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Und sie bauen wieder . . . ein schwedentaugliches Schott

Jetzt ist es endlich soweit. Unser erster “Blue Water Törn”. Naja, so blue water dann nun auch wieder nicht. Wir bleiben in der Ostsee, aber dennoch werden wir eine ordentliche Strecke zurücklegen. Alle freuen sich schon riesig auf unseren Schwedentörn durch den Götakanal, eine der Traumrouten schlechthin. Wir stecken auch bereits mitten in den Vorbereitungen trotz allen Unheils und der Widrigkeit der vergangenen Wochen.

Jetzt, wo der Sommer so richtig loslegt, können wir damit rechnen, das es brütend heiß wird. Und in Schweden muss man eigentlich immer von einer Mückenplage ausgehen. Das heißt, wir müssen entweder tonnenweise Mückenabwehrmittel bunkern, oder . . . einen Türsteher mitnehmen. Also einen, der am Schott steht und mit “Ey Mücke, schwirr ab, du kommst hier nicht rein” uns ruhig schlafen lässt. Gut, es soll ein Familienurlaub werden, also OHNE einen breitschultrigen Hakan. 0121110_r2_FS06igAußerdem könnte bei der zu befürchtenden Myriaden an Plagegeistern auch dem besten Türsteher die eine oder andere stechlustige Blutsaugerin durch die Lappen gehen. Bevor wir uns also als wehrlose Blutkonserven bis auf den letzten Tropfen leer schlürfen lassen, muss eine Lösung herbei. Als Heike neulich im AWN-Katalog blätterte, fiel ihr die Lukenhaube mit integriertem Moskitonetz ins Auge: “Das brauchen wir unbedingt: Sonnen- und Mückenschutz, das ist doch klasse! Aber was machen wir am Steckschott?” Mmmh.

Der Gedanke, das Steckschott zu ersetzen, kam mir bereits letztes Jahr, denn ich fand es bisher ziemlich umständlich, wenn man nachts mal raus muss, das zweiteilige Schott rauszuziehen und hinter sich wieder einzufädeln. Erschwerend kommt hinzu, das man noch mit dem Vorhang hantieren muss, denn die Steckschotts sind aus rauchigem Acrylglas, also sehr lichtdurchlässig, und wenn man einen ungünstigen Liegeplatz hat, scheint schon manchmal eine Laterne in den Salon – deswegen der Vorhang. Kurz gesagt, ich hatte keine Lust mehr darauf, das ganze Gezabel nachts immer wieder einzusetzen, während die Blase kurz vorm Zerreißen war. Auch Heike ließ nicht locker. “Wir bräuchten ein Fliegengitter gegen die Mücken. Aber wie wollen wir das befestigen?” Gemeinsam entwickelten wir die Idee, ein neues, blasenfreundliches und schwedentaugliches, weil mückenabwehrendes Steckschott zu bauen.

Am nächsten Tag nahm ich Maß und besorgte mir dann das nötige Material im Baumarkt. Bei der Werftliegezeit im vergangenen Jahr, in der das Stabdeck verlegt wurde, hatte ich mir die Technik der Bootsbauer etwas genauer angesehen und abgeguckt. Am Rechner entwarf ich dann den Bauplan für das neue Schott, wobei ich zwei Entwürfe machte. Einen mit achtzackigem Stern und einen mit Bullauge. IMG-20190529-WA0001Die Mehrheit der Crew entschied sich für die erste Ausführung. Das alte zweiteilige Schott soll durch eines aus Holz ersetzt werden, das als Steckschott eingesetzt bzw. komplett entfernt werden kann. Im Hafen ist ein schneller und leichter Ausstieg gewünscht, also wird das Schott nur als Rahmen ausgeführt, an den mit Carbonhinges (Scharniere aus Kevlar) eine Tür montiert ist, die nach außen hin zu öffnen ist. Auf die Innenseite werde ich in das Holz des Rahmens Magnete einlassen. Daran kann bei Bedarf ein Fliegengitter geheftet werden, das schnell entfernt und wieder platziert werden kann. Wenn weder Steckschott noch Fliegengitter benötigt werden, wie zum Beispiel auf See, dann wird beides in einer Halterung an der Decke der Hundekoje seefest gestaut.

Am Vatertag wollten Bjarne und ich also mit dem Basteln loslegen. Aber das einzige was loslegte, war der Nieselregen. So ging das natürlich nicht. Am Freitag war es trocken und jetzt kamen die Heimwerker zum Zuge. Da ich nicht mit Teakholz arbeiten konnte, wollte ich zumindest die Optik nachahmen. Daher nahm ich Buchensperrholz, das sah mit seiner Maserung dem Teak wenigstens etwas ähnlich. Aus dieser Platte mussten 8 breite Leisten und 4 schmälere Leisten geschnitten werden. Mir fiel gleich auf, dass ich im Baumarkt auf die Maserung hätte Acht geben müssen. Statt längs verläuft die Maserung jetzt quer. ‘Dann ist das ebenso.’ dachte ich seufzend. Heike meinte später nur: “Das ist dann halt dein Berberfehler.” – “Mein WAS? Berberfehler?” – “Ja, die Berber weben auch kleine Fehler in die Teppiche, damit sie nicht perfekt sind.” Aha! Das widersprach gänzlich meinem Sinn für Perfektion, aber andererseits war das eine willkommene Ausrede für ein etwaiges unbefriedigendes Ergebnis. Schließlich bin ich kein gelernter Tischler.

DSC_0164Aus dickerem Pappelsperrholz sägte Bjarne den Rahmen für das Steckschott aus. Anschließend schmirgelte er die Kanten und beizte das Holz mit Teakbeize. Den ausgesägten, inneren Teil wollten wir als Verstärkung für die Tür nutzen. Aus dem restlichen Buchensperrholz sägten wir dann eine Grundplatte aus, die allerdings nicht mehr den Knick an den Seiten wie der Rahmen aufwies. Diesen Knick konnten wir wegen der Scharniere nicht beibehalten. Damit die Tür auch möglichst dicht abschließt, mussten die Scharniere vertieft eingelassen werden. Also fräste Bjarne auf der Rückseite der Platte  Aussparungen dafür  ein und leimte anschließend die Carbonhinges fest.  DSC_0168Danach ermittelte ich die vertikale Mittelachse der Platte und zeichnete sie als Referenzlinie ein. Mittig, aber nach obenhin bündig wurde jetzt das verstärkende Pappelsperrholz angeleimt.

Auch auf der Vorderseite zeichnete ich die Mittellinie an und außerdem noch am Rand die Begrenzung der Leibhölzer. Damit bekam ich den richtigen Winkel für den Gehrungsschnitt. Nachdem wir auch einen großen achtzackigen Stern aus dem verbliebenen Buchensperrholz ausgeschnitten hatten, legte ich diesen auf die Mittellinie und malte den Umriss auf die Platte. Als nächstes folgten die 8 Leisten, die schön an der Referenzlinie ausgerichtet wurden. Mit aufgelegten Stern zeichnete ich die Umrisse auch auf die Leisten, DSC_0181nummerierte sie und markierte auch, wo welche Leiste hinkam. Bjarne sägte im Anschluss die Leisten gemäß der Sternkontur zurecht. Jetzt begann das Aufleimen der Leisten. Zu erst kam das untere Leibholz drauf. Danach folgten die Leisten, ausgehend von der Mitte, möglichst mit gleichem Abstand. Als alle Leisten, Leibhölzer und der Stern aufgeleimt waren, fräste ich die Fugen mit dem Dremel auf, so dass die Fugen überall gleichmäßig breit waren . . . naja, mehr oder weniger.

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Vielleicht ein bisschen viel Tikalflex, ab es ging erstaunlich gut runter.

Der nächste Arbeitsschritt war das Verfugen. Ich füllte die Fugen mit schwarzem Tikalflex (Pantera) und glättete sie anschließend. Nachdem die Masse getrocknet war, schliff ich die überschüssige Masse vorsichtig ab, schließlich wollte ich die Maserung erhalten. Sperrholz ist leider kein Teak. Dennoch war ich vom Resultat sehr überrascht. Ich hatte es selbst nicht erwartet, DSC_0187aber das Ergebnis sah schon ohne Beize so überzeugend aus, das ich beinahe entschieden hätte, es so zu lassen. Das ging natürlich nicht, denn so war das Holz in keinem Fall seewettertauglich. IMG-20190605-WA0001Also beizte ich die Tür mit Ausnahme des Sterns etliche Male mit Teakbeize, bis ein satter rötlich brauner Ton entstand. Jetzt sah das fast so aus, wie auf dem Plan. Heike war voll begeistert: “Das ist soooo traumhaft schön.” Ich erinnerte mich an eine Anmerkung meines Vaters, als er an Ostern zu Besuch war. Einer meiner Vorfahren wäre in Groß Vollstedt Tischler oder Schreinermeister gewesen und daher rührt scheinbar unsere Vorliebe für Holzarbeiten. ‘Hmmm, ist Handwerkskunst vererbbar?’ Auf jeden Fall sucht man schon beinahe vergeblich nach einem Berberfehler. Perfektion liegt genauso wie Schönheit im Auge des Betrachters.

Die Tür musste natürlich auch von hinten noch gebeizt werden. Anschließend musste ich noch die Scharniere mit dem Rahmen verbinden. Das war etwas heikel, denn die zur Verfügung stehende Fläche war sehr klein. Eigentlich wollte ich das Carbon um die Ecke des Rahmens knicken, aber daraus wurde dann ein Kürzen. Anschließend  leimte ich die Scharniere auch hier in Vertiefungen ein. Hoffentlich hält das. . . . Natürlich nicht! Ein zweiter Versuch mit Schraubzwingen und Schrauben war dann erfolgreicher. Noch vor dem Einpassen in den Rahmen überzog ich die Tür mit etlichen Schichten D.2 Decksolje Klarlack, damit das Holz dauerhaft vor Feuchtigkeit geschützt wird. Leider war es nicht glatt, weil Staub und derartiges sich auf die frisch lackierte Oberfläche legte. Also schliff ich es mit 240er Papier ab und lackierte nochmals zwei Schichten, jetzt in einem staubfreien Raum. Endlich fühlte sich die Tür so an, wie die Teakhölzer der Plicht damals ganz am Anfang. Auf der Innenseite kam eine Dichtungslippe aus Tikalflex in die Umrandung und auch die Schiebeluke benötigte eine Lippe. Gar nicht so einfach! Nach einem misslungenen Versuch probierte ich eine andere Taktik. Ich legte eine Sperrholzleiste an die vordere Kante und spritzte eine Wulst aus Tikalflex dagegen. Dann kippte ich das Brettchen etwas an, damit die Lippe nicht vorsteht. Nachdem es getrocknet war, nahm ich ein Cutter und schnitt mit einem langen glatten Zug das Brettchen wieder frei. Die Dichtungslippe war beinahe perfekt glatt. Später baute ich auf die Innenseite der Tür noch einen Griff und eine Verriegelung ein. Und natürlich musste auch das Schloss eingebaut werden. Das nahm ich einfach vom alten Steckschott, das wir noch als Reserve behalten werden.

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Recht schnell hatte ich die Halterung für das neue Schott in der Hundekoje zusammen gebaut. Allerdings musste am Einbauort erst einmal die alte Neonröhre Platz machen. Na, die sollte eh ausgebaut werden. Der Bau des Fliegengitters war denkbar einfach. Ich besorgte mir eine Handvoll Leisten und sägte die einzelnen Teile zu recht, schliff die Kanten ab und beizte das Holz. Das Moskitonetz bekommt man von der Rolle, da man aber eher wenig davon braucht, war eine Tropenbetthaube von IKEA tatsächlich günstiger. Ich legte mir die Teile für einen Rahmen zurecht und spannte das feinmaschige Netz darüber, das mit Reiszwecken provisorisch gehalten wurde. Anschließend verleimte ich die Teile des zweiten Rahmens inklusive Netz mit dem ersten Rahmen. Danach ließe ich es trocknen. Zuletzt fräste ich noch Aussparungen für die Magnete, die mit Holzleim fixiert und später mit Klarlack versiegelt wurden. Am Rahmen hatte ich schon Vertiefung vorgesehen, so das nur noch die Gegenstücke eingesetzt werden mussten. Als alles fertig und der Lack fest war, nahm ich den Mückentürsteher und setzte ihn von innen an den Türrahmen . . . Klack!

Oh wie genial . . . und wir brauchen doch keinen Hakan! Trotzdem gilt: “Mygga, du kan inte komma in här!”

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