Endlich geht es auch mit der Fock richtig gut

Mit der Montage des Klaviers hatte ich im Groß der Rasalhague einen Cunningham-Strecker eingezogen. Doch was nützt mir eigentlich der Cunningham, wenn wir nie mit Fock segelten? Das hatten wir bisher vermieden, weil die Anströmung der Fock nicht gut war. Der Holepunkt dafür lag wie bei den Genuas auf der Genuaschiene, ganz vorn und behindert durch die Wanten, an der Außenkante des Decks. Für die Fock zu weit außen. In Bogense hatte ich auf dem Rückweg unseres Sommertörns eine Boström 31 Mk II gesehen, die auf der Innenseite des Laufdecks, unmittelbar vor den Fenstern Fockschienen montiert hatte. ‘Warum mach ich das nicht auch so? Ich muss ja keinen Focktraveller haben, nur weil es eine Selbstwendefock ist.’ dachte ich mir und beschloss die Sache mit meinem Ältesten zu beschnacken. Er fand die Idee gut, meinte aber: “Lieber nicht auf das Deck, da stößt man nur dagegen. Kannst du es nicht auf der Dachkante aufsetzen?” Darüber musste ich nicht lange nachdenken. Klar ging das und Recht hatte er.

Also hab ich mir neulich eine Schiene bei AWN geholt. Die gibt es in 1m oder 50cm Länge. ‘Erstmal 1m,’ dachte ich mir, ‘vielleicht kann ich die auch teilen.’ An einem ruhigen Tag setzte ich dann im Hafen zuerst die Selbstwendefock und schäkelte eine Schot fest. Mit gespannter Schot ermittelte ich den Holepunkt. ‘Uff, der ist ja direkt hinterm Lüfterpilz, das war knapp.’ Als nächstes setzte ich dann die Sturmfock, denn auch die würde das Großsegel besser anströmen, wenn sie dichter geführt wird. Der Holepunkt des “Taschentuchs”, wie Heike es beim ersten Mal scherzhaft nannte, war unmittelbar vorm Handlauf. Klasse! Da reicht mir ja dann ein halber Meter und schon konnte ich die Schiene teilen.

Als es letztes Wochenende besonders heiß war, weil kaum Wind ging, da beschloss ich die Schiene zu montieren. Geschraubt und mit Tikalflex verklebt waren die zwei neuen Fockschienen eine Stunde später eingebaut. Neue Schienenblöcke brauchte ich nicht, denn wir hatten je zwei Paar auf den Genuaschienen. Das zweite Paar brauchten wir dort nicht, denn den Barberholer fahre ich mit fixer Länge und nicht variabel. Also versetzte ich die Pfeiffer-Schienenblöcke auf die Fockschiene und schraubte noch Endkappen dran. Fertig. Zum Testen reichte der Wind nicht aus.

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Die neue Fockschiene zwischen Lüfterpilz und Handlauf: schon steht die Fock perfekt über der Back.

Am Dienstag wagte ich es dann. Besonders windig war es nicht, aber ich wollte die Sache auch vorsichtig angehen, da ich die Schrauben nicht gekontert hatte. Nicht, das es mir die Schienen gleich rausreißt. Da Heike seit dem Wochenende ihr eigenes Bootsprojekt hat, eine Jolle, hatte ich niemanden, der mit raus wollte. Gut, ich kann es auch einhand. Also machte ich die Rasalhague klar und lief aus. Vorm Hafen gingen die Segel hoch und nun war ich ja mal gespannt. Der schwache Wind reicht gerade mal für 2kn Fahrt, das war nix. Ich holte das Fockfall nochmal durch, denn das Segel hatte noch Falten und dann stand es richtig. ‘Mmmh, ob der Bauch des Großsegels eine Rolle spielt?’ Ich holte den Cunningham dicht und siehe da, der Bauch wurde tatsächlich flacher. Schön! Noch besser war, die Fahrt ging sofort ein Stück nach oben . . . 2,4kn! OHA, na das lohnt sich ja!

Cunningham
Am Mast zu sehen: Der Cunningham holt das Vorliek des Großsegels etwas runter und das Profil wird dadurch flacher

Gestern war mehr Wind, jetzt wollte ich es nochmal testen. Bei 4Bft und ablandigen wind zog ich die Segel bereits im Hafen hoch und legte dann ohne Motor ab. Draußen musste ich erst mal Abstand gewinnen und fuhr mit einem halben Schmetterling Richtung Laboe. Schmetterling mit einer Fock, das ist so, als ob man auf einer Seite des Autos normale Reifen drauf hat, während die andere Seite nur mit kleinen Holzräder ausgerüstet ist. Als ich endlich weit genug raus war, drehte ich an und los ging es. Ich wollte wissen, ob die Fockschiene auch höheren Zuglasten gewachsen war und wie hoch ich unter Fock an den Wind rangehen konnte. Hart am Wind, der Cunningham war dichtgeholt, machte das Boot 5 bis 5,5kn Fahrt über Grund. Nicht schlecht für ein kleineres Segel. Die Überraschung kam aber beim Öffnungswinkel. Mit der Genua betrug der bei schwachem Wind etwa 120-130°, d.h. rund 60° gegen den Wind. Mit der SW-Fock gelang es mir, an die 40° gegen den Wind heran zu kreuzen. Damit war der Öffnungswinkel von 80° ein klares Argument für die Fock auf der nächsten Kreuz. Auf langen Kreuzschlägen wird das sicher eine Menge Zeit einsparen. Das Handling ist auch wesentlich leichter, auch einhand, da die SW-Fock nicht an den Wanten hängen bleibt.

Unterm Strich: Ich bin sehr zufrieden und freue mich auf die Bewährung bei der nächsten Langfahrt. So macht kreuzen wieder Spaß!

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Sommertörn 2017 – Teil 2: Drei Männer und ein Boot . . .

Tag 5 – Donnerstag, 6. Juli:

Es blieb bei Heikes Entscheidung. Ihre Schmerzen waren einfach zu groß und es wäre auch nicht vernünftig gewesen. Ich wusste, dass sie immer etwas über ihre Grenzen hinausging und war eigentlich froh, das sie jetzt einmal die Reißleine zog. Dennoch brachten wir Heike mit blutendem Herzen zum Busbahnhof und setzten sie in den nächsten Bus nach Odense. Von dort wollte sie mit dem Zug dann zurück nach Kiel fahren. Die einzige Frage, die ich mit den Jungs jetzt klären musste, fahren wir weiter oder kehren wir um? Wir hatten Urlaub und es war die längste Papa-Söhne-Zeit im Jahr und wir wollten einen Abenteuer. Heute sollte ein Tag Pause sein, aber morgen, so entschieden wir gemeinsam, wollten wir dann weiter nach Anholt segeln. Und nur so viel sei schon verraten: Wir bekamen mehr davon, als uns lieb war.

Ich besorgte im Seglerladen am Hafen ein paar Schrauben, denn beide Rückenlehnen im Salon hatten sich inzwischen gelöst. Die Schrauben waren eindeutig zu schwach dimensioniert. Das war schnell ausgewechselt und jetzt hielt das auch. Was fingen wir jetzt mit dem angefangenen Tag an? In Kerteminde ist ein Aquarium, das wollten wir jetzt besuchen. Weit mussten wir nicht laufen, denn das ist gleich gegenüber vom Fischereihafen. klein, aber sehr schön gemacht mit vielen anschaulichen Erklärungen (in 3 Sprachen) und einem schönen Außenbereich. Hier waren zwei große Becken für Robben und Schweinswale. Auch eine Krabbenrennbahn ist dort angebracht. DSC_0233Dutzende und aberdutzende Krabben waren in den Becken und warteten quasi darauf von einem Kind als Rennkrabbe mit den bloßen Händen herausgefischt zu werden. Ich zeigte Nils und Bjarne, wie sie die Krabbe am besten anpacken konnten ohne gezwickt zu werden und ohne der Krabbe weh zu tun. DSC_0257Dann wurde die Klappe geöffnet und die beiden Kontrahenten liefen seitwärts los. Nils feuerte seine Krabbe an: “Los Nummer 6!” Auch Bjarne spornte sein Renntier mit “Vorwärts Nummer 7!” an. Es sah ganz nach einem Start-Ziel-Sieg für die Nummer 7 aus, doch dann, kurz vor dem kühlen Nass . . .  “VORWÄRTS! Nicht rückwärts!” DSC_0259Bjarnes Krabbe hatte mittendrin die Orientierung verloren und krabbelte wieder bergauf. Wir lachten und Nils Krabbe gewann ganz gemütlich das Rennen. Oben auf dem Dach des Museums fielen mir die dutzenden und aberdutzenden Möwen auf, die da saßen und gierig guckten . . . ‘MEINS! MEINS!’

DSC_0246Dann waren wir bei der Fütterung der Kegelrobben dabei und lachten nicht schlecht über eine kecke Möwe, die sich aus dem Fischeimer selbst bedienen wollte. Auch die Schweinswale wurden nochmals gefüttert und dabei für eine Forschungsarbeit Untersuchungen angestellt. Allerdings sind die Tiere auch im DSC_0240Bassin echt schwer zu fotografieren. Ganz nett war auch der Tunnel zwischen den Becken, von den man aus in beide Bassins hineingucken konnte, doch die Schweinswale sind viel zu schnell an den Fenstern vorbeigeschwommen, als das ein brauchbares Foto dabei gemacht werden konnte.

Tag 6 – Freitag, 7. Juli:

Wir frühstückten, machten seeklar und los ging es. Vor der Hafeneinfahrt fuhr Nils in den Wind zum Segelsetzen. Ich hatte mit den Jungs ausgemacht, dass keiner ungesichert auf die Back geht, auch ich nicht. Und bei mehr als 5 Bft würden wir im Hafen bleiben. Natürlich kamen Fragen auf, was sie denn machen müssten, wenn ich über Bord gehen würde oder bewusstlos wäre. Bjarne meinte ganz einfach: “Dann ruf ich Heike an!” Sicherheitshalber zeigte und erklärte ich ihm das Funkgerät und auch die Karte mit den Notrufen. Letztlich wäre es aber völlig egal, denn MRCC Bremen oder Lyngby Radio würden mit Sicherheit auch so helfen können. Das zeigte uns der alltägliche Funkverkehr, der nicht immer nach Schema F gemäß GMDSS ablief.

DSC_0264Der Wind hatte kaum Kraft um uns voranzutreiben, aber ich übte erst mal Wende und Halse mit den beiden. Bisher hatten hauptsächlich Heike und ich die Segelmanöver durchgeführt, aber jetzt spleißte sich Nils auch mit ein. Letztlich holten wir noch vor Romsø die Segel ein und gingen unter Motor auf die Etappe nach Ballen. DSC_0269Es regnete und die Flaute erinnerte mich daran, dass wir vor zwei Jahren auch bei Regen und Flaute die umgekehrte Strecke zurückgelegt hatten. Ich hatte am Vorabend noch die Strecke vorgekoppelt und die Kurse entsprechend im Kopf. Gegen die Langeweile half nur Ablenkung. Nils beschäftigte sich Kreuzworträtseln, Bjarne spielte mit seinem Handy und ich hielt im leichten Regen unseren Kurs. Die Strecke nach Ballen wurde so gefühlt sehr lang.

Endlich war Samsø erreicht. Backbord voraus war der Leuchtturm Lyshage an der Südostecke. Kurz darauf standen wir vor Ballen. Nils lief ein, während Bjarne und ich die Fender anbrachten und die Vorleinen vorbereiteten. Schnell hinter und noch die Heckleinen klarieren, da kam auch schon die Hafenmole Backbord querab. Der Hafen war voll, deutlich zu erkennen an den Dreierpäckchen. Aber wir hatten Glück, denn die Rasalhague ist klein genug um auch in die letzte Gasse zu kommen und hier war ein Platz frei. Es war zufälligerweise der gleiche Platz, den wir auch vor zwei Jahren in Ballen hatten. Wir packten die Persenning über das Groß und machten auch den Rest des Bootes seeklar zurück. Nils und Bjarne besetzten das Schlauchboot und paddelten rum, während ich mich um das Abendessen kümmerte.

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Abendstimmung in Ballen

Tag 7 – Samstag, 8. Juli:

Karte 7Ich hatte unsere Etappen in etwa gleich groß gehalten, alle so um die 25-30 sm, aber die Jungs hofften auf mehr Zeit auf Anholt, schließlich hatten wir bereits zwei Tage verloren. Heute wollten wir nach Ebeltoft, bzw. in den Yachthafen beim Fähranleger weiter südlich, denn Ebeltoft selbst war eigentlich für die Tour nach Anholt ungünstig in einer Bucht gelegen. Im Hafenhandbuch fand ich aber nur Ebeltoft und nicht Ebeltoft Færgehavn. Dann entdeckte ich in der Seekarte die Bezeichnung Ørne und guckte danach. Tatsächlich wurde ich mit Øer fündig. Huiii, der sah ja cool aus. DSC_0301Eine alte aufgelassene Kiesgrube, die zu einer Feriensiedlung auf dem Wasser mit Bootsanleger für jedes Haus umgebaut war. Zugang nur über eine Schleuse. Bjarne und Nils waren begeistert. Damit war klar, Øer wurde angelaufen und Grenå ausgelassen.

Mit Groß und Genua 1 ging es auf Schmetterlingskurs mit 035° zur Fahrrinne zwischen Rumpen und Vejrø . “Vejrø? Das ist doch die kleine Insel, wo wir letztes Jahr waren. Papa, das kann ja gar nicht sein! Vejrø ist doch viel weiter im Süden.” – “Tja, es gibt wohl mehr als nur ein Vejrø.” gab ich zurück. “Können wir nicht Spinnakersegeln?” Ich wägte ab, DSC_0282viel Fahrt machten wir trotz der großen Genua nicht gerade. Und die Windprognose blieb mit 4-5 aus SW etwa gleich. “Also gut.” Ich kletterte auf die Back und hatte als bald alles vorbereitet. Beim Setzen gab es zwar noch ein paar Probleme, weil das Segel sich um das Fockfall wickelte und dadurch klemmte, doch nach einer Weile stand es und auch die Barberholer waren ausgebracht. Schon stieg unsere Fahrt rasch an. Nur wenig später hatten wir die betonnte Fahrrinne erreicht und drehten auf 340° an.

Das Funkgerät quäkte: “SECURITÉ, SECURITÉ, SECURITÉ. All ships, all ships, all ships. This is Lyngby Radio. Gale warning for Kattegat region in force.” Oh, Sturmwarnung! Nur Minuten später war eine schwarze Wolke über uns und entlud sich mit einem sintflutartigen Schauer. Der Wind nahm immens zu. Ich hatte keine Chance das Spi rechtzeitig zu bergen. “Das müssen wir abwettern! Leint euch an!” rief ich den Jungs zu. Ihre Augen wurden größer, weil sie instinktiv wussten, dass das Spi jetzt eine Gefahr darstellte. Die erste heftige Böe mit bis zu 7 Bft zog durch. Ich war in Sekundenschnelle durchnässt und hielt das Boot so gut es ging im Wind. Dennoch bekamen wir wegen dem Spi eine äußerst heftige Krängung nach Steuerbord. Die Back kam seitlich unter Wasser, es fehlte nicht viel und das Wasser wäre ÜBER das Süll ins Cockpit gelaufen. Der Steuerbord-Barberholer riß sich los und die Schot schlug wild umher. “Pass auf!” schrie Bjarne. Ich bekam die Schot zu fassen, aber der Block knallte mir auf die Hand. AU, VERDAMMT! Dennoch gelang es mir den Block zu sichern. Der Wind ließ nach, das Boot richtete sich wieder auf und ich sah meine Chance. ‘Jetzt oder nie!’ dachte ich noch und schon kletterte ich gesichert mit einer Lifeline auf die Back. “Bleibt im Schutz der Sprayhood.” rief ich den Jungs zu und versuchte dann den Bergesack über das Spi zu ziehen. Mit all meiner Kraft gelang es mir nicht. KEINE CHANCE! Das Segel wurde immer wieder aufgebläht. “Schmeißt die Schoten los! Werft sie los!” brüllte ich nach achtern. Der Druck kam aus dem Segel und es fing heftig an zu flattern. Ich entdeckte bereits einen kleinen Riss am Stb-Schothorn des Segels. MIST! Ich hörte Nils irgend etwas mir zurufen, doch wegen dem rabiaten Krach, den das Spi jetzt machte, verstand ich kein Wort. Ein Blick nach achtern zeigte mir, das hinten alles in Ordnung war, also versuchte ich jetzt den Bergesack erneut runter zu ziehen. DA, ES GING! Als ich den Sack komplett unten hatte, sah ich, dass das Spi jetzt einen Riss in T-Form von etwa einem Meter Länge hatte. VERFLUCHT! 20 Minuten später hatte ich die Back fertig und kam erschöpft ins Cockpit zurück. Die Gefahr war gebannt. DAS WAR GANZ SCHÖN BRENZLIG!  “Das Spi ist gerissen.” teilte ich den Kindern mit. “Und der Bootshaken ist weg!” Nils zeigte auf das Achterstag. Die Halterung war leer. Die wildschlagende Spi-Schot hatte den Bootshaken touchiert, worauf der aus der Halterung rutschte und über Bord ging. “Wo ist er jetzt?” Ich wusste, dass der Haken schwimmt, also guckte ich nach achtern, aber bei dem Wellengang hatten wir nicht den Hauch einer Chance den Haken noch zu sehen. Außerdem fehlte uns jetzt ein Bootshaken zum Bergen des Bootshakens. Also schrieb ich ihn ab.

Die Sturmböe war durch, ich guckte nach weiteren unheilvollen Regenwolken, aber der Himmel klarte weiter auf. Ok, jetzt lieber auf Nummer sicher gehen. Aber allein mit dem Groß konnten wir der Winddrift nicht viel entgegen setzen. Konnte ich die Genua hochziehen? “Wir brauchen jetzt ein Vorsegel, sonst verdriften wir auf die Untiefen im Osten.” erklärte ich den Jungs. Also zogen wir die G1 hoch und fuhren dann wieder unter normalen Verhältnissen weiter nach Norden. Am Horizont sahen wir eine Katamaranfähre, vor denen auch die Seekarte warnte. Im Nu war sie heran und auch schon vorbei. Der Wind hatte in der Århus-Bucht auf NW gedreht und wir wurden zum Kreuzen gezwungen.

Die Ansteuerungstonne von Øer konnten wir schon recht früh ausmachen, brauchten aber noch eine Weile, bis wir dann endlich vor der Ansteuerungen standen. Bjarne startete den Motor und ich barg die Segel. Er hatte etwas Mühe das Boot im Wind zu halten, weil er zu wenig Fahrt hatte und die Genua noch nicht unten war. “Gib Gas!” Der Motor heulte auf und das Boot zog wieder in den Wind. Jetzt bekam ich das Vorsegel auch runter. Die Rasalhague stampfte schwer gegen die Wellen an, tauchte hart in eine Welle ein und ich stand mit den Füssen im Wasser. OAAH! Und das macht Heike so einen Spaß? Mein lieber Scholli! Die Segel waren endlich unten und gesichert. Jetzt ging es in die ausgebaggerte 700m lange, aber nur 20m breite Rinne. DSC_0288Zwei Steinwälle boten nach einer Weile Schutz vor den Wellen, dennoch musste Bjarne tierisch aufpassen, denn durch den Wind drifteten wir auf den Steuerbordrand des Fahrwassers zu. “Halt dich mehr nach Backbord, uns kommt eh keiner entgegen.” Am Ende der Rinne kam die Schleuse. Wir wurden gleich reingewinkt. Hinter uns kam auch noch ein Boot an. Auch deren Gesichter spiegelten die Erleichterung wider, den Wellen da draußen entkommen zu sein. Ich bekam einen Bon, eine Beschreibung und eine Stromkarte. Kein Hafenticket? Nein, denn Abhauen ohne zu zahlen, das ging hier nicht. Jedes Boot musste auch durch die Schleuse wieder raus.

DSC_0290Das Schleusen war für die Jungs aufregend. DSC_0283 DSC_0294Wir wurden fast 2m angehoben und konnten dann in den künstlichen See einlaufen. Wir hatten bezüglich des Liegeplatzes freie Auswahl. Bjarne steuerte gleich die erst beste Box an, ich wollte noch Einspruch erheben, ließ ihn aber dennoch gewähren.  Die Steuerbord-Heckleine bekamen DSC_0299wir über den Dalben, auch die Backbordleine, aber nach vorne war ewig viel Platz. Der Wind trieb uns auf das Nachbarboot an Steuerbord. Jetzt wünschte ich mir ein Querstrahlruder oder Sorgleinen . . . oder wenigstens den BOOTSHAKEN zurück. Über den Bugkorb kletterte ich auf das Nachbarboot und zog uns mit der Vorleine in die Box. Aber der Bug blieb mehr als 2m von der Pier entfernt. Verdammt, die Leinen waren zu KURZ! Also zurück an Bord und wieder raus aus der Box. DSC_0297Wir fuhren weiter ins innere der Anlage und entschieden uns für einen Liegeplatz in der Mitte, etwas windgeschützter und vor allem kleiner. Neben der dänischen Yacht, die mit uns geschleust wurde, machten wir fest. Geschafft! Beim Seeklar zurück ging dann obendrein der Steuerbord-Barberholer auf Tiefe. NA TOLL! Ich wollte mir zwar eh Snatchblöcke besorgen, doch den bisher eingesetzten Violinblock wollte ich eigentlich behalten. Wir wählten die Mitte aus, weil wir hier Duschen und Klos vermutet hatten. Tja, das stimmte wohl auch mal, doch leider war das kleine Schwimmbad mit samt Duschen und Toiletten abgerissen worden. Die anderen Sanitärgebäude waren einen guten Fußweg entfernt, da war man ja mit dem Paddelboot schneller!

Auch wenn es so aussah, dass die Anlage wohl ihre beste Zeit hinter sich hatte, die Ferienhäuser waren alle sehr gepflegt! Bei einem Spaziergang zu einer Insel, “auf der garantiert ein Schatz vergraben ist” (wie Nils meinte), sahen wir, dass davon auch einige DSC_0304wenige zum Verkauf standen. Wir guckten in eine Ferienwohnung hinein und staunten nicht schlecht. Typisch skandinavisch, die Inneneinrichtung, sehr schick.  Der Weg zum Sandhaufen (die Schatzinsel) führte über Brücken an den verschiedenen Becken vorbei. Alle waren mit Kanälen verbunden. ‘Ein büschen wie Venedig.’ dachte ich. Für den Rückweg rannte Bjarne vor und holte uns mit dem Schlauchboot ab. Na, das war mal gemütlich! Allerdings musste er sich dann über die große Weite ganz schön gegen den Wind ins Zeug legen.

Tag 8 – Sonntag, 9. Juli:

DSC_0302Wir standen auf, weil es brütend warm im Boot wurde. Die Sonne knallte vom strahlend blauen Himmel und der Wind hatte deutlich nachgelassen und kam jetzt aus Südwest. Das war gut, denn heute wollten wir 42 sm nach Anholt zurücklegen. Schade nur, dass wir das Spi nicht mehr einsetzen konnten, denn der Kurs war geradezu ideal.

DSC_0307Um kurz nach 10.00 Uhr waren wir an der Schleuse, bezahlten und ich staunte nicht schlecht, denn der Hafen war keinen Deut teurer als andere. Im Gegenteil! Hinter der Schleuse war gleich eine Tankstelle. Sicherheitshalber bunkerten wir noch etwas Kraftstoff und dann ging es durch den Kanal wieder raus auf das offene Meer. Mit Groß und Genua 1 halsten wir uns mit 070-130° auf die Insel Hjelm zu, dann ging es auf 030° am Wind wieder Richtung Norden durch die Meerenge hindurch. DSC_0310Viele Segler waren bei dem schönen Wetter unterwegs und ich befürchtete, alle würden Anholt ansteuern, doch die meisten von denen blieben dicht an der Küste und hielten auf Grenå zu. Das konnten wir inzwischen ausmachen und ich war über unsere Entscheidung, diesen Hafen auszulassen, echt froh, denn der Hafen sah nach einem großen Industriegebiet aus. Wir konnten auch ein riesiges Schiff erkennen, das einen Ölplattform ähnelte. Bjarne meinte, das sei bestimmt für den Aufbau der Windparks. Tatsächlich war der nördliche Horizont ziemlich voll von Windrädern. Auf der Seekarte war gerade mal das südliche Windrad vom Anholt Windmølenpark verzeichnet. Die Sonne brannte runter wie nichts Gutes. Da die Jungs keine Mützen aufsetzen wollten, hDSC_0326olte ich das Sonnensegel raus und ließ es Bjarne quer über die Plicht spannen. Ich konnte darüber hinweg gucken, während die Jungs im Schatten dösen konnten. Beiden ging es nicht so gut. Nils meinte, er hätte zu viel Butter gegessen und Bjarne hatte Kopfschmerzen, aber im Schatten ging es beiden bald besser.

Obwohl wir zwischenzeitlich 6 Knoten über Grund machten (die Logge hatte sich schon seit Tagen nur sporadisch zur Anzeige bequemen lassen), zog sich die Strecke ins Unermessliche. Ich steuerte die ganze Zeit einen Kurs um die 040 – 060° um einen unangenehmen Schlingerkurs zu vermeiden. Anholt konnte keiner von uns ausmachen. Oder doch? DA! Das musste der hohe Radarturm im Westen der Insel sein. Ich hielt darauf zu, doch schon bald entpuppte sich der Turm als ein Entgegenkommer unter Segel. Grummel, wenigsten stimmte der Kurs, denn der Segler musste ja von Anholt kommen. Dann aber konnten wir im Dunst doch etwas ausmachen. “LAND IN SICHT!” Sofort waren die Kinder auf den Beinen und guckten. “Das ist ja noch weit weg!” Nils klang enttäuscht, aber er war ja auch noch nicht wieder fit. Es dauerte Ewigkeiten, bis wir das südliche Windrad backbord querab hatten. Und nochmals dauerte es Stunden, bis wir auch am östlichen endlich vorbei waren. Da wir mit 025° mehr nach Norden mussten, konnte ich den Schlingerkurs nicht mehr vermeiden. Ich versuchte durch Schmetterling das Boot zu stabilisieren, aber die Dünung war stark und so halste ich zwischen 360 und 040° hin und her. Beide Jungs hingen dann über der Reling, arme Kerle!

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“LAND IN SICHT” – Das Ziel unserer Reise: Anholt

Wir hatten noch rund 6 – 7 sm vor uns, da sah ich, das vier andere Boote immer schneller Richtung Anholt fuhren. “Die schummeln, die haben den Motor angeworfen.” Da Anholt im Sommer sehr beliebt ist, konnte man schon mal keinen Platz mehr bekommen. Also holten auch wir die Segel ein und “jagten” mit 6,5 kn hinterher. Die Anderen hatten schon einen beträchtlichen Vorsprung. Da kamen noch weitere Boote in Sicht. Aus allen Richtung kamen sie. Ich sah uns vor meinem geistigen Auge bereits vor Anker gehen, weil der Hafen aus allen Nähten platzte.

Fortsetzung folgt . . .

Der Film zu Teil 2: Drei Männer und ein Boot

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