Alles neu: Welle, Ruder und Sprayhood

Noch ein paar wenige Wochen, bis es endlich losgeht. Und nun steht die Rasalhague wieder hoch und trocken, weil die Welle rausgerutscht und auch noch das Ruderblatt gebrochen war. Und wieder können wir nicht segeln. Das ist ganz schön ärgerlich. Nein, es ist FRUSTRIEREND! Mit der Werft kam ich über den Austausch der Welle und des Klemmflansches überein. Man sah den Fehler ein und aus Kulanz wird man nicht nur den Flansch austauschen, sondern eine neue Welle oben drauf legen. Immerhin etwas, obwohl man Stein und Bein schwört, der Flansch sei laut Hersteller geeignet. Naja . . . ich verlass mich lieber auf die Aussage des Gutachters. Für das Ruder bekam ich auch ein Angebot, aber nachdem ich von Rubin schon eine Zusage hatte, und die obendrein noch deutlich günstiger war, vergab ich den Auftrag nicht an die bisherige Werft. Selbst, wenn man mir im Preis entgegen kommen wollte – das Angebot war doppelt so hoch wie das von Rubin – muss ich jetzt doch sagen, dass das Vertrauen endgültig geschwunden ist.

Mit Rubin hatte ich vereinbart, dass ich das Ruder selber ausbauen und vorbei bringen sollte. Puuh, ich hab noch nie ein Ruder ausgebaut. Aber irgendwann ist immer das erste Mal. Also verabredete ich mich mit Henning, der mir helfen wollte. Donnerstagnachmittag fuhr ich zum Boot und siehe da, Yachtwerft Dick war schon da und hatte die Welle ausgebaut. Jetzt hoffe ich nur, das es auch wirklich eine neue spezialangefertigte Welle ist und nicht wieder etwas, “was am schnellsten verfügbar ist”. Diese Aussage kam vom Chef der Werft bzgl. des Flansches und ich fand das doch sehr merkwürdig. Inzwischen hatte ich immer mehr ähnliche Aussagen über die Arbeit der Werft gehört. Naja, fairerweise muss man sagen, dass das Hörensagen ist und man sich seine eigene Meinung bilden muss. Meine Erfahrung sagte mir jetzt: “Guck dich nach einer anderen Werft um.”

An Bord räumte ich schon mal die Heckbackskiste aus und stellte fest, dass der Gascontainer auf der Bodenplatte stand, die ich entfernen musste um an den Ruderquadranten ranzukommen. “Oh Shit, bitte sag mir, dass der Container nicht ausgebaut werden muss.” fluchte ich. “Wenn du die Leitung abschraubst, dann muss eine neue Dichtigkeitsprüfung erfolgen.” meinte Henning. “Mmmh ja. Deswegen versuchen wir das mal ohne.” Ich drehte das Flaschenventil zu und lockerte den Gurt des Containers. Vorsichtig konnte ich den Behälter beiseite drehen und dann die Bodenplatte darunter entfernen. “Uff, so, jetzt ist der Quadrant frei. Ok, was haben wir denn da? Wasser und Öl in der Bilge, naja, darum kümmere ich mich später. Einen 19er Maulschlüssel bitte.” Die beiden Quadrantenklemmschrauben konnte ich recht einfach lösen, auch ein Steuerseil, doch beim zweiten fehlten mir einfach 10cm Armlänge. Henning versuchte sein Glück, fluchte über die engen Verhältnisse, und meinte, beim Einbau des Ruders hätte man sicher auf Kinderarbeit zurück gegriffen oder Gnome gehabt. Sein Arme waren die entscheidenden Zentimeter länger und auch das zweite Steuerseil konnte gelöst werden. Ich zog den Quadrant nach oben ab und legte ihn beiseite. Der Ruderschaft war frei, jetzt musste das Ruderblatt nur nach unten rausgezogen werden.

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Mit einem Schraubenzieher und dem Hammer bearbeiteten wir dann das Skeg, um an das Metallband zu kommen. Das mit Aerosil verstärkte Epoxy, das ich letztes Jahr so schön glatt bekam, musste weichen, damit wir an die sechs Schrauben ran kamen. Die Bleche sahen danach echt übel aus. An einer Stelle war das Blech zerfressen und gerade biegen ließ sich das mit Sicherheit auch nicht mehr. “Die demontieren wir auch gleich, da mache ich neue hin.” entschied ich. Als wir das untere Ruderlager endlich gelöst hatten, konnte Henning das Ruderblatt nach unten rausziehen.  “Was ist das denn?” wunderte ich mich, “Sieht aus wie Stracciatella-Creme.” – “Ehh, probieren will ich es nicht.” meinte Henning. Eine schaumig-cremige Substanz trat auf der Backbordseite hervor, da wo das Ruderlage angeschraubt war. Weit mehr Sorgen machte ich mir über den langen Spalt, der am Skeg bisher durch das Ruder verdeckt war. “Das soll Rubin am besten gleich mit dicht machen, wenn die das hier eh neu abspachteln, bzw. mit Glasfasergelege machen.” entschied ich. Zum Feierabend brachte ich das Ruderblatt zu Rubin, dann war auch für mich Schluss.

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An Pfingsten konnte ich mich dann an die Arbeiten machen. Ich hatte zwei 1m lange 3mm dicke Aluschienen aus dem Baumarkt geholt. Edelstahl gab es nicht in den benötigten Maßen und da ich das Alu gleich mit einlaminieren wollte, bestand auch keine Gefahr, das es sich an der Kontaktstelle mit dem Ruderlager langsam auflöst. Die Laminierarbeit ist jedes Mal ein Unterfangen, das mir scheinbar noch nicht richtig liegt. Nachdem ich die Stellen am Skeg geschliffen hatte, klebte ich die Alu-Leisten mit Tikalflex am Skeg fest. Am nächsten Tag kam ich mit Poly-Laminierharz und mit einer Glasfasermatte. Das Harz war schnell angerührt und aufgetragen. Ich schnitt die Matte in kleine Streifen, und setzte Stück für Stück an. Das Bestreichen mit dem Harz zog wieder einmal einige Fasern aus dem Gewebe, so dass schnell ein nicht zu bändigendes Gestrüpp entstand. Nachdem der Riss vollständig überlaminiert war, ließ ich es noch etwas trocknen. Eine Stunde später war das Harz hart und mit Modellieren war Schluss. Also nahm ich den Exzenterschleifer und schliff das gröbste überschüssige Gewebe ab. Da kam gerade eine Crew eine großen X-Yacht auf den Trailer hinter meinem Boot zugesteuert. Nach 5 Minuten raunzte mich der Älteste der Seglercrew an, das wäre doch GFK und das sei gesundheitsschädlich. Außerdem wäre er zahlender Kunde und zahlt Platzmiete für den Trailer, da hätte er doch ‘Anspruch darauf, dass keine Glasfasern in seinen Trailer fliegen. Ich hielt mich zurück, weil ich da keinen Sinn in einer Diskussion sah. Er würde sich nur noch mehr echauffieren. Nach kurzer Zeit stellte ich das Schleifen ein und musste verärgert registrieren, wie der herbeigerufene Hafenmeister mich um Rücksichtnahme bat und der Schnösel mit einer stinkenden Cohiba die Atemluft verpestete. ‘Aha, fragt sich, was jetzt gesundheitsschädlicher ist.’ grummelte ich innerlich. Mir ist das egal, ob das ein Weltstar der Seglerszene ist, daraus leiten sich keine Sonderrechte ab. Ich muss zusehen, das ich mit dem Skeg fertig werde, bevor die Werft mit der Welle bzw. Rubin mit dem Ruder fertig ist.

Noch letzte Woche, bevor uns die Welle dann ausbüchste, hatten wir eine neue Sprayhood beauftragt, denn erstens war die alte schon leicht brüchig, zweitens teilweise mehr grün als rot und drittens hatte sie zu wenige Kauschen für alle Leinen. Gut, die hätten auch noch in die alte Haube gestanzt werden können, aber der Stoff war nicht mehr sonderlich stabil. Der Segelmacher unseres Vertrauens war Frerichs, direkt in Schilksee am Hafen. Auch wenn etwas teurer als andere, uns war aber eben wichtig, dass er vor Ort war und außerdem kannten wir ihn ja schon. Als ich mit Henning das Ruder ausbaute, fiel mir auf, dass da nicht nur die Welle fehlte, jetzt war auch die Sprayhood verschwunden. “Ach, na dann hat er bereits angefangen.” stellte ich befriedigt fest. DSC_0212Als Neuerung hatten Heike und ich mit dem Segelmacher besprochen, das wir optional Windschutzplanen an die Sprayhood knöpfen können. Von der Kuchenbude waren noch die Druckknopfanker vorhanden. Das ließe sich doch gut nutzen. Meine Zuversicht, das alles zum Törn fertig sein würde, wuchs Stück für Stück.

Eine Woche nach dem Ausbau des Ruders wurde ich dann wieder unruhig. Ich bekam überhaupt keine Rückmeldung von der Werft. Und jedes mal, wenn ich am Boot war, sah es am Skeg unverändert aus. Heike riet mir, nachzufragen und Druck auszuüben. Mag ich zwar nicht, aber es schien nicht ohne zu gehen. Also fuhr ich zur Werft und hakte nach. “Wie sieht es aus?” – Teile sind bestellt und kommen Anfang nächster Woche. Donnerstag können wir kranen und Freitag ist Abnahme durch Volvo.” sagte der Mechaniker. “Ihr wollt doch auch noch die beschädigte Stelle am Skeg machen, nicht wahr? Bitte macht das nicht auf den letzten Drücker. Jetzt ist da wenig Betrieb und das Wetter ist gut.” mahnte ich eindringlich. “Ok, wir fahren gleich hin.” Gut. das war erledigt. Und es tat sich ein Lichtblick auf. Wenn das Boot Donnerstag ins Wasser käme, dann hatten wir das erste KiWo-Wochenende zum Segeln. Jetzt musste ich noch Rubin Bescheid geben. Hoffentlich hatte er bereits angefangen. Ich fuhr nach Altenholz und ging in seine Halle. Da lag mein Ruder unübersehbar . . . ganz nackt, d.h. es war komplett abgeschliffen. “Na, das Ruder kenne ich doch. Gab oder gibt es Probleme?” fragte ich. “Nein, aber die Saison hätte das Ruder nicht überstanden.” Er zeigte mir warum. Einige altersbedingte Schwachstellen hätten sehr wahrscheinlich zur Auflösung des Ruders geführt. “Oh! Das ist ja dann noch mal gut gegangen. Und das hier?” ich zeigte auf die untere Ecke des Ruderblattes. Da war offensichtlich mal was ausgebessert worden, und zwar nicht wenig. Eine Fläche, 20x20cm groß, bestand nicht aus den Hartschaumplatten, sondern aus laminiertem Glasfasergelege. “Ja, da muss mal was weggebrochen sein. Ist aber schon länger her.” sagte Rubin. Mmmh, also wurde das Ruder schon mal ‘gestresst’. “Wann bist du fertig? Donnerstag wird die Welle montiert sein und dann soll das Boot gleich zu Wasser.” – “Schaffe ich. Montag oder Dienstag ist es fertig.” Sehr gut! Ich holte mir noch ein paar Tipps ein, denn die neuen Leitbleche am Skeg wollte ich einlaminieren und mein erster Versuch sah nicht berauschend aus. Ganz uneben und wellig. Am Abend hatte ich es dann aber geschafft. Nur noch Abspachteln, Glätten, Grundieren, Gelshield und Antifouling, dann war das Skeg fertig.

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Jetzt musste auch ich fertig werden. Vor allem stand für mich Elektrik auf dem Programm. Solarzellen neu anschließen, Wasserhahn und Licht in der Pantry instand setzen, eigentlich das Licht auf der kompletten Backbordseite.  Wenigstens weiß ich jetzt, das es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit korrodierte Litzen sind, die den partiellen Stromausfall verursachen. Kupfer oxidiert eben und wenn die Anschlussstellen nicht luftdicht versiegelt sind, dann kommt Seeluft ran. Schon zum Mäusemelken, die Elektrik an Bord. Aber mit dem Tipp vom AWN-Fachmann hatte ich bereits den Plotter wieder in Gang gesetzt.

Immer noch viel zu tun.

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Havariedetektiv

Der Schreck ist allmählich verarbeitet und die Neugierde, WAS da eigentlich passiert ist und WARUM, die wuchs immer mehr. Natürlich hatte ich sofort meine eigene Theorie, aber ich bin kein Ingenieur und kein Experte, von daher überschätzte ich deutlich die auftretenden Kräfte, als ich annahm, alles würde miteinander zusammenhängen.

Am Sonntagabend setzte ich mich hin und schrieb meiner Versicherung eine Schadensmeldung. Zusammen mit Fotos war für mich die Sache klar. Doch schon am nächsten Morgen rief mich mein Versicherungsagent an und meinte, ich müsse das mit der Werft klären. ‘Aha, aber dann will ich mit Sicherheit wissen, was genau beschädigt ist und was schief lief.’

Ich rief als nächstes einen Sachverständigen an. Herrn Sabel hatte ich ja bereits letztes Jahr bzgl. dem Wasserschlag kennengelernt. Er sagte umgehend zu und während ich auf dem Weg zu einem Termin in München war, übernahm Heike den Termin mit ihm und ließ ihn an Bord. “Das gebrochene Ruder hat aber nichts mit der Welle zu tun, da ist mit Sicherheit ein älterer Schaden zu Tage getreten.” OHA, fünf Jahre nach dem Kauf kam noch immer eine Leiche aus dem Keller? Da wir nie mit dem Ruder aufgesessen oder wo gegen gestoßen sind, blieb  nur die Vermutung, dass das beim Transport oder einer früheren Havarie passiert sei. Aus der Ferne versorgte ich Herrn Sabel mit alten Fotos und Dokumentationen so gut ich konnte. Am Abend, ich war bereits auf dem Rückweg, telefonierten wir nochmals und er meinte, so ganz könne er sich noch keinen Reim darauf machen.

Am nächsten Morgen wiederholte er nochmals deutlich, dass das Ruder nur zufällig zum selben Zeitpunkt einen vormals erlittenen Schaden jetzt sichtbar werden ließ. MIST! Das bedeutete Kosten für mich. Nicht, das ich der Werft alles in die Schuhe schieben wollte, aber natürlich will ich auch nicht ständig blechen müssen. Ob ich vielleicht wüsste, ob die Welle gekürzt wurde? Oder ob der Wellenflansch abgebaut wurde? Das müsste ich in Erfahrung bringen und hakte daher bei der Werft nach. Zunächst konnte ich da niemand erreichen. Dann  rief mich Herr Sabel an und gab mir den Kontakt zu einem Yachtservice in Altenholz, der gerade nicht so ausgelastet war und eventuell die Reparatur des Ruders noch diesen Monat bewerkstelligen könnte.

Also rief ich Rubin Yachttechnik an und verabredete mich zur Mittagszeit am Boot mit Herrn Rubin. Der kam mit seinem Kollegen und auch sie meinten sofort, dass das Ruder nicht durch die Welle Schaden genommen habe. Sehr überrascht DSC_3645waren sie über die Konstruktion. “Ist ja nur Hartschaum. Und der Riss, ganz geradlinig, wahrscheinlich an der Stoßkante. Wie alt ist das Boot?” -“38 Jahre.” sagte ich etwas zerknirscht. “Dann hat das Material altersbedingt ausgedient.”

Als Herr Rubin mit den Hafenmeistern sprach, schnackte ich mit seinem Kollegen und bekam erhellende Einblicke in die Bootsbaukunde. “Mit welcher Seite liegt das Boot nach Süden? Auch im Winter?” Ich stutzte. Was für Auswirkungen hatte denn die Himmelsrichtung? “Naja, wenn immer die selbe Seite der Sonne ausgesetzt und der Rumpf wie bei Ihnen schwarz ist, dann wärmt sich die Seite eben stärker auf als die Schattenseite und da das Ruder nur aus Schaumplatten gebaut wurde, verzieht sich das ganze, bis die Spannung irgendwann den Riss verursacht.” ACH! Das war ja spannend und klang einleuchtend, aber stimmte im Falle der Rasalhague nicht. Das Ruder weist eine konkave Biegung an BACKBORD auf, also auf ihrer SONNENSEITE. Der Erklärung nach hätte es aber konvex sein müssen, wegen der Wärmeausdehnung. “Es kann aber auch eine Grundberührung gewesen sein. Dafür spricht die Abplatzung hier auf Steuerbord. Da ist mal was gespachtelt worden.” Mmmmh, das war dann die Theorie der bisher unentdeckten Kellerleiche, die nun zum Vorschein kam. Und da beim Kauf auch der Kiel wohl schon einen Vorschaden hatte, war es jetzt mühselig, den genauen Tathergang zu rekonstruieren und damit den Mörder . . . eh Täter zu ermitteln. Letztlich eigentlich auch egal, nur nicht für die Versicherung.

Da ich von seinem Fachwissen angetan war, zeigte ich ihm die Welle und auch, dass das Stevenrohr nach Backbord zeigte. “Das kann durchaus sein. Manche Boote werden absichtlich so gebaut, damit die Welle nach hinten raus gezogen werden kann, oder um den Radeffekt des Propellers zu minimieren.” sagte der Bootsbauer. OHHH! . . . Moment! Da fiel mir ein, dass das Boot mit dem neuen Propeller und dem Volvo Motor jetzt fiel stärker nach Backbord zog, wenn man rückwärts fuhr. ‘Ja klar! Weil der minimierende Effekt ausbleibt, sondern im DSC_0182Gegenteil, der Radeffekt wird sogar verstärkt.’ Das bedeutete, die Welle war Gott sei Dank nicht verbogen. “Die Welle ist aber nicht neu, oder?” fragte er. “Nein. Das ist die alte.” – “Die ist auf. Hier sind Rillen und Riefen drin, total verschlissen.” AHA! War das etwa ein Schlüsselindiz? Wir sprachen noch über die mögliche Reparatur und Herr Rubin versprach mir ein Angebot noch am gleichen Abend zu zuschicken. So lange ich bis Ende der Woche das Ruder selber ausbauen würde, wäre ein Einbau bis zum 28. Juni möglich. UIII! Ein Lichtblick.

Am Nachmittag hatte ich dann endlich mehr Glück und konnte mit dem Mechaniker der Werft telefonieren. “Ihr habt doch die Welle ausgebaut. Habt ihr sie gekürzt?” fragte ich direkt. “Nein, die Welle ist die alte.” Ich sagte lieber noch nichts von meiner Erkenntnis, dass die Welle nicht mehr taugte. “Und habt ihr die Kupplung abgebaut? Also den Wellenflansch meine ich.” – “Ja, den mussten wir tauschen. Wir haben einen kürzeren aufsetzen müssen, denn der war zu lang und passte nicht drauf.” AHA! Das war der Hinweis, nach dem Herr Sabel gesucht hatte.

Klemmflansch mit vier Schrauben
Klemmflansch mit vier Schrauben

Just nach dem Telefonat rief mich Herr Sabel an. “Ich wollte Sie gerade anrufen. Der Flansch wurde getauscht.” sagte ich gut gelaunt, weil ich ihm ein wichtiges Indiz liefern konnte. “Haben sie aber gar nicht.” antwortete Herr Sabel. HÄÄÄÄ? Jetzt verstand ich die Welt nicht mehr. “Aber der Mechaniker hat es mir doch gerade gesagt . . . ” – “Mmmh, es ist aber der alte Flansch drauf. Ich habe gerade die Dokumentationen von Yanmar mit denen von Volvo verglichen. Der Yanmar hat einen Flansch mit zwei Klemmschrauben. Der Volvo hingegen hat vier! Das braucht er auch, weil er mehr Drehmoment hat, als der Yanmar, nämlich 29 Nm im Vergleich zu den 18 Nm. Das hat der alte Flansch so nicht halten können.” – “Aha, möglicherweise haben sie den neuen Flansch montieren wollen, festgestellt, dass der nicht rein passt und deswegen den alten Flansch wieder aufgesetzt.” spekulierte ich. “Oder einen kleineren Volvo-Flansch. Wie auch immer, es ist der falsche Flansch.” bestätigte Herr Sabel. “Da hat man beim Einbau einen Fehler gemacht.”

“Noch Fragen Watson?” – “Nur eine, Sherlock. Wer hat jetzt das Ruder umgebracht?” – “Das was uns alle umbringen wird: Das Alter.”

Mit dem Gutachten kann ich jetzt die Werft informieren und dann kann es  mit der Reparatur losgehen. Auch wenn der Ruderschaden nicht abschließend geklärt werden kann und ich das selbst zahlen muss, bin ich letztlich viel entspannter, weil der Sommertörn doch noch stattfinden kann.

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