Saisonstart mit Verspätung

Nun ist es endlich soweit! Nachdem ich nach dem Kranen im April zügig ein Angebot zum Motoreinbau erhalten und postwendend den Auftrag erteilt hatte, fing man Anfang Mai wie versprochen mit den Arbeiten an. Was vorher in Monaten nicht zu stemmen war, sollte jetzt in knapp zwei Wochen erledigt werden. Na, ich war gespannt.

Schon am Wochenende nach der Slipaktion, bei der die Rasalhague ja nicht ins Wasser sondern auf einen Trailer kam, guckte ich mit meinem Ältesten nach dem Rechten. Wo stand denn eigentlich das Boot? Im Außenbereich fand ich es nicht. Auch in der Halle war es nicht. Also nachgehakt. “Mmmh, also das steht im Freibereich hinter der Halle.” Ok, nur welche Halle? Dann nochmal nachgesehen. Wir fanden es und ich musste feststellen, dass ich dort nicht hinkam, also am Wochenende. Na gut. Hoffentlich klappt das dann im Mai.

Anfang Mai wurde das Boot endlich in den Außenbereich der unteren Halle verbracht und mit den Arbeiten begonnen. Das GFK des alten Motorfundamentes war bereits aufgeschnitten worden. In den folgenden Tagen wurden die Eichenbalken angepasst, die in das neue Fundament einlaminiert werden sollten. Währenddessen machte ich mich am Wochenende vor dem Sliptermin daran, die Polierarbeiten abzuschließen. Mit der Maschine ist das Schleifen kein Ding, nur das Polieren selbst mache ich lieber von Hand, denn da erziele ich schneller ein akzeptables Ergebnis. DSC_3577Jetzt strahlt der Rumpf beidseitig wieder weiß und glänzt frisch gewachst. Am Montag war ich dann gegen halb fünf damit fertig. Ein Blick in den Motorraum zeigte mir, dass die Arbeiten zwar voran schritten, doch noch konnte man keinen Motor auf das Fundament setzen. Wenigstens war die Welle schon wieder an ihrem Platz.

Dann erhielt ich eine Mail, in der der Sliptermin für den Freitag bestätigt und auf viertel vor elf angesetzt wurde. ‘Ok, dann wird das ja endlich klappen.’ ich entspannte mich. Heike ging am Mittwoch wie ein Wirbelwind daran, das Holz zu ölen. Zwar ist das ausgeblichene Teak optisch sehr schön, doch verwittert es schneller ohne die jährliche Ölung. Nebenbei polierte sie auch noch alle Relingspfosten, den Bug- und Heckkorb sowie die Winschen. WOW! Es ist immer wieder beeindruckend, in welchem Tempo sie das macht. DSC_3573Natürlich guckten wir nach dem Fortschritt der Arbeiten. Der Motor stand jetzt provisorisch auf dem Fundament, für meinen Geschmack allerdings noch zu weit draußen. Wie sich später herausstellte, kam der Riemen auch mit der Dämmmatte des Niederganges in Berührung.

Donnerstag brachte ich nach der Arbeit die Festmacher an Bord und bändselte die Fender an der Reling fest, damit alles schon zum Slippen vorbereitet war. Der neue Propeller war immer noch nicht montiert. Ich freute mich bereits auf die Mechanik und auf die Erprobung. Je nach Drehrichtung stellen sich die Blätter anders und ohne Drehung sind sie wieder in Nullstellung und bieten keinen Widerstand. Kein Ausfall mehr bei Vorausfahrt. Und vor allem, kein Strömungswiderstand! Ein echter Hightech-Propeller.

Der Freitag war dann sehr hektisch. Ich kam um neun zum Boot und . . . stellte fest, dass der Propeller immer noch nicht montiert war. Woran lag es? Eine halbe Stunde vor dem Slippen stellte man fest, dass die Mutter nicht auf die Welle passte. Der Propeller besteht aus drei Teilen, dem Konus, der auf der Welle sitzt und durch die Mitnehmerfeder die Drehrichtung der Welle mitmacht und durch die Mutter gesichert ist, sowie dem Propellerkopf mit verstellbaren Flügeln und der Mechanik. Die Mutter war nach der vorher montierten vermeintlichen Originalmutter angefertigt worden, jedoch war die alte Mutter mit Gewalt aufgesetzt worden, wie man am Gewinde feststellen konnte. Die Gewindesteigung stimmte nicht. IMG-20190517-WA0001So jetzt auch bei der neuen Mutter. Nachdem das Nachfeilen des Gewindes der Welle nichts brachte, ließ man das Gewinde in der Mutter beim benachbarten Metallbauer nachschneiden. Jetzt ließ sich die Mutter endlich festziehen. Dann folgte der Kopf, der mit Schrauben und Locktite am Konus festgezogen wurde. Als letztes folgte ein Trockenlauftest des Motor. Es piepte zweimal leise und dann sprang der Motor an. ‘Oh, wie viel leiser der ist.’ staunte ich.

Inzwischen war aus der Kran-Pole-Position der letzte Platz geworden. Das Slippen war schon beinahe beendet, als die Rasalhague doch noch ins Wasser kommen sollte. DSC_0162Es war bereits halb eins. Mit dem Mechaniker zusammen machte ich eine kurze Probefahrt. Wir mussten prüfen, ob der Motor richtig ausgerichtet war. Und natürlich, ob die Welle auch richtig dicht war. Schon bei den paar Kreisen bemerkte ich das unterschiedliche Verhalten der Schraube. Bei Rückwärtsfahrt griff sie viel schneller und zog jetzt nach Backbord. Gut, das ist Gewöhnungssache und wir werden zukünftig lieber mit Backbord anlegen. Aber auch die Ruderwirkung kam dadurch schneller zur Geltung. Insgesamt wirkt sich der Propeller schon recht positiv auf die Manövrierfähigkeit des Bootes aus. Mit dem Motor bin ich auch zufrieden, er ist ruhiger und verursacht weit weniger Vibrationen. Die Ausrichtung stimmt und damit sind die Arbeiten beendet. Es hat sich also GELOHNT! Jetzt mussten wir nur noch durch die Schleuse. Der Schleusenwärter ließ uns nicht lange warten, auch wenn eine Rüge über Lautsprecher quäkte: “Keine Einfahrt für Sportboote!” Das Boot vor uns hatte sich zu dicht an die Schleuse heran getraut. Nach den zwei Frachtern, die aus dem Kanal kamen, durften wir dann doch noch mit. Um halb vier waren wir dann in Holtenau fest.DSC_3600

Am Samstag verlegte ich mit Bjarne die Rasalhague nach Schilksee in ihre Box. Dabei ließ ich mich eher schippern, denn inzwischen ist Bjarne so geübt und geschickt im Steuern, das ich ihm problemlos das Steuer anvertrauen kann. Er legte recht entspannt an und wir installierten gleich noch die Sorgleinen in der Box. Am Sonntag fuhren wir gegen Mittag zu viert zum Hafen und machten uns ans Mastsetzen. Mit Bjarne zog ich zunächst das Stromkabel für die Windexbeleuchtung in den Mast ein, während Heike und Nils die Saling montierten und die Oberwanten vorspannten. Ich zog anschließend noch Sorgleinen für die Lazy Jacks ein, während Heike Antenne, Windlupe und Windex montierte. Das Maststellen war kein größeres Problem, da sind wir schon gut eingespielt. Dummerweise zog sich die Schlaufe, mit der der Mast am Haken hing, zu fest um den Mast und rutschte von alleine nicht mehr runter. Es dauerte etwas, aber dann zog ich mit einem anderen Segler am Fockfall den Mast zur Pier hin, während der Hafenmeister den Haken löste. IMG-20190520-WA0001Damit war die Spannung aus der Schlaufe und endlich rutschte sie runter. Am Kranplatz war kaum Betrieb, daher setzten wir noch den Baum an, zogen den Niederholer ein und spannten die Wanten, bevor wir wieder zurück in die Box verlegten. Zum Abschluss gab es dann noch ein Fischbrötchen.

Am Montag nach der Arbeit fuhren Heike und ich dann zum Boot und zogen das Großsegel ein, spannten die Wanten nach und zogen zum Schluss noch die Persenning auf. Jetzt stehen für uns noch Arbeiten an, die wir wegen dem Motoreinbau bisher nicht erledigen konnten, weil  einiges unzugänglich war. Unsere bisherige Erfahrung mit unserem Kühlschrank zeigte, dass da noch eine Trennwand zwischen Verdampfer und Kühlraum eingebaut werden muss, sonst gefriert uns die Hälfte. Außerdem wollte ich noch einen galvanischen Isolator einbauen, damit der Kiel nicht wieder korrodiert. Des Weiteren habe ich vor hinter dem ausziehbaren Mülleimer das Bierfass mit einer Zapfanlage zu versehen. Die Teile dafür habe ich schon vor einigen Monaten gekauft. Der Zapfhahn ist bereits über dem Spülbecken montiert, so entsteht keine Kleckerei. Tropfmengen fließen einfach ab. Zugegeben, das ist eine Spielerei, aber warum nicht? Nils findet das auf jeden Fall toll, denn er hat ja letztes Jahr verkündet, dass nur er Bierzapfen darf.

Außerdem müssen die Solarzellen neu angeschlossen werden. Die Anschlüsse am Oberdeck haben sich letztes Jahr irgendwann gelöst. Für die Solarzelle achtern baue ich einen verstellbaren Abstandshalter, weil die Zelle bei stärkerem Wind sich immer wieder verstellt hatte und Bändseln nur eine Notlösung war. Im Übrigen hatte ich die Sprayhood abgezogen, denn ich wollte eine neue in Auftrag geben. Eine Anpassung der Sprayhood war sowieso für die bevorstehende  Rekonfiguration des laufenden Gutes notwendig. Ich habe nämlich vor, Groß-, Spi- und Fockfall, sowie Bb- und Stb-Bullentalje, Bb- und Stb-Traveller, den Baumniederholer und einen neu zu installierenden Cunninghamstrecker über Umlenkrollen ins Cockpit zu führen und mit Easylock Fallenstopper zu beklemmen. Da ich die Deckenplatten bereits für die Elektrik abnehmen muss, kann ich dann auch gleich die Unterfütterung einbauen. Unterhalb der Fallenstopper und der Umlenkrollen am Mast müssen von unten Widerlager, also Zuglastverteiler in Form von Edelstahlplatten einlaminiert werden. Und wenn die Montage der Blöcke fertig ist, werde ich alle Leinen (Schoten ausgenommen) austauschen. Mit den Festmachern habe ich bereits angefangen. Nach der unruhigen Nacht letztes Jahr in Snogebæk auf Bornholm waren vier der sechs Leinen verschlissen, zwei davon gar gerissen. Auch von den alten Ersatzleinen, die wir glücklicher Weise noch dabei hatten waren zwei schamfilt. Also hatte ich mir gedacht, hole ich mir lieber nicht fertig konfektionierte Leinen, sondern Meterware. Und zwar einfache weiße Polyesterleinen, die leicht zu spleißen sind. Daraus hatte ich mir Ostern bereits vier neue ca. 9m lange Festmacher mit Augspleiß gemacht. Anschließend besorgte ich Leder und fasste das Auge jeder Leine ein. Hier kam Kerstins Geschenk zum erstmaligen Einsatz. Sie hatte mir einen Segelmacherhandschuh geschenkt. Alles in allem hatte ich vier neue selbstgemachte Festmacher zum Preis einer konfektionierten Festmacherleine mit Auge und Lederummantelung, da kann man nicht meckern. Nils fragte mich mal, woher ich denn das alles kann. “Ich bin doch auf der Gorch Fock gefahren,” antworte ich und merkte bereits, dass das noch nichts erklärte, “da lernt man nicht nur die Grundkenntnisse des Segelns, sondern auch noch das traditionelle Seemannshandwerk wie Spleißen und Takeln.”

Ja, die Gorch Fock . . . hoffentlich ergeht es nicht auch der Rasalhague eines Tages so. Die bisherigen Reparaturleistungen reichen mir vollauf! Jetzt haben wir aber erstmal Ruhe. Motor und Propeller sind neu, da wird hoffentlich nicht so schnell eine Reparatur fällig.

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Gekrant und nicht im Wasser

So eine Pleite! Es war herrlichstes Wetter, zwar kalt, aber schön. Und wir sind NICHT im Wasser! Wie konnte denn das passieren? Am 12. April war doch “Crane-Day”. . .

Nachdem der Motor im Februar geliefert wurde, kam schon bald das erste Hindernis. Mein Mechaniker teilte mir mit, dass das Fundament angepasst werden müsse. Der Motor liege zu tief. “Ok, und das heißt?” – “Das da erst mal was drunter muss.” Na gut. Ist meist so, habe ich mir sagen lassen. Dann kam die zweite Hiobs-Botschaft. “Der Motor steht zu weit raus, da geht dann die Abdeckung nicht drauf.” OH! Sollte ich einen neuen Niedergang bauen müssen? “Wir brauchen doch das andere Getriebe.” Der Motor wurde mit geradem und mit gewinkeltem Getriebe angeboten. “Die von A+B tauschen das Getriebe kostenfrei aus, kein Problem.” Na denn . . . Ein paar Wochen später bekam ich eine Kopie einer Mail mit einer Rechnung über 256,- €. “Äh, sagtest du nicht kostenfrei?” – “Das müssen wir dann auf unsere Kappe nehmen.” antwortete mein Mechaniker, bemüht mich zu beruhigen. Mit Erfolg, ich war wieder beruhigt.

Dann hatte ich ja noch vereinbart, dass die Werft für mich den neuen Propeller bei SPW bestellte. Hier hakte ich dann mehrfach nach, ob die Bestellung raus wäre und ob auf die Drehrichtung (jetzt rechts) geachtet wurde. “Läuft, alles im Lot.” – “Und wann kommt der?” – “Rechtzeitig. Er wird bis Ende März produziert und verschickt.” – “Und das klappt dann mit dem Einbau bis zum 12. April? Ich kann den Krantermin nicht verschieben. Und ich muss den Slipplatz danach verlassen können.” – “Das kriegen wir hin.” Na, allmählich beschlich mich ein beunruhigendes Gefühl.

Ende März machten wir uns dann selbst an die Arbeit. Mit dem Motor allein war es ja noch nicht getan. Nils und Heike halfen mir, das Wintergerüst abzubauen. Wir schauten ins Bootsinnere, da sah es im Motorraum noch unverändert aus. Naja, das Getriebe war ja noch auf dem Weg, sagte ich mir. In der Woche darauf machte ich mich daran, den Kiel wieder fit zu kriegen.DSC_3282 Mit Drahbürste, Epoxy und Interprotect rückte ich den rostigen Stellen zu Leibe. Den Rumpf oberhalb der Wasserlinie polierte ich, zumindest backbordseitig, während Heike Antifouling darunter auftrug, also maximal beidseitig. Inzwischen war der alte Propeller abgebaut. Nur die Welle guckte noch raus. Viel mehr war aber nicht geschehen. Ich fragte wieder nach, auf was gewartet wurde. “Wir hatten einen Notfall bei einem anderen Boot.” – “Na gut. Langsam wird es eng. Wir haben nur noch knapp eine Woche bis zum Kranen. Schafft ihr das denn noch?” – “Ja, Donnerstagmittag sind wir damit fertig.”

Die ersten Apriltage verstrichen, die Welle war inzwischen auch ausgebaut und auch der neue Propeller war bereits an Bord, jedoch nicht montiert. Während die Temperaturen auf arktisches Niveau sanken – also gefühlt wegen des anhaltenden starken Windes – arbeiteten wir das Boot auf. Der Wasserpass brauchte einen neuen Anstrich und die geflickten Löcher am Kiel gefielen mir noch nicht. Daher hatte ich darum gebeten, das Boot umpallen zu können. Bei der Gelegenheit hakte ich wegen dem Motoreinbau nochmal nach. Inzwischen war nicht mehr die Rede, dass das Boot mit eingebautem Motor ins Wasser gehen sollte. Lediglich Welle, Prop und Stopfbuchse wollte man noch machen. Den Motoreinbau wollte man dann in der Box fortsetzen. Ich seufzte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Freitagabend kam der Mechaniker und überlegte erstmal, wie wir das Boot anheben konnten. Dann kam er mit zwei Leuten und Wagenhebern am Samstag und wir setzten DSC_3281den vorderen Teil auf eine Behelfskonstruktion rund 5cm höher, so dass ich das Pallholz unterm Kiel herausholen konnte und an die Stellen herankam, die mir nicht gefielen. Weil es aber so kalt war (kaum über 5°), hatte ich Bedenken, dass das Epoxy nicht vernünftig bis Montag trocknet. “Ihr könnt aber am Motor weitermachen.” schrieb ich in einer SMS. Am Dienstag musste wieder umgepallt werden. Jetzt musste Rasalhague ihren “Hintern” heben, damit ich unter den hinteren Teil des Kiels kommen konnte. Die Welle war immer noch nicht drin und der Propeller nicht dran. Ein Blick ins Innere zeigte mir, was ich befürchtet hatte. Das Fundament sah noch immer so aus, wie in den Wochen zuvor. Ich wurde ungeduldig. Mittwoch, also Crane day -2, fuhr ich vor der Arbeit in der Werft vorbei und äußerte meinen Unmut über die Verzögerungen. Mir wurde wieder versichert, das Boot werde “kranfertig” sein. Allerdings wurde beklagt, dass ich ja versprochen hätte, selbst Arbeiten beim Motoreinbau zu übernehmen und nichts dazu tat. WIE BITTE? Ich traute meinen Ohren nicht. Ich erinnerte mich an das Gespräch im Februar, als der Motor an Bord gehievt wurde. Da betonte ich einmal mehr, dass ich nicht die Zeit dafür hatte und mir viel daran liegen würde, den Einbau von einem Fachmann erledigen zu lassen, damit ich Ruhe mit dem Motor hatte. Das stellte ich nun klar und man versprach mir eine Lösung, die aber vom Chef abgesegnet sein sollte.

Am Abend, ich war immer noch sauer, musste ich erneut nachhaken, was jetzt Sache sei. Mir wurden zwei Optionen vorgestellt:

Option A: Welle, Stopfbuchse und Prop werden eingebaut, das Boot regulär am Freitag gekrant und ein externer Bootsbauer würde den Motoreinbau  in der Box fortsetzen.

Option B: Anstatt ins Wasser wird die Rasalhague auf einen Trailer gepackt und in die Werft gebracht. Allerdings solle ich mich an den Kosten beteiligen.

“WIE BITTE? NÖ. Ich habe bereits den Sliptermin hier bezahlt.” jetzt war ich echt sauer. “Mir ist Option A lieber.” ahnte ich doch, dass das Ganze wieder verzögert wird. “Bis wann ist das Boot fertig?” – “Ähm, Mittwoch nach Ostern könnten wir schaffen.”

12. April, Crane-Day. Ich eilte morgens um acht zum Bootshafen und bereitete alles vor. Um 09.00 Uhr sollte ich dran sein. Der Trailer sollte um halb neun kommen. Die Boote vor mir gingen eins nach dem anderen ins Wasser. Noch zwei, dann war ich dran, aber der Trailer nicht in Sicht. Jetzt hatte ich bereits das Szenario im Kopf, dass keiner kommen würde. Ich rief an. “Wo seid ihr?” – “Der Chef ist mit zwei Mitarbeiter unterwegs.” AHA! Jetzt war das Chefsache. Noch ein Boot. Ich wartete . . . es war 5 min. vor 09.00 Uhr. Kein Trailer da, aber auch kein Boot mehr vor mir. “Und? Wo ist nun der Trailer?” fragte der Hafenmeister. Ich zuckte mit den Schultern. Nachdem zwei andere Boote, die eigentlich NACH MIR ins Wasser sollten, über mein Boot hinweg ins Wasser gesetzt wurden, tauchte der Trailer auf.

Ich traf den Chef der Werft und gab mich erstmal versöhnlich. “Ein wenig ungehalten bin ich aber schon.” Die schlechte Absprache täte im leid. Ja, das glaub ich auch. “. . .  und er möchte es halt gerne jedem Recht machen.” Mmmh, wenn man aber weiß, dass ein Termin nicht einzuhalten ist, dann sollte man nichts versprechen. Ich hakte gleich nach: “Aber nach Ostern ist das Boot dann fertig?” Er guckte überrascht und schüttelte den Kopf: “Auf keinen Fall! Wir haben Hunderte von Booten, die jetzt zu Wasser kommen. Vor Mitte Mai geht da nichts.” WAAAAS? Jetzt musste ich wohl merkwürdig geguckt haben. Mir war, als ob sich der Boden auftun würde.

Das Boot wurde zügig aufgeladen und ich packte meine Gurte schon mal ins Auto. Dann ging ich zum Werftchef und sagte zum Abschied: “Diesmal möchte ich es aber schriftlich.”

Wie gut man sich auch mit jemandem versteht, in Zukunft werde ich auf schriftliche Vereinbarung bestehen, sonst wird das nix mehr. Nur Ärger und kein Segeln.

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