Sommertörn 2018 Teil 4 – Das dicke Ende kommt zum Schluss . . .

Tag 13: Montag, 30. Juli

DSC_1305Wir frühstücken in Ruhe, naja soweit die Wespen es zuließen. In Schweden war nicht nur eine Marienkäferplage, sondern auch wie bei uns besonders viele Wespen. Acht der angriffslustigen Insekten hatten wir gefangen, aber es kamen immer wieder welche. Schließlich half nur Abbacken und ignorieren. Da der Wind wieder gedreht hatte und nur schwach mit 2 Bft aus Süd kam, hieß es erneut das Vorsegel zu wechseln. Wir schlugen die G1 an und rechneten auch damit, das Spinnaker heute zum Einsatz zu bringen.

DSC_1319Heike machte noch eine kleine Erkundungstour und entdeckte tatsächlich etwas Besonderes: “Ales Stenar”. Auf dem Hügel oberhalb des kleinen Fischerortes waren 59 Granitbrocken mit neolithischen Gravierungen  die touristische Attraktion der Region. Das erklärte auch, warum busweise Touris angekarrt wurden. Um 600 n.Chr. wurden die Steine in Form eines Bootes aufgestellt und für einen Sonnenkalender verwendet.

Gegen Mittag liefen wir aus und machten uns auf den Weg nach Gislövs Läge. Leider hatten wir keine Seekarten von Mecklenburg-Vorpommern, sonst wäre die Heimreise dort lang gegangen. So mussten wir zwangsläufig dieselben Häfen wie auf dem Hinweg anlaufen. Trotz Spi blieb unser Tempo bei mageren 3-4kn. Der Wind nahm etwas ab und mehr Wolken zogen auf. Um sieben kamen wir an und da Bjarne unter Segel einlaufen wollte, brauchten wir den Motor so gut wie nicht, nur kurz zum Aufstoppen.DSC_1359-EFFECTS

Zum Abendessen machten wir uns zur einzigen Pizzeria im Ort auf. Gislövs Läge ist eben nur ein Vorort von Trelleborg. Auch wenn das Lokal den Eindruck eines Schnellimbisses macht, das Essen ist sehr gut!

Tag 14: Dienstag, 31. Juli

So wie wir am Vortag ankamen, so wollte Bjarne auch wieder ablegen: unter Segel. Nicht, das er eine Aversion gegen den Motor hat, aber er war eben ehrgeizig und wollte die Manöver genauso beherrschen wie ich. Früh übt sich . . . Mit gesetzter Groß zogen wir hinter und ließen uns in den Hafen driften, dann ging die G3 hoch und wir nahmen schnell Fahrt auf. Ein Skipper einer großen Yacht guckte dabei interessiert zu . . . “Vielleicht, weil bei ihm nur alles auf Knopfdruck geht,” ulkte ich. DSC_1396Wir waren gut unterwegs, da rief mit einmal Bjarne: “Da sind Schweinswale!” Tatsächlich! Uns begleiteten zwei Tiere dicht an unserem Backbordheck und ließen sich sogar dabei filmen, aber nur kurz, dann waren wir schon wieder zu langweilig für die Meeressäuger. Der Wind aus Ostsüdost hatte mit 3-4 Bft wieder etwas aufgefrischt und so brauchten wir für die 41,2sm nur wenig mehr als sechs Stunden. Gegen fünf hatten wir Klintholm erreicht.

Angespornt durch seine Erfolge wollte Bjarne auch hier wieder unter Segel anlegen und den Motor eine Pause geben. In der Hafeneinfahrt stand jedoch der Wind zu ungünstig und ich musste den Motor einschalten. Im Hafen noch einen freien Platz zu finden, war äußerst schwierig. Da keine Box mehr frei war, gingen wir am Molenkopf neben einer dänischen Yacht ins Päckchen, jedoch lagen dort alle Boote so sternförmig, dass jeder Zugang zum Steg hatte. DSC_1423Nach uns kamen immer wieder Boote an und umso unverständlicher war es für uns, wie eine große Yacht jede Anfrage zum Längsseitsgehen ablehnte. “Vielleicht wollen sie ja sehr früh los,” mutmaßte ich, “das kann ich dann schon verstehen.”

Tag 15: Mittwoch, 1. August

Als wir gegen acht ausliefen, war die große Yacht aber immer noch da. Früh wollten sie dann wohl nicht los. Vielleicht lag das auch an den Gewittern, die für heute vorhergesagt waren. Die G3 ließen wir angeschlagen, obwohl der Wind etwas schwach für das steife Segel war. Ich hoffte auch auf mehr Wind, der später am Tag kommen sollte. DSC_1432Vielleicht konnten wir das Ganze auch mit Spi-Segeln überbrücken. Tatsächlich reichte uns der Wind aus Westnordwest aber immerhin drei Stunden, bevor ich das Spi setzte. Die Gewitter zogen aller weiter östlich an uns vorbei.

Eine weitere Stunde verging und inzwischen schwächelte der Wind mehr und mehr und nach einer Stunde holte ich das Spi runter. Motor an. Grummel. Der Wind kam zum Erliegen. DSC_1438Klar, denn da kam eine Gewitterzelle genau auf uns zu. Die Ruhe vor dem Sturm. Aber glücklicherweise streifte uns das Unwetter nur und auf der Rückseite war der Wind. Die Vorhersagen hatten bisher eigentlich größtenteils gestimmt, so auch diesmal. Gegen 14:00 Uhr, nach zwei Stunden wasserquirlen, erstarb der Motor und die G3 gab uns auf Kurs 200° wieder 4,6kn Fahrt. Der Himmel hatte aufgeklart und wir waren kurz vor unserem heutigen Ziel. Nur . . . Gedser zu erreichen bei 4 Bft aus Süd bedeutete erst mal um Gedser Landrev zu kreuzen. Obwohl wir alle in den Hafen wollten, machten die ständigen Wenden eine riesen Freude, denn eine Tonne schaffte es glatt viermal ins Logbuch eingetragen zu werden:

14:08 – Kurs 200° FdW 4,6kn

14:45 – r.Tn. Gedser Landrev → 2kbl, Kurs 280° FdW 2,4kn

14:48 – r.Tn Gedser Landrev ← 30m, Kurs 200° FdW 3,1kn

14:49 – Kurs 300° FdW 4,2kn

14:50 – r.Tn Gedser Landrev ← 2m (in Spuckweite), Kurs 200° FdW 4,5kn

14:54 – Kurs 310° FdW 5,0kn

14:56 – r.Tn Gedser Landrev → 2 kbl (nicht mehr in Spuckweite)

Nach der nächsten Wende weigerte sich Heike, die Tonne nochmal zu notieren, obwohl die Jungs kicherten: “Guck mal Heike. Die Tonne ist wieder querab.”

Endlich hatten wir das Wendebecken vor dem Fährhafen erreicht und bargen die Segel. Unter Motor ging es dann in das enge Fahrwasser zum Yachthafen und um 16:13 Uhr war das Boot fest und seeklar zurück.DSC_1444

Tag 16: Donnerstag, 2. August

Die Wettervorhersage war ok, aber die Windprognose nicht. Nordwestwind mit 2-3 Bft, abnehmend. Wir schmiedeten noch am Vorabend einen Segelplan: früh raus, möglichst weit nach Westen kommen, um dann mit Spi bei schwachem Wind auf Südkurs den Belt zu queren. Das sah dann in der Praxis auch gar nicht so verkehrt aus. Morgens zogen wir gleich das Groß und den Spi-Bergesack hoch und warfen den Motor an und ließen ihn bis zu den Molenköpfen laufen, dann segelte Bjarne noch bis zum Ende des Fahrwassers, wobei er so dicht wie möglich an den Tonnen vorbei wollte.DSC_1487 So dicht, das Nils beinahe eine “gepflückt” hätte.DSC_1490 Das machte auch Sinn, denn gerade kam von Achtern die Fähre und brauchte Platz. Also raus aus dem Fahrwasser. Ab da ging es mit 270° wieder unter Motor südlich des Windparks Rødsand weiter bis zum Anfang des zweiten Windparks. Ab hier hielten wir mit gesetzter G1 und Kurs 210° auf Fehmarn zu. Ein klein wenig frischte der Wind wieder auf, aber für das Spi kam er zu weit von vorn, also packten wir das bunte Tuch wieder weg. Mit “am Wind” standen wir rund 2½ Stunden später ca. 4sm östlich von Staberhuk. Ein anderer Segler, der uns schon am Südosteck von Rødsand begegnet war, holte auf und ging Steuerbord achteraus an uns vorbei. Kurze Zeit danach gingen seine Segel runter und er lief unter Motor weiter. Nanu, Windstille? NATÜRLICH! Fehmarn will uns ja nicht. Auch wir mussten die Segel streichen und unter Motor weiter fahren.

Nach rund anderthalb Stunden, kurz vor Staberhuk, fing der Motor an zu bocken. Das klang vertraut, so wie . . . KEIN SPRIT MEHR! “Mach aus, schnell, aus!” rief ich noch. Obwohl die Tankanzeige noch Viertelvoll anzeigte, kippten wir 10 Liter nach und ich entlüftete gleich den Motor. Nach einer Weile taten mir die Fingerknöchel weh, da die Kraftstoffförderpumpe hinter den Zahnriemen zwischen Kraftstofffilter, Kühlwasserpumpe und Brennkammerblock sitzt und der Hebel nur mit verbogenen Fingern zu erreichen ist. “Versuch es mal.” sagte ich zu Heike, doch der Motor wollte nicht. Entlüften auf See ist ein Mist! Aber da die Rasalhague ja ein Segelboot ist, konnten wir wenigstens weiter segeln. Bloß . . . sehr weit kamen wir nicht . . . schließlich braucht man dafür was? Klar, WIND! Hinter Staberhuk verschluckte die Landabdeckung jeglichen Lufthauch und die Wasseroberfläche wurde spiegelglatt. Guter Rat war teuer, also holten wir die Paddel des Schlauchbootes hervor und ruderten ins nächste Windfeld, nur um mit ansehen zu müssen, wie auch hier die Flaute die See glättete und uns den Schweiß auf die Stirn trieb. Die Jungs paddelten wieder und ich entlüftete weiter.

Plötzlich ein Aufschrei! “Wind kommt auf.” Und gleich noch einer: “Das Paddel ist über Bord gegangen.” OCH NÖ! Notgedrungen musste Heike das bisschen Wind für eine Wende verwenden. Näher als 20m kamen wir nicht mehr heran. Bjarne zog sich seine Badehose an und schlüpfte in den Palstek der Heckleine, aber die war nicht mehr nötig, denn inzwischen war auch der letzte Lufthauch vorbei und wir trieben nicht mehr ab. Er stieg ins warme Wasser und schwamm los, sah aber das Paddel nicht und ließ sich von uns lotsen. Mit dem Paddel kam er dann glücklich zurück.

Uns half das Paddel aber nicht weiter, denn bis Burgtiefe waren es gut und gerne 6sm und mehr als 0,2kn bekamen wir nicht drauf. Als ein Motorboot in der Nähe vorbei brauste, winkte Heike es heran. Ich war äußerst vorsichtig, wollte ich doch keine horrenden Abschleppkosten riskieren. Es gibt ja Geschichten, die einem Bootseigner die Haare zu Berge stehen lassen und das Wasser in die Augen treiben, von wegen Bergegeld und Ansprüchen usw. Zum Glück war das Boot von der DRLG und die Hilfe “selbstverständlich”.  Ich gab eine lange Vorleine über (dreimal Wellenlänge konnte ich mir sparen bei Null Wellen), DSC_1503allerdings hatte der Bootsführer das nicht oft gemacht, denn der gab erst mal Vollgas und zog uns mit beachtlichen 5,6kn, dass die Bugwelle nur so rauschte. Der kleine 60PS Außenborder qualmte bereits kräftig und so stoppten wir auf, um die Schleppverbindung zu optimieren. Mit weniger Tempo und ohne Qualm ging es dann rein in den Hafen. Die eigentlich kritische Phase kam noch, denn unsere hilfsbereiten Retter waren keine Schleppprofis und daher wussten sie auch nicht, wie und wann die Schleppverbindung zu lösen sei. Wir trieben mit Restfahrt auf eine freie Box zu und wären beinahe von der Schleppleine herum geholt worden. Ich rief und gestikulierte, aber wegen dem Außenborder verstand man mich kaum. Gerade rechtzeitig kam die Leine los und mit Bootshaken gelang es uns die Heckleinen auf die Dalben zu legen. Auf der Pier standen genug Leute, die uns annahmen und anschließend darüber sprachen, wie bescheiden es ist, ohne Motor anlegen zu müssen. Stimmt, aber auch das sollte man können, denn jeder Motor kann ausfallen. Mit “bringt uns ein Sixpack Bier vorbei” brauste die DRLG wieder davon.

Puuh, wir waren im sicheren Hafen, das war ja noch mal gut gegangen.

Tag 17: Freitag, 3. August

Nach dem Frühstück machte ich mich ans Entlüften. Ich baute zunächst die Lichtmaschine ab, um dann den Kraftstofffilter ausbauen zu können. Mein stundenlanges Pumpen hatte den Filter gerade mal zu einem Sechstel gefüllt. Heike schüttete vorsichtig Diesel in den Filter und ich montierte die Leitungen wieder, verlor aber zwei Dichtungsringe aus Kupfer, die unter den Motor fielen. Heike flitzte zum Laden und holt mir 5 neue . . . für 8,10 €! WUCHER! Nach dem Zusammenbau lockerte ich die Entlüftungsschraube und pumpte mir dann immer noch einen halben Wolf, bis endlich Luftbläschen an der Schraube auftauchten und schließlich etwas Diesel austrat.DSC_1517 “Na also”, dann entlüftete ich noch die Zuleitung zur Brennkammer, indem ich den Dekompressionshebel drückte und manuell kurbelte. Auch hier trat nach ein paar Bläschen Kraftstoff aus. Prima! Nachdem ich alles wieder zusammengebaut und die Abdeckung vor den Motor gehängt hatte, wollte ich den Motor auch starten. Ich steckte denn Zündschlüssel rein und drehte . . . NIX! NANU? Kein Piepen? Es blieb mucksmäuschenstill. Da tat sich rein gar nichts, NULLKOMMANIX!

Oh weh! Was war denn jetzt wieder? Da weder ein Kontrolllämpchen anging, noch ein Piepsen zu hören war, vermutete ich das Problem an der Stromzufuhr. Allerdings waren alle anderen Verbraucher versorgt, wie das laufende Radio belegte. Mmmh, die Starterbatterie? Nein, die war doch neu und die Ladekontrolle zeigte auch voll an. Nachdem ich die Hundekoje freigeräumt hatte, kroch ich rein und besah mir den Kabelbaum hinter dem Motorpanel. Das sah in Ordnung aus. ‘Aber Moment! Warum ist das hier so nass?’ OH NEIN! Während ich am Motor schraubte, hatte Heike das Boot gereinigt und die Plicht abgesprüht und muss dabei so doll gespritzt haben, dass auch die neue Abdeckung nichts mehr brachte. Als alles von der Hundekoje runter war, guckte ich in den Batterieraum und dahinter. “AAAAAAAH” rief ich, denn die Bilge hinter dem Batterieraum war eine Handbreit hoch mit Wasser gefüllt. Über den Kabelkanal hatte das Wasser auch den Weg in den Batterieraum gefunden und stand da nun ein paar Zentimeter hoch unter den Batterien. MIST! Glücklicherweise waren aber alle Kabel und alle Kontakte trocken.

Im Hafen war ein Motorenservice, doch bevor ich mir einen teuren Handwerker wortwörtlich ins Boot holte, wollte ich es wenigstens mit einem kostenlosen Ratschlag von ihm probieren. “Mmmh, klingt nach der Sicherung.” AH, ja das hatte ich mir schon gedacht. Nur wo war die Sicherung? Mit der Dokumentation des Yanmar-Motors versuchte ich weiterhin das Problem zu lösen. Da hingen ja auch zwei lose Kabel rum . . . aber hingen die nicht da auch schon vorher? Dann entdeckte ich einen Kabelbaum, der über zahlreiche bunte Kabel verfügte. Ich konnte ein paar Adressen identifizieren und verfolgte ein rotes Kabel bis zur . . . SICHERUNG! Gut versteckt hinter dem Kraftstofffilter. DA, DA WAR AUCH DIE URSACHE! Eine Ader war mitsamt dem Kabelschuh abgerutscht. Da konnte der Motor ja auch gar nicht anspringen. Ich steckte den Stecker wieder drauf und probierte den Anlasser. Mit Hilfe des Startersprays rüttelte sich der Motor wach und ich hielt den Atem an. Er lief. Noch einmal Schwein gehabt! “Ok, dann trommle mal die Anderen zusammen, wir können los.” sagte ich zu Bjarne und machte den Motor wieder aus. SCHWERER FEHLER! Beim nächsten Anlassversuch ging er wieder aus. Ich entlüftete noch mal, aber da war nichts zu machen. Schlimmer noch, mit der Zange drehte ich die Entlüftungsschraube der Kraftstoffzuleitung dicht und überdrehte sie dabei. Plötzlich fiel ihr Kopf ab. OH MIST! Und der Motorladen war bereits geschlossen.

Nach 7 Stunden in den Bootseingeweiden gab ich am Abend entnervt und völlig durchgeschwitzt auf. Dann eben morgen ein Ersatzteil besorgen.

Tag 18: Samstag, 4 August

Noch vor dem Frühstück ging ich zum Motorladen und fragte den Verkäufer nach einer Hohlschraube mit Entlüftungsschraube. “Wenn, dann in unserem Laden in Burgstaaken drüben.” Aha, na super! Sollte ich 5km zu Fuß laufen? Mir fiel ein, dass eine Arbeitskollegin in Burg wohnte und lud sie spontan ein, sich bei der Gelegenheit das Boot anzuschauen und bat sie um den Gefallen, mich nach Burgstaaken zufahren. Wir frühstückten erst mal und keine 5 Minuten später stand meine Kollegin auf der Pier. In Burgstaaken bekam ich eine Hohlschraube, allerdings ohne Entlüftungsschraube.DSCPDC_0003_BURST20180804123940232_COVER Das würde auch gehen, da war ich mir sicher, denn das Entlüften ließ sich auch mit der Hohlschraube bewerkstelligen. Für die Schraube blechte ich nur 2 €, fuhr wieder zurück und versuchte die neue Hohlschraube einzusetzen. Das ging aber nicht. NANU? Ich hatte doch Gewinde und Steigung verglichen, warum passte die denn nicht? Bei genauerer Betrachtung musste ich feststellen, dass die neue Schraube einen halben Millimeter dicker war. VERFLUCHT!

Der Wind blies mit 4-5 Bft aus NW, nicht gerade die beste Windrichtung, wenn man nach Westen wollte. Aber welche Option hatten wir denn noch? KEINE! Also konnten wir auch unter Segel nach Hause fahren.

Ruckzuck war das Boot klar zum Auslaufen. Mit gesetztem Großsegel zogen wir uns in der Box hinter, während einer auf der Pier den Bug mit verlängerter Vorleine im Wind hielt. Nicht ganz leicht, aber glücklicherweise waren neben uns einige Boxen frei, so dass wir Raum für so ein Manöver hatten. Endlich waren die Heckleinen los und wir raus aus der Box. Der Bug klappte nach Backbord ab und mit raumen Wind nahm die Rasalhague etwas Fahrt auf. “Und rum!” sagte ich zu Bjarne. Er halste über Backbord und mit nicht ganz 2 kn ging es aus dem Hafen. Bevor wir in die Rinne einschwenken konnten, kam ein Segler unter Motor von Steuerbord. Ich bedeutete ihnen, sie sollten ihre Fahrt drosseln und rief “Wir können nur unter Segel raus.” Die Antwort machte mich sprachlos: “Dann fahrt doch schneller.” Natürlich machte er keine Anstalten, langsamer zu werden. Im Gegenteil: er erhöhte das Tempo, um vor uns ins Fahrwasser zu kommen. “Was ist denn das für ein . . . ?” ich sprach es nicht aus, doch Nils vervollständigte meinen Satz: “Riesenarsch.” In der Rinne zum Hauptfahrwasser konnten wir auf Backbordbug segeln, allerdings mehr schlecht als recht. Wegen dem Idioten kamen wir nicht auf die rechte Seite und verdrifteten durch den Wind dann auch noch auf die linke Seite. Genau dort war aber die Hafenmauer. “Fender raus an Backbord! Schön aufpassen!” Bjarne wollte immer wieder in den Wind gehen, um von der Mauer wegzukommen, doch verloren wir damit Fahrt. “Halte den Kurs. Schön weiter so.” Wir kamen der Mauer immer näher. Ich bereitete mich schon auf das Abfendern vor, aber dann sah Bjarne, dass das bisschen Bugwelle von der Mauer reflektiert wurde und uns auf Abstand hielt. Nicht viel mehr als ein Schuhkarton hätte dazwischen gepasst. Mit der Tiefe passte das auch gerade so. Wären wir hinter der Mauer nach Backbord aus dem Fahrwasser gegangen, hätte es geknirscht. Die letzte Tonne des abzweigenden Fahrwassers konnten wir schnibbeln, da hier die Tiefe gegeben war. Bjarne drehte über Backbord und langsam glitten wir ins  Hauptfahrwasser, wo Heike gleich das Vorsegel – die GI – setzte, damit wir mehr Fahrt aufnehmen konnten. Hinter uns rauschte der Ego-Segler von eben heran, der nicht abgekürzt hatte. Dann kam uns auch noch ein Motorboot entgegen. Der Fahrer gestikulierte wild, weil wir auf der linken Seite langkrochen, anstatt uns rechts zu halten. Aber auch nur weil uns gerade der Idiot von vorhin – jetzt mit gesetzten Segeln aber immer noch unter Motor – wieder regelwidrig an Steuerbord überholt hatte, also luvwärts und uns damit den Wind nahm. ‘Was ist denn heute nur los?’ dachte ich.

Als wir das Fahrwasser dann verlassen konnten, legte sich die Rasalhague auf Backbordbug und jagte mit 6kn zum Fehmarnsund-Fahrwasser. OH WEH! Der Wind kam genau aus Richtung Brücke, unter der wir durch mussten, und das Fahrwasser ist verdammt eng. Außerdem war eine Menge los auf dem Wasser. Alles, was schwimmen konnte, war draußen. Das machte die Kreuz nicht leichter. Eine erste Wende verlief etwas langsam, zeigte mir aber, dass die GI uns zu viel Höhe kosten würde. “So schaffen wir das nie! Die Genua muss runter. Vielleicht reicht uns das Groß.” meinte ich zu Heike. Also ging die Genua wieder runter und allein unter Großsegel, das wir mithilfe der Bullenstander extrem auf “Hart am Wind” trimmten, konnten wir uns mit zwei, drei Schlägen schon etwas an die Brücke heranpirschen. Glücklicherweise war neben dem Fahrwasser noch Platz und ausreichend Tiefe vorhanden, so konnten wir zwischen den einzelnen Wenden immer genug Fahrt aufnehmen. Ein kleinerer Segler kreuzte ebenfalls das Fahrwasser zur Brücke hoch, war uns aber bereits um zwei Schläge voraus und hatte neben Groß auch eine Genua gesetzt. Als sich der Abstand zusehends vergrößerte – der Segler war inzwischen vier Schläge voraus – und wir gerade nach einer Wende auf Backbordbug mit kaum mehr als 3kn “dahinkrochen”, wollte ich die Genua wieder dazu nehmen. Heike heißte auf und siehe da, jetzt ging es auch für uns viel besser voran. Bis zur Brücke hatten wir uns auf einen Schlag Rückstand wieder heran gekämpft, da wir gut getrimmt höher an den Wind konnten. Bjarne, Nils und Heike hatten sich prima eingespielt. DSC_1518Auf mein “Klarmachen zur Wende!” kam ein dreifaches “Klar zum” zurück. Die Wenden wurden immer besser und schneller, so dass wir kaum Fahrt verloren. Hinter der Brücke konnten wir dann endlich mit 260° einen längeren Schlag laufen und im Nu hatten wir den kleineren Segler eingeholt.

Was jetzt folgte, war aber nicht minder anstrengend. Die 30sm nach Hause wurden zu einer elenden Kreuz! Der Wind nahm zu und die Wellen auch. Während der Durchschnitt vielleicht bei einem Meter war, kamen zwischendurch immer wieder Kaventsmänner von anderthalb oder zwei Metern. “Kaventswelle” rief Nils, und das Vorschiff wurde überspült.  “Lass uns mal das Vorsegel wechseln.” meinte Heike. Es war 19.00 Uhr und der Wind frischte weiter auf. Ich drehte in den Wind, die Arbeitsfock ging hoch und die Genua wurde an die Reling gebändselt. “Jetzt krängt das Boot nicht mehr so, oder?” fragte Bjarne, dem die Schräglagen immer noch nicht geheuer waren. “Nein, das bleibt so, nur können wir höher an den Wind.” Bei einer schnell durchgeführten Wende holte das Boot kräftig über. Unten schepperte es. Heike verschwand unter Deck und als sie gerade wieder ihren Kopf herausstreckte, rief sie: “Oha, die Solarzelle!” Ich guckte hinter. Die Zelle hing nur noch mit den beiden unteren Schrauben am verbogenen Gestell. “OH, Mist!” Heike sicherte die Zelle und verstaute das Modul unter Deck. Da der Himmel bewölkt und die Sonne eh schon untergegangen war, brauchten wir sie auch nicht mehr.

Wir hatten alle bereits unsere Monturen angezogen, denn es wurde kühler und immer häufiger kamen Wellen über. DSC_1526-EFFECTSWeil das Boot auf Backbordbug mit der Back fast im Wasser war,  schleiften wir alsbald die GI im Wasser mit. Ich übergab Heike das Steuer und enterte auf das nasse Deck. Mit Gummibändern zurrte ich das Segel so fest wie möglich an die Reling. Nur eine Viertelstunde später hatte sich wieder eine Brog der GI durch Wind und überkommende Wellen gelöst. Jetzt kletterte Heike auf die Back, um das Segel zu bergen. Ich drehte leicht in den Wind, so dass weniger Druck in der Fock war und sie besser auf der Back hantieren konnte, aber Heike bedeutete mir, ruhig auf Kurs zu bleiben. Als sie fertig war, kam sie hinter und war völlig erledigt. Auch ihre Jacke war durchgeweicht, aber das Segel war geborgen.

DSC_1532In der hereinbrechenden Dunkelheit kreuzten wir uns durch die Hohwachter Bucht, vorbei an Brasilien und Kalifornien und hatten endlich die Leuchtfeuer von Kiel im Blick. Noch einen letzten Schlag nach Norden, dann konnten wir direkt mit 240° in die Strander Bucht einlaufen. Da wir unter Segel in den Hafen mussten, und der Wind immer noch mit 4-5 Bft ganz ordentlich blies, ging die Fock vor der Hafeneinfahrt runter. Hier schwächelte der Wind plötzlich und allein unter Großsegel kamen wir mit 0,3kn nicht rein, da die Abdrift größer war als der Vortrieb. “Die Fock muss nochmal hoch,” sagte ich zu Heike, “zumindest ein Stück.” Ich drehte nochmal ab. Die Fock flatterte ungetrimmt, aber das allein verschaffte uns 2 kn Fahrt. Wir fuhren in die Hauptgasse rein und krochen bis zur Promenade vor. Dort lag ein kleines Motorboot . . . QUER in der Durchfahrt! Zum Ausweichen hatte ich nicht genügend Fahrt mehr. Die Rasalhague schubste sanft das Boot beiseite und wir kamen endlich durch. Unsere Box erreichten wir jedoch mit dem lauen Lüftchen nicht mehr, die Segel gingen runter und mit Bootshaken hangelten wir uns an den Dalben bis zu unserer Box vor. Endlich waren alle Leinen über. GESCHAFFT! Es war 02:30 Uhr und wir völlig platt. Wie gut, das wir hier gleich in die Kojen fallen konnten!

Nach drei Wochen hatten wir rund 620sm dann doch nicht ganz abenteuerfrei bewältigt.

ENDE

Film zum Teil 4: Das dicke Ende kommt zum Schluss . . .

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Sommertörn 2018 Teil 3 – Bornholm und die “Erbsis”

Tag 7: Dienstag, 24. Juli

Von Christian und Andrea, die von Bornholm kamen und über Schweden wieder auf Heimatkurs waren, erfuhren wir ein paar must-have-seen. U.a. wurde der Hafen Hammerhavnen schwer empfohlen. Na, dann nichts wie hin. Der Wind kam weiterhin aus SW und hatte mit 3-4 Bft genau die richtige Stärke, damit wir zügig aber entspannt mit der G1 das Bornholmsgatt und damit das Verkehrstrennungsgebiet queren konnten. Sogar richtig vorschriftsmäßig: mit Kiel im rechtem Winkel zur allgemeinen Fahrtrichtung.

HUI! Hier war was los. Bjarne stand am Steuer und ich guckte nur DSC_0759gelegentlich hoch, ob wir da irgendeinem zu nah bzw. in Quere kamen. Aber hauptsächlich war ich damit beschäftigt, aus “Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär” vorzulesen. Als ich heiser zu werden drohte, übernahm Heike und las weiter. Nach einer Weile braucht auch Heike eine Pause, aber weil es gerade soooooo spannend war, musste ich dann wieder von Kakertratten, Lügengladiatoren und Haifischmaden vorlesen.

Gegen halb fünf standen wir vor Hammerhavnen und mussten noch einem Fischernetz vor der Hafeneinfahrt ausweichen. Segelbergen und rein in den Hafen. Drinnen war es voll und kein freier Platz in Sicht. Gerade kam ein Boot aus dem Innenhafen und rief uns zu, dass dort eine Box frei sei, aber nur mit 2,80m Breite. Okay, na das passt gerade so. Bjarne steuerte uns in den inneren Hafen und achtete auf die Wassertiefe. Ich ließ ihn das Boot ausrichten und rein ging es. Denkste! Das waren keine 2,80m! DAS WAR WENIGER! Zwischen Rumpf und den Metallschwimmern war kein Platz mehr. Der Rumpf steckte fest. Die Fender passten auf keinen Fall mehr rein, aber wir DSC_0774hatten ja Fenderkissen, die man dazwischen klemmen konnte. Ich kletterte auf den Schwimmer . . . und sank bis zu den Knien ins Wasser. Der Y-Steg rutschte unter das Boot und mit ihm auch ich. So bekam ich allerdings das Kissen dazwischen. Auf der anderen Seite war ein Fender unter den Schwimmer geraten. Als ich mich nun hinausbegab, um das Fenderkissen zwischen Rumpf und Metallarm zu klemmen, flog mit einem Mal der Sicherungssplint der oberen Reling raus und prompt sanken Bjarne und ich auf dem Schwimmer noch tiefer. Schnell das Kissen dazwischen und schon klemmte das Boot sicher und ruhig in der Box. Was nicht passt, wird passend gemacht . . .

Vor dem Abendessen liefen wir hoch zum alten Steinbruch, in dem jetzt große Seen mit imposanten Klippen vor allem Möwen als Nistplatz dienen. DSC_0810Früher wurde hier Granit abgebaut, im Mittelalter für die Burg Hammershus, später für Kopfsteinpflaster in Kopenhagen und anderen Städten.  Von da war es dann auch nicht mehr weit bis zum Leuchtturm Hammerodde, von dem man einen schönen Rundumblick hat.

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Tag 8: Mittwoch, 25. Juli

Heute war Pause angesagt, also schliefen wir aus und gingen nach dem späten Frühstück zu Fuß zur Burgruine hoch. Abseits vom Wasser und vom Wind wurde es sehr schnell brütend heiß.   DSC_0903 Der Aufstieg zur Festung tat sein übriges. Jeder Schatten war willkommen, aber schlimmer noch war der Durst! Im nahe gelegenem Foyer mit Bistro gab es erst mal eine Erfrischung.

Durch eine interessante und abwechslungsreiche Landschaft liefen wir die paar Kilometer auf die Ostseite rüber. DSC_0918In Allinge wollten wir etwas Frischkost einkaufen. Am Hafen entdeckten wir jedoch eine Fischräucherei mit großem Büffet und ließen uns gleich zum Abendessen dort nieder. Die “Nordbornholms Røgeri” können wir nur empfehlen, sehr lecker! Auch das hiesige Bier.

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Nach dem Einkauf ging es anschließend entlang der Straße nach Sandvig und die drei Kilometer zurück nach Hammerhavnen.

Tag 9: Donnerstag, 26. Juli

Das Ablegen war weniger problematisch als das Anlegen in dieser Box. Wir flutschten quasi wie ein Korken raus . . . nur nicht so schnell. Vor dem Hafen waren noch mehr Fischereizeichen, aber da es schnell tiefer wurde, waren die Netze keine Gefahr. Unser Kurs ging um die Nordspitze herum und dann mit 090° direkt auf die Ertholmene zu. Unser Tagesziel: Christiansø. Der Wind kam mäßig mit 2-3 Bft, Tendenz abnehmend aus Nordwest, also eigentlich ideal, jedoch krochen wir fast zwei Stunden mit nicht mehr als 3,5kn entlang. Gegen 13:00 Uhr zog es immer mehr zu und nur zwanzig Minuten später fiel die Sicht unter 200m: NEBEL! Der Wind kam fast vollständig zum Erliegen und wir konnten gerade noch einen anderen Segler ausmachen, der ebenfalls nach Christansø wollte. “Dann machen wir mal den Motor an.” seufzte ich. Schon wieder eine längere Strecke unter Motor, denn noch waren es rund 6sm bis zu den Erbseninseln. DSC_0954Eine halbe Stunde später lichtete sich der Nebel wieder, doch der Wind blieb mau. Also weiter unter Motor. Die “Erbsis” – wie Nils sie nannte – kamen endlich näher und kurz vor vier hieß es dann auch: “Klarmachen zum Einlaufen, Fender an Steuerbordseite, Boot geht längsseits ins Päckchen.” DSC_0959Der Hafen war bereits gut gefüllt und in Ermangelung an Boxen musste man sich mit ins Päckchen legen. Wir gingen längsseits an ein Boot aus Stockholm und waren das dritte Boot. Später kam noch ein kleines Boot aus Polen, das an uns festmachte.

Schon beim Einlaufen in den Sydhavn merkten wir die ganz besondere Stimmung auf diesen Inseln. Auf Fredriksø, der kleineren Insel, spielte eine Band in einem Biergarten. Die Musik war im ganzen Hafen zu hören, da dort alles sehr überschaulich ist. Gerade mal 78 Einwohner zählen die  felsigen Inselchen, die erst mit dem DSC_0970Festungsbau 1684 dauerhaft besiedelt wurden. Lustigerweise gehören die Inseln bis heute nicht zu Bornholm, sondern sind direkt dem Verteidigungsministerium unterstellt, obwohl die Festung 1855 aufgelöst wurde und eigentlich nur noch von Zivilisten bewohnt wird. Prompt bekam ich auch eine Rüge, als ich mit meiner Selfie-Drohne ein paar Luftaufnahmen machen wollte. Natürlich filmte ich weiter, landete aber und just als der Quadrocopter aufsetzte, sagte der Däne: “oh, they are so fantastic . . . “.

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DSC_1077Heike hatte derweil mit Bjarne die gesamte Insel erkundet, das dauerte auch nur eine halbe Stunde, aber hinterließ einen bleibenden Eindruck. Übrigens ist das Mitbringen von Haustieren nicht gestattet, da es einige endemische Tierarten gibt, die geschützt sind.

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Tag 10, Freitag, 27. Juli

DSC_1127Wir mussten Christiansø früh verlassen, denn der Kai wurde für das Versorgungsboot benötigt. An der Pier stapelten sich dementsprechend leere Bierfässer und Paletten. Der Wind hatte zugelegt und kam aus Nordost mit 4-5 Bft. Da wir mit raumen Wind segeln würden, entschied ich dennoch die G1 zu setzen. Um halb zehn waren wir bereits raus und die Segel gesetzt.

09:27 – Kurs 190°, FdW 6,5kn

09:55 – Kurs 180°, FdW 6,6kn

12:22 – G.Tn. Sandhammer Rev Ost → 20m, Kurs 200° FdW 5,9kn

12:28 – Klarmachen zum Segelbergen, G1 ↓, Kurs 240° FdW 4,9kn

12:35 – Kurs 310°, FdW 4,2kn, Ansteuerung Snogebæk Havn, Motor an

12: 38 – Kurs und Fahrt nach Weisung, GS ↓

12:43 – Boot hat Snogebæk Havn, Außenmole festgemacht, Boot seeklar zurück

             zurückgelegte Distanz: 20,3sm

Für den Hafen von Snogebæk hatten wir uns entschieden, weil die Jungs unbedingt in einen kleinen Hafen einlaufen wollten, der mitten im Wasser stand, rund 200m von Strand entfernt und nur über eine Brücke erreichbar war. Die Ansteuerung war wieder eine Deckpeilung und diesmal konnte Bjarne auch einwandfrei Ober- und Unterfeuer ausmachen. Trotz Wellenbrecher war der Liegeplatz an der Außenmole unruhig. Zunächst dachte ich daran, längsseits festzumachen, doch schnell erkannten wir, dass man da mit Bug an der Pier und achtern an einer Boje festmachen musste. Ich stoppte das Boot auf, doch durch Drift waren wir von der Boje bereits zu weit weg. Neuer Anlauf. Diesmal klappte es besser und Heike konnte unsere Heckleine durchfädeln. Das eigentliche Drama mit diesem Liegeplatz begann dann aber erst. Nach drei Stunden hatte der Wellenschlag das Boot so lange aufgeschaukelt, dass die Backbordvorleine am Eisenring ständig schamfilte und riss. Heike war gerade zugegen und sicherte danach das Boot mit dreifacher Leine. Glücklicherweise hatte ich zwei neue Leinen immer als Ersatz dabei. Außerdem waren auch noch zwei alte Leinen an Bord. Da der Wind immer weiter zunahm, wurde der Liegeplatz immer ungemütlicher und einen anderen konnten wir nicht nehmen, weil nur hier an der Außenmole genügend Tiefe vorhanden war. Mit jeder Welle ging ein Ruck durch das Boot und ließ Bjarne und mich das schlimmste für die Leinen befürchten. So viele Ruckdämpfer hatten wir nicht, was nun?

DSC_1179Vom Nachbarboot guckte sich der findige Bursche eine einfache Lösung ab. An der Pier hingen Autoreifen an Ketten. Also fädelte er die Leinen durch die Ketten anstatt durch die Ringe auf der Pier. Das Gewicht der Autoreifen wirkte wie eine Feder, die gespannt werden muss und somit ruckte das Boot nicht mehr und wir konnten später dann auch ruhig schlafen.  Vorne waren wir mit sechs Leinen gesichert, hinten reichten zwei aus.

Den Nachmittag verbrachten wir zur Freude von Nils am Strand. Das Wasser war herrlich warm. Ganz ungewöhnlich für die Ostsee.

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Der Abend sollte mit einem besonderen astronomischen Ereignis gekrönt werden, doch sah es zunächst nicht vielversprechend aus, da es ziemlich dunstig war. Ich hatte mich schon damit abgefunden, das Spektakel nicht sehen zu können, da sagte unsere Nachbarin: “Did you see the blood moon?” – “No, it’s too misty.” antwortete ich. “Sure, there he is.” Sie zeigte auf den Himmel. Tatsächlich schälte sich ein blasser orangeroter Vollmond aus dem Dunst, der sich immer mehr auflöste. Schließlich war der Mond sehr deutlich kupferfarben am Himmel zu sehen und just darunter auch rötlich leuchtend Mars, der zur selben Zeit seine größte Erdannäherung hatte. Sehr beeindruckend!

Tag 11: Samstag, 28. Juli

Am Morgen mussten wir dann feststellen, dass alle sechs Vorleinen ernste Schäden durch Schamfilung aufwiesen. Eine weitere Leine war in der Nacht durchgerieben worden. OHAUAHA! Das war nicht gut. Glücklicherweise konnte man eine Leine noch verwenden, aber ab sofort mussten die Liegeplätze um einiges ruhiger sein. Noch so eine Nacht und wir hätten keine Leinen mehr!

Gegen halb eins ging es endlich raus, den wir wollten unsere Umrundung von Bornholm fortsetzen und auf die Westküste verlegen. Da der Wind weiter auf Ost gedreht hatte und inzwischen deutlich ruhiger daher kam, konnten wir südlich der Insel das Spi setzen und vorm Wind segeln. Doch kurze Zeit nach dem Setzen verhedderte sich das Segel mal wieder am Vorstag und wickelte sich inklusive Bergeleine darum. Weder Bergen noch Ablassen war nicht möglich. Mühsam mussten Heike und ich das Segel eindrehen, damit es sich nicht mehr aufblähte. Erst jetzt ließ es sich um das Stag zurück wickeln und dann endlich konnte man es damit Bergesack runterholen. Fast eine Stunde kämpfte ich mit dem Spi auf der Back und verlor dabei meine Skipper-Cap, bevor wir es sauber klariert wieder setzen konnten. Das Handling will echt geübt sein und beim Segeln muss man tierisch auf den Trimm achten, denn wenn es sich einmal anfängt einzudrehen, dann hilft meist nur noch Bergen.

Um halb sechs standen wir vor Rønne, dem Hauptort von Bornholm. Unser Ziel lag etwas nördlich, der Yachthafen Nørrekås, der zwar zu Rønne gehört, jedoch deutlich ruhiger ist, da die anderen Möglichkeiten vom Fährverkehr beeinträchtigt sind. Erst mal verschwanden die Jungs zum Baden, DSC_1209dann gab es im “Cafekaas” direkt am Hafen ein Eis und später tapertern wir in den Ort hinein, auf der Suche nach einem dänischen Lokal und landeten im “Texas”, eine urige Bar mit gutem Essen, aber so gar nicht dänisch.

Tag 12: Sonntag, 29. Juli

Um noch etwas von Rønne zu sehen, entschieden wir uns für ein Nachtsegeln, oder besser gesagt: ein In-die-Nacht-Hineinsegeln. Nach dem späten Frühstück liefen wir bei schönstem Wetter in die Stadt und machten einen kleinen Zwischenstopp in einem Café in der Fußgängerzone. Eigentlich, so der Plan, wollten wir ins “Ishus”. Bereits am Vorabend hatten wir dort eine lange Schlange gesehen, so beliebt war die Eisdiele. Auch Hinweise aus dem Netz sprachen von einem lohnenden Besuch, aber dann gewann doch der Durst und verlockende Belgisk Wafler og Fløde.

Am frühen Nachmittag kehrten wir zum Boot zurück und bereiteten das Auslaufen vor. Der Wind hatte wieder zugenommen und kam mit 4 Bft aus West. Mmmh, das würde ein Hart am Wind mit der Fock sein. Ich schlug das Tuch an und gegen 14:00 Uhr liefen wir dann aus. Bjarne steuerte im Vorhafen so lange in den Wind, bis wir beide Segel gesetzt hatten, denn die Hafeneinfahrt war recht dicht am Strand und die Brandung nicht gerade gering. Bei den Wellen musste da keiner auf der Back rumturnen, wenn es sich vermeiden ließe.

DSC_1279Ystad ließ sich nicht direkt ansteuern, dafür kam der Wind nicht genug aus südlicher Richtung. Wir liefen mit 320° die schwedische Küste an, leider nicht ganz so vorschriftsmäßig >mit Kiel im rechten Winkel zur allgemeinen Fahrtrichtung< durch das VTG Bornholmsgatt, denn das war bei dem Wind nicht möglich. Glücklicherweise störte es auch niemand, denn der Schiffsverkehr ging glatt vor und hinter uns durch. Die Wellen wurden höher und höher und der Wind steifer. Plötzlich machte es “Plock” und ich sah noch im Augenwinkel einen Gegenstand bei den Backbordwanten über Bord gehen. OH SCHRECK! Oben im Topp war alles vorhanden! Oh nein, die Kamera! Wir hatten eine wasserdichte Actioncam mit Gelenkarm und Adapter mit dem doppelseitigem Klebepad an den Mast geheftet, aber der ständigen Vibration im Mast und dem Salzwasser hatte der Kleber nicht standgehalten. Hätte ich das mal lieber mit einer Leine zusätzlich gesichert. Naja, bei der Actioncam handelte es sich um eine Hyundai Eagle Eye, die gerade mal 20 € kostete. Das konnte ich verschmerzen. Wie gut, das ich jeden Abend die Fotos und Filme auf den Laptop zog, so gingen uns auch nicht die Aufnahmen verloren.

Gegen Abend zog es sich immer mehr zu und der Wind ließ nur wenig nach. Um sieben ließ ich wenden, damit wir uns der schwedischen Küste entlang nach Westen hangeln konnten, aber mit 180° war kaum an ein westlichen Kurs zu denken. Das kam uns aber auch recht, weil wir östlich der Untiefe vor Sandhammaren standen. Mit längeren Schlägen kreuzten wir uns nach Westen vor. DSC_1293Gegen 21:12 Uhr beobachteten wir den Sonnenuntergang und die Positionslichter gingen an. Bjarne zeigte ich die verscheidenen Methoden, den Ort zu bestimmen und er übte ein bisschen. Ystad war außer Reichweite bei dem Wind. Da wären wir die ganze Nacht am Kreuzen gewesen. Also hatten wir schon recht früh beschlossen, Käseberga anzusteuern.

Der Hafen bot bei Westwind guten Schutz, war aber nicht leicht bei Dunkelheit DSC_1302anzusteuern. Das Leuchtfeuer war erst aus etwa drei Meilen auszumachen. Die Einfahrt war schlecht beleuchtet und daher ließ ich den Scheinwerfer gleich bereitlegen. Bjarne ging vorsichtig beim Ansteuern vor und Heike und ich lotsten ihn dann zwischen den Molenköpfen durch. Dahinter befand sich ein kleines aber dennoch geräumiges Hafenbecken, in dem nur längsseits Liegen möglich war. Neben der Slipanlage war ein freier Platz und ich ließ Bjarne darauf zu halten. Der Anlauf war gut, aber mit Ruder und Maschine reagierte er etwas zu früh. Wir kamen nicht dicht genug an die Pier. Zweiter Versuch. Der war geradezu perfekt. Bjarne ließ spät das Heck rum kommen und stoppte kräftig mit der Maschine auf. Das Boot stand genau richtig. Ein Schwede war extra aufgestanden und half uns beim Leinenhandling. “Vor- und Achterspring ausbringen.” Fertig. Beim Eintrag ins Logbuch war ich dann doch überrascht. Wir hatten 51,9sm zurückgelegt, was aber mit Sicherheit an der Kreuz lag. Da der Hafenmeister um 23:00 Uhr natürlich nicht mehr anzutreffen war, suchte ich den Automaten und fand nur das Schild: “Liegeplatzgebühr bitte beim Parkplatzautomat bezahlen”. HUCH! Auch ein netter Einfall.

Fortsetzung folgt . . .

Film zum Teil 3: Bornholm und die “Erbsis”

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Sommertörn 2018 Teil 1 – Das fängt ja gut an . . .

Was für ein Segeltörn! Soooo schön. Zugegeben, das Wetter hat auch super mitgespielt, sowohl windtechnisch als auch sonnenscheinmäßig. Aber mal von vorn . . .

Zum letzten Mal musste ich quer durch die halbe Republik um meine Jungs abzuholen. Während wir auf See weilten, lief im Hintergrund bereits ihr Umzug zurück ans Meer. Jetzt wohnen sie fast um die Ecke, kaum eine Stunde Fahrt, das ist für uns alle eine große Erleichterung. Die Lütten sind viel öfter bei uns und ich bekomm viel mehr mit, abgesehen davon, dass die Gurkerei ein Ende hat. Vor allem aber können die Jungs jetzt auch häufiger mit uns segeln. Vor dem Törn hatten wir noch zwei Tage zuhause eingeplant, denn die Fußball-WM war noch nicht ganz rum, auch wenn Deutschland schon lange keine Rolle mehr spielte. Am Montag – Frankreich war (gegen unseren Willen) neuer Weltmeister – sollte es dann losgehen, doch neben einiger Verspätung durch Trödelei hatte der Wind scheinbar keine Lust und schon alle größte Mühe selbst den Wimpel auch nur ein kleines bisschen zu bewegen. Die Sonne knallte vom Himmel und es war warm. Bestes Strandwetter. Während Heike mit den Jungs am Strand war und ihr neues Stand-up Paddle Board testete, erledigte ich ein paar Kleinigkeiten an Bord. Zunächst musste das Schlauchboot repariert werden und in der Backskiste baute ich endlich das Trennschott fest ein, so dass die Segelsäcke nicht auf den Kompressor fallen konnten. DSC_0368In der Pantry hatte ich außerdem kurz zuvor noch einen ausziehbaren Rahmen für den Mülleimer gebaut, der noch gebeizt und installiert werden musste. Mich nervte die rumbaumelnde Plastikmülltüte, die dann die Besteckschublade blockierte.

Der geplante Auslauftermin verschob sich also um einen Tag, doch auch der nächste Tag sah windtechnisch regelrecht mau aus. Zwangsläufig blieben wir in Schilksee, badeten, paddelten und nutzten den Strand oder putzten das Boot . . . und das ging am besten vom SUB.DSC_0367 Ja, wir blieben auch gleich da und schliefen an Bord. Wenigstens waren wir besser dran, als ein Nachbarboot, das den Sommertörn mit einer defekten Kraftstoffpumpe begann. Ich war froh, dass unser Motor nun wieder einwandfrei lief, mal abgesehen von den verschlissenen Füßen.

Tag 1: Mittwoch, 18. Juli

WIND! Und das nicht zu knapp: um die 4 bis 5 Bft aus NW! Mmmh, das sah mir ganz nach einen Spi-Wetter aus. Da alles gebunkert und verstaut war, brauchten wir nicht lange und konnten endlich auslaufen. Kaum aus der Hafeneinfahrt raus, drehte Bjarne in den Wind und hoch ging das Großsegel. Nachdem auch die G3 gesetzt war, ging es mit Kurs 064° quer durchs Fahrwasser und zwischen den beiden Sperrgebieten durch in die Hohwachter Bucht. Nils führte das Logbuch. DSC_0372Zunächst versuchten wir mit Schmetterling – für Spi war es uns noch etwas zu viel – eine Weile  zu segeln, doch das Vorsegel wollte nicht so stehen bleiben, denn die Wellen brachten das Boot zum Schlingern und sehr schnell hingen die Lütten in den Seilen, weil sie den Seegang nicht mehr gewohnt waren. Ich baute das Spi auf, damit das Boot stabiler auf raumschots und vorm Wind segeln konnte, aber viel ruhiger wurde es nicht. Tatsächlich war das auch kein sanfter Sonntagnachmittag-ich-geh-mit-meinem-Schatzi-segeln-Törn, denn es frischte auf 5 Bft auf und in Böen waren da auch schon mal 6 dabei. Einmal vom Kurs DSC_0390abgekommen, bestand die Gefahr, dass das Spi in sich zusammenfiel oder schlimmer noch, dass es sich um das Vorstag wickelte. Nach knapp zwei Stunden passierte es dann auch. Das Segel hatte sich samt Bergesack derart vertüdelt, dass wir es nicht mehr frei bekamen. Weder Befreien noch Bergen ging. Zwangsweise musste das Spi wieder runter. Nur wie? Ich fierte die Schoten weit auf und Heike ließ Segel und Bergesack am Fall runter. Jetzt aber lag es wie ein Treibanker im Wasser! Erst nachdem die Schoten komplett runter waren, konnten wir das Segel an Bord holen.

Einmal wollte der Baum umschlagen, weil uns eine Welle vorm Wind drehte, doch der Bullenstander leistete hervorragend Widerstand und hielt den Baum auf, dennoch knackte es und irgendetwas weißes flog weg. Dann sah ich, dass der Schlitten, an dem der Stb-Bullenstander auf der Genuaschiene angeschlagen war, nun kein U-Bügel mehr hatte. Außerdem war eine Rolle eines älteren Blocks gebrochen. Das halbe (weiße) Rad lag im Wassergang an Backbord. Besser das als eine Schädelverletzung. Der Stander ließ sich schnell reparieren und war gleich wieder einsatzfähig.

DSCPDC_0001_BURST20180718121449165_COVERWir erreichten den Fehmarnsund gegen halb fünf und bargen die Segel noch vor dem Fahrwasser nach Burgtiefe rein. Unter Motor legten wir am Rundsteg auf der Innenseite an, allerdings mit Wind von achtern, da alle anderen Plätze belegt waren. Trotz Solarzellen legten wir das Landstromkabel aus und luden die Batterie wieder voll, denn bei der durch Krängung bedingten nicht so effektiven Sonneneinstrahlung reichte die Leistung gerade mal zur Kompensation des Stromverbrauchs vom Kühlschrank aus. Die neue Solarpanelhalterung achtern zahlte sich dabei voll aus, denn es war ganz leicht, die Zelle immer richtig auszurichten und einer achtete garantiert darauf, dass die Zelle ausgerichtet wurde.

Tag 2: Donnerstag, 19. Juli

Heute stand die Querung des Fehmarnbelts auf dem Plan. DSC_0479Mit Gedser wollten wir einen vor zwei Jahren gemiedenen Hafen anlaufen und nachsehen, ob sein Ruf wirklich so übel war. Der Wind hatte etwas abgenommen und kam weiter aus Nordwest. Dennoch setzten wir lieber die DSCPDC_0001_BURST20180720121051917_COVERFock. Mit Fahrt um die 4,5 – 5 kn ging es an Staberhuk vorbei und mit Ostkurs direkt auf die Südspitze von Falster zu. Am Nachmittag nahm der Wind immer weiter ab und um an Fahrt nicht zu verlieren, wechselten wir das Vorsegel und die G1 ging hoch. Zunächst ging es auf Schmetterlingskurs, aber die Genua fiel immer wieder ein. Also nahm ich den Spibaum und klinkte die Lee-Schot ein. Es ging, obwohl der Baum doch recht lang ist! Doch nur 20min. später wechselten wir den Kurs und kamen kurz vor sieben an der Gefahrentonne “Schønheyders Pulle” vorbei. Für die knapp 30 sm brauchten wir sechseinhalb Stunden. Die Ansteuerung von Gedser entnahmen wir dem Hafenhandbuch und beschlossen im Wendebereich der Fähre unsere Segel zu bergen. Gerade rechtzeitig, denn kaum dass wir in das enge Fahrwasser zur Marina einbogen, setzte die Fähre mit dreimal kurz zurück und wendete im Becken. Der Hafen von Gedser ist nett angelegt, daran konnte es also nicht liegen, dass er nicht so beliebt war. Auch der Fährhafen ist nicht zu laut. Wir stellten aber schnell fest, dass dort der Hund begraben ist, denn außer dem Fährverkehr ist in Gedser nichts los. Die Suche nach einem Restaurant ergab nur zwei Alternativen. Das “Najaden” direkt in der Marina, das allerdings etwas teuer war, und ein Imbiss nur 10 min. zu Fuss entfernt. Wir entschieden uns für letzteres und waren angenehm überrascht.

Tag 3: Freitag, 20 Juli

DSCPDC_0001_BURST20180720104040953_COVERWind und Wetter blieben unverändert:  Morgens war es wolkenlos bei 4Bft aus Nordwest. Um die Südspitze von Falster herum, am Gedser Rev vorbei ging es mit Kurs 037° geradewegs auf Klintholm zu. Ich hatte die Kurse auf der Karte vorbereitet und gab meine Kursempfehlung Bjarne, der nur meinte: “Weiß ich schon, ich hab das hier auf dem Plotter schon abgesteckt.” Tja, eigentlich wollte ICH mich mit dem Teil vertraut machen, aber die Jugend von heute ist eben “digital native”, da hat man als Oldie eben das Nachsehen. Mit uns gingen einige Segler auf Kurs Nordnordost und es kamen auch etliche uns entgegen. Die Verhältnisse waren geradezu ideal: Sonne pur und ein perfekter Anliegerkurs hoch am Wind. Gegen Nachmittag ließ der Wind wieder nach, aber wir hatten Klintholm fast erreicht.

DSC_0525Die meisten Anlegemanöver fuhr mein Großer, und das gar nicht mal so schlecht. Nein, um ehrlich zu sein, er machte das sogar ziemlich großartig. Allmählich brauchte ich ihm keine Hinweise mehr zu geben. Auch das Gefühl für Drift, Dreheigenschaft, Geschwindigkeit und Reaktionszeit der Maschine bekommt er bereits. Und das, obwohl er erst in drei Jahren seinen Bootsführerschein machen darf. Klintholm gehört für mich zu den schöneren Marinas, da der Hafen nett angelegt ist und die Sanitäranlagen sauber DSC_0542und ordentlich sind. Keine Großraumdusche, für die man extra zahlen muss, aber den Jungs war das Baden im Meer sowieso lieber. Den Abend ließen wir gemütlich bei Grillwurst und Bier ausklingen und dem obligatorischen und rituellen Vorlesen aus “Käpt’n Blaubär”.

Fortsetzung folgt . . .

Film zum Teil 1: Das fängt ja gut an . . .

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Sie fährt wieder . . . und kam nur 200m weit

Jetzt wissen wir, warum der Motor so geölt hat und warum Wasser in der Bilge war. Doch der Reihe nach.

Am vergangenen Freitag kam sie gegen 10:00 Uhr zu Wasser. Ich stand noch auf der Holtenauer Seite des Kanals, als ich drüben auf der Wik die Rasalhague am Kran hingen sah. Zum ersten Mal, das ich nicht dabei war. Schnüff! Aber so schnell war das Boot dann doch nicht fertig. Unter Deck wurde noch die Bilgenpumpen und der Osculati montiert. Am Oberdeck sah es hingegen noch sehr nackt aus. Der Mast, der Baum, die Sprayhood und der Spibaum fehlten. Ich holte die neuen Beschläge für den Spibaum und montierte sie am Bugkorb und einer Relingstütze. DSC_0187Jetzt steht der Spibaum auch nicht nach außen über und das Deck kann dennoch zum Segelfalten genutzt werden. Auch die beiden Augen für den Spibaumniederholer wurden noch montiert. Heike kam noch mit den Fendern und gemeinsam montierten wir dann die neue Solarzelle auf der Rettungsinsel. DSC_0184Die Wantenspanner schäkelte ich an ihren Püttingen fest, da kam auch schon Hauke und kündigte an, der Mast kommt jetzt an Bord.DSC_0191

DSC_0195Heike filmte während ich den Jungs von der Werft half. Das Riggen ist inzwischen Routine und weil man unter Deck noch immer nicht ganz fertig war (letzte Spachtelarbeiten), zogen Heike und ich bereits die Lazy Jacks auf. Mit eingefädelten Sorgleinen ist das ein Kinderspiel. Anschließend zogen wir noch das Großsegel ein. Dann waren wir endlich soweit. Die Werfteute wollten auch ihre Schwimmpontons aus dem Wasser holen und ins Wochenende. Ich überprüfte die Seeventile, suchte nach den Motorschlüssel und bekam ihn von Lasse, dann konnte es los gingen. Wie immer bangte ich innerlich, ob der Motor überhaupt ansprang. Es dauerte zwar etwas, doch dann erwachte er zum Leben.

Just zur selben Zeit hatte die Schleuse geöffnet, so dass wir nicht warten mussten. Ich gab Gas und wir hielten auf die Schleuseneinfahrt zu. Da kam schon die Lautsprecherdurchsage: “Die Sportboote im Kanal: Zügig in die Schleuse einfahren.” Ein Stottern. Nicht vom Schleusenwärter, nein, nein, sondern vom Motor. Ich gab mehr Gas . . . aber umsonst. Der Motor erstarb und ließ sich auch nicht wieder starten. Wir lagen manövrierunfähig nach nur 200m mitten vor der südlichen Schleusenkammer und trieben durch den leichten Wind auf die 50m entfernte Kaimauer zu. Die Nadel der Treibstoffanzeige hing auf Reserve, also kippten wir den Inhalt der Reservekanister in den Tank und starteten erneut, ohne Erfolg. Da kam schon die nächste Durchsage: “Das Segelboot vor der Südkammer: Gehen sie zurück auf Warteposition.” WIE DENN? Heike versuchte die Werft zu erreichen, während ich unser Dahintreiben kritisch beäugte. Dem Ersatzschleusentor, das dort an der Kaimauer vertäut ist, kamen wir gefährlich näher. Mit Bug voraus legten wir unfreiwillig an der Mauer an, zogen uns dann mit Leinen bis zur nächsten Leiter vor und Heike düste los um Hilfe zu holen. Dabei musste sie um einen Zaun freischwebend über dem Wasser herumklettern und stand dann im Werftgelände vor verschlossenem Rolltor. Mit einer Leiter schwang sie sich rüber und erreichte dann die Werft auf der anderen Straßenseite. Mit Lasse und Viola kam sie dann zurück. Lasse vermutete Luft in der Treibstoffleitung und entlüftete diese dann. Bei einem erneuten Startversuch trat ein Ölwassergemisch am Krümmer aus und Abgase qualmten in den Motorraum. Nach kurzer Suche stellte sich heraus, dass der Auspuffschlauch locker war. Jetzt war auch Simon endlich da, der Motorentechniker der Werft. Er baute den Krümmer aus und stellte fest, dass die Gewindemuffe zwischen Schlauch und Krümmer korrodiert und gebrochen war. Dadurch ist der Abgasdruck, der das Kühlwasser nach hinten und raus befördert, in den Motorraum entwichen und das Kühlwasser in die Brennkammer geraten. Ein sogenannter Wasserschlag. Bei Einkreiskühlsystemen ist das wohl ein bekanntes Problem. Simon legte die Brennkammer wieder trocken und nahm Krümmer und Schlauch mit um die Bruchstelle provisorisch zu schweißen. Lasse hatte inzwischen mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt geklärt, dass das Boot bis Montag dort liegen bleiben konnte. Wir legten noch eine Landstromverbindung und luden die Batterie, dann vertagten wir die Reparatur.

Am Samstag kam ich an Bord, als bereits zwei Techniker der Werft am Motor zugange waren. “Moin, na, wie ist der Stand der Dinge?” begrüßte ich die zwei hoffnungsvoll. “Nicht gut.” Besorgte Gesichter. OHA! “Beim Verdichten von Hand trat Öl aus dem Zylinderkopf aus. Wir vermuten, dass der Zylinderkopf durch den Wasserschlag einen Riss bekommen hat.” OHAUAHA! Mir schwante Übles. Vorsichtig erkundigte ich mich nach den Überlebenschancen des Patienten. “Ersatzteile bekommen wir nicht vor Mittwoch, aber wir bekommen sie. Es besteht aber noch Hoffnung, dass es nur die Zylinderkopfdichtung getroffen hat.” sagte Simon. Also bauten sie den Zylinderkopf aus, eine Prozedur, die mehrere Stunden dauerte. Währenddessen kam Bootsbauer Martin, der uns das Teakdeck verlegt hat und baute den Ankerkastendeckel wieder ein, jetzt mit neuem Stabdeck. Das Oberdeck ist fertig . . . und sieht wirklich SOOOOOOOO schön aus. Dann gab es aus den Schiffseingeweiden Entwarnung: kein Riss am Zylinderkopf! PUUUH. Also “nur” die Dichtung. Dafür sprach auch der Ölverlust im letzten Jahr, denn die Dichtung dürfte bereits rott gewesen sein. Da die beiden Techniker nicht mehr ausrichten konnten, verabschiedete ich sie ins Wochenende und schloss die Solarzelle auf der Rettungsinsel an.

Zuhause setzte ich mich dann gleich an den Schadensbericht für die Versicherung. Ich war nur froh, dass der Schaden jetzt auftrat und nicht erst während des Sommertörns, wo uns kein fachkundiger Rat zur Seite stand.

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Die Werftliegezeit beginnt

Noch letzte Woche lag sie in Schilksee, während die meisten anderen Boote schon bereits hoch und trocken im Winterlager standen, aber nun ist es auch für uns soweit: Die Rasalhague geht erstmals in die Werft zu Dick direkt hinter der Kanalschleuse auf der Wik. Ich hab mich entschlossen, einige Dinge professionell machen zu lassen – auch wenn es finanziell etwas weh tut -, da ich ja noch lange was vom Boot haben möchte und mein Latein und meine Möglichkeiten nun eben mal begrenzt sind.DSC_0006DSC_0004Für die Überführung musste ich früh los, denn der Krantermin war für 13:15 Uhr angesetzt und in der Mail wurde ich vor 1-4 Stunden Wartezeit an der Schleuse gewarnt. Also legte ich mich dann in Holtenau erst mal an den Gastanleger, gerade so, dass ich noch das Schleusenlicht sehen konnte. Anfunken bringt ja nichts, wie wir schon öfter mitbekommen haben. “Warten sie auf das weiße Licht.” kommt dann die Standardantwort. Da einige Frachter in die Schleuse wollten, fing ich schon mal damit an, den Baum abzuschlagen. Ich hatte das Großsegel auf der Back noch nicht zusammen gelegt und gerade den Baum aus dem Lümmelbeschlag genommen, da sah ich mehr als 10 andere Boote auf die Schleuse zu halten. DA! Die Schleusenampel zeigte unterbrochenes weißes Feuer. DSC_0007 Ich schmiss den Motor an und düste los. In der Schleuse angekommen, hatte ich dann wenig Hoffnung, denn ein großes Durcheinander herrschte da, als eine große Yacht quer lag. Egal, dann beim nächsten Mal. Ich hatte ja noch Zeit. Also verlegte ich zurück an den Gastanleger und montierte noch Solarzelle und Rettungsinsel ab, bevor ich dann alle Stagen und Wanten löste. Gerade wollte Heike dazu stoßen, als die Schleuse wieder für Sportboote geöffnet wurde. Ich sah sie die Kanalstraße entlang laufen und winkte. Im nächsten Moment zog ich schon zurück und hielt auf die Schleusenkammer zu. Als letztes Boot kamen wir rein und machten im Päckchen an einer anderen Yacht fest. Hinter uns schloss sich das Schleusentor und dann ging es . . . RUNTER? Ja! Normalerweise wird man ja in den Kanal etwa um 30cm hochgeschleust, doch DSC_0008wir hatten in der Ostsee Hochwasser und so ging es einen halben Meter runter. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete das innere Schleusentor und die Frachter vor uns gingen raus. Dann löste sich der Pulk der Sportboote von der Kammerwand und wir strömten in den Kanal. Nahezu alle wollten zu Dick zum Auskranen. Da das Slippen minutiös geplant war, legte ich mich erst mal wieder an den Gastanleger und wartete . . . und wartete. Gegen 15:00 Uhr klingelte dann endlich mein Handy.

DSC_0010Ich machte los und tuckerte über den Kanal rüber auf die Wiker Seite. Da mein Mast nur noch auf dem Kiel stand und so raus konnte, durfte ich mich gerade noch dazwischen mogeln. Kaum fest, fielen sie wie die Ameisen über die Rasalhague her. Unter anderem kam Hauke (der Meister des Mastlagers)an Bord und staunte: “Der ist ja schon fix und fertig!” Und im Nu war der Mast draußen und oben auf der Kaimauer. Helmut (der Chef persönlich) und Hauke zogen das Boot vor und nur Sekunden später turnten schon vier andere aufs Boot und zogen die Schlingen der Tragegurte unterm Boot durch. Kaum das ich von Bord war, schwebte das Boot auch schon aus dem Wasser und ich konnte endlich einen Blick auf den Kiel werfen. ‘So schlimm sieht er ja gar nicht aus.’ dachte ich noch, doch oben konnte ich dann mehr erkennen. Aber zunächst wurde die Rasalhague mit dem Hochdruckstrahler ordentlich abgespritzt. DSC_0012Die Kielrumpfverbindung hatte leider nicht überall dicht gehalten, was mich aber nach der Grundberührung im Sommer auch nicht verwundert hatte. Am Kiel war eine Delle zu erkennen, aber das war nicht weiter wild. Jetzt ist das Boot ja in fachkundigen Händen.

Dieses Jahr gab mir der Motor etwas zu denken. Immer wieder war in der Motorbilge ungewöhnlich viel Öl. Eine Inspektion tut da sicher Not. Auch die Stopfbuchse braucht eine genauere Untersuchung, denn ich habe den Verdacht, dass das Gros des Wassers in der Motorbilge nicht vom Impellergehäuse kam. Neben meinem Dauersorgenkind, der Kiel-Rumpfverbindung, gibt es noch zwei kleinere undichte Stellen, die nur bei Regen Feuchtigkeit ins Boot dringen lassen. Einmal kommt Wasser über die Püttinge der Steuerbordwanten in den Salon, zum anderen ist der Kasten der Motorkontrolle nicht dicht und es tropft darüber auf die Hundekoje. Hier werde ich aber selber ran gehen, da lediglich abgedichtet werden muss und eine neue Plexiglass-Abdeckung davor soll.

so in etwa soll es aussehen
so in etwa soll das Laufdeck nächstes Jahr aussehen

Aber in erster Linie gebe ich die Rasalhague nicht deshalb in die Werft. Meine primäre Absicht ist es nämlich, das Laufdeck neu machen zu lassen. Der Antirutschbelag ist inzwischen an mehreren Stellen aufgeplatzt und sieht partout nicht mehr schön aus. Mit ein büschen Antirutschfarbe ist es schon lange nicht mehr getan. Schon recht früh hatte ich daher die Vorstellung, dass hier ein Stabdeck aus Teak verlegt werden soll. Ganz einfach deshalb, weil der Ankerkasten und die Plicht mit Teak ausgestattet ist. Klar, Teak ist teuer und inzwischen gibt es mit Flexiteek nette Alternativen in Holzoptik, aber ich finde, dass das eben nicht wirklich an das teak-vs-Flexiteek[1]selbe Ergebnis rankommt. Flexiteek graut nicht aus und wenn das Cockpit aber während der Saison ausgraut, dann sieht das doch komisch aus. Und da die Teakholzbereiche immer wieder geölt werden müssen, bringt mir auch der ausgegraute Farbton des Flexiteeks nichts.

Da das Boot für die Arbeiten auf dem Oberdeck in der Halle steht, werde ich diesen Winter viel machen können, wenn es draußen zu kalt ist. So will ich den Rumpf richtig aufpolieren, diesmal aber mit dem richtigen Papier. Auch will ich das Oberdeck aufhellen. So richtig weiß ist das GFK da nicht mehr.

aus dieser Serie ein 41Wp Modul und ein weiteres 35Wp von Apolloflex, so der Plan

Mit dem Einbau der neuen maßgeschneiderten Halterung für die Solarzelle am Heckkorb ist die Rettungsinsel endlich frei für eine kleine flexible Solarmatte. Dazu kommt dann noch ein begehbare Zelle auf der Dachlukengarage. Dafür muss ich dann auch noch Kabel verlegen und Sperrdioden einbauen. Alles in allem werde ich etwa 136 Watt Leistung durch Sonnenenergie an Bord haben. Ich musste nämlich feststellen, dass der Kühlschrank mit 4,2A mehr Strom frisst, als die bisherige Zelle mit ihren 3,75A maximal liefern könnte. Allerdings konnten wir den Kühlschrank auch jeden zweiten Tag ausschalten, da er so gut isoliert ist, dass er die Kälte einen Tag halten konnte.

VTronix 150mm UKW-Antenne
VTronix 150mm UKW-Antenne

Auch am Mast werde ich einige Veränderungen vornehmen. Am Antennenausleger habe ich bereits den Seilzug für die Fisheye-Kamera montiert. Für das AIS-Radar benötige ich eine zweite UKW-Antenne. Ich hatte zwar zunächst die Idee, das über einen Splitter zu machen, aber das ist unverhältnismäßig teuer. Also eine zweite Antenne. Hat nebenbei auch den Vorteil, das ich eine redundante Lösung für einen Antennenausfall habe. Allerdings muss ich erst mal prüfen, ob ich die zweite Antenne überhaupt in der Mastspitze unterbringen kann. Ich habe mir bereits eine kleinere Notantenne ausgesucht. Ich muss nur das Antennenkabel durch den Mast verlegt bekommen.

Im Boot gibt es natürlich auch Neuerungen, die eingebaut werden müssen. Unser Polsterer wird uns noch Teppich in hellerem Grau liefern, den ich dann auf den PVC-Belag auf der Rumpfinnenseite kleben werde. Damit ist die Vorpiek endlich schön ausgekleidet und genauso werde ich die Seitenwände im Salon und die der Hundekoje verkleiden. Außerdem bekommt auch der Mast endlich seine Teppichmanschette. Zum Einen verspreche ich mir ein angenehmeres Wohnklima, gerade was die Isolierung betrifft, zum Anderen wird die Lichtdurchlässigkeit des GFKs in der Vorpiek dadurch aufgehoben.

Vielleicht bestelle ich mir auch noch eine neue Sprayhood, denn die alte hat dieses Jahr bereits zwei Risse bekommen. Kein Wunder, nach mehr als 30 Jahren ist auch das Material spröde. Und in den ganz dunklen Winterstunden werde ich mir vielleicht aus den Segelresten oder dem Stoff der Sprayhood Relingstaschen nähen, die nur im Hafen an den Bugkorb kommen. Da können dann Schuhe und Schuhbürste deponiert werden, damit mir keiner mehr mit Straßenschuhen an Bord kommt oder mit Segelschuhen im Schmutz rumrennt. OHA! Jetzt kling ich schon wie der Liegeplatznachbar an Steuerbord. Einer, der sich dieses Jahr ein Motorboot gekauft hat. Wegen Straßenschuhen hatte er seine Freundin vom Boot gejagt, hat sie dann aber barfuß doch an Bord gelassen.

Viel zu tun, mal sehen, ob ich alles schaffe . . .

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Unspektakuläre Windjammerparade, dafür beinahe havariert in Bagenkop

Ich war fertig, es war 2.30 Uhr am Samstagmorgen. Die letzten Handgriffe am Boot waren erledigt und alles war aufgeräumt und sauber. Jetzt konnten wir pünktlich zur Auslaufparade endlich wieder Segeln gehen. Das traf sich gut, denn Heikes Schwester Ute, ihre Nichte Mareike und deren Freund Ricardo waren extra zum Mitsegeln bei der Windjammerparade aus Berlin angereist. Mareike – vor zwei Jahren war sie schon mit von der Partie – hatte die anderen zu einem Segeltörn überredet, mal eben nach der Parade nach Dänemark. Ok, warum nicht? Leider musste Heike passen, denn kurz nach einer Kiefer-OP war ihr mehr nach Ruhe.

2017-06-24 (4)

Um kurz nach neun war Auslaufen in Stickenhörn angesagt, denn dahin war ich während der Kieler Woche ausgewichen. Den Kühlschrank hatte ich in der Nacht bereits angestellt und die frischen Lebensmittel waren schnell darin verstaut. Tatsächlich war er bereits eiskalt. Sehr gut! Das bedeutete nämlich, dass der Kompressor selten nachkühlen musste und das wiederum hieß weniger Stromverbrauch.  Das Großsegel hatte ich am Vortag noch abgeholt und eingezogen, jetzt sollte es eingeweiht werden. Welcher Anlass wäre dafür würdiger, als die Windjammerparade bei der KiWo? Wir steuerten die lange Hauptgasse runter bis zur Hafenausfahrt. Vor uns zog ein größeres Segelboot (natürlich vom Kieler Yachtclub) aus der Box und rief uns mit “Hey, hey!” an. Wie bitte? Vielleicht mache ich das demnächst auch mal. Funktioniert bestimmt auch beim Auto, einfach rückwärts aus der Parklücke fahren ohne Rücksicht auf Verkehr und “Hey, hey!” rufen. Ich will mit Sicherheit nicht besserwisserisch klingen oder mich als Regelfetischist outen, ABER mich ärgert immer wieder die Mentalität, dass teure Autos und teure Yachten ein scheinbar serienmäßig eingebautes Vorfahrtsrecht haben. DEM IST ABER NICHT SO, VERFLUCHT NOCH EINS!

Mit großer Geduld und wenig Seglerlatein erläuterte ich jeden einzelnen Handgriff und so war Ablegen und Segelsetzen keine Schwierigkeit. Auch das Richten der untersten Latte, die aus der Halterung am Mast gerutscht war, klappte wirklich gut. Wie fuhren bei etwa 4 Bft – die Windmessanlage war komplett ausgefallen, vermutlich Stromversorgung unterbrochen – auf die andere Seite der Förde und kreuzten vor dem Ostufer auf und ab. Dabei erklärte ich die Abläufe bei Wende und Halse und teilte jedem eine feste Aufgabe zu.

Hey, ein Schwesterschiff der Rasalhague
Hey, ein Schwesterschiff der Rasalhague

An Backbord kam uns einige Segler entgegen und ich stutze, denn da war doch . . . DA WAR DOCH . . . eines dabei, das sah so aus . . . WIE UNSERE RASALHAGUE. Ich halste und folgte dem Boot. Da wir neben Groß auch die Arbeitsfock gesetzt hatten und das andere Boot nur mit Rollfock unterwegs war, holten wir schnell auf. Eindeutig eine Boström! Der Bauch, die Holzzierleiste, das Rigg, und als wir noch näher herankamen, konnte man auch auf dem Süll “Boström B31″ lesen. Der Name . . . den danske pige! ‘Oh, nicht sehr schmeichelhaft!’ dachte ich, weil ich “pige” vom englischen pig ableitete – mein Dänisch ist noch sehr verbesserungsbedürftig -, bis ich mir die Übersetzung ansah: Das dänische Mädchen. Oooops, ok, DAS war völlig akzeptabel!

Kurz vor elf sollten sich die Tall ships vor der Wik sammeln, . . . aber wo waren sie denn? Dass die Gorch Fock noch in der Werft war und deshalb die Thor Heyerdahl die Parade anführen sollte, das wusste ich bereits, aber das kein einziger Windjammer dabei sein sollte, DAS WAR ENTTÄUSCHEND! 2017-06-24 (18)Als zweites Schiff folgte die Mercedes und dann kam die Artemis – beides alte Bekannte. Das restliche Feld riss aber ab und kam auch nicht über Friedrichsort hinaus. 2017-06-24 (39)Auf der Innenförde riegelte die Wasserschutzpolizei die Traditionssegler rigoros ab. Ein Motorboot, das mir schon zweimal vor den Bug rumtuckerte, wurde von einem WaPo-Schlauchboot abgedrängt und kreuzte mir wieder VOR DEN BUG und wollte auch noch langsamer werden. Ich bin ja für ein Motorbootverbot bei der Windjammerparade. Schließlich geht es ums Segeln und nicht ums Wasserquirlen. Wenn ich darüber nachdenke, dann kann man das zwistige und angespannte Verhältnis von Motorbootfahrern zu Seglern mit dem zwischen Auto- und Motorradfahrern vergleichen. Verkehrsregeln scheinen auch nur für die eine Sorte zu gelten.

Schlechtes Material oder schlechte Verarbeitung? Der Segelmacher wird es mir erklären müssen.
windjammer
Nur die Thor Heyerdahl, die Mercedes und die Artemis segelten in die Außenförde

Hinter der Friedrichsorter Enge lief ich mit Nordkurs Richtung Kiel-Leuchtturm. Von da aus sollte es mir 030° nach Bagenkop gehen. Noch bevor wir die Innenförde verlassen hatten, entdeckte ich schockiert einen Riß an meinem nagelneuen Großsegel! Das Unterliek löste sich vom Segel ab! WIE KONNTE DENN DAS PASSIEREN? Ich meine, das war noch nicht viel Wind, denn der sollte erst draußen kommen. Später, bei genauerer Betrachtung im Hafen erkannte ich, dass der Druck auf dem Segel nicht wie bei meinem alten Großsegel auf einem Rutscher lastete, sondern nur auf dem Unterliek. Als ich dann vom Törn zurück war, rief ich in Flensburg beim Segelmacher an und erklärte, was meiner Meinung nach fehlte. Glücklicherweise zeigte sich die Werkstatt schnell bereit, mir den Schaden zu reparieren.

2017-06-24 (49)Der eigentliche Hammer – das Abenteuer – sollte aber erst noch kommen. Die Überfahrt ging für meine Mitseglern nicht sonderlich bekömmlich vonstatten, was aber an 1,5m hohen Wellen und Wind um die 6 Bft lag. Die Fische bekamen zumindest ihren Anteil. Da es zwischenzeitlich heftig regnete, waren die Mädels völlig durchnässt. Heikes Warnung wurde sträflich in den Wind geschlagen. Ohne Karte und Tablet hatte ich mich auf meine Seekarte im Kopf verlassen. 2017-06-24 (41)Bei einem Kurs von 360° bis 010° bekamen wir etwas westlich von Marstal die Südküste Ærøs in Sicht. Der üblich Kurs mit 030° ließ sich nicht halten, denn die Wellen von schräg achtern brachten das Boot dann zum Schlingern und unfreiwillig Halsen wollte ich auch nicht. Jetzt aber hielt ich mit 090° auf Langeland zu und bald konnte ich die ersten schemenhaften Umrisse ausmachen.  Ein dichtes Regenband zog durch und nahm uns jegliche Sicht nach Osten. Während wir mit 7kn auf Bagenkop zuhielten, hoffte ich inständig, dass die Küste wenigstens zwei, drei Kabel vorher wieder sichtbar wurde. Da gibt es ein paar Untiefen und die Steilküste ist auch nicht gerade einladend. Aber alles verlief gut, denn wir kamen unmittelbar vor Bagenkop an. Vor dem Hafen ging ich in den Wind und ließ Mareike die Fock bergen. Dann wollte ich den Motor starten, aber die Batterie war tot, nein BEIDE Batterien waren tot! MAUSETOT! Au weia! Aufschießer mit ungeübten Seglern fahren? Konnte ich den anderen das zu trauen? War das hier im Hafen gut machbar? Ich wagte es – hatte ich denn eine andere Wahl? – und erläuterte das Manöver. Unter Großsegel ging es in den Vorhafen. Ich lief mit Wind von achtern in das Hafenbecken und holte etwa 10m vor der Kaimauer rum. Leider ließ ich das Groß zu früh bergen, denn schwupps war die Fahrt weg und der Wind drückte sofort den Bug rum. WIR GERIETEN IN LEGERWALL. Das Boot trieb auf die Pier zu. Ich rief einem anderen Segler zu, wir bräuchten Hilfe, zu erst in deutsch und als er mich nicht verstand auf englisch. “Fender raus. Vorleine über!” Etwas unsanft, aber abgefendert traf zu erst der Bug und dann der Bauch auf die ROSTIGSTE Pier, die ich je gesehen hab. Schnell band ich die Achterleine um eine Metall- . . . um eine Roststange und versuchte das Boot zu sichern. Die anderen Segler im Hafen kamen mit Kugelfendern und einem Brett angerannt und fenderten uns noch besser ab. Glücklicherweise passierte nicht viel. Ein Relingspfosten war verbogen, die Außenhaut hatte ein paar leichte Schrammen und etliche schwarze Schlieren von den Traktorreifen der Pier und die Überzüge der Fender waren teilweise zerfetzt, zumindest aber schwarz geworden. Großartig, aber hier konnten wir UNMÖGLICH bleiben, denn die Wellen kamen von der Seite und hoben und senkten das Boot an der Pier rauf und runter. Die Leinen wurden wieder gelöst und das Boot von drei Leuten auf der Pier mit den Leinen vorgezogen. Die Pier knickte dann um etwa 80° nach rechts ab und das Boot wurde rumgezogen. Jetzt lagen wir mit der Nase im Wind und ich war deutlich erleichtert. Beim nächsten Stromautomaten machten wir fest und ich lud gleich die Batterie wieder auf. Jedoch war der Ladestrom nicht besonders üppig. Nach einer halben Stunde versuchte ich zu starten, NIX. Nach einer weiteren Stunde ein erneuter Versuch. WIEDER NIX. Ok, dann eben über Nacht vollladen und dann erneut versuchen.2017-06-25 (14)

Der Hafenmeister kam vorbei und empfahl mir, auf die andere Seite der Mole zu gehen. Da wären die Wellen schwächer. Das hatte ich auch vor, allerdings zunächst unter Motor. Mit den anderen Seglern, dessen Hilfsbereitschaft wirklich bemerkenswert war, zogen wir das Boot um die Spitze der Mole auf die andere Seite. Einer schlug vor, so gleich festzumachen, doch ich wollte nicht die Nacht mit dem Heck im Wind liegenbleiben. “Nein, wir ziehen das Boot rum, dann drücken wir das Heck von der Pier ab und lassen den Wind den Rest machen. Es klappt rum und die Nase liegt wieder im Wind. Dann schaukelt es nachts auch nicht.” gab ich zurück. Gesagt, getan und es klappte auch vorzüglich. 2017-06-25 (1)So, fest vertäut mit Vor- und Achterleine, Vor- und Achterspring, angeschlossen an den Stromautomaten, konnten wir die Nacht über bleiben. Freie Boxen waren genug da, aber kaum eine hatte eine ruhige Lage. Deshalb war die Pier hier genauso gut oder schlecht wie die anderen Liegeplätze.

Für das Abendessen hatte ich Spaghetti Bolognese gedacht, öffnete den Kühlschrank und stellte erstaunt fest, wie kalt die Sachen waren, obwohl ich die Verbraucher Stunden vorher abgeschaltet hatte. Der Kühlschrank isoliert also wirklich sehr gut . . . und Stufe 1 reicht völlig aus, denn mit dem Thermostat auf Stufe 7 würde alles gefrieren. Jetzt kam der kritische Punkt, denn wenn die Batterie keinen Saft mehr liefern würde, dann würde der Gasherd auch kein Gas mehr bekommen, da das Fernschaltventil nur elektrisch öffnet. Es reichte aus und auch die 6V zum “Auflassen” des Ventils  lieferte die Batterie während des Kochens. Ich improvisierte etwas beim kochen, da noch nicht alles an Bord war und weihte dann unser neues Geschirr ein. Herrlich! Als ich mich dann eingehend mit dem Batteriestatus auseinander setzte, stolperte ich über eine interessante Sache. Der Batteriemonitor gab schon wieder an, die Verbraucherbatterie hätte 105Ah. Die Fernanzeige der Solarzelle hat aber ein Untermenü, das mir glaubhaftere Werte anzeigte. Nämlich nur 29Ah, die Starterbatterie sogar nur 7,4Ah. OHAUA HAUA HA! Auch die Spannung ließ sich besser ablesen. So lange die Sonne noch schien, lud die Solarzelle die Batterie besser auf, als der Landstromanschluss! Und das auch bei wolkenverhangenem Himmel! Für mich war schnell klar, das zumindest die Starterbatterie ersetzt werden musste. Aber auch die Verbraucherbatterie entlud sich für mein Verständnis inzwischen zu schnell. Da der Wind am nächsten Tag bis 7Bft zunehmen sollte, band ich das Groß vorsichtshalber ins 1. Reff und wechselte mit Ricardo das Vorsegel von Arbeitsfock auf Sturmfock. Das Reff im Groß würde auch das Unterliek entlasten, damit der Riss nicht größer wurde.2017-06-24 (51)

Die Nacht verlief unerwartet ruhig. Der Wind ließ zum Morgen hin nach und es regnete mal wieder. Ich stand um etwa 08:00 Uhr auf und ging dann zum Havne Bageren, besorgte Rundstykker und – auch hier gab es den Schoko-Marzipan-Nusskuchen – eine Torte! So besonders lecker wie die aus Flensburg war die hier nicht, aber es war eine Schoko-Marzipan-Nusstorte! Die Torte sollte am Nachmittag nach dem Einlaufen verzehrt werden. Wir frühstückten und anschließend wagte ich es, den Motor zu starten. Wenn er nicht anspringen würde, dann wollte ich unter Segel nur mit Groß raus. Der Motor wummerte sich wach und mir fiel ein Stein vom Herzen. GOTT SEI DANK! Sicherheitshalber ließ ich aber alle unnötigen elektrischen Verbraucher aus.

Wir liefen aus und beim Gasgeben fiel mir auf, das der Propeller nicht sofort griff. War etwa meine Konstruktion am Klapppropeller sich am Auflösen? Kurze Zeit später, Bagenkop war gerade mal eine halbe Meile hinter uns, machte es “Platsch”. Ich guckte in den Mast hoch und vermisste meine Windex! OCH NEE! Auch das noch! Die Windmessanlage war ja schon ein Tag vorher ausgefallen, jetzt war auch noch die Windex weg. Ab hier ging es nur nach Gefühl. Da der Wind nicht gedreht hatte – er kam immer noch aus West – und wir mit der Sturmfock jedoch keine Chance hatten, einen Kurs von 210° direkt nach Kiel zu fahren, steuerten wir einfach erst mal Südkurs. Mit 180°, manchmal sogar 190°, ging es auf die Küste der Hohwachter Bucht zu. 2017-06-25 (36)Die Überfahrt dorthin war gelinde gesagt feucht, denn die Rasalhague teilte die eine oder andere Welle so kräftig, sodass die Gischt hochstob und dann mit Wucht auf uns im Cockpit niederging. Trocken blieb nur, wer eine Schlechtwetterkleidung hatte. Mareike und Ute hatten erneut mit Übelkeit zu kämpfen, hielten sich aber wacker. Ricardo fühlte sich am Steuer deutlich wohler. Mitten auf See klingelte mein Handy: Migges Danish Bakery aus Flensburg! Ich könne am Montag zwei Torten abholen. UIIIIH! Wie gut, das ich mir bereits vorgenommen hatte, das Segel zurück zu bringen.

Vor uns lagen die Häuser von Kalifornien und Brasilien, also echt weit östlich von der Kieler Förde. Ich wendete und der neue Kurs war erschreckender Weise um die 320°! Das waren 130° zwischen den beiden Schlägen! So viel zur Sturmfock. Etwas später konnten wir die Color Line auslaufend erkennen, d.h. es war etwa drei Uhr. Auf die Frage, wann wir denn einlaufen würden, verkündete ich optimistisch: “Gegen 17.00 Uhr sind wir drin.” Wir kreuzten auf Stein zu, dann wieder auf Kiel-Leuchtturm und als wir endlich ins Fahrwasser einschwenken konnten, da kam uns die Stena Line entgegen. Nanu? Die läuft doch im Sommer um 18.00 Uhr aus, also musste es jetzt etwa 19.00 Uhr sein? TATSÄCHLICH! Wo war die Zeit geblieben? Hätte nicht gedacht, dass das Kreuzen so lange dauern würde.

Gegen halb neun war das Boot seeklar zurück in Stickenhörn. Ein abenteuerlicher Trip mit Schäden, die ich gerne vermieden hätte. Aber besser jetzt, als während des Sommertörns. Meine Mitsegler gingen mit dem Worten “Nie wieder segeln” von Bord. Mmmh, zu anstrengend? “Ja, und zu viel Wind und Wellen . . .” – “Tja, das gehört eben dazu . . . ” Später war aber die Freude und die Begeisterung wieder da, schließlich war der Törn ein echtes Abenteuer gewesen.  Beim Zusammenpacken unserer Sachen guckte Mareike auf die mitgebrachte Torte und sagte: “Die sieht ja ganz anders aus, als Heike sie mir beschrieben hat! Das ist ja eine Rolle.” – “Nein, sie ist rund.” – “Eh, nein, es ist eine Rolle.” Ich guckte nach und . . . das war tatsächlich eine MARZIPANBISKUITROLLE! VERDAMMT, die hatte mir die FALSCHE Torte eingepackt. Später meinte Mareike: “Wenn die richtige Torte genauso gut schmeckt, wie diese Biskuitrolle hier, dann ist sie echt gut.” – “Da liegen immer noch Welten . . . WELTEN dazwischen!” gab ich zurück.

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Normal ist das bei einem neuen Segel nicht, das gab auch der Geschäftsführer zu und versprach mir eine sofortige Reparatur und Verstärkung.

Ein paar wichtige Erkenntnisse konnte ich sammeln. Der Status der Batterien war erbarmungswürdig! Gott sei Dank konnte ich ja noch Ersatz besorgen, auch für die verlorene Windex. Das Großsegel zog ich ab und dabei fiel mir auf, das sich die rautenfömigen Verstärkungen an den Reffaugen bereits ablösten. Der Kleber hielt nicht und die Naht ging auf. Ich fuhr am Montag gleich zum Segelmacher nach Flensburg, zeigte dem Geschäftsführer die Schäden und der versprach mir umgehend eine Reparatur und auch er stimmte mir zu, das ein Schotrutscher das Unterliek deutlich verstärken und entlasten würde. Zusätzlich wolle er mir ein Zeising zum Festzurren des Schothorns geben. Ich konnte in seinem Gesicht ablesen, dass er wohl ein ernstes Gespräch mit seinen Mitarbeitern führen wollte. Ich hingegen war jetzt etwas entspannter und fuhr in Windes Eile zu Migges. Kurz vor sechs, kurz vor Ladenschluss bekam ich nun endlich, endlich die BESTE TORTE DER WELT!

wenn sie nur etwas größer wäre, würde ich ein Kopfsprung reinmachen
Wenn sie nur etwas größer wäre, würde ich ein Kopfsprung reinmachen

Den Ausfall der Windmessanlage und auch der Bilgenpumpe konnte ich schnell klären und den Fehler beheben. Es waren wieder einmal die Kabel aus den Kabelschuhen gerutscht. Diese Klemmtechnik mag ja nett sein, aber bei mir an Bord taugt sie nicht viel. Ich heizte meinen Lötkolben an und verlötete die Kabel mit ihren Steckern, damit da nichts mehr rausrutscht. Und schon zeigte das Display wieder Windwerte an und auch die Bilgenpumpe sprang wieder an. Die Fenderbezüge konnten gewaschen, die Risse genäht werden. Die verbogene Relingsstütze störte erst mal nicht, außer vielleicht optisch. Und mit Schwamm und Reiniger konnte ich schon einige schwarze Schlieren vom Rumpf abwaschen. Alles nicht so schlimm. Die Kratzer im Gelcoat störten mich auch nicht, denn ich hatte ja eh vor, im Herbst zu polieren. Außerdem waren sie nicht tief, das konnte ich auch fühlen. Das neue Großsegel sollte noch vor dem Sommertörn wieder fertig sein, aber sicherheitshalber nehmen wir das alte als Ersatz mit. Glücklicherweise hatte Heike doch noch nicht mit dem Zerschneiden des Tuches begonnen.

JETZT WIRD ALLES GUT!

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Rasalhague goes Solar

Die Solarzelle war endlich eingetroffen. Für mich sind Neuanschaffungen ja wie Weihnachten. Gut, dieses “Geschenk” habe ich mir selbst gekauft, dennoch freue ich mich immer bei so was wie damals als Kind vor der Bescherung. Vor allem freue ich mich – und natürlich auch Heike – dass unsere Rasalhague noch besser und schöner wird.

LeinenManche Sachen müssen ja von Zeit zu Zeit ersetzt werden. So haben wir uns gerade neue Festmacherleinen besorgt. Blaue 14mm FSE Robline “Dockline” ersetzen die alten schwarzweißen Rio-Leinen, die zum einen zu schwach bemessen waren (12mm), und zum anderen zeigten die alten Leinen bereits Anzeichen von Schamfilung.

das neue Bordgeschirr, schlicht und doch stilvoll
das neue Bordgeschirr, schlicht und doch stilvoll

Im Innenbereich trennten wir uns nun endgültig von der Einrichtung, die wir vom Vorbesitzer übernommen hatten, aber aus Zeit- und Geldmangel nicht sofort ersetzen konnten. In den letzten zwei Jahren hatten wir auch andere Prioritäten gesetzt. Mit großer Sicherheit waren die Einrichtungsgegenstände sogar noch vom Vorvorbesitzer. Das Geschirr erinnerte mich ganz gruselig an die altbackenen Zeiten der 80er. Aber dafür hatten wir ja schon Ersatz zu Hause stehen. Beim Anbringen der Folie auf die Teller musste ich unwillkürlich an das Bordgeschirr der RMS Titanic denken. Ok, soooo nobel ist unseres dann auch wieder nicht. Obwohl, . . . stilvoll wird es langsam. images9OUEFIRCDie olle Wetterstation, die eh nicht funktionierte, hat uns den nötigen Platz freigegeben für neue Dekoration, und da hängt jetzt das Brett mit dem Bootsnamen, das Nils angefertigt hatte und unsere neue Schiffsglocke. Na, mal sehen, ob ich das nicht bereue, denn als ich den Jungs davon erzählte, freuten sie sich schon riesig . . . meine armen Ohren, oder ich bring ihnen noch das Glasen bei. Hihi, Heike hatte ich das schon gezeigt . . . drei Doppelschläge und ein halber: “Halb vier? Oder halb acht? Oder halb zwölf? Woher weiß man denn das?” – “Am Stand der Sonne . . .” ich sehe schon, ich werde wohl Heike und die Jungs auch noch im Gebrauch des Sextanten ausbilden müssen. Oh ja, dann auch gleich Astro-Nav mit Sterneschießen (für den Laien: gemeint ist nicht Signalleuchtkugelschießen, sondern “Höhe oder Breite der Sterne mit dem Sextanten messen”). Ein Sternenbild kennen sie ja schon und Nils findet tatsächlich auch unseren Stern.

Alles hat Platz und ist ordentlich untergebracht
Alles hat Platz und ist ordentlich untergebracht

Das Besteck war ein reines Sammelsurium aus verschiedenen Sets und es war eher eine Sache des Glücks, dass jeder Messer, Gabel und Löffel hatte . . . zumindest bei vier Seglern, darüber hinaus hätte man nur in Schichten “Backen und Banken” können. Also hatten wir ein neues Set bestellt, sogar mit Besteckkasten, der in die Schublade passte . . . also nach einem kleinen Umbau der Schublade. Noch Teaköl und Klarlack dran, schon sieht das gar nicht so übel aus.

Bei den Gläsern sah das mit der Verfügbarkeit ähnlich problematisch aus, zumal uns inzwischen auch zwei Weingläser zerbrochen sind, allerdings aus mangelnder Vorsicht und nicht – wie anzunehmen – wegen “schwerem” Seegang, was ja bei unseren Segeltouren und der Vorliebe für viel Wind nicht ausgeschlossen war. Also hatten Heike und ich uns neue Gläser besorgt. Hübsch, . . . aber auch ziemlich groß! ZU GROSS! Aber schon war da eine Lösung parat. Die neuen Gläser bleiben zu Hause und etwas kleinere Weinpokale und kleinere Trinkgläser gehen an Bord. Perfekt! Bisher werden die Gläser im imagesQT5DVIPSSalontisch gelagert, aber für sechs Weingläser würde das nicht mehr reichen. Im Gründl-Katalog hatten wir Weinglashalter aus Teakholz gesehen, allerdings nur für zwei oder vier und nicht für sechs Gläser. imagesWRCE7LD7Mmmh, ein zweier und ein vierer Halter würden in das Fach an Backbord reinpassen, aber sah das dann gut aus? Dann sah ich bei AWN einen Halter für sechs Gläser, jedoch zu breit. Daher entschloss ich mich, selbst tätig zu werden. Mit dem Weinglashalter und dem Becherhalter aus der Do-it-yourself-Abteilung der eigenen Garage entstanden zwei doch ganz ansehnliche Werkstücke.

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Und dann kommt demnächst noch der Kühlschrank, denn auch den will ich noch vor dem Sommertörn angehen. Den Kompressor habe ich schon bestellt. Ich werde wirklich noch Bob, der Baumeister . . .

Aber zurück zur Solarzelle. Als ich an Bord war, da packte ich erst mal das Paket aus. Mich interessierte vor allem die Rückseite des Panels von Phaesun und die Anschlüsse. Irgendwie musste ich ja Zurrgurte daran festmachen können. Heike maß schon mal die benötigte Länge der Ripsbänder ab und zeichnete die Stellen an, an denen ich in den Alurahmen der Solarzelle Löcher bohren sollte. Das Festzurren auf der Rettungsinsel war ja eigentlich ganz einfach! In die Ripsbänder presste Heike Ösen ein. imagesDadurch konnten wir die Bänder an den Rahmen fest schrauben. An den Enden der Ripsbänder nähte Heike jeweils einen Streifen mit Kletthaken. An den Zurrgurten der Rettungsinsel wurden dann die passenden flauschigen Gegenstücke genäht. Und zur Absicherung montierte ich noch zwei Haltebügel links und rechts neben die Rettungsinsel, die Heike vorher in Ripsbandschlaufen einnähte. Mit Schnellspannern war die Querverspannung der Solarzelle an den kurzen Stücken befestigt. Das verhindert ein Verrutschen sowohl der Solarzelle, als auch der Rettungsinsel und im Notfall kann die Zelle auch schnell entfernt werden.

Mit dem Modul kletterte ich auf die Back und stellte fest, dass Abmessen so eine Sache ist. SolarDas Modul überlappte ringsum um mehr als nur 1 bis 2cm. WIESO DAS DENN? Ich hatte doch die Maße im Katalog verglichen: Rettungsinsel 730x480x300mm versus Solarmodul 734x535x35mm. In der Länge hätte es doch fast passen müssen.  Mmmh, ich hatte die Rundung der Rettungsinsel wohl geringer eingeschätzt. Egal, denn bei genauerer Betrachtung war es gar nicht schlimm, weil es ganz erheblich das Festzurren und auch die Kabelführung erleichterte. Das Anschlusskabel wollte ich durch das Kabinendach und dann hinter der Verschalung entlang führen. Hierfür musste ich mir dann noch eine zu verschraubende und wasserdichte Steckverbindung bestellen, allerdings wusste ich noch nicht, ob der Stecker zwei oder doch drei Pins brauchte. Der Laderegler hat nur zwei Buchsen, also zwei . . . nein, doch DREI Pins, weil das Modul ja geerdet werden muss! Der Laderegler SunSaverDuo war kleiner als gedacht und auch die Ausführung war bescheidener was die Anschlüsse betraf. Simple Schraubklemmen für die Anschlüsse der beiden Batterien und der Solarzelle, aber auf der Vorderseite! Ich erwog bereits eine Montage IN statt AN der Hundekoje, denn eigentlich wollte ich nicht, dass da viele Kabel offen im Fußraum der Nav-Ecke waren. Auch hier gab es eine einfache Lösung. Unmittelbar neben der Bordaußenwand gab es bereits eine Kabeldurchführung im Kojenunterbau. DSC_0135Der Laderegler passte geradeso da drüber. Jetzt verschwanden die Kabel sofort in den Batterieraum, bzw. hinter den Navtisch und man kommt trotzdem noch einigermaßen bequem an die Einstellung zu Ladeverteilung. Ich vertagte mangels Stecker und mangels der Sicherung für die Batterien, welche ich aber umgehend bestellte.

DSC_0112Dann tauschte ich noch den Schalter des Ankerlichtes aus, denn neulich hatte ich schon den Sicherungsautomaten getauscht und bei einer Querverkabelung mit dem Schalter des Topplichtes ging das Ankerlicht! So fand ich raus, dass nur der Schalter defekt war und nicht der Sicherungsautomat. Ein Bauteil für nur 3 statt 22 Euro! Aber erst mal auf die Idee kommen, na egal, jetzt leuchtet es ja wieder.

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nur die Belegung musste ich mir jetzt noch merken . . .

Einige Zeit später traf das restliche Material endlich ein, nun konnte die Installation endlich losgehen. Ursprünglich wollte ich die Arbeit durch einen Elektriker erledigen lassen, doch nach etwas Lektüre in diversen Foren und der Montageanleitung des Ladereglers traute ich mir den Anschluss an die Batterie selber zu. Ich hatte mir ein zweiadriges Kabel für die Verbindung vom Anschluss der Zelle zum Laderegler und ein einadriges Kabel für die Erdung geholt und machte mich an den Abbau der Deckenverschalung. Das war nicht so leicht wie ich dachte. Als nächstes lötete ich die beiden Kabel an die Einbaubuchse und isolierte das Ganze mit Schrumpfschlauch ab.

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schon wieder ein Loch ins Boot

Mit dem Akkuschrauber bewaffnet, bohrte ich dann ein Loch in das Kabinendach. Dann fieselte ich das Kabel durch das Loch und kittete das Ganze mit Pantera ab. DSC_0131Eigentlich wollte ich das Erdungskabel über die Steuerbordseite in die Mastbilge ziehen, aber dafür hätte ich innen ALLES abbauen müssen. Also zog ich es zusammen mit dem Anschlusskabel quer durch die Salondecke bis über den Navtisch. Dort angelangt, pfriemelte ich mich runter bis zum Fussraum und schloss das Erdungskabel an die Erdung der Batterie und das Anschlusskabel an den Laderegler an. Jetzt kam der knifflige Teil, bei dem mir auch etwas mulmig war. Schließlich sind Batterien ja auch eine Stromquelle. Mit Anschlussklemmen verband ich die Batterien mit dem Laderegler, wobei jeweils bei der roten Ader eine Flachsicherung mit 30 Ampère eingesetzt wurde. Fertig! Testen! Hoffentlich reichte die Lichteinstrahlung  . . . jetzt wurde es spannend. Ja, da war Ladestrom! Der Batteriemonitor zeigte bei laufendem Radio -0,4A statt -0,48 Ampère an. Aber es war ja auch schon spät und die Sonne stand tief. JUHUUU! Ich konnte förmlich die vielen kleinen Solar-Ampèrchens in die Akkus kriechen sehen. Endlich mal wieder eine Installation, die auf Anhieb funktionierte.

DSC_0147Die Montage auf der Rettungsinsel ist eine einfache (Übergangs-)Lösung, da ich noch keine (teure) Installation am Heckkorb vornehmen wollte. Hier lasse ich mir später mal was vom Metallbauer anfertigen. Aber erst mal sind die Zeiten der sofortigen Landstromaufnahme vorbei! Endlich können wir auch mal mehr als nur einen Tag vor Anker liegen. Ein kleiner Schritt für einen Elektriker, aber ein großer Schritt in Richtung Autarkie. Jetzt kann ich nur auf einen sonnigen Sommer hoffen.

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