Gekrant und nicht im Wasser

So eine Pleite! Es war herrlichstes Wetter, zwar kalt, aber schön. Und wir sind NICHT im Wasser! Wie konnte denn das passieren? Am 12. April war doch “Crane-Day”. . .

Nachdem der Motor im Februar geliefert wurde, kam schon bald das erste Hindernis. Mein Mechaniker teilte mir mit, dass das Fundament angepasst werden müsse. Der Motor liege zu tief. “Ok, und das heißt?” – “Das da erst mal was drunter muss.” Na gut. Ist meist so, habe ich mir sagen lassen. Dann kam die zweite Hiobs-Botschaft. “Der Motor steht zu weit raus, da geht dann die Abdeckung nicht drauf.” OH! Sollte ich einen neuen Niedergang bauen müssen? “Wir brauchen doch das andere Getriebe.” Der Motor wurde mit geradem und mit gewinkeltem Getriebe angeboten. “Die von A+B tauschen das Getriebe kostenfrei aus, kein Problem.” Na denn . . . Ein paar Wochen später bekam ich eine Kopie einer Mail mit einer Rechnung über 256,- €. “Äh, sagtest du nicht kostenfrei?” – “Das müssen wir dann auf unsere Kappe nehmen.” antwortete mein Mechaniker, bemüht mich zu beruhigen. Mit Erfolg, ich war wieder beruhigt.

Dann hatte ich ja noch vereinbart, dass die Werft für mich den neuen Propeller bei SPW bestellte. Hier hakte ich dann mehrfach nach, ob die Bestellung raus wäre und ob auf die Drehrichtung (jetzt rechts) geachtet wurde. “Läuft, alles im Lot.” – “Und wann kommt der?” – “Rechtzeitig. Er wird bis Ende März produziert und verschickt.” – “Und das klappt dann mit dem Einbau bis zum 12. April? Ich kann den Krantermin nicht verschieben. Und ich muss den Slipplatz danach verlassen können.” – “Das kriegen wir hin.” Na, allmählich beschlich mich ein beunruhigendes Gefühl.

Ende März machten wir uns dann selbst an die Arbeit. Mit dem Motor allein war es ja noch nicht getan. Nils und Heike halfen mir, das Wintergerüst abzubauen. Wir schauten ins Bootsinnere, da sah es im Motorraum noch unverändert aus. Naja, das Getriebe war ja noch auf dem Weg, sagte ich mir. In der Woche darauf machte ich mich daran, den Kiel wieder fit zu kriegen.DSC_3282 Mit Drahbürste, Epoxy und Interprotect rückte ich den rostigen Stellen zu Leibe. Den Rumpf oberhalb der Wasserlinie polierte ich, zumindest backbordseitig, während Heike Antifouling darunter auftrug, also maximal beidseitig. Inzwischen war der alte Propeller abgebaut. Nur die Welle guckte noch raus. Viel mehr war aber nicht geschehen. Ich fragte wieder nach, auf was gewartet wurde. “Wir hatten einen Notfall bei einem anderen Boot.” – “Na gut. Langsam wird es eng. Wir haben nur noch knapp eine Woche bis zum Kranen. Schafft ihr das denn noch?” – “Ja, Donnerstagmittag sind wir damit fertig.”

Die ersten Apriltage verstrichen, die Welle war inzwischen auch ausgebaut und auch der neue Propeller war bereits an Bord, jedoch nicht montiert. Während die Temperaturen auf arktisches Niveau sanken – also gefühlt wegen des anhaltenden starken Windes – arbeiteten wir das Boot auf. Der Wasserpass brauchte einen neuen Anstrich und die geflickten Löcher am Kiel gefielen mir noch nicht. Daher hatte ich darum gebeten, das Boot umpallen zu können. Bei der Gelegenheit hakte ich wegen dem Motoreinbau nochmal nach. Inzwischen war nicht mehr die Rede, dass das Boot mit eingebautem Motor ins Wasser gehen sollte. Lediglich Welle, Prop und Stopfbuchse wollte man noch machen. Den Motoreinbau wollte man dann in der Box fortsetzen. Ich seufzte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Freitagabend kam der Mechaniker und überlegte erstmal, wie wir das Boot anheben konnten. Dann kam er mit zwei Leuten und Wagenhebern am Samstag und wir setzten DSC_3281den vorderen Teil auf eine Behelfskonstruktion rund 5cm höher, so dass ich das Pallholz unterm Kiel herausholen konnte und an die Stellen herankam, die mir nicht gefielen. Weil es aber so kalt war (kaum über 5°), hatte ich Bedenken, dass das Epoxy nicht vernünftig bis Montag trocknet. “Ihr könnt aber am Motor weitermachen.” schrieb ich in einer SMS. Am Dienstag musste wieder umgepallt werden. Jetzt musste Rasalhague ihren “Hintern” heben, damit ich unter den hinteren Teil des Kiels kommen konnte. Die Welle war immer noch nicht drin und der Propeller nicht dran. Ein Blick ins Innere zeigte mir, was ich befürchtet hatte. Das Fundament sah noch immer so aus, wie in den Wochen zuvor. Ich wurde ungeduldig. Mittwoch, also Crane day -2, fuhr ich vor der Arbeit in der Werft vorbei und äußerte meinen Unmut über die Verzögerungen. Mir wurde wieder versichert, das Boot werde “kranfertig” sein. Allerdings wurde beklagt, dass ich ja versprochen hätte, selbst Arbeiten beim Motoreinbau zu übernehmen und nichts dazu tat. WIE BITTE? Ich traute meinen Ohren nicht. Ich erinnerte mich an das Gespräch im Februar, als der Motor an Bord gehievt wurde. Da betonte ich einmal mehr, dass ich nicht die Zeit dafür hatte und mir viel daran liegen würde, den Einbau von einem Fachmann erledigen zu lassen, damit ich Ruhe mit dem Motor hatte. Das stellte ich nun klar und man versprach mir eine Lösung, die aber vom Chef abgesegnet sein sollte.

Am Abend, ich war immer noch sauer, musste ich erneut nachhaken, was jetzt Sache sei. Mir wurden zwei Optionen vorgestellt:

Option A: Welle, Stopfbuchse und Prop werden eingebaut, das Boot regulär am Freitag gekrant und ein externer Bootsbauer würde den Motoreinbau  in der Box fortsetzen.

Option B: Anstatt ins Wasser wird die Rasalhague auf einen Trailer gepackt und in die Werft gebracht. Allerdings solle ich mich an den Kosten beteiligen.

“WIE BITTE? NÖ. Ich habe bereits den Sliptermin hier bezahlt.” jetzt war ich echt sauer. “Mir ist Option A lieber.” ahnte ich doch, dass das Ganze wieder verzögert wird. “Bis wann ist das Boot fertig?” – “Ähm, Mittwoch nach Ostern könnten wir schaffen.”

12. April, Crane-Day. Ich eilte morgens um acht zum Bootshafen und bereitete alles vor. Um 09.00 Uhr sollte ich dran sein. Der Trailer sollte um halb neun kommen. Die Boote vor mir gingen eins nach dem anderen ins Wasser. Noch zwei, dann war ich dran, aber der Trailer nicht in Sicht. Jetzt hatte ich bereits das Szenario im Kopf, dass keiner kommen würde. Ich rief an. “Wo seid ihr?” – “Der Chef ist mit zwei Mitarbeiter unterwegs.” AHA! Jetzt war das Chefsache. Noch ein Boot. Ich wartete . . . es war 5 min. vor 09.00 Uhr. Kein Trailer da, aber auch kein Boot mehr vor mir. “Und? Wo ist nun der Trailer?” fragte der Hafenmeister. Ich zuckte mit den Schultern. Nachdem zwei andere Boote, die eigentlich NACH MIR ins Wasser sollten, über mein Boot hinweg ins Wasser gesetzt wurden, tauchte der Trailer auf.

Ich traf den Chef der Werft und gab mich erstmal versöhnlich. “Ein wenig ungehalten bin ich aber schon.” Die schlechte Absprache täte im leid. Ja, das glaub ich auch. “. . .  und er möchte es halt gerne jedem Recht machen.” Mmmh, wenn man aber weiß, dass ein Termin nicht einzuhalten ist, dann sollte man nichts versprechen. Ich hakte gleich nach: “Aber nach Ostern ist das Boot dann fertig?” Er guckte überrascht und schüttelte den Kopf: “Auf keinen Fall! Wir haben Hunderte von Booten, die jetzt zu Wasser kommen. Vor Mitte Mai geht da nichts.” WAAAAS? Jetzt musste ich wohl merkwürdig geguckt haben. Mir war, als ob sich der Boden auftun würde.

Das Boot wurde zügig aufgeladen und ich packte meine Gurte schon mal ins Auto. Dann ging ich zum Werftchef und sagte zum Abschied: “Diesmal möchte ich es aber schriftlich.”

Wie gut man sich auch mit jemandem versteht, in Zukunft werde ich auf schriftliche Vereinbarung bestehen, sonst wird das nix mehr. Nur Ärger und kein Segeln.

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