Sommertörn 2018 Teil 1 – Das fängt ja gut an . . .

Was für ein Segeltörn! Soooo schön. Zugegeben, das Wetter hat auch super mitgespielt, sowohl windtechnisch als auch sonnenscheinmäßig. Aber mal von vorn . . .

Zum letzten Mal musste ich quer durch die halbe Republik um meine Jungs abzuholen. Während wir auf See weilten, lief im Hintergrund bereits ihr Umzug zurück ans Meer. Jetzt wohnen sie fast um die Ecke, kaum eine Stunde Fahrt, das ist für uns alle eine große Erleichterung. Die Lütten sind viel öfter bei uns und ich bekomm viel mehr mit, abgesehen davon, dass die Gurkerei ein Ende hat. Vor allem aber können die Jungs jetzt auch häufiger mit uns segeln. Vor dem Törn hatten wir noch zwei Tage zuhause eingeplant, denn die Fußball-WM war noch nicht ganz rum, auch wenn Deutschland schon lange keine Rolle mehr spielte. Am Montag – Frankreich war (gegen unseren Willen) neuer Weltmeister – sollte es dann losgehen, doch neben einiger Verspätung durch Trödelei hatte der Wind scheinbar keine Lust und schon alle größte Mühe selbst den Wimpel auch nur ein kleines bisschen zu bewegen. Die Sonne knallte vom Himmel und es war warm. Bestes Strandwetter. Während Heike mit den Jungs am Strand war und ihr neues Stand-up Paddle Board testete, erledigte ich ein paar Kleinigkeiten an Bord. Zunächst musste das Schlauchboot repariert werden und in der Backskiste baute ich endlich das Trennschott fest ein, so dass die Segelsäcke nicht auf den Kompressor fallen konnten. DSC_0368In der Pantry hatte ich außerdem kurz zuvor noch einen ausziehbaren Rahmen für den Mülleimer gebaut, der noch gebeizt und installiert werden musste. Mich nervte die rumbaumelnde Plastikmülltüte, die dann die Besteckschublade blockierte.

Der geplante Auslauftermin verschob sich also um einen Tag, doch auch der nächste Tag sah windtechnisch regelrecht mau aus. Zwangsläufig blieben wir in Schilksee, badeten, paddelten und nutzten den Strand oder putzten das Boot . . . und das ging am besten vom SUB.DSC_0367 Ja, wir blieben auch gleich da und schliefen an Bord. Wenigstens waren wir besser dran, als ein Nachbarboot, das den Sommertörn mit einer defekten Kraftstoffpumpe begann. Ich war froh, dass unser Motor nun wieder einwandfrei lief, mal abgesehen von den verschlissenen Füßen.

Tag 1: Mittwoch, 18. Juli

WIND! Und das nicht zu knapp: um die 4 bis 5 Bft aus NW! Mmmh, das sah mir ganz nach einen Spi-Wetter aus. Da alles gebunkert und verstaut war, brauchten wir nicht lange und konnten endlich auslaufen. Kaum aus der Hafeneinfahrt raus, drehte Bjarne in den Wind und hoch ging das Großsegel. Nachdem auch die G3 gesetzt war, ging es mit Kurs 064° quer durchs Fahrwasser und zwischen den beiden Sperrgebieten durch in die Hohwachter Bucht. Nils führte das Logbuch. DSC_0372Zunächst versuchten wir mit Schmetterling – für Spi war es uns noch etwas zu viel – eine Weile  zu segeln, doch das Vorsegel wollte nicht so stehen bleiben, denn die Wellen brachten das Boot zum Schlingern und sehr schnell hingen die Lütten in den Seilen, weil sie den Seegang nicht mehr gewohnt waren. Ich baute das Spi auf, damit das Boot stabiler auf raumschots und vorm Wind segeln konnte, aber viel ruhiger wurde es nicht. Tatsächlich war das auch kein sanfter Sonntagnachmittag-ich-geh-mit-meinem-Schatzi-segeln-Törn, denn es frischte auf 5 Bft auf und in Böen waren da auch schon mal 6 dabei. Einmal vom Kurs DSC_0390abgekommen, bestand die Gefahr, dass das Spi in sich zusammenfiel oder schlimmer noch, dass es sich um das Vorstag wickelte. Nach knapp zwei Stunden passierte es dann auch. Das Segel hatte sich samt Bergesack derart vertüdelt, dass wir es nicht mehr frei bekamen. Weder Befreien noch Bergen ging. Zwangsweise musste das Spi wieder runter. Nur wie? Ich fierte die Schoten weit auf und Heike ließ Segel und Bergesack am Fall runter. Jetzt aber lag es wie ein Treibanker im Wasser! Erst nachdem die Schoten komplett runter waren, konnten wir das Segel an Bord holen.

Einmal wollte der Baum umschlagen, weil uns eine Welle vorm Wind drehte, doch der Bullenstander leistete hervorragend Widerstand und hielt den Baum auf, dennoch knackte es und irgendetwas weißes flog weg. Dann sah ich, dass der Schlitten, an dem der Stb-Bullenstander auf der Genuaschiene angeschlagen war, nun kein U-Bügel mehr hatte. Außerdem war eine Rolle eines älteren Blocks gebrochen. Das halbe (weiße) Rad lag im Wassergang an Backbord. Besser das als eine Schädelverletzung. Der Stander ließ sich schnell reparieren und war gleich wieder einsatzfähig.

DSCPDC_0001_BURST20180718121449165_COVERWir erreichten den Fehmarnsund gegen halb fünf und bargen die Segel noch vor dem Fahrwasser nach Burgtiefe rein. Unter Motor legten wir am Rundsteg auf der Innenseite an, allerdings mit Wind von achtern, da alle anderen Plätze belegt waren. Trotz Solarzellen legten wir das Landstromkabel aus und luden die Batterie wieder voll, denn bei der durch Krängung bedingten nicht so effektiven Sonneneinstrahlung reichte die Leistung gerade mal zur Kompensation des Stromverbrauchs vom Kühlschrank aus. Die neue Solarpanelhalterung achtern zahlte sich dabei voll aus, denn es war ganz leicht, die Zelle immer richtig auszurichten und einer achtete garantiert darauf, dass die Zelle ausgerichtet wurde.

Tag 2: Donnerstag, 19. Juli

Heute stand die Querung des Fehmarnbelts auf dem Plan. DSC_0479Mit Gedser wollten wir einen vor zwei Jahren gemiedenen Hafen anlaufen und nachsehen, ob sein Ruf wirklich so übel war. Der Wind hatte etwas abgenommen und kam weiter aus Nordwest. Dennoch setzten wir lieber die DSCPDC_0001_BURST20180720121051917_COVERFock. Mit Fahrt um die 4,5 – 5 kn ging es an Staberhuk vorbei und mit Ostkurs direkt auf die Südspitze von Falster zu. Am Nachmittag nahm der Wind immer weiter ab und um an Fahrt nicht zu verlieren, wechselten wir das Vorsegel und die G1 ging hoch. Zunächst ging es auf Schmetterlingskurs, aber die Genua fiel immer wieder ein. Also nahm ich den Spibaum und klinkte die Lee-Schot ein. Es ging, obwohl der Baum doch recht lang ist! Doch nur 20min. später wechselten wir den Kurs und kamen kurz vor sieben an der Gefahrentonne “Schønheyders Pulle” vorbei. Für die knapp 30 sm brauchten wir sechseinhalb Stunden. Die Ansteuerung von Gedser entnahmen wir dem Hafenhandbuch und beschlossen im Wendebereich der Fähre unsere Segel zu bergen. Gerade rechtzeitig, denn kaum dass wir in das enge Fahrwasser zur Marina einbogen, setzte die Fähre mit dreimal kurz zurück und wendete im Becken. Der Hafen von Gedser ist nett angelegt, daran konnte es also nicht liegen, dass er nicht so beliebt war. Auch der Fährhafen ist nicht zu laut. Wir stellten aber schnell fest, dass dort der Hund begraben ist, denn außer dem Fährverkehr ist in Gedser nichts los. Die Suche nach einem Restaurant ergab nur zwei Alternativen. Das “Najaden” direkt in der Marina, das allerdings etwas teuer war, und ein Imbiss nur 10 min. zu Fuss entfernt. Wir entschieden uns für letzteres und waren angenehm überrascht.

Tag 3: Freitag, 20 Juli

DSCPDC_0001_BURST20180720104040953_COVERWind und Wetter blieben unverändert:  Morgens war es wolkenlos bei 4Bft aus Nordwest. Um die Südspitze von Falster herum, am Gedser Rev vorbei ging es mit Kurs 037° geradewegs auf Klintholm zu. Ich hatte die Kurse auf der Karte vorbereitet und gab meine Kursempfehlung Bjarne, der nur meinte: “Weiß ich schon, ich hab das hier auf dem Plotter schon abgesteckt.” Tja, eigentlich wollte ICH mich mit dem Teil vertraut machen, aber die Jugend von heute ist eben “digital native”, da hat man als Oldie eben das Nachsehen. Mit uns gingen einige Segler auf Kurs Nordnordost und es kamen auch etliche uns entgegen. Die Verhältnisse waren geradezu ideal: Sonne pur und ein perfekter Anliegerkurs hoch am Wind. Gegen Nachmittag ließ der Wind wieder nach, aber wir hatten Klintholm fast erreicht.

DSC_0525Die meisten Anlegemanöver fuhr mein Großer, und das gar nicht mal so schlecht. Nein, um ehrlich zu sein, er machte das sogar ziemlich großartig. Allmählich brauchte ich ihm keine Hinweise mehr zu geben. Auch das Gefühl für Drift, Dreheigenschaft, Geschwindigkeit und Reaktionszeit der Maschine bekommt er bereits. Und das, obwohl er erst in drei Jahren seinen Bootsführerschein machen darf. Klintholm gehört für mich zu den schöneren Marinas, da der Hafen nett angelegt ist und die Sanitäranlagen sauber DSC_0542und ordentlich sind. Keine Großraumdusche, für die man extra zahlen muss, aber den Jungs war das Baden im Meer sowieso lieber. Den Abend ließen wir gemütlich bei Grillwurst und Bier ausklingen und dem obligatorischen und rituellen Vorlesen aus “Käpt’n Blaubär”.

Fortsetzung folgt . . .

Film zum Teil 1: Das fängt ja gut an . . .

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Die Werftliegezeit beginnt

Noch letzte Woche lag sie in Schilksee, während die meisten anderen Boote schon bereits hoch und trocken im Winterlager standen, aber nun ist es auch für uns soweit: Die Rasalhague geht erstmals in die Werft zu Dick direkt hinter der Kanalschleuse auf der Wik. Ich hab mich entschlossen, einige Dinge professionell machen zu lassen – auch wenn es finanziell etwas weh tut -, da ich ja noch lange was vom Boot haben möchte und mein Latein und meine Möglichkeiten nun eben mal begrenzt sind.DSC_0006DSC_0004Für die Überführung musste ich früh los, denn der Krantermin war für 13:15 Uhr angesetzt und in der Mail wurde ich vor 1-4 Stunden Wartezeit an der Schleuse gewarnt. Also legte ich mich dann in Holtenau erst mal an den Gastanleger, gerade so, dass ich noch das Schleusenlicht sehen konnte. Anfunken bringt ja nichts, wie wir schon öfter mitbekommen haben. “Warten sie auf das weiße Licht.” kommt dann die Standardantwort. Da einige Frachter in die Schleuse wollten, fing ich schon mal damit an, den Baum abzuschlagen. Ich hatte das Großsegel auf der Back noch nicht zusammen gelegt und gerade den Baum aus dem Lümmelbeschlag genommen, da sah ich mehr als 10 andere Boote auf die Schleuse zu halten. DA! Die Schleusenampel zeigte unterbrochenes weißes Feuer. DSC_0007 Ich schmiss den Motor an und düste los. In der Schleuse angekommen, hatte ich dann wenig Hoffnung, denn ein großes Durcheinander herrschte da, als eine große Yacht quer lag. Egal, dann beim nächsten Mal. Ich hatte ja noch Zeit. Also verlegte ich zurück an den Gastanleger und montierte noch Solarzelle und Rettungsinsel ab, bevor ich dann alle Stagen und Wanten löste. Gerade wollte Heike dazu stoßen, als die Schleuse wieder für Sportboote geöffnet wurde. Ich sah sie die Kanalstraße entlang laufen und winkte. Im nächsten Moment zog ich schon zurück und hielt auf die Schleusenkammer zu. Als letztes Boot kamen wir rein und machten im Päckchen an einer anderen Yacht fest. Hinter uns schloss sich das Schleusentor und dann ging es . . . RUNTER? Ja! Normalerweise wird man ja in den Kanal etwa um 30cm hochgeschleust, doch DSC_0008wir hatten in der Ostsee Hochwasser und so ging es einen halben Meter runter. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete das innere Schleusentor und die Frachter vor uns gingen raus. Dann löste sich der Pulk der Sportboote von der Kammerwand und wir strömten in den Kanal. Nahezu alle wollten zu Dick zum Auskranen. Da das Slippen minutiös geplant war, legte ich mich erst mal wieder an den Gastanleger und wartete . . . und wartete. Gegen 15:00 Uhr klingelte dann endlich mein Handy.

DSC_0010Ich machte los und tuckerte über den Kanal rüber auf die Wiker Seite. Da mein Mast nur noch auf dem Kiel stand und so raus konnte, durfte ich mich gerade noch dazwischen mogeln. Kaum fest, fielen sie wie die Ameisen über die Rasalhague her. Unter anderem kam Hauke (der Meister des Mastlagers)an Bord und staunte: “Der ist ja schon fix und fertig!” Und im Nu war der Mast draußen und oben auf der Kaimauer. Helmut (der Chef persönlich) und Hauke zogen das Boot vor und nur Sekunden später turnten schon vier andere aufs Boot und zogen die Schlingen der Tragegurte unterm Boot durch. Kaum das ich von Bord war, schwebte das Boot auch schon aus dem Wasser und ich konnte endlich einen Blick auf den Kiel werfen. ‘So schlimm sieht er ja gar nicht aus.’ dachte ich noch, doch oben konnte ich dann mehr erkennen. Aber zunächst wurde die Rasalhague mit dem Hochdruckstrahler ordentlich abgespritzt. DSC_0012Die Kielrumpfverbindung hatte leider nicht überall dicht gehalten, was mich aber nach der Grundberührung im Sommer auch nicht verwundert hatte. Am Kiel war eine Delle zu erkennen, aber das war nicht weiter wild. Jetzt ist das Boot ja in fachkundigen Händen.

Dieses Jahr gab mir der Motor etwas zu denken. Immer wieder war in der Motorbilge ungewöhnlich viel Öl. Eine Inspektion tut da sicher Not. Auch die Stopfbuchse braucht eine genauere Untersuchung, denn ich habe den Verdacht, dass das Gros des Wassers in der Motorbilge nicht vom Impellergehäuse kam. Neben meinem Dauersorgenkind, der Kiel-Rumpfverbindung, gibt es noch zwei kleinere undichte Stellen, die nur bei Regen Feuchtigkeit ins Boot dringen lassen. Einmal kommt Wasser über die Püttinge der Steuerbordwanten in den Salon, zum anderen ist der Kasten der Motorkontrolle nicht dicht und es tropft darüber auf die Hundekoje. Hier werde ich aber selber ran gehen, da lediglich abgedichtet werden muss und eine neue Plexiglass-Abdeckung davor soll.

so in etwa soll es aussehen
so in etwa soll das Laufdeck nächstes Jahr aussehen

Aber in erster Linie gebe ich die Rasalhague nicht deshalb in die Werft. Meine primäre Absicht ist es nämlich, das Laufdeck neu machen zu lassen. Der Antirutschbelag ist inzwischen an mehreren Stellen aufgeplatzt und sieht partout nicht mehr schön aus. Mit ein büschen Antirutschfarbe ist es schon lange nicht mehr getan. Schon recht früh hatte ich daher die Vorstellung, dass hier ein Stabdeck aus Teak verlegt werden soll. Ganz einfach deshalb, weil der Ankerkasten und die Plicht mit Teak ausgestattet ist. Klar, Teak ist teuer und inzwischen gibt es mit Flexiteek nette Alternativen in Holzoptik, aber ich finde, dass das eben nicht wirklich an das teak-vs-Flexiteek[1]selbe Ergebnis rankommt. Flexiteek graut nicht aus und wenn das Cockpit aber während der Saison ausgraut, dann sieht das doch komisch aus. Und da die Teakholzbereiche immer wieder geölt werden müssen, bringt mir auch der ausgegraute Farbton des Flexiteeks nichts.

Da das Boot für die Arbeiten auf dem Oberdeck in der Halle steht, werde ich diesen Winter viel machen können, wenn es draußen zu kalt ist. So will ich den Rumpf richtig aufpolieren, diesmal aber mit dem richtigen Papier. Auch will ich das Oberdeck aufhellen. So richtig weiß ist das GFK da nicht mehr.

aus dieser Serie ein 41Wp Modul und ein weiteres 35Wp von Apolloflex, so der Plan

Mit dem Einbau der neuen maßgeschneiderten Halterung für die Solarzelle am Heckkorb ist die Rettungsinsel endlich frei für eine kleine flexible Solarmatte. Dazu kommt dann noch ein begehbare Zelle auf der Dachlukengarage. Dafür muss ich dann auch noch Kabel verlegen und Sperrdioden einbauen. Alles in allem werde ich etwa 136 Watt Leistung durch Sonnenenergie an Bord haben. Ich musste nämlich feststellen, dass der Kühlschrank mit 4,2A mehr Strom frisst, als die bisherige Zelle mit ihren 3,75A maximal liefern könnte. Allerdings konnten wir den Kühlschrank auch jeden zweiten Tag ausschalten, da er so gut isoliert ist, dass er die Kälte einen Tag halten konnte.

VTronix 150mm UKW-Antenne
VTronix 150mm UKW-Antenne

Auch am Mast werde ich einige Veränderungen vornehmen. Am Antennenausleger habe ich bereits den Seilzug für die Fisheye-Kamera montiert. Für das AIS-Radar benötige ich eine zweite UKW-Antenne. Ich hatte zwar zunächst die Idee, das über einen Splitter zu machen, aber das ist unverhältnismäßig teuer. Also eine zweite Antenne. Hat nebenbei auch den Vorteil, das ich eine redundante Lösung für einen Antennenausfall habe. Allerdings muss ich erst mal prüfen, ob ich die zweite Antenne überhaupt in der Mastspitze unterbringen kann. Ich habe mir bereits eine kleinere Notantenne ausgesucht. Ich muss nur das Antennenkabel durch den Mast verlegt bekommen.

Im Boot gibt es natürlich auch Neuerungen, die eingebaut werden müssen. Unser Polsterer wird uns noch Teppich in hellerem Grau liefern, den ich dann auf den PVC-Belag auf der Rumpfinnenseite kleben werde. Damit ist die Vorpiek endlich schön ausgekleidet und genauso werde ich die Seitenwände im Salon und die der Hundekoje verkleiden. Außerdem bekommt auch der Mast endlich seine Teppichmanschette. Zum Einen verspreche ich mir ein angenehmeres Wohnklima, gerade was die Isolierung betrifft, zum Anderen wird die Lichtdurchlässigkeit des GFKs in der Vorpiek dadurch aufgehoben.

Vielleicht bestelle ich mir auch noch eine neue Sprayhood, denn die alte hat dieses Jahr bereits zwei Risse bekommen. Kein Wunder, nach mehr als 30 Jahren ist auch das Material spröde. Und in den ganz dunklen Winterstunden werde ich mir vielleicht aus den Segelresten oder dem Stoff der Sprayhood Relingstaschen nähen, die nur im Hafen an den Bugkorb kommen. Da können dann Schuhe und Schuhbürste deponiert werden, damit mir keiner mehr mit Straßenschuhen an Bord kommt oder mit Segelschuhen im Schmutz rumrennt. OHA! Jetzt kling ich schon wie der Liegeplatznachbar an Steuerbord. Einer, der sich dieses Jahr ein Motorboot gekauft hat. Wegen Straßenschuhen hatte er seine Freundin vom Boot gejagt, hat sie dann aber barfuß doch an Bord gelassen.

Viel zu tun, mal sehen, ob ich alles schaffe . . .

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Unspektakuläre Windjammerparade, dafür beinahe havariert in Bagenkop

Ich war fertig, es war 2.30 Uhr am Samstagmorgen. Die letzten Handgriffe am Boot waren erledigt und alles war aufgeräumt und sauber. Jetzt konnten wir pünktlich zur Auslaufparade endlich wieder Segeln gehen. Das traf sich gut, denn Heikes Schwester Ute, ihre Nichte Mareike und deren Freund Ricardo waren extra zum Mitsegeln bei der Windjammerparade aus Berlin angereist. Mareike – vor zwei Jahren war sie schon mit von der Partie – hatte die anderen zu einem Segeltörn überredet, mal eben nach der Parade nach Dänemark. Ok, warum nicht? Leider musste Heike passen, denn kurz nach einer Kiefer-OP war ihr mehr nach Ruhe.

2017-06-24 (4)

Um kurz nach neun war Auslaufen in Stickenhörn angesagt, denn dahin war ich während der Kieler Woche ausgewichen. Den Kühlschrank hatte ich in der Nacht bereits angestellt und die frischen Lebensmittel waren schnell darin verstaut. Tatsächlich war er bereits eiskalt. Sehr gut! Das bedeutete nämlich, dass der Kompressor selten nachkühlen musste und das wiederum hieß weniger Stromverbrauch.  Das Großsegel hatte ich am Vortag noch abgeholt und eingezogen, jetzt sollte es eingeweiht werden. Welcher Anlass wäre dafür würdiger, als die Windjammerparade bei der KiWo? Wir steuerten die lange Hauptgasse runter bis zur Hafenausfahrt. Vor uns zog ein größeres Segelboot (natürlich vom Kieler Yachtclub) aus der Box und rief uns mit “Hey, hey!” an. Wie bitte? Vielleicht mache ich das demnächst auch mal. Funktioniert bestimmt auch beim Auto, einfach rückwärts aus der Parklücke fahren ohne Rücksicht auf Verkehr und “Hey, hey!” rufen. Ich will mit Sicherheit nicht besserwisserisch klingen oder mich als Regelfetischist outen, ABER mich ärgert immer wieder die Mentalität, dass teure Autos und teure Yachten ein scheinbar serienmäßig eingebautes Vorfahrtsrecht haben. DEM IST ABER NICHT SO, VERFLUCHT NOCH EINS!

Mit großer Geduld und wenig Seglerlatein erläuterte ich jeden einzelnen Handgriff und so war Ablegen und Segelsetzen keine Schwierigkeit. Auch das Richten der untersten Latte, die aus der Halterung am Mast gerutscht war, klappte wirklich gut. Wie fuhren bei etwa 4 Bft – die Windmessanlage war komplett ausgefallen, vermutlich Stromversorgung unterbrochen – auf die andere Seite der Förde und kreuzten vor dem Ostufer auf und ab. Dabei erklärte ich die Abläufe bei Wende und Halse und teilte jedem eine feste Aufgabe zu.

Hey, ein Schwesterschiff der Rasalhague
Hey, ein Schwesterschiff der Rasalhague

An Backbord kam uns einige Segler entgegen und ich stutze, denn da war doch . . . DA WAR DOCH . . . eines dabei, das sah so aus . . . WIE UNSERE RASALHAGUE. Ich halste und folgte dem Boot. Da wir neben Groß auch die Arbeitsfock gesetzt hatten und das andere Boot nur mit Rollfock unterwegs war, holten wir schnell auf. Eindeutig eine Boström! Der Bauch, die Holzzierleiste, das Rigg, und als wir noch näher herankamen, konnte man auch auf dem Süll “Boström B31″ lesen. Der Name . . . den danske pige! ‘Oh, nicht sehr schmeichelhaft!’ dachte ich, weil ich “pige” vom englischen pig ableitete – mein Dänisch ist noch sehr verbesserungsbedürftig -, bis ich mir die Übersetzung ansah: Das dänische Mädchen. Oooops, ok, DAS war völlig akzeptabel!

Kurz vor elf sollten sich die Tall ships vor der Wik sammeln, . . . aber wo waren sie denn? Dass die Gorch Fock noch in der Werft war und deshalb die Thor Heyerdahl die Parade anführen sollte, das wusste ich bereits, aber das kein einziger Windjammer dabei sein sollte, DAS WAR ENTTÄUSCHEND! 2017-06-24 (18)Als zweites Schiff folgte die Mercedes und dann kam die Artemis – beides alte Bekannte. Das restliche Feld riss aber ab und kam auch nicht über Friedrichsort hinaus. 2017-06-24 (39)Auf der Innenförde riegelte die Wasserschutzpolizei die Traditionssegler rigoros ab. Ein Motorboot, das mir schon zweimal vor den Bug rumtuckerte, wurde von einem WaPo-Schlauchboot abgedrängt und kreuzte mir wieder VOR DEN BUG und wollte auch noch langsamer werden. Ich bin ja für ein Motorbootverbot bei der Windjammerparade. Schließlich geht es ums Segeln und nicht ums Wasserquirlen. Wenn ich darüber nachdenke, dann kann man das zwistige und angespannte Verhältnis von Motorbootfahrern zu Seglern mit dem zwischen Auto- und Motorradfahrern vergleichen. Verkehrsregeln scheinen auch nur für die eine Sorte zu gelten.

Schlechtes Material oder schlechte Verarbeitung? Der Segelmacher wird es mir erklären müssen.
windjammer
Nur die Thor Heyerdahl, die Mercedes und die Artemis segelten in die Außenförde

Hinter der Friedrichsorter Enge lief ich mit Nordkurs Richtung Kiel-Leuchtturm. Von da aus sollte es mir 030° nach Bagenkop gehen. Noch bevor wir die Innenförde verlassen hatten, entdeckte ich schockiert einen Riß an meinem nagelneuen Großsegel! Das Unterliek löste sich vom Segel ab! WIE KONNTE DENN DAS PASSIEREN? Ich meine, das war noch nicht viel Wind, denn der sollte erst draußen kommen. Später, bei genauerer Betrachtung im Hafen erkannte ich, dass der Druck auf dem Segel nicht wie bei meinem alten Großsegel auf einem Rutscher lastete, sondern nur auf dem Unterliek. Als ich dann vom Törn zurück war, rief ich in Flensburg beim Segelmacher an und erklärte, was meiner Meinung nach fehlte. Glücklicherweise zeigte sich die Werkstatt schnell bereit, mir den Schaden zu reparieren.

2017-06-24 (49)Der eigentliche Hammer – das Abenteuer – sollte aber erst noch kommen. Die Überfahrt ging für meine Mitseglern nicht sonderlich bekömmlich vonstatten, was aber an 1,5m hohen Wellen und Wind um die 6 Bft lag. Die Fische bekamen zumindest ihren Anteil. Da es zwischenzeitlich heftig regnete, waren die Mädels völlig durchnässt. Heikes Warnung wurde sträflich in den Wind geschlagen. Ohne Karte und Tablet hatte ich mich auf meine Seekarte im Kopf verlassen. 2017-06-24 (41)Bei einem Kurs von 360° bis 010° bekamen wir etwas westlich von Marstal die Südküste Ærøs in Sicht. Der üblich Kurs mit 030° ließ sich nicht halten, denn die Wellen von schräg achtern brachten das Boot dann zum Schlingern und unfreiwillig Halsen wollte ich auch nicht. Jetzt aber hielt ich mit 090° auf Langeland zu und bald konnte ich die ersten schemenhaften Umrisse ausmachen.  Ein dichtes Regenband zog durch und nahm uns jegliche Sicht nach Osten. Während wir mit 7kn auf Bagenkop zuhielten, hoffte ich inständig, dass die Küste wenigstens zwei, drei Kabel vorher wieder sichtbar wurde. Da gibt es ein paar Untiefen und die Steilküste ist auch nicht gerade einladend. Aber alles verlief gut, denn wir kamen unmittelbar vor Bagenkop an. Vor dem Hafen ging ich in den Wind und ließ Mareike die Fock bergen. Dann wollte ich den Motor starten, aber die Batterie war tot, nein BEIDE Batterien waren tot! MAUSETOT! Au weia! Aufschießer mit ungeübten Seglern fahren? Konnte ich den anderen das zu trauen? War das hier im Hafen gut machbar? Ich wagte es – hatte ich denn eine andere Wahl? – und erläuterte das Manöver. Unter Großsegel ging es in den Vorhafen. Ich lief mit Wind von achtern in das Hafenbecken und holte etwa 10m vor der Kaimauer rum. Leider ließ ich das Groß zu früh bergen, denn schwupps war die Fahrt weg und der Wind drückte sofort den Bug rum. WIR GERIETEN IN LEGERWALL. Das Boot trieb auf die Pier zu. Ich rief einem anderen Segler zu, wir bräuchten Hilfe, zu erst in deutsch und als er mich nicht verstand auf englisch. “Fender raus. Vorleine über!” Etwas unsanft, aber abgefendert traf zu erst der Bug und dann der Bauch auf die ROSTIGSTE Pier, die ich je gesehen hab. Schnell band ich die Achterleine um eine Metall- . . . um eine Roststange und versuchte das Boot zu sichern. Die anderen Segler im Hafen kamen mit Kugelfendern und einem Brett angerannt und fenderten uns noch besser ab. Glücklicherweise passierte nicht viel. Ein Relingspfosten war verbogen, die Außenhaut hatte ein paar leichte Schrammen und etliche schwarze Schlieren von den Traktorreifen der Pier und die Überzüge der Fender waren teilweise zerfetzt, zumindest aber schwarz geworden. Großartig, aber hier konnten wir UNMÖGLICH bleiben, denn die Wellen kamen von der Seite und hoben und senkten das Boot an der Pier rauf und runter. Die Leinen wurden wieder gelöst und das Boot von drei Leuten auf der Pier mit den Leinen vorgezogen. Die Pier knickte dann um etwa 80° nach rechts ab und das Boot wurde rumgezogen. Jetzt lagen wir mit der Nase im Wind und ich war deutlich erleichtert. Beim nächsten Stromautomaten machten wir fest und ich lud gleich die Batterie wieder auf. Jedoch war der Ladestrom nicht besonders üppig. Nach einer halben Stunde versuchte ich zu starten, NIX. Nach einer weiteren Stunde ein erneuter Versuch. WIEDER NIX. Ok, dann eben über Nacht vollladen und dann erneut versuchen.2017-06-25 (14)

Der Hafenmeister kam vorbei und empfahl mir, auf die andere Seite der Mole zu gehen. Da wären die Wellen schwächer. Das hatte ich auch vor, allerdings zunächst unter Motor. Mit den anderen Seglern, dessen Hilfsbereitschaft wirklich bemerkenswert war, zogen wir das Boot um die Spitze der Mole auf die andere Seite. Einer schlug vor, so gleich festzumachen, doch ich wollte nicht die Nacht mit dem Heck im Wind liegenbleiben. “Nein, wir ziehen das Boot rum, dann drücken wir das Heck von der Pier ab und lassen den Wind den Rest machen. Es klappt rum und die Nase liegt wieder im Wind. Dann schaukelt es nachts auch nicht.” gab ich zurück. Gesagt, getan und es klappte auch vorzüglich. 2017-06-25 (1)So, fest vertäut mit Vor- und Achterleine, Vor- und Achterspring, angeschlossen an den Stromautomaten, konnten wir die Nacht über bleiben. Freie Boxen waren genug da, aber kaum eine hatte eine ruhige Lage. Deshalb war die Pier hier genauso gut oder schlecht wie die anderen Liegeplätze.

Für das Abendessen hatte ich Spaghetti Bolognese gedacht, öffnete den Kühlschrank und stellte erstaunt fest, wie kalt die Sachen waren, obwohl ich die Verbraucher Stunden vorher abgeschaltet hatte. Der Kühlschrank isoliert also wirklich sehr gut . . . und Stufe 1 reicht völlig aus, denn mit dem Thermostat auf Stufe 7 würde alles gefrieren. Jetzt kam der kritische Punkt, denn wenn die Batterie keinen Saft mehr liefern würde, dann würde der Gasherd auch kein Gas mehr bekommen, da das Fernschaltventil nur elektrisch öffnet. Es reichte aus und auch die 6V zum “Auflassen” des Ventils  lieferte die Batterie während des Kochens. Ich improvisierte etwas beim kochen, da noch nicht alles an Bord war und weihte dann unser neues Geschirr ein. Herrlich! Als ich mich dann eingehend mit dem Batteriestatus auseinander setzte, stolperte ich über eine interessante Sache. Der Batteriemonitor gab schon wieder an, die Verbraucherbatterie hätte 105Ah. Die Fernanzeige der Solarzelle hat aber ein Untermenü, das mir glaubhaftere Werte anzeigte. Nämlich nur 29Ah, die Starterbatterie sogar nur 7,4Ah. OHAUA HAUA HA! Auch die Spannung ließ sich besser ablesen. So lange die Sonne noch schien, lud die Solarzelle die Batterie besser auf, als der Landstromanschluss! Und das auch bei wolkenverhangenem Himmel! Für mich war schnell klar, das zumindest die Starterbatterie ersetzt werden musste. Aber auch die Verbraucherbatterie entlud sich für mein Verständnis inzwischen zu schnell. Da der Wind am nächsten Tag bis 7Bft zunehmen sollte, band ich das Groß vorsichtshalber ins 1. Reff und wechselte mit Ricardo das Vorsegel von Arbeitsfock auf Sturmfock. Das Reff im Groß würde auch das Unterliek entlasten, damit der Riss nicht größer wurde.2017-06-24 (51)

Die Nacht verlief unerwartet ruhig. Der Wind ließ zum Morgen hin nach und es regnete mal wieder. Ich stand um etwa 08:00 Uhr auf und ging dann zum Havne Bageren, besorgte Rundstykker und – auch hier gab es den Schoko-Marzipan-Nusskuchen – eine Torte! So besonders lecker wie die aus Flensburg war die hier nicht, aber es war eine Schoko-Marzipan-Nusstorte! Die Torte sollte am Nachmittag nach dem Einlaufen verzehrt werden. Wir frühstückten und anschließend wagte ich es, den Motor zu starten. Wenn er nicht anspringen würde, dann wollte ich unter Segel nur mit Groß raus. Der Motor wummerte sich wach und mir fiel ein Stein vom Herzen. GOTT SEI DANK! Sicherheitshalber ließ ich aber alle unnötigen elektrischen Verbraucher aus.

Wir liefen aus und beim Gasgeben fiel mir auf, das der Propeller nicht sofort griff. War etwa meine Konstruktion am Klapppropeller sich am Auflösen? Kurze Zeit später, Bagenkop war gerade mal eine halbe Meile hinter uns, machte es “Platsch”. Ich guckte in den Mast hoch und vermisste meine Windex! OCH NEE! Auch das noch! Die Windmessanlage war ja schon ein Tag vorher ausgefallen, jetzt war auch noch die Windex weg. Ab hier ging es nur nach Gefühl. Da der Wind nicht gedreht hatte – er kam immer noch aus West – und wir mit der Sturmfock jedoch keine Chance hatten, einen Kurs von 210° direkt nach Kiel zu fahren, steuerten wir einfach erst mal Südkurs. Mit 180°, manchmal sogar 190°, ging es auf die Küste der Hohwachter Bucht zu. 2017-06-25 (36)Die Überfahrt dorthin war gelinde gesagt feucht, denn die Rasalhague teilte die eine oder andere Welle so kräftig, sodass die Gischt hochstob und dann mit Wucht auf uns im Cockpit niederging. Trocken blieb nur, wer eine Schlechtwetterkleidung hatte. Mareike und Ute hatten erneut mit Übelkeit zu kämpfen, hielten sich aber wacker. Ricardo fühlte sich am Steuer deutlich wohler. Mitten auf See klingelte mein Handy: Migges Danish Bakery aus Flensburg! Ich könne am Montag zwei Torten abholen. UIIIIH! Wie gut, das ich mir bereits vorgenommen hatte, das Segel zurück zu bringen.

Vor uns lagen die Häuser von Kalifornien und Brasilien, also echt weit östlich von der Kieler Förde. Ich wendete und der neue Kurs war erschreckender Weise um die 320°! Das waren 130° zwischen den beiden Schlägen! So viel zur Sturmfock. Etwas später konnten wir die Color Line auslaufend erkennen, d.h. es war etwa drei Uhr. Auf die Frage, wann wir denn einlaufen würden, verkündete ich optimistisch: “Gegen 17.00 Uhr sind wir drin.” Wir kreuzten auf Stein zu, dann wieder auf Kiel-Leuchtturm und als wir endlich ins Fahrwasser einschwenken konnten, da kam uns die Stena Line entgegen. Nanu? Die läuft doch im Sommer um 18.00 Uhr aus, also musste es jetzt etwa 19.00 Uhr sein? TATSÄCHLICH! Wo war die Zeit geblieben? Hätte nicht gedacht, dass das Kreuzen so lange dauern würde.

Gegen halb neun war das Boot seeklar zurück in Stickenhörn. Ein abenteuerlicher Trip mit Schäden, die ich gerne vermieden hätte. Aber besser jetzt, als während des Sommertörns. Meine Mitsegler gingen mit dem Worten “Nie wieder segeln” von Bord. Mmmh, zu anstrengend? “Ja, und zu viel Wind und Wellen . . .” – “Tja, das gehört eben dazu . . . ” Später war aber die Freude und die Begeisterung wieder da, schließlich war der Törn ein echtes Abenteuer gewesen.  Beim Zusammenpacken unserer Sachen guckte Mareike auf die mitgebrachte Torte und sagte: “Die sieht ja ganz anders aus, als Heike sie mir beschrieben hat! Das ist ja eine Rolle.” – “Nein, sie ist rund.” – “Eh, nein, es ist eine Rolle.” Ich guckte nach und . . . das war tatsächlich eine MARZIPANBISKUITROLLE! VERDAMMT, die hatte mir die FALSCHE Torte eingepackt. Später meinte Mareike: “Wenn die richtige Torte genauso gut schmeckt, wie diese Biskuitrolle hier, dann ist sie echt gut.” – “Da liegen immer noch Welten . . . WELTEN dazwischen!” gab ich zurück.

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Normal ist das bei einem neuen Segel nicht, das gab auch der Geschäftsführer zu und versprach mir eine sofortige Reparatur und Verstärkung.

Ein paar wichtige Erkenntnisse konnte ich sammeln. Der Status der Batterien war erbarmungswürdig! Gott sei Dank konnte ich ja noch Ersatz besorgen, auch für die verlorene Windex. Das Großsegel zog ich ab und dabei fiel mir auf, das sich die rautenfömigen Verstärkungen an den Reffaugen bereits ablösten. Der Kleber hielt nicht und die Naht ging auf. Ich fuhr am Montag gleich zum Segelmacher nach Flensburg, zeigte dem Geschäftsführer die Schäden und der versprach mir umgehend eine Reparatur und auch er stimmte mir zu, das ein Schotrutscher das Unterliek deutlich verstärken und entlasten würde. Zusätzlich wolle er mir ein Zeising zum Festzurren des Schothorns geben. Ich konnte in seinem Gesicht ablesen, dass er wohl ein ernstes Gespräch mit seinen Mitarbeitern führen wollte. Ich hingegen war jetzt etwas entspannter und fuhr in Windes Eile zu Migges. Kurz vor sechs, kurz vor Ladenschluss bekam ich nun endlich, endlich die BESTE TORTE DER WELT!

wenn sie nur etwas größer wäre, würde ich ein Kopfsprung reinmachen
Wenn sie nur etwas größer wäre, würde ich ein Kopfsprung reinmachen

Den Ausfall der Windmessanlage und auch der Bilgenpumpe konnte ich schnell klären und den Fehler beheben. Es waren wieder einmal die Kabel aus den Kabelschuhen gerutscht. Diese Klemmtechnik mag ja nett sein, aber bei mir an Bord taugt sie nicht viel. Ich heizte meinen Lötkolben an und verlötete die Kabel mit ihren Steckern, damit da nichts mehr rausrutscht. Und schon zeigte das Display wieder Windwerte an und auch die Bilgenpumpe sprang wieder an. Die Fenderbezüge konnten gewaschen, die Risse genäht werden. Die verbogene Relingsstütze störte erst mal nicht, außer vielleicht optisch. Und mit Schwamm und Reiniger konnte ich schon einige schwarze Schlieren vom Rumpf abwaschen. Alles nicht so schlimm. Die Kratzer im Gelcoat störten mich auch nicht, denn ich hatte ja eh vor, im Herbst zu polieren. Außerdem waren sie nicht tief, das konnte ich auch fühlen. Das neue Großsegel sollte noch vor dem Sommertörn wieder fertig sein, aber sicherheitshalber nehmen wir das alte als Ersatz mit. Glücklicherweise hatte Heike doch noch nicht mit dem Zerschneiden des Tuches begonnen.

JETZT WIRD ALLES GUT!

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Das Theater mit der Windmessanlage – letzter Akt?

Fleißigen Lesern ist das Theater mit der Windmessanlage an Bord der Rasalhague mit Sicherheit nicht entgangen. Da sich dieses Drama nun schon über zwei Jahre zieht, rekapituliere ich (auch für die Gelegenheitsleser) mal ganz kurz, was los ist.

Was bisher geschah . . .

  • Bootskauf im Mai 2015: Verkäufer versichert, alle Instrumente gehen einwandfrei.
  • Mai 2015: beim Mastsetzen wird das Kabel der Autohelm Windmessanlage vom Mastfuss abgequetscht. Fehler bleibt erst mal unentdeckt. Windmessanlage bleibt die Saison über defekt.
  • Oktober 2015: Mastziehen vor dem Aufslippen. Erst jetzt wird der Schaden entdeckt. Austausch der Windmessanlage wird für kommende Saison beschlossen, da das Kabel jetzt zu kurz ist und nicht verlängert werden kann.
  • April 2016: Abbau des alten Windgebers. Neues KabelDSC_0010 für die Windmessanlage Nasa Clipper Wind durch den Mast gezogen und Geber am Mast installiert. Stecker wirkt allerdings sehr wackelig.
  • April 2016: auf dem Display tauchen keine Werte auf. Vermutung: Wackelkontakt der Steckverbindung am Mast.
  • Saison 2016: nach vier Ausflügen in den Mast (Tobi, DSC_1810Rostja, 2x Bjarne), die alle keine Besserung brachten, reift der Entschluss: im Winter kommt ein neuer Stecker rauf.
  • April 2017: Mastsetzen. Doch erneuter Versuch mit altem Stecker, bringt aber kein Ergebnis. Konsequenz: neuen Stecker bestellt.
  • eine Woche später: Mast wird wieder gezogen, neuer Stecker angelötet. Test bringt kein Ergebnis. Dann festgestellt, dass eine Ader im Stecker in der Bilge lose war. Zum ersten Mal: WINDWERTE! Danach Mast gesetzt.
  • Ansegeln 2017: keine Werte, doch, Halt! . . . aber nur bei raumen Wind ?!

Als ich neulich bei AWN in Kiel war, hab ich die Gelegenheit genutzt und einen Fachmann gefragt, was denn mit meiner Clipper Wind nicht stimmt. Er riet mir das Gerät abzubauen und einzuschicken. Allerdings könne ich auch mal bei Mörer nachfragen, die seien Alleinimporteur für Nasa in Deutschland und haben sicher Ahnung. Also schrieb ich dem Kundendienst von Mörer eine Email und schilderte so genau wie möglich mein Problem. Prompt bekam ich eine Antwort. Alles deute auf einen weiteren Wackelkontakt hin. Mmmmh, das hatte ich inzwischen auch vermutet und daher schon vor der Antwort beschlossen, ALLE STECKVERBINDUNGEN am Mast zu erneuern, also auch Topp- und Ankerlicht. Keine Lüsterklemmen oder alte Stecker mehr. Ich bestellte also die nötigen Stecker, bei denen die Kabel mit den Pins verlötet und die Stecker verschraubt werden. Außerdem sind die wasserdicht, also . . . für den Fall einer Leckage.

Als die Stecker ein paar Tage später eintrafen, baute ich mir ein Steckerbrett, auf das ich die Buchsen montierte. DSC_0137Ich beschriftete das auch noch fein säuberlich und baute das Brett in ein Gehäuse ein, in dem der Kabelsalat der Bilge verschwand. Ab jetzt herrscht Klarheit am Mastfuss und das Anschließen geht jetzt auch ruckzuck. Als letzte Verbindung musste  der Anschluss am Mastfuss gelötet werden. DA! Da war ja der Übertäter. Hier war nicht die Abschirmung raus, sondern eine andere Ader gebrochen. GRUMPF! ‘Na, dann wollen wir mal sehen.’ Leicht angespannt schaltete ich die Windmessanlage am Schalterpaneel ein . . . und erhielt eine PERFEKTE Anzeige.DSC_0138 “Na, wer sagt’s denn!” Die Windrichtung stimmte zwar nicht, aber die musste ja dann auch erst mal kalibriert werden. Dafür schien mir die Windgeschwindigkeit plausibel. Sollte es das gewesen sein? “JAAAAAAAAAAAAAA!” Ich schreite vor Freude auf. Horst steckte seinen Kopf aus seinem Boot und fragte verwundert: “Notarzt?” “Nein, nein, nur meine Windmessanlage geht endlich . . . nach ZWEI JAHREN!”

WIR HABEN ENDLICH EINE WINDANZEIGE! Was für eine schwere Geburt! Ich kann allen Interessenten einer Nasa Clipper Wind nur empfehlen, die Steckverbindung gegen schraubbare Steckverbindung mit Lötpfannen für die Adern auszutauschen!

Bald ist die Rasalhague wirklich vollständig einsatzbereit, ein Boot, so wie ich es mir vorstelle!

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