Endlich geht es auch mit der Fock richtig gut

Mit der Montage des Klaviers hatte ich im Groß der Rasalhague einen Cunningham-Strecker eingezogen. Doch was nützt mir eigentlich der Cunningham, wenn wir nie mit Fock segelten? Das hatten wir bisher vermieden, weil die Anströmung der Fock nicht gut war. Der Holepunkt dafür lag wie bei den Genuas auf der Genuaschiene, ganz vorn und behindert durch die Wanten, an der Außenkante des Decks. Für die Fock zu weit außen. In Bogense hatte ich auf dem Rückweg unseres Sommertörns eine Boström 31 Mk II gesehen, die auf der Innenseite des Laufdecks, unmittelbar vor den Fenstern Fockschienen montiert hatte. ‘Warum mach ich das nicht auch so? Ich muss ja keinen Focktraveller haben, nur weil es eine Selbstwendefock ist.’ dachte ich mir und beschloss die Sache mit meinem Ältesten zu beschnacken. Er fand die Idee gut, meinte aber: “Lieber nicht auf das Deck, da stößt man nur dagegen. Kannst du es nicht auf der Dachkante aufsetzen?” Darüber musste ich nicht lange nachdenken. Klar ging das und Recht hatte er.

Also hab ich mir neulich eine Schiene bei AWN geholt. Die gibt es in 1m oder 50cm Länge. ‘Erstmal 1m,’ dachte ich mir, ‘vielleicht kann ich die auch teilen.’ An einem ruhigen Tag setzte ich dann im Hafen zuerst die Selbstwendefock und schäkelte eine Schot fest. Mit gespannter Schot ermittelte ich den Holepunkt. ‘Uff, der ist ja direkt hinterm Lüfterpilz, das war knapp.’ Als nächstes setzte ich dann die Sturmfock, denn auch die würde das Großsegel besser anströmen, wenn sie dichter geführt wird. Der Holepunkt des “Taschentuchs”, wie Heike es beim ersten Mal scherzhaft nannte, war unmittelbar vorm Handlauf. Klasse! Da reicht mir ja dann ein halber Meter und schon konnte ich die Schiene teilen.

Als es letztes Wochenende besonders heiß war, weil kaum Wind ging, da beschloss ich die Schiene zu montieren. Geschraubt und mit Tikalflex verklebt waren die zwei neuen Fockschienen eine Stunde später eingebaut. Neue Schienenblöcke brauchte ich nicht, denn wir hatten je zwei Paar auf den Genuaschienen. Das zweite Paar brauchten wir dort nicht, denn den Barberholer fahre ich mit fixer Länge und nicht variabel. Also versetzte ich die Pfeiffer-Schienenblöcke auf die Fockschiene und schraubte noch Endkappen dran. Fertig. Zum Testen reichte der Wind nicht aus.

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Die neue Fockschiene zwischen Lüfterpilz und Handlauf: schon steht die Fock perfekt über der Back.

Am Dienstag wagte ich es dann. Besonders windig war es nicht, aber ich wollte die Sache auch vorsichtig angehen, da ich die Schrauben nicht gekontert hatte. Nicht, das es mir die Schienen gleich rausreißt. Da Heike seit dem Wochenende ihr eigenes Bootsprojekt hat, eine Jolle, hatte ich niemanden, der mit raus wollte. Gut, ich kann es auch einhand. Also machte ich die Rasalhague klar und lief aus. Vorm Hafen gingen die Segel hoch und nun war ich ja mal gespannt. Der schwache Wind reicht gerade mal für 2kn Fahrt, das war nix. Ich holte das Fockfall nochmal durch, denn das Segel hatte noch Falten und dann stand es richtig. ‘Mmmh, ob der Bauch des Großsegels eine Rolle spielt?’ Ich holte den Cunningham dicht und siehe da, der Bauch wurde tatsächlich flacher. Schön! Noch besser war, die Fahrt ging sofort ein Stück nach oben . . . 2,4kn! OHA, na das lohnt sich ja!

Cunningham
Am Mast zu sehen: Der Cunningham holt das Vorliek des Großsegels etwas runter und das Profil wird dadurch flacher

Gestern war mehr Wind, jetzt wollte ich es nochmal testen. Bei 4Bft und ablandigen wind zog ich die Segel bereits im Hafen hoch und legte dann ohne Motor ab. Draußen musste ich erst mal Abstand gewinnen und fuhr mit einem halben Schmetterling Richtung Laboe. Schmetterling mit einer Fock, das ist so, als ob man auf einer Seite des Autos normale Reifen drauf hat, während die andere Seite nur mit kleinen Holzräder ausgerüstet ist. Als ich endlich weit genug raus war, drehte ich an und los ging es. Ich wollte wissen, ob die Fockschiene auch höheren Zuglasten gewachsen war und wie hoch ich unter Fock an den Wind rangehen konnte. Hart am Wind, der Cunningham war dichtgeholt, machte das Boot 5 bis 5,5kn Fahrt über Grund. Nicht schlecht für ein kleineres Segel. Die Überraschung kam aber beim Öffnungswinkel. Mit der Genua betrug der bei schwachem Wind etwa 120-130°, d.h. rund 60° gegen den Wind. Mit der SW-Fock gelang es mir, an die 40° gegen den Wind heran zu kreuzen. Damit war der Öffnungswinkel von 80° ein klares Argument für die Fock auf der nächsten Kreuz. Auf langen Kreuzschlägen wird das sicher eine Menge Zeit einsparen. Das Handling ist auch wesentlich leichter, auch einhand, da die SW-Fock nicht an den Wanten hängen bleibt.

Unterm Strich: Ich bin sehr zufrieden und freue mich auf die Bewährung bei der nächsten Langfahrt. So macht kreuzen wieder Spaß!

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Die Rasalhague bekommt ein Klavier

Bevor jetzt einer denkt: ‘Was? Jetzt will er noch ein KLAVIER einbauen? Wie viel Platz ist denn da noch auf dem Boot?’ . . . hier geht es nicht um ein Musikinstrument! Ich bin nebenbei bemerkt völlig talentbefreit in Sachen Musik, kann gerade mal auf der Bootsmannmaatenpfeife “Raise” oder “Seite” pfeifen. Auf einem Segelboot hat ein Klavier etwas mit Leinen zu tun und nicht mit Saiten. Halt das, was auf einem Großsegler eine Nagelbank ist.  Oh weh, ich seh’ schon, jetzt runzeln wieder welche die Stirn und wundern sich . . . ‘warum werden da Nägel in eine Bank eingeschlagen?  Und was heißt Raise?’  Na, das nach dem Locken. ‘Hä? Heißt es nicht . . . nach den Locken?’ Nein, es heißt ja auch DAS LOCKEN und es sind mit Sicherheit keine Haare. Aber hier soll es um das Klavier gehen und nicht um die Seemannssprache.

Ein ruheloser Geist wie meiner wird wahrscheinlich immer nach weiteren Verbesserungen streben, damit das Handling noch leichter wird und man vielleicht noch ein bisschen mehr aus dem Potenzial des Bootes herauskitzeln kann. Nachdem sich die Bullentalje auf dem letzten Sommertörn bewährt hatte, jedoch das Handling etwas umständlich war und sie sich als Stolperfalle auf dem Laufdeck entpuppte, überlegte ich mir hierfür eine neue Lösung. Da auch der Traveller einer Verbesserung bedurfte, entstand daraus schnell eine grundlegende Neuordnung des gesamten “laufenden Gutes”, also aller Leinen, die mit den Segeln zu tun haben. Bisher hatten wir keine Fallen ins Cockpit umgelenkt und blieben somit von großen Wuhlingen verschont. ‘Was ist denn jetzt wieder ein Wuhling?’ denken sich bestimmt einige. Man stelle sich einen Haufen Leinen vor, die komplett miteinander “verwurschtelt” sind – so hätte meine Mutter das beschrieben. DAS ist ein Wuhling. Viel Spaß beim Klarieren.

Als im letzten Sommer unsere Freundin Kerstin mal zum Segeln mit war, wunderte sie sich über unsere spärliche Leinenführung im Cockpit: ” . . . und das ist also euer ‘Klavier’? Büschen wenig, was?” . . . Ähm, ja. Auf der Backbordseite lagen in einer Klemme beide Travellerleinen  und in einer zweiten Klemme auf Steuerbord der Baumniederholer, der gleichzeitig unsere Großschot ist. DSC_0421Prinzipiell kann man eine Boström so auch gut fahren, denn wenn die Großschot für “Raumschots” oder “Vorm Wind” aufgefiert werden muss, war gleichzeitig auch ein bauchigeres Profil von Nöten und der Baumniederholer brauchte dann auch Lose. Grundsätzlich war ich froh, das wir die Großschot nicht auf einem Reiterbalken in der Plicht fuhren. Das hätte nur unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Und da wir keine Regattasegler sind, kam es uns letztlich nicht auf den absolut perfekten Trimm an. Die Sicherheit an Bord, insbesondere auf See beschäftigte mich jedoch mehr und die Stolperfalle war mir auch im Hafen ein Dorn im Auge, denn da störte die Bullentalje zum Beispiel gerade beim Segelpacken. Es dauerte ein dreiviertel Jahr bis zur Umsetzung, dennoch hatte Kerstins Bemerkung in mir etwas entfacht. Obwohl in meinem Kopf kein Stroh ist (glaube ich zumindest), war das eine brandgefährliche Situation. Meine grauen Zellen sind für neue Ideen und Optimierungen stets leicht entflammbar. Es reicht dann immer nur ein Funke. Mein Gehirn ist da wie Zunder. Kerstin konnte das ja nicht wissen, aber wenn man mir einen solchen Denkanstoß gibt . . . nun ja, . . . mit so ähnlichen Aussagen von Heike bin ich ja auch mal eben zum Boot und zur Modelleisenbahn gekommen.

Am sinnvollsten erschien mir eine neue Konfiguration mit Umlenkung auf dem Dach und Achterführung durch Ösen in der Sprayhood ins Cockpit. Schon vor der Zwangspause durch Wellen- und Ruderschaden hatte ich behelfsmäßig mit einer Montage am Handlauf begonnen, aber das konnte jedoch keine Dauerlösung bleiben. Da die Rettungsinsel aber recht breit ist und für eine Leinenführung auf dem Dach etwas “im Weg” war, beschloss ich, die Insel einfach um 90° zu drehen und die beiden Handläufe um ca. 5cm weiter nach außen zu verlegen. Das ist allerdings eine Arbeit, die bis zum Herbst warten muss. Bei der Gelegenheit könnte ich ja auch das Kabinendach renovieren und den Antirutschanstrich erneuern. Ok, ist als erstes Projekt für das Winterlager vorgemerkt.

Im Cockpit soll dann alles zusammenlaufen, deswegen heißt es ja auch Cockpit. Clamcleats, wovon wir schon zwei hatten, waren die einfachste und günstigste Lösung, Leinen zu beklemmen, nur waren die verschiedenen Leinen nicht beschriftet. Wer nicht auswendig wusste, welche Leine was bedient, kam nicht weit, also baute ich die vorhandenen Seilklemmen aus. Zumal man so nicht die Fallen auf die Winschen legen konnte, denn die Clamcleats würden nicht im richtigen Winkel stehen. Die seitliche Zuglast wäre zu groß. Deshalb hatte ich mir bei SVB einen 4er und einen 5er Fallenstopper von Easylock bestellt. Unter den alten Clamcleats war je ein Keilsockel verbaut, damit die Leine möglichst gerade in die Bremse führte und nicht von alleine rausrutschte. So einen Keilsockel brauchte ich jetzt auch für die Fallenstopper, nur viel breiter. Anstatt einen zu bestellen, nahm ich dafür Teakholzkeile, die beim Stabdeckbau übrig geblieben waren. Für den 4er Stopper brauchte ich zweieinhalb Keile, für den 5er dreieinhalb. Also sägte ich einen Keil in zwei Hälften und leimte dann die Keile zu zwei Sockeln zusammen. DSC_0207Danach schliff ich eine leichte Wölbung auf der Unterseite ein, denn der Aufbauort war nicht plan. Jetzt brauchte ich noch Bohrlöcher in den Keilen und im Dach. Leichter gesagt als getan, denn gleich zwei Bohrnadeln ließen ihr Leben bei der Aktion. Notgedrungen spannte ich den abgebrochenen Rest einer Nadel ein und konnte damit tatsächlich bis zum Ende bohren. Anschließend umrandete ich die Löcher im GFK zwecks Abdichtung mit Tikalflex und klebte damit die Teakkeile provisorisch fest. Nachdem ich wieder einmal die Deckenplatten über Pantry und Nav-Ecke entfernt hatte, wurden die Schrauben mit einer 3mm starken Edelstahlplatte zur Zuglastverteilung und den Muttern gekontert. Fertig. Nils hatte bereits die Beschriftung der Fallenstopper auf die Hebel geklebt. Als alles fertig montiert war, erfolgte ein Test. Uff, gar nicht so leicht zu öffnen. Aber sie waren nicht mehr so schwergängig wie vor der DSC_0208Montage. Am schwierigsten war jedoch das Durchfädeln der Leinen. Besonders gut finde ich, dass sich jetzt die Fallen auf die Winschen an den Seiten legen lassen, da die Fallenstopper eine seitliche Zuglast von max. 15° aus der Mittellinie abweichend erlauben. Und tatsächlich, mit den Hebeln erinnern die Fallenstopper an die Tasten eines Klaviers.

Als nächstes baute ich den Traveller um. Bisher waren hier einfache Stopper und Doppelumlenkblöcke installiert. Die Stb-Travellerleine hatte am Stopper schamfilt und schmirgelte außerdem den Block auf, weil die zweite Scheibe des Blocks vom Baumniederholer genutzt wurde und dadurch der Block insgesamt verkantete. Daher war der Traveller bisweilen extrem schwergängig. Also hatte ich bereits letztes Jahr einen einzelnen Block angebaut und die Steuerbordleine nicht mehr durch den Doppelblock geführt. DSC_0209Der Traveller ließ sich jetzt nach Steuerbord leichter ziehen, jedoch verdrehte sich der Block auch gerne. Aber die Lösung war in Sicht, denn nun verlegte ich die Leinen ihren Seiten entsprechend jeweils nach links und rechts. Damit konnte sich der Block nicht mehr frei drehen. Am Travellerschlitten selbst tauschte ich zwei einscheibige Blöcke gegen Doppelblöcke und die Einzelblöcke montierte ich an die äußeren Enden des Travellers. Der anschließende Test fiel äußerst zufriedenstellend aus, insbesondere weil durch den entstandenen Flaschenzug  der Traveller auch unter Last viel leichter zu holen waren. Nur waren die alten Leinen jetzt zu kurz. Also besorgte ich neue grüne und rote 8mm Herkulesleinen von Liros.

Für den Baumniederholer wollte ich einen kippbaren Stehblock von Sprenger, damit die Leine den Block nicht mehr verkanten lässt, aber den gab es nicht für 8mm starke Leinen und dünner konnte ich die Leine nicht dimensionieren. Ich experimentierte mit einem einscheibigen Block mit Unterbügel, der einem Violinblock ähnelt, so lange rum, bis ich eine gangbare Lösung hatte. Denkste! Es klappte um und blockierte. Letztlich musste ich einen Bügel an die Dacklukengarage schrauben und daran einen Block anschäkeln. Damit erreichte ich aber auch, dass die Leine möglichst flach überm Deck zur Sprayhood geführt wird. Eigentlich war die gelbe Leine noch gut, aber sicherheitshalber tauschte ich sie gegen eine schwarze 8mm Herkulesleine.

Das dritte wesentliche Ärgernis war die Bullentalje. Also die Talje war prinzipiell gut, aber eben eine Stolperfalle. Neben dem Mast montierte ich auf beiden Seiten je drei Einfachstehblöcke von Barton, bzw. Sprenger. Die zu bekommen war schwerer als gedacht, offenbar ein Auslaufmodell. Für die Montage musste die Decke im Salon temporär weichen, damit die Schrauben mit Edelstahlplatte und Muttern gekontert werden konnten. Bei Marken-Bootsbeschläge.de hatte ich mir Fallenumlenker von Pfeiffer besorgt und montierte die Schienen auf dem Dach. Eine Schraube ersetzte ich dabei durch einen Augbolzen und schäkelte daran einen einscheibigen Block mit Unterbügel. Das war jetzt der Bb-Holepunkt, an den ich die neue Leine der Bullentalje (eine 8mm Seastar Color von Liros) mit einem um eine Spitzkausch getakelten Auge anschlug. Am Baum hatte ich für jede Seite einen einzelnen Block unmittelbar vor dem Niederholer angeschäkelt. Das lose Ende der Leine führte ich jetzt zu diesem Block hoch und zurück zum Holepunkt, hier durch den Block und dann zum Mast durch einen Stehblock, bevor es zum Fallenumlenker an Backbord und dann durch die neuen Antal Leitösen auf dem Dach endlich durch die Durchführung der Sprayhood ins Cockpit ging. Das gleiche montierte ich auf der Steuerbordseite und dann kam der Test. Ich schwenkte den Baum nach Backbord aus, holte die Bb-Bullentalje dicht, legte sie in die Klemme und versuchte den Baum mittels Traveller nach Steuerbord zu ziehen. Die Talje kam steif und der Baum blieb wo er war, so sehr ich auch zog . . . keine Chance! SEHR GUT!

DSC_0210Im Internet hatte ich vor einiger Zeit einen Hinweis für einen besseren Trimm des Großsegels gefunden. Mit einem Cunningham-Strecker könnte das Profil des Großsegels flacher gestaltet werden und damit könnten wir höher an den Wind gehen. Das wäre nicht schlecht, denn auf der Kreuz verloren wir doch erheblich an Höhe. Also besah ich mir unser Großsegel und den Mast. ‘Mmmh, im Segel ist eine Kausch, aber da ist ja noch die alte Winschkurbeltasche am Mast im Weg,’ ich zögerte, ‘die wir eigentlich nicht brauchen. Unsere Kurbeln bewahrten wir bisher stets im Cockpit auf. Kurzerhand entfernte ich die schon etwas gammelige PVC-Tasche. Am Mastfuss ist ein Auge, an dem ich nun einen der am Traveller freigewordenen Doppelblöcke festschäkelte. Zunächst band ich die Leine des Cunninghams (eine blaue 8mm Herkules) an den Bügel des zweiten Doppelblockes fest, führte dann die Leine durch die Baumnock am Lümmelbeschlag vorbei hoch zur Kausch, fädelte sie durch und auf der anderen Seite wieder runter. Dann ging es durch den unteren Doppelblock, hoch zum Anderen, der jetzt unter dem Lümmelbeschlag hing, zurück zur Ersten und wieder hoch zum zweiten Doppelblock. So entstand ein Flaschenzug, mit dem der Kraftaufwand beim Trimmen nicht so groß sein musste. Abschließend ging die Leine durch einen Stehblock an Steuerbord neben dem Mastfuss und über den Fallenumlenker ins Cockpit.

Als Letztes kamen die Fallen dran. Auch diese Leinen ersetzte ich, denn wer weiß, wie alt die bisherigen Fallen waren. Hier verwendete ich 8mm starke Regatta 2000 von Liros in blau/rot, blau/grün, und blau/hellblau.  Vielleicht sind die etwas unterdimensioniert, nicht von der Last her, aber eine 8mm dicke Leine kann nicht mehr vernünftig mit der Winsch geholt werden. Ein Fall bei stehendem Mast zu tauschen ist nicht schwer, wenn man weiß wie. Ich verband die Enden mit Gewebeband locker miteinander, so dass sie an der Umlenkrolle im Topp nicht zu steif waren. Danach holte ich die alten Fallen durch und die neuen waren im Mast. Mit Takelgarn nähten Bjarne und  ich dann die Schäkel an die Enden, die am Kopf der Segel angeschlagen werden. Spi- und Großfall führte ich backbords durch die Stehblöcke am Mast, die Umlenkschiene und die Leitösen ins Cockpit. Das Fockfall läuft auf der Steuerbordseite nach hinten. Jetzt kann man die Segel sowohl auf der Back setzen – sehr zu Erleichterung von Heike, die gerne auf der Back rumturnt -, als auch von hinten aus dem Cockpit. Ein großer Schritt zum Einhandsegeln.

DSC_0211Erprobt wurde es natürlich auch umgehend. Wir mussten das Boot wegen der KiWo zwar dieses Jahr nicht verlegen, weil wir bleiben durften, aber dennoch war ein Einladen der Polster kaum möglich, da man mit dem Auto gar nicht mehr zum Hafen kam. Nur gegen 50 € Pfand, das nach einer Stunde einbehalten wurde. Nee, da verlegen wir lieber nach Holtenau und können das schnell von zuhause erledigen. Also verlegte Bjarne und ich das Boot am Samstag nach Holtenau und testeten bei der Gelegenheit zum ersten Mal die neue G1. Hui, das Sichtfenster war gut positioniert und half die Lage viel besser einzuschätzen. Jetzt kann sich keiner mehr hinter unserem Segel verstecken.

Heike staunte über das neue Klavier und hatte Angst, sie käme damit nicht zurecht, aber es ist ja doch nur Gewöhnungssache. Das sah alles schon viel sauberer aus. Richtig professionell, wie bei einem Regatta-Boot, allerdings waren damit unsere Möglichkeiten auch schon so ziemlich erschöpft, denn viel mehr Platz gibt es nicht. Unsere Schottaschen, die wir bisher nur als Stauraum für Getränke, Logbuch und Seekarten nutzten, fanden somit endlich ihre eigentliche Bestimmung als Aufbewahrungsort für einen . . . ja, genau . . . für einen richtigen WUHLING.

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Jetzt kann es endlich losgehen . . . 6 Wochen Segeln! Wir freuen uns!

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