Sommertörn 2018 Teil 2 – Wiedersehen in Schweden

Tag 4: Samstag, 21. Juli

Klintholm ist Dreh- und Angelpunkt für alle, die an der Ostküste rauf nach Kopenhagen, Malmö und zu den Westschären wollen, aber auch für jene, die an Skåne entlang zur Ostküste Schwedens oder direkt nach Bornholm segeln wollen. Wir blieben bei Tagesetappen von rund 30 bis 40 Meilen und hatten Gislövs Läge in der Nähe von Trelleborg als Tagesziel auserkoren. Bereits vor zwei Jahren waren wir hier auf unserer Stippvisite in Schweden. Ich hoffte auf eine mittlere Brise aus Nordwest bis West, damit wir DSC_0651wieder unter Spinnaker den Schlag nach Schweden segeln konnten, doch der Wind wollte nicht so recht. Kaum 2 Bft. Um kurz nach acht legten wir ab, zogen das Spi hoch und nahmen nach einem kurzen Versuch das blaue Tuch wieder runter. Auch die G1 brachte nichts, also mussten wir den Motor anwerfen, obwohl ich mit Heike noch vor dem Törn besprochen hatte, dass der Motor nur zum Ein- und Auslaufen herangezogen werden sollte. Unnötige Vibrationen sollten vermieden werden, so lange die neuen Motorfüße nicht eingebaut waren.  Jetzt sahen wir uns gezwungen, die knapp 40sm unter Motor zu laufen. Leider rächten sich die zwei Strandtage jetzt, denn wir hatten nur noch einen Tag Puffer. DSC_0575Wir waren gerade rund anderthalb Meilen südlich von Mønsklint, da tauchte kaum 20m vor uns etwas im Wasser auf. Ich dachte zunächst an einen Schweinswal, doch das Ding blieb sichtbar und tauchte nicht ab. Ein treibender Baumstamm! OHA! “Das ist eine Sicherheitsmeldung wert.” sagte ich zu den Jungs und ging ans Funkgerät. “SECURITÉ, SECURITÉ, . . . ” Kaum das ich den Spruch abgesetzt hatte, sahen wir auch die uns folgenden Boote abdrehen.  “Ok, die scheinen den Spruch bekommen zu haben.”

Gegen die Langeweile half nur Stricken, DSC_0582Rätsel lösen oder Steuern, doch unter Motor macht das weniger Spaß. Kurz vor vier liefen wir in Gislövs Läge ein. Das waren 38 sm unter Motor . . . hoffentlich die letzten Meilen ohne Wind.

DSC_0602Später sicherten wir uns noch einen Grillplatz und spazierten am Strand entlang, der zwar schön, aber für empfindliche Nasen doch gewöhnungsbedürftig ist. Überall lag verrottendes Seegras und so bräunliche Algen rum . . . und die rochen sehr intensiv.

Tag 5: Sonntag, 22. Juli

Heute ging es an der Südküste Schwedens weiter entlang nach Osten. Nächster Halt: Ystad. Das Wetter hatte sich geändert, es war vollkommen bedeckt und der Wind kam schwach mit nur 2 Bft aus West. Besser ging es ja gar nicht. Das musste natürlich unter Spi gesegelt werden. Gesagt, getan. Zunächst hatten wir raumen Wind, weil wir mit 135° noch am LT Kullagrund vorbei mussten. Aber was war das? 0kn auf der Logge und nur 1,6kn FüG laut GPS? OH WEIA! Tatsächlich ging es nur gemächlich um den Leuchtturm. Gegen drei frischte der Wind auf und kam jetzt mit 3-4 Bft aus SW. Schon nahmen wir Fahrt auf. Auch klarte der Himmel auf. DSC_1348Gegen halb sechs hatten wir die Ansteuerung von Ystad erreicht, das Spi kam runter und kurz danach auch das Großsegel. Eine freie Box am “Gästhamn” zu finden, war nicht schwer, Strom zu bekommen jedoch sehr! Wir hatten bereits am Vortag keinen Landstrom nehmen können, da die Tallycard nicht funktionierte. In Ystad ging noch nicht einmal der Hafenticketautomat. Notgedrungen wurden sämtliche unnötigen Verbraucher abgeschaltet und auch der Kühlschrank bekam mal eine Pause. DSC_0663Der fror uns eh alles nur ein. Mit der hinteren Solarzelle konnten wir wenigstens ein bisschen Strom gewinnen, doch nicht mehr lang, da die Sonne bald unterging.

Eigentlich wollten wir die Stadt ein wenig erkunden, da Ystad recht hübsch sein soll, blieben aber gleich am Strandrestaurant hängen. Was uns sofort auffiel, hier war man auf Allergiker viel besser eingestellt, als bei uns zuhause. Ich trank sogar ein glutenfreies Bier . . . das allerdings aus Spanien kam!

Tag 6: Montag, 23. Juli

Beim Hafenmeister erfuhr ich am nächsten morgen, das jeder Hafen seine eigene Tallycard hatte und die nicht woanders funktionieren. Na toll, da nützte die Karte von Gislöv also wenig. Unsere Stromsituation wurde allmählich kritisch. Obwohl es mir gegen den Strich ging, machte ich den Motor 20min. vor dem Auslaufen an, damit die Batterie geladen werden konnte, denn die hatte nur noch 40Ah. Höchste Zeit für die Ladung.

Rein theoretisch hätten wir bereits von hier aus zum Nordzipfel von Bornholm rüber gekonnt, doch Heikes Cousine Gudrun verbrachte gerade mit ihrer Familie ihren Urlaub in Südschweden und so verabredeten wir uns auf ein Treffen in Skillinge. Von da aus war die Überfahrt nach Bornholm auch etwas kürzer. Vorbei an der Ansteuerungstonne Käseberga und den Gefahrentonnen Osaknallen und Sandhammaren ging es mit 090° bei einem mäßigen Südwestwind um 2-3 Bft. Dann öffnete sich nach Norden die weitgestreckte Hanö Bugt, die bis Karlskrona geht.  Der Wind drehte auf West und kam mit 4 Bft deutlich frischer daher. Bei DSC_0723halben Wind jagten wir förmlich an der Gefahrentonne Mälarhusen vorbei und standen nach insgesamt knapp 23sm in der Ansteuerung von Skillinge. Die beschriebene Deckpeilung war nur schwer auszumachen, weil sich die orangeroten Dreiecke echt schwer von den roten Dächern abheben. Kurz nach vier war das Boot fest und seeklar zurück. Damit hatten die Jungs noch Gelegenheit, in dem klaren Hafenwasser zu baden. Es war echt heiß.

DSC_0730Neben uns lag die Njord, ein Boot einer deutschen Familie mit zwei Kindern. Schnell kamen wir ins Gespräch und Heike fragte, woher sie denn seien. “Aus Hessen, Witzenhausen.” – “ACH! Das ist ja witzig! Meine Cousine wohnt auch dort. Die kommen uns heute Abend besuchen.” lachte Heike. Wie der Zufall es wollte, man kannte sich und so trafen Christian und Andrea von der Njord auf ihre Zahnärzte Gudrun und Tilman . . .

Wir suchten nach einem Grillplatz. Da es aber keinen gab, baute ich unseren Bordgrill am Heckkorb auf. Mit dem Grill von Magma gibt es so gut wie keinen Funkenflug. Außerdem hatten wir ablandigen Wind, also bestand keine Brandgefahr. Gegen halb sieben kamen dann unsere Gäste an Bord. Ein Novum, im Urlaub Besuch von Verwandten an Bord zu bekommen. Nils machte es sich auf dem Baum bequem, wir anderen verteilten uns in der Plicht und auf der Back und hatten einen schönen Abend zusammen.DSC_0690In Skillinge entdeckten wir auch eine interessante Einrichtung für Segler . . . oder für jedermann. Am Hafen stand eine Kommode mit einem Schild. Darauf war in schwedisch zu lesen “Bok skåp för utbyte” und auf englisch “bottom drawer: book exchange”. Hier konnte man also seine ausgelesenen Bücher gegen gebrauchte Lektüre austauschen. Wie nett.

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Fortsetzung folgt . . .

Film zum Teil 2: Wiedersehen in Schweden

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Sommertörn 2017 – Teil 3: Anholt . . . die Perle im Kattegat

Wir erreichten Anholt noch vor Sonnenuntergang und auch nicht als letztes Boot: Nach uns kamen noch drei weitere Neuankömmling an. Die Hafeneinfahrt konnte ich zwar schon ausmachen, glaubte aber für die Ansteuerung  weiter nach Norden zu müssen. Ich guckte nochmals ins Hafenhandbuch und wir erkannten, dass wir eigentlich schon die innere Mole sehen müssten. Im nächsten Moment erkannte ich die Fähre und den alten Leuchtturm. Wir standen goldrichtig.  Im Hafenhandbuch fiel mir allerdings auch folgender Hinweis auf: Festgemacht wiDSC_0328rd am Steg Bug voraus und nach achtern mit Heckanker gesichert. OH! Na, dann sollten wir mal den Anker vorbereiten. Kurz danach steuerte Bjarne uns durch die Molenköpfe. Ich hatte den Reserveanker herausgeholt, aber noch nicht aufgeklappt, da waren wir schon im Hafenbecken drin. PROPPENVOLL! Schon am Ende des Steges lagen die Boote dicht gepackt im Päckchen. Dennoch fuhren wir – wenn auch mit wenig Zuversicht – in die erste Gasse und suchten nach einer freien Box. An Backbord endeckten wir noch eine Lücke, die gerade breit genug für uns war (oder die Rasalhague schmal genug für die Lücke). “Hier können wir rein.”  Inzwischen hatte ich das Steuer übernommen, da ich zu meinem Unbehagen Dalben UNTER WASSER entdeckt hatte! Was war das denn? Wie sollte ich denn hier festmachen? Doch mit Anker?

“Ganz hinten ist noch einer frei!” rief mir einer zu. Ja, nur zu dumm, dass in der Karte dort nur 1,50m Wassertiefe eingetragen waren. “Nicht tief genug!” rief ich zurück, “Wir quetschen uns hier rein, machen fest und kümmern uns dann anschließend mit dem Schlauchboot um die Heckleinen.” Von beiden Nachbarbooten erhielten wir sofort Hilfe. Bjarne stand vorne auf der Back und kümmerte sich um die Leinen, während ich die Fahrt mit Zurück abbremste. Vorne waren wir fest, da meinte der Nachbar zur Linken: “Hast du eine Heckleine? Ich zieh’ sie dir durch den Dalben.” -” Ja gut,” ich gab ihm meine Backbordleine und fluchte innerlich, weil die Leine mal wieder total verdreht war. “Hast du auch eine längere Leine? Oder einen Haken? Die reicht nur hin.” meinte der freundliche Nachbar. “Moment, ich kann sie verlängern.” Schnell holte ich eine weitere Festmacherleine und knotete die beiden Leinen zusammen. Und wieder war die Leine ein einziges Knäuel, obwohl ich sie stets sauber aufschoss. Hinter mir hörte ich schon alle lachen. “Was ist das denn?” – “So was hab ich ja noch nicht gesehen.” Vorgebeugt stand ich in der Plicht über dem Leinenwirrwarr und dachte: ‘NA TOLL, jetzt sind wir auf Anholt und als erstes werde ich ausgelacht, weil ich die Leinen nicht klar hab!’ Ich ärgerte mich. Endlich hatte ich die Leine fertig, richtete mich auf . . . und stutzte. ‘Hatte der nicht eben noch etwas AN?’ schoss es mir durch den Kopf. Nur einen Meter vor mir stand der freundliche Bootsnachbar VÖLLIG NACKT. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen und reichte ihm die Leine an. Er machte einen Köpper ins Wasser, schwamm zum Dalben, fädelte meine Leine durch und brachte mir das Ende, das ich auf meiner Heckklampe belegen konnte. Mit Erleichterung wurde mir klar, dass das Gelächter nicht mir galt, sondern dem Adonis-Imitat. “Zumindest sieht man, das er ÜBERALL gleich braungebrannt ist.” meinte ein anderer lachend. Ich grinste und blickte in die fragenden Gesichter der Kinder. Nach der Erklärung mussten auch sie kichern. DSC_0384Auf dem Steg kam eine Frau mit Kinderwagen an: “Hab ich was verpasst? Ich hab nur das Gelächter gehört.” – “Nur einen nackten Arsch!” entgegnete ihr eine andere Frau. “Ach, hat mein Mann schon wieder blank gezogen? Na, das kenn’ ich ja schon.”

Schnell machten wir Seeklar zurück. Gemeinsam liefen wir drei zum Hafenmeister, holten Stromkarte und Hafenticket und kehrten zum Boot zurück. Nils war stehend K.O., also legte ich ihn hin und machte für Bjarne und mich noch schnell ein Abendbrot, na eigentlich schon eher ein Mittelwächter, denn es war kurz vor zwölf.

Tag 9 – Montag, 10. Juli:

DSC_0330Wir schliefen aus, denn wir hatten unser Ziel erreicht: Wir waren auf Anholt angekommen. Die Kinder entließ ich nach einem späten Frühstück und der obligatorische Sonnencreme an den Strand, der unmittelbar neben dem Hafen begann. Zwar war der Himmel bedeckt, doch gelegentlich kam die Sonne durch. Jetzt wollten sie unbedingt Schnorcheln. Ich kam nach und musste dann die beiden erst einmal suchen, da sie sich hinter einer Düne vor dem Wind versteckt hatten. Die Landschaft war ganz nach meiner Vorstellung, herrlich! Wilde Dünen, feiner Sandstrand und Meer soweit der Blick reichte.

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In einer Kuhle zwischen den Dünen richteten wir unser Lager ein. Nils wollte mit mir Fußball und Volleyball spielen, Bjarne faulenzte in der Sonne oder spielte im Sand. Ins Wasser trauten wir uns zwar, denn das Wasser war nicht so kalt, aber nicht besonders lang.

Tag 10 – Dienstag, 11. Juli:

DSC_0336Wir begannen den Tag mit einem Ausflug in den Mast. Mmmh, wie in jedem Jahr, wie mir scheint. Allerdings diesmal, weil ich es bisher nicht geschafft hatte, die neue Windex zu installieren. Bjarne versuchte sein Glück, kam aber nach einer Weile zum Ergebnis, dass auch die Halterung ausgetauscht werden musste. Dafür hatte ich aber nicht das richtige Werkzeug an Bord. Dann halt zuhause in Schilksee. DSC_0337Anschließend suchten wir die Wäscherei auf und verwandelten die Rasalhague in eine schwimmende Wäscheleine oder ein Hottentotten-Boot, wie Heike das zu nennen pflegte.

Gegen Nachmittag bereiteten wir uns auf das Auslaufen vor, denn wir wollten einmal um die Insel herum, dabei vor Anker gehen und grillen. Der Wind wehte immer noch recht stark mit 5 Bft aus westlichen Richtungen, aber inzwischen eben mehr aus Südwest. Damit wären wir auf der Nordseite gut geschützt. Ich checkte die Windprognose. Vor morgen würde sich daran nichts ändern. Erst dann sollte der Wind auf Nordwest drehen. Prima, dann wäre unser Plan, im Uhrzeigersinn um die Insel herum zu segeln, genau richtig. Wir liefen mit dem Schlauchboot im Schlepp aus und bekamen gleich ordentlich Wellengang ab.  Bjarne steuerte brav in den Wind, während ich auf der Back die Segel setzte. Dann ging es unter Segel zunächst mit 280° nach Westen, damit wir die Untiefen des Vesterrevs weit genug im Nordwesten umgehen konnten. Im Osten tauchte der Leuchtturm Anholt auf. Mit dem Leuchtturm und dem Radarturm konnten wir unsere Position gut bestimmen und drehten daraufhin mit 045° nach Nordosten ab. Jetzt hieß es auf die Wassertiefe zu achten. “Sowie das Echolot weniger als 2m anzeigt, drehen wir ab.” beruhigte ich Bjarne, der besorgt auf das Display guckte. Mit Argusaugen wachte er sodann auf die Anzeige. In der Seekarte war dicht an der Insel eine freiliegende lange Sandbank eingezeichnet, die wir aber nicht ausmachen konnten. Möglicherweise hatte der anhaltende Westwind für “Land unter” gesorgt. DSC_0338Wir überquerten das Riff bei einer minimalen Wassertiefe von 2,4m und hielten anschließend mit 090° auf den Leuchtturm am Ostende der Insel zu. An Steuerbord erstreckte sich eine kilometerlange wilde Dünenlandschaft, herrliche Strände mit weißem Sand und alles schien so unberührt. “Ok, wir gehen jetzt mit 160° dichter unter Land und dann versuchen wir dort zu ankern. Ich hoffe, dass der Grund nicht nur sandig ist, sonst trägt der Anker nicht.” erklärte ich den Lütten. In der Seekarte war in der Nähe zu unserem Standort zweimal mS (medium Sand) vermerkt. Nicht gerade ideal. Wir tasteten uns unter Motor näher und näher ans Ufer heran. Etwa bei einer halben Meile Abstand stieg der Meeresboden wieder auf 5m an und ich ließ Bjarne mit der Fahrt runter gehen. Nils gab laufend die Wassertiefen durch, “3,2m . . . 2,8m”, während ich den Anker vorbereitete. “1,8m! Papa, das wird zu flach!” rief Bjarne. “Weiter, halt den Kurs und reduzier’ die Fahrt! Da vorne kommt nochmal eine tiefe Stelle.” gab ich zurück. Das Wasser war ganz türkisgrün, also ein sicheres Zeichen für Flachwasser mit sandigem Grund, aber dennoch klar und ich konnte den Meeresboden von der Back aus erkennen. Vor allem erkannte ich, das er nicht weiter anstieg. Vor uns war ein breites Stück dunkles, tieferes Wasser. Langsam kamen wir dem Strand immer näher. Wie erwartet nahm die Wassertiefe wieder zu. In 200m Entfernung zum Strand stieg der Boden wieder an und Nils rief: “1,4m . . . 1,2m!” – “In den Wind gehen, Klarmachen zum Ankern!” ich rief die Kommandos hinter. “Noch 80 Zentimeter!” brüllte Nils zu mir vor. “Maschine stopp! Maschine zurück!” antwortete ich. Bjarne reagierte blitzschnell und das Boot stand.DSC_0339 “Fallen Anker” rief ich . . . mir eher selber zu. Der Anker ging mit Kette über Bord und ich ließ etwa drei Kettenlängen Leine ins Wasser, bevor ich die Leine auf der Bugklampe belegte. Bjarne gab weiterhin Vollgas zurück. “Anker trägt! Motor aus!” Wir warfen den Heckanker achtern aus und holten dann zwei Kettenlängen aus der Bugankerleine wieder raus. “Das müsste uns stabilisieren. Wir ankern!” Und das vor einer herrlichen Kulisse. DSC_0340Nils zog noch schnell den Ankerball hoch. Dann suchte ich uns zwei markante Stellen als Peilobjekte – Leucht- und Radarturm lagen sich gegenüber und kamen daher nicht in Frage – und Bjarne nahm die Kontrollpeilungen: “089° die hohe Düne und 190° der Hohlweg.” – “Gut, wir überprüfen jede Stunde die Peilungen, dann können wir sicher sein, dass der Anker auch weiterhin trägt.”

“Juhuu, jetzt grillen wir!” rief Nils. Schnell war der Grill aufgebaut und angeheizt. Mit dem Sonnensegel bauten wir noch etwas Windschutz auf und dann schnibbelte Bjarne Zwiebeln, Gurken und Tomaten zurecht, während ich Hackfleisch anmachte und zu Frikadellen formte und Nils den Tisch in der Plicht aufbaute. Im Hafensupermarkt hatten wir auch Buns besorgt. Es wurde eine super Anker-Hamburger-Grillparty! Bjarne grillte neben den Frikadellen auch Speck und Zwiebeln und röstete die Brötchen an und Nils baute sich den leckersten “Double Cheese & Baconburger” der Welt!

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” ift daf legger”
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Bordgrillmeister bei der Arbeit

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Schade, dass der Wind zu stark gewesen war, um an Land zu paddeln. Ich hätte gerne die Kinder an den Strand gelassen, doch wären sie hoffnungslos abgetrieben. Nach und nach wurde es ruhiger und wir schaukelten kaum mehr. Kurz vor 22 Uhr war Sonnenuntergang, das Ankerlicht wurde gesetzt und ich genoss bei Portwein noch etwas die Abendstimmung, überprüfte die Kontrollpeilungen und legte mich dann auch hin.  Ich döste nur und achtete auf die Bewegungen und Geräusche des Bootes. ‘Mmmh, das fühlt sich anders an, ruckartiger. Hat der Wind gedreht?’ Ich machte die Lucke auf und prüfte nochmals die Peilungen im Mondlicht, alles ok. Inzwischen hatte der Wind wieder aufgefrischt und das Boot schaukelte wieder stärker.

Tag 11 – Mittwoch, 12. Juli:

“Papa . . . ich kann so nicht schlafen.” Bjarne klang etwas ängstlich. Das lag aber auch daran, dass die Fallen im Mast ganz schön Radau machten. Das Boot schaukelte immer mehr. Ich ging hinter in die Plicht und überprüfte den Heckanker.  Der bot auf Grund von weniger Gewicht und fehlender Kette nicht so viel Halt und verhinderte daher nur geringfügig das Schwojen. “Können wir nicht zurück in den Hafen?” Bjarne war besorgt. Der Wind hatte viel früher auf Nordwest gedreht als vorhergesagt. Wir lagen auf dem Präsentierteller, dem Wind und den Wellen völlig frei ausgesetzt. SO EIN MIST! “Ok, ich schaffe das auch alleine, brauchst mir nicht zu helfen.” beruhigte ich meinen Großen. Ich guckte auf mein Handy, es war bereits 02.30 Uhr, zog mich an, holte den Heckanker hoch und kletterte auf die Back um den Anker zu hieven. Das Boot zog tierisch an der Ankerleine und beinahe hätte ich mir die Hand eingequetscht. Es ging nur mit Motor, also startete ich die Maschine und kuppelte auf kleinste Fahrt ein. So zog das Boot vor, ich bekam die Leine hoch, aber schon schoss das Boot über die Ankerposition hinaus und schon hatte ich wieder Zug auf der Leine. Bjarne sprang mir zu Hilfe und kuppelte die Maschine aus. Fünf Minuten später hatte ich den Anker oben und verstaut und Bjarne ging auf Kurs 340°. Ich zog das Schlauchboot an der Badeleiter hoch, konnte es aber nicht so gut hochbinden, da inzwischen auch die Öse für die umlaufende Leine am Bug des Schlauchboot gebrochen war. ‘Hoffentlich hält das.’ Auch Nils war durch den Motor wach geworden und wir pflügten durch die Wellen nach Westen, voll gegen an. Die Rasalhague knallte regelrecht auf die kurz aufeinander folgenden Wellen und die Gischt nebelte mich ganz schön ein. Gerne hätte ich jetzt das Tablet mit der Seekarte am Steuer gehabt, aber ohne Schutzhülle wollte ich das bei dem Spray nicht riskieren. Also nach Gefühl . . . UND DAS WAR GERADE GAR NICHT GUT! Der Wind hatte auch Wolken hergetrieben, so dass es jetzt recht dunkel war. Durch den stärkeren Wellengang hatte sich der Tampen, mit dem ich das Paddelboot gesichert hatte, gelockert und wir zogen das Schlauchboot jetzt an straffer Leine hinter uns her. ‘Wird schon gut gehen.’ dachte ich, nachdem ich erfolglos versuchte hatte, das Schlauchboot erneut hochzubinden. Ich hielt weiter Kurs nach Westnordwest und achtete sehr genau auf die Wassertiefe. Wir hatten die lange Sandbank des Vesterrevs erreicht, denn das Echolot pendelte mit den Werten zwischen 2 und 4m. In der Seekarte hatte ich zwei einzelne Stellen mit weniger als 1,8m gesehen, die durfte ich jetzt auf keinen Fall treffen! Blöd aber auch, dass die Untiefen nicht betonnt waren. Ich schätzte unseren Abstand zur Insel mit 1,5sm, aber in der Dunkelheit konnte die Schätzung auch mal gut daneben liegen. Das Echolot blieb stets bei Werten über 2,1m. PUUUUH, ich war sehr erleichtert.

Das Schlauchboot hatte inzwischen einiges an Spritzwasser aufgenommen und lag an langer Leine schwerer im Wasser. Die Wellen kamen nun von achtern und wir hielten mit ordentlich Fahrt auf die Hafenbefeuerung zu. Wir hatten die Einfahrt schon fast erreicht, noch 150m, da merkte ich einen kleinen Ruck durchs Boot gehen. DAS SCHLAUCHBOOT!  Es hatte sich losgerissen und trieb ab. ‘Soll ich es retten?’ Nein, eine Rettungsaktion war ausgeschlossen. Wir hatten keinen Bootshaken mehr und wir waren so dicht vor dem Steinwall, das ich ohne Gefahr für Boot und Besatzung ein derartiges Manöver unmöglich durchführen konnte. “Es ist verloren, das können wir nicht mehr bergen.” rief ich den Jungs zu, die jetzt ganz dringend in den sicheren Hafen wollten. Keiner von beiden traute sich bei dem Seegang an Bord aufs Klo zu gehen. Um 05.20 Uhr hatten wir in einer Box an Pier und Nachbarboot festgemacht: Müde, erledigt, aber erleichtert.

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Die Hafeneinfahrt

Gegen 10 Uhr wurde es unruhig und zu warm. Der Nachbar wollte los und wir mussten unsere Heckleine von seiner Klampe nehmen. Die Jungs liefen zum Steinwall und wollten nach dem Schlauchboot gucken. “Macht euch nicht zu viel Hoffnung. Wenn es da ist, dann sind bestimmt Löcher drin!” rief ich ihnen nach. Nils kam 20 Minuten später zurück: “Papa, du glaubst es nicht. Die gute Nachricht: Es ist heile geblieben. Die schlechte: wir kommen nicht ran.” Also lief ich mit Ihnen hin und schaute mir die Lage an. Das Schlauchboot war intakt, hing aber nur rund zwei Meter von den anbrandenden Wellen zwischen den Steinen. “Ok, ich versuch es.” Vorsichtig kletterte ich über die teils glitschigen Steine hin und kam auch an die Ventile heran. DSC_0349Nach dem Ablassen der Luft konnte ich das Paddelboot herausziehen und bergen, wurde aber ganz schön nass. Nach der Aktion entdeckte ich auf dem Rückweg eine sehr schöne Strandbar. Schade, das Heike nicht mehr dabei war. Hier einen Sundowner trinken . . . oh, das wäre schön gewesen.

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Das Hafenbüro und die Hauptverkehrsmittel auf Anholt

Am Nachmittag machten wir dann eine Rundtour zu Fuß, obwohl man sich überall Fahrräder hätte ausleihen können, aber Anholt ist ja nicht so groß. Zunächst folgten wir der einzigen Straße auf der Insel zum Hauptort und tauchten in einen schönen Kiefer- und Birkenwald ein. Mittendrin entdeckten wir bereits vereinzelt Ferienhäuser. Als wir dann den Ort erreichten, hatte ich das Gefühl, dass dieser einem der Kinderbücher von Astrid Lindgren entsprungen wäre. Wir kletterten auf den Bybakken, dem mit 48m größten Hügel auf Anholt und hatten einen traumhaften Blick: ringsrum nur Meer. Zurück ging es dann am Radarturm vorbei über Waldwanderwege und Treppen runter zum Hafen.

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Tag 12 & 13 – Donnerstag & Freitag, 13. & 14. Juli:

DSC_0387Nach so vielen Abenteuern ließen wir die letzten zwei Tage auf Anholt ruhig angehen. Sonne, Strand und Meer, was will man mehr? Pølser grillen vielleicht. Also sicherten wir uns rechtzeitig einen Tisch und staunten nicht schlecht, denn auf Anholt gibt es einen Grillservice. Einer der Hafenmeistergehilfen säuberte die großen Grillplätze, schüttete Kohle nach und fachte die Glut mit einem Gasbrenner an. Man brauchte selbst nur Geschirr und Grillgut mitbringen. Allerdings sollte man auch schön auf das Fleisch Acht geben, denn man war nicht allein. Eine Schwedin legte ihre Sachen auf den Rost, drehte sich um und deckte dann den Tisch. Prompt setzte sich eine Möwe auf den Rand des Betonringes und bediente sich vom Rost. Sogar im Vorbeiflug versuchten die frechen Vögel ihr Glück! Nils war mit Wurstwenden und Vogelabwehren vollauf beschäftigt.

Auf dem Rückweg sahen wir einen schillernden Film auf dem Wasser. Es roch auch stark nach Benzin. Der Hafenmeister fuhr gerade mit seinem Schlauchboot hinter unserem Boot entlang, also gab ich ihm Bescheid. Ja, wüssten sie bereits, jedoch sei es zu wenig um etwas zu unternehmen. Später wurde daraus dann doch noch ein Einsatz für Feuerwehr und Polizei. Bjarne und Nils wollten natürlich dicht dabei sein und berichteten schließlich, dass der Schuldige ausfindig gemacht wurde und die Polizei dann einen lachenden Motorbootbesitzer abführte. Na, so lustig war das nicht! Der ganze Hafen war mit einem Schaumteppich überzogen.

Fortsetzung folgt . . .

Der Film zu Teil 3: Die Perle im Kattegat . . . Anholt

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