Herztransplantation im Winterschlaf

Sicherlich haben sich einige gefragt: “Warum schreibt er nicht mehr?” oder “Gibt es denn nichts Neues von der Rasalhague?”

Doch, doch, das gibt es. Doch waren die Neuigkeiten sooooo niederschmetternd, das ich es bisher nicht fertigbrachte, auch noch darüber zu berichten. Zunächst die weniger erfreulichen Nachrichten: Der Sommertörn nach Bornholm war der letzte Ausflug, den die Rasalhague lebend gemacht hat. Danach ging nichts mehr. Warum? . . . Weil der Motor sein letztes bisschen Leben ausgehaucht hatte. Ich bat meinen Mechaniker Simon sich des Motors anzunehmen. Das tat er auch und prüfte gleich mal den Kompressionsdruck, mit dem traurigen Ergebnis, dass die Kompression bei gerade mal 16 bar lag. Der Diesel springt aber erst bei 21 bar an. BLÖD! Der Wasserschlag im letzten Juni hatte Spuren in der Brennkammer hinterlassen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: kleine Rillen, die sich während des Törns vertieften. Durch diese Rillen konnte der Gasdruck also teilweise entweichen und deshalb baute sich der Kompressionsdruck auch nicht mehr ausreichend auf. “Und das bedeutet?” fragte ich Simon. “Nichts Gutes . . . EXITUS.” war seine Antwort. “Man kann zwar die Brennkammer mit dem Kolben ausbauen und ersetzen, aber das wird fast so teuer, wie ein neuer Motor.” Ich musste mich setzen.

AUCH DAS NOCH! Unsere Rasalhague hatte ein todkrankes Herz! Mmmh, das passte mir natürlich gar nicht. Aber ehrlich gesagt, irgendwann musste das so kommen. (Segel-)Bootsmotoren führen ein undankbares Leben. Sie werden nicht permanent genutzt, was Treibstoff, Öl, Kühlwasser und Schmierfett eigentlich nicht mögen. Sie verdicken, klumpen, flocken aus usw. Und vor allem sind die Motoren meistens dem aggressiven Seewasser ausgesetzt, sofern sie keinen separaten Kühlkreislauf haben. So solide und robust der Yanmar YSM12 auch gebaut war, nach 35 Jahren war jetzt Schluss. Ein neuer Motor musste her. Ich bat Simon, nach geeigneten Motoren zu gucken, vor allem weil in der Boström nicht soviel Platz war. Der alte Motor war ja auch eine Besonderheit: ein liegend eingebauter Einzylinder!

Von einem befreundeten Blogger wusste ich, dass Solé einen passenden Motor für die Boström hatte, aber davon rieten mir einige Bekannte und meine innere Stimme ab. “Mehr Ärger als nötig.” Yanmar wollte ich nicht mehr, weil die Ersatzteile nur von einem Importeur angeboten wurden und sehr teuer waren, da sie sonst eben aus Japan angeliefert werden müssen. Ich hatte viel Gutes über BUHK gehört. “Ja, das ist schon was feines, aber eben auch sehr teuer.” Stimmt. Für den Preis hätte ich auch ein neues Boot haben können. Nein, nein, so leicht gebe ich nicht auf. Also was blieb noch? “Volvo Penta mit 20 – 30 PS ist sehr gut, aber für die kleinen Boote überdimensioniert.” sagte mir ein Bekannter. Jetzt kam Simon aber mit einem echt guten Angebot um die Ecke: “Bei A+B Marine Industrietechnik gibt es den Volvo Penta D1-13 für sechseinhalb.” Das lag im Bereich des Erschwinglichen . . . und war wirklich deutlich günstiger als andere Modelle. “Vor allem hast du Garantie. Und wir haben nur gute Erfahrung mit denen gemacht. Der Motor ist gut und mit 13 PS ist er auch nicht zu stark. Außerdem ist es ein 2-Zylinder, läuft also deutlich ruhiger.” Das überzeugte mich. Ich bestellte den neuen Motor und vereinbarte mit Simon einen Einbautermin Mitte Februar. Ein Problem gibt es aber mit dem neuen Herz. Der alte Yanmar ist ein linksdrehender Motor, aber alle Volvo Penta Motoren sind rechtsdrehend. “Dann musst du halt immer rückwärts fahren, lachte mein Vater.” D.h. einen neuen Propeller musste ich mir auch noch besorgen. Gut, damit war der Preisvorteil wieder hin, aber ich hatte ja eh Ärger mit dem alten Klapperatismus.

Bevor der Motor aber ausgebaut wurde, musste das Boot aus dem Wasser! Im Oktober half mir Johannes bei Mastziehen. Das war gar nicht so einfach, da wir ohne Motor unter den Kran mussten. Mit doppelt verlängerten Bug- und Heckleinen gelang es uns, das Boot durch den Hafen zu bugsieren. Glücklicherweise ging kein Wind, so dass wir noch etwas Tageslicht unterm Kran hatten. Zu zweit war das Mastziehen auch zu schaffen und wir waren fast genauso schnell wie zu dritt. Weil die Mastwägelchen bereits in der Halle eingesperrt waren, schulterten wie den Mast und trugen ihn ins Lager. AUTSCH! Am Samstagmorgen war das Slippen, doch Johannes stand nicht mehr zur Verfügung. Mit Bjarne und Nils packte ich das aber genauso gut. Als das Boot dann endlich dran war und am Haken hing, staunte ich nicht schlecht. ‘WO IST DER PROPELLER?’ Ein weißer Klumpen, so groß wie ein Fußball, war an der Stelle, wo normalerweise der Propeller war. Das Boot wurde auf den Bock gesetzt und wir konnten es genauer in Augenschein nehmen. Das war . . . KALK . . . und ließ sich recht leicht lösen. Darunter kam der alte Klapppropeller zum Vorschein. “Papa, was ist das?” fragte Bjarne und zeigte auf schwarze Beulen am Kiel. Die Stellen waren butterweich, schmierig und verkohlt, aber die Substanz ließ sich leicht lösen und darunter kamen rostiger Löcher zum Vorschein. AUWEIA! Ja, am hinteren Ende des Kiel, der eigentlich spitz zuläuft, brach ein ganzes Stück ab! ‘HIMMEL! MEIN KIEL LÖST SICH AUF!’ ich war kurz davor, panisch zu werden.

Ein paar Tage später sah ich mir das gemeinsam mit Lasse an, dem Bootsbauer der Werft. “SO ETWAS habe ich noch nie gesehen!” gestand er. “Wenn das durch unsere Arbeit entstanden ist, dann regeln wir das natürlich. Ich vermute aber, dass das durch galvanische Korrosion entstanden ist.” OHA! Davon hatte ich gehört. Und ich rechnete eins und eins zusammen und bekam DES RÄTSELS LÖSUNG. Jetzt weiß ich auch, warum ich immer eine gewisse Entladung festgestellt hatte! Mit dem Anschließen der Solarzellen an die Batterie musste eine Verbindung zur Erde hergestellt werden. Das ist an Bord der Kiel. Da ich nach dem Sommertörn den Landstrom angeschlossen hatte, lud sich die Batterie zwar auf, aber gleichzeitig floss über den Kiel und die Spundwand des Hafens der Strom wieder ab. Die verkohlten Stellen am Kiel waren Einschlüsse von Schlacke im Gusseisen, die (weil minderwertig) zu erst korrodierten. Und da der Propeller von einer Opferanode geschützt war, bildete sich dort der Kalkklumpen. OH MANN, OH MANN! Rasalhague hatte nicht nur ein todkrankes Herz, jetzt war sie auch noch KOMATÖS!

Glücklicherweise konnte man hier schnell und einfach Abhilfe schaffen. Lasse gab mir Epoxy, mit dem ich speziell diese Stellen behandeln sollte. Außerdem werde ich mir ein Trenngerät besorgen, mit dem Erde und Batterie von einander abgesichert werden.

Inzwischen ist der Winter fast rum und gestern war also der große Tag. Der Tag, DSC_0143an dem ein neues Herz eingepflanzt werden sollte. Das Ersatzorgan kam kurz vor Mittag. Operateur, Assistenzarzt und Anästhesist waren auch dem Weg. Na gut, betäuben musste man den Patienten nicht mehr, er lag ja im Koma. Ich hatte am Vormittag soweit Plane und Gerüst über dem Cockpit entfernt und die Backskiste ausgeräumt, damit man auch von der Seite an den Motor rankam. Als Simon, Fabian und Klaus eintrafen, da schien dann auch die Sonne und lockte viele Menschen zu einem Spaziergang auf die Promenade. Mit Schraubenschlüsseln, Zangen und Klemmen (nur Tupfer und Skalpell fehlten) fielen sie dann über den alten Motor her und zerlegten ihn schon ein wenig. Lichtmaschine, Anlasser und Lufteinlass mit Schalldämpfer lagen ruckzuck draußen. Nach einer Stunde wurde der alte Yanmar vom Fundament getrennt und erst langsam und vorsichtig zum Niedergang hinausbugsiert. Wegen seiner Breite musste er gekippt und gedreht werden, doch dann war er frei und schwebte hoch über unseren Köpfen – und keiner hatte einen Helm auf, au weh! Inzwischen waren einige Schaulustige stehen geblieben. Ein ganz scharfsinniger Passant sagte zu mir: “Kriegst einen neuen Motor rein.” (Pause) “Warum?” – “Hatte letztes Jahr einen Wasserschlag und der Kompressionsdruck reicht nicht mehr.” – “Ja, ja kenn ich.” (Pause) “Reparieren ging nicht mehr?” Ich stutzte . . . tja, warum bin ich denn nicht auf DIE Idee gekommen? Ich lächelte müde und blieb höflich: “Ist fast genauso teuer. Außerdem will ich mit dem neuen Motor mehr Ruhe im Boot haben.”

Dann fiel mir siedend heiß ein, das ich mit Simon noch gar nicht über den alten Motor gesprochen hatte. Ich selber konnte damit ja nichts mehr anfangen. “Nehmt ihr den Yanmar eigentlich mit?” – “Ich wollte dich eh fragen, ob wir dir den Motor abnehmen und verrechnen könnten.” sagte Simon. “Wir suchen nach alten Motoren als Lehrstücke für unsere Azubis.” OH, das ist ja prima! “Gerne!” lachte ich, “das wollte ich euch gerade vorschlagen. Sag mal, kennst du dich mit Propellern aus? Ich hab mich umgesehen und mir sagt der VarioProp von SPW zu.” – “Das ist ein sehr guter Propeller. Teuer, aber sein Geld wert. Wir haben den bei einigen Kunden schon eingebaut und die sind alle sehr zufrieden. Wenn wir den bestellen, bekommen wir Rabatt.” Er zwinkerte, “wir werden uns schnell einig.” Ich lachte. Das war Kundenbindung par exellence.

Der Volvo hing am Haken und schwebte hoch. Ohne Verkannten, Kippen oder Drehen wurde er durch den geöffneten Brustkorb – eh, durch den Niedergang ins Innere gehievt. “Wir sind für heute fertig. Den Einbau mache ich dann nächste Woche.” sagte Simon. “Prima, dann packe ich das Boot wieder ein.” dachte dabei aber daran, das ein Herzkranker wohl kaum ohne neues Herz mal so eben über das Wochenende liegen gelassen wird.

Aber die Rasalhague ist eben nur ein Boot, wenn auch ein ganz besonderes . . .

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Das Drama mit dem Motor . . .

. . . geht in die zweite Runde. Nachdem die Techniker von der Werft den Krümmer, die Gewindemuffe und den Zylinderkopf ausgebaut hatten und ich die Versicherung informiert hatte, hieß es warten. Warten auf die Teile und warten auf den Gutachter. Simon gab mir dann Bescheid, dass die Teile Donnerstag eingebaut werden können. Also rief ich bei der Versicherung an und bekam die Nummer vom Gutachter, der auch prompt mittags die ausgebauten Teile besichtigen konnte. Schnell kam er zum Schluss, dass der Schaden nicht mutwillig herbeigeführt wurde, sondern tatsächlich durch Alter und Korrosion verursacht wurde. “Der hat mal länger gestanden, nicht war?” fragte er. Ich überlegte. “Vielleicht beim Vorbesitzer, aber das liegt jetzt auch schon vier Jahre zurück.” Bei dem Zylinderkopf kam die Frage auf, ob der Motor erneuert werden sollte oder nicht. “Neu? Wieso?” Simon zeigte mir weitere Korrosionsspuren am Einlass und den Ventilsitzen. “So können wir nichts gewährleisten. Er wird aber sicher laufen.” Auch der Gutachter meinte: “Die Motoren sind robust, das bisschen Korrosion macht dem nichts aus, aber ein Fachbetrieb gibt ihnen da keine Gewährleistung drauf.” Ich hatte die Optionen, die Ersatzteile einbauen zu lassen und auf die Gewährleistung zu verzichten oder das Boot wieder aus dem Wasser zu nehmen und den Motor komplett überholen zu lassen, was mindestens einen Monat dauern würde. Die dritte Option wäre ein neuer Motor, aber auch der wäre nicht morgen eingebaut. Also entschied ich mich für die schnelle Lösung, in der Hoffnung, der Motor wäre so robust wie der Gutachter ihn beschrieb.

Gegen halb acht rief mich Simon schließlich an, der Einbau wäre fertig und ich sollte rüber kommen für eine Testfahrt. Das tat ich dann auch. Leider sprang er erstmal gar nicht an. Die Leitung enthielten wohl noch zu viel Luft. Mit Vakuumpumpe, Startspray und viel Geduld gelang dann ein Starten. Aber er ging immer wieder aus. Ein Stunde später bekam Simon ihn dann endlich zum Laufen. Heike kam dazu um beim Verlegen dabei zu sein. Das Wummern des Motors klang schon nicht mehr so hart, doch quickte da irgendetwas. “Vielleicht ist der Keilriemen für die Kühlwasserpumpe zu straff.” meinte ich. Simon schraubte das Impellergehäuse etwas locker. Das Quieken blieb, aber wir versuchten doch eine Probefahrt.

Wir legten ab und fuhren zur alten Schleuse rüber, damit wir dem Schleusenverkehr aus dem Weg waren. Ich drehte gerade an, da ertönte das grässliche Warnpiepen und die Kontrollleuchte für das Kühlwasser ging an. Tatsächlich kam hinten auch kein Kühlwasser mehr raus. “Mach aus, mach aus!” rief Simon. Die Rasalhague trieb Richtung Fähranleger auf der Holtenauer Seite. “Wir können da beim Kransteg vom Yachtclub anlegen.” meinte ich zu Heike. Ohne Motor ging es aber nicht, also warf ich ihn nochmal an. Ich brauchte ja nur einen kleinen Pull. Ein älterer Mann kam angeschlurft und nahm uns an, guckte auf die ganzen Werkzeugkisten in der Plicht und meinte nur: “Das sieht nach Reparatur aus.” – “Motorschaden.” gab ich etwas niedergeschlagen zurück. Während Heike kurz nach Hause flitzte, guckte ich Simon über die Schulter, der gerade die Kühlwasserpumpe zerlegte und den Impeller kontrollierte. “Alles ok.” Beim Zusammenbau rutschte der Keilriemen runter und ich meinte, dass der ja auch eben zu locker gewesen sein könnte. “Vielleicht hab ich die Schrauben nicht richtig festgezogen und durch das Rütteln hat sich die Spannung weiter reduziert.” mutmaßte Simon. Auf jeden Fall starteten wir erneut und der Motor lief wieder. Kühlwasser kam hinten satt raus und die Leuchte blieb aus. “Sieht gut aus. Kein Quieken, kein Piepen, so soll es sein!”

Auf der anderen Kanalseite entluden wir dann das Werftmaterial und wollten dann endlich durch die Schleuse. Inzwischen wurde es dunkel. Wir verabschiedeten uns von Simon, der noch sagte: “Meldet euch, wenn ihr durch die Schleuse seid, so lange warten wir dann hier.” Dann machen wir los und legten am Sportbootanleger wieder an und warten auf das Schleusensignal. Ein Weile verging. “Ob die uns überhaupt sehen?” fragte Heike. “Ruf mal an, dann erfahren wir, ob wir überhaupt noch geschleust werden.” Gesagt, getan. Heike rief an und erfuhr: Eine Stunde Wartezeit. Erst 23:45 Uhr. Puuuh. Wir warteten brav weiter. “Und wenn wir hier bis morgen liegen bleiben?” Also rief Heike nochmal an und hakte nach. “Nee, sie dürfen da gar nicht an Land und müssten morgen bei Sonnenaufgang schleusen.” kam als Antwort. Kurz danach kam über die Gegensprechanlage die Ankündigung, das wir eine Soloschleusung nach der nächsten Ausfahrt bekommen. WOW! Unsere kleine Rasalhague ganz alleine in der zweitgrößten Schleusenkammer der Welt! Wie genial ist das denn? Also warteten wir auf den Frachter, der gerade aus der Nordkammer kam und fuhren dann ein. Beim Anlegen wäre beinahe noch ein Malheur durch ein unorthodoxes Anlegemanöver passiert, denn der Wind klappte uns unfreiwillig um und wir lagen damit verkehrt herum in der Kammer, aber bei der Größe juckt das niemand. Nur lagen wir jetzt jenseits der gelben Linie viel dichter am Tor als zulässig. Auch das juckte niemand. Das Tor ging auf und wir drehten raus. In der Förde sah ich die Lichter eines einlaufenden Frachters und gab daher Gas, schließlich sollten wir uns beeilen. Der Motor heulte auf – das klang schon nicht normal, viel zu hoch, also drosselte ich etwas – und lief vielleicht 10, 15 Sekunden bevor er sich wieder einigermaßen normal anhörte um dann abrupt auszugehen. HEEE? ‘Verflucht, was war denn jetzt wieder?’ Ich startete erneut, aber er ging immer wieder aus. “Oh nein!” ich sah den Frachter auf die Schleuse zu kommen. Wir mussten DRINGENDS weg! Mit Restfahrt trieben wir aus dem Zufahrtsbereich der Schleuse heraus und an der Schleuseninsel vorbei. Puuh! Wir waren aus dem Gefahrenbereich . . . aber noch nicht fest. Wir trieben weiter und hatten noch rund 200m bis zum Tiessenkai. Aber inzwischen sorgte der Westwind für mehr Querdrift als für Fahrt voraus. Ich ließ Heike ans Steuer und brachte die Fender alle an Steuerbord aus. Um mehr Fahrt, vor allem Manövrierfähigkeit zu bekommen, zog ich die Persenning runter und das Großsegel ein Stück hoch. Es wirkte. Heike konnte wieder mehr nach Backbord gehen und fünf Meter vor dem Traditionssegler Jan Huygen holte ich das Segel runter und Heike legte butterweich längsseits an. Der Skipper kam aus der Kajüte und guckte etwas komisch. “Eigentlich ist das kein Liegeplatz für Yachten.” ACH NEE! Wir beschnackten mit ihm kurz was los war und er willigte ein. Als letzte Aktion schrieb ich Simon noch eine SMS, es war halb eins. Sein Kommentar: “So ein Mist!”

Am nächsten Morgen eilte er zum Boot und besah sich das Dilemma. Nach Entlüften der Treibstoffleitung sprang der Motor prompt wieder an. Hatte sich die Entlüftungsschraube bei hoher Fahrtstufe locker gerüttelt und der Motor dadurch Luft gezogen? Ich fuhr zum Boot und wir machten eine kurze Probefahrt. So weit war alles ok, aber . . . “sag mal, ist das normal, dass die Lichtmaschine so extrem heiß wird?” fragte Simon. Uuuuh! Sicherheitshalber baute er sie aus und nahm sie zum Ausmessen mal mit. Hoffentlich kommt da nicht auch noch eine Hiobsbotschaft. Die blieb dann auch Gottseidank aus.

Ehrlich gesagt, langsam bekomme ich den Eindruck, das Universum hat was gegen uns! Allmählich nervt mich diese Odyssee mit dem Motor. WIR WOLLEN DOCH NUR SEGELN!

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Sie fährt wieder . . . und kam nur 200m weit

Jetzt wissen wir, warum der Motor so geölt hat und warum Wasser in der Bilge war. Doch der Reihe nach.

Am vergangenen Freitag kam sie gegen 10:00 Uhr zu Wasser. Ich stand noch auf der Holtenauer Seite des Kanals, als ich drüben auf der Wik die Rasalhague am Kran hingen sah. Zum ersten Mal, das ich nicht dabei war. Schnüff! Aber so schnell war das Boot dann doch nicht fertig. Unter Deck wurde noch die Bilgenpumpen und der Osculati montiert. Am Oberdeck sah es hingegen noch sehr nackt aus. Der Mast, der Baum, die Sprayhood und der Spibaum fehlten. Ich holte die neuen Beschläge für den Spibaum und montierte sie am Bugkorb und einer Relingstütze. DSC_0187Jetzt steht der Spibaum auch nicht nach außen über und das Deck kann dennoch zum Segelfalten genutzt werden. Auch die beiden Augen für den Spibaumniederholer wurden noch montiert. Heike kam noch mit den Fendern und gemeinsam montierten wir dann die neue Solarzelle auf der Rettungsinsel. DSC_0184Die Wantenspanner schäkelte ich an ihren Püttingen fest, da kam auch schon Hauke und kündigte an, der Mast kommt jetzt an Bord.DSC_0191

DSC_0195Heike filmte während ich den Jungs von der Werft half. Das Riggen ist inzwischen Routine und weil man unter Deck noch immer nicht ganz fertig war (letzte Spachtelarbeiten), zogen Heike und ich bereits die Lazy Jacks auf. Mit eingefädelten Sorgleinen ist das ein Kinderspiel. Anschließend zogen wir noch das Großsegel ein. Dann waren wir endlich soweit. Die Werfteute wollten auch ihre Schwimmpontons aus dem Wasser holen und ins Wochenende. Ich überprüfte die Seeventile, suchte nach den Motorschlüssel und bekam ihn von Lasse, dann konnte es los gingen. Wie immer bangte ich innerlich, ob der Motor überhaupt ansprang. Es dauerte zwar etwas, doch dann erwachte er zum Leben.

Just zur selben Zeit hatte die Schleuse geöffnet, so dass wir nicht warten mussten. Ich gab Gas und wir hielten auf die Schleuseneinfahrt zu. Da kam schon die Lautsprecherdurchsage: “Die Sportboote im Kanal: Zügig in die Schleuse einfahren.” Ein Stottern. Nicht vom Schleusenwärter, nein, nein, sondern vom Motor. Ich gab mehr Gas . . . aber umsonst. Der Motor erstarb und ließ sich auch nicht wieder starten. Wir lagen manövrierunfähig nach nur 200m mitten vor der südlichen Schleusenkammer und trieben durch den leichten Wind auf die 50m entfernte Kaimauer zu. Die Nadel der Treibstoffanzeige hing auf Reserve, also kippten wir den Inhalt der Reservekanister in den Tank und starteten erneut, ohne Erfolg. Da kam schon die nächste Durchsage: “Das Segelboot vor der Südkammer: Gehen sie zurück auf Warteposition.” WIE DENN? Heike versuchte die Werft zu erreichen, während ich unser Dahintreiben kritisch beäugte. Dem Ersatzschleusentor, das dort an der Kaimauer vertäut ist, kamen wir gefährlich näher. Mit Bug voraus legten wir unfreiwillig an der Mauer an, zogen uns dann mit Leinen bis zur nächsten Leiter vor und Heike düste los um Hilfe zu holen. Dabei musste sie um einen Zaun freischwebend über dem Wasser herumklettern und stand dann im Werftgelände vor verschlossenem Rolltor. Mit einer Leiter schwang sie sich rüber und erreichte dann die Werft auf der anderen Straßenseite. Mit Lasse und Viola kam sie dann zurück. Lasse vermutete Luft in der Treibstoffleitung und entlüftete diese dann. Bei einem erneuten Startversuch trat ein Ölwassergemisch am Krümmer aus und Abgase qualmten in den Motorraum. Nach kurzer Suche stellte sich heraus, dass der Auspuffschlauch locker war. Jetzt war auch Simon endlich da, der Motorentechniker der Werft. Er baute den Krümmer aus und stellte fest, dass die Gewindemuffe zwischen Schlauch und Krümmer korrodiert und gebrochen war. Dadurch ist der Abgasdruck, der das Kühlwasser nach hinten und raus befördert, in den Motorraum entwichen und das Kühlwasser in die Brennkammer geraten. Ein sogenannter Wasserschlag. Bei Einkreiskühlsystemen ist das wohl ein bekanntes Problem. Simon legte die Brennkammer wieder trocken und nahm Krümmer und Schlauch mit um die Bruchstelle provisorisch zu schweißen. Lasse hatte inzwischen mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt geklärt, dass das Boot bis Montag dort liegen bleiben konnte. Wir legten noch eine Landstromverbindung und luden die Batterie, dann vertagten wir die Reparatur.

Am Samstag kam ich an Bord, als bereits zwei Techniker der Werft am Motor zugange waren. “Moin, na, wie ist der Stand der Dinge?” begrüßte ich die zwei hoffnungsvoll. “Nicht gut.” Besorgte Gesichter. OHA! “Beim Verdichten von Hand trat Öl aus dem Zylinderkopf aus. Wir vermuten, dass der Zylinderkopf durch den Wasserschlag einen Riss bekommen hat.” OHAUAHA! Mir schwante Übles. Vorsichtig erkundigte ich mich nach den Überlebenschancen des Patienten. “Ersatzteile bekommen wir nicht vor Mittwoch, aber wir bekommen sie. Es besteht aber noch Hoffnung, dass es nur die Zylinderkopfdichtung getroffen hat.” sagte Simon. Also bauten sie den Zylinderkopf aus, eine Prozedur, die mehrere Stunden dauerte. Währenddessen kam Bootsbauer Martin, der uns das Teakdeck verlegt hat und baute den Ankerkastendeckel wieder ein, jetzt mit neuem Stabdeck. Das Oberdeck ist fertig . . . und sieht wirklich SOOOOOOOO schön aus. Dann gab es aus den Schiffseingeweiden Entwarnung: kein Riss am Zylinderkopf! PUUUH. Also “nur” die Dichtung. Dafür sprach auch der Ölverlust im letzten Jahr, denn die Dichtung dürfte bereits rott gewesen sein. Da die beiden Techniker nicht mehr ausrichten konnten, verabschiedete ich sie ins Wochenende und schloss die Solarzelle auf der Rettungsinsel an.

Zuhause setzte ich mich dann gleich an den Schadensbericht für die Versicherung. Ich war nur froh, dass der Schaden jetzt auftrat und nicht erst während des Sommertörns, wo uns kein fachkundiger Rat zur Seite stand.

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Feinschliff für’s feine Schiff . . . oder das Ende des Umbau-Wahns

“Na, warst Du schon segeln?” fragte mich neulich ein Kollege in der Mittagspause. Tja, wenn ich auf unser Meilenkonto in diesem Jahr gucke, dann könnte man meinen, es sei April und das erste Wochenende nach dem Slippen und nicht bereits JUNI und schon KIELER WOCHE! Gerade mal 50sm! Das ist NICHTS! Weniger als nichts! Das ist . . . eine SÜNDE! “Och nee, nur drei mal, nicht viel.” Das erstaunte meinen Kollegen doch sehr, kannte er mich bisher als absolut segelbegeisterten alten Seebären, der nur zwangsweise auf dem ungeliebten Festland rumläuft, weil er irgendwie ja auch Geld verdienen muss. Das stimmt ja auch, denn wenn ich könnte, dann . . . aber bis zum Blue-Water-Törn wird noch einige Zeit vergehen. “Und warum denn nicht?” hakte er nach. Ja, warum denn nicht?

Weil wir UNGLAUBLICH viel gewuppt haben. Oder wie unser Nachbar Horst von der Nyx zu seiner Tochter neulich sagte: “Die machen in einem Jahr dass, was ich in zehn gemacht habe.” Na, mal sehen was da alles war (nach dem Slippen):

    • neue Kissenbezüge genäht
    • Vorhänge genäht und aufgehängt
    • Tischsets gehäkelt
    • Nils’ Holztafel mit Schiffsnamen montiert
    • Schiffsglocke eingebaut
    • Weinglashalter gebaut und montiert
    • Teppichmanschette für Mast und Teppichstücke bestellt
    • Becherhalter gebaut und montiert
    • Gasanlage umgebaut und Prüfung bestanden
    • Kühlschrank selbst gebaut und in Betrieb genommen
    • Windmessanlage instandgesetzt
    • Ankerlicht instandgesetzt
    • Solarzelle installiert
    • Zurrbänder für Solarzelle genäht
    • Bilgenlenzanlage eingebaut
    • 3x 12V Steckdose ausgebaut und in eigene Steckdosenleiste eingebaut
    • Gasfernschalter eingebaut und angeschlossen
    • Kühlschrank angeschlossen
    • 2x USB Steckdose eingebaut und angeschlossen
    • Radio neu abgesichert und auf Wippschalter gelegt
    • alten Frischwasserpumpenschalter ausgebaut
    • Frischwasserpumpe auf Wippschalter gelegt und neu abgesichert
    • Schwimmleine mit Rapp-Rolle installiert
    • UV-Schutz für Schwimmleine genäht
    • Frischwasseranlage überholt und neue Schläuche eingezogen
    • Absperrhahn eingebaut
    • Fusspumpe ausgebaut und zweite Frischwasserpumpe eingebaut
    • Scharnier vom Toilettendeckel ausgetauscht
    • Lüftungsgitter unter den Kojen im Salon eingebaut
    • Lazy Jacks installiert
    • Reling gekürzt und Sicherheitsleine eingesetzt
    • Halterung für Ersatzgasflasche montiert
    • Halterung für Lifelines und Rettungstalje installiert
    • Markierungsboje an Reling montiert
    • alte Leuchtstoffröhre in Pantry entfernt
    • neue LED-Lampen mit Bewegungssensor in Pantry montiert
    • neues Großsegel bestellt und eingezogen
    • Nav-Schapp verkleinert und Instrumententafel erweitert
    • Nasa MeteoMan installiert
    • SunSaver Fernanzeige installiert
    • Bilgenschotts eingebaut
    • neue Wasserarmatur in der Nasszelle eingebaut
    • Segelabweiser montiert
    • Wantenspanner-Schoner aufgezogen
    • Bug- und Heckwappen und Schriftzug gemalt
    • Steuerrad gereinigt
    • Landanschlussdose ausgebaut und neue eingebaut
    • Flaschenhalter aus altem Segeltuch für Steuersäule genäht
    • Kühlwasserpumpe abgedichtet
    • Bowdenzug für die Fahrtstufenregelung ausgetauscht

Und das ist mit Sicherheit nicht alles, aber für’s Erste langt das. Wenn ich das von Handwerkern hätte machen lassen . . . nun, dann würde mit Sicherheit allein für die Arbeitsstunden eine Zahlen mit einigen Nullen vor dem Komma auf der Rechnung stehen . . . und ich arm wie eine Kirchenmaus sein.

Beim Einbau der Solarzelle hatte ich lediglich auf den Laderegler geachtet, da ich annahm, mein Batteriemonitor würde mir genug Auskunft geben. Schnell wurde mir aber klar, dass dem nicht so seien würde. Ärgerlich, aber letztlich bestellte ich die Fernanzeige nach und schon wuchs ein weiteres Umbauprojekt daraus. Frei nach dem Motto: Hast Du ein Boot, hast du immer was zu tun! Ich erinnere mich mit Schmunzeln an unseren Segellehrer, der von einem Verhältnis von 100 Stunden Arbeit zu 1 Stunde Segeln gesprochen hatte. Dieses Jahr stimmte das auf jeden Fall.

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so sah es vorher aus: die großen Schapps lassen viel Platz vermuten, das täuscht aber

Als Erstes baute ich die Schiebetüren aus und kürzte sie. Hinter den Türen waren bisher zwei Fächer, wobei das obere davon eigentlich nicht genutzt werden konnte, da dort Kabel lang liefen und es eh sehr schmal war. Daher hatte ich die Idee, vor das obere Fach ein Brett für Anzeigen zu setzen. Darunter klebte ich eine Leiste, in die ein Tischler an der unteren Kante zwei Führungsnuten für die Schiebetüren gefräst hatte.

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wie man sieht, das obere Fach ist eigentlich ein großer Kabelkanal

Erst mal montierte ich an dem neuen Anzeigenbrett zunächst das Display des SunSaver und verlegte anschließend das Kabel runter zum Laderegler. Später färbte ich das Holz ordentlich mit Teakbeize, damit es die rotbraune Färbung bekam.

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kleinere Schapps unten, dafür viel Platz für neue Anzeigen oben,

Das untere Fach verkleidete ich von innen mit Sperrholz und beizte das Holz mit Teakbeize. Jetzt sah das schon viel besser als. Nicht mehr dieses komische PVC oder was auch immer das war. Der Handscheinwerfer erhielt ein eigenes Fach und auch einen neuen Stecker.

. . . wie z.B. das SunSaverDuo RM1. Man sieht sofort: die Solarzelle liefert gerade 0,26A

Weil ich schon mal dabei war, baute ich gleich noch die Unterteilung der Schublade und des Nav-Tisches. Bisher konnte da drin alles umher rutschen. Im Navtisch entstand so ein großes Fach für die Seekarten und kleine Fächer für DSC_0179Bleistifte, Spitzer, Radierer und dergleichen und noch ein längliches für die Signal- und Gastlandsflaggen. HA! Was für ein Glück wir hatten! Die abgesägten Stücke der Schapptüren waren EXAKT in der Höhe des Nav-Tischfaches und zwei Abschnitte hintereinander waren genauso lang wie die Seekarten. PERFEKT! In der Schublade unter dem Nav-Tisch entstanden mehrere kleinere, zwei mittlere und ein großes Fach. Was da genau rein sollte, das würde sich noch zeigen, wahrscheinlich einige Segelutensilien, wie Ersatzblöcke, Schäkel usw. DSC_0181Auf jeden Fall “Die Kiste für Rasalhague“, die Nils uns geschenkt hatte, und in der jetzt das Segelnähzeug Platz gefunden hatte.

Beim Aufräumen nervte mich mal wieder der Cockpittisch. Ständig war er im Weg. Der Voreigner hatte ihn in der Backkiste gelagert, aber ich befand den Dorn zum Einhaken in die Öse an der Kompasssäule als zu gefährlich für die Segel und außerdem war das Rauskramen auch sehr bescheiden: Alle Segelsäcke raus, Tisch raus, Segelsäcke wieder rein . . . NEE, zu umständlich! Deshalb verfrachteten wir den Tisch bisher in die Hundekoje. Letztlich wollte ich aber auch die Hundekoje nutzbar machen und da inzwischen die Kühlbox von Bord gegangen war (die stand auch auf der Hundekoje und sicherte den Tisch), musste jetzt etwas her, um den Tisch zu sichern. Kurzerhand schnitt ich zwei Ripsbänder ab, die ich an die Tischunterseite schraubte und schob dann die beiden Tischbeine rein. Das war Nummer eins. DSC_0190Nummer zwei war der Tisch selbst. An die Decke der Hundekoje schraubte ich ein Führungsholz. Unten konstruierte ich ein passendes Gegenstück. Prima. Der Tisch kann leicht raus und rein geschoben werden, nimmt jetzt wenig Platz ein und ist seefest verstaut. WARUM nur bin ich NICHT SCHON FRÜHER auf die Idee gekommen?

Was auch UNBEDINGT und ganz dringend noch vor dem Sommertörn fertig werden musste, war die Verlegung eines Mini-USB-Ladekabels zum Tablet. Bisher ging uns regelmäßig nach 3-5 Stunden die “elektronische Navigation” aus. Schlecht, wenn man insbesondere vor unbekannten Hafeneinfahrten oder in schlecht bzw. spärlich  betonnten Seegebieten es dann DRINGEND brauchte. Was spricht dagegen, ein Kabel dahin zu verlegen? Beim Einbau des Kühlschrankkompressors habe ich die Rasalhague wieder einmal etwas besser kennen gelernt. Eigentlich ganz schön peinlich, nach zwei Jahren, aber diesmal entdeckte ich den Tankraum, den ich mir noch gar nicht angesehen hatte. Warum auch? Wir verloren ja auch kein Kraftstoff und Dieselpest hatten wir auch keine. Ein Blick in den Tankraum und mir fiel sofort auf, wie leicht es wäre, dadurch ein Kabel zu verlegen.

ein Blich hinter das Funkgerät offenbart ein weiteres Kabelgewirr
ein Blick hinter das Funkgerät: Kabelziehen nur mit Bootshaken möglich

Ich bohrte also in den Haltebügel an der Tablethalterung ein Loch und zog ein langes Kabel hindurch. Den Fuß hatte ich abgebaut und bohrte durch das Holz und das GFK noch ein Loch, fädelte das Kabel dadurch und kletterte in die Hundekoje. Nachdem ich hier die Seitenwand des Tankraums abgeschraubt hatte, sollte diese doch zu entfernen sein. NEEEE, aus irgendeinem Grund verklemmte sich das Holz, aber ich kam mit dem Arm dennoch rein und fischte mir das Kabel. Von hieraus verlegte ich es in die Decke der Hundekoje und zog es – wieder mit Heike’s Bootshaken-Trick – vor bis zum Funkgerät. Ein neues Loch im oberen Fach des Nav-Schapps war schnell gebohrt. Im “Mega-Kabelkanal” installierte ich DSC_0177eine USB-Steckdose und schloss sie über eine fliegende Sicherung mit 7,5 Ampère an einen Wippschalter in der Schalttafel an. Das war natürlich zu viel, aber die 3A-Sicherung befand sich noch im Zulauf.  Auf das Ende des verlegten Kabels kam ein USB-Stecker und an das andere Ende am Haltebügel wurde der Mini-USB-Stecker gelötet. Da ich auch nur Strom und keine Daten wollte, brauchte ich nur die rote und schwarze Ader zu verlöten, grün und weiß kappte ich einfach. Wichtig dabei war, dass die Verlängerung einen größeren Querschnitt hat, damit der Strom überhaupt ankommt. USB-Kabel haben ja hauchdünne Adern. Ich nahm einfach das zweiadrige Kabel mit je 1,5mm². Damit war der Stromverlust durch die Leitung verhindert. Fertig! Mit dem Phasenprüfer testete ich und maß um die 4,75 Volt an der Steuersäule. Sehr gut!

JA, die Installation der Solarzelle war absolut notwendig gewesen, denn ab jetzt wollen Dauerverbraucher wie Kühlschrank, Bilgenlenzpumpe, Radio, Funkgerät, und Tablet versorgt werden. Das hätte sonst die Batterie ganz schön belastet. Und bei Sonnenschein liefert die Solarzelle im Idealfall 3,75 Ampère, also ungefähr doppelt so viel, wie durchschnittlich an Strom bei Tag verbraucht wird.

Vor ein paar Tagen war ich spontan mit einem Kollegen abends segeln, weil es brütend heiß war und wir etwas Abkühlung suchten. Viel Wind war jedoch nicht, deshalb gibt es hier auch im Grunde nichts zu davon zu berichten, ABER etwas muss dennoch erwähnt werden: Beim Anlegen bekam ich einen gehörigen Schrecken, denn als ich in der Gasse auf dem Teller drehen wollte und einen kräftigen Pull zurück gab, . . . PASSIERTE NICHTS! Nur ein wenig Schraubenstrom und Verwirbelung konnte ich auf dem Wasser sehen. Das reichte nicht zum rechtzeitigen Aufstoppen! Schnell das Ruder auf Hart Steuerbord gelegt, damit wir nicht auf ein anderes Boot aufliefen. Mit Geduld und Fingerspitzengefühl konnten wir auf kleinster Fahrtstufe das Anlegemanöver abschließen. WAS, UM HIMMELS WILLEN, WAR DENN NUN SCHON WIEDER? Als ich dann tags drauf das Problem analysierte, kam ich zum Schluss, dass der Bowdenzug, der die Fahrtstufe regelt – also den Treibstoffhahn aufzieht und schließt – defekt war. Zumindest lag die Ursache an der Übertragung vom Gashebel zum Motor, denn von Hand konnte ich die Fahrtstufe am Motor direkt verändern. Tags drauf konnte ich mit Heike den Fehler weiter einkreisen: Es war der Bowdenzug, vermutlich gerissen, denn es tat sich am Motor gar nichts, wenn Heike auf “Volle Kraft voraus” ging. Beim anderen Bowdenzug spürte man das Kabel im Mantel sich bewegen, aber der für die Fahrtstufe muckste nicht mal. So etwas MUSSTE ja unbedingt zur Kieler Woche, vor allem aber unmittelbar VOR UNSEREM SOMMERTÖRN passieren. So schlimm wie Robert Redford in “All is lost” erging es uns auf jeden Fall NOCH nicht, denn: Erstens waren wir IM Hafen und lagen gut vertäut am Steg. . . . Zweitens: Ich konnte mir schon gleich ein Ersatzteil besorgen. . . . und Drittens: Wir konnten immerhin noch segeln. Außerdem besser jetzt, als WÄHREND des Törns. Nicht auszudenken, und dann noch Flaute . . . PUUUH!

Der Yanmar SM12: Robustes Teil, der auch von Laien wie mir noch gewartet werden kann.
Der Yanmar YSM12: Robustes Teil, der auch von Laien wie mir noch gewartet werden kann. Die Ursache lokalisierte ich auf der linken Seite beim Bowdenzug der Fahrtstufe. Diagnose: Gerissen oder gebrochen.
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Das Corpus delicti: der Bowdenzug war direkt an der Verbindung Draht – Steuerstück gebrochen, ich denke mal Materialermüdung nach über 30 Jahren

Ich kaufte mir also bei AWN einen 7 Fuß langen Bowdenzug, das sollte lang genug sein. An Bord musste ich erst mal den alten Bowdenzug abbauen. Der Mitnehmer und das Gabelstück waren schnell entfernt, jetzt konnte ich den Draht raus ziehen. Ich zog und zog  und zog . . . ‘Mmmh, der ist deutlich länger als 7 Fuß!’ Ich befürchtete schon, dass ich ein längeres Steuerungsseil besorgen müsste. Das Ende kam in Sicht und sah für mich erst mal nicht verdächtig aus. ‘Vielleicht ist der Draht ja nur rausgerutscht. Kann ich das noch reparieren?’ Aber als ich am Schaltkasten das andere Ende des Bowdenzuges abmontierte, war dann klar: NEEEE, das Teil war gebrochen. Also musste das alte Steuerungsseil raus. Der Mantel des Bowdenzuges war mit einer Schelle an einer Halterung am Motorblock befestigt um den idealen Winkel für den Zug zu garantieren. Da ich nicht an die Schrauben der Schelle ran kam, versuchte ich die Halterung abzuschrauben. Für die zwei Bolzen benötigte ich fast EINE STUNDE! Wie kann man nur die Schrauben so ungünstig anbringen? DSC_0194Ich hab ja nun wirklich keine dicken Hände, aber nur mit Müh’ und Not bekam ich den Maulschlüssel in Position und konnte die Bolzen entfernen. Endlich war der Zug frei und konnte rausgezogen werden. Ich wollte dabei gleich den neuen Bowdenzug durchziehen und verband daher die beiden mit Tape. Dann kroch ich hinter in die Hundekoje und versuchte den alten Bowdenzug rauszuziehen. NICHT EIN MILLIMETER bewegte sich das Teil. MIST! Nachdem ich die Abdeckung gelöst hatte, erkannte ich warum: Der Zug war mit einer Schelle an der Rückwand des Tankraumes befestigt und die klemmte den Zug schön fest. Dummerweise konnte ich die Verkleidung nur lösen, aber nicht entfernen und damit blieb die Schelle außerhalb meiner Reichweite. Eine andere Lösung musste her. Ich ertastete die Kabelöffnung an der vorderen Schottwand des Tankraumes: Hier war noch Platz. Also schob ich den Bowdenzug da durch und konnte dann dass Ende von der Hundekoje aus hinter der Abdeckung fischen. Jetzt würde sich zeigen, ob der Zug zu kurz war. Ich zog ihn weiter durch und schraubte ihn am Schaltkasten an, kroch aus der Hundekoje raus und suchte im Motorraum nach dem anderen Ende. ES WAR WEG! ‘Mist, doch zu kurz!’ Ich tastete im Dunkel hinter dem Motor und konnte den Bowdenzug fassen. Er hatte sich nur anders hingelegt . . . und passte HAARGENAU. Nicht ein MILLIMETER zu kurz! DSC_0195Puuh, was für ein Glück! Jetzt musste ich nur noch die Halterung wieder an den Motorblock ran schrauben. Das dauerte zwar wieder sehr lang, aber letztendlich war der Bowdenzug an seinem Platz. Funktioniert es denn? Ich startete den Motor und gespannt gab ich Gas. DA! Es ließ sich schon bedeutend schwerer schalten und . . . JAAAA, das Boot zog an den Leinen. WOW! Heike meinte später: “Du kannst stolz auf dich sein, denn du hattest gleich eine Vermutung, hast das Problem sehr schnell richtig erkannt und du konntest es ALLEINE beheben. Hut ab!” Mmmh, stimmt schon, ein Mechaniker hätte schon für das “Guten Tag” wahrscheinlich 200 Flocken genommen, aber einen Mechaniker ersetzen werde ich deshalb noch immer nicht.

OP am offenen Herzen: die abgebrochene Schraube musste aufgebohrt werden
OP am offenen Herzen: die abgebrochene Schraube musste aufgebohrt werden

Bei der Gelegenheit ging ich aber gleich mal die Reparatur der Kühlwasserpumpe an, denn die leckte seit geraumer Zeit etwas. Mir war beim Impellerwechsel letztes oder vorletztes Jahr eine Schraube abgebrochen, konnte aber dennoch den Deckel wieder dicht ziehen. Leider war der Dichtungsring aus Papier inzwischen an der Stelle durchgerottet und daher tropfte es halt. Ich hatte noch Ersatz und tauschte dabei auch gleich alle Schrauben aus, denn die sahen alle nicht mehr besonders langlebig aus.

Patient hat überlebt: Dank der neuen Schrauben ist das Impellergehäuse wieder dicht
Patient hat überlebt: Dank der neuen Schrauben ist das Impellergehäuse wieder dicht

Da die neuen Schrauben aber länger sind, hab ich je eine Mutter und drei Unterlegscheiben als Druckverteiler und Abstandhalter eingesetzt. Mmmh, eigentlich clever, denn sollte der Schraubenkopf mal “vergriesnagelt” sein (wie meine Mom das zu nennen pflegte), hatte ich mit der Mutter und einem Maulschlüssel eine höhere Chance, die Schraube wieder gängig zu bekommen.

Auch Heike hatte noch so Einiges erledigt. So entstanden Taschen für die hintere Backskiste, in den z.B. die Wasserschläuche gelagert werden. Für den Salon hatte sie graue Tischsets gehäkelt,IMG-20170525-WA0005 passend zu unseren Kissen und Vorhängen, die sie selbstverständlich auch genäht hatte. IMG-20170525-WA0002Dann nähte sie eine Gardine für die Vorpiekluke, einen Vorhang für das Steckschott und passte auch noch einen Schonbezug und ein Spannbettlaken für die Vorpiek an. Überhaupt, es ist inzwischen sehr stilvoll an Bord geworden.

Mit Sehnsucht hatte ich bereits auf die Mail von meinem Segelmacher aus Flensburg gewartet, denn ich wollte das Segel selbst abholen und bei der Gelegenheit gleich bei Migges Danish Bakery eine dieser unbeschreiblich leckeren Marzipan-Schoko-Nusstorten holen. Am ersten Freitag der Kieler Woche traf die Mail ein, ich könne das Segel am Nachmittag abholen. Sicherheitshalber rief ich bei Migges an und wollte eine vorbestellen . . . und dann die KATASTROPHE! “Heute leider nicht im Angebot.” WAAAAAS? Wie konnte denn das passieren? Dennoch machten Heike und ich den Ausflug, allerdings mit dem Auto. Wieder keine Meilen auf der Logge! Aber wir hatten auch keine vier Tage Zeit um mit der Rasalhague nach Flensburg und zurück zu segeln. Schick sieht es aus, das neue Großsegel.

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Das neue Großsegel, nur noch die Latten einziehen und fertig

Am Samstag wollte ich es dann auch gleich aufziehen, aber . . . WAS WAR DAS? Die Mastrutscher sahen mir schon sehr verdächtig breit aus. Ob die passen? NEIN! NATÜRLICH NICHT! VERFLIXT! Einen Rutscher konnte ich mit Müh’ und Not in die Mastnut einfädeln, aber der Steg war zu breit um dann hoch geschoben zu werden. Wenigstens passen die Rutgerson-Schlitten der Segellatten problemlos in die Mastnut. Die Segelmacherei versprach mir das umgehend zu ändern. “Bei mir passen auf jeden Fall die Allen-Rutscher 458, denn das sind die jetzigen.” gab ich sicherheitshalber noch mit. Mmmh, ich rief dann gleich mal bei Migges an und wollte ZWEI Kuchen bestellen, einen für den ersten Versuch und einen zweiten, weil . . . er einfach klasse schmeckt. Ich fahr doch nicht nochmal ohne Chance auf Kuchen nach Flensburg! Aber hier spielte dann die Konditorei nicht mit. DANN HALT NICHT! Freitag vor der Parade waren die Mastrutscher getauscht und das Segel konnte endlich aufgezogen werden. Aus dem Tuch des alten Großsegels will Heike dann auch gleich mal zwei Flaschenhalter nähen, die an den Haltebügel geklettet werden können. Das wird auch sehr schick, da bin ich mir sicher!

Ich schaute mich um . . . nirgends war eine Baustelle. Waren wir wirklich fertig? Irgendwie konnte ich es nicht glauben, aber wir waren mit den Verbesserungen und Umbauten tatsächlich durch. Die Rasalhague war wirklich, wirklich fertig! War ja auch höchste Zeit, denn der Sommertörn steht unmittelbar vor der Tür.

Jetzt, . . . ja JETZT . . . ist sie ECHT KLASSE!

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