Und sie bauen wieder . . . ein schwedentaugliches Schott

Jetzt ist es endlich soweit. Unser erster “Blue Water Törn”. Naja, so blue water dann nun auch wieder nicht. Wir bleiben in der Ostsee, aber dennoch werden wir eine ordentliche Strecke zurücklegen. Alle freuen sich schon riesig auf unseren Schwedentörn durch den Götakanal, eine der Traumrouten schlechthin. Wir stecken auch bereits mitten in den Vorbereitungen trotz allen Unheils und der Widrigkeit der vergangenen Wochen.

Jetzt, wo der Sommer so richtig loslegt, können wir damit rechnen, das es brütend heiß wird. Und in Schweden muss man eigentlich immer von einer Mückenplage ausgehen. Das heißt, wir müssen entweder tonnenweise Mückenabwehrmittel bunkern, oder . . . einen Türsteher mitnehmen. Also einen, der am Schott steht und mit “Ey Mücke, schwirr ab, du kommst hier nicht rein” uns ruhig schlafen lässt. Gut, es soll ein Familienurlaub werden, also OHNE einen breitschultrigen Hakan. 0121110_r2_FS06igAußerdem könnte bei der zu befürchtenden Myriaden an Plagegeistern auch dem besten Türsteher die eine oder andere stechlustige Blutsaugerin durch die Lappen gehen. Bevor wir uns also als wehrlose Blutkonserven bis auf den letzten Tropfen leer schlürfen lassen, muss eine Lösung herbei. Als Heike neulich im AWN-Katalog blätterte, fiel ihr die Lukenhaube mit integriertem Moskitonetz ins Auge: “Das brauchen wir unbedingt: Sonnen- und Mückenschutz, das ist doch klasse! Aber was machen wir am Steckschott?” Mmmh.

Der Gedanke, das Steckschott zu ersetzen, kam mir bereits letztes Jahr, denn ich fand es bisher ziemlich umständlich, wenn man nachts mal raus muss, das zweiteilige Schott rauszuziehen und hinter sich wieder einzufädeln. Erschwerend kommt hinzu, das man noch mit dem Vorhang hantieren muss, denn die Steckschotts sind aus rauchigem Acrylglas, also sehr lichtdurchlässig, und wenn man einen ungünstigen Liegeplatz hat, scheint schon manchmal eine Laterne in den Salon – deswegen der Vorhang. Kurz gesagt, ich hatte keine Lust mehr darauf, das ganze Gezabel nachts immer wieder einzusetzen, während die Blase kurz vorm Zerreißen war. Auch Heike ließ nicht locker. “Wir bräuchten ein Fliegengitter gegen die Mücken. Aber wie wollen wir das befestigen?” Gemeinsam entwickelten wir die Idee, ein neues, blasenfreundliches und schwedentaugliches, weil mückenabwehrendes Steckschott zu bauen.

Am nächsten Tag nahm ich Maß und besorgte mir dann das nötige Material im Baumarkt. Bei der Werftliegezeit im vergangenen Jahr, in der das Stabdeck verlegt wurde, hatte ich mir die Technik der Bootsbauer etwas genauer angesehen und abgeguckt. Am Rechner entwarf ich dann den Bauplan für das neue Schott, wobei ich zwei Entwürfe machte. Einen mit achtzackigem Stern und einen mit Bullauge. IMG-20190529-WA0001Die Mehrheit der Crew entschied sich für die erste Ausführung. Das alte zweiteilige Schott soll durch eines aus Holz ersetzt werden, das als Steckschott eingesetzt bzw. komplett entfernt werden kann. Im Hafen ist ein schneller und leichter Ausstieg gewünscht, also wird das Schott nur als Rahmen ausgeführt, an den mit Carbonhinges (Scharniere aus Kevlar) eine Tür montiert ist, die nach außen hin zu öffnen ist. Auf die Innenseite werde ich in das Holz des Rahmens Magnete einlassen. Daran kann bei Bedarf ein Fliegengitter geheftet werden, das schnell entfernt und wieder platziert werden kann. Wenn weder Steckschott noch Fliegengitter benötigt werden, wie zum Beispiel auf See, dann wird beides in einer Halterung an der Decke der Hundekoje seefest gestaut.

Am Vatertag wollten Bjarne und ich also mit dem Basteln loslegen. Aber das einzige was loslegte, war der Nieselregen. So ging das natürlich nicht. Am Freitag war es trocken und jetzt kamen die Heimwerker zum Zuge. Da ich nicht mit Teakholz arbeiten konnte, wollte ich zumindest die Optik nachahmen. Daher nahm ich Buchensperrholz, das sah mit seiner Maserung dem Teak wenigstens etwas ähnlich. Aus dieser Platte mussten 8 breite Leisten und 4 schmälere Leisten geschnitten werden. Mir fiel gleich auf, dass ich im Baumarkt auf die Maserung hätte Acht geben müssen. Statt längs verläuft die Maserung jetzt quer. ‘Dann ist das ebenso.’ dachte ich seufzend. Heike meinte später nur: “Das ist dann halt dein Berberfehler.” – “Mein WAS? Berberfehler?” – “Ja, die Berber weben auch kleine Fehler in die Teppiche, damit sie nicht perfekt sind.” Aha! Das widersprach gänzlich meinem Sinn für Perfektion, aber andererseits war das eine willkommene Ausrede für ein etwaiges unbefriedigendes Ergebnis. Schließlich bin ich kein gelernter Tischler.

DSC_0164Aus dickerem Pappelsperrholz sägte Bjarne den Rahmen für das Steckschott aus. Anschließend schmirgelte er die Kanten und beizte das Holz mit Teakbeize. Den ausgesägten, inneren Teil wollten wir als Verstärkung für die Tür nutzen. Aus dem restlichen Buchensperrholz sägten wir dann eine Grundplatte aus, die allerdings nicht mehr den Knick an den Seiten wie der Rahmen aufwies. Diesen Knick konnten wir wegen der Scharniere nicht beibehalten. Damit die Tür auch möglichst dicht abschließt, mussten die Scharniere vertieft eingelassen werden. Also fräste Bjarne auf der Rückseite der Platte  Aussparungen dafür  ein und leimte anschließend die Carbonhinges fest.  DSC_0168Danach ermittelte ich die vertikale Mittelachse der Platte und zeichnete sie als Referenzlinie ein. Mittig, aber nach obenhin bündig wurde jetzt das verstärkende Pappelsperrholz angeleimt.

Auch auf der Vorderseite zeichnete ich die Mittellinie an und außerdem noch am Rand die Begrenzung der Leibhölzer. Damit bekam ich den richtigen Winkel für den Gehrungsschnitt. Nachdem wir auch einen großen achtzackigen Stern aus dem verbliebenen Buchensperrholz ausgeschnitten hatten, legte ich diesen auf die Mittellinie und malte den Umriss auf die Platte. Als nächstes folgten die 8 Leisten, die schön an der Referenzlinie ausgerichtet wurden. Mit aufgelegten Stern zeichnete ich die Umrisse auch auf die Leisten, DSC_0181nummerierte sie und markierte auch, wo welche Leiste hinkam. Bjarne sägte im Anschluss die Leisten gemäß der Sternkontur zurecht. Jetzt begann das Aufleimen der Leisten. Zu erst kam das untere Leibholz drauf. Danach folgten die Leisten, ausgehend von der Mitte, möglichst mit gleichem Abstand. Als alle Leisten, Leibhölzer und der Stern aufgeleimt waren, fräste ich die Fugen mit dem Dremel auf, so dass die Fugen überall gleichmäßig breit waren . . . naja, mehr oder weniger.

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Vielleicht ein bisschen viel Tikalflex, ab es ging erstaunlich gut runter.

Der nächste Arbeitsschritt war das Verfugen. Ich füllte die Fugen mit schwarzem Tikalflex (Pantera) und glättete sie anschließend. Nachdem die Masse getrocknet war, schliff ich die überschüssige Masse vorsichtig ab, schließlich wollte ich die Maserung erhalten. Sperrholz ist leider kein Teak. Dennoch war ich vom Resultat sehr überrascht. Ich hatte es selbst nicht erwartet, DSC_0187aber das Ergebnis sah schon ohne Beize so überzeugend aus, das ich beinahe entschieden hätte, es so zu lassen. Das ging natürlich nicht, denn so war das Holz in keinem Fall seewettertauglich. IMG-20190605-WA0001Also beizte ich die Tür mit Ausnahme des Sterns etliche Male mit Teakbeize, bis ein satter rötlich brauner Ton entstand. Jetzt sah das fast so aus, wie auf dem Plan. Heike war voll begeistert: “Das ist soooo traumhaft schön.” Ich erinnerte mich an eine Anmerkung meines Vaters, als er an Ostern zu Besuch war. Einer meiner Vorfahren wäre in Groß Vollstedt Tischler oder Schreinermeister gewesen und daher rührt scheinbar unsere Vorliebe für Holzarbeiten. ‘Hmmm, ist Handwerkskunst vererbbar?’ Auf jeden Fall sucht man schon beinahe vergeblich nach einem Berberfehler. Perfektion liegt genauso wie Schönheit im Auge des Betrachters.

Die Tür musste natürlich auch von hinten noch gebeizt werden. Anschließend musste ich noch die Scharniere mit dem Rahmen verbinden. Das war etwas heikel, denn die zur Verfügung stehende Fläche war sehr klein. Eigentlich wollte ich das Carbon um die Ecke des Rahmens knicken, aber daraus wurde dann ein Kürzen. Anschließend  leimte ich die Scharniere auch hier in Vertiefungen ein. Hoffentlich hält das. . . . Natürlich nicht! Ein zweiter Versuch mit Schraubzwingen und Schrauben war dann erfolgreicher. Noch vor dem Einpassen in den Rahmen überzog ich die Tür mit etlichen Schichten D.2 Decksolje Klarlack, damit das Holz dauerhaft vor Feuchtigkeit geschützt wird. Leider war es nicht glatt, weil Staub und derartiges sich auf die frisch lackierte Oberfläche legte. Also schliff ich es mit 240er Papier ab und lackierte nochmals zwei Schichten, jetzt in einem staubfreien Raum. Endlich fühlte sich die Tür so an, wie die Teakhölzer der Plicht damals ganz am Anfang. Auf der Innenseite kam eine Dichtungslippe aus Tikalflex in die Umrandung und auch die Schiebeluke benötigte eine Lippe. Gar nicht so einfach! Nach einem misslungenen Versuch probierte ich eine andere Taktik. Ich legte eine Sperrholzleiste an die vordere Kante und spritzte eine Wulst aus Tikalflex dagegen. Dann kippte ich das Brettchen etwas an, damit die Lippe nicht vorsteht. Nachdem es getrocknet war, nahm ich ein Cutter und schnitt mit einem langen glatten Zug das Brettchen wieder frei. Die Dichtungslippe war beinahe perfekt glatt. Später baute ich auf die Innenseite der Tür noch einen Griff und eine Verriegelung ein. Und natürlich musste auch das Schloss eingebaut werden. Das nahm ich einfach vom alten Steckschott, das wir noch als Reserve behalten werden.

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Recht schnell hatte ich die Halterung für das neue Schott in der Hundekoje zusammen gebaut. Allerdings musste am Einbauort erst einmal die alte Neonröhre Platz machen. Na, die sollte eh ausgebaut werden. Der Bau des Fliegengitters war denkbar einfach. Ich besorgte mir eine Handvoll Leisten und sägte die einzelnen Teile zu recht, schliff die Kanten ab und beizte das Holz. Das Moskitonetz bekommt man von der Rolle, da man aber eher wenig davon braucht, war eine Tropenbetthaube von IKEA tatsächlich günstiger. Ich legte mir die Teile für einen Rahmen zurecht und spannte das feinmaschige Netz darüber, das mit Reiszwecken provisorisch gehalten wurde. Anschließend verleimte ich die Teile des zweiten Rahmens inklusive Netz mit dem ersten Rahmen. Danach ließe ich es trocknen. Zuletzt fräste ich noch Aussparungen für die Magnete, die mit Holzleim fixiert und später mit Klarlack versiegelt wurden. Am Rahmen hatte ich schon Vertiefung vorgesehen, so das nur noch die Gegenstücke eingesetzt werden mussten. Als alles fertig und der Lack fest war, nahm ich den Mückentürsteher und setzte ihn von innen an den Türrahmen . . . Klack!

Oh wie genial . . . und wir brauchen doch keinen Hakan! Trotzdem gilt: “Mygga, du kan inte komma in här!”

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Die Rasalhague bekommt ein Klavier

Bevor jetzt einer denkt: ‘Was? Jetzt will er noch ein KLAVIER einbauen? Wie viel Platz ist denn da noch auf dem Boot?’ . . . hier geht es nicht um ein Musikinstrument! Ich bin nebenbei bemerkt völlig talentbefreit in Sachen Musik, kann gerade mal auf der Bootsmannmaatenpfeife “Raise” oder “Seite” pfeifen. Auf einem Segelboot hat ein Klavier etwas mit Leinen zu tun und nicht mit Saiten. Halt das, was auf einem Großsegler eine Nagelbank ist.  Oh weh, ich seh’ schon, jetzt runzeln wieder welche die Stirn und wundern sich . . . ‘warum werden da Nägel in eine Bank eingeschlagen?  Und was heißt Raise?’  Na, das nach dem Locken. ‘Hä? Heißt es nicht . . . nach den Locken?’ Nein, es heißt ja auch DAS LOCKEN und es sind mit Sicherheit keine Haare. Aber hier soll es um das Klavier gehen und nicht um die Seemannssprache.

Ein ruheloser Geist wie meiner wird wahrscheinlich immer nach weiteren Verbesserungen streben, damit das Handling noch leichter wird und man vielleicht noch ein bisschen mehr aus dem Potenzial des Bootes herauskitzeln kann. Nachdem sich die Bullentalje auf dem letzten Sommertörn bewährt hatte, jedoch das Handling etwas umständlich war und sie sich als Stolperfalle auf dem Laufdeck entpuppte, überlegte ich mir hierfür eine neue Lösung. Da auch der Traveller einer Verbesserung bedurfte, entstand daraus schnell eine grundlegende Neuordnung des gesamten “laufenden Gutes”, also aller Leinen, die mit den Segeln zu tun haben. Bisher hatten wir keine Fallen ins Cockpit umgelenkt und blieben somit von großen Wuhlingen verschont. ‘Was ist denn jetzt wieder ein Wuhling?’ denken sich bestimmt einige. Man stelle sich einen Haufen Leinen vor, die komplett miteinander “verwurschtelt” sind – so hätte meine Mutter das beschrieben. DAS ist ein Wuhling. Viel Spaß beim Klarieren.

Als im letzten Sommer unsere Freundin Kerstin mal zum Segeln mit war, wunderte sie sich über unsere spärliche Leinenführung im Cockpit: ” . . . und das ist also euer ‘Klavier’? Büschen wenig, was?” . . . Ähm, ja. Auf der Backbordseite lagen in einer Klemme beide Travellerleinen  und in einer zweiten Klemme auf Steuerbord der Baumniederholer, der gleichzeitig unsere Großschot ist. DSC_0421Prinzipiell kann man eine Boström so auch gut fahren, denn wenn die Großschot für “Raumschots” oder “Vorm Wind” aufgefiert werden muss, war gleichzeitig auch ein bauchigeres Profil von Nöten und der Baumniederholer brauchte dann auch Lose. Grundsätzlich war ich froh, das wir die Großschot nicht auf einem Reiterbalken in der Plicht fuhren. Das hätte nur unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Und da wir keine Regattasegler sind, kam es uns letztlich nicht auf den absolut perfekten Trimm an. Die Sicherheit an Bord, insbesondere auf See beschäftigte mich jedoch mehr und die Stolperfalle war mir auch im Hafen ein Dorn im Auge, denn da störte die Bullentalje zum Beispiel gerade beim Segelpacken. Es dauerte ein dreiviertel Jahr bis zur Umsetzung, dennoch hatte Kerstins Bemerkung in mir etwas entfacht. Obwohl in meinem Kopf kein Stroh ist (glaube ich zumindest), war das eine brandgefährliche Situation. Meine grauen Zellen sind für neue Ideen und Optimierungen stets leicht entflammbar. Es reicht dann immer nur ein Funke. Mein Gehirn ist da wie Zunder. Kerstin konnte das ja nicht wissen, aber wenn man mir einen solchen Denkanstoß gibt . . . nun ja, . . . mit so ähnlichen Aussagen von Heike bin ich ja auch mal eben zum Boot und zur Modelleisenbahn gekommen.

Am sinnvollsten erschien mir eine neue Konfiguration mit Umlenkung auf dem Dach und Achterführung durch Ösen in der Sprayhood ins Cockpit. Schon vor der Zwangspause durch Wellen- und Ruderschaden hatte ich behelfsmäßig mit einer Montage am Handlauf begonnen, aber das konnte jedoch keine Dauerlösung bleiben. Da die Rettungsinsel aber recht breit ist und für eine Leinenführung auf dem Dach etwas “im Weg” war, beschloss ich, die Insel einfach um 90° zu drehen und die beiden Handläufe um ca. 5cm weiter nach außen zu verlegen. Das ist allerdings eine Arbeit, die bis zum Herbst warten muss. Bei der Gelegenheit könnte ich ja auch das Kabinendach renovieren und den Antirutschanstrich erneuern. Ok, ist als erstes Projekt für das Winterlager vorgemerkt.

Im Cockpit soll dann alles zusammenlaufen, deswegen heißt es ja auch Cockpit. Clamcleats, wovon wir schon zwei hatten, waren die einfachste und günstigste Lösung, Leinen zu beklemmen, nur waren die verschiedenen Leinen nicht beschriftet. Wer nicht auswendig wusste, welche Leine was bedient, kam nicht weit, also baute ich die vorhandenen Seilklemmen aus. Zumal man so nicht die Fallen auf die Winschen legen konnte, denn die Clamcleats würden nicht im richtigen Winkel stehen. Die seitliche Zuglast wäre zu groß. Deshalb hatte ich mir bei SVB einen 4er und einen 5er Fallenstopper von Easylock bestellt. Unter den alten Clamcleats war je ein Keilsockel verbaut, damit die Leine möglichst gerade in die Bremse führte und nicht von alleine rausrutschte. So einen Keilsockel brauchte ich jetzt auch für die Fallenstopper, nur viel breiter. Anstatt einen zu bestellen, nahm ich dafür Teakholzkeile, die beim Stabdeckbau übrig geblieben waren. Für den 4er Stopper brauchte ich zweieinhalb Keile, für den 5er dreieinhalb. Also sägte ich einen Keil in zwei Hälften und leimte dann die Keile zu zwei Sockeln zusammen. DSC_0207Danach schliff ich eine leichte Wölbung auf der Unterseite ein, denn der Aufbauort war nicht plan. Jetzt brauchte ich noch Bohrlöcher in den Keilen und im Dach. Leichter gesagt als getan, denn gleich zwei Bohrnadeln ließen ihr Leben bei der Aktion. Notgedrungen spannte ich den abgebrochenen Rest einer Nadel ein und konnte damit tatsächlich bis zum Ende bohren. Anschließend umrandete ich die Löcher im GFK zwecks Abdichtung mit Tikalflex und klebte damit die Teakkeile provisorisch fest. Nachdem ich wieder einmal die Deckenplatten über Pantry und Nav-Ecke entfernt hatte, wurden die Schrauben mit einer 3mm starken Edelstahlplatte zur Zuglastverteilung und den Muttern gekontert. Fertig. Nils hatte bereits die Beschriftung der Fallenstopper auf die Hebel geklebt. Als alles fertig montiert war, erfolgte ein Test. Uff, gar nicht so leicht zu öffnen. Aber sie waren nicht mehr so schwergängig wie vor der DSC_0208Montage. Am schwierigsten war jedoch das Durchfädeln der Leinen. Besonders gut finde ich, dass sich jetzt die Fallen auf die Winschen an den Seiten legen lassen, da die Fallenstopper eine seitliche Zuglast von max. 15° aus der Mittellinie abweichend erlauben. Und tatsächlich, mit den Hebeln erinnern die Fallenstopper an die Tasten eines Klaviers.

Als nächstes baute ich den Traveller um. Bisher waren hier einfache Stopper und Doppelumlenkblöcke installiert. Die Stb-Travellerleine hatte am Stopper schamfilt und schmirgelte außerdem den Block auf, weil die zweite Scheibe des Blocks vom Baumniederholer genutzt wurde und dadurch der Block insgesamt verkantete. Daher war der Traveller bisweilen extrem schwergängig. Also hatte ich bereits letztes Jahr einen einzelnen Block angebaut und die Steuerbordleine nicht mehr durch den Doppelblock geführt. DSC_0209Der Traveller ließ sich jetzt nach Steuerbord leichter ziehen, jedoch verdrehte sich der Block auch gerne. Aber die Lösung war in Sicht, denn nun verlegte ich die Leinen ihren Seiten entsprechend jeweils nach links und rechts. Damit konnte sich der Block nicht mehr frei drehen. Am Travellerschlitten selbst tauschte ich zwei einscheibige Blöcke gegen Doppelblöcke und die Einzelblöcke montierte ich an die äußeren Enden des Travellers. Der anschließende Test fiel äußerst zufriedenstellend aus, insbesondere weil durch den entstandenen Flaschenzug  der Traveller auch unter Last viel leichter zu holen waren. Nur waren die alten Leinen jetzt zu kurz. Also besorgte ich neue grüne und rote 8mm Herkulesleinen von Liros.

Für den Baumniederholer wollte ich einen kippbaren Stehblock von Sprenger, damit die Leine den Block nicht mehr verkanten lässt, aber den gab es nicht für 8mm starke Leinen und dünner konnte ich die Leine nicht dimensionieren. Ich experimentierte mit einem einscheibigen Block mit Unterbügel, der einem Violinblock ähnelt, so lange rum, bis ich eine gangbare Lösung hatte. Denkste! Es klappte um und blockierte. Letztlich musste ich einen Bügel an die Dacklukengarage schrauben und daran einen Block anschäkeln. Damit erreichte ich aber auch, dass die Leine möglichst flach überm Deck zur Sprayhood geführt wird. Eigentlich war die gelbe Leine noch gut, aber sicherheitshalber tauschte ich sie gegen eine schwarze 8mm Herkulesleine.

Das dritte wesentliche Ärgernis war die Bullentalje. Also die Talje war prinzipiell gut, aber eben eine Stolperfalle. Neben dem Mast montierte ich auf beiden Seiten je drei Einfachstehblöcke von Barton, bzw. Sprenger. Die zu bekommen war schwerer als gedacht, offenbar ein Auslaufmodell. Für die Montage musste die Decke im Salon temporär weichen, damit die Schrauben mit Edelstahlplatte und Muttern gekontert werden konnten. Bei Marken-Bootsbeschläge.de hatte ich mir Fallenumlenker von Pfeiffer besorgt und montierte die Schienen auf dem Dach. Eine Schraube ersetzte ich dabei durch einen Augbolzen und schäkelte daran einen einscheibigen Block mit Unterbügel. Das war jetzt der Bb-Holepunkt, an den ich die neue Leine der Bullentalje (eine 8mm Seastar Color von Liros) mit einem um eine Spitzkausch getakelten Auge anschlug. Am Baum hatte ich für jede Seite einen einzelnen Block unmittelbar vor dem Niederholer angeschäkelt. Das lose Ende der Leine führte ich jetzt zu diesem Block hoch und zurück zum Holepunkt, hier durch den Block und dann zum Mast durch einen Stehblock, bevor es zum Fallenumlenker an Backbord und dann durch die neuen Antal Leitösen auf dem Dach endlich durch die Durchführung der Sprayhood ins Cockpit ging. Das gleiche montierte ich auf der Steuerbordseite und dann kam der Test. Ich schwenkte den Baum nach Backbord aus, holte die Bb-Bullentalje dicht, legte sie in die Klemme und versuchte den Baum mittels Traveller nach Steuerbord zu ziehen. Die Talje kam steif und der Baum blieb wo er war, so sehr ich auch zog . . . keine Chance! SEHR GUT!

DSC_0210Im Internet hatte ich vor einiger Zeit einen Hinweis für einen besseren Trimm des Großsegels gefunden. Mit einem Cunningham-Strecker könnte das Profil des Großsegels flacher gestaltet werden und damit könnten wir höher an den Wind gehen. Das wäre nicht schlecht, denn auf der Kreuz verloren wir doch erheblich an Höhe. Also besah ich mir unser Großsegel und den Mast. ‘Mmmh, im Segel ist eine Kausch, aber da ist ja noch die alte Winschkurbeltasche am Mast im Weg,’ ich zögerte, ‘die wir eigentlich nicht brauchen. Unsere Kurbeln bewahrten wir bisher stets im Cockpit auf. Kurzerhand entfernte ich die schon etwas gammelige PVC-Tasche. Am Mastfuss ist ein Auge, an dem ich nun einen der am Traveller freigewordenen Doppelblöcke festschäkelte. Zunächst band ich die Leine des Cunninghams (eine blaue 8mm Herkules) an den Bügel des zweiten Doppelblockes fest, führte dann die Leine durch die Baumnock am Lümmelbeschlag vorbei hoch zur Kausch, fädelte sie durch und auf der anderen Seite wieder runter. Dann ging es durch den unteren Doppelblock, hoch zum Anderen, der jetzt unter dem Lümmelbeschlag hing, zurück zur Ersten und wieder hoch zum zweiten Doppelblock. So entstand ein Flaschenzug, mit dem der Kraftaufwand beim Trimmen nicht so groß sein musste. Abschließend ging die Leine durch einen Stehblock an Steuerbord neben dem Mastfuss und über den Fallenumlenker ins Cockpit.

Als Letztes kamen die Fallen dran. Auch diese Leinen ersetzte ich, denn wer weiß, wie alt die bisherigen Fallen waren. Hier verwendete ich 8mm starke Regatta 2000 von Liros in blau/rot, blau/grün, und blau/hellblau.  Vielleicht sind die etwas unterdimensioniert, nicht von der Last her, aber eine 8mm dicke Leine kann nicht mehr vernünftig mit der Winsch geholt werden. Ein Fall bei stehendem Mast zu tauschen ist nicht schwer, wenn man weiß wie. Ich verband die Enden mit Gewebeband locker miteinander, so dass sie an der Umlenkrolle im Topp nicht zu steif waren. Danach holte ich die alten Fallen durch und die neuen waren im Mast. Mit Takelgarn nähten Bjarne und  ich dann die Schäkel an die Enden, die am Kopf der Segel angeschlagen werden. Spi- und Großfall führte ich backbords durch die Stehblöcke am Mast, die Umlenkschiene und die Leitösen ins Cockpit. Das Fockfall läuft auf der Steuerbordseite nach hinten. Jetzt kann man die Segel sowohl auf der Back setzen – sehr zu Erleichterung von Heike, die gerne auf der Back rumturnt -, als auch von hinten aus dem Cockpit. Ein großer Schritt zum Einhandsegeln.

DSC_0211Erprobt wurde es natürlich auch umgehend. Wir mussten das Boot wegen der KiWo zwar dieses Jahr nicht verlegen, weil wir bleiben durften, aber dennoch war ein Einladen der Polster kaum möglich, da man mit dem Auto gar nicht mehr zum Hafen kam. Nur gegen 50 € Pfand, das nach einer Stunde einbehalten wurde. Nee, da verlegen wir lieber nach Holtenau und können das schnell von zuhause erledigen. Also verlegte Bjarne und ich das Boot am Samstag nach Holtenau und testeten bei der Gelegenheit zum ersten Mal die neue G1. Hui, das Sichtfenster war gut positioniert und half die Lage viel besser einzuschätzen. Jetzt kann sich keiner mehr hinter unserem Segel verstecken.

Heike staunte über das neue Klavier und hatte Angst, sie käme damit nicht zurecht, aber es ist ja doch nur Gewöhnungssache. Das sah alles schon viel sauberer aus. Richtig professionell, wie bei einem Regatta-Boot, allerdings waren damit unsere Möglichkeiten auch schon so ziemlich erschöpft, denn viel mehr Platz gibt es nicht. Unsere Schottaschen, die wir bisher nur als Stauraum für Getränke, Logbuch und Seekarten nutzten, fanden somit endlich ihre eigentliche Bestimmung als Aufbewahrungsort für einen . . . ja, genau . . . für einen richtigen WUHLING.

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Jetzt kann es endlich losgehen . . . 6 Wochen Segeln! Wir freuen uns!

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Alles neu: Welle, Ruder und Sprayhood

Noch ein paar wenige Wochen, bis es endlich losgeht. Und nun steht die Rasalhague wieder hoch und trocken, weil die Welle rausgerutscht und auch noch das Ruderblatt gebrochen war. Und wieder können wir nicht segeln. Das ist ganz schön ärgerlich. Nein, es ist FRUSTRIEREND! Mit der Werft kam ich über den Austausch der Welle und des Klemmflansches überein. Man sah den Fehler ein und aus Kulanz wird man nicht nur den Flansch austauschen, sondern eine neue Welle oben drauf legen. Immerhin etwas, obwohl man Stein und Bein schwört, der Flansch sei laut Hersteller geeignet. Naja . . . ich verlass mich lieber auf die Aussage des Gutachters. Für das Ruder bekam ich auch ein Angebot, aber nachdem ich von Rubin schon eine Zusage hatte, und die obendrein noch deutlich günstiger war, vergab ich den Auftrag nicht an die bisherige Werft. Selbst, wenn man mir im Preis entgegen kommen wollte – das Angebot war doppelt so hoch wie das von Rubin – muss ich jetzt doch sagen, dass das Vertrauen endgültig geschwunden ist.

Mit Rubin hatte ich vereinbart, dass ich das Ruder selber ausbauen und vorbei bringen sollte. Puuh, ich hab noch nie ein Ruder ausgebaut. Aber irgendwann ist immer das erste Mal. Also verabredete ich mich mit Henning, der mir helfen wollte. Donnerstagnachmittag fuhr ich zum Boot und siehe da, Yachtwerft Dick war schon da und hatte die Welle ausgebaut. Jetzt hoffe ich nur, das es auch wirklich eine neue spezialangefertigte Welle ist und nicht wieder etwas, “was am schnellsten verfügbar ist”. Diese Aussage kam vom Chef der Werft bzgl. des Flansches und ich fand das doch sehr merkwürdig. Inzwischen hatte ich immer mehr ähnliche Aussagen über die Arbeit der Werft gehört. Naja, fairerweise muss man sagen, dass das Hörensagen ist und man sich seine eigene Meinung bilden muss. Meine Erfahrung sagte mir jetzt: “Guck dich nach einer anderen Werft um.”

An Bord räumte ich schon mal die Heckbackskiste aus und stellte fest, dass der Gascontainer auf der Bodenplatte stand, die ich entfernen musste um an den Ruderquadranten ranzukommen. “Oh Shit, bitte sag mir, dass der Container nicht ausgebaut werden muss.” fluchte ich. “Wenn du die Leitung abschraubst, dann muss eine neue Dichtigkeitsprüfung erfolgen.” meinte Henning. “Mmmh ja. Deswegen versuchen wir das mal ohne.” Ich drehte das Flaschenventil zu und lockerte den Gurt des Containers. Vorsichtig konnte ich den Behälter beiseite drehen und dann die Bodenplatte darunter entfernen. “Uff, so, jetzt ist der Quadrant frei. Ok, was haben wir denn da? Wasser und Öl in der Bilge, naja, darum kümmere ich mich später. Einen 19er Maulschlüssel bitte.” Die beiden Quadrantenklemmschrauben konnte ich recht einfach lösen, auch ein Steuerseil, doch beim zweiten fehlten mir einfach 10cm Armlänge. Henning versuchte sein Glück, fluchte über die engen Verhältnisse, und meinte, beim Einbau des Ruders hätte man sicher auf Kinderarbeit zurück gegriffen oder Gnome gehabt. Sein Arme waren die entscheidenden Zentimeter länger und auch das zweite Steuerseil konnte gelöst werden. Ich zog den Quadrant nach oben ab und legte ihn beiseite. Der Ruderschaft war frei, jetzt musste das Ruderblatt nur nach unten rausgezogen werden.

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Mit einem Schraubenzieher und dem Hammer bearbeiteten wir dann das Skeg, um an das Metallband zu kommen. Das mit Aerosil verstärkte Epoxy, das ich letztes Jahr so schön glatt bekam, musste weichen, damit wir an die sechs Schrauben ran kamen. Die Bleche sahen danach echt übel aus. An einer Stelle war das Blech zerfressen und gerade biegen ließ sich das mit Sicherheit auch nicht mehr. “Die demontieren wir auch gleich, da mache ich neue hin.” entschied ich. Als wir das untere Ruderlager endlich gelöst hatten, konnte Henning das Ruderblatt nach unten rausziehen.  “Was ist das denn?” wunderte ich mich, “Sieht aus wie Stracciatella-Creme.” – “Ehh, probieren will ich es nicht.” meinte Henning. Eine schaumig-cremige Substanz trat auf der Backbordseite hervor, da wo das Ruderlage angeschraubt war. Weit mehr Sorgen machte ich mir über den langen Spalt, der am Skeg bisher durch das Ruder verdeckt war. “Das soll Rubin am besten gleich mit dicht machen, wenn die das hier eh neu abspachteln, bzw. mit Glasfasergelege machen.” entschied ich. Zum Feierabend brachte ich das Ruderblatt zu Rubin, dann war auch für mich Schluss.

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An Pfingsten konnte ich mich dann an die Arbeiten machen. Ich hatte zwei 1m lange 3mm dicke Aluschienen aus dem Baumarkt geholt. Edelstahl gab es nicht in den benötigten Maßen und da ich das Alu gleich mit einlaminieren wollte, bestand auch keine Gefahr, das es sich an der Kontaktstelle mit dem Ruderlager langsam auflöst. Die Laminierarbeit ist jedes Mal ein Unterfangen, das mir scheinbar noch nicht richtig liegt. Nachdem ich die Stellen am Skeg geschliffen hatte, klebte ich die Alu-Leisten mit Tikalflex am Skeg fest. Am nächsten Tag kam ich mit Poly-Laminierharz und mit einer Glasfasermatte. Das Harz war schnell angerührt und aufgetragen. Ich schnitt die Matte in kleine Streifen, und setzte Stück für Stück an. Das Bestreichen mit dem Harz zog wieder einmal einige Fasern aus dem Gewebe, so dass schnell ein nicht zu bändigendes Gestrüpp entstand. Nachdem der Riss vollständig überlaminiert war, ließ ich es noch etwas trocknen. Eine Stunde später war das Harz hart und mit Modellieren war Schluss. Also nahm ich den Exzenterschleifer und schliff das gröbste überschüssige Gewebe ab. Da kam gerade eine Crew eine großen X-Yacht auf den Trailer hinter meinem Boot zugesteuert. Nach 5 Minuten raunzte mich der Älteste der Seglercrew an, das wäre doch GFK und das sei gesundheitsschädlich. Außerdem wäre er zahlender Kunde und zahlt Platzmiete für den Trailer, da hätte er doch ‘Anspruch darauf, dass keine Glasfasern in seinen Trailer fliegen. Ich hielt mich zurück, weil ich da keinen Sinn in einer Diskussion sah. Er würde sich nur noch mehr echauffieren. Nach kurzer Zeit stellte ich das Schleifen ein und musste verärgert registrieren, wie der herbeigerufene Hafenmeister mich um Rücksichtnahme bat und der Schnösel mit einer stinkenden Cohiba die Atemluft verpestete. ‘Aha, fragt sich, was jetzt gesundheitsschädlicher ist.’ grummelte ich innerlich. Mir ist das egal, ob das ein Weltstar der Seglerszene ist, daraus leiten sich keine Sonderrechte ab. Ich muss zusehen, das ich mit dem Skeg fertig werde, bevor die Werft mit der Welle bzw. Rubin mit dem Ruder fertig ist.

Noch letzte Woche, bevor uns die Welle dann ausbüchste, hatten wir eine neue Sprayhood beauftragt, denn erstens war die alte schon leicht brüchig, zweitens teilweise mehr grün als rot und drittens hatte sie zu wenige Kauschen für alle Leinen. Gut, die hätten auch noch in die alte Haube gestanzt werden können, aber der Stoff war nicht mehr sonderlich stabil. Der Segelmacher unseres Vertrauens war Frerichs, direkt in Schilksee am Hafen. Auch wenn etwas teurer als andere, uns war aber eben wichtig, dass er vor Ort war und außerdem kannten wir ihn ja schon. Als ich mit Henning das Ruder ausbaute, fiel mir auf, dass da nicht nur die Welle fehlte, jetzt war auch die Sprayhood verschwunden. “Ach, na dann hat er bereits angefangen.” stellte ich befriedigt fest. DSC_0212Als Neuerung hatten Heike und ich mit dem Segelmacher besprochen, das wir optional Windschutzplanen an die Sprayhood knöpfen können. Von der Kuchenbude waren noch die Druckknopfanker vorhanden. Das ließe sich doch gut nutzen. Meine Zuversicht, das alles zum Törn fertig sein würde, wuchs Stück für Stück.

Eine Woche nach dem Ausbau des Ruders wurde ich dann wieder unruhig. Ich bekam überhaupt keine Rückmeldung von der Werft. Und jedes mal, wenn ich am Boot war, sah es am Skeg unverändert aus. Heike riet mir, nachzufragen und Druck auszuüben. Mag ich zwar nicht, aber es schien nicht ohne zu gehen. Also fuhr ich zur Werft und hakte nach. “Wie sieht es aus?” – Teile sind bestellt und kommen Anfang nächster Woche. Donnerstag können wir kranen und Freitag ist Abnahme durch Volvo.” sagte der Mechaniker. “Ihr wollt doch auch noch die beschädigte Stelle am Skeg machen, nicht wahr? Bitte macht das nicht auf den letzten Drücker. Jetzt ist da wenig Betrieb und das Wetter ist gut.” mahnte ich eindringlich. “Ok, wir fahren gleich hin.” Gut. das war erledigt. Und es tat sich ein Lichtblick auf. Wenn das Boot Donnerstag ins Wasser käme, dann hatten wir das erste KiWo-Wochenende zum Segeln. Jetzt musste ich noch Rubin Bescheid geben. Hoffentlich hatte er bereits angefangen. Ich fuhr nach Altenholz und ging in seine Halle. Da lag mein Ruder unübersehbar . . . ganz nackt, d.h. es war komplett abgeschliffen. “Na, das Ruder kenne ich doch. Gab oder gibt es Probleme?” fragte ich. “Nein, aber die Saison hätte das Ruder nicht überstanden.” Er zeigte mir warum. Einige altersbedingte Schwachstellen hätten sehr wahrscheinlich zur Auflösung des Ruders geführt. “Oh! Das ist ja dann noch mal gut gegangen. Und das hier?” ich zeigte auf die untere Ecke des Ruderblattes. Da war offensichtlich mal was ausgebessert worden, und zwar nicht wenig. Eine Fläche, 20x20cm groß, bestand nicht aus den Hartschaumplatten, sondern aus laminiertem Glasfasergelege. “Ja, da muss mal was weggebrochen sein. Ist aber schon länger her.” sagte Rubin. Mmmh, also wurde das Ruder schon mal ‘gestresst’. “Wann bist du fertig? Donnerstag wird die Welle montiert sein und dann soll das Boot gleich zu Wasser.” – “Schaffe ich. Montag oder Dienstag ist es fertig.” Sehr gut! Ich holte mir noch ein paar Tipps ein, denn die neuen Leitbleche am Skeg wollte ich einlaminieren und mein erster Versuch sah nicht berauschend aus. Ganz uneben und wellig. Am Abend hatte ich es dann aber geschafft. Nur noch Abspachteln, Glätten, Grundieren, Gelshield und Antifouling, dann war das Skeg fertig.

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Jetzt musste auch ich fertig werden. Vor allem stand für mich Elektrik auf dem Programm. Solarzellen neu anschließen, Wasserhahn und Licht in der Pantry instand setzen, eigentlich das Licht auf der kompletten Backbordseite.  Wenigstens weiß ich jetzt, das es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit korrodierte Litzen sind, die den partiellen Stromausfall verursachen. Kupfer oxidiert eben und wenn die Anschlussstellen nicht luftdicht versiegelt sind, dann kommt Seeluft ran. Schon zum Mäusemelken, die Elektrik an Bord. Aber mit dem Tipp vom AWN-Fachmann hatte ich bereits den Plotter wieder in Gang gesetzt.

Immer noch viel zu tun.

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Heikes Nähwerkstatt

Vor zwei Jahren haben wir uns endlich von dem alten Großsegel getrennt. Das hatte es wirklich hinter sich. Das Segeltuch hielt den starken Winden nicht mehr stand und da jedes Jahr kleinere Flickarbeiten auftraten, war es Zeit, ein neues Segel zu kaufen. Was macht man aber mit dem alten Segel? Wegwerfen? Verkaufen? NEIN! Zwar kann man altes Segeltuch an Taschenschneidereien verkaufen und bekommt dafür eine Tasche nach Wunsch, aber das ist ein schlechter Tausch, wenn man selber nähen kann. Und Heike kann nähen! Und sie näht gerne. Jetzt, da unser Boot an Land stand und wir eh nicht segeln konnten, da nutzen wir die Zeit für Näharbeiten.

Damals entstanden schnell Ideen, was aus dem Segel gemacht werden sollte. Als erstes hatte Bjarne sich eine Multifunktionstasche für die Schule gewünscht. Die dauerte zwar etwas, aber Heike lieferte ihm eine echte Wertarbeit. Er war glücklich und sehr zufrieden, wie man an der ständigen Nutzung erkennen konnte. Als zweite Idee stand ein Paar “Steuersäulenbeutel” auf der Liste. Schweres Wort. Letztes Jahr beim Sommertörn, als wir weitere Ideen sammelten, wurde aus dem Zungenbrecher schon mal ein Beulensteuersäutel oder auch ein Säulensteuerbeutel oder gar eine Beutelsteuersäule, was auch immer das war, vermutlich ein naher, navigatorisch begabter Verwandter des australischen Känguruhs. Gemeint waren Flaschenhalter, die an den Haltebügel der Steuersäule geklettet werden konnten. Außerdem gehörte dazu je ein Einsatz für Gummibärchen, Nüsse oder ähnliche Snacks, damit man nicht so tief in den Flaschenhalter greifen muss. DSC_3719Dieses Projekt zeigte jedoch der Nähmaschine über kurz oder lang ihre Leistungsgrenze auf, obwohl es ein sehr gutes Gerät ist. Aber acht Lagen Segelstoff ist eben kein Pappenstiel. Die Herstellung der Beutel beanspruchte schon deutlich mehr Zeit. Erst jetzt im Juni konnte Heike sie fertigstellen, nachdem sie sich entschloss, die Applikationen von Hand mit dem Segelmacherhandschuh zu nähen. Das heißt, sie versuchte sich dran, aber das kostete so viel Kraft, dass ich es schließlich übernahm. Langsam versehe ich, warum es so wenige Frauen unter den Segelmachern gibt. Es ist ein Knochenjob!

IMG-20190607-WA0000Währenddessen nähte Heike eine flache Backstasche für Seekarten, Navigationsbesteck und das Logbuch. Zwar hatten wir bisher die Sachen in einer der Schottaschen gestaut, aber die brauchten wir bald für ihren eigentlichen Zweck. Das Nähen ging diesmal viel schneller und schwuppdiwupp war eine perfekte Staumöglichkeit für das Navigationszubehör im Cockpit vorhanden. Damit es auch wasserdicht ist, nähte Heike eine Folie ein. Die Einfassung sollte nochmals mit Takelgarn genäht werden, denn hier streikte die Maschine mal wieder. IMG-20190607-WA0002Ok, jetzt hatte ich Übung darin. Mit doppelseitigem Klebeband befestigte ich die Tasche in der Plicht. Schnell waren Logbuch und eine Seekarte darin verstaut. Perfekt. Eine echt elegante Lösung, gerade weil ein Teil der alten Segelnummer wiederverwendet wurde.

Mir kam zwischenzeitlich die Idee, auch den Kleinkram in der hinteren Backskiste ebenfalls sauber in Taschen zu verstauen. Schön getrennt nach Wasser, Öl, Kraftstoff, Strom, Grill und Kohle. “Am besten mit einer Applikation, ein Piktogramm, das den Zweck anzeigt.” meinte ich. “Gute Idee. Aber du zeichnest mir die Applikationen auf.” Noch hatte ich mit der Applikation des letzten Steuersäulenbeutels zu tun, da wartete bereits ein Beutel in Einkaufstaschengröße auf mich. DSC_3720Ein gesteppter blauer Wasserschlauch zierte in Kobrahaltung die eine Seite. “Kannst du die Henkel festnähen? Das Gurtband ist zu dick.” fragte Heike. “Cool, wenn wir einkaufen wollen, dann haben wir jetzt auch immer passende Einkaufstaschen. Du könntest eine Serienproduktion von Einkaufstaschen aus Segeltuch aufnehmen.” scherzte ich. “Mmmh, warum nicht. Besser als Plastiktüten.” Oh ja, viel besser.

Also mühte ich mich mit den Henkeln ab, trotz Segelmacherhandschuh ein schweißtreibendes Unterfangen. Noch beim Nähen flatterten mir zwei kleinere Beutel  entgegen. DSC_3714Der eine mit einer Ölkanne, der andere mit einem Benzinkanister.  Beide haben je einen Henkel und einen Reißverschluss. Die Beutelchen nehmen Schläuche, Handpumpball, Trichter, Tücher usw. auf, also Zubehör zum Nachtanken auf See oder dergleichen. Erstens kann man sie nicht mehr vertauschen, DSC_3712zweitens sind sie sauber verstaut und verschmutzen nicht, drittens hat man jetzt alles sofort griffbereit. Ordnung ist das halbe Leben . . . “und alles hat sein Platz.” pflegt Heike stets zu sagen.

Offenbar hatte Heike sowas wie einen Lauf, denn beinahe schon im Minutentakt kam ein Werkstück nach dem anderen aus ihrer Nähwerkstatt. Jetzt hatte sie eine Tasche angefertigt, die im Deckel der Backskiste den bisherigen Segelspannergurt ersetzen soll. Ständig verklemmte sich ein Spanner beim Zuklappen des Deckels. Auf Dauer nervte das. Die Tasche von Heike beinhaltet einen Schlaufengurt für die Segelspanner und mit der unteren Lasche, diDSC_3726e an den Seiten Klettband hat, kann man alle Bändsel in einer Tasche verschwinden lassen. Auch oben ist eine Lasche dran, so dass alles säuberlich aufgeräumt ist. Und als i-Tüpfelchen hatte Heike auch noch die Tasche mit “Segelspanner” bestickt. Sehr schön und sehr clever.

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IMG-20190617-WA0001Die nächsten Arbeiten waren nicht aus Segeltuch, sondern aus einem Netz. Hinter den Salonkojen wünschten sich die Jungs ein Netz, in das schnell die Bettwäsche gestopft . . . also verstaut werden konnte. Heike fasste zwei Netze mit einer Umrandung ein, die ich dann mit Haken oben und unten hinter der Rücklehne befestigte. DSC_0202Weitere Netze wurden in den Schapps installiert, für den Fall, dass sich bei Seegang ein Schapp öffnen sollte und nicht alle Klamotten rauspurzelten.

Heike stand noch eine Fülle an Segelstoff zu Verfügung, denn ich hatte letztes Jahr die Genua I ausgemustert, aber noch war reichlich Großsegel vorhanden. “Kannst du Schoner für die Relingspanner nähen? Ich besorg dir so eine Schaumstoffrolle zur Isolation von Rohren, die könnte da eingenäht werden. Dann ist das auch gleichzeitig etwas gepolstert.” – “Langsam brauch ich ein Auftragsbuch . . .” Stimmt, da ist auch noch der Weekender für Nils, eine Hängetasche für das Bad, ein Beutel für den Toaster . . .

Aus der alten G1 wird im Herbst ein langer Sack für den Mast entstehen, damit der Mast im Winter etwas geschützter im Mastlager liegt. Vielleicht bekommt der Sack dann auch neben der Aufschrift “Rasalhague” ein Label . . . “Genuine sailcloth needlework manufactured by Heike”.

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Havariedetektiv

Der Schreck ist allmählich verarbeitet und die Neugierde, WAS da eigentlich passiert ist und WARUM, die wuchs immer mehr. Natürlich hatte ich sofort meine eigene Theorie, aber ich bin kein Ingenieur und kein Experte, von daher überschätzte ich deutlich die auftretenden Kräfte, als ich annahm, alles würde miteinander zusammenhängen.

Am Sonntagabend setzte ich mich hin und schrieb meiner Versicherung eine Schadensmeldung. Zusammen mit Fotos war für mich die Sache klar. Doch schon am nächsten Morgen rief mich mein Versicherungsagent an und meinte, ich müsse das mit der Werft klären. ‘Aha, aber dann will ich mit Sicherheit wissen, was genau beschädigt ist und was schief lief.’

Ich rief als nächstes einen Sachverständigen an. Herrn Sabel hatte ich ja bereits letztes Jahr bzgl. dem Wasserschlag kennengelernt. Er sagte umgehend zu und während ich auf dem Weg zu einem Termin in München war, übernahm Heike den Termin mit ihm und ließ ihn an Bord. “Das gebrochene Ruder hat aber nichts mit der Welle zu tun, da ist mit Sicherheit ein älterer Schaden zu Tage getreten.” OHA, fünf Jahre nach dem Kauf kam noch immer eine Leiche aus dem Keller? Da wir nie mit dem Ruder aufgesessen oder wo gegen gestoßen sind, blieb  nur die Vermutung, dass das beim Transport oder einer früheren Havarie passiert sei. Aus der Ferne versorgte ich Herrn Sabel mit alten Fotos und Dokumentationen so gut ich konnte. Am Abend, ich war bereits auf dem Rückweg, telefonierten wir nochmals und er meinte, so ganz könne er sich noch keinen Reim darauf machen.

Am nächsten Morgen wiederholte er nochmals deutlich, dass das Ruder nur zufällig zum selben Zeitpunkt einen vormals erlittenen Schaden jetzt sichtbar werden ließ. MIST! Das bedeutete Kosten für mich. Nicht, das ich der Werft alles in die Schuhe schieben wollte, aber natürlich will ich auch nicht ständig blechen müssen. Ob ich vielleicht wüsste, ob die Welle gekürzt wurde? Oder ob der Wellenflansch abgebaut wurde? Das müsste ich in Erfahrung bringen und hakte daher bei der Werft nach. Zunächst konnte ich da niemand erreichen. Dann  rief mich Herr Sabel an und gab mir den Kontakt zu einem Yachtservice in Altenholz, der gerade nicht so ausgelastet war und eventuell die Reparatur des Ruders noch diesen Monat bewerkstelligen könnte.

Also rief ich Rubin Yachttechnik an und verabredete mich zur Mittagszeit am Boot mit Herrn Rubin. Der kam mit seinem Kollegen und auch sie meinten sofort, dass das Ruder nicht durch die Welle Schaden genommen habe. Sehr überrascht DSC_3645waren sie über die Konstruktion. “Ist ja nur Hartschaum. Und der Riss, ganz geradlinig, wahrscheinlich an der Stoßkante. Wie alt ist das Boot?” -“38 Jahre.” sagte ich etwas zerknirscht. “Dann hat das Material altersbedingt ausgedient.”

Als Herr Rubin mit den Hafenmeistern sprach, schnackte ich mit seinem Kollegen und bekam erhellende Einblicke in die Bootsbaukunde. “Mit welcher Seite liegt das Boot nach Süden? Auch im Winter?” Ich stutzte. Was für Auswirkungen hatte denn die Himmelsrichtung? “Naja, wenn immer die selbe Seite der Sonne ausgesetzt und der Rumpf wie bei Ihnen schwarz ist, dann wärmt sich die Seite eben stärker auf als die Schattenseite und da das Ruder nur aus Schaumplatten gebaut wurde, verzieht sich das ganze, bis die Spannung irgendwann den Riss verursacht.” ACH! Das war ja spannend und klang einleuchtend, aber stimmte im Falle der Rasalhague nicht. Das Ruder weist eine konkave Biegung an BACKBORD auf, also auf ihrer SONNENSEITE. Der Erklärung nach hätte es aber konvex sein müssen, wegen der Wärmeausdehnung. “Es kann aber auch eine Grundberührung gewesen sein. Dafür spricht die Abplatzung hier auf Steuerbord. Da ist mal was gespachtelt worden.” Mmmmh, das war dann die Theorie der bisher unentdeckten Kellerleiche, die nun zum Vorschein kam. Und da beim Kauf auch der Kiel wohl schon einen Vorschaden hatte, war es jetzt mühselig, den genauen Tathergang zu rekonstruieren und damit den Mörder . . . eh Täter zu ermitteln. Letztlich eigentlich auch egal, nur nicht für die Versicherung.

Da ich von seinem Fachwissen angetan war, zeigte ich ihm die Welle und auch, dass das Stevenrohr nach Backbord zeigte. “Das kann durchaus sein. Manche Boote werden absichtlich so gebaut, damit die Welle nach hinten raus gezogen werden kann, oder um den Radeffekt des Propellers zu minimieren.” sagte der Bootsbauer. OHHH! . . . Moment! Da fiel mir ein, dass das Boot mit dem neuen Propeller und dem Volvo Motor jetzt fiel stärker nach Backbord zog, wenn man rückwärts fuhr. ‘Ja klar! Weil der minimierende Effekt ausbleibt, sondern im DSC_0182Gegenteil, der Radeffekt wird sogar verstärkt.’ Das bedeutete, die Welle war Gott sei Dank nicht verbogen. “Die Welle ist aber nicht neu, oder?” fragte er. “Nein. Das ist die alte.” – “Die ist auf. Hier sind Rillen und Riefen drin, total verschlissen.” AHA! War das etwa ein Schlüsselindiz? Wir sprachen noch über die mögliche Reparatur und Herr Rubin versprach mir ein Angebot noch am gleichen Abend zu zuschicken. So lange ich bis Ende der Woche das Ruder selber ausbauen würde, wäre ein Einbau bis zum 28. Juni möglich. UIII! Ein Lichtblick.

Am Nachmittag hatte ich dann endlich mehr Glück und konnte mit dem Mechaniker der Werft telefonieren. “Ihr habt doch die Welle ausgebaut. Habt ihr sie gekürzt?” fragte ich direkt. “Nein, die Welle ist die alte.” Ich sagte lieber noch nichts von meiner Erkenntnis, dass die Welle nicht mehr taugte. “Und habt ihr die Kupplung abgebaut? Also den Wellenflansch meine ich.” – “Ja, den mussten wir tauschen. Wir haben einen kürzeren aufsetzen müssen, denn der war zu lang und passte nicht drauf.” AHA! Das war der Hinweis, nach dem Herr Sabel gesucht hatte.

Klemmflansch mit vier Schrauben
Klemmflansch mit vier Schrauben

Just nach dem Telefonat rief mich Herr Sabel an. “Ich wollte Sie gerade anrufen. Der Flansch wurde getauscht.” sagte ich gut gelaunt, weil ich ihm ein wichtiges Indiz liefern konnte. “Haben sie aber gar nicht.” antwortete Herr Sabel. HÄÄÄÄ? Jetzt verstand ich die Welt nicht mehr. “Aber der Mechaniker hat es mir doch gerade gesagt . . . ” – “Mmmh, es ist aber der alte Flansch drauf. Ich habe gerade die Dokumentationen von Yanmar mit denen von Volvo verglichen. Der Yanmar hat einen Flansch mit zwei Klemmschrauben. Der Volvo hingegen hat vier! Das braucht er auch, weil er mehr Drehmoment hat, als der Yanmar, nämlich 29 Nm im Vergleich zu den 18 Nm. Das hat der alte Flansch so nicht halten können.” – “Aha, möglicherweise haben sie den neuen Flansch montieren wollen, festgestellt, dass der nicht rein passt und deswegen den alten Flansch wieder aufgesetzt.” spekulierte ich. “Oder einen kleineren Volvo-Flansch. Wie auch immer, es ist der falsche Flansch.” bestätigte Herr Sabel. “Da hat man beim Einbau einen Fehler gemacht.”

“Noch Fragen Watson?” – “Nur eine, Sherlock. Wer hat jetzt das Ruder umgebracht?” – “Das was uns alle umbringen wird: Das Alter.”

Mit dem Gutachten kann ich jetzt die Werft informieren und dann kann es  mit der Reparatur losgehen. Auch wenn der Ruderschaden nicht abschließend geklärt werden kann und ich das selbst zahlen muss, bin ich letztlich viel entspannter, weil der Sommertörn doch noch stattfinden kann.

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HORROR statt Ansegeln!

Es ist Wochenende, die Jungs sind da und das Wetter ist bestens. Da wollten wir alle zu mindest ein, zwei Stündchen mal raus und ansegeln. Bjarne und ich waren noch mit Basteln beschäftigt, aber nach einem Fischbrötchen wollten wir dann seeklar machen. Die Windmessung gab für Kiel Leuchtturm 6-7Bft aus WSW an. “Da nehmen wir lieber mal die Fock.” Das Unterliek hatte ich frisch geflickt und sie stand uns wieder zur Verfügung. “Mmmh, und am besten nehmen wir die Groß auch ins erste Reff.”

Da die Polster noch nicht an Bord waren, dafür aber jede Menge Werkzeug, musste erst mal alles seefest gestaut werden. Bjarne schlug das Vorsegel an, Heike kümmerte sich um das Großsegel, während ich mich unter Deck um die Stauung kümmerte. Kurz darauf konnte der Motor angelassen werden. Kein banges Hoffen und Warten, ob er sich noch mal wachrüttelt. Einfach “Start” gedrückt und schon ist er an. “Lass uns mal beim Ablegen die Steuerbord-Heckleine unter Zug mitführen. Der neue Propeller zieht nach Backbord auf Fahrt zurück. Damit wir nicht in die falsche Richtung zurückziehen, halten wir uns dichter am Steuerborddalben.” sagte ich zu Bjarne und er hat sofort verstanden. Offenbar hatte er die selbe Idee. “VORLEINEN LOS.” Heike quittierte kurz daurauf: “Vorleinen sind los und ein.” Nils hatte die Backbord-Heckleine bereits eingeholt. “Ok, dann mal einen kleinen Pull zurück. Ruder Hart Steuerbord.” wies ich Bjarne an. Er hantierte mit dem Steuerhebel und ging auf kleine Fahrt zurück und kuppelte gleich die Maschine wieder aus. So kamen wir ganz passabel aus der Box und das Heck scherrte nicht nach Backbord aus. Ich hielt mit der Heckleine uns schön am Steuerborddalben, bis die Leine nicht mehr reichte. Aber inzwischen bestand eigentlich keine Gefahr mehr, dass das Heck nach Backbord zog. “Ausklinken.” Heike hatte unsere Sorgleine schon in der Hand und ließ sie jetzt los. Der Bug war raus aus der Box und wir drifteten noch etwas nach achtern. “Ok. Ruder mittschiffs, Hart Steuerbord und mit einem kräftgen Pull voraus gehen wir rum.” Bjarne legte das Ruder und kuppelte die Maschine auf voraus ein, doch irgendetwas klang jetzt anders. GANZ anders. Ein hohes Surren, und vor allem . . . KEIN Schraubenstrom. “Och, was ist denn jetzt wieder.” Bjarne verlor die Geduld, überließ mir kurz das Steuer und ich versuchte es . . . doch es surrte nur und wir trieben weiter an den Dalben hinter uns. Es tat sich einfach nicht, weder voraus noch rückwärts. “Ok, mach den Motor aus. Sichert uns an den Dalben.” Inzwischen lagen wir quer vor drei Boxen auf der andere Seite der Gasse.

Mir fiel ein, dass bei der Probefahrt der eine Bowdenzug sich losgerüttelt hatte. Vielleicht war das jetzt auch der Fall. “Ich guck mal.” Damit stieg ich unter Deck und guckte mir die Rückseite des Schalthebels an. ‘Sieht normal aus.’ dahte ich und rief zu Bjarne, er solle mal schalten. Die Mechanik schien in Ordnung zu sein, also nahm ich den Niedergang beiseite um mir den Motor anzusehen. Aber auch hier sah der Bowdenzug normal aus. ‘Heee, was ist das?’ . . . “ACH DU SCHEIßE!” rief ich aus. “Wir haben einen Wassereinbruch über die Welle!” Das Wasser plätscherte munter unterm dem Motor durch und sammelte sich in der Bilge, die bereits dreiviertel voll war.IMG-20190601-WA0000 “Bjarne, schnell. In der hinteren Backskiste ist ein Metallrohr, das ist der Hebel für die Pumpe.” Er reagierte fix und fing an zu pumpen, während ich den Saugkopf unter Wasser hielt. Das bisschen Öl im Wasser war mir gerade ziemlich egal. Hier stand das Boot auf dem Spiel! Wenn nicht gepumpt wird, steht in 20 Minuten der ganze Salon unter Wasser . . . und in einer Stunde guckt dann nur noch der Mast aus dem Wasser!

Bjarne und Nils wechselten sich beim Pumpen ab, bis sie Krämpfe bekamen. In Windeseile holten wir die Segelsäcke aus der Backskiste und schon saß ich drin und schraubte die Abdeckung ab, damit ich ein Blick in den Motorraum hinter dem Motor bekam. Mit der Taschenlampe sah ich dann das Übel. Die Welle schien abgerutscht zu sein, denn hier sprudelte das Wasser begehrlich ins Boot um es zu versenken. ‘Nicht mein Boot!’ dachte ich zwar, “VERFLUCHT!” sagte ich aber.

Natürlich blieb das Ganze nicht unbemerkt, denn es war viel los im Hafen. Während ich noch nach der Nummer des Hafenmeisters suchte, boten gleich drei besorgte Segler ihre Hilfe an. Heike wußte, wer zu arlamieren war. Eine Seglerin informierte den Hafenmeister, einer die DGzRS und ein dritter bot uns an, uns abzuschleppen. Ich versuchte noch meinen Mechaniker anzurufen, doch der war im Wochenendmodus. “Wir müssen zum Kranplatz und zu mindest versuchen, das Heck aus dem Wasser zu holen. Vielleicht kann ich dann die Welle von außen wieder ansetzen.” gab ich Heike und kurz darauf den anderen Helfern zu verstehen.

Die Antares zog aus der Box und nahm uns schnell in Schlepp. Fast gleichzeitig kam das Schlauchboot von der DGzRS. “Wie wollt ihr unter den Kran, Backbord oder Steuerbord?” fragte mich der Skipper der Antares. “Backbord.” rief ich. Gleich darauf waren wir im Hafenbecken am Kranplatz. Er zog bereits nach Steuerbord, da rief ich: “Mehr Lose auf die Schleppleine. Wir machen den Rest mit dem Restschwung.” Auf der Pier standen schon zwei von der DGzRS und nahmen die Leinen an. Der Hafenmeister kam hinzu und gab mir Gurte. “Das Achterstag und die Dirk müssen weg.” meinte er. Ok, also entspannte ich das Achterstag, aber erst als das Vorstag auch entspannt wurde, bekamen wir das Achterstag frei. Keine 10 Minuten später hing die Rasalhague schon am Haken und kam langsam aus dem Wasser. Nun konnte ich auch die Welle sehen. “Oh weia! Kein Wunder!” DSC_3649Der Propeller stieß am Skeg an und hatte sich richtig verklemmt. “Das kann ja gar nicht gehen.” sagte Nils, als er das Dilemma sah. Das Boot schwebte hoch und wurde auf zwei Holzklötzen provisorisch abgestellt, hing aber noch am Kran. Jetzt besah ich mir den Schaden aus der Nähe und machte sofort Beweisfotos.

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Da gehört er nicht hin . . . so kann er doch nicht drehen!

Während ich also noch die Welle als das Problem ansah, stellte ich alsbald fest, dass die wohl verbogen sein wird, denn der Propeller fluchtete nicht mit dem Skeg, sondern guckte etwas an Backbord vorbei. “Papa, das Ruder ist auch gebrochen.” sagte Nils. “WAS?” jetzt sah ich den Riss. Auf halber Höhe war das Ruderblatt glatt durchgebrochen. “Ach du Schreck. Wie ist denn das passiert?” mir schwante Übles. DSC_3645Vor allem bekam ich es allmählich mit der Angst um unseren Sommertörn zu tun.  “Na, das wird teuer. Aber ich zahl das mit Sicherheit nicht! Das kann schön die Werft ausbügeln, schließlich haben die die Welle nicht sauber montiert. Es kann ja nicht sein, dass sich da einfach die Welle verabschiedet.” ich war auf 180.

DSC_0176Der Hafenmeister verfrachte das Boot auf einen Trailer und bugsierte die Rasalhague auf den Vorplatz. “Aber lang könnt ihr da nicht stehen bleiben, denn bald wird für die KiWo aufgebaut.” ‘Na, das wird jemanden freuen.’ dachte ich mir. “Auf jeden Fall bleibt das Boot hier und wird nicht in die Werft gebracht, darauf lasse ich mich nicht mehr ein.” ich war nicht nur auf 180, ich drohte zum geisterfahrenden Amokläufer zu werden. ‘Was ist nur los? Ist das Boot verflucht?’ “Versicherung? Anwalt?” Heike konnte meine Gedanken nur zu gut lesen und ich nickte, ein Anwalt wäre vielleicht nicht die dümmste Idee.

Etliche interessierten sich für den Vorfall und fragten nach, was denn passiert sei. Vor allem fragten sie nach der Werft, die für den Motoreinbau verantwortlich zeichnete. “Ach, ja von denen habe ich auch schon so manche Geschichte gehört. Aber andere sind auch nicht besser.” Na toll! Gibt es denn keine Wertarbeit mehr?

Zuhause legte sich der Schock etwas, aber mir war richtig schlecht. NICHT ZU FASSEN, was für ein Glück wir hatten, dass das im Hafen passierte und auch gleich so viele hilfsbereite Segler um uns herum waren. Und vor allem war ich froh, weil das ganze Team schnell ohne Hektik, ruhig und nicht panisch reagierte. Wir haben halt schon die eine oder andere kritische Situation durchgestanden. Das heute hätte es aber NICHT GEBRAUCHT!

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