Rasalhague 2.0

DSC_0009Es ist vollbracht: sieben lange Monate war sie nun in der Werft und über die Baumaßnahmen habe ich ein wenig berichtet. Jetzt kam sie – wenn auch mit Startschwierigkeiten –  endlich wieder zu Wasser: SCHICKER, FITTER, NOBLER und SICHERER denn je. Im Vergleich zur Farvel, die ich mir vor drei Jahren gekauft habe, ist die Rasalhague nun ein völlig anderes Boot. Nichts erinnert mehr an ihr vorheriges Dasein als einfaches, gebrauchtes Segelboot. Zugegeben, optisch und segeltechnisch war sie damals recht gut in Schuss – sonst hätte ich sie mir auch nicht gekauft, auch wenn sie vielleicht bereits ihre besten Jahre hinter sich hatte und die Segel zum Teil an ihrer Verschleißgrenze waren -, aber wenn ich Revue passieren lasse, WAS wir alles bisher verändert haben, dann ist es eigentlich ein ganz anderes, ja fast ein neues Boot. Mein Sorgenkind, die Kiel-Rumpfverbindung bin ich los, also . . . der Kiel ist wieder dran und er ist endlich, endlich dicht! HURRA! Auch der Propeller wird nicht mehr zicken, denn er ist jetzt dauerhaft fixiert. Außerdem ziert jetzt ein wundervolles Stabdeck aus Teakholz die Back. Das wertet das Boot ungemein auf und steht ihm richtig, RICHTIG GUT! Der Rumpf weist keine Kratzer mehr von den rüden Anlegern vom letzten Jahr auf und zu meiner Freude glänzt der Gelcoat wieder schneeweiß.

DSC_0005Die Installation von bisher nur einer Solarzelle stand leider nicht in Relation zum Anstieg des Stromverbrauches durch Kühlschrank und Co. Bereits letztes Jahr hatte ich mit der Anschaffung weiterer Zellen geliebäugelt, doch wie gut, dass ich damit noch wartete. SunBeamSystems hatte inzwischen neue, günstige Module auf den Markt gebracht, die voll meinen Vorstellungen entsprachen. Ich besorgte mir eine T30F mit 30 Watt und eine T50F mit 50 Watt. Die Module sind biegsam, trittfest und weisen eine Anti-Rutschbeschichtung auf. Das kleinere Modul passt auch von den Dimensionen her besser auf die Rettungsinsel. Also haben wir mit Pantera zwei Klettstreifen auf die Rettungsinsel und die Rückseite der Zelle fixiert und die größere Zelle auf die Dachlukengarage geklebt. Mit der maximalen Leistung von 140 Watt ist die Batterieladung – hoffentlich – kein Thema mehr.

Im Mast hat die neue Antenne Platz gefunden und in der Nav-Ecke habe ich den NASA Clipper AIS-Empfänger installiert. Aber eine der wichtigsten Neuerungen ist die Installation eines richtigen Kartenplotters. Die Nutzung des Tablets war sicher eine gute und günstige Idee, doch scheiterte der Einsatz häufig an zwei Dingen: Einerseits an der nicht ganz unproblematischen Steckverbindung (Mini-USB-Stecker sind ein Krampf!), denn das bedeutete, dass nach rund 5 Stunden das Tablet tot war und nicht geladen werden konnte. Zum Anderen war die Lesbarkeit der elektronischen Seekarte bei einfallendem Sonnenlicht nicht gegeben. Unter einer wasserdichten Folie ging es GAR NICHT – noch nicht einmal bei bewölktem Himmel – und ohne Folie war das Tablet ständig der Gefahr von überkommendem Wasser oder Regen ausgesetzt. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Die erste Tablethalterung hatte relativ ein Vermögen gekostet, beinahe mehr als das Tablet, aber bereits nach einer Saison war sie Schrott. Die wasserdichte Folie löste sich einfach vom Plastik ab. Also Finger weg vom ArmorX Tablet Case. Bei der nächsten Halterung verzichtete ich auf den Wasserschutz zugunsten der Lesbarkeit, aber insgesamt war das zu wacklig und unsicher montiert. Letztes Jahr bin ich deshalb auch häufig ohne Tablet gefahren, auch nachts, bis . . . naja, bis zur Grundberührung.

Dieses Frühjahr habe ich mich dann eingehender mit den aktuellen Kartenplotter beschäftigt. Der Preis steigt dabei nicht so sehr mit dem Zugewinn an Funktionalitäten, sondern mit der Größe des Displays. Ein 5 Zoll Monitor kam nicht in Frage, denn Briefmarkennavigation beherrsche ich nicht und eine Lupe liefert keiner der Hersteller mit. 7 Zoll waren schon besser, doch immer noch recht klein. Im Vergleich zum Tablet mit 10,1 Zoll hielt eigentlich nur das 9 Zoll Display mit. Funktional unterschieden sich die Modelle nur darin, dass die größeren Geräte eine Anbindung an ein Radar anboten. ‘Mmmh, brauch ich das? Nicht wirklich.’ Was mich aber am B&G Vulcan 9 FS oder am Simrad Go 9 XSE definitiv störte, war die hintere Gehäuseabdeckung. Weil das Gerät optimiert für den Einbau in ein Panel ist, kann man sich bei freistehender Montage schnell mit der Rettungsweste verheddern oder verletzen oder das Gerät wohlmöglich beschädigen. Allerdings enthielten die Angebote von SVB und AWN  bei diesen Geräten eine C-MAP-Karte inklusive. Mmmh, schwierige Entscheidung, weil auch das Simrad Go 7 XSE bei SVB inkl. Karte angeboten wurde. Zwar war das 7 Zoll Display ein Auslaufmodell, dafür schloss die Gehäuserückseite mit dem Display bündig ab und ist abgerundet und nicht scharfkantig. Außerdem ist es preislich noch mal 500 Euro günstiger. Jedoch hatte das Simrad Go 7 XSE auch einen entscheidenden Nachteil. Es verfügt nur über den NMEA 2000 Standard und das hätte einen Dongle erforderlich gemacht, da wir an Bord NMEA 0183 Standard haben. Von Actisense gibt es das, aber für fast 200€!

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Lowrance Elite 7 Ti mit einer Scanstrut Rokk-Halterung

Mit Heike war ich dann bei AWN und zeigte ihr das Gerät. “Mmmh,” meinte sie und rüttelte an dem Gerät, “sieht nicht so robust aus. Mir gefällt das hier besser, die Halterung ist doch fast dieselbe, die wir schon haben.” Heike zeigte mir ein Gerät von Lowrance: Das ELITE 7 Ti.  Mmmh, zwar war das wiederum leicht teurer, doch hatte es neben dem inklusiven C-Map-Seekarten-Paket auch NMEA 0183 Standard, womit ich mir den Dongle für knapp 200 Flocken sparen konnte. Bei Busse Yachtshop  fand ich dann auch schnell eine passende, solide Rokk-Halterung von Scanstrut, die sogar ziemlich preiswert war, also im Vergleich zu den bisherigen Halterungen. Dabei macht sie aber einen deutlich stabileren Eindruck. Das zusätzliche Kabel verlegte ich wieder durch die Steuersäule. Das Elite 7 Ti bekommt über den NMEA-Multiplexer GPS, Wind- und AIS-Daten. Dadurch können jetzt die AIS-Kontakte auch auf dem Display des Plotters, also direkt in der Seekarte angezeigt werden.

Watcheye B AIS Transponder NMEA 0183 / NMEA 2000 / USB
Watcheye B AIS Transponder

Ein wesentlicher Sicherheitsaspekt war das AIS. Bisher hatte ich nur das AIS Radar von NASA eingebaut, mit dem wir jedoch nur Daten empfangen können, aber mir geht es ja auch darum, besser von der Berufsschifffahrt “gesehen” zu werden. Die Radarrückstrahleigenschaften eines Segelbootes sind ja nicht besonders berauschend, auch mit Reflektor.  Bei Busse fand ich auch noch einen geeigneten AIS-Sender, den Watcheye B AIS Transponder mit NMEA 0183 Anschluss. Normalerweise kosten die Sender ja gleich ein Vermögen, deshalb nutzen viele kleinere Segler auch kaum aktiv das AIS, aber der Transponder ist mit 420 € nicht nur erschwinglich, sondern regelrecht günstig. Der AIS Sender bekam noch einen eigenen Schalter und sendet und empfängt über die kleinere Antenne, während das Funkgerät, das Radio und das NASA AIS Radar über den Antennensplitter Easy Split 2G zusammen die große Antenne nutzen.

Navigationsecke ist komplett: rechts neben dem NASA Baroman das NASA AIS/SART Radar
Navigationsecke ist komplett: rechts neben dem NASA Meteoman das NASA AIS/SART Radar

Jetzt hab ich unter Deck eine Anzeige (das NASA AIS Radar) und im Plotter auch, aber zusätzlich werden die Daten der Rasalhague (MMSI-Nummer, Rufzeichen, Position, Kurs und Fahrt) auch bei Bedarf übertragen. Ein ständiges Senden bedeutet ja auch ständigen Stromverbrauch, deswegen der Schalter. Aber Nachts, bei schlechter Sicht und in stark befahrenen Seegebieten macht das auf jeden Fall Sinn. Und zu guter Letzt habe ich eine Redundanz was die Antenne und den AIS Empfang angeht. Auch wiederum gut für mein Sicherheitsempfinden.

Technisch gesehen ist sie jetzt bis auf ein HF-Funkgerät reif für den großen Törn. Mal sehen, wann auch wir soweit sind.

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