Saisonstart mit Verspätung

Nun ist es endlich soweit! Nachdem ich nach dem Kranen im April zügig ein Angebot zum Motoreinbau erhalten und postwendend den Auftrag erteilt hatte, fing man Anfang Mai wie versprochen mit den Arbeiten an. Was vorher in Monaten nicht zu stemmen war, sollte jetzt in knapp zwei Wochen erledigt werden. Na, ich war gespannt.

Schon am Wochenende nach der Slipaktion, bei der die Rasalhague ja nicht ins Wasser sondern auf einen Trailer kam, guckte ich mit meinem Ältesten nach dem Rechten. Wo stand denn eigentlich das Boot? Im Außenbereich fand ich es nicht. Auch in der Halle war es nicht. Also nachgehakt. “Mmmh, also das steht im Freibereich hinter der Halle.” Ok, nur welche Halle? Dann nochmal nachgesehen. Wir fanden es und ich musste feststellen, dass ich dort nicht hinkam, also am Wochenende. Na gut. Hoffentlich klappt das dann im Mai.

Anfang Mai wurde das Boot endlich in den Außenbereich der unteren Halle verbracht und mit den Arbeiten begonnen. Das GFK des alten Motorfundamentes war bereits aufgeschnitten worden. In den folgenden Tagen wurden die Eichenbalken angepasst, die in das neue Fundament einlaminiert werden sollten. Währenddessen machte ich mich am Wochenende vor dem Sliptermin daran, die Polierarbeiten abzuschließen. Mit der Maschine ist das Schleifen kein Ding, nur das Polieren selbst mache ich lieber von Hand, denn da erziele ich schneller ein akzeptables Ergebnis. DSC_3577Jetzt strahlt der Rumpf beidseitig wieder weiß und glänzt frisch gewachst. Am Montag war ich dann gegen halb fünf damit fertig. Ein Blick in den Motorraum zeigte mir, dass die Arbeiten zwar voran schritten, doch noch konnte man keinen Motor auf das Fundament setzen. Wenigstens war die Welle schon wieder an ihrem Platz.

Dann erhielt ich eine Mail, in der der Sliptermin für den Freitag bestätigt und auf viertel vor elf angesetzt wurde. ‘Ok, dann wird das ja endlich klappen.’ ich entspannte mich. Heike ging am Mittwoch wie ein Wirbelwind daran, das Holz zu ölen. Zwar ist das ausgeblichene Teak optisch sehr schön, doch verwittert es schneller ohne die jährliche Ölung. Nebenbei polierte sie auch noch alle Relingspfosten, den Bug- und Heckkorb sowie die Winschen. WOW! Es ist immer wieder beeindruckend, in welchem Tempo sie das macht. DSC_3573Natürlich guckten wir nach dem Fortschritt der Arbeiten. Der Motor stand jetzt provisorisch auf dem Fundament, für meinen Geschmack allerdings noch zu weit draußen. Wie sich später herausstellte, kam der Riemen auch mit der Dämmmatte des Niederganges in Berührung.

Donnerstag brachte ich nach der Arbeit die Festmacher an Bord und bändselte die Fender an der Reling fest, damit alles schon zum Slippen vorbereitet war. Der neue Propeller war immer noch nicht montiert. Ich freute mich bereits auf die Mechanik und auf die Erprobung. Je nach Drehrichtung stellen sich die Blätter anders und ohne Drehung sind sie wieder in Nullstellung und bieten keinen Widerstand. Kein Ausfall mehr bei Vorausfahrt. Und vor allem, kein Strömungswiderstand! Ein echter Hightech-Propeller.

Der Freitag war dann sehr hektisch. Ich kam um neun zum Boot und . . . stellte fest, dass der Propeller immer noch nicht montiert war. Woran lag es? Eine halbe Stunde vor dem Slippen stellte man fest, dass die Mutter nicht auf die Welle passte. Der Propeller besteht aus drei Teilen, dem Konus, der auf der Welle sitzt und durch die Mitnehmerfeder die Drehrichtung der Welle mitmacht und durch die Mutter gesichert ist, sowie dem Propellerkopf mit verstellbaren Flügeln und der Mechanik. Die Mutter war nach der vorher montierten vermeintlichen Originalmutter angefertigt worden, jedoch war die alte Mutter mit Gewalt aufgesetzt worden, wie man am Gewinde feststellen konnte. Die Gewindesteigung stimmte nicht. IMG-20190517-WA0001So jetzt auch bei der neuen Mutter. Nachdem das Nachfeilen des Gewindes der Welle nichts brachte, ließ man das Gewinde in der Mutter beim benachbarten Metallbauer nachschneiden. Jetzt ließ sich die Mutter endlich festziehen. Dann folgte der Kopf, der mit Schrauben und Locktite am Konus festgezogen wurde. Als letztes folgte ein Trockenlauftest des Motor. Es piepte zweimal leise und dann sprang der Motor an. ‘Oh, wie viel leiser der ist.’ staunte ich.

Inzwischen war aus der Kran-Pole-Position der letzte Platz geworden. Das Slippen war schon beinahe beendet, als die Rasalhague doch noch ins Wasser kommen sollte. DSC_0162Es war bereits halb eins. Mit dem Mechaniker zusammen machte ich eine kurze Probefahrt. Wir mussten prüfen, ob der Motor richtig ausgerichtet war. Und natürlich, ob die Welle auch richtig dicht war. Schon bei den paar Kreisen bemerkte ich das unterschiedliche Verhalten der Schraube. Bei Rückwärtsfahrt griff sie viel schneller und zog jetzt nach Backbord. Gut, das ist Gewöhnungssache und wir werden zukünftig lieber mit Backbord anlegen. Aber auch die Ruderwirkung kam dadurch schneller zur Geltung. Insgesamt wirkt sich der Propeller schon recht positiv auf die Manövrierfähigkeit des Bootes aus. Mit dem Motor bin ich auch zufrieden, er ist ruhiger und verursacht weit weniger Vibrationen. Die Ausrichtung stimmt und damit sind die Arbeiten beendet. Es hat sich also GELOHNT! Jetzt mussten wir nur noch durch die Schleuse. Der Schleusenwärter ließ uns nicht lange warten, auch wenn eine Rüge über Lautsprecher quäkte: “Keine Einfahrt für Sportboote!” Das Boot vor uns hatte sich zu dicht an die Schleuse heran getraut. Nach den zwei Frachtern, die aus dem Kanal kamen, durften wir dann doch noch mit. Um halb vier waren wir dann in Holtenau fest.DSC_3600

Am Samstag verlegte ich mit Bjarne die Rasalhague nach Schilksee in ihre Box. Dabei ließ ich mich eher schippern, denn inzwischen ist Bjarne so geübt und geschickt im Steuern, das ich ihm problemlos das Steuer anvertrauen kann. Er legte recht entspannt an und wir installierten gleich noch die Sorgleinen in der Box. Am Sonntag fuhren wir gegen Mittag zu viert zum Hafen und machten uns ans Mastsetzen. Mit Bjarne zog ich zunächst das Stromkabel für die Windexbeleuchtung in den Mast ein, während Heike und Nils die Saling montierten und die Oberwanten vorspannten. Ich zog anschließend noch Sorgleinen für die Lazy Jacks ein, während Heike Antenne, Windlupe und Windex montierte. Das Maststellen war kein größeres Problem, da sind wir schon gut eingespielt. Dummerweise zog sich die Schlaufe, mit der der Mast am Haken hing, zu fest um den Mast und rutschte von alleine nicht mehr runter. Es dauerte etwas, aber dann zog ich mit einem anderen Segler am Fockfall den Mast zur Pier hin, während der Hafenmeister den Haken löste. IMG-20190520-WA0001Damit war die Spannung aus der Schlaufe und endlich rutschte sie runter. Am Kranplatz war kaum Betrieb, daher setzten wir noch den Baum an, zogen den Niederholer ein und spannten die Wanten, bevor wir wieder zurück in die Box verlegten. Zum Abschluss gab es dann noch ein Fischbrötchen.

Am Montag nach der Arbeit fuhren Heike und ich dann zum Boot und zogen das Großsegel ein, spannten die Wanten nach und zogen zum Schluss noch die Persenning auf. Jetzt stehen für uns noch Arbeiten an, die wir wegen dem Motoreinbau bisher nicht erledigen konnten, weil  einiges unzugänglich war. Unsere bisherige Erfahrung mit unserem Kühlschrank zeigte, dass da noch eine Trennwand zwischen Verdampfer und Kühlraum eingebaut werden muss, sonst gefriert uns die Hälfte. Außerdem wollte ich noch einen galvanischen Isolator einbauen, damit der Kiel nicht wieder korrodiert. Des Weiteren habe ich vor hinter dem ausziehbaren Mülleimer das Bierfass mit einer Zapfanlage zu versehen. Die Teile dafür habe ich schon vor einigen Monaten gekauft. Der Zapfhahn ist bereits über dem Spülbecken montiert, so entsteht keine Kleckerei. Tropfmengen fließen einfach ab. Zugegeben, das ist eine Spielerei, aber warum nicht? Nils findet das auf jeden Fall toll, denn er hat ja letztes Jahr verkündet, dass nur er Bierzapfen darf.

Außerdem müssen die Solarzellen neu angeschlossen werden. Die Anschlüsse am Oberdeck haben sich letztes Jahr irgendwann gelöst. Für die Solarzelle achtern baue ich einen verstellbaren Abstandshalter, weil die Zelle bei stärkerem Wind sich immer wieder verstellt hatte und Bändseln nur eine Notlösung war. Im Übrigen hatte ich die Sprayhood abgezogen, denn ich wollte eine neue in Auftrag geben. Eine Anpassung der Sprayhood war sowieso für die bevorstehende  Rekonfiguration des laufenden Gutes notwendig. Ich habe nämlich vor, Groß-, Spi- und Fockfall, sowie Bb- und Stb-Bullentalje, Bb- und Stb-Traveller, den Baumniederholer und einen neu zu installierenden Cunninghamstrecker über Umlenkrollen ins Cockpit zu führen und mit Easylock Fallenstopper zu beklemmen. Da ich die Deckenplatten bereits für die Elektrik abnehmen muss, kann ich dann auch gleich die Unterfütterung einbauen. Unterhalb der Fallenstopper und der Umlenkrollen am Mast müssen von unten Widerlager, also Zuglastverteiler in Form von Edelstahlplatten einlaminiert werden. Und wenn die Montage der Blöcke fertig ist, werde ich alle Leinen (Schoten ausgenommen) austauschen. Mit den Festmachern habe ich bereits angefangen. Nach der unruhigen Nacht letztes Jahr in Snogebæk auf Bornholm waren vier der sechs Leinen verschlissen, zwei davon gar gerissen. Auch von den alten Ersatzleinen, die wir glücklicher Weise noch dabei hatten waren zwei schamfilt. Also hatte ich mir gedacht, hole ich mir lieber nicht fertig konfektionierte Leinen, sondern Meterware. Und zwar einfache weiße Polyesterleinen, die leicht zu spleißen sind. Daraus hatte ich mir Ostern bereits vier neue ca. 9m lange Festmacher mit Augspleiß gemacht. Anschließend besorgte ich Leder und fasste das Auge jeder Leine ein. Hier kam Kerstins Geschenk zum erstmaligen Einsatz. Sie hatte mir einen Segelmacherhandschuh geschenkt. Alles in allem hatte ich vier neue selbstgemachte Festmacher zum Preis einer konfektionierten Festmacherleine mit Auge und Lederummantelung, da kann man nicht meckern. Nils fragte mich mal, woher ich denn das alles kann. “Ich bin doch auf der Gorch Fock gefahren,” antworte ich und merkte bereits, dass das noch nichts erklärte, “da lernt man nicht nur die Grundkenntnisse des Segelns, sondern auch noch das traditionelle Seemannshandwerk wie Spleißen und Takeln.”

Ja, die Gorch Fock . . . hoffentlich ergeht es nicht auch der Rasalhague eines Tages so. Die bisherigen Reparaturleistungen reichen mir vollauf! Jetzt haben wir aber erstmal Ruhe. Motor und Propeller sind neu, da wird hoffentlich nicht so schnell eine Reparatur fällig.

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Auf in die Saison 2017 – Teil I

Der Winter war wieder viiiiieeeeeel zu lang! Also, gefühlt, meine ich. Die lange Abstinenz vom Wasser ist einfach schlauchend. Aber ich will versuchen der Reihe nach zu berichten, wie es uns und vor allem der Rasalhague in der kalten Periode ergangen ist.

Im letzten Herbst, am 15. Oktober war Aufslippen. Ich war gespannt, wie das Unterwasserschiff aussah. Meine Lütten waren in den Herbstferien mit von der Partie und gerade waren wir noch dabei, den Lagerbock richtig zu positionieren, da hing die Rasalhague auch schon am Haken und schwebte uns entgegen . . . und das bei 6 Bft! Aber was ich sah, erfreute mich. Kaum Bewuchs, eigentlich gar nichts! imagesM483WBUIDann war also die Wahl des Antifoulings richtig gewesen. Aber das Epoxy in der Faltpropellermechanik hatte die Saison nicht überlebt. Ok, also neuer Versuch.

Schon im Oktober war Arbeit angesagt. Diesmal wollte ich den Winterstürmen nicht erneut eine Plane opfern. Im Jahr davor rief uns ja mal der Hafenmeister an und meinte nur: “Ihr solltet mal eure Fetzen festbinden”. Also musste jetzt ein Gestell her, dass die neue Plane schön ausstellte und Schamfilungen (Aufreibungen) auf das Mindestmögliche reduzierte. Im Baumarkt holte ich mir das nötige Holz, Schlossschrauben und Muttern. Dann ging es mit Stichsäge, Bohrmaschine und Schleifgerät an die Arbeit. Glücklicherweise waren Anfang November noch einige schöne Tage, sodass ich zügig und trocken vorankam. An die Relingstützen band ich mit Kabelbinder jeweils einen etwa 1m langen Stützpfeiler, an dessen oberen Ende ich bereits eine Steckverbindung ausgesägt hatte. Hier steckte ich die Schrägträger drauf und verband sie mit dem Pfeiler mittels einer einzelnen Schlossschraube. Zum Schluss setzte ich dann in der Mitte noch einen langen Balken als Dachfirst drauf. imagesYQEKO6CYDa ich im Baumarkt keinen 9m langen Balken bekam und ich ihn auch nie mit meinem Auto hätte transportieren können, verlängerte ich die 2,5m-Teile und bekam so auch eine schöne Krümmung hin. Mein Nachbar gab mir jedoch zu bedenken, das die Relingstützen vielleicht bei den Stürmen nachgeben würden. Das war natürlich richtig. Also schraubte ich noch zur Versteifung ein paar Latten dran und fertig war mein Dachstuhl. Stabil! Nichts bog sich und die Relingstützen wurden auch nicht nach außen belastet. Abschließend zog ich die Plane drüber und band sie am Bock fest. Kaum eine Woche später war auch schon der erste heftige Herbststurm im Anmarsch und . . . die Plane hielt!

Sie überstand auch Schnee, Hagel und heftigen Regen und hielt den Stürmen stand. Lediglich der Dachfirst war vorne gebrochen, weil er zu weit freischwebend überstand. Damit konnte ich aber sehr gut leben, denn Heike “nähte” einfach die Plane vorne mit einer Leine zu und das Ergebnis war sogar besser als vorher.

Bis Mitte März war das Wetter nicht sehr berauschend, aber Heike und ich hatten uns für dieses Winterlager viel vorgenommen. Vier Wochen vor dem Slipptermin sollten wir schon mal anfangen. Dann kam endlich mal die Sonne raus und wir legten los. Während Heike sich um das Oberdeck kümmerte und imagesPI8MBYU6das Holz abschliff, ging ich mit dem Deltaschleifer und dem Messeraufsatz an die Kielrumpfverbindung und schnitt eine etwa 0,5cm tiefe V-Fuge. Hauptsächlich war da bröseliges Epoxy drin, aber da drunter konnte ich flexibles Pantera entdecken. Ich säuberte die Fuge und ließ sie anschließend ein paar Tage trocknen. imagesM7W0ZQ2OMit “Stay Afloat”-Harz von Robship kitteteDSC_0284 ich die Fuge aus und glättete anschließend die Oberfläche. Als nächstes schnitt ich im Salon in der mittleren Bilge an der rostigen Stelle an Backbord das Laminat auf, nur um festzustellen, dass des Sandwich des Querträgers unter der GFK-Schicht schon ziemlich morsch war. Ich schnitt das etwas großflächiger auf und puhlte den Kram aus dem Loch. Auch hier kam das Notfall-Harz zum Einsatz und ich dichtete die Stelle damit ab. Danach rührte ich Epoxy an und schnitt mir ein paar Lagen Glasfasermatte zurecht. Ich laminierte die Stelle großzügig und nachdem es drei Tage durchgetrocknete war, schliff ich es kurz an und lackierte die komplette Bilge neu. Hoffentlich ist das jetzt dicht! Und ich meine vor allem wenn wir auf Steuerbordbug mit Krängungen um die 40 bis 45 Grad segeln.

DSC_0262

images3JJ9CCP6Heike hatte inzwischen das Oberdeck mit dem Druckstrahler gereinigt und später die Holzzierleiste geölt. Jetzt schliff sie noch die Gräting ab. Ich hatte mich derweil mit zwei Winkeln an den Faltpropeller gemacht. Die steckte ich neben die Zahnräder der Faltmechanik hinein, sodass sich die Zahnräder beim Zusammenklappen sofort verkeilten und blockiert waren. Dann mischte ich wieder Epoxy an und kittete das Ganze damit ab. Diesmal hatte es viel mehr Zeit um auszuhärten. Schon vier Tage später war es völlig hart und der Propeller klappte nicht mehr zusammen, nicht einen Millimeter!

Propeller

vorher
vorher
nachher
nachher

Bei heftigem Regen drang etwas Wasser durch das Steuerbordfenster. Also mussten die Fenster neu abgedichtet werden. Ausbauen wollte ich sie nicht, aber die Fuge mit weißem Pantera neu abdichten, das sollte reichen und so machte ich mich daran. War das eine Schmiererei! Zumal der Wind einem das Pantera direkt aus der Spritze verwehte. Heike hatte mehr Geschick und so überließ ich ihr das Abdichten.

Als Nächstes stand der Rumpf auf der Liste. Ein paar hässliche Schlieren und Schrammen wollte ich ausbessern. Kurzerhand schliff ich die Stellen an und besserte die Stellen mit Gelcoat Repair Gel aus. Als das trocken war, schliff ich nochmals drüber und freute mich schon, dass der Rumpf wieder schön weiß wurde . . . aber auch STUMPF!!!! OH NEIN! Ich Dussel hatte in einem Anfall von Arbeitswut nicht auf die Körnung geachtet. Mit 120er ramponierte ich natürlich imagesFZYRKLZ8den Rumpf beträchtlich! Und wir hatten nur noch eine Woche Zeit! SO EIN MIST! Mein Nachbar meinte, beim Polieren ginge das wieder weg. Also polierte ich. ES BLIEB STUMPF! Statt mich lange zu ärgern, klebte ich den roten Streifen über dem Wasserpass ab und Heike lackierte diesen neu. Wenigstens der glänzt schön!

Als wir das Boot vor zwei Jahren kauften, hatten wir ja nicht so viel Zeit, den Bootsnamen und das Wappen auf den Rumpf zu lackieren. Deshalb hatte ich mir ja die Übergangslösung mit den Aufklebern ausgedacht. Jetzt, in der dritten Saison, sahen die nicht mehr so schön aus. Das Rot verblasste langsam und am Rand bildete sich ein hässlicher Schmutzrand. images1IVM1JTYGut, der ließ sich natürlich wegputzen, aber unter dem transparenten Aufkleber blieb der Gelcoat heller. Also bewaffnete ich mich mit einem Cutter und schnitt die Buchstaben aus. Hmmm, eigentlich clever, schon hatte ich eine Schablone. Nur, wie sollte das Wappen gemalert werden? Ich entschloss mich, den Schlangenträger auszuschneiden, denn 5-zackige Sterne bekam ich auch so hin, dafür brauchte ich keine Schablone.

Osterferien – und Bjarne und Nils waren wieder zu Besuch. Ich hatte sie schon vorgewarnt, das noch viel am Boot zu erledigen sei. “Wir helfen auch!” Na, denn mol to. Der Nachbar auf der anderen Seite meinte zu meinem stumpfen Gelcoat: “Ja, mit 1000er Körnung vielleicht.” Heike hatte eine weitere Bekanntschaft gemacht und kam mit ihm gerade zur Rasalhague zurück. “Frag mal den da vorne, der hat auch geschliffen und poliert.” Also bin ich mit ihm vor zu einer schön glänzenden 34-Fuss-Yacht. “Geh mal mit 800er ran, am besten nass mit der Hand schleifen. Dann arbeitest du dich hoch: 1200, 2000 usw., eben so glatt du es haben willst. Aber das dauert halt.” Oh je, und die Zeit wurde mir gerade knapp. Am Montag fuhren wir zu Farben Fischer und holten das benötigte Material. Auf das Nassschleifen verzichtete ich und zog einen 600er Aufsatz auf die Poliermaschine. Uiiih! Die ersten Quadratzentimeter sahen vielversprechend aus. Aber nach einer Weile trat keine Verbesserung mehr ein. Das Papier hatte sich schon dicht gesetzt. Heike hatte inzwischen den Rumpf mit einer Lage Antifouling versehen, das sollte dieses Jahr reichen. Am nächsten Tag ging ich mit neuem Papier auf der Maschine und auch mit 800er nass per Hand ans Werk und schliff den restlichen Rumpf ab. Die Hilfe der Jungs war immerhin für einen halben Meter gut, dann hatten sie entweder keine Lust mehr oder die Kraft war weg. Die Arbeit war auch mühselig und man sah noch kein Ergebnis.

Bei der nächsten Arbeit halfen sie uns dann aber richtig gut. Ich rieb den Rumpf mit einem Politurmittel ein und die beiden rieben den Rumpf mit Politurwatte spiegelblank. Naja, ganz ist mein Faux-pas nicht aus der Welt, denn der Rumpf glänzt etwas fleckig, aber nächsten Herbst kann ich mich dann ja ans Polieren auf Hochglanz machen. Wenigstens ist der Rumpf nicht mehr stumpf.

Inzwischen war Gründonnerstag und der Slipptermin war nur noch zwei Tage entfernt. Ein weiterer Nachbar bereitete sein Boot für das Antifouling vor, scheiterte aber am Malerband, weshalb ich ihm meines gab. Wir schnackten ein wenig und dann meinte er, er hätte beim Slippen am Karfreitag leider keine Hilfe. Ich stutzte. Wieso KARFREITAG? Er lag hinter der Rasalhague und war also noch vor uns dran. Und wir waren Samstag als 3. Boot an der Reihe. Auf dem Weg heim guckten wir auf den Plan. Nein, Planänderung! Wir waren Karfreitag als letztes Boot an der Reihe! OH HA! Na wie gut, das man mal gelegentlich mit den Nachbarn schnackt. Ich gab Gerd Bescheid, das wir am Freitag das Boot slippen und Samstag vielleicht den Mast setzen wollten. Kein Problem, er würde kommen. Auch Rostja sagte spontan zu. Cool, dann konnte es ja los gehen. Und der Smirre konnte auch noch geholfen werden.

Karfreitag, 10 Uhr: Wir kamen zum Boot und stellten fest: Die waren aber sehr fleißig. Bereits 18 Boote waren wieder zu Wasser gelassen worden. Ich vergewisserte mich beim Hafenmeister, imagesERHV1TR9dass wir als Letztes gegen 14 Uhr dran waren. “Oder früher. Wahrscheinlich früher, geht ja schnell heute.” Uiiiih! Also klotzten wir nochmal richtig ran. Ich fettete den Propeller und den Paddelgeber der Logge nochmal ein und dann die Mastnut für die Rutscher. Danach spülten Bjarne und ich den Motor, da ja das Frostschutzmittel nicht in den Hafen gehört, aber der Motor wollte nicht anspringen. HERRJE! Ausgerechnet jetzt. Die Batterie hatte genug Saft und außerdem hingen wir noch am Landstrom. Ich entfernte die Abdeckung vom Motor und versuchte manuell zu starten. Hoffnungslos, aber dabei bemerkte ich, dass der Anlasser gar nicht fest war. Der Zahnriemen war dementsprechend auch nicht gespannt. In der Motorbilge entdeckte ich dann Schraube und Mutter. Nanu? Hatte sich da etwas  verselbstständigt? Also schraubte ich den Anlasser fest, der Zahnriemen war wieder straff gespannt . . . und der Motor sprang wieder an.

Am Oberdeck bereiteten wir alles für das Slippen vor und Heike stellte mir den Topf mit Antifouling bereit, denn unter den Pallen und unter dem Kiel konnte ja noch nicht gemalert sein. “Ich hab dir den Deckel bereits gelockert.” Tja, der Hinweis war gut, aber mir entglitt der Farbtopf trotzdem und er kippte auf der hinteren Backskiste um. OH NEIN! Gott sei Dank war eine Tüte um die Dose, sonst wäre das ganze restliche Antifouling ausgelaufen. Dennoch war der Backskistendeckel jetzt SCHWARZ. Meine Hände waren SCHWARZ und ein Stück vom weißen Süll war SCHWARZ! Das Meiste ließ sich glücklicherweise reinigen, auch meine Hände, dank Bremsenreiniger. Ein paar Schlieren sind noch auf dem Gelcoat, aber die werden auch noch verschwinden.

Um halb zwei waren wir dann dran. images2VT2GHZ9Die Gurte lagen bereit und die Führungsleinen lagen aus. Ich kletterte hoch und hakte die Krangurte ein, kletterte wieder  runter und bewaffnete mich mit Handschuhen und der Rolle mit Antifouling. Das Boot wurde angehoben und schnell malerte ich über die paar Stellen wo die Stempel das Boot gehalten hatten. Vielleicht mit zu viel Schwung, denn ein Tropfen löste sich von der Rolle und fiel mir entgegen. Ich drehte gerade noch das Gesicht weg und spürte das er mich irgendwo traf, konnte mich aber jetzt nicht drauf einlassen. Schnell an die Führungsleine und schon führten Gerd und ich (oder viel mehr Bjarne) das Boot Richtung Hafenbecken. Langsam glitt es ins Wasser. Ich enterte an Bord und kontrollierte die Außenbordverschlüsse – alles dicht. Die Gurte wurden gelöst und unter dem Boot hindurch an Land gezogen. Jetzt startete ich den Motor und er sprang etwas zögerlich an, aber er lief! imagesXNPJ2ZF6HURRA! Mit Nils am Steuer verlegten wir die Rasalhague in ihre Box und schon beim Einparken banden wir die Sorgleinen um die Dalben. Übrigens haben wir die selbe Box wie im letzten Jahr.DSC_0377

Jetzt hatten wir uns, vor allem aber unsere Helfer, erst mal ein Fischbrötchen verdient.

Fortsetzung folgt . . .

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