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Rasalhague machte nur den Anfang

Gefühlte Ewigkeiten ist es her, dass ich die Rasalhague gekauft habe. Dabei war das gerade mal vor viereinhalb Jahren. Vielleicht liegt es auch an den unzähligen schönen Törns, den Abenteuern und interessanten Reparaturen, die wir jedes Jahr hatten. Sie zu verkaufen, dass käme mir nicht in den Sinn. NEIN, NIEMALS! Inzwischen weiß ich aus vielen Gesprächen mit anderen Eignern unterschiedlichster Boote, dass die Rasalhague kein unglücklicher Sonderfall ist, im Gegenteil! Andere hatten genauso mit der Instandsetzung zu tun, und deren Boot war nicht so alt wie meines! Außerdem segelt sie hervorragend und mit der richtigen Pflege wird sie es noch etliche Jahre weiter tun.

Schon vor drei Jahren keimte in mir der Wunsch auf, eine Segelschule aufzumachen. Gut, es gibt schon welche, aber ich habe eigene, besondere Ansprüche an die Art und Weise, wie etwas vermittelt werden soll, so dass sehr schnell klar war: ich muss was eigenes aufbauen. Dennoch ging ich die Sache vorsichtig und langsam an und überstürzte nichts. In meinem Umfeld war man unterschiedlichster Meinung. Von begeistert über skeptisch bis hin zu völligem Desinteresse. Naja, ok, es segelt nicht jeder und außerdem kann sich nicht jeder vorstellen, wie das funktionieren soll, so ganz allein. Aber in der Tat war und bin ich nicht allein. Heike hatte mir in den letzten drei Jahren immer zugesprochen und sich auf die Umsetzung meiner Idee gefreut, denn das Konzept überzeugte sie. Außer Heike sind da natürlich meine Jungs, die die Idee toll finden und vielleicht auch später dort arbeiten wollen, aber auch einige Freunde. Einer dieser Freunde, Henning, war ohne zu zögern einverstanden, als ich ihn fragte, ob er Interesse habe, als Skipper, Coach und Ausbilder mitzumachen. Ich glaube, dass war der nötige Impuls, den es gebraucht hat. Ich suchte mir eine Steuerberatung und fand eine, die sofort mit mir alle nötigen Schritte abklärte und den Finanzkram begleiten wird. Top! Und jetzt ist es soweit. Meine eigene Firma geht an den Start:

SailingstarsFlyerSchrift.gifNatürlich brauche ich im Grunde nicht viel machen, denn ein Boot habe ich ja schon. Eine Webseite hatte ich schon in den letzten Jahren vorbereitet und eine Facebook-Seite auch. Das Ausbildungskonzept steht und Materialien sind schnell angeschafft. Das Marketing wird im Frühjahr so richtig in die Offensive gehen. Aber auf der anderen Seite will ich mich schnell von den meisten vorhandenen Segelschulen abheben, die die Ausbildung nur als Nebenerwerb betreiben und damit ihre Kosten für das eigene Boot senken wollen. Meine Überlegung war, ‘mit zwei Booten wird deutlich, dass es hier um eine professionelle Segelschule geht’. Später will ich Boote auch verchartern, also war mehr als eins nötig.

Im August guckte ich mich nach anderen Boströms um, denn dieser Typ ist meiner Ansicht nach ideal für Anfänger, wie ich mich an meinen Jungs überzeugen konnte. Noch vorm Sommer waren zwei interessante Boote in Dänemark im Angebot sowie eine am Bodensee und eine am Ijsselmeer, doch jetzt war die interessanteste davon bereits weg. Ich beschloss, der am Bodensee “meine Aufwartung” zu machen und verabredete einen Termin. Da ich am selben Tag wieder zurück wollte, flog ich nach Zürich und nahm von dort einen Mietwagen. Im Netz sah das Boot noch recht passabel aus, war aber zu hoch angesetzt. Das konnte ich auch ohne Inspektion sagen. Was mich erwartete, war jedoch eine jähe Enttäuschung. Das schöne Teakdeck, das auf den Fotos sehr schick aussah, war entfernt worden und jetzt war unsauber verlegtes Flexiteek drauf. Am schlimmsten jedoch waren die Püttinge. Undicht und daher mit Teer und Sikaflex in einem Alukästchen abgedichtet. Sowas hatte ich noch nie gesehen und wusste nach der Schilderung, dass die Stützholme wohl ein Problem hatten. Tatsächlich war am Gelcoat innen Schimmel. Ich fand etliche Knackpunkte und schrieb nach meiner Rückkehr am Folgetag ein langes Schreiben, mit einer Begründung, warum das Boot für mich nicht mehr als 12.000 € wert sei. Der Eigener war aber nicht von seiner Meinung abzubringen und war weiterhin der Ansicht, 20.000 verlangen zu können. Na schön, abhaken.

Die nächste Boström sah ich mir zusammen mit Henning an. Wir fuhren nach Holland und sahen ein deutlich gepflegteres Boot. In vier Stunden konnten wir alles begutachten, was von Relevanz war. Mit dem Eigner hatte ich einen guten Schnack auf Niederländisch und musste immer wieder lachen, wenn ich nach einem Fachbegriff fragte und er mir die Antwort gab. “Wie zeg je voor >Bullentaljen< op neerlands?” – “Bulletalje.” – “En voor >Schot<?” – “Gewoon: Schot.” Klar! Unsere seemännischen Begriffe stammen ja alle aus dem Niederdeutschen und die Ähnlichkeit zum Niederländischen ist da riesig. Da ich meine Boström in- und auswendig kenne, kann ich getrost behaupten, Fachwissen zu haben und der Eigner, der seine immerhin 15 Jahre gesegelt ist, attestierte mir das auch sofort und war beeindruckt von den vielen Details, auf die ich hinwies. Im Grunde war das Boot aber in tadellosen Zustand. Die Probefahrt verlief sehr zu unserer Zufriedenheit und die Überraschung kam bei der Durchsicht der Segel. Nicht eines war älter als sieben Jahre und Fock und Sturmfock waren sogar niegelnagelneu. Alle Tücher waren einwandfrei. Auch hier schrieb ich zwei Tage später eine lange Mail und machte dem Makler ein Angebot, basierend auf fundierten Argumenten, warum das Boot keine 17.500 € wert sei, was vorrangig auf abgelaufenen Wartungsfristen der Rettungsmittel und fehlendem Kartenplotter, GPS und DSC-fähigem Funkgerät lag. Ein Tag später erhielt ich die Antwort, man werde das Angebot annehmen. Perfekt!

Kurz darauf erhielt ich von dem bisherigen Eigner eine Email, in der er mir alles Gute mit dem Boot wünschte und sich richtig darüber freute, dass das Boot jetzt viel häufiger und vor allem technisch gesegelt werde, da es dann einer Segelschule gehöre. Wow, was für Vorschusslorbeeren!

Eine weitere Boström wollte ich mir zwar angucken, aber das Kaufinteresse war eigentlich gestillt. Ich fuhr mit Heike nach Dänemark und sah mir eine B31 an, die seit zwei Jahren auf Land stand. Was für eine Sünde! Man hatte eigentlich nichts mehr in der Zeit daran gemacht, denn der Zustand war erbärmlich, auch wenn die Grundsubstanz wirklich gut war. Die Zierleiste war beispielsweise gesplittert und ging auseinander, ja an einer Stelle wuchs ein kleines Bäumchen aus dem Holz! Das Steckschott war nur schwer zu öffnen und innen überall Schimmel. Sämtliche Polster, Stoffe und das Kunstleder an der Decke waren befallen. Die Bilge wies eine 5cm hohe Treibstofflache auf. “The fuel pipe is leaking.” meinte der Makler. ‘Ach, und das lässt man dann so?’ wunderte ich mich. Obwohl ich mir zwei Stunden Zeit ließ und meine Checkliste durcharbeitete, war schnell klar, das Boot war eine Enttäuschung. Selbst die angesetzten 12.000 € waren viel zu hoch gegriffen. Andererseits war der Rumpf ok, das Oberdeck brauchte nur geschrubbt zu werden, das Rigg war gut, die Segel auch (wieder ein brandneues Großsegel), ja es war sogar ein Dinghy mit Außenborder und ein Fernseher inklusive. Heike überlegte mit mir auf der Heimfahrt laut und meinte: “Ich würde ihm ein Angebot machen. Sei frech und biete nur 5.000,-€ bar auf die Hand und er ist es los.” Mmmh, da war was dran. Ok, drei Boote über den Winter fit zu machen, das war sportlich, aber andererseits konnte ich ja auch dieses Boot einer Werft geben und genau sagen, was gemacht werden sollte. Die musste auch nicht zum Frühjahr fertig sein. Also machte ich dann mein Angebot, was postwendend abgelehnt wurde. Unter 80.000 DKK (ca. 10.200,-€) wolle der Eigner nicht verkaufen. HA! Dann darf man es aber nicht so herunterkommen lassen! Ich legte einige Punkte offen, die preismindernd seien und erhöhte mein Angebot auf 45.000 DKK (ca. 6.000€). Die andere Seite reagierte wieder mit Ablehnung. Also legte ich nochmals nach und setzte mir gleichzeitig ein Limit. Dann kam die andere Seite in Bewegung, denn man wollte alle nötigen Reparaturen im Vorfeld erldigen lassen, also Batterien checken und aufladen, Dieselleckage flicken, Motor und Elektrik funktionstüchtig machen. Man hatte da wohl inwischen begriffen, dass es kein besseres Angebot geben werde und das ein weiteres Jahr dem Boot nur noch abträglicher werden würde. Ich anderseits, hatte mir alle Pluspunkte nochmals hervorgeholt und kam zum Schluss, dass der Schimmel abschreckt, aber recht schnell “von Bord geht”, also nicht wirklich preismindernd ist. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass dieses Boot Henning so richtig gefallen würde.

So manch einer fragt sich sicherlich, warum ich nicht ein neues Boot kaufe, z.B. eine Bavaria. Nun, einerseits bin ich absolut überzeugt von den herausragenden Segeleigenschaften der Boström. Sie ist für Segelanfänger geradezu ideal. Also perfekt für meine Segelschule. Andererseits hatte Heike gerade die Gelegenheit, mal ein anderes Boot kennenzulernen. Eine gecharterte Bavaria 47. Ihr Urteil war verheerend: Behäbig, schlechter Zustand, spartanisch, ungemütlich. “Jetzt weiß man, was man an seinem Boot eigentlich alles hat!” Noch eine Sache gab mir Aufwind: Heike hatte bei mir wirklich viel gelernt, denn auf dem Törn machte sie es dem Skipper, einem erfahrenen Segler, nicht einfach. Das Wissen über Holepunkte und Trimmeigenschaften war eine Sache, aber einen Skipper zu überreden, den Kanal von Æroskøbing über Martstal nach Bagenkop unter Segel zu machen, zeigt mir, wie viel Heike von mir gelernt hat. Jetzt weiß ich es noch einmal mehr besser einzuordnen, wie es um meine Segel- und Lehrfähigkeiten bestellt ist. Und das ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Segelschule! Also bin ich auf gutem, vielleicht sogar auf dem besten Wege.

Jetzt hoffe ich auf einen sehr milden Winter und werde mir sicherlich noch einige Helfer suchen müssen. Dann kann es nächsten Frühling eine schöne Eröffnungsfeier und gleich zwei Taufen auf einmal geben!

Leider ist das hier der letzte Eintrag als Blog für die Rasalhague. Ab nächsten Jahr blogge ich dann und wann für SailingStars.

An alle Leser, treuen wie Gelegenheitsleser, habe ich eine große Bitte:

Macht bitte Werbung für SailingStars in Eurem Bekanntenkreis! Und vor allem: seid selbst dabei, und schaut schon mal auf die Interseite von SailingStars.

Vielen Dank für die Kommentare, die Thumbsup, die Lacher und Tränen, die abgenaggten Fingernägel, Ohnmachtsanfälle und was Euch alles noch beim Lesen so passiert ist. Ich werde hoffentlich noch viel über die abenteuerlichsten Segelkurse, spannende Events und den anderen tollen Angeboten von SailingStars berichten können.

In diesem Sinne, stets eine Handbreit unterm Kiel!

Euer Tobias

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