . . und war wirklich deutlich günstiger als andere Modelle. “Vor allem hast du Garantie. Und wir haben nur gute Erfahrung mit denen gemacht. Der Motor ist gut und mit 13 PS ist er auch nicht zu stark. Außerdem ist es ein 2-Zylinder, läuft also deutlich ruhiger.” Das überzeugte mich. Ich bestellte den neuen Motor und vereinbarte mit Simon einen Einbautermin Mitte Februar. Ein Problem gibt es aber mit dem neuen Herz. Der alte Yanmar ist ein linksdrehender Motor, aber alle Volvo Penta Motoren sind rechtsdrehend. “Dann musst du halt immer rückwärts fahren, lachte mein Vater.” D.h. einen neuen Propeller musste ich mir auch noch besorgen. Gut, damit war der Preisvorteil wieder hin, aber ich hatte ja eh Ärger mit dem alten Klapperatismus.

Bevor der Motor aber ausgebaut wurde, musste das Boot aus dem Wasser! Im Oktober half mir Johannes bei Mastziehen. Das war gar nicht so einfach, da wir ohne Motor unter den Kran mussten. Mit doppelt verlängerten Bug- und Heckleinen gelang es uns, das Boot durch den Hafen zu bugsieren. Glücklicherweise ging kein Wind, so dass wir noch etwas Tageslicht unterm Kran hatten. Zu zweit war das Mastziehen auch zu schaffen und wir waren fast genauso schnell wie zu dritt. Weil die Mastwägelchen bereits in der Halle eingesperrt waren, schulterten wie den Mast und trugen ihn ins Lager. AUTSCH!

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Am Samstagmorgen war das Slippen, doch Johannes stand nicht mehr zur Verfügung. Mit Bjarne und Nils packte ich das aber genauso gut. Als das Boot dann endlich dran war und am Haken hing, staunte ich nicht schlecht. ‘WO IST DER PROPELLER?’ Ein weißer Klumpen, so groß wie ein Fußball, war an der Stelle, wo normalerweise der Propeller war. Das Boot wurde auf den Bock gesetzt und wir konnten es genauer in Augenschein nehmen. DSC_2432Das war . . . KALK . . . und ließ sich recht leicht lösen. Darunter kam der alte Klapppropeller zum Vorschein. “Papa, was ist das?” fragte Bjarne und zeigte auf schwarze Beulen am Kiel. Die Stellen waren butterweich, schmierig und verkohlt, aber die Substanz ließ sich leicht lösen und darunter kamen rostiger Löcher zum Vorschein. AUWEIA! Ja, am hinteren Ende des Kiel, der eigentlich spitz zuläuft, brach ein ganzes Stück ab! ‘HIMMEL! MEIN KIEL LÖST SICH AUF!’ ich war kurz davor, panisch zu werden.

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Unglaublich! Durch die galvanische Korrosion ist ein etwa 15cm langes Stück einfach abgebrochen. Mit steigenden Temperaturen kann ich den Kiel wieder remodellieren, so wie ich das im Herbst (links erkennbar) schon begonnen habe.

Ein paar Tage später sah ich mir das gemeinsam mit Lasse an, dem Bootsbauer der Werft. “SO ETWAS habe ich noch nie gesehen!” gestand er. “Wenn das durch unsere Arbeit entstanden ist, dann regeln wir das natürlich. Ich vermute aber, dass das durch galvanische Korrosion entstanden ist.” OHA! Davon hatte ich gehört. Und ich rechnete eins und eins zusammen und bekam DES RÄTSELS LÖSUNG. Jetzt weiß ich auch, warum ich immer eine gewisse Entladung festgestellt hatte! Mit dem Anschließen der Solarzellen an die Batterie musste eine Verbindung zur Erde hergestellt werden. Das ist an Bord der Kiel. Da ich nach dem Sommertörn den Landstrom angeschlossen hatte, lud sich die Batterie zwar auf, aber gleichzeitig floss über den Kiel und die Spundwand des Hafens der Strom wieder ab. DSC_2433Die verkohlten Stellen am Kiel waren Einschlüsse von Schlacke im Gusseisen, die (weil minderwertig) zu erst korrodierten. Und da der Propeller von einer Opferanode geschützt war, bildete sich dort der Kalkklumpen. OH MANN, OH MANN! Rasalhague hatte nicht nur ein todkrankes Herz, jetzt war sie auch noch KOMATÖS!

Glücklicherweise konnte man hier schnell und einfach Abhilfe schaffen. Lasse gab mir Epoxy, mit dem ich speziell diese Stellen behandeln sollte. Außerdem werde ich mir ein Trenngerät besorgen, mit dem Erde und Batterie von einander abgesichert werden.

Inzwischen ist der Winter fast rum und gestern war also der große Tag. Der Tag, DSC_0143an dem ein neues Herz eingepflanzt werden sollte. Das Ersatzorgan kam kurz vor Mittag. Operateur, Assistenzarzt und Anästhesist waren auch dem Weg. Na gut, betäuben musste man den Patienten nicht mehr, er lag ja im Koma. Ich hatte am Vormittag soweit Plane und Gerüst über dem Cockpit entfernt und die Backskiste ausgeräumt, damit man auch von der Seite an den Motor rankam. Als Simon, Fabian und Klaus eintrafen, da schien dann auch die Sonne und lockte viele Menschen zu einem Spaziergang auf die Promenade. Mit Schraubenschlüsseln, Zangen und Klemmen (nur Tupfer und Skalpell fehlten) fielen sie dann über den alten Motor her und zerlegten ihn schon ein wenig. Lichtmaschine, Anlasser und Lufteinlass mit Schalldämpfer lagen ruckzuck draußen. DSC_0145Nach einer Stunde wurde der alte Yanmar vom Fundament getrennt und erst langsam und vorsichtig zum Niedergang hinausbugsiert. Wegen seiner Breite musste er gekippt und gedreht werden, doch dann war er frei und schwebte hoch über unseren Köpfen – und keiner hatte einen Helm auf, au weh! Inzwischen waren einige Schaulustige stehen geblieben. Ein ganz scharfsinniger Passant sagte zu mir: “Kriegst einen neuen Motor rein.” (Pause) “Warum?” – “Hatte letztes Jahr einen Wasserschlag und der Kompressionsdruck reicht nicht mehr.” – “Ja, ja kenn ich.” (Pause) “Reparieren ging nicht mehr?” Ich stutzte . . . tja, warum bin ich denn nicht auf DIE Idee gekommen? Ich lächelte müde und blieb höflich: “Ist fast genauso teuer. Außerdem will ich mit dem neuen Motor mehr Ruhe im Boot haben.”

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wenn auch leicht verschwommen . . . gut zu erkennen ist in der Mitte die Welle, schräg rechts darüber der Kühlwasserfilter und links “baumelt” der Krümmer (noch ganz neu, schnief). Quer im Bild hängt der Bowdenzug der Motorsteuerung.
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Der VarioProp von SPW

Dann fiel mir siedend heiß ein, das ich mit Simon noch gar nicht über den alten Motor gesprochen hatte. Ich selber konnte damit ja nichts mehr anfangen. “Nehmt ihr den Yanmar eigentlich mit?” – “Ich wollte dich eh fragen, ob wir dir den Motor abnehmen und verrechnen könnten.” sagte Simon. “Wir suchen nach alten Motoren als Lehrstücke für unsere Azubis.” OH, das ist ja prima! “Gerne!” lachte ich, “das wollte ich euch gerade vorschlagen. Sag mal, kennst du dich mit Propellern aus? Ich hab mich umgesehen und mir sagt der VarioProp von SPW zu.” – “Das ist ein sehr guter Propeller. Teuer, aber sein Geld wert. Wir haben den bei einigen Kunden schon eingebaut und die sind alle sehr zufrieden. Wenn wir den bestellen, bekommen wir Rabatt.” Er zwinkerte, “wir werden uns schnell einig.” Ich lachte. Das war Kundenbindung par exellence.

Der Volvo hing am Haken und schwebte hoch. Ohne Verkannten, Kippen oder Drehen wurde er durch den geöffneten Brustkorb – eh, durch den Niedergang ins Innere gehievt. “Wir sind für heute fertig. Den Einbau mache ich dann nächste Woche.” sagte Simon. “Prima, dann packe ich das Boot wieder ein.” dachte dabei aber daran, das ein Herzkranker wohl kaum ohne neues Herz mal so eben über das Wochenende liegen gelassen wird.

Aber die Rasalhague ist eben nur ein Boot, wenn auch ein ganz besonderes . . .

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3 Gedanken zu „Herztransplantation im Winterschlaf“

  1. Moin,
    na das wird ja ein teurer Spaß, aber früher oder später ist halt jedes Motorenleben zu ende. Ich erwarte mit grauen die gleiche Diagnose irgendwann, Wasserschlag hatten wir ja auch schon bereits. Bin mal gespannt wie sich dein neuer Motor im Wasser macht und ob die Leistung ausreicht ? Dann hast Du ja bald ein komplett neues Boot in dem Du alles kennst, ist doch auch super u. beruhigend bei den langen Törns die Ihr macht.

    VG. Michael
    den danske pige

    1. Moin Michael,
      ja, leider ist das nicht geschenkt. Ich bin nur froh, dass ich die Reserve noch habe.

      Die Leistung wird reichen, der neue Motor hat nur ein PS mehr als der alte und das reichte mir locker aus. Entscheidend wird der neue Propeller. Von dem verspreche ich mir richtig viel. Dafür greife ich auch gerne tiefer in die Tasche. Habe heute erst ein Video zum VarioProp gesehen. Sehr überzeugend!

      Gerade Motor und Prop brauchen wir dieses Jahr unbedingt in bestem Zustand. Wir wollen mit der Rasalhague quer durch das Ursprungsland der Boströms.

      Bei euch sonst alles im grünen Bereich? Was macht die Decksnaht?

      Liebe Grüße
      Tobias

      1. Moin Tobias,
        ja ich bin auch diesen Winter nicht so richtig weiter gekommen, habe aber neue Fenster angefertigt die jetzt nur noch auf wärmeres Wetter warten damit sie eingesetzt werden können. Wir kommen am 05.04. ins Wasser und bis da hin klappt das sicher.

        erst mal, beste Grüße
        Michael

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